Eine Reise in die Seele Kubas – so der Untertitel. Meist verbirgt sich – wenn man das leist – dahinter ein Reisebericht eines (dafür) viel zu jungen Pseudoaussteigers, der meint nach ein paar Jahren in einem gut bezahlten, jedoch stark strukturiertem Job, unbedingt jetzt eine mehrmonatige Auszeit nehmen zu müssen, um die Welt zu erkunden. Mangelnde Hygiene inklusive, gefolgt von der Erkenntnis, dass die Menschen, denen er begegnete zwar unfassbar arm sind, aber im Gegenzug nicht minder glücklich. Was dabei übersehen wird, ist die Tatsache, dass – auch schon vor der alles verstehenden Zeit der oberflächlichen Empathie (oder auch Sorglosigkeit bzw. Verantwortungsscheue) – dieser koloniale Ignoranzunterton menschenverachtender ist als man sich selbst eingestehen kann.
In diesem Fall – endlich mal was Positives! – gibt es aber die begründete Hoffnung, dass man wirklich in die Seele Kubas und Havannas (!) eintauchen kann. Denn der Autor ist nun mal eben keiner, der mit belanglosen Texten die Bücherregale füllt, sondern Leonardo Padura. Ihn muss man nicht erklären, man liest ihn. Man folgt ihm. Man glaubt ihm. Havanna und Padura sind eins. Er ist hier geboren und setzt mit jedem Buch, jedem Kapitel, vielleicht nicht mit jeder Zeile, Havanna und Kuba ein Denkmal. Ein Denk-Mal.
In Mantilla ist Leonardo Padura geboren, hier lebt er immer noch – mit Ausnahmen. Hier kennt er sich aus, hier kennt man ihn. Hier hat er als Junge Baseball gespielt. Stundenlang, tagelang, jahrelang. Dort, wo er laut Plänen von Meyer Lansky und anderen Ganoven aus Amerika einmal das größte Vergnügungsparadies der Welt entstehen sollte – Las Vegas hätte sich in die Hose gemacht vor Scham – hielt er sich kaum auf. Wenn es nach Havanna ging – lange hatte der kleine Leonardo nicht verstanden, was das hieß: War doch Mantilla teil von Havanna. Oder doch nicht?! – war das immer ein Ereignis. Heimlich stahl er sich davon, erkundete die Stadt auf eigene Faust. Das Ergebnis: Sein Ermittler, sein Kommissar, sein Detektiv Mario Conde bewegt sich in Havanna derart traumwandlerisch, dass man als Leser sich schon fast als Kenner der Stadt bezeichnen darf. Die Auszüge aus seinen Büchern bringen diese Leseerinnerungen mit jedem Wort auf Anhieb zurück.
„Nach Havanna“ ist mehr als die logische Konsequenz aus den vorangegangenen Büchern von Leonardo Padura. Rollende Ölfässer, Baseball, liebevolle Umgebung, der Rhythmus der Stadt (ganz ohne nostalgische Verklärtheit) sind mehr als nur Hotspots, die man sehen muss. Padura erkennt sie, ordnet sie ein und lässt diesen Orten und Menschen ihre Normalität. Er drängt nicht darauf alles genauso wie er erleben zu müssen, wenn man die Stadt besucht. Er nimmt auch niemanden an die Hand und zerrt ihn von Geheimtipp zu Geheimtipp. Er stellt seine Stadt vor. Immer mit dem Hinweis auf die Zeit, die er offen und ehrlich erklärt. Denn Cuba ist nicht gleich Cuba. Und nicht jeder, der lacht, ist mit seiner Umgebung vollends zufrieden…









