Schneeflockenrauschen

Denkt man an Weihnachten steigen einem sofort typische Gerüche in die Nase. Der Glaube an Frieden tritt immer mehr in den Vordergrund. Und für den Physiker Paul Mahly sogar der Effekt eines Rauschens. Doch nur kurz. Denn um die klamme Kasse aufzubessern, verdingt er sich als Weihnachtsmann. Es sind nur noch ein paar Tage bis zur Bescherung und diese Zeit will und muss er nutzen, um Ordnung ins monetäre Chaos, sprich ins tiefe Loch, zu bringen. Zu blöd nur, dass er bei der „Kostümprobe“ seine Jacke mit der eines Kollegen vertauscht hat. Portemonnaie, Schlüssel und Handy sind zwar noch in seiner Jacke. Die wiederum ist bei einem anderen.

Schon bald findet er alles, was er braucht, um den Irrtum zu korrigieren. Und hier beginnt der Weihnachtskrimi von Ilja Bohnet so richtig Fahrt aufzunehmen. Portemonnaie, Schlüssel und Handy sind wieder bei Paul. Seinen Kollegen hat er aufgesucht und fand fast alles so vor wie er es sich vorgestellt hat. Die Einschränkung „fast“ ist einschneidender als es die vier Buchstaben vermuten lassen. Denn der Kollege ist tot. Achso, fast (!) vergessen: Die finanziellen Probleme Pauls sind dank zweier Umschläge mit jeweils eintausend Euro auch fast (!) aus der Welt geschafft.

Ein Anruf. Ein Auftrag. Eine Einladung. Und für Paul werden die Tage vor dem Fest zu einem Wettlauf gegen alles, was er sich jemals hätte vorstellen können.

Zur gleichen Zeit wird eine viel zu beachtende Ausstellung mit Bildern der so genannten Wilden der DDR vorbereitet. Leo Fauchs Werke sollen darin eine besondere Stellung einnehmen. Ein sehr wilder Wilder. Leider schon verstorben. Dieser Fakt ruft einige zwielichtige Gestalten auf den Plan. Einem Auktionshaus wird ein Bild aus der „schwarzen Serie“ Fauchs angeboten. Ein Mysterium. Sieben Bilder mit Portraits, die allesamt geschwärzt wurden. Gesehen hat man sie noch nie. Und schon gar nicht alles Sieben auf einen Streich. Wie heißt es so schön? Der Kunstmarkt ist in Aufruhr. Und wie! Das verschwommene Bild, das der arbeitslose Physiker Paul Mahly noch vor kurzer Zeit vor dem geistigen Auge gesehen haben will, nimmt derart scharfe Konturen an, dass Paul Mahly auf einmal sich zu einem Mann entwickelt, der wie die acht Rentiere, ganz allein einen schweren Schlitten ziehen muss. Die Frage nach dem Zusammenspiel von Fakten und Annahme wird zur rasanten Beweisführung, dass das Leben immer wieder Überraschungen parat hält. Ein Weihnachtskrimi, der so gar nicht besinnlich daherkommt, den Leser jedoch mit großen staunenden Augen vor dem Geschenk dieser Geschichte vor Freude erstrahlen lässt.