Archiv der Kategorie: Tu felix austria

Der Flügelschlag einer Möwe

Der Titel klingt auf den ersten Blick wie eine Liebesschnulze. Eine Möwenfeder fällt herab – auf Sie – in dem Moment als er ihr seine Liebe gestehen will – zärtlich fährt er durch ihr Haar… Nee, Patricia Brooks hat einen knallharten Krimi geschrieben. Das Verbrechen ist klar. Jemand wird ermordet. Jahrzehnte später wird bei Bauarbeiten ein Skelett gefunden. Und eine Clique aus Gymnasiumszeiten gerät ins Visier des Lesers.

Cold case nennt der Fachmann sowas. Ein Fall, der eigentlich schon zu den Akten gelegt wurde. Oft ungelöst. Irgendein Auslöser bringt die Behörden, einen Ermittler wieder dazu die Akten hervorzukramen und noch einmal von vorn zu beginnen.

Die Ermittlerin ist in diesem Fall Patricia Brooks. 1980 machen sich ein paar junge Leute nach der Matura auf den Weg nach Triest. Es soll ein letztes Mal sein, dass sie unbeschwert das Leben genießen. Denn schon bald beginnt der harte Arbeitsalltag oder das Studium. Eines Abends treffen sich alle in einer Disco. Tati geht an diesem Abend nicht gut. Sie beschließt die Partynacht abzubrechen und sich ins Bett zu legen. Auf dem Weg dorthin wird sie unfreiwillig Zeuge eines Mordes an einer Tankstelle. Der Mörder entdeckt sie und ergreift erschrocken die Flucht. Kurze Zeit später treffen Georg und Willi, die ebenfalls nicht mit in die Disco gegangen sind, an einer Tankstelle (!) ein, um zu tanken. Niemand da, nur ein Mann, der am Boden liegt. Regungslos! Und ein Päckchen. Willi schaut rein und entdeckt einen Batzen Geld. Heimlich versteckt er es unter seiner Jacke. Sagt Georg kein Sterbenswörtchen.

Jahre später – jedes Kapitel wird mit Ort und Jahreszahl eingeleitet – liest man von Rosanna. Sie durchlebt ein widerwärtiges Martyrium. Als Junkie ist sie ihrem Dealer gnadenlos verfallen und hilflos ausgeliefert. Er schlägt sie, vergewaltigt sie und quält sie unentwegt. Das hört erst auf, als er eines Tages nicht mehr nach Hause kommt. Denn er hatte noch einen Nebenjob. Als Erpresser, Geldbote und Mörder. Da lief wohl was schief, an diesem Abend an der Tankstelle. Rosannas Weg kennt von nun an nur noch eine Richtung: Vorwärts nach oben. In einem Sozialisierungsprogramm gibt man ihr eine Chance. Als ihr doch einmal der Kragen platzt, scheint alles vorbei zu sein, doch eine der Schwestern, die das kirchliche Projekt unterstützt, vermittelt sie nach Wien. Und hier scheinen wieder alle Fäden der besagten Nacht zusammenzulaufen…

Der so genannte Butterfly-Effekt besagt, dass es theoretisch möglich ist, dass unter bestimmten Umständen, kleine Veränderungen zu Beginn eines Ereignisses enorme Auswirkungen in der Zukunft haben können. Wir alle kennen das von Zeitreisen! Wäre Tati damals nur länger in der Disco geblieben, oder gar nicht erst mitgegangen, könnte sie heute ruhig schlafen. Und Willi wäre wahrscheinlich noch so erfolgreich mit seiner Firma. Er hätte allerdings auch nicht Rosanna kennengelernt. Erstes Newtonsches Gesetz: Aktion=Reaktion. Doch so weitreichend, spannend und nachvollziehbar wird es nur von Patricia Brooks beschrieben.

Der Tote, der nicht sterben konnte

Es heißt, dass den Tod vor Augen das Leben noch einmal an einem vorüberzieht. Martin Heinz hat den Tod vor Augen, eine Leitschiene wird sich jeden Moment in seinem Körper bohren und Magen, Darm und Nieren zu Brei zermalmen. Nur eines im Leben ist sicher, der Tod. Außer bei Martin Heinz.

Blau-weiß-rot sind nicht nur Trikolore und Union Jack, sondern auch sein Körper. Blau der Penis – das Blut schoss ihm kurz vor der Durchbohrung ins Gemächt und gerann sofort. Weiß sein Körper wie eine frisch gedeckte Kaffeetafel. Rot das Loch, wo die Mitte des Körpers liegt. Den Ärzten ist er ein Rätsel. Den Menschen in dem kleinen Ort in Österreich ist er ein Wunder. Noch hält sich die Meute der Journalisten fern von ihm. Seine Familie weiß auch nicht wie sie jetzt damit, mit ihm, dem Zombie umgehen soll. Ein echter Zombie ist Martin Heinz aber gar nicht, denn dazu müsste er erst einmal richtig tot gewesen sein…

Martin Heinz will sterben, er kann es aber nicht. Sein Lebenswille ist nicht mehr existent. Und schlafen kann er auch nicht mehr. Seine Körpertemperatur stagniert bei fünf Grad Celsius. Sex – die besten Voraussetzungen bringt er ja immer noch mit – ist auch keine Lösung.

Als weitere Fälle des Ambrosia-Virus auftauchen – inzwischen weiß man, dass ein Virus die Ursache für die seltsame lebensverlängernde Erscheinung ist – wird Martin Heinz wieder aktiv. Er sucht den Tod. Im Hades. In Nevada. Als er ihn endlich trifft, ist die Zusammenkunft mehr als ernüchternd. Denn der Gevatter beliebt zu spotten. Oder hat er auch bloß keine Ahnung?

Die Lager, in denen die Ambrosianer, wie die vom Supervirus Betroffenen genannt werden, wachsen an. Fluktuation kann es nicht geben, da ja niemand sterben kann. Positiver Nebeneffekt: Krieg werden völlig sinnlos. Das sind sie auch schon vorher gewesen, nur haben das nie alle bemerkt. Eine perfekte Welt? Ja! Allerdings keine ganz perfekte Welt…

Hermann Knapp beginnt „Der Tot, der nicht sterben konnte“ als ironisches Stück, das den Leser schmunzeln lässt. Im Laufe der Seiten wandelt sich das Blatt und immer klarere werden die unausweichlichen Konsequenzen der Unsterblichkeit. Immer noch schmunzelnd muss der Leser miterleben, dass auch in einer perfekten Welt jede Medaille zwei Seiten hat. Nur leider hat dieses Buch ein Ende.

Am Tiefpunkt genial

Ach Mensch, Paul! Du wusstest es doch! Als Stefanie so vertraut mit Markus war. Das Klingeln im Ohr?! Du hast es doch gehört. Nun ist sie weg, die Stefanie. Jetzt gibt es dafür Markus und Stefanie. Mensch Paul! Kippen, Bücher und Musik sind doch nicht alles.

Man möchte Paul anschreien, ihn wachrütteln. Ein bisschen Selbstmitleid sei ihm zugestanden, ihm dem Buchhändler, der so sehr an Zigaretten und Musik hängt. Und bis vor Kurzem hing er auch noch an Stefanie. Sie, das Modepüppchen, die nächtelang die Clubs unsicher machte, sehr, zu auf ihr Äußeres achtete und dieses hegte und pflegte. Stundenlang. Und Paul, der Mode zwar buchstabieren kann, aber ansonsten damit nichts anfangen kann. Warum hat Bernhard diesen Markus auch angeschleppt?!

Hass empfindet Paul nicht. Mit Klarissa hingegen spricht er sich aus. Seine Ex. Sie kennt ihn und mag ihn und fühlt sich immer noch ein wenig für ihn verantwortlich. Aber vor allem macht sie ihm Mut. Die Trennung war gut für ihn. Den Eigenbrödler. Und dann wieder Bernhard. Lass uns treffen. Alle zusammen. Auch Markus? Ja. Der Soundtrack des Lebens hält für den Musikliebhaber Paul aber auch immer wieder eine B-Seite parat. Kein stimmungsvoll-melancholischer B.B. King, keine immer passenden Stones, kein beruhigender Miles Davis.

Und wie im richtigen Muskleben enthält die B-Seite eine echte Rarität. Markus und Paul können sich in die Augen schauen, miteinander reden und sich sogar die Hand geben. The kids are alright oder doch Sympathy fort he devil?

Wer nun meint, dass mit Paul wieder alles in Ordnung ist, irrt. Mit Paul war schon immer alles in Ordnung. Aus falschem Pflichtgefühl heraus bildet er sich ein, dass Schicksalsschläge unbedingt mit tiefer Trauer, Selbstzweifel und vielleicht sogar Hass einhergehen müssen. Doch Paul hat seine Bücher, seine Kippen und seine Musiksammlung. Und wenn ihm danach ist, haut er sich einfach aufs Sofa. Nichts tun, den Herrgott einen liebe Mann sein lassen. Er verliert seinen Job und erkennt, dass Markus auch bloß ein Aufschneider ist, der gern andere in seine Machenschaften zieht. Im ersten Moment keine sonderlich schönen Ereignisse. Dennoch: Paul kann zufrieden sein. Denn schlussendlich ist da noch etwas. Das Leben!

Karoline Cvancara zeichnet mit Paul einen Lebemann, den man nicht auf Anhieb dieses Attribut verleihen würde. Er ist wie eine Katze, landet immer wieder auf den Füßen. Die Abgründe, die sich vor ihm auftun, kennt jeder. Man kann sich verkriechen, die Decke über den Kopf ziehen, aber das zögert die Lösung des Problems nur hinaus. Man kann sich bewusst Hilfe suchen, aber dann muss man alles noch einmal aufrollen, ob’s hilft, weiß man vorher nicht. Oder man lässt alles erst einmal sacken und blickt nach vorn. So wie Paul.

Letzter Kirtag

01 - Letzter Kirtag

Gasperlmaier! Als Chef würde man diesen Namen schreien. Vor Wut! Als Leser klopft man sich herzlich auf die Schenkel und schüttelt sich vor Lachen. „Ein selten dämliches Rindviech!“. Das ist Kirtag. Volksfest. Alle sind in prächtiger Stimmung und weit über dem gesunden Promillepegel. Auch der Gasperlmaier. Polizist seines Zeichens. Als er so leidlich nüchtern einem menschlichen Bedürfnis nachgehen muss, entdeckt er eine Leiche. Wenigstens durfte er nochmal seine Lederhose tragen, ist sein erster Gedanke. Der Zweite ist da schon fataler. Eine Leiche am Kirtag? Das geht nicht! Die versaut ja jedem die Stimmung. Also nix wie weg mit dem Herr Doktor Nagelreiter. Der Gasperlmaier kennt die Leiche. So wie man sich halt kennt hier am Altausseer See. Blöd nur, dass auch die Kollegen da sind. Und die kriegen ziemlich schnell spitz, dass der Leichnam bewegt wurde. Gasperlmaier schüttelt unschuldig den Kopf. Und reitet sich immer weiter in … naja Sie wissen schon. In den Schlamassel. Die Frau Doktor Kohlross ist da eine besondere Spezialistin. Die traut dem Gasperlmaier eh nichts viel zu. Wenn sie sich da mal nicht täuscht…

Bis hierhin hat man noch nicht einmal ein Viertel des Stoffes geschafft und schon hat man einen neuen Freund: Gasperlmaier. Hier verwachsen, ein bisschen unbeholfen, aber – oder besser gesagt – UND von Grund auf ehrlich. Das eine Mal Leiche beiseite zerren zählt nicht! Schon gar nicht hier auf dem Land!

Der Gasperlmaier ist keiner, den man gern mit dem Tod eines lieben Verwandten betraut sehen möchte. Auf den ersten Blick. Erst bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass unter der verweichlichten Schale ein knallharter, erdiger, im Land verwurzelter Held steht. Als stur könnte man ihn bezeichnen, als unnachgiebig und akribisch erst, wenn man ihn besser kennt. Herbert Dutzler hat einen sympathischen Ermittler geschaffen, der nur oberflächlich ein „bleeder Hund“ ist. Man hat ihn gern um sich, er gibt einem etwas Vertrautes. Er ist nicht zynisch, trinkt gern mal einen über den Durst (aber nur aus Genuss, nicht um zu vergessen oder aus einem anderen „zivilisatorischen Grund“) und lässt sich nicht ablenken. So einen braucht’s!

 

Schnitzeltragödie

Schnitzeltragödie

Wohnungsauszug – Zeit des Neuanfang, aber auch der Rückbesinnung. So auch der namenlose Held dieses Buches. Alles muss besenrein übergeben werden. Abgeschlossen, im wahrsten Sinne des Wortes. Schlüssel rumdrehen, zum letzten Mal, und Auf Nimmerwiedersehen! Man sperrt zu und alles ist vergessen und vorbei. Nicht ganz, denn da sind noch die Erinnerungen. Die Gedanken an die Tragödien, die sich hier abspielten. Zumindest bei Harald Darer.

Der Mann, der hier sein Heim verlässt, tut dies aus gutem Grund. Ein Neuanfang mit Frau und Kind. Und er muss die Wohnung, das bisherige Leben, die Erinnerungen hinter sich lassen. Bitterböse G’schichten spielten sich hier ab. Allesamt Tragödien. Datteltragödien, Leberkästragödien … Schnitzeltragödien, Tragödien vom Erwachsenwerden, Tragödien des Alltags. Von wegen „Das ganze Leben ist ein Quiz“. Es ist eine Tragödie! Oder besser, gleich mehrere.

Harald Darer vermischt in seinen Erinnerungskurzgeschichten beißende Satire mit argwöhnisch beäugten Begebenheiten eines Mannes, der Gefallen daran findet sich und andere zu hinterfragen. Wenn er sich zurückerinnert wie er die Millionenfrage im Fernsehen beantwortet, der Kandidat – Hansi Hinterseer – sich immer mehr in seine Moonboots zurückzieht, im Schweiße seines Angesichts seiner eigenen Unwissenheit vor Scham im Stuhl versinkt (köstlich für jeden, der das System Hansi Hinterseer durchschaut hat!), ist man am Ende des Kapitels enttäuscht, dass die Geschichte schon vorbei sein soll. Man will mehr. Und man bekommt mehr!

Jeder Nation wird eine gewisse Art von Humor nachgesagt. Auch den Österreichern. Derb und manchmal auch ein wenig hinterfotzig. Mit einer Prise Charme, bzw. Schmäh. So muss es auch sein! „Schnitzeltragödie“ ist eine Kurzgeschichtensammlung, die ein permanentes Lächeln auf die Lippen zaubert, Schenkelklopfen andeutet und dem Leser vergnügliche Stunden bereiten wird. Man liest die Kapitel nicht hintereinander, man liest sie dosiert. Pro Tag ein Kapitel und selbiger ist gerettet. Und wetten, dass man beim nächsten Metzgerbesuch, Markteinkauf, Kurzurlaub auf genauso jemanden trifft, der wie der Fleischklopfer aufs Schnitzel passt?! Das nennt man dann wohl nachhaltige Literatur.

50 Dinge, die ein Wiener getan haben muss

50 Dinge die ein Wiener getan haben muss

Sich einmal so fühlen wie ein Wiener, die Stadt genauso gut kennen wie die Bewohner der Stadt an der Donau. Als Tourist hat man meist nur das im Auge, was Prospekte groß ankündigen: Hofburg, Kunsthistorisches und Stephansdom. Doch selbst die Wiener kennen ihre Stadt meist nicht so gut wie man meint.

Bleiben wir beim allgemein sichtbaren Wahrzeichen der Stadt, dem Steffl, oder Stephansdom. Ein imposantes Gebäude, ohne Zweifel. Von da aus die der Stadt „auf den Kopf spucken“, ist nur wenigen vorbehalten. Arbeitern, die das Dach instandhalten, zum Beispiel. Nicht nur. Denn in den Sommermonaten, samstags, ab 19 Uhr, bei schönem Wetter, kann man den Dachboden besichtigen und … in der Dachrinne „spazieren gehen“. Ja, das geht tatsächlich! Die Rinne ist kein handelsübliches Blech von ein paar Zentimetern Breite, einen halben Meter ist sie breit. Damit nichts passiert, ist sie mit Balustrade umzäunt. Zehn Euro kostet das einzigartige Vergnügen, das selbst nur wenige Wiener überhaupt kennen. Dieser Geheimtipp bildet den Auftakt zu neunundvierzig weiteren Dingen, die man in Wien erleben kann. Egal, ob man nun Einheimischer oder Gast ist. Und was für Wiener gut ist, muss für die Besucher der Stadt ja nicht schlecht sein.

Die Autoren Alexandra Gruber und Marliese Mendel geben dem Begriff „Geheimtipp“ einen ganz besonderen Glanz. Die kokettieren nicht mit dem abgedroschenen Klischee des Geheimtipps, sie zeigen sie auf, führen den Leser an sie heran und können sich der ewigen Dankbarkeit der Leser sicher sein.

Wer durch Wien schlendert – hetzen ist keine gute Idee in einer Stadt, die derart viel Kultur zu bieten hat – hat sie bestimmt schon bemerkt: Die Schlange vor der Staatsoper. Meist schon in den frühen Morgenstunden. Und das fast täglich in der Saison von September bis Juni. Klar, die stehen alle nach Karten an. Und jeder bekommt nur eine. Warum? Sie warten auf Stehplatzkarten. Die kosten nur ein paar Euro und garantieren Operngenuss auf höchstem Niveau. Wer eine Karte ergattert hat, stellt sich gleich in der nächsten Schlange an. Denn es geht bald los.

Unterirdisch, ebenerdig und überirdisch sind die Tipps, die in diesem Buch dem Leser offeriert werden. Selbst bei dem eher nicht so preiswerten Julius Meinl, einem der edelsten Kalorientempel Wiens, kann man sich mit einem nicht ganz so prall gefüllten Geldbeutel kulinarisch verwöhnen lassen.

Ein Teil des Autorenhonorars wird an das unbegleitete Mädchen im Haus Ottakring gespendet, einer Einrichtung für Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren, die ohne Eltern auf der Flucht waren.

Wanderungen in und um Wien

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Zweiundzwanzig Genusstouren verspricht dieses kompakte und handliche Reisebuch. Wien bietet sich an es zu Fuß zu erkunden. Nicht nur, weil die Ausdehnung der Stadt überschaubar ist, sondern vor allem, weil es an jeder Ecke etwas zu entdecken gibt. Die Prachtbauten an der Ringstraße, die kleinen Gassen und Straßen mit ihren pittoresken Fassaden und einladenden Geschäften sind ein Augenschmaus und lassen die Wegstrecken schnell vergessen.

Und doch bietet es sich an einen Wegbegleiter zur Hand zu haben. Den Einstieg, in die Stadt als auch im Buch, bietet sich das Obere Belvedere an. Und wohin geht’s? Natürlich zum Stephansdom, dem Wahrzeichen der Stadt, an den Ort, den jeder Wiengast besuchen muss. Die Kunstsammlung in den beiden Schlössern (Unteres wie Oberes Belvedere) sollte man sich nicht entgehen lassen, bevor man sich auf den Weg zum Steffl macht. Unterwegs empfiehlt es sich links und rechts das Auge schweifen zu lassen. Der Stadtpark ist die erste Oase der Ruhe. Kurz gefolgt von der Zweiten. Den ersten Zwischenstopp (zweite Ruheoase) sollte man im Café Frauenhuber einlegen. Das älteste Caféhaus der Stadt steht seit über zweihundert am Platz. Hier musizierten schon Beethoven und Mozart. Und schon ist man fast am Ziel angelangt.

Wien auch mal von oben erleben, das geht nicht nur im Prater, auf dem Riesenrad. Wer ein wenig nach außen wandert, kann den Hermannskogel erklimmen, den höchsten Berg Wiens. Los geht‘s am Sievering und dann durch den Wienerwald. Wer den Gipfel geschafft hat, kommt in den Himmel. Versprochen. Was es damit auf sich hat, muss es erleben oder zumindest ein wenig in diesem Buch blättern.

Zahlreiche kleine Informationstafeln, Höhenprofile und ansprechende Karten verschaffen dem Wanderer und Leser einen exakten Überblick, was Wien zu bieten hat. Die Touren sind für jedermann zu schaffen undkompakt beschrieben. Wie lange man sich Zeit nimmt, entscheidet man selbst. Drei Kilometer Zentralfriedhof sind in normalem Schritttempo in einer Stunde zu schaffen, doch dann geht der Reiz der Parkanlage verloren. Auch Schloss Schönbrunn kann man in relativ kurzer Zeit bewältigen. Wer mit dem Schrittzähler Wien beschreitet, wird Wien nicht kennenlernen. Genussvoll voranschreiten, verweilen, Atmosphäre aufsaugen, einkehren – die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten ist unbeschränkt. Franz Wille hat mit seinem Wanderführer ein handliches Buch erstellt, das in jede Tasche passt und immer schnell und übersichtlich Auskunft gibt, wo man ist und was es zu erkunden gilt.

Gebrauchsanweisung für das Burgenland

Gebrauchsanweisung Burgenland

Das Burgenland ist das zweitkleinste Bundesland Österreichs. Und das Jüngste. Es grenzt ans die Slowakei, Ungarn und Slowenien. Das sind die wichtigsten Fakten, die Touristen aber eher als Nebeneffekt weitgehend unerheblich erachten. Darin sind sich auch die beiden Autoren Martin und Andreas Weinek einig. Denn nur durch die geographische Lage lässt sich der Reiz des Burgenlandes nicht näherbringen. Sie kommen diesem Reiz über die Menschenauf die Spur. Denn der Burgenländer hat fünf Seelen – glaubt man dem Autorenpaar.

Die erste Seele ist die kulinarische. Zuerst räumen die beiden mit dem Vorurteil auf, dass hier immer noch die einstige XXL-all-inclusive-Küche ihr El Dorado hat. Das war einmal. Unter dem zu viel propagierten Schlagwörtern saisonal und regional wird hier gekocht, gebrutzelt und geschlemmt. Und vor allem verwöhnt. Wem beim Lesen schon das Wasser im Munde zusammenläuft, der kann eines der abgedruckten Rezepte gern selber ausprobieren. Sozusagen als Einstimmung auf zwei Wochen Burgenland. Oder im Anschluss als lukullische Aufarbeitung oder genüssliches Gedächtnistraining. Eine Besonderheit sollte jede Region aufweisen können. Hier im Burgenland ist es der Uhudler. Man kann die Zunge noch so sehr verdrehen, es findet sich kein hochdeutsches Pendant dazu. Der Uhudler ist eine Weinsorte, die es nur hier gibt. Erst seit den frühen Neunzigern darf er wieder angebaut und hergestellt werden. Doch auch die EU-Bürokraten arbeiten schon wieder an einer Modifizierung, verbieten werden sie ihn wohl nicht können.

Die zweite Seele ist die künstlerische: Joseph Haydn wirkte hier am Hofe der Eszterhazys, Franz Liszt wurde hier geboren. Das allein reicht schon, um sich eine künstlerische Seele ans Revers zu heften. Doch die zahlreichen Festivals, Museen und Veranstaltungen machen das Burgenland zu einer Kulturregion.

Unternehmungslustig sans auch, die Burgenländer. Das ist die dritte Seele. Bei solchen Ausflugszielen kein Wunder. Neusiedler See, mittlerweile Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, unberührte Wiesen, auf denen man noch ganz old school Schmetterlingen hinterherjagen kann oder … ach was, die Zahl an Möglichkeiten geht schier ins Unendliche.

Fehlen noch zwei Seelen. Die Dunkle und die Versöhnliche. Nach so viel Sonnenschein auch Schatten? Nicht unbedingt. Das Autorenduo Weinek lässt – wie im gesamten Buch – hier der künstlerischen Seele (!) freien Lauf. Nicht alles, was in diesem Buch geschrieben steht, sollte man auf die Goldwaage legen. Ironisch und informativ sind nur zwei Attribute, die man diesem Buch auf keinem Fall absprechen wollte. Übrigens, Burgen gibt es hier auch!

Wenn man die fünf Seelen der Burgenländer sich erlesen hat, ist es nur noch ein Katzensprung ins Burgenland. Man ist bestens präpariert, um das einstige Bollwerk am Eisernen Vorhang zu erleben. Die „Gebrauchsanweisung für das Burgenland“ versteht sich nicht als Reiseführer im herkömmlichen Sinne, es ist das Buch, das man braucht, um die Bilder im Kopf ins rechte Licht zu rücken. Viele Zeilen geben erst vor Ort ihre wahre Bedeutung preis. Die ideale Zusatzlektüre zum Reisebuch!

Wiener Witz

Wiener Witz

 

Einen Hang zum Morbiden sagt man den Wienern nach. Todessehnsucht. Naja, so arg ist es dann doch nicht. Aber einen ganz eigenen Witz und Charme kann man den Bewohnern der österreichischen Hauptstadt nicht absprechen. Den Beweis liefert Richard Weihs mit seinen eintausenddreihundertdreiunddreißig Wuchteln. Achtung Wortspiel: Sie sind alle eine Wucht. Sie stammen nicht alle aus der Feder des Autors, er hat sie gesammelt und für alle Wiener und Wienbesucher in diesem Buch vereint.

Dieses Buch ist eine langwierige Aufgabe. Denn alle Seiten komplett und auf einmal zu lesen, würde dann doch jedes Zwerchfell zum Bersten bringen. Immer stückchenweise, maximal eine Seite pro Tag. Dann ist man auf der sicheren Seite, wenn beim Heurigen gefrotzelt wird: „A so a hundsgemeiner Hundling, des Hundstuttl, des hundsordinäre!“. Oder man hält es mit Georg Kreissler: Wenn einer fragt, was denn heute noch so ansteht, kann man – mit Wiener Zungenschlag am besten mit „Geh’n mer Tauben vergiften im Park“ kontern. Bitte nur als Zitat verwenden!

Witz, also das Wort Witz, bedeutet im Wienerischen nicht zwangsläufig einen Schenkelklopfer, vielmehr ist es ein anderes Wort für Frechheit. Wer also WitzE erwartet, kann seine Erwartungen gleich auf dem Zentralfriedhof begraben. Wer aufmerksam liest, kommt schnell dahinter was sich hinter dem Schmäh, den man den Wienern nachsagt, verbirgt. Wer sich „Wiener Witz“ zulegt, bekommt einen echten Ratgeber für Wiener Umgangsformen. Doch sollte man es nicht übertreiben! Wer permanent mit Sprüchen um sich wirft, könnte in den Verdacht des Anbiederns kommen. Und dann haben die Wiener Sprüche drauf, bei denen jedem Touristen die Ohren schlackern werden. „Er hot vü mitgmocht – owa do kummt a nimma mit!“, versteht jeder und ist wohl eher noch die harmlose Variante der dann folgenden Tiraden. Dieses kleine Büchlein ist als Ergänzung zur Vorbereitungslektüre auf die Donaumetropole zu verstehen. Ein Leckerli zum gebundenen Infopaket. Immer wieder gern kramt es heraus und amüsiert sich über die Sprüche. Diese sind zweisprachig abgedruckt: Einmal im Original, und einmal auf Hochdeutsch. Das versteht dann wirklich jeder!

Auf den Spuren von Prunk und Pomp

Auf den Spuren von Prunk und Pomp

Wien gehört mit seiner städtischen Architektur zu den schönsten Städten der Welt. Das ist unbestritten. Wozu also noch Werbung machen, die Touristen kommen eh an die Donau. Doch sie wollen auch was erleben, erfahren, nachvollziehen. Da Wien sich nun aber rühmen kann für jeden Geldbeutel, jede Art des Reisens, für jeden Geschmack etwas anbieten zu können, braucht man einen gedruckten Ratgeber.

Christina Rademacher hat nach ihrem Erstling „Vom Hinterhof in den Himmel“, in dem sie die versteckten Kleinode der Metropole offenlegte, nun den offensichtlichen Prachtbauten der Stadt gewidmet. Denn auch hier gib es noch so manches zu entdecken, was in kaum einem Reisebuch steht.

Die Hofburg im Herzen der Stadt ist ein Muss für jeden Wienbesucher. Wie ein offenes Buch lädt sie ein zum Verweilen, zum Staunen, zum Kopf-in-den-Nacken-legen. Kolossale Skulpturen, herrschaftlich Gänge und eine großzügige Auslegung des Begriffes Platz beeindrucken den Betrachter. Die kleinen Anekdoten und Histörchen, die Christina Rademacher gesammelt hat, machen jeden Spaziergag zu einem besonderen Erlebnis. Und was ist schöner als zu erfahren, was bei Königs früher los war und wie sich ihr Wirken bis heute auswirkt?!

„Auf den Spuren von Prunk und Pomp“ passt zu Wien wie die Faust aufs Auge. Kaum eine andere Stadt hat so viele royale Hinterlassenschaften, die so eng mit der Gegenwart verbunden sind. Als Zusatz zu einem Reiseband der Stadt Wien ist dieses Buch eine ideale Ergänzung für einen kurzen oder längeren Trip an die Donau. Selbst wer mehrere Tage die Schlösser in und um Wien besuchen will, findet immer wieder Neues in diesem Buch. Ob nun die Top-Attraktionen wie Hofburg oder Schloss Schönbrunn oder die nicht so bekannteren Schlösser Alterlaa, Liesing, Altmannsdorf, Hetzendorf, um nur ein paar zu nennen, Christina Rademacher lässt den Leser / Besucher nicht im Regen stehen.