Theater im römischen Reich

Theater im Römischen Reich

Steil abfallende Treppen, rudimentäre Bühnen, erholungsuchende Touristen – das sind die Theater Antike in der Neuzeit. Ein Heer von wissbegierigen Reisenden versucht den Glanz einstiger Aufführungen einzufangen. So ist es im günstigsten Falle. Oftmals sind aber nur noch Reste von Arenen vorzufinden. Sich hier eine Aufführung vorzustellen fällt schwer.

Mit „Theater im Römischen Reich“ gibt es erstmals ein Buch nur über die erhabenen Vergnügungstempel der Antike. Hier amüsierten sich Volk und Herrscher gleichermaßen. Hier konnte dem Potentaten – wohlformuliert – auch mal die Meinung gegeigt werden. Hier wurden die Grundlagen des heutigen Theaters gelegt, inhaltlich, formal und auch architektonisch.

Rüdiger Gogräfe reiste von Britannia bis Mesopotamia, von Germania bis Africa Proconsularis, um die Bretter, die die Welt bedeuten zu inspizieren und zu erforschen. Mit Brettern hatten diese allerdings wenig zu tun. Massive Steinflächen träfe es besser.

Die Stadtplaner der Antike behielten immer einen Platz für die das Spektakel frei. Eine Stadt ohne Theater war keine richtige Stadt. Und die Orte der Theater wurden immer vermerkt, so dass es heute verhältnismäßig einfach ist die Stätten der Gladiatorenkämpfe, der nachgestellten Seeschlachten und der Muse aufzustöbern.

Wer in seinen Musestunden im Urlaub mehr als nur hübsch aufgeschichtete Steinhaufen „sich ankucken“ will, sondern mehr erwartet, ist mit diesem Buch auf der sicheren Seite. Ein Logenplatz im ersten Rang ist garantiert. Denn Rüdiger Gogräfe schafft mit einfachen Worten einen Kosmos der darstellenden Kunst wie sie vor Jahrhunderten, ja sogar vor Jahrtausenden ganze Völker in Verzückung versetzte. Als Leser und baldiger Besucher der Theater wird man in einen wissenschaftlichen Rausch versetzt. Dieses Buch ist und bleibt ein Sachbuch, das mit der nötigen Distanz die Theater der Antike untersucht. Jedoch nicht ohne dabei den Leser aus den Augen zu verlieren. Ein wenig Vorkenntnisse sind wünschenswert, jedoch nicht zwingend erforderlich.

Über einhundert Abbildungen verleiten den einen oder anderen vielleicht sogar das einmal geplante Besuchsprogramm noch einmal zu überdenken und doch einmal ins Theater zu gehen. Als Erholungsstätte sind die Überreste der Theater genauso willkommen wie für Reisende, die es sich nicht nehmen lassen wollen das Besondere zu suchen und zu finden. Und fündig wird man in diesem Buch allemal.

Bäume bestimmen

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Wenn der Winter sein weißes Kleid in den Schrank der Vergessenheit hängt, blüht es allenthalben. Alles, was klein und unerfahren ist, verzückt von jeher den Menschen. Auch Bäume haben im Frühstadium, also in ihrer Blütezeit, ihren Reiz. Die Sonnenstrahlen kitzeln die Spaziergänger, Vogelgezwitscher erfreut die vom Winter Geplagten. Da liegt es nahe der Natur einmal etwas mehr auf die Pelle zu rücken.

Mit Kindern die Natur entdecken, ist eine sinnvolle Lebensaufgabe. Den neugierigen Fragen des wissbegierigen Nachwuchses eine Antwort geben zu können eine zu höchst befriedigende Sache. Dass das nicht ganz ohne Hilfsmittel geschehen kann, liegt auf der Hand. Denn wer kann schon auf jede Frage eine passende Antwort geben.

Zumindest bei der Frage „Welcher Baum ist das?“ gibt es nun Abhilfe. Die Autorin Rita Lüder wird mit ihrem Buch „Bäume bestimmen“ zur unabdingbaren Souffleuse in Sachen Bäumen. Vier Arten gibt sie vor, um Bäume zu bestimmen: Nach Blatt-, nach Blüten- und Fruchtmerkmalen sowie nach Winterknospen. Klingt auf den ersten Blick nach einer  nüchternen Lernaufgabe. Ist es aber nicht. Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass hier ein Profi am Werk ist, der aus seiner Leidenschaft einen Beruf geformt hat. Die Vorgehensweise, um einen Baum zu erfassen und bezeichnen zu können, wird mit jedem Beispiel logischer, und schon bald wird man selbst zum Baum(er)kenner.

Dieses Buch komplett durchzulesen und darauf zu hoffen, dass man es nie mehr braucht, ist ein Trugschluss. Dieses Buch wird man immer wieder zur Hand nehmen, wenn es raus in die Natur geht. Eine Birke von einer Eiche zu unterscheiden, ist einfach. Doch schon bei der Bestimmung einzelner Weidenarten wird es knifflig. Als „Naturführer für alle Jahreszeiten“ ist dieser Band in seiner robusten Aufmachung ein unentbehrlicher Wegweiser durch die sanft im Wind wiegenden Riesen, die es uns erlauben in freier Wildbahn Pilze zu finden, ein schattiges Plätzchen bieten oder ideale Verstecke beim Spielen zu bieten. Mit über eintausend Abbildungen auf knapp 300 Seiten bietet das Buch genügend Lernpotenzial und jede Menge Unterhaltung für alle Altersklassen. Als Anschaubuch für die kleinsten bis hin zum Nachschlagewerk für Fortgeschrittene.

Kleine Geschichte Istanbuls

Kleine Geschichte Istanbuls

Eine Stadt in Worte zu fassen, ihrem Lebenslauf darzulegen, ist eine schwierige Angelegenheit. Besonders, wenn sie seit über 2.000 Jahren existiert und ein so wechselvolle Geschichte wie Istanbul vorzuweisen hat. Brigitte Moser und Michael W. Weithmann haben sich der Mammutaufgabe gestellt und haben einen idealen Begleitband einer jeden Istanbulreise erschaffen.

Jeder kennt die Wahrzeichen der Stadt am Bosporus: Hagia Sophia, Blaue Moschee, die Bosporus-Brücke. Doch die Geschichten, die dahinterstehen, kommen oft zu kurz. Dabei sind sie erzählenswert. Auf den reichlich 180 Seiten erfährt der Leser schon vor der Abfahrt mehr über Istanbul als wenn er pauschal die Stadt erkunden will. Ein Flug nach Istanbul dauert mit Check-In und allem Drumherum ca. vier bis fünf Stunden. Stunden, in denen die Neugier auf den Zusammenprall von Orient und Okzident kaum noch auszuhalten ist. Hier eine Kontrolle, da eine Passage. Die Zeit sinnvoll zu nutzen, fällt wegen der Anspannung schwer. Mit diesem Buch im Handgepäck – Bücher sind allen Restriktionen nach 9-11 zum Trotz immer noch erlaubt – wird die unerträgliche Wartezeit zum Ausflug in eine andere Welt. Vor Ort kommt dem Reisenden der erweiterte Wissensschatz ab dem Flughafen zugute.

Selbst wer Istanbul nach eigenem Bekunden schon in- und auswendig kennt, wird hier noch die eine oder andere Anekdote herausfiltern können. Auf einzelne Geschehnisse einzugehen, würde an dieser Stelle zu weit führen. Zum umfangreiche ist das dargebotene Wissen.

Eine Stadt, die sich Zeit ihres Lebens Angriffen erwehren musste, und dies öfter als andere auch erfolgreich tat, lebt vom Mythos ihrer Unbezwingbarkeit und ihrem reichen kulturellen Erbe. Istanbul ist somit eine der reichsten Städte der Welt. Vierzehn Millionen Einwohner erleben jeden Tag, was es heißt in einer so genannten Megacity zu wohnen. Noch einmal knapp 50 Prozent davon kommen jährlich als Touristen hinzu. Sie sind es, die den Ruhm Istanbuls in die Welt hinaustragen. Sie künden von erhabenen Bauten und lebhaften Plätzen, von einzigartigen Touren durch eine der faszinierendsten Städte weltweit und von den Hinterlassenschaften von knapp drei Jahrtausenden. Und ab sofort kennen sie außerdem noch die Hintergründe, dank dieses Buches haben sie das Wissen Geschichte einzuordnen und weiterzugeben.

Burma / Myanmar

Burma - Myanmar

Eine Reise nach und durch Burma, Birma, Myanmar kann schnell zum Politikum werden. Obwohl die Diktatoren vor einigen Jahren ihre bislang schwer gesicherten Grenzen für Investoren weit geöffnet haben, steht das Land immer noch unter der Fuchtel der Militärjunta. Die Opposition, die von der Lichtgestalt Aung San Suu Kyi angeführt wird, sitzt zwar im Parlament, jedoch sind ihre Sitzplätze von vornherein limitiert gewesen. Viele der ehemaligen Regierungsmitglieder sind heute anerkannte und oft gesuchte Ansprechpartner bei Investitionen. Soweit die politische Sichtweise Myanmars.

Touristisch ist Myanmar auf dem Weg ein Tiger zu werden, der das Zeug hat den großen Nachbarn Thailand den Rang abzulaufen. Christoph Hein und Udo Schmidt sind durch das Land gereist, das in den vergangenen Jahrzehnten so stark gebeutelt wurde. Sie haben Menschen getroffen, die Diktatur, Besatzer, Korruption und auch die neuerliche Wende zur Eigenverantwortung überlebt haben. Sie berichten wie Burma war und Myanmar ist. Wie es sein wird, kann man nur erahnen. Die beiden Autoren sind Korrespondenten für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und den ARD-Hörfunk für die Region Südostasien. Mit Beharrlichkeit und Akribie schaffen sie es Geschichten aus den Menschen herauszukitzeln, die einzigartig sind, die so noch nie erzählt wurden.

„Reportage „Burma / Myanmar“ ist bekunden der Autoren keine Reisereportage. Zumindest nicht im eigentlichen Sinn. Die Pagoden am Wegesrand bleiben auch dort. Hier stehen die Menschen im Vordergrund. Und die sind es schließlich, die ein Land prägen. Nicht prachtvolle Paläste – das ist was fürs Fotoalbum. Die Herzlichkeit, der Kampfeswille, die Wandlung und das Traditionsbewusstsein bestimmen den Alltag in Myanmar. Und über allen leuchtet das personifizierte Charisma: Aung San Suu Kyi. Fast scheint es so als ob es kein Buch über das Land ohne die Lady – wie sie respektvoll im Land genannt wird – existieren darf. Doch ihre Lebens- und Leidensgeschichte ist nun mal wie gemacht für ein Buch. Wer Ausflugstipps erwartet, wird in diesem Buch enttäuscht – das machen die Autoren von Anfang an klar. Wer jedoch das zauberhafte, wahre Myanmar entdecken will, kommt auf den 130 Seiten voll auf seine Kosten. Die Autoren nehmen den Leser mit auf Entdeckungstour durch ein Land, das in den vergangenen Jahren durch die blutige Niederschlagung des Mönchs-Aufstandes und einen verheerenden Tsunami in den Medien Erwähnung fand. Doch Burma / Myanmar hat weitaus mehr zu bieten…

Bali & Lombok

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Macht man eine Umfrage zum Thema „Wie sieht Exotik aus? Was ist Exotik? Was kann sie?“ wird schnell klar: Um Bali kommt man bei der Beantwortung der Frage nicht herum. Ein Sonnenuntergang in Farben, die man sonst nur durch Zufall bei Photoshop entdeckt. Eine Architektur, die unverwechselbar den Betrachter jedes Mal die Blicke auf sich zieht, eine unbändige Freundlichkeit der Menschen – das ist Exotik, das ist Bali, und auch Lombok.

Die beiden Inseln im Pazifik sind die Nummer-Eins-Destinationen im größten Gewässer der Erde. Sie halten für jeden Geldbeutel und jede Art von Besuchern etwas bereit. Ob nun als Pauschaltourist in einer All-inclusive-Anlage oder als Individualreisender – Erholung, auserlesene Erlebnisse und Exotik sind garantiert. Susanne Beigott und Otto Braun machen es dem Leser und Reisenden leicht das Land zu begreifen und erlebbar zu machen.

Auf einer der größten Reisemessen in Berlin wurde dieser Reiseband mit dem Preis in der Kategorie „Reiseführer“ ausgezeichnet. Zu recht! Denn die reichlich 500 Seiten geben mehr als nur ein ungefähres Bild der beiden Inseln ab. Die Unterwelttempel von Sidan gehen Hand in Hand mit den versteckten Buchten mit den besten Surf-Spots, detaillierte Karten vereinen sich mit farbig abgesetzten Schaukästen zu kulturellen Eigenheiten, wie Hinweisen, dass an so manchen Stellen Glücksritter für jeden Handschlag, den sie anbieten auch die Hand auch die hohle Hand aufhalten. Und wie man dem entgehen kann.

Wer noch nie Asien besucht hat, wird mit diesem Buch in eine geheimnisvolle Welt eintauchen können. Schon das schiere Durchblättern verursacht akutes Reisefieber. Seite für Seite entwickelt man sich zum Experten für Südostasien, Abteilung Indonesien. Jeder einzelne Ort wird mit den nötigen Infos übersichtlich vorgestellt, so dass lästiges Umblättern unnötig wird. Mit diesem Reiseband im Gepäck wird jeder Urlaub auf Bali und Lombok zu einem entspannten Erlebnis.

Alles über Luxemburg

Alles über Luxemburg

Mal Hand aufs Herz: was wissen Sie über unsere direkten Nachbarn? Polen – ist klar – kennen wir seit der Fußball-Europameisterschaft etwas besser. Tschechien mit Prag und dem leckeren Bier. Nach Dänemark fahren wir im Sommer, um uns den Wind um die Nase wehen zu lassen. In Österreich fahren wir Ski und in die Schweiz schaffen wir unser zu viel verdientes Geld. Nach Holland fahren wir zum Entspannen, in Belgien schlagen wir uns jede Menge (Frittier-)Fett auf die Hüften. In Frankreich leben wir wie Gott ebenda. Das ist ja schon ganz ordentlich was zusammengekommen, was wir Deutschen über unsere Nachbarn wissen. Doch Halt! Da fehlt doch noch was! Oder doch nicht? Klar. Luxemburg. Ja … da ist … ähm … Die benennen ihre Hauptstadt nach ihrem Land. Und der Sprit ist dort billig. Oh weh, Sechs, setzen! Unser kleinster Nachbar im Westen ist mehr als eine Tankstelle mit dem Hang zur Phantasielosigkeit (nur (!) in Bezug auf die Namensvergabe der Städte).

Knapp die Hälfte der Einwohner hat keinen luxemburgischen Pass. Von Unruhen oder gar regelmäßigen Übergriffen aus Ausländer hört man nichts. Also scheint man im Großherzogtum etwas richtig zu machen. Trotz seiner geringen Ausdehnung (Luxemburg ist der 166. Größte Staat der Welt, bei der Bevölkerung liegt man auf Platz 170) ist Luxemburg ein bedeutendes Land: Platz 19 unter den Finanzplätzen der Welt, nur in einem Land gibt es mehr Investmentfonds. Doch auch mit diesem Wissen kann man bei einem kurzweiligen Small-Talk keinen Blumentopf gewinnen. Der Mensch muss immer vergleichen. Die ungenannten Autoren nehmen sich Island zum Referenzobjekt. Island hat einen Nobelpreisträger. Hálldor Laxness, 1955, Literatur. Luxemburg hat fünf Preisträger aufzuweisen. Unter anderem für Physik und Medizin!

Dieses launische Buch lädt auf einfache Weise zu verweilen ein. So manche Information ist nicht lebenswichtig, aber sie lässt einen schmunzeln, nachdenken und verweist an die eigene Geschichte. Zum anderen macht dieses Buch Lust dieses kleine, und doch nicht so unbedeutende Land zu besuchen. Die Tourismusmanager Luxemburgs sollten sich dieses Buch als Standardwerk ganz vorn in den Bücherschrank stellen. Denn immer nur auf Wanderungen und die so genannten Best-Ager zu setzen, zahlt sich auf Dauer nicht aus.

Wer Luxemburg auch mal außerhalb der Tankstellen kennenlernen will, wer Müllertal und Wanderweg an der Attert schon in- und auswendig kennt, wem die morgendlichen Spaziergänge durch das Petruss-Tal schon zur lieben Angewohnheit geworden sind, wer in den italienischen Restaurants schon mit Vornamen angesprochen wird, der wird hier wahrhaft ein El Dorado vorfinden. Um der Großspurigkeit mancher Deutschen gleich noch einmal einen Riegel vorzuschieben. Als Lena vor einiger Zeit den Eurovision Songcontest gewann, geschah dies erst zum zweiten Mal in der fast sechzigjährigen Geschichte. Luxemburg, das soooo viel kleiner ist, konnte sich 1961, 1965, 1972 und 1973 (Titelverteidigung – das gelingt nicht einmal der Fußball-Nationalmannschaft Deutschlands) und 1983 in die Siegerliste eintragen. Deutschland könnte theoretisch also erst im Jahr 2016 am kleinen Nachbarn vorbeiziehen. Doch genug der Aufzählungen. Lesen Sie alles über Luxemburg und vergessen Sie die knall harten Fakten. Softnews sind spannender und bleiben eher im kollektiven Gedächtnis haften.

Der ungewöhnliche Verlagsname – capybarabooks (googeln Sie mal nach „Capybara“!, es lohnt sich) – stammt vom Wasserschwein, lat. Capybara. Dieses Tier hat auch einen Bezug zum Lesen! Denn es sonnt sich gern im oder am Wasser. Lässt den Herrgott einen braven Mann sein. Wenn es lesen könnte, würde es sicherlich tagein, tagaus an den Ufern der Mosel oder der Attert (capybarabooks ist schließlich ein Luxemburger Verlag) liegen und unter anderem dieses Buch lesen. Immer nur flussauf und flussab zu schwimmen ohne wirklich zu wissen, was an hinter den Uferpromenaden liegt, ist auf die Dauer auch nicht befriedigend. Außerdem hat ein Capybara nur ein knappes Jahrzehnt Zeit die Welt kennenzulernen.

Machen wir es wie die Wasserschweine, nagen wir nicht länger an unseren Problemen herum. Legen wir uns in die Sonne, und genießen dieses kurzweilige, mit für Gesprächsstoff sorgende Buch. Jedwede Konversation bekommt mit dem geballten Wissen über das Großherzogtum eine überraschende Wendung. Einmal im Mittelpunkt stehen und mit Wissen glänzen, das so nirgendwo geschrieben steht. Faulenzen auf hohem Niveau, mit launischer Unterhaltung.

Luxemburg in der Welt

Luxemburg in der Welt

„Müller, packen Sie unsere Sachen. Wir verreisen für eine gewisse Zeit.“ – „Darf ich fragen, wofür ich vorbereiten soll, Marteling?“ „Tout le monde“. Die ganze Welt. Sie ist das Recherchefeld der beiden Autoren Luc Marteling und Steve Müller. Sie suchen nach Luxemburg.

Die Motivsuche gestaltet sich nicht allzu schwierig. Beispielsweise das Café Luxembourg in Amsterdam. Das benannte sich so, weil Jan Hoekstra in New York das Café Luxembourg besuchte, das seinen Namen vom Jardin du Luxembourg hat, der wiederum … Ach die Spurensuche wird wohl nie enden.

Doch die Detektive mit der Nase fürs Luxemburgische frönen nicht nur den lukullischen Spuren ihres Großherzogtums. Apropos Großherzogtum. Auch dessen Entstehungsgeschichte hat Spuren hinterlassen. In Belgien beispielsweise die Provinz Luxembourg. Die holländische Flagge ähnelt auf frappierende Weise der luxemburgischen. Warum? „Luxemburg in der Welt“ gibt die Antwort auch darauf.

Dieses Buch ist der papierne Beweis, dass das kleine Großherzogtum zu Recht in aller Welt zuhause ist. Europa ohne Luxemburg – da würde was fehlen. So manche Stadt, so manche Region, so manches Land wäre ohne den Begriff Luxemburg um eine Attraktion ärmer. Hotels, Restaurants, Ortschaften wie Luxembourg in Wisconsin, USA, würden gar nicht erst existieren.

Das Buch, das nicht nur für Luxemburger Bürger von gesteigertem Interesse sein dürfte, wurde 2010 mit dem Lëtzebuerger Buchpräis ausgezeichnet.

Luxemburg in der Welt 2

Luxemburg in der Welt 2

Die Reise der beiden Spurnasen  Luc Marteling und Steve Müller geht weiter. Zwei Jahre nach der Buchprämierung ihres Erstlings, geht „Luxemburg in der Welt“ in die zweite Runde. Standen im ersten Band viele Restaurants wie das „Alt Luxemburg“ in Berlin-Charlottenburg und meistens der europäische Kontinent im Fokus, so müssen die Detektive im zweiten Teil durchaus weitere Anreisen in Kauf nehmen. Doch die neugierigen Autoren meistern auch diese Hürde.

Brasilien, Honduras, Venezuela wechseln sich mit Bayern, Paris und Rumänien ab. Eine Weltreise de Lux. Kurze Texte, eine Vielzahl an Bildern und – für Reisende besonders wichtig – nützliche Infos wie Adressen, Internetauftritt und Telefonnummern, machen den zweiten Teil der Spurensuche zu einem vergnüglichen Lesespaß und obendrein noch zu einem hilfreichen Reisebegleiter.

Man schlendert nichtsahnend durch die Straßen Rios, der Strand-Metropole der Welt. Auffällig blinken die Leuchtreklamen. Doch eine fällt besonders auf. „Luxemburgo Motel“ Klingt irgendwie verheißungsvoll. Luxemburg – Luxus. Einundfünfzig Reais, nicht mal 20 Euro. Aber nicht für die Nacht, sondern „nur“ vier Stunden. Verheißungsvoll. Luxemburg. Luxus. Naja…

Im venezolanischen Merida offeriert das Hotel Luxemburgo seinen Gästen ebenfalls Entspannung – hier zahlt man allerdings tage- und nicht stundenweise.  Eine Stadt zum Verlieben. Luxemburg, wo man es am wenigsten erwartet.

Im Alpenvorland, im weitesgehend unbekannten Örtchen Lenggries werden die Detektive noch einmal fürstlich für ihre Suche belohnt. Die hohen Herren aus Luxemburg verbrachten hier oft und ausgiebig ihre Sommerferien. Und einige Ländereien in der Umgebung des malerischen Alpenvorlandes sind bis heute in luxemburgischem Besitz.

Wenn einem etwas gehört, benennt man es nach sich selbst. Das war mal so. Heute zeugen vereinzelte Straßennamen vom einstigen Einfluss der Luxemburger Herrscher. Allein in Frankreich gibt es 266 Hinweise darauf, von der Rue Pierre de Luxembourg in Avignon (Postleitzahl 84000), über die Allée, den Place und die Rue Luxembourg in Le Mans (Postleitzahl 72000) bis hin nach Verdun in die Avenue de Luxembourg (Postleitzahl 55100). Jede einzelne Straße, jeden Platz haben die beiden Autoren ausfindig gemacht (und die Postleitzahlen gleich noch dazu notiert).

Wer immer noch glaubt, Luxemburg sei ein kleines Land inmitten Europas, das jedoch nicht so recht ins moderne Bild der Geschichtsschreibung passt, wird mit diesem Buch eines Besseren belehrt. Luxemburg ist untrennbar mit der Geschichte Europas verbunden, und trägt zu Recht seinen Namen hinaus in die Welt. Ein amüsanter Blick auf die mal mehr, mal weniger bedeutenden Verweise zum Großherzogtum. Und irgendwas muss ja dran sein, wenn man sein Etablissement, sein Restaurant, sein Viertel nach Luxemburg benennt. Das „Arrondissement du Luxembourg“ in Paris gilt nicht umsonst das Zentrum das Wissenschafts- und Kulturviertel. Ein bisschen Lux-us muss sein.

100 Joer Gare Letzeburg

100 Joer Gare Letzeburg

Wenn man sich zu Hundertjährigen auf den Schoß setzt, haben sie immer eine spannende Geschichte parat. Schließlich können sie auf einen hundertjährigen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Was da alles passiert ist: Gekrönte Häupter kamen und gingen. Gesellschaftsformen veränderten sich. Ganze Kulturen wurden dauerhaft umgekrempelt.

Der Luxemburger Bahnhof ist so ein Hundertjähriger, der so manchen kommen und gehen sah, und so manche Geschichte erzählen kann. Gemütlich kann sich der Leser in seinem Schoß den Geschichten und der Geschichte lauschen.

Der Bahnhof in Luxemburg ist viel älter, im Jahr 2012 feierte man den hundertsten Geburtstag des Empfangsgebäudes, dem eigentlichen Wahrzeichen des Knotenpunktes. Unzählige Abbildungen aus längst vergessenen Tagen zieren diesen ungewöhnlichen Bildband. Ein Zeugnis der Geschichte eines zwar flächenmäßig kleinen und doch so bedeutenden  Landes. Es ist sogar noch Platz für den Fahrplan. Und die Reiseziele sind mindestens genauso verheißungsvoll wie das Großherzogtum selbst: Das antik-mondäne Arles im Süden Frankreichs, oder mal schnell mit dem TGV nach Paris, der bezeichnenderweise von Gleis 007 abfährt, oder ins lothringische Nancy, das mit Mirabllen-Bonbons und einem zauberhaften Stadtmittelpunkt, dem Place Stanislaus aufwarten kann. Die unmittelbare Welt liegt so nah.

Das Buch ist nicht nur für Eisenbahnfreunde eine wahre Fundgrube. Hier gelingt der Spagat zwischen Sachbuch, Bildband und urbaner Geschichtenerzählung. Der Bahnhof ist der Ausgangspunkt für Entdecker in einem Land, das im Herzen Europas den europäischen Grundgedanken erfunden zu haben scheint. Ein Land, das Abenteurer anzieht, ebenso Gourmets und Aktivurlauber.

„100 Joer Gare Lëtzebuerg“ ist das erste Buch mit Poster, aber nicht zum Heraustrennen aus der Mitte. Das Poster ist gleichzeitig der Schutzumschlag dieses wertvollen Wissensschatzes.

Ganz Berlin in 7 Tagen

Ganz Berlin in sieben Tagen

Kurz nach der Wende gab es weltweit keine andere Stadt, der man einen Boom andichtete, der dann auch tatsächlich geschah, als Berlin. Noch nie wurde ein Nationalgefühl, ohne dumpfe Misstöne im Nachgang so sehr vom Image einer Stadt abhängig gemacht wie das der Deutschen mit ihrer Hauptstadt. So manche Berühmtheit ließ vorsichtshalber mal einen Koffer hier stehen, andere packten Wahrzeichen in ein silbrig schimmerndes Gewand. Das Zentrum wurde komplett umgekrempelt. Berlin hat sich jemausert. Zu einer echten Metropole, die im Konzert der großen Namen wie Paris, New York und London immer öfter den Takt angibt. Die Reiseführer überschlagen sich mit Highlights, Geheimtipps und Hotspots, die man gesehen haben muss.

Bernd Ingmar Gutberlet geht bei seinem Reiseführer einen anderen Weg. Er geht rückwärts. In der Zeit. Bis ins Jahr 1910. Damals war Berlin ähnlich attraktiv und erhaben wie heute, nur eben anders. Seine Reisewoche führt den Spaziergänger, Wissbegierigen und Forscher ein ganzes Jahrhundert zurück, an die Plätze, die Geschichte (für uns) schrieben und für die Zeitreisenden schreiben werden.

Vieles ist heute noch bekannt, der Hackesche Markt zum Beispiel oder bald wieder bekannt wie das Schloss. Es wird auf alle Fälle eine Reise, die Altes wieder hervorholt und Neues erstrahlen lässt. Wer Berlin als Tagesausflügler kennt, wird schnell bemerken, das „janz Berlin“ nicht nur „eene Wolke iss“, sondern voller Geschichte(n) steckt, die es wert sind erzählt und entdeckt zu werden. Und er wird merken, dass Berlin doch eine gewaltige Ansammlung von Dörfern ist. Charlottenburg war nämlich einst (für den Reisenden im Moment) die reichste Stadt Preußens.

Im Anschluss an die sieben Tagesspaziergänge (mit Bus und Bahn oder Taxi war es 1910 nicht weit her) folgt – wie in jedem guten Reiseführer ein kleiner Sprachexkurs. Ein bonfortionöser Lese- und Reisespaß, der Knast macht auf mehr und dem Zeitreisenden beim Bummeln durch den Kiez keine Chance gibt die Zeit zu verbumfiedeln.

Und das Beste an den historischen Spaziergängen ist, dass man nicht bei Starbucks einkehren oder bei H&M shoppen muss. Hier geht es ausschließlich nur um ein touristisches Vergnügen wie anno dazumal. Reisen ohne Konsumterror, ohne den Zwang ein originelles Mitbringsel erstehen zu müssen. Die Reise an sich ist das Mitbringsel.