Ohne den Klappentext zu lesen – C.F. Ramuz liest man, weil er uneingeschränkt für hervorragende Qualität steht – stimmt man sofort in den Kanon ein, dass Freiheit ein wichtiges Gut ist. Auch wenn der Begriff heutzutage allzu inflationär gebraucht wird, um zu rechtfertigen, dass man nötige Pflichten nicht erfüllen möchte(!). Denn Maurice Farinet sitzt im Gefängnis und bricht aus. Ganz klar: Gefängnis, eingesperrt, also das Gegenteil von Freiheit. Doch so einfach ist die Geschichte nicht. Denn nach dem Willen des Gesetzgebers, und nur der darf jemanden einsperren, hat Farinet gegen das Gesetz verstoßen. Der hat einfach Geld hergestellt. Einfach so. Hat in den Bergen nach Gold gegraben und dann einfach Münzen hergestellt. Die gelten natürlich nur im eigenen Dorf – wo sie beliebter sind als die offiziellen Zahlungsmittel. Ja, er verschenkt die Münzen – Goldmünzen – sogar. Großmütig und verschmitzt konnte man nun meinen, dass hier ein echter Schlingel am Werk ist. Doch auch hier irrt man sich wieder gewaltig. Denn Farinet machte das nicht einfach, weil ihm danach war. Er stellte Münzen her, weil er es konnte, und die Notwendigkeit ihm dies gebot. Hier bekommt sein Tun eine politische Dimension. Maurice Farinet ist ein Feind der staatlichen Grundordnung, ein Revolutionär und ein Freiheitskämpfer. Doch momentan kämpft er sich erstmal durch die Nacht und die Rebberge um Lausanne…
Miesgelaunt könnte man bei Farinet die kriminelle Karriere als in die Wiege gelegt betrachten. Als andere Kinder in die Schule gingen, half er beim Vater aus. Als Schmuggler. Doch Farinet machte aus seinem Talent und seinen Fähigkeiten etwas, das niemand hätte vermuten können. Er schwang sich auf Neues und Großartiges für die Menschen in seinem Ort zu tun. Niemand sollte ihnen sagen, was wie viel wert sei. Zahlen auf Geldstücken waren eben nicht mehr als das: Ziffern und Zahlen. Doch Vater Staat sieht das natürlich anders: Man stelle sich, dass man heute zum Discounter geht, Butter, Brot, Wurst, Eis und ein paar Süßigkeiten einkauft. An der Kasse knallt man dann … ja, was?! Eine tote Katze als Gegenwert auf den Tisch? Oder selbst gestrickte Strümpfe? Oder einen kunstvoll geschnitzten Wanderstock? Vater Staat muss die Ordnung aufrecht erhalten. Wenn die Münzen aus Farinets Schmiede aber nur im Dorf bleiben, was dann? Dann kann ihm doch eigentlich niemand was anhaben. Die Münzen finden aber den Weg auch über die Dorfgrenze hinaus. Und deswegen wird Farinet gejagt. Und gefangen. Und er bleibt dort bis zum Ende. Und das kam ziemlich schnell. Wie? Das wird für immer ein Rätsel bleiben.
C.F. Ramuz verleiht einem still verehrten Helden der Schweiz eine Stimme und lässt ihn in seinem Tun freien Lauf. Das hätte Farinet gefallen. Einmal mehr zeigt Ramuz sein erzählerisches Talent und fesselt den Leser ans Buch bis die letzte Seite, der letzte Abschnitt, der letzte Buchstabe gelesen ist. Diese Freiheitsberaubung ist nicht justiziabel!









