Jakob Weber – Norwegen

Es hat wahrscheinlich niemand gesehen. Juni 2020. Røst, eine kleine, flache Insel im Norden Norwegens, dort, wo man vergeblich versucht Thermometer zu verkaufen, deren Skala über 30 Grad (plus!) reicht. Ørjan N. Karlsson joggt, hält inne, und schaut sich um. Was, wenn er einfach verschwindet? Das ist der Beginn der Krimireihe um Jakob Weber, der in Bodø ermittelt. Nicht der erste Schritt IM Buch, der erste Schritt ZUM Buch!

Iselin Hanssen joggt auch gern. Doch dieses Mal kehrt sie nicht zurück. Nicht zurückkehren will auch Noora Yun Sande. Die Ermittlerin hat Oslo verlassen, weil .. naja … da gab es was, das sie lieber vergessen möchte. Jakob Weber ist ihr neuer Kollege. Hoch im Norden, wo im Sommer die Sonne nicht untergeht und die Polarlichter die Seele streicheln.

Es hätte auch anders kommen können: Er hätte Noora in Oslo treffen und mit ihr arbeiten können. Er hatte ein gutes Angebot. Doch er wollte nicht, konnte nicht. Sie hatte keine Wahl, war für ihren neuen Chef jedoch nur zweite Wahl.

Iselin ging noch zur Schule. Danach wollte sie auf die Polizeischule. Die Zusage hatte sie schon in der Tasche. Ihren Freund Caspar zu verlassen – die berühmte „Auszeit“, Trennung auf Zeit – würde ihm zwar nicht schmecken, aber was soll’s. Papa wird es freuen. Ihn zu verlassen, wäre Iselin schwerer gefallen. Jakob und Noora nehmen die Ermittlungen auf – nichts, was einen Krimi zu einem besonderen Krimi macht. Sollte man meinen. Doch Ørjan N. Karlsson schafft es. Wie? Mit Empathie, gefühlvollen Beschreibungen der persönlichen Situationen der beiden Hauptermittler. Jeder trägt einen ordentlichen Rucksack Seelenmitbringsel mit sich herum.

Abwechslung – und vor allem blutgerinnende Spannung – verschaffen die Kapitel, in der ein anderer aus seinem Leben berichtet. Er ist ein Rumtreiber, fährt mit einem Kleintransporter an der Küste entlang. Nimmt auch gern mal jemanden mit. Frauen, junge Frauen. Frauen, die in sein Beuteschema passen. Und das ist bei ihm wörtlich zu nehmen…

„Kalt wie die Luft“ ist der Auftakt einer Krimireihe, die ganz im Stile der nordischen Krimis geschrieben ist. Man spürt den kalten Hauch der Einsamkeit und die Schlaflosigkeit der endlosen Nächte. Der Autor vermeidet es aber dankenswerterweise diese Besonderheiten der Landschaft als Triebsfeder der Ermittler zu nehmen. Ebenso die Tatsache, dass hier kein Ermittlerteam am Werk ist, das eigentlich lieber Koch geworden wäre…

Die Schatten der Vergangenheit, die Jakob und Noora ab und an in ihren Nebel ziehen, lassen den Leser aufatmen von den mühsamen Ermittlungen. Sie regen die Phantasie an und insgeheim weiß man, dass hier eine Krimireihe entsteht, die schnell viele Fans bekommen wird.

 

Eisbaden – brrrr. Freudig strahlend ins kalte Wasser steigen, um sich dann daran zu erfreuen, wenn man spürt wie die Lebensgeister wieder in Knochen und Muskeln zurückkehren. Wie das kitzelt! Kann man machen, muss man aber nicht.

Tuva, Katja und Britt lassen sich nicht davon abbringen. Das ist ihr Abenteuer. Nichts kann sie davon abhalten es zu genießen und sich noch lange daran zu erinnern. Das mit dem Genießen wird jäh beendet. Und sich lange daran erinnern – na ja, Katja und Britt werden dieses Erlebnis nie wieder vergessen … können. NIE WIEDER!

Denn so was haben sie nicht kommen sehen – der Wortwitz wird klar, wenn man den Ursprung der Geschichte gelesen hat. Denn das Trio findet eine Leiche. Seltsam und extrem brutal verstümmelt. Für Tuva ein besonderer Schock, denn vor ihr und ihren Freundinnen liegt das, was von Emilio. Er verschwand vor einiger Zeit und … er und Tuva waren so verliebt.

Jakob Weber und Noora Yun Sande sind die ermittelnden Beamten im Küstenort Kjerringøy an der norwegischen Küste. Zum zweiten Mal sind sie mit einem Fall konfrontiert, der vor Brutalität und sehr gut versteckten Hintergründen nur so strotzt. Zeugen befragen gehört zur Standardermittlung – doch was macht man, wenn nicht nur einer, sondern ganze Heerscharen von möglichen Tätern und Zeugen ihr Sprechwerkzeug aus unterschiedlichen Grenzen zunähen?! Und dann sitzt da auch noch die Zeit im Nacken. Das tut sie generell – doch als auch Tuva aus dem Leben scheidet und ein Wanderer ziemlich eindrucksvoll und glaubhaft von einem Phantom berichtet, das sich ganz schlecht beschreiben lässt, sind alle in Alarmbereitschaft. Hier ist etwas im Gange, das Ausmaße annehmen kann, die nicht im Ansatz auszumalen sind. So viel steht fest: Wird dem wie auch immer gearteten Treiben nicht bald Einhalt geboten, lauert die Katastrophe nicht über dem Abgrund, sie tritt unvermittelt allen entgegen, die bisher aus sicherer Entfernung die Gewalt wahrnehmen durften.

Fall Zwei für Jakob Weber. Und wieder ist es bitterkalt und stürmisch – und damit ist nicht allein das raue Seewetter gemeint. Je einsamer ein Ort ist, je mehr Ruhe eine Gemeinde sucht, desto – so scheint es – grausamer können hier Wesen ihr Unwesen treiben, das außerhalb der menschlichen Vorstellungskraft liegt.

Ørjan N. Karlsson erstickt mit jeder Zeile Hilferufe in dieser eiskalten Umgebung. Der schneidende Wind lässt Opferrufe in Eiskristallen verhallen und nur die beiden Ermittler sind das wärmende Element, die eine beruhigende Landschaft erschaffen können. Doch vorher müssen sie viel Eis schlucken… und im Dunkel der Nacht die Augen offen halten.