Archiv der Kategorie: Meeresrauschen

Accabadora

Was haben „Der Dritte Mann“, „Accabadora“ und beispielsweise „Tom Sawyer“ gemeinsam? Auf Anhieb ist man in der Geschichte, riecht die Umgebung, taucht ein in eine fremde Welt und spürt, dass etwas Besonderes im Gange ist. Es gibt sicher noch mehr Bücher, die so oder so ähnlich auf den Leser wirken, aber „Accabadora“ sticht aus dieser schier unendlichen Reihe noch einmal ganz besonders hervor.

Michela Murgia setzte sich mit ihrem ersten Roman ein Denkmal, das niemand wagen sollte umzustürzen. Sardinien zu einer Zeit, die nicht näher beschrieben wird, was aber auch unerheblich ist. Denn Traditionen werden auf Sardinien nicht nur für Touristen „aufgeführt“, sie sind elementarer Bestandteil der Inselkultur.

Während im standardisierten Europa über Sterbehilfe mit falschem Pathos und unerträglicher political correctness gestritten wird, übt hier im Mittelmeer die Accabadora diese Dienstleistung aus. Auch das sensible Thema Adoption wird hier eher praktisch gehandhabt. Maria ist das vierte Kind. Ihre drei Schwestern sind schon groß, sie als Nachzüglerin wird zu Tzia Bonaria gegeben. Tzia ist das sardische Wort für Tante. Bonaria Urrai heißt sie mit vollem Namen. Und eben diese Tzia Bonaria ist eine oder die Accabadora. Nachts schleicht sie sich heimlich raus, damit die Kleine nicht wach wird. Außerdem ist es ein „Job“, den man nicht an die große Glocke hängt. Wenn Maria groß genug ist, wird sie es schon einzuordnen wissen.

Die Zeit vergeht. Maria wächst heran. Das Verhältnis zur Mutter – ganz großer Unterschied zum bürokratischen Europa – ist noch vorhanden. Tochter Maria und Mutter Anna Teresa Listru stehen sich nahe, aber nicht so nahe wie Maria es sich wünscht. Es ist durchaus üblich, dass Kinder woanders aufwachsen, aber dennoch einen Teil ihrer Zeit bei den leiblichen Eltern verbringen. Sie ist ein Kind des Herzens für Tzia Bonaria. Eine liebevolle Bezeichnung.

Und nicht minder liebevoll ist jede einzelne Seit der Sardin Michela Murgia. Anfangs ein bisschen mystisch, dann fast märchenhaft, nimmt der Roman immer klarere, reale Formen an. Traditionen und Fortschritt schließen sich nicht aus. Wobei die Traditionen, bei Todesfällen wird nicht nur Aufwartung gemacht, sondern echt Trauerarbeit geleistet – niemand würde es aber so bezeichnen, weil es eine Selbstverständlichkeit darstellt.

Der Leser wird in eine Welt entführt, die geographisch gar nicht so weit entfernt ist, dennoch in unendlichen Weiten verortet wird. Es ist das nicht hoch genug anzurechnende Verdienst der Autorin dem Leser diese Welt leichtfüßig zu erklären. Das Fremde ist, wie so oft im Leben, gar nicht so furchteinflößend. Es ist eben fremd, aber das kann man ja kennenlernen. „Accabadora“ jedenfalls gehört in jede Strandtasche an jedem Strand der Welt.

Bretagne – Eine literarische Einladung

Schroff und nicht immer einladend – die Bretagne. Nicht unbedingt die erste Wahl, wenn man Urlaubsregionen in Frankreich aufzählen soll. Doch im vorderen Mittelfeld auf alle Fälle. Die einstige Künstlerkolonie Pont-Aven, in der Paul Gauguin lebte, und von wo er in die Welt aufbrach, gehört ebenso zum Bild der Landschaft wie Pointe du Raz, der westlichste Punkt Frankreichs, an dem unaufhörlich die Wellen gegen das Bollwerk aus Gestein krachen und in meterhoher Gischt ein Naturschauspiel sondergleichen bieten. Das Festival Interceltique in Lorient, das jährlich im August Tausende in die kleine Stadt lockt, um die Neugier nach der oft falsch verstandenen Kultur der Kelten zu stillen. Das, und noch vieles mehr, ist die Bretagne.

Das findet man auf Landkarten, in Reisebüchern und in Prospekten der office du tourisme der Region. Was man hingegen darin nicht findet, sind die Gedanken der Bretonen, ihre niedergeschriebenen Gefühle, die literarischen Feinheiten der Söhne und Töchter der Region. Woher soll man es auch wissen, wenn man nicht dazu eingeladen wird? Da gibt’s doch was von Wagenbach. Genau, die literarische Einladung in die Bretagne. Niklas Bender spricht diese Einladung aus und umgarnt den Leser mit Werken von Alain Robbe-Gillet, Benoîte Groult bis Mona Ozouf. Die kennen Sie nicht? Na dann wird’s aber Zeit!

Die Sehnsucht nach der rauhen Wirklichkeit er Bretagne eröffnet in wohlklingenden Versen diese Anthologie in Rot. Am besten liest man sie laut. So kommt von der ersten Seite echte Urlaubsstimmung auf. Hart ist das Leben im Westen, am Atlantik. Wie das Wetter, so der Mensch. Schroff, mit rollendem Rrrrrrrrrr!

Der aktuell prominenteste literarische Bretone ist Dupin, der Commissaire, der gleich mal eine Einweisung in Sachen Salz der Bretagne erhält. Und ganz nebenbei einen Crashkurs in Mythologie. Yann Queffélec wird beim ersten Durchlesen den meisten als Erstes in Erinnerung bleiben. Mit viel bretonischem Wortschatz versetzt er den Leser an den Tisch eines Restaurants, an die Bars oder verwickelt ihn in ein Gespräch auf der Straße.

Die literarische Einladung ist zugleich ein Willkommen bei Nachbarn und Freunden. Am Tor zur Welt die eigene Kultur bewahrt – mit dieser Sichtweise kommt man den Bretonen und der Bretagne langsam auf die Spur. Folgt man dieser, kommt man automatisch zu diesem Buch. Immer wieder flackern Eigenarten der Menschen auf, die so nur hier zu erleben sind. Das „hier“ steht sowohl für die Bretagne als auch dieses Buch. Und wer ganz genau hinsieht, entdeckt noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen diesem eleganten roten Buch und seinem Inhalt.

Für Christus und Venedig

Nur Wenige können eine echte Berühmtheit in ihrer Ahnenreihe vorweisen. Vielleicht mal ein Maler, der in einer Künstlerkolonie wirkte. Vielleicht ein Backgroundsänger bei einem echten (!) Superstar. Aber einer, der Geschichte schrieb, wird nur selten in Pausenerzählungen genannt. Sibyl von der Schulenburg kann da schon mit etwas mehr aufwarten. Feldmarschall Graf Johann Matthias von der Schulenburg – der Name macht schon was her. Auf der Insel Korfu im Ionischen Meer vor der Küste zwischen Albanien und Griechenland erlebte einen heißen Sommer 1716. Es war August. Wer Korfu schon einmal zu dieser Jahreszeit erlebt hat, kennt die klimatischen Gegebenheiten. Und zu dieser Zeit sollte sich das Schicksal des Eilandes entscheiden. Wird es weiterhin zum Abendland gehören? Oder werden die Horden aus dem Osten Korfu zu einer Insel ihres Reiches machen können?

Venedig ist damals das schützende Schild der Insel. Europa hat sich eingerichtet. Hier und da flackern Konflikte auf, doch hier im beschaulichen Mittelmeer sind die Wogen noch weitesgehend glatt. Das Osmanische Reich jedoch streckt seine Fühler gen Westen aus. Doch die Fühler verwandeln sich in nach allem greifenden Tentakeln. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht, dass das Osmanische Reich dem Sonnenuntergang entgegenreitet und dem Westen östliche Manieren beibringen will.

Schnelles Handeln ist gefordert. Seit einiger Zeit steht Graf Johann Matthias von der Schulenburg in Diensten des Dogen von Venedig. Dem „gehört“ auch Korfu. So kurz vor dem europäischen Festland, dort, wo heute Albanien und Griechenland eine gemeinsame Grenze haben, ist es von nicht unerheblicher strategischer Bedeutung. Fällt Korfu, fallen die Türken von einer weiteren Seite in Europa ein. Europas Streitmächte ziehen von dann, um den Eroberungsplänen Einhalt zu gebieten. Doch so schnell wie man möchte, kommt man einfach nicht voran. Und immer mehr kristallisiert sich Korfu als Dreh- und Angelpunkt einer möglichen Wende im Kampf der Systeme heraus. Korfu darf nicht fallen! Aufopferungsvoll wirft sich der Graf in die Schlacht.

Sibyl von der Schulenburg hat uneingeschränkten Zugang zu den Archiven ihrer Familie und nutzt diesen Vorteil, um Geschichte für Geschichte aus der Geschichte auszugraben, zu analysieren und in diesem historischen Roman ihrem berühmten Vorfahren ein Denkmal zu setzen. Sie setzt ihm keinen Glorienschein auf. Wohl aber inszeniert sie ihren Urururur … großvater als wahren Helden, der diese Auszeichnung nur zu gern in Empfang genommen hätte. Als Leser, als Korfu-Besucher – übrigens hat die zweitgrößte Ionische Insel eine weitere adelige Persönlichkeit von Weltrang hervorgebracht: His Royal Highness Prinz Philip, Duke of Edinburgh, dem Gemahl der Queen – ist man dankbar für den liebevoll geschrieben und tiefgehend recherchierten Roman, den man als Strandlektüre genauso verschlingen wird wie als Wanderroutenbuch für Ausflüge über die Insel. Die Hitze im August ist übrigens immer noch die gleiche…

Ein Sommer

Jean und Jeanne – na das passt doch, nicht nur wegen der orthographischen Nähe. Jean hat einen Bruder, Pierre. Und den lädt er zusammen mit dessen Freundin Lone zu einem kurzen Segeltörn vor der Küste Neapels ein. Um sie herum nur Sonne und Wasser, das so grell des Licht bricht und wiederspiegelt. Dunkle Wolken – Fehlanzeige! Wenn man nur den Himmel betrachtet. Doch im Inneren des Bootes brodelt der Vulkan…

Der Vulkan der Leidenschaft. Und wenn Jean wüsste, dass der schon einmal gewaltig ausgebrochen ist … Der Reihe nach. Pierre ist ein wenig mulmig zumute als er die Einladung zum Mittelmeertrip erhält. Aber Kneifen gilt nicht. Und außerdem ist ja Lone, seine Freundin dabei. Man vermutet es bereits – Jeanne und Pierre, da war mal was.

Die Wellen plätschern dahin, die Sonne brennt erbarmungslos auf das Quartett hernieder. Pierre ist unwohl, das Schaukeln und die fremden Gerüche spielen seinem Magen einen Streich. Doch das gibt sich. Alles cool. Ein Leitspruch von Pierre. Alles cool.

Schon in der ersten Nacht wirkt er aber gar nicht mehr so cool. Auf und Ab bewegt sich das Boot. An Schlaf ist nicht zu denken. An Deck – frische Luft soll ja bei Schlaflosigkeit Wunder bewirken – gesellt sich Jeanne hinzu. Auch sie kann nicht schlafen. Doch aus einem anderen Grund. Sie hat die gemeinsame Nacht mit Pierre noch nicht vergessen. Die eindeutig zweideutigen Bemerkungen lassen Pierre nun erst recht nicht zur Ruhe kommen. Ist Jeanne doch mehr als „nur die Frau seines Bruders“? Das Meer liegt still und spiegelglatt vor den beiden. In ihnen brodelt der Vulkan.

Am nächsten Tag ist das Schrecken auf dem Boot eingekehrt. Lone hat eine fiese Beule am Auge. Sie muss zum Arzt. Bereitwillig rudert Jean die untröstliche Lone ans Land. Zurückbleiben Jeanne und Pierre…

Vincent Almendros wurde für „Ein Sommer“ mit dem Prix Françoise Sagan ausgezeichnet. Der schönste Roman des Frühlings nannte man ihn im Jahr 2015. Und das ist er seitdem. Die Strahlkraft der Zeilen reicht weit über Verzückung hinaus. Der Spannungsbogen, den Almendros zeichnet, führt den Leser an die Grenzen der Aufmerksamkeit. Fast will man nur noch umblättern, um zu erfahren wie und ob es weitergeht. Die Worte leicht wie ein Sommerwein, die Charaktere klar umrissen wie Schattenspiele an weißgekalkten Wänden, führt, nein verführt Vincent Almendros den Leser in die Tiefen einer ménage à quatre. Es ist nicht leicht zu erkennen, wer wen wie und wann vor den Kopf stoßen wird. Zwischen Schwarz wie die Tiefen der See und grellem Weiß wie das Licht im Inneren der Sonne schwankt das Boot der Versuchung vor einer der schönsten Küsten des Mittelmeeres. Wie eine aufmerksame Drohne schwebt der Leser als stiller Beobachter über der nahenden Katastrophe.

Sehnsucht Kuba

Kuba – hat schon ein bisschen was von Sehnsucht. Für Arne Retzlaff ein bisschen mehr als „nur ein bisschen“. Echte Sehnsucht. Und für ein Jahr ein echtes Zuhause. Nicht Havanna, nicht Santiago de Cuba. Manzanillo hieß der Ort, der zwölf Monate mit Heimat gleichgesetzt wurde.

Das Kuba von einst mit dem prachtvollen Havanna und seinen Casinos und den dazugehörigen Etablissements, den breiten, überfüllten Boulevards, dem Paris der Karibik, ist nicht mehr viel übrig. Die Köpfe der Revolution sind zweidimensionalen Ikonen an Häuserfassaden gewichen. Seit einiger Zeit strecken die amerikanischen Ketten, die vor mehr als einem halben Jahrhundert ein Grund für die Wendung zu besseren Zeiten und Idealen waren, ihre Fühler wieder gen Kuba aus. Die beschaulichen Zigarrenmanufakturen werden in absehbarer Zeit modernen klimatisierten Arbeitsräumen weichen müssen. Und das kubanische Lebensgefühl wird bald nur noch Zuschauern des Buena Vista Social Clubs eine Vorstellung von dem, was einst war, bieten können.

Umso erbaulicher ist die Lektüre dieses herzlichen Reise- und Lebensberichtes von Arne Retzlaff. Er lernte Kuba kennen als erste Reformen wieder individuelle Entfaltung möglich machten. Als Dollars auch den Kubanern zumindest auf dem Papier rosige Zeiten versprachen. Verträumt oder verklärt sind allenfalls die Vorurteile des neugierigen Lesers. Als sanfte Abrissbirne mit dem Feingefühl eines ewigen Kuba-Liebhabers fungiert der Autor. Schon beim ersten Durchblättern, wenn man den Fotoabschnitt Seite für Seite betrachtet, werden die Vorstellungen auf eine harte Probe gestellt.

Unter den Reiseberichten über die Perle der Karibik sticht „Sehnsucht Kuba“ heraus, weil die Klischees dazu dienen den Leser auf eine andere Fährte zu locken. Nicht Hinterlist und Tücke sind die Antriebsfeder Retzlaffs, sondern das Bedürfnis Kubas wahres Gesicht zu zeigen. Die Schwierigkeiten beispielsweise ein Haus zu bauen. Wo in Deutschland der Amtsschimmel wiehert, grüßt hier die Mangelwirtschaft. Wo in Deutschland die Planung jedwede Vorfreude auf ein Fest nimmt, regiert auf Kuba die Improvisation. Und es gewinnt immer die Lebensfreude! Das spürt man in jeder Silbe.

Kuba als Reiseziel ohne das „Schnell nochmal hin, bevor alles wech ist“ – mehr als lohnenswert. Kuba mit Reiseband – sehr zu empfehlen. Kuba bereisen, ohne Arne Retzlaff zu Rate gezogen zu haben – ein Verlust, der nicht wieder gutzumachen ist.

Chirú

Eine Frau und ein Mann. Treffen sich. Eine Beziehung entwickelt sich. Eine Beziehung, die nicht sein darf. Denn sie ist mehr als doppelt so alt wie er. Netter Plot, aber nicht besonders originell. Wie wär’s damit?! Michela Murgia schreibt die Geschichte der achtunddreißigjährigen Eleonora, die auf Empfehlung den achtzehnjährigen Chirú unter ihre Fittiche nehmen soll.

Sie zweifelt. Was kann sie ihm beibringen? Ihm, dem jungen Schlacks mit den zu langen Armen, mit dem kindlichen Habitus, der ihr anfangs immer wieder das Gefühl vermittelt eine Art Trophäe zu sein. Klingt doch schon viel besser! Ist es auch!

Chirú steht also vor ihr, den Geigenkasten unterm Arm, ungelenk und schüchtern. Aber mutig genug der ersten Ablehnung nicht gleich resignierend nachzugeben. Hopfen und Malz scheinen doch noch nicht endgültig verloren zu sein. Und da ihr die Argumente fehlen ihm komplett die Zuneigung zu versagen, gibt sie sich einen Ruck und macht ihn zu ihrem Adlatus. Im gleichen Atemzug stellt sie sich jedoch weiterhin die Frage, was sie ihm eigentlich beibringen soll. Soll er sie begleiten auf der Bühne? Das Gesamtbild würde nicht mehr passen. Ach, was soll sie nur machen. Einen Versuch ist es aber wenigstens wert.

Chirú ist im siebten Himmel. Doch sein Wesen steht ihm im Weg dieser Freude den nötigen Ausdruck zu verleihen. Warum wurde er von der erfahrenen Lehrerin angenommen? Ist alles nur ein Zufall, ist es Schicksal, steckt mehr dahinter? Einen Versuch ist es wenigstens wert!

Und schließlich verstehen sich Eleanora und Chirú auf Anhieb. Kein Grund zum Zweifeln. Sie lehrt, er lernt. Nicht ganz: Dieses Verhältnis bleibt ungeklärt, für den Leser, für die beiden und vielleicht auch für die Autorin. Immer mehr entfernt sich Michela von der Vorstellung als Fachangestellte dem jungen Mitarbeiter Wissen einzupflanzen. Sie sieht sich als Wegbereiterin und Wegbegleiterin des jungen Chirú, der dann auch schon zögerlich ihre Hand ergreifen und sie in der Öffentlichkeit umarmen darf. Verwirrung? Ja, aber nur kurz. Denn mittlerweile sind die beiden unzertrennlich. Nicht wie ein Liebespaar im herkömmlichen Sinne, sondern wie zwei Vertraute, die zusammen einander guttun.

Mit scheinbarer Leichtigkeit zerreißt Michela Murgia die Klischees von Jung und Alt, die in den Köpfen der Starrsinnigen verankert sind. Wer erteilt wem eine Lektion steht hier keineswegs zur Debatte. Auch nicht, ob es dem jungen Mann gelingen wird die Dame seines Herzens „zu knacken“. In Murgias Geschichte geht es um mehr als Machtspielchen gegenüber dem Anderen. Sie sieht im Mit- und Nebeneinander der beiden die wahre Bedeutung der Liebe. Der unbewussten wie der bewussten, mit all ihren Aufs und Abs, die weder Sieger noch Besiegte kennt.

Karibik ohne Kannibalen

Na das will man doch hoffen, Karibik ohne Kannibalen, bitte sehr. Das tut doch weh! Wenn man dann das Inhaltsverzeichnis liest – man ist zwar schon vorbereitet, dass hier jemand über seine Eindrücke in der Karibik schrieben wird – kann man sich eines gewissen Anflugs von Neid nicht verwehren. Antigua, Barbados, St. Lucia, Guadeloupe … das sind Reiseziele! Nein, es sind Sehnsuchtsziele! Zwei Reisen unternahm Walter Laufenberg in die Karibik und nun hat er sein Erinnerungsarchiv für alle neugierigen Leser geöffnet. Treten Sie ein ins Paradies!

1971 stach Walter Laufenberg das erste Mal in See, um Kurs auf die Karibik zu nehmen. Damals noch mehr ein Abenteuer als heute, in einer Zeit, in der einem auch noch der letzte Krümel vom Croissant postwendend vom Revers gebürstet wird. Auf Einladung von Neckermann Reisen und auf einem sowjetischen Schiff. Auf einem echten RGW-Produkt (RGW=Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, dem Ost-Pendant zur EWG): Gebaut in Wismar fuhren auf ihm russische bzw. sowjetische Angestellte im NSW (nicht sozialistischen Währungssystem) zur See, um dem Klassenfeind die schönste Zeit des Jahres zu bescheren. Die Welt war damals schon verrückt!

Der erste Stopp war in Puerto Rico – die Verrücktheit geht weiter – einem Land, das eigenständig sein wollte, dessen Bewohner sich aber an die USA heranschubberten wie kaum andere.

Bei all der Faszination für das Neue, Andere, Fremde ist sein journalistisch geübtes Auge nicht getrübt. Neben der prachtvollen Natur, den lukullischen Neueindrücken und den teils rasanten Fahrten durch über die Inseln bleiben ihm Armut und Verzweiflung nicht verborgen. Einige der besuchten Länder haben erst vor wenigen Jahren ihre Unabhängigkeit erreicht und die Euphorie darüber ist kargem Alltag gewichen. Nichtsdestotrotz ist Walter Laufenberg immer noch ein Fan der Karibik.

Und wohl auch deshalb wagt er vierundvierzig Jahre später und weiser noch einmal einen Urlaub mit Hintergedanken (nämlich dem noch einmal alles niederzuschreiben) in der Karibik. Wo einst 350 Angestellte sich ums Wohl sorgten, schwirren nun ganze Armeen von fleißigen Helfern um ihn und die den Rest der Vergnügungssüchtigen herum. Die Zahl der Passagiere hat sich ebenso vervielfacht. Nur die Anziehungskraft der Eilande in karibischen Gewässern ist immer noch ungebrochen. Babylonische Sprachgewirr herrscht weiterhin an Bord, dennoch sprechen die meisten nun doch zumindest Englisch.

Zwei reisen zu unterschiedlichen Zeiten in verschiedenen Lebensabschnitten. Walter Laufenberg prahlt nicht mit dem, was ihm widerfährt. ER ist der Chronist der leichten Brise, dort, wo das Wasser oft wärmer als die Luft ist, der Duft der weiten Welt scheinbar zuhause ist und ein exzellenter Erzähler, der den Leser an die Hand nimmt und ihm erlaubt zu träumen. Die Sprachbilder in seinen kurzen Erzählungen stecken voller Energie, und zwar bei beiden Reisen. Er selbst hat sich verändert. Die Zeit zwischen den Schiffspassagen hat er genutzt um zu lernen, mehr zu erfahren. Das schlägt sich in den Berichten der zweiten Reise nieder. Kindlicher Eifer, Erstaunen darüber, was außerhalb der eigenen vier Wände, der Heimatstadt und des europäischen Kontinents möglich ist, weicht dem analysierenden und trotzdem sich an einfachen Dingen erfreuenden Auge. Dieses Buch ist die ausgleichende Alternative zu allen, die Kreuzfahrtgeschichten nur deshalb schreiben, um das Cruise-Business ins Lächerliche zu ziehen. Walter Laufenberg macht Appetit darauf die Welt noch einmal und immer wieder zu entdecken!

Hamburg

In Zeiten von fake news ist das so genannte fact checking von besonderer Bedeutung. Und so kommt’s, dass man bei der dritten Auflage des Hamburg-Reisebandes von Matthias Kröner erst einmal über die Neugestaltung des Buches (und der gesamten MM-City-Reihe) staunt und dann schon vor dem ersten Durchblättern stutzt: „Da ist etwas anders!“. Das ist gut so! Aus Bordeauxrot mach Margenta. Geschmackssache. Und bei Reisebänden spielt die Außenfarbe eh keine Rolle. Wichtig ist, was drin steckt, schließlich steckt die Nase ja andauernd drin, und was rauskommt. Keine Angst! Der Inhalt litt in keiner Weise unter der neuen Farbgebung. Im Gegenteil. Hamburg ging jahrelang schwanger mit einem architektonischen Wunderkind, das einfach nicht ans Licht der Welt wollte. Manche bezeichneten es schon als Rosemarys Baby. Doch als es dann endlich da war, glockenhell sein Erscheinen kundtat, waren alle hellauf begeistert. Die Rede ist von der Elbphilharmonie. Ein guter Grund die dritte Auflage des MM-City-Reisebandes Hamburg in Angriff zu nehmen. Doch nicht der einzige Grund!

Zehn Touren hat sich Matthias Kröner teils noch einmal vorgenommen. Noch einmal Fischbrötchen, noch einmal Reeperbahn, Ritze, Rote Flora. Noch einmal? Nicht ganz. Denn auch an Hamburg nagt der Zahn der Zeit und Veränderungen sind hier nicht weniger willkommen als im Rest der Welt. Der oft als spröde verschriene Charme der Norddeutschen wird in Hamburg auf Hochglanz gebracht. Die Nase immer im Wind und nicht in den Wolken. Das verbindet die Hamburcher mit diesem Buch. Bodenständige Exklusivität, verpackt in einem neuen praktikableren Gewand. Der Zahn der Zeit, wir müssen noch einmal zu ihm zurückkommen, muckerte und muckerte bis der Doktor (also die Macher) den Kreativbohrer ansetzten und den Zahnstein der Gewohnheit entfernten. „In Hamburg sagt man Tschühüss“, auch zu den geliebten gelben Infokästen. Doch nur zum Gelb. Ein zartes Lila bringt nun den geneigten Reisenden dazu sich hier heimisch zu fühlen und Anekdoten wie ein Ureinwohner herausblasen zu können. Passt einfach besser zum Margenta. Inhalt – wie gesagt – immer noch eine Bereicherung jedes Schrittes durch die Hafenmetropole. Und noch eine Neuerung: Die einzelnen Kapitel werden nun in kurzen Worten angeteast, d.h. kurz dass man nun schon vorher ganz genau weiß, wo der Weg lang führt und was einen erwartet. Wer jetzt vorwitzig meint, was mich nicht interessiert, kann ich ja getrost weglassen oder überlesen, irrt. Das wäre so wie wenn man sich an die Elbe stellt, vor dem Millerntor ein Astra trinkt und auf St. Pauli die Damen nett grüßt und meint Hamburg zu kennen. Nee, das is nich so! Wer weiß schon, wo in Hamburg man so richtig leckeres und supergünstiges Kantinenessen gibt. Wer’s nicht weiß, hat ein Brett vorm Kopf. Die, die’s wissen, haben selbige unter den Füßen – Hinweis verstanden? Bretter, die die Welt bedeuten? Alles klar? Ja, das und die Faszination von sieben Knoten, einem Duell, das über dreihundert Jahre zurückliegt oder die besten Plätze für Schiff-Spotting erfährt man nur bei Matthias Kröner und dem Michael-Müller-Verlag.

Für Puristen liegt ein Stadtplan bei, für Modernetiker gibt’s ’ne Web-App. Und wie immer Tipps und Ratschläge wie Sand am Meer. Wenn man nicht so ungeduldig wäre und es kaum erwarten kann, was einem in der vierten Auflage an Neuerungen geboten wird, könnte man nun ganz entspannt nach Hamburg reisen…

Aufblasbarer Globus

Aufblasbarer Globus

Für viele Urlauber ist dies ein Ideal an Erholung: Am Strand liegen, faulenzen, ein bisschen Bewegung (aber wirklich nur ein bisschen), und abends einen Film genießen. Einen echten Klassiker mit bekannten Schauspielern. Beides zusammen wäre die Kirsche auf dem Sahneeisbecher. Allmachtphantasien kommen am Strand wohl eher nicht auf, wenn man mit dem aufblasbaren Globus im weichen Sand herumtollt. Schließlich spielt man nicht mit der Welt, sondern einem 45 cm großen Modell selbiger. Und hier kommt der Film ins Spiel. Erinnern Sie sich? „Der große Diktator“. Charlie Chaplin als Adenoid Hynkel, der – von sich selbst verzückt – mit einem Spielball der Welt elegant, verspielt, artistisch von der Weltherrschaft träumt. Jedem, der den Film kennt, kommen die Bilder sofort in den Sinn.

Der aufblasbare Globus ist aber mehr. Er ist das Strandspielzeug, das Generationen verbindet. Kinder werden den Ball lieben, klar, daran führt kein Weg vorbei. Größere (Kinder?!) schauen erstmal nach, so sie schon überall waren. „Weiß Du noch, damals…, als wir … unvergesslich … ach war das schön!“. Leider kann man die bereisten Länder nicht mit einer Nadel markieren. Denn dann ist die Luft raus und die Urlaubsstimmung flöten.

Die Welt bereisen, die Welt unterm Arm haben, mit und in der Welt Spaß haben – so fasst man dieses Spielzeug zusammen. Viel Spaß beim Welt erobern!

Neuseeland live

Neuseeland live

Auf der Liste der beliebtesten Fern- und sogar Auswandererziele landet garantiert immer ein Land: Neuseeland. In der Mitte getrennt durch wildes Wasser, und doch nur im Doppelpack das volle Erlebnis. Schon die Anreise erfüllt alle Merkmale eines Tagesausfluges. Und wenn man endlich am anderen Ende der Welt gelandet ist, will man so viel wie möglich erleben. Wer weiß, wann man mal wieder hierher kommt?! Für die meisten ein einmaliger Urlaub. Und dafür braucht man einen einmaligen Reiseband. Am besten einen, der den Kauf von weiterer Literatur überflüssig macht. Oft durchstöbern Neuseelandreisende schon Monate vorher die Bücherregale und decken sich ein mit entsprechenden Büchern, um ja nichts zu verpassen: Bildbände, Reisebände, Kartenmaterial, Reiseberichte. Nicht nur, dass sich dann im wahrsten Sinne die Balken biegen – die des Bücherregals – sondern auch der Berg an Seiten und Information lassen die Vorfreude etwas verfliegen.

Und dabei ist es doch so einfach. Ein Buch reicht! Dieses Buch. Reichlich vierhundert Seiten, über fünfhundert Bilder, und – das ist der Clou – das Ganze reisegepäckfreundlich auch in digitaler Form. Denn das ComboBook „Neuseeland live“ wird mit eine 8GB MicroSD-Karte angeboten, die den Zugriff auf alles aus dem Buch erlaubt. Als Zusatz gibt es im Buch keine Landkarte zum Herausnehmen, sondern ein Handbuch. Die digitalisierten Infos laufen auf dem PC/Notebook, Android- und iOS-Geräten, existieren als Hörbuch, E-Book und bieten umfangreiches Navigationsmaterial. Und natürlich auch als gedrucktes Buch. Die mitgelieferten SD-und USB-Adapter lassen mögliche Schwierigkeiten ins Reich der Phantasie verschwinden.

Kleiner Tipp: Beginnen Sie mit den Videodateien. Überwältigende Filmaufnahmen in nicht minder exzellenter Auflösung lassen das Herz höherschlagen. Wäre die Landschaft nicht so eindrucksvoll, könnte man fast zu dem Entschluss kommen, dass man gar nicht mehr nach Neuseeland reisen muss…

Neuseeland ist ein Land, das sich sehr gut auf eigene Faust bzw. auf eigenen Füßen erkunden lässt. Ob man nun beispielsweise den Abel Tasman Coast Track sich vorher als pdf-Datei mit Kartenmaterial und zahlreichen Bildern im Vorfeld anschaut, sich mit dem Hörbuch in Urlaubsstimmung versetzen lässt oder das Video wieder und wieder anschaut, die Begeisterung – in erster Linie für die richtige Wahl des Urlaubsgebietes, aber auch für dieses Buch, Hörbuch, E-Book, … – wird nicht nachlassen. Schon seit Jahren versuchen immer wieder Verlage das digitale Segment zu erobern. Nun sind Navigationshilfen, E-Books etc. nichts Neues. Aber die geballte Kraft eines All-in-all-inclusive-Paketes beeindruckt schon lange vor der Abreise. Und die Anreise nach Neuseeland erlaubt das ganze Buch noch einmal zu durchforsten, die Videos noch einmal zu genießen und sich mit dem Hörbuch die volle Dröhnung Neuseeland zu geben. Ein Überraschungsei hat nur drei Dinge auf einmal, „Neuseeland live“ ein unendliche Zahl an Möglichkeiten.