Archiv der Kategorie: Nordlichter

Mein Herz schlägt für Dänemark – Band II – Dänemark für Kenner

Es wäre ein Frevel zu behaupten, dass man als Leser von „Mein Herz schlägt für Dänemark – Band II – Dänemark für Einsteiger“ nicht mehr nach Dänemark fahren müsste. Man weiß ja eh schon alles. Danke Kathrin von Maltzahn. Nee, nee … hinfahren muss man schon noch. Vor allem, weil die Autorin noch viel mehr zu berichten weiß. Dafür verleiht sie dem Leser das Prädikat „Kenner“. Band II ihrer Dänemark-Trilogie – um Missverständnissen vorzubeugen: Nein, es handelt sich nicht um eine typisch skandinavische Krimireihe – überrascht mit der Tatsache, dass es doch noch Flecken in Dänemark gibt, die sie bisher im Verborgenen hielt.

Jütland, Seeland und die Inseln Ǽrø, Langeland, Fejø und noch einmal Lolland geben sich die Ehre ihre Schätze vor dem geneigten Besucher zu präsentieren.

Vorhang auf für die Tipps und Tricks für den perfekten Aufenthalt in Dänemark. Es muss nicht immer alles Schnell-schnell gehen: Ist die Fähre von Kragenæs nach Fejø mal zu voll – dass Dänemark eine Reise wert ist, wissen nun mal eben ein mehr Leute als einem manchmal lieb ist – setzt man sich in die kleine Grillbar und genießt man die Aussicht bis die nächste Fähre … ach da ist sie ja schon … eintrifft. Wer mit Kathrin von Maltzahn reist, in ihren Büchern stöbert, vergisst die Zeit, legt den Alltagsstress ad acta und genießt die schönste Zeit des Jahres mit dänischer Gelassenheit.

Zum Beispiel in Ebeltoft. Apfelfest und wilde Tiere heißt es in der Kapitelüberschrift. Von der Aarhus-Bucht bis Grenå gelangt man von hier aus zur Halbinsel Djursland. Im malerischen Følle fällt man aus seinem Ferienhäuschen direkt in den weißen Sandstrand. Gerade richtig, um den Tag gemütlich-genüsslich anzugehen. Vielleicht mit einem Picknick? Oder einem Spaziergang? Das ist jedem selbst überlassen. Die Autorin gibt hier lediglich Hilfestellung. Jeder Satz ein Ausflugstipp, der keine Wünsche offenlässt.

Hier kann man es sich gutgehen lassen und den Urlaub genießen. Doch halt! Zum Stichwort Genießen hat Kathrin von Maltzahn noch etwas im petto. Band III.

Mein Herz schlägt für Dänemark – Band III – Dänemark für Genießer

So genug eingestiegen, genug kennengelernt – jetzt wird genossen! Genießerferien auf  Samsø, Læso oder Bornholm und Insidertipps für Kopenhagen, Aalborg und Aarhus. So steht’s geschrieben – so wird’s gemacht! Ja, mittlerweile folgt man Kathrin von Maltzahn auf Schritt und Tritt. Sie kennt die ausgetretenen Pfade, weiß wie man sie umgeht und führt den Leser, der nun sicher schon vor Ort war (zumindest bald in Dänemark seinen Urlaub verbringen wird), sicher ans Ziel seiner Sehnsüchte.

Selbst ein so profanes Unternehmen wie eine Stadtrundfahrt, die gern von temporären Gästen mit unstillbarem Besichtigungshunger bevorzugt wird, kann ihren Reiz haben. Einfach aufspringen, wenn der Bus kommt, und ihn wieder verlassen, wenn’s spannend wird. Und wann dies genau der Fall ist, steht in diesem Buch!

Oft entsteht die Zuneigung zu einem Land, wenn man die Hauptstadt oder eine andere Metropole besucht. Schritt für Schritt erobert man die Stadt, ihre Straßen und Plätze, Bars, Cafés, Gebäude, Parks und bekommt Appetit auf Mehr. Sobald man das Umland erkundet hat, ist es nur ein kleiner Schritt den Rest des Landes für sich erschließen zu wollen.

Kathrin von Maltzahn geht den umgekehrten Weg. In ihrer dreiteiligen Liebeserklärung an Dänemark macht sie das, was Millionen schon vor ihr getan haben. Dänemark individuell vom Meer (im kleinen Ferienhaus am Strand) erkunden und hier das Basislager aufzuschlagen. Vom Einsteiger entwickelt man sich kontinuierlich zu Kenner, um nun ganz logisch zum Genießer aufzusteigen.

Eine Stadt wie Kopenhagen nimmt man nicht einfach mal so mit. Die Hauptstadt mit royalen Bewohnern verdient es genauer unter die Lupe genommen zu werden. Egal wie prall der Geldbeutel gefüllt ist, auch in Band III kommt jeder auf seine Kosten. Und was gibt es Schöneres als am Wasser zu stehen und die Stadtansicht mit einem leckeren Eis in der Hand zu genießen. Blöd, wenn man jetzt nicht weiß, wo der nächste Eisstand ist, und von wo man den besten Blick hat. Wer die ersten beiden Bände schon verinnerlicht hat, weiß wen er zu fragen hat. Na klar, die Autorin selbst.

Aarhus drängt sich immer mehr in den Vordergrund und aus dem Schatten des übermächtigen Kopenhagen. Den lille storby – die kleine Großstadt – wird Aarhus auch genannt. Nicht so überlaufen wie mancher Platz in der Hauptstadt bietet Aarhus die perfekte Mischung aus Großstadt und idyllischen Orten, die man hier vielleicht nicht auf Anhieb erwartet. Ein prall gefülltes Programm erwartet den Leser / Gast in Aarhus und im Buch.

Drei Bücher, die Lust machen Dänemark noch einmal oder immer wieder neu zu entdecken. Die Mischung aus Bekanntem und Neuem macht es immer spannend die Seiten durchzublättern, vor dem Urlaub, mittendrin oder auch im Nachgang, um sich das Erlebte noch einmal zurückzuholen. Kathrin von Maltzahn wurde schon früh vom Dänemark-Virus infiziert. Ihre drei Reisebände beweisen eindrucksvoll, dass Reisen bildet und diese Lust ansteckend ist. Wer nach Dänemark reist, sollte nicht versäumen in diesen drei Bänden zu schmökern.

Hamburg

In Zeiten von fake news ist das so genannte fact checking von besonderer Bedeutung. Und so kommt’s, dass man bei der dritten Auflage des Hamburg-Reisebandes von Matthias Kröner erst einmal über die Neugestaltung des Buches (und der gesamten MM-City-Reihe) staunt und dann schon vor dem ersten Durchblättern stutzt: „Da ist etwas anders!“. Das ist gut so! Aus Bordeauxrot mach Margenta. Geschmackssache. Und bei Reisebänden spielt die Außenfarbe eh keine Rolle. Wichtig ist, was drin steckt, schließlich steckt die Nase ja andauernd drin, und was rauskommt. Keine Angst! Der Inhalt litt in keiner Weise unter der neuen Farbgebung. Im Gegenteil. Hamburg ging jahrelang schwanger mit einem architektonischen Wunderkind, das einfach nicht ans Licht der Welt wollte. Manche bezeichneten es schon als Rosemarys Baby. Doch als es dann endlich da war, glockenhell sein Erscheinen kundtat, waren alle hellauf begeistert. Die Rede ist von der Elbphilharmonie. Ein guter Grund die dritte Auflage des MM-City-Reisebandes Hamburg in Angriff zu nehmen. Doch nicht der einzige Grund!

Zehn Touren hat sich Matthias Kröner teils noch einmal vorgenommen. Noch einmal Fischbrötchen, noch einmal Reeperbahn, Ritze, Rote Flora. Noch einmal? Nicht ganz. Denn auch an Hamburg nagt der Zahn der Zeit und Veränderungen sind hier nicht weniger willkommen als im Rest der Welt. Der oft als spröde verschriene Charme der Norddeutschen wird in Hamburg auf Hochglanz gebracht. Die Nase immer im Wind und nicht in den Wolken. Das verbindet die Hamburcher mit diesem Buch. Bodenständige Exklusivität, verpackt in einem neuen praktikableren Gewand. Der Zahn der Zeit, wir müssen noch einmal zu ihm zurückkommen, muckerte und muckerte bis der Doktor (also die Macher) den Kreativbohrer ansetzten und den Zahnstein der Gewohnheit entfernten. „In Hamburg sagt man Tschühüss“, auch zu den geliebten gelben Infokästen. Doch nur zum Gelb. Ein zartes Lila bringt nun den geneigten Reisenden dazu sich hier heimisch zu fühlen und Anekdoten wie ein Ureinwohner herausblasen zu können. Passt einfach besser zum Margenta. Inhalt – wie gesagt – immer noch eine Bereicherung jedes Schrittes durch die Hafenmetropole. Und noch eine Neuerung: Die einzelnen Kapitel werden nun in kurzen Worten angeteast, d.h. kurz dass man nun schon vorher ganz genau weiß, wo der Weg lang führt und was einen erwartet. Wer jetzt vorwitzig meint, was mich nicht interessiert, kann ich ja getrost weglassen oder überlesen, irrt. Das wäre so wie wenn man sich an die Elbe stellt, vor dem Millerntor ein Astra trinkt und auf St. Pauli die Damen nett grüßt und meint Hamburg zu kennen. Nee, das is nich so! Wer weiß schon, wo in Hamburg man so richtig leckeres und supergünstiges Kantinenessen gibt. Wer’s nicht weiß, hat ein Brett vorm Kopf. Die, die’s wissen, haben selbige unter den Füßen – Hinweis verstanden? Bretter, die die Welt bedeuten? Alles klar? Ja, das und die Faszination von sieben Knoten, einem Duell, das über dreihundert Jahre zurückliegt oder die besten Plätze für Schiff-Spotting erfährt man nur bei Matthias Kröner und dem Michael-Müller-Verlag.

Für Puristen liegt ein Stadtplan bei, für Modernetiker gibt’s ’ne Web-App. Und wie immer Tipps und Ratschläge wie Sand am Meer. Wenn man nicht so ungeduldig wäre und es kaum erwarten kann, was einem in der vierten Auflage an Neuerungen geboten wird, könnte man nun ganz entspannt nach Hamburg reisen…

Weihnachten bei den Elchen – Die schönsten Wintergeschichten aus Skandinavien

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Ach wie ruhig kann Weihnachten sein! Ach wie ruhig ist es auch! Meistens! Leise rieselt der Schnee, Glöckchen klingen, der Duft von Gebäck liegt in der Luft. Es ist Frieden! Und irgendwie kommen einem Bilder von Skandinavien in den Sinn. Warum? Keiner weiß es so recht. Vielleicht, weil dort immer, zumindest jedoch öfter als in unseren Breiten auch wirklich Schnee liegt?! Oder weil der Weihnachtsmann dort zu Hause ist?! Egal, Adventsstimmung und Skandinavien haben eine Verbindung. Und das lässt sich literarisch sogar beweisen. „Weihnachten bei den Elchen – die schönsten Wintergeschichten aus Skandinavien“ bildet den friedlichen Ringelreih zum Fest aus dem Schneegestöber-Norden.

Und wie es sich für einen Geschichtenband gehört, fängt es mit „Es waren einmal …“ an. Elsa Beskow erweckt die Wichtel zum Leben. Ein vorwitziger Wichteljunge erlebt durch seine Neugier und Vorwitzigkeit das Abenteuer seines Lebens. Er zaubert Lachen in die Gesichter der Kinder, doch vermisst er auch die Familie, bei der er und seine Familie ein Heim gefunden hat. Mit warmen Worten lässt die Autorin ihre Geschichte gut enden und den Leser mit dem guten Gefühl zurück, dass nicht jeder Fehltritt unendlich zu bereuen ist.

Henning Mankell begibt sich mit seiner Weihnachtserinnerung auf ein neues Gebiet. Keine Morde, keine Schicksalsschläge in weiter Ferne – nein, eine ganz normale Weihnachtserinnerung, die in ihrer Klarheit und Poesie mehr an Truman Capote erinnert, denn an düstere Komplotte und Intrigen.

Astrid Lindgren – ja, sie darf in solch einem Buch niemals fehlen, lässt den Schrecken von Gevatter Tod durch die besinnliche Zeit verblassen. Die Präzision ihrer Worte trifft den Leser mitten ins Herz. Der Geist der Weihnacht siegt über die Schatten des irdischen Seins.

Diese Geschichtensammlung hat es in sich. Nicht wegen der großen Namen – auch Selma Lagerlöf leistet ihren literarischen Beitrag – sondern wegen der sorgfältig ausgesuchten Kurzgeschichten. Kein verklärtes Heimatklischee kreuzt den Wohlklang lebensechten Einblicke ins Leben unserer nördlichen Nachbarn. Kindheitserinnerungen wechseln sich ab mit Rückblenden als alles überhaupt nicht besser war, sondern entbehrungsreich. Kleine Gesten schieben die trüben Wolken beiseite und lassen Kinder- wie Erwachsenenherzen höher schlagen. Dieses Buch in den Händen eines versierten Vorlesers, den Nachwuchs auf dem Schoß, ist der perfekte Einstand für die Adventszeit!

Christina von Schweden – Ich fürchte mich nicht

Christina von Schweden - Ich fürchte mich nicht

Was für eine Frau! In einer Zeit, in der fast ganz Europa – salopp gesagt – es modern findet sich zum Protestantismus zu bekennen, geht sie den umgekehrten Weg und wurde Katholikin. Sie verzichtet auf den Thron. Das wäre so als wenn heutzutage ein Afd-Politiker mit einer Blume im Gewehrlauf Flüchtlinge an der Grenze empfängt, um sie anschließend (und ohne Hintergedanken) in seiner von ihm geschaffenen Unterkunft eine neue Heimat gibt. Natürlich sorgte das damals für Unruhe, genauso wie der AfDler heute für Aufsehen sorgen würde.

Doch der Reihe nach. In Europa wütet der Dreißigjährige Krieg. Der Schwedenkönig Gustav II. Adolf eint so manche Armee und ist so was wie der Platzhirsch im Schlachtengetümmel. Zuhause warten Volk und Familie auf die Rückkehr. Vor allem Christina wartet. Sie wird einmal das Reich regieren. Nach dem Tod des Vaters wird sie maßgeblich an der Beendigung des drei Jahrzehnte dauernden Krieges beteiligt sein.

Christina konnte von ihrer leiblichen Mutter weniger Liebe erwarten als von ihren Kindermädchen. Sie war verliebt, durfte aber ihren Schwarm nicht heiraten. Doch die beiden waren sich immer zugetan. Bis sie ihm ihre Zuneigung entzog. Als erbitterter Feind war er maßgeblich an ihrer erzwungenen Abdankung beteiligt.

Eine Frau auf dem Thron war schon damals nicht für die Arrivierten. Und dann auch noch eine, die sich partout weigert zu heiraten – untragbar. Charlotte Ueckert legt lückenlos dar wie die immer noch starke Frau sich an den Papst wendet, Katholikin wird und im französischen Exil immer noch den Status einer Königin eines einst einflussreichen Landes genießt. Mit aller Macht verteidigt sie ihren Lebensstil. Wer ihr im Weg steht, tut dies nicht lang.

So eine starke Frau und kam ein Geschichtsbuch erwähnt sie. Gerade in Zeiten der Gleichberechtigung – und Schweden ist nach eigenem Bekunden da ganz weit vorn – ein Fauxpas historischem Ausmaßes. Denn selbst in ihrer Heimat ist sie nur wenigen wirklich bekannt. Der Name, ja, der sagt einigen was, auch wegen ihres berühmten Vaters. Aber über ihr Leben können nur wenige (Schweden) etwas sagen. Charlotte Ueckert ändert das mit einem einzigen Buch. Einhundertvierzig Seiten genügen, um der verschmähten Schwedenkönigin ein Denkmal zu setzen. Wer Geschichte nicht nur als bildhaftes Kriegsgemetzel mit Experten-Einspielern von TV-Professoren begreift, bekommt bei diesem Buch feuchte Augen.

Der Untertitel „Ich fürchte mich nicht“ ist mehr als nur eine bloße Floskel. Heutzutage wäre Christina von Schweden ein gern gesehener, streitbarer Gast in jeder Talkshow. Und sie hätte sicherlich so einiges zu sagen, was die Politik in Schweden, aber vor allem in Europa betrifft. Und vielleicht schaffen es die Geschichtsbuchschreiber bis zum 8. Dezember 2026 Christina von Schweden in ihre Werke aufzunehmen. Dann würde sie ihren 400. Geburtstag feiern können.

Reise nach Island – Kulturkompass fürs Handgepäck

Island fürs Handgepäck

Das Jahr 2016 könnte das Jahr Islands werden. Sie sind endlich mal bei der Fußball-EM dabei – und nicht länger immer mal wieder „nur“ ein Stolperstein für Qualifikanten – und die Panama-Papers rücken das Land wieder einmal negativ in den Fokus der Öffentlichkeit. Bisher galt es als Reiseziel für Individualisten. Unendliche Weiten, unberührte Natur. Ha, da haben wir’s! Unberührte Natur. Von wegen! Schon in den ersten Geschichten des Buches wird klar, dass auch in Island nicht alles Gold ist, was glänzt. Ein gigantisches Kraftwerkprojekt drohte hier in einer Katastrophe zu enden. Die Rahmenbedingungen stimmten nicht so ganz. Und die Isländer? Die warten erstmal ab. Hektik ist ihnen fremd. Macht sie irgendwie sympathisch.

Der „Kulturkompass fürs Handgepäck“ vereint Texte aus Zeitschriften und Extrakte aus Büchern von Isländern bzw. Islandfans. Sie sind das Salz in der Suppe der Fakten über den Inselstaat im Norden des Atlantiks.

Wenn man im Flieger nach Reykjavik sitzt – was so um die sechs, sieben Stunden dauert – hat man genug Zeit sich auf die Gepflogenheiten des Landes einzurichten. Hier haben Trolle noch ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Hier ist man stolz auf di eigene Identität. Hier kommen mehr Schriftsteller auf einen Einwohner als sonst wo in der Welt. Hier werden Speisen angerichtet, die es auch wirklich nur hier gibt…

Island ist so fremd und doch so nah, dass es notwendig ist sich mit dem Land auseinanderzusetzen. Ansonsten ist man aufgeschmissen! Dieses kleine Büchlein ist die Quintessenz dessen, was einem auf der Insel erwartet. Von Halldór Laxness, dem Nobelpreisträger über Jules Verne, der seine Figuren hier zum Mittelpunkt der Erde vorstoßen ließ, bis zu Gudmundur Andri Thorsson geben alle Autoren einen – dokumentarischen bis hin zu fiktionalen – Einblick in das Inselleben. Die volle Breitseite isländische Kultur!

Bornholm

Bornholm

Einer gegen Alle: Bornholm ist geradezu verschrien als Insel der Biederen. Kleine, süße, genormte Ferienhäuschen in der rauschenden Gischt der Ostsee. Aber bitte alles ordentlich! Andreas Haller stemmt sich mit all seinen Erfahrungen und seiner Leidenschaft für die dänische Urlaubsinsel im Baltischen Meer gegen die Phrasendrescherei der Vorverurteiler.

Man braucht nicht gleich das ganze Buch auf einmal zu lesen, um die Insel in sein Herz zu schließen. Schon das Titelbild macht Lust auf weite Strände und undaufgeregte Inselarchitektur unter blauem Himmel. Im besten Wortsinne ist Bornholm eine echte Familienurlaubsinsel.

Mehr als nur Schafe gucken und planschen ist allemal drin. Kleines Experiment gefällig? Einfach mal das Buch aufschlagen, Seite 138, Kapitel: Der Osten, „Rund um den Gudhjem“. Gleich zu Beginn eine schlechte Nachricht: Baden ist hier nicht das Erste, was Einem in den Sinn kommt. Versprochen, das ist und bleibt die letzte schlechte Nachricht. Von jetzt an geht es nur noch bergauf. Weiter im Süden kann man baden. Erster Pluspunkt. Wer zu Fuß nach Melsted läuft (dort, wo man endlich baden kann), passiert eine spektakuläre Klippenszenerie. Zweiter Pluspunkt. Kirche, Museum, Mittelalterzentrum sind weitere Sehenswürdigkeiten auf dem Weg. Dritter, vierter und fünfter Pluspunkt. Klingt doch erstmal ganz unterhaltsam und tagesfüllend, dafür, dass man das Buch eher zufällig aufgeschlagen hat, oder?! Das Spiel ließe sich unendlich bzw. 240 Seiten lang fortsetzen. Und natürlich beschleicht einen das Gefühl, das Andreas Haller die Insel verdammt gut kennt. Tut er! Die farbigen Infokästen bilden den kontrastreichen Wissenswiderpart zu den wissensreichen Texten im Buch. Wellness, Wandern, Klettern (spätestens hier geht es nur bergauf), Shopping, Golf, Baden, Inselgeheimnisse, Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten, ach die Liste der unerlässlichen Tipps ist schier endlos.

Wer pauschal die Insel besucht, wird mit diesem Buch zum Über-Den-Tellerrand-Gucker. Wer auf eigene Faust die fast 600 Quadratkilometer erkunden will, kommt an diesem Buch einfach nicht vorbei. Nur für eifrige Strandburgenbauer, die hier ihren Traum vom eigenen Reich verwirklichen wollen, ist dieses Buch einfach 240 Seiten zu dick. Für alle anderen ist es eine wahre Schatztruhe voller Reichtümer, die die schönste Zeit des Jahres noch lange nachklingen lassen. Weit über einhundert Fotos vermitteln den Bornholm-Neulingen einen getreuen Einblick und machen Appetit auf mehr. Jetzt muss nur noch die Reisezeit heranreifen. Und die Zeit nutzt man am besten mit diesem Buch!

Hamburg

MM-City Hamburg

Ring frei zur zweiten Runde! Im Boxsport kommt jetzt die Zeit, in der man sich den Gegner zurechtlegt, schaut, ob die eigene Taktik funktioniert, und in der man ganz ruhig dem Erfolg entgegenstampft. Bei dieser Zweitauflage des MM-City-Reisebandes Hamburg wurde der Weg zum Erfolg schon mit der ersten Auflage vorgegeben. Somit ist die Zweitauflage keine Ergänzung im herkömmlichen Sinne, sondern eine Titelverteidigung. Und es gibt keine Manipulationen. Doch, gibt es! Zielgruppe: Potentielle Hamburch-Besucher. Und die wollen unterhalten und informiert werden.

Zweihundertsechsundsiebzig Seiten lang verfolgt der Leser das bunte Treiben in der Stadt. Kleine Aufenthalte in Bars und Restaurants, an erholsamen Punkten für Körper und Geist, auf belebten Straßen, in Vierteln, die in diesem Buch ihre Geheimnisse preisgeben, darf der Leser innehalten. Doch was ist schon eine Verschnaufpause, wenn das Reisefieber in einem hochkocht?

Matthias Kröner schafft den Spagat zwischen Information und Unterhaltung spielend. In jedem Satz schwingt das leise Wegweisen mit ohne dass der Leser ins Stöhnen kommt. „Nicht noch ein Tipp – das Leben ist zu kurz!“, diese Plattitüde kommt gegen die Wucht dieses Buches nicht an. Hamburg mal eben so mitnehmen, auf der Durchreise eine Stippvisite machen: Kein Problem! Dann halt nur eine Tour, statt der beschriebenen sieben Touren. Wie wäre es mit einem Spaziergang am Elbufer? Oder durch Alt- oder Neustadt? Den Hafen? St. Georg und Außenalster? Doch lieber Altona-Altstadt und Ottensen? Sankt Pauli soll`s sein? Bitte sehr gern. Einmal vorblättern zur Seite 112. Auf den folgenden Seiten, sechsundzwanzig an der Zahl, wird dem Mythos gehuldigt (ja, auch den Weltpokalsiegerbesiegern – Bayernfans ist die Schmach vom 6. Februar 2002 inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen). Keine Scheu vor großen Namen, heißt es auf dem einst so heißen Pflaster. Wie zum Beispiel in der „Ritze“, einer Kneipe, die schon von außen mit derber Offenheit lockt. Im Keller der „Ritze“ haben übrigens schon Weltmeister trainiert. Boxweltmeister.

Und so schließt sich der Kreis. Der Gong zur letzten Runde ertönt. Erschöpft und froh darüber, dass das Buch noch lange nicht das Ende der Träume von Hamburg ist, gelangt man auf die letzen Seiten. Nicht schlapp machen, konzentriert bleiben. Die Belohnung wartet ja schließlich noch. Im Ring gibt es ein Kampfurteil, im Buch einen herausnehmbaren Stadtplan. Wohlwollend hat der Leser die kleinen gelben Kästen durchgelesen. Hier wird Stadtgeschichte erlebbar. Kurze Anekdoten, die haftenbleiben und vor Ort die Stadt noch interessanter erstrahlen lassen. Ein Boxer hat einen großen Stab an Helfern, die ihm zu dem machen, was er ist. Hamburg-Besucher haben‘s da einfacher: Sie benötigen nur einen Helfer: Diesen!

Tanz auf den Klippen

Tanz auf den Klippen

Aus so ziemlich jedem europäischen Land können die meisten einen oder mehrere Autoren bzw. einen Buchtitel benennen. Sei es auch nur, weil die Werke verfilmt wurden. Doch von den Färöer-Inseln? Da wird’s eng! Von der kleinen Inselgruppe haben die meisten nur als anstrengenden Gegner bei Qualifikationsspielen im Fußball gehört. Färöer grob umrissen: Nicht einmal fünfzigtausend Menschen leben auf anderthalb Dutzend Inseln.

Zwei davon sind die Protagonisten dieses Romans. So trist die Landschaft auf den ersten Blick scheint, so verbittert ist die Kindheit zweier Mädchen. Der überdachte Hof – mit all seinem Kram – ist das Paradies der beiden. Hier können sie herumtollen bis … ja bis der grimmige Vater im Schuppen vorbei schaut. Dann ist Ruhe. Ehrfurchtsvolle Ruhe. Beklemmende Ruhe.

Skurrile Personen, die sich im Bett verkriechen. Angsteinflößende Gestalten, die es einfach besser wissen. Fast schon mystisch ergießt sich die färöische Landschaft über die beiden Mädchen, die sich ihre eigene Welt schaffen.

Jahre später treffen sie sich wieder. Beide mit denselben Wurzeln, denselben Erlebnissen, doch so verschieden. Die eine geht suchend den geradlinigen Weg ins Leben. Studentin. Die Andere scheint ihr Elixier schon gefunden zu haben. Doch ihr Weg ist weder geradlinig, noch ist sie auf der Suche. Sie findet ihn – immer wieder. Immer bei einem anderen … Mann. Sie ist dabei so geradlinig wie ein Schlingerkurs. Doch zielstrebig ist sie. Und sehr berechnend.

Sólrún Michelsen ist auf den Färöer-Inseln eine bekannte Kinderbuchautorin. Mit „Tanz auf den Klippen“ wagt sie den Schritt über den großen, die Inselgruppe umgebenden, Teich. Weich und einfühlsam beschreibt sie den Lebensweg zweier Frauen vor dem Hintergrund einer den meisten von uns fremden Welt. Schroffe Felsformationen, peitschende Winde und eine tief in der Tradition verwurzelten Gesellschaft – das sind Grundlagen für einen echten Abenteuerroman á la Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Doch die Autorin zieht ihren Lausbuben ein Kleid an. Lässt sie ihre Welt aus der Sicht von Frauen erzählen. Das ist das Besondere an Michelsens Erstlingsroman für Große.

Lesereise Kopenhagen

Lesereise Kopenhagen

Kopenhagen ist nicht so richtig zu fassen. Jeder kennt die dänische Hauptstadt. Aber richtig weiß man kaum etwas über diese Stadt. Klar kennt man die Meerjungfrau. Der Ostteil Deutschlands wurde in den 70er und 80er Jahren mit der „Olsenbande“ für Dänemark und Kopenhagen sensibilisiert. Fußballfans können sich an das eine oder andere harte Match mit Bröndby Kopenhagen erinnern. Strandurlaub im eigenen Häuschen ist sicherlich eine der verbreitetesten Erinnerungen an unseren nördlichen Nachbarn.

Barbara Denscher nimmt den Leser mit auf eine Reise, die Appetit macht. Appetit auf Kopenhagen. Eine Stadt erkunden mal ganz ohne Reiseband. Denn die dänische Seele ist die Karte, nach der man seine Reise plant.

Für den Seelenstriptease wählt sie einen lehrreichen Einstieg: Es geht um die Eigenheiten der dänischen Sprache. Obwohl die skandinavischen Sprachen einen gemeinsamen Ursprung haben, kommt es oft zu Irritationen. Was bei den Einen Frühstück heißt, ist bei den Dänen das Mittagessen. Flink ist nicht das Versprechen einer schnellen Bedienung im Restaurant, sondern das, was man generell erwartet: Freundlichkeit. Mit fast schon spitzbübischer Leichtigkeit führt Barbara Denscher den Leser mit Hilfe ihres berühmten Kollegen Kurt Tucholsky in die Besonderheiten der Konversation ein. Und ohne Worte ist man nur nach einem Kopenhagen-Besuch…

Kopenhagen lebt von seiner Geschichte. Aber nicht nur. Spaziergänge auf den Spuren von Hans Christian Andersen gehören zum Standardprogramm wie moderne Architektur. Ørestad heißt ein Stadtteil, den es bis vor wenigen Jahren nur auf dem Reißbrett gab. Zumindest in der jetzigen Form. Wer Kopenhagen zur Jahrtausendwende besuchte, fand hier nur Brachland vor. Heute ist dieses Areal nicht wiederzuerkennen. Beeindruckende wahrgewordene Architektenphantasien zieren den Horizont. Man ist noch am Anfang, derzeit leben hier achttausend Menschen. Diese Zahl soll sich in den nächsten zehn Jahren verdreifachen.

Als Gegenentwurf ist da der Freistaat Christiana anzusehen. Auf dem ehemaligen Kasernengelände versuchen sich Idealisten an einer neuen Art der Selbstverwirklichung. Eigenbesitz ist hier verpönt. Dumm nur für die, die hier gebaut haben, und nun einen anderen Lebensweg einschlagen. Denn verkaufen ist nicht drin. Auch der Aktienwert – wer will kann Aktien des Areals erwerben – ist mehr ideeller Natur.

Wer mit Barbara Denscher durch Kopenhagen spaziert, erfährt so manche landes- und städtetypische Anekdote. Fernab der Touristenpfade führt sie den Leser durch eine zurecht fast schon vergessen scheinende Metropole im Norden des Kontinents.