Kubas Hähne krähen um Mitternacht

Kubas Hähne krähen um Mitternacht

Kein Urlaub, keine Entspannung, keine Erholung sucht Tierno Alfredo Diallovogui, als er Kuba besucht. Er ist über Paris eingereist. Doch zu Hause ist er in Guinea in Westafrika. Er sucht die Wurzeln seiner Mutter, und somit auch seine eigenen. Als er noch ganz klein war, verließ seine Mutter Guinea und ließ ihn bei seinem Vater zurück. Juliana hieß sie und hatte immer ein bestimmtes Lied auf den Lippen.

Nun steht er da: Fremdes Land, fremde Sprache, fremde Menschen und – Ignacio. So einen Typen braucht man ganz zu Beginn eines Aufenthaltes. Er ist neugierig, aber auch auskunftsfreudig. Später wird er nervig und ist irgendwie seltsam. Als Fremdenführer ist Ignacio eine Fundgrube, doch genauso tief ist auch das Misstrauen, dass Tierno dem aufdringlichen Ignacio nach und nach immer mehr entgegenbringt. Ein Schnüffler ist in der Stadt! Was will er? Wem will er an den Kragen? Dass Tierno „in friedlicher Absicht kommt“, auf den Gedanken kommt erstmal keiner. Ein Unruhestifter ist er, und wenn er es noch nicht ist, dann wird er es. Davon ist man überzeugt.

Tierno kommt seiner Mutter immer näher – sie ist tot, das weiß er. Doch ihr Weg ist sein Ziel. Sie soll, sie muss für ihn schließlich Konturen annehmen. Er kennt sie nicht, hat kaum Erinnerungen. Die Stadt ist in Aufruhr. Juliana war bekannt, fast schon berüchtigt.

In ausgedehnten Gesprächen mit denen, die Juliana kannten, mit Ignacio, mit sich selbst kommt er ihr näher. Vieles, das schon längst dem Vergessen anheimgefallen schien, tritt erneut ans Tageslicht. Seilschaften, die jeder kannte, doch niemand auszusprechen sich wagte, bahnen sich den Weg nach draußen, in die Öffentlichkeit der Stadt. Ein gefährliches Spiel, das Tierno da treibt, wenn ein Spiel wäre…

Niemand anderes als der Autor selbst ist der Protagonist des Buches. Die Gespräche sind Zeitzeugen eines Landes, das sich von Tag zu Tag verändert. Kuba, das einst abgeschottete sozialistische Vorzeige-Eiland zwischen Palmenparadiesen und knallharter Aggressionspolitik, zwischen starrer Haltung und unendlicher Lebenslust, wird zum Spielgrund für ein allzu verständliches menschliches Verlangen. Dem nach den eigenen Wurzeln.

Ohne große Vorbereitungen stürzt der Autor / Hauptakteuer den Leser ins dunkle Nichts seiner Vergangenheit. Als Leser muss man dranbleiben, sich in Geduld üben. Kapitel für Kapitel dringen immer mehr Sonnenstrahlen der Klarheit ins Dickicht des Familiendramas. Gewalt trieb Juliana einst zurück in die Heimat. Doch das rettende Ufer entpuppte sich nicht als der Sehnsuchtsort der Ruhe, der er zu sein schien, den sie zu finden hoffte. Tierno hat die Gnade der späten Geburt auf seiner Seite. Ein Vorteil?

Brunos Küchenkalender 2017

Brunos Küchenkalender

Bei Philip Marlows denkt man eine raffinierte femme fatale, ausgebuffte Betrüger und rauchende Knarren. Bei Guido Brunetti sind es die leisen Töne, die die Szenerie bestimmen. In Venedig löst man Fälle ohne viel Geballer. Und bei Bruno Courrèges im Périgord? Erfahrenen Lesern läuft schon bei der bloßen Erwähnung des Namens das Wasser im Munde zusammen. Verworrene Seilschaften, Motive, deren Ursachen oft weit zurückreichen, eine Menge Verdächtiger und … ein reichlich gedeckter Tisch. Wenn Bruno einlädt oder eingeladen wird, wird’s deliziös. Einer der Gründe warum die Krimis von Martin Walker um den rührigen Chef de police so erfolgreich sind.

Im Jahr 2017 feiert Martin Walker seinen 70. Geburtstag. Und seine Bruno-Reihe den neunten Fall. Und der Leser sitzt am Kopf der reich gedeckten Tafel und ergötzt sich kulinarisch an Truite fumée au raifort, Vichyssoise et crème d’oseille oder Cèpes & cie en persillade. Klingt erstmal verlockend und vor allem exotisch, wenn man kein Französisch spricht. Dabei handelt es sich um geräucherte Forelle mit Meerrettichsauce, eine kalte französische Kartoffel-Lauch-Cremesuppe und Sauerampfer-Cremesuppe und Steinpize & Co. mit Knoblauch und Petersilie. Raffiniert wie der Autor dem Leser – oder in diesem Fall Betrachter – das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt.

Am besten serviert an einem der zwölf in diesem Kalender abgebildeten Orte, die allesamt Handlungsorte der Krimis waren bzw. sind. Excellent!

Jedes Gericht (wie passend, schließlich droht den meisten Tätern dasselbe Schicksal) wird eingehend beschrieben, so dass die eventuell fehlende Location fast schon vergessen werden kann. Und für die Trüffelschweine unter den Lesern gibt’s auch das Motiv für dieses Rezept: Den entsprechenden Auszug aus dem Roman, in dem es schon literarisch für Furore sorgte. Bruno höchstpersönlich gibt Ratschläge wie man das ohnehin Zunge schnalzende Mahl noch verfeinern kann.

Mit knurrendem Magen kann man keinen Tag und auch kein Buch genießen. So ist es nur logisch, dass der gemütliche Ermittler einen genießerischen Kalender seiner treuen Leserschaft als kulinarische Schnitzeljagd zum Geschenk macht. Voller Spannung kann man es kaum erwarten den nächsten Monat beginnen zu können, um ein neues Rezept auszuprobieren. So viel Geduld muss man schon aufbringen, Bruno tut es schließlich auch, immer wieder. Und immer wieder mit Erfolg! Dann wird man mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und lukullischen Extravagenzen belohnt. Wie zum Beispiel mit Lammstelzen mit Knoblauch und Monbazillac-Wein, was im Original noch viel verführerischer klingt: Manchons d’agneau à l’ail et au Monbazillac.

Schottland

Schottland_Iwanowski

Mythen, Whisky (ohne „e“ vorm „y“!), Golf. This is Scotland! Wenn’s so wäre, wäre dieses Buch nicht in der zehnten Auflage erschienen und nur ein ödes Blatt Papier. Mit ein paar Bildchen, Platz wäre ja noch genug. Wer sich die Zahlen anschaut, erkennt sofort, dass alle, die schon mal in London waren (oder es, aus welchem Grund auch immer, umgehen wollen) und die Insel lieben, als nächstes Ziel Schottland angeben. Und doch ist Schottland nicht überlaufen. Außer in der Saison die eine oder andere Stadt vielleicht.

Auch wäre es falsch zu behaupten, dass Glasgow und Edinburgh (wobei das „burgh“ nicht wie in Burger mit einem „ö“ ausgesprochen wird, sondern eher einem „boro“ wie in der Zigarettenmarke) die eigentlichen Höhepunkte der Schottlandreise sein werden. Klar, Edinburgh Castle ist sehenswert. Aber andere Mütter haben auch hübsche Töchter.

Für Royalisten ist Schloss Balmoral eine Stippvisite wert. Hier verbringt die Queen ihre Sommerferien. Und gleich in der Nähe gibt es das, was auf alle Fälle, aber nicht sofort mit einem Schottlandurlaub in Verbindung bringt. Wer am ersten Septembersamstag das Örtchen Braemar besucht, wird es nie wieder so stimmungs- und voll erleben. Denn dann finden hier das Braemar Royal Highland Gathering statt. Highland Games. Mit allem, was dazu gehört, zusätzlich dem, was bei allen anderen Nachahmer-Veranstaltungen fehlt. Zum Beispiel spielen Dudelsack-Kapellen … um die Wette, um die Ehre und um einen begehrten Preis.

Gut betuchte Besucher – und das Wort „betucht“ muss dieses Mal wortwörtlich genommen werden – suchen die natürliche Ruhe der Highlands und der Lowlands. Schottland bietet Wanderern, Klettermaxen und Naturliebhabern ein wahres Füllhorn an Betätigungsmöglichkeiten. Munros nennt man die knapp eintausend Meter hohen Berge. Fast dreihundert sind es und mittlerweile ist es zu einer Art Sport geworden sie alle zu besteigen. Rekorde in Schnelligkeit und Anzahl und Wiederholung sind die Antriebsfeder.

Nur diese paar kleinen Auszüge beweisen, dass Schottland eben mehr als nur der ewige Kampf von Celtic gegen die Rangers im Fußball ist, übrigens sind ab der Saison 2016/17 wieder traditionelle Old Firm Derbies an der Tagesordnung. Die zehnte Auflage des Reisebandes für Individualisten ist das Verbindungsglied zwischen Wunsch und Realität. Der Stadtplan Edinburghs auf der letzten Umschlagseite, die herausnehmbare Karte (alle Karten sind außerdem online abrufbar), die farbigen Seiten mit praktischen Reiseratschlägen, Verhaltenshinweisen, die immer wieder eingestreuten Einkehr- und Unterkunftstipps. Der Reiseband geizt nicht mit handfesten Tatsachen, die es jedem Urlauber, Wanderer, Reisenden, Besucher leichtmachen sich in rauen Schottland heimisch zu fühlen und möglichen Touri-Fallen aus dem Weg zu gehen. Auch wenn die Frage, was der Schotte unterm Kilt nicht endgültig gelöst wird (niemand kann das!), so weiß man doch, was der Schottlandbesucher im Gepäck hat: Diesen Reiseband!

Nataschas Winter

Nataschas Winter

Auch nach dem Zerfall der Sowjetunion ist Russland immer noch das flächenmäßig größte Land der Erde. Unmöglich es in seiner ganzen Vielfalt in einem Urlaub kennenzulernen. Susanne Scholl war jahrelang ORF-Korrespondentin in Moskau, leitete dort das Studio. Mit ihren Kindern, Kartenleserin und Adlerauge, wie sie sie liebevoll und allessagend nennt, hat sie zahlreiche Ausflüge durch das Riesenreich unternommen. Sie kennt sich also aus, zumindest mehr als die meisten zwei Wochen Wolga-Sankt-Petersburg-Moskau-Besucher.

„Nataschas Winter“ ist das Ergebnis dieser Reisen. Dieses Buch als Reiseband zu bezeichnen, wäre nicht richtig. Es ist eine Tauchfahrt in die Seele des Großen Bruders von einst, der sich in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten so stark verändert hat, wie es sich die revolutionären Köpfe nie zu erahnen wagten.

Die architektonischen Leuchttürme der Städte dienen Susanne Scholl als Wegweiser, doch niemals an Zielpunkte, die „man gesehen haben muss“. Klar, sie lebte schließlich mehrere Jahre in Russland, sah Kreml, Basilius-Kathedrale und Tretjakow-Galerie wann immer sie wollte. Sie fühlte sich daheim in der Fremde, baute Freundschaften auf, auch wenn es zeitweise schwierig war.

Als Tourist haben Begegnungen, wie sei die Autorin hatte, Seltenheitswert. Niemand lädt einfach mal so einen Besucher auf seine Datscha ein. Susanne Scholl war neugierig, auch darauf wie Natascha, die Dame, die dem Buch ihren Namen gibt, ihre Wochenenden – auf typisch russische Weise – verbringt. Nun muss jeder Leser selbst mit seinen Vorurteilen ins Reine kommen, wenn er liest, wie die Verhältnisse an einem typischen Wochenende auf Nataschas Datscha sind. Voll ist es in der engen Hütte vor den Toren der Millionenmetropole Moskau. Und melancholisch. Aber auch heimelig.

Pawel ist der komplette Gegenentwurf. Er ist Autonarr. Aber auch darauf bedacht, seine Schätzchen zu pflegen bzw. sie vor Schaden zu bewahren. Als Taxifahrer, der die Korrespondentin vom Flughafen abholen soll, eine echte Nummer. Eine Lotterienummer. Kommt er oder kommt er nicht? Steht der Wagen vor dem Ausgang parat oder muss man erst endlos durch die Ödnis des Flughafens stapfen, um endlich die schweren Koffer ins Auto zu laden? Und wem gehört eigentlich die Karre?

Ohne Vorurteile beschreibt Susanne Scholl ihren Alltag im russischen Auf und Ab, im Wechselspiel der Jahreszeiten. Oft mit dabei: Ihre Kinder. Die hatten – mittlerweile ist Susanne Scholl nicht mehr im Studio Moskau tätig – die einzigartige Möglichkeit in jungen Jahren hautnah eine fremde und doch so nahe Kultur aus der ersten Reihe kennenzulernen. Sie konnten wann immer sie wollten ihren behüteten Kokon verlassen, um die das so genannte wahre Leben auf Moskaus Straßen kennenzulernen. Als Leser darf man nun ein wenig davon profitieren, dass Susanne Scholl ihre Erlebnisse in diesem einem breiten Publikum zugängig macht.

Mailand – Eine literarische Einladung

Mailand - Eine literarische Einladung

Eine Stadt in Worte fassen? Wie soll das gehen? Noch dazu eine Metropole, die einzige Metropole Italiens, wie Herausgeber Henning Klüver meint. Schwierig, schwierig. Sollte man meinen! Denn oft beliebt es doch bei einem „wunderbar, schön, beeindruckend“. Beim Wagenbach-Verlag schlägt man da einfach einen Salto (so nennt sich die Buchreihe mit Büchern, die diesem Vorurteil beeindruckend – da ist es wieder! – entgegenstellen) und beweist auf 144 Seiten das Gegenteil. Knallrot, nicht vor Scham, sondern aus Gründen der Aufmerksamkeit, marktschreien die Autoren der Stadt dem Leser ihre Sichtweise auf ihr Milano um die Augen. Ein Fest für die Phantasie, eine Lehrstunde für Besucher, der Beweis, dass man Städte sehr wohl in lose Korsett der Wörter fassen kann.

Wurde in der Geschichte noch blumig von Mailand geredet, so sind es Dichter wie Dario Fo, immerhin Literatur-Nobelpreisträger, die mit Anekdoten ihrer Stadt ein Denkmal setzen. Er war Teil einer Gruppe, die Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Stadt narrten, in dem sie das Gerücht in die Welt setzten Picasso würde nach Mailand kommen. Doch der kam nicht, hatte das auch gar nicht vor. Kurzerhand wurde ein Double engagiert. Helle Aufregung allenthalben. Selbst die Polizei, die die Menschenansammlung auflösen will, gerät in Verzückung als sie vom bevorstehenden Ereignis hört…

Natürlich ist Mailand eine Stadt, die man gesehen haben muss. Auch, weil sie eine Stadt für Flaneure ist. Der, der das behauptet ist Maurizio Cucchi, Mailänder Autor. Er meint, dass sich die Stadt niemandem aufdrängt. Und doch immer präsent ist. Wem sie nicht gefällt, kann das ja gern so halten. Kritik wird hier eh mit einem Schulterzucken hingenommen. Mehr Reaktion sollte man nicht erwarten.

Die in diesem Buch versammelten Autoren vermeiden es wohlwollend die Hotspots der Stadt in den Himmel zu loben. Kommen auch sie nicht ohne Dom und Scala aus, so doch eher im Unterbewusstsein. Das macht wahrscheinlich auch den Charme der Stadt aus: Sie gräbt sich ohne Wunden zu hinterlassen ins Gedächtnis ein. Wie ein Roman, der unauffällig Seite für Seite verschlungen wird, und am Ende wundert man sich, dass man ihn schon ausgelesen hat. Die „Literarische Einladung Mailand“ sollte man nicht ausschlagen. Denn sie ist eine Einladung zum Bummeln, Lernen, Staunen, eine Reisevorbereitung auf höchstem Niveau, Sehnsuchtsauslöser, Träumerei, unterhaltsamer Wegbereiter und –begleiter und ein Erreger persönlichen Jagdtriebes.

Wolf und Leonard Erlbruchs Kinderzimmerkalender 2017

Wolf Erlbruchs Kinderzimmerkalender 2017

Alt und Jung, erfahren und neugierig, gelassen und ungestüm – oder einfach Vater und Sohn. Die Reibungspunkte sind genetisch vorgegeben, genauso wie die Beäugung von Anfang an. Das ungleiche und doch so ähnliche Paar zu beobachten, ist immer ein Blickfang. So auch bei Wolf und Leonard Erlbruch. Staffelübergabe inklusive. Denn passend zum Thema wird nun der Filius Kalender beim Peter-Hammer-Verlag gestalten. 2017 ist das Übergangsjahr, in dem beide zusammen ihr Können unter Beweis stellen.

Zwölf Mal darf nun der Betrachter vor den großformatigen Bildern verweilen und kommt schnell ins Nachdenken, nicht Grübeln. Der fürsorgliche Vater, der sich um ein warmes Umfeld für seinen Stammhalter sorgt und auch schon mal vermeintliche Mutteraufgaben übernimmt. Als Dank gibt es dann auch mal Ablehnung – so viel zu den Reibungspunkten. Nachahmer in Kinderschuhen, ein Bild, das man so oder ähnlich schon öfters gesehen hat.

Es ist ein Jahresfest sich diesen Kalender nicht nur als Dekoration ins Zimmer zu hängen. Unweigerlich spinnt man sich seine eigenen Geschichten zusammen. Ein planschender Bärenjunge, Papa Bär hängt am Sprungbrett. Hat der „Alte“ etwa Angst? Dem Jungen freut’s! Und wer‘s nicht gesehen hat, wird’s nicht glauben: Auch Gänse spielen Indianer, so richtig mit Pfeil und Bogen.

Noch nie waren vermenschlichte Tiere so authentisch und ohne Kitsch die bestimmenden Wandelemente. Fernab jedweder Klischees beweist das Vater-Sohn-Gespann Erlbruch, was jahrelanges Zusammenleben und Arbeiten hervorbringen kann. Farbenfroh, ironisch, naiv, lebensfroh, dramatisch – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Vater und Sohn – ein Hingucker für jeden Tag!

Aufblasbarer Globus

Aufblasbarer Globus

Für viele Urlauber ist dies ein Ideal an Erholung: Am Strand liegen, faulenzen, ein bisschen Bewegung (aber wirklich nur ein bisschen), und abends einen Film genießen. Einen echten Klassiker mit bekannten Schauspielern. Beides zusammen wäre die Kirsche auf dem Sahneeisbecher. Allmachtphantasien kommen am Strand wohl eher nicht auf, wenn man mit dem aufblasbaren Globus im weichen Sand herumtollt. Schließlich spielt man nicht mit der Welt, sondern einem 45 cm großen Modell selbiger. Und hier kommt der Film ins Spiel. Erinnern Sie sich? „Der große Diktator“. Charlie Chaplin als Adenoid Hynkel, der – von sich selbst verzückt – mit einem Spielball der Welt elegant, verspielt, artistisch von der Weltherrschaft träumt. Jedem, der den Film kennt, kommen die Bilder sofort in den Sinn.

Der aufblasbare Globus ist aber mehr. Er ist das Strandspielzeug, das Generationen verbindet. Kinder werden den Ball lieben, klar, daran führt kein Weg vorbei. Größere (Kinder?!) schauen erstmal nach, so sie schon überall waren. „Weiß Du noch, damals…, als wir … unvergesslich … ach war das schön!“. Leider kann man die bereisten Länder nicht mit einer Nadel markieren. Denn dann ist die Luft raus und die Urlaubsstimmung flöten.

Die Welt bereisen, die Welt unterm Arm haben, mit und in der Welt Spaß haben – so fasst man dieses Spielzeug zusammen. Viel Spaß beim Welt erobern!

Neuseeland live

Neuseeland live

Auf der Liste der beliebtesten Fern- und sogar Auswandererziele landet garantiert immer ein Land: Neuseeland. In der Mitte getrennt durch wildes Wasser, und doch nur im Doppelpack das volle Erlebnis. Schon die Anreise erfüllt alle Merkmale eines Tagesausfluges. Und wenn man endlich am anderen Ende der Welt gelandet ist, will man so viel wie möglich erleben. Wer weiß, wann man mal wieder hierher kommt?! Für die meisten ein einmaliger Urlaub. Und dafür braucht man einen einmaligen Reiseband. Am besten einen, der den Kauf von weiterer Literatur überflüssig macht. Oft durchstöbern Neuseelandreisende schon Monate vorher die Bücherregale und decken sich ein mit entsprechenden Büchern, um ja nichts zu verpassen: Bildbände, Reisebände, Kartenmaterial, Reiseberichte. Nicht nur, dass sich dann im wahrsten Sinne die Balken biegen – die des Bücherregals – sondern auch der Berg an Seiten und Information lassen die Vorfreude etwas verfliegen.

Und dabei ist es doch so einfach. Ein Buch reicht! Dieses Buch. Reichlich vierhundert Seiten, über fünfhundert Bilder, und – das ist der Clou – das Ganze reisegepäckfreundlich auch in digitaler Form. Denn das ComboBook „Neuseeland live“ wird mit eine 8GB MicroSD-Karte angeboten, die den Zugriff auf alles aus dem Buch erlaubt. Als Zusatz gibt es im Buch keine Landkarte zum Herausnehmen, sondern ein Handbuch. Die digitalisierten Infos laufen auf dem PC/Notebook, Android- und iOS-Geräten, existieren als Hörbuch, E-Book und bieten umfangreiches Navigationsmaterial. Und natürlich auch als gedrucktes Buch. Die mitgelieferten SD-und USB-Adapter lassen mögliche Schwierigkeiten ins Reich der Phantasie verschwinden.

Kleiner Tipp: Beginnen Sie mit den Videodateien. Überwältigende Filmaufnahmen in nicht minder exzellenter Auflösung lassen das Herz höherschlagen. Wäre die Landschaft nicht so eindrucksvoll, könnte man fast zu dem Entschluss kommen, dass man gar nicht mehr nach Neuseeland reisen muss…

Neuseeland ist ein Land, das sich sehr gut auf eigene Faust bzw. auf eigenen Füßen erkunden lässt. Ob man nun beispielsweise den Abel Tasman Coast Track sich vorher als pdf-Datei mit Kartenmaterial und zahlreichen Bildern im Vorfeld anschaut, sich mit dem Hörbuch in Urlaubsstimmung versetzen lässt oder das Video wieder und wieder anschaut, die Begeisterung – in erster Linie für die richtige Wahl des Urlaubsgebietes, aber auch für dieses Buch, Hörbuch, E-Book, … – wird nicht nachlassen. Schon seit Jahren versuchen immer wieder Verlage das digitale Segment zu erobern. Nun sind Navigationshilfen, E-Books etc. nichts Neues. Aber die geballte Kraft eines All-in-all-inclusive-Paketes beeindruckt schon lange vor der Abreise. Und die Anreise nach Neuseeland erlaubt das ganze Buch noch einmal zu durchforsten, die Videos noch einmal zu genießen und sich mit dem Hörbuch die volle Dröhnung Neuseeland zu geben. Ein Überraschungsei hat nur drei Dinge auf einmal, „Neuseeland live“ ein unendliche Zahl an Möglichkeiten.

Sri Lanka

Sri Lanka-Iwanowski

Ein Land, dessen Name aus zwei Worten besteht – gibt’s nicht oft. Und in Asien noch weniger. In den vergangenen Jahrzehnten ist hier ein Industriesektor erwacht, vergrößert und zum Exportschlager Nummer Eins geworden wie kaum anderswo auf der Welt: Der Tourismus. Von all inclusive über liegende Buddha-Stauten und Elefantenreiten bis hin zum erholsamen Badeurlaub bietet das ehemalige Ceylon alles, wonach dem fernwehgeplagten Herzen dürstet. Doch welche frevelhaftes Verhalten, wenn man Sri Lanka nur auf der faulen Haut genießt?!

Autor Stefan Blank macht seinem Namen alle Ehre und entblättert die geheimnisvolle Insel zu Füßen des indischen Subkontinents bis auf die Knochen. Soll heißen, das Wort Geheimnis hat im Zusammenhang mit Sri Lanka nur noch nostalgischen Wert.

Eine Insel wie Sri Lanka will erobert werden. An allen Ecken gibt es für Südostasien-Neulinge an jeder Ecke was zu entdecken. Fremde Gerüche, exotische Speisen, fremde Kleidung (obwohl auch hier schon die typischen Souvenirstände mit Trikots von Real Madrid bis Bayern München locken) und unendlich schönes Wetter lassen den unweigerlich näher rückenden Heimflug in weiter Ferne erscheinen. Doch was tun? Wo anfangen mit der Entdeckermission? Bereits zum neunten Mal wurde der Reiseband Sri Lanka aus dem Hause Iwanowski nun überarbeitet. Zum zehnten Mal kann sich jeder, der Sri Lanka bisher nur als weißen Fleck auf der Landkarte gesehen hat, sondern sich vor Ort ein eigenes Bild der Zauberinsel machen möchte, auf über vierhundert Seiten schlau machen, was er in ein, zwei oder vielleicht sogar drei Wochen erleben kann. Auf eigene Faust, ohne vorgefertigte Route.

Dazu gehört natürlich auch der ausführliche Einstieg in die Geschichte der Insel. So gut vorbereitet können die Erkundungstouren nun starten. Die meisten zieht es erstmal in die Hauptstadt Colombo. Wie der fast gleichnamige Lieutenant vom LA-Police department erforscht man am besten mit dem Autor zusammen die Großstadt an der Westküste. Bis vor dreieinhalb Jahrzehnten war sie sogar die Hauptstadt. Doch der Titel ging 1982 an Sri Jayewardenepura. Colombo ist aber immer noch die dominierende Metropole. Das ist sicher eine der ersten Überraschungen, die man diesem Buch entnimmt. Von nun an sind alle Seiten voll gespickt mit Überraschungen, echten Tipps, die man sonst nur von Einheimischen bekommt, prall gefüllten Infokästen, die nur darauf warten „abgearbeitet zu werden“ und und und. Immer wieder werden die Ausführungen von exakten farbig abgesetzten Kästen unterbrochen, in denen man wie ein Schulanfänger an die Hand genommen wird, um sicher ans nächste Ziel zu kommen. Jetzt ein einziges Highlight des Buches, der Insel, des kommenden Urlaubs herauszuheben, wäre den anderen gegenüber unfair.

Deswegen ist es ratsam sich das Buch rechtzeitig vor Reiseantritt zu besorgen und Schritt für Schritt, Kapitel für Kapitel, Seite für Seite zu studieren. Garantiert: Noch nie war lernen und lesen so informativ und kurzweilig wie in diesem reisefiebersteigernden Reiseband. Alle, die Sri Lanka echt und unverfälscht in sich aufsaugen wollen, müssen einfach den direkten Weg über 432 Seiten nehmen.

Neue Lausbubengeschichten von Max und Moritz

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Ein echter Klassiker im neuen Gewand! Wohl weit über 90 Prozent der jetzigen Eltern sind mit Max und Moritz aufgewachsen. Wilhelm Busch hätte sich das wohl nie träumen lassen, dass ganze Generationen den Lausbuben bei ihren Streichen sich auf die Schenkel klopften. Es sind Geschichten, die nie ihren Charme verlieren oder gar aus der Mode kommen.

Elisabeth Boettger-Spoerl ist auch so eine Mutti, die es liebte ihrem Nachwuchs Geschichten zu erzählen oder eben „Max und Moritz“ vorzulesen. In den 50ern war das. Doch es reichte ihr nicht. Eines Tages schnappte sie sich ihre Kamera und machte das, was heute milliardenfach auf YouTube läuft: Bildfolgen. Sie nahm sich die Steiff-Figuren der beiden Strolche und platzierte sie an strategisch günstigen Orten wie Scheren, Fingerhüten, zwischen Stofftieren und Modellautos oder im Gewürzregal. Und schon bekamen die beiden Figuren ihr Eigenleben. Schnipp-schnapp, pieks, autsch. Schon beim ersten Durchblättern fühlt man mit. Und erinnert sich.

Doch die Autorin / Fotografin beließ es nicht beim bloßen Fotografieren der beiden Jungs. Sie erfand eigene Geschichten. Nach und nach wurden aus Ritsche-ratsche juchhei – juchhie! Eine Fortsetzung, die diesen Titel auch wirklich verdient. Kein billiger Abklatsch dessen, was eh schon jeder kennt, aber auch jeder im Bücherschrank stehen haben sollte. Mit Akribie und Phantasie haucht sie Max und Moritz neues Leben ein. Natürlich mit den zu erwartenden Konsequenzen. Auch in der Neuzeit dürfen Lausbuben nicht mit allem davonkommen. Oder?!

Dieses Buch lädt schon allein durch das große Querformat zum Vorlesen ein. Einmalauf dem Schoß, Kind rechts oder links oder auf jeder Seite eines … und schon beginnt die große Streiche-Odyssee. Und wie Meister Busch gibt es spitzzüngige Rhymes aus der Lausbubenküche von Mutter Boettger-Spoerl.

Die Schwarz-Weiß-Bilder der Neu-Buschianerin wurden bearbeitet, d.h. die Figuren wurden eingefärbt, der Hintergrund unverändert. So stechen die Hauptakteure hervorragend aus der Neuinszenierung heraus. Quietsch-Bunt meets old-school Theaterbühne. Sequels haben in jüngster Zeit immer einen faden Beigeschmack gehabt. Da ging es immer nur ums schnelle Geld, billige Effekthascherei und kaum Innovation. Hier ist es anders. Denn in diesem Buch hat die Moderne bereits vor Jahrzehnten begonnen und fasziniert bis zum heutigen Tag und garantiert darüber hinaus. Die neuen Lausbubengeschichten (schon allein der Titel: Lausbuben, wer benutzt heutzutage noch dieses wunderbar altmodische Wort?) sind für sich genommen schon lesenswert. Aber als echte Nachfolgeliteratur eine großartige Neuentdeckung für Jung und Alt.