Je mehr Leute man fragt wie für sie der perfekte Urlaub aussieht desto unterschiedlicher fallen die Antworten aus. Berge oder Meer, Stadt oder Land – das sind die am meisten gestellten Fragen und natürlich auch Antworten. Darüber hinaus gibt es noch unendlich viele Möglichkeiten sich die schönste Zeit des Jahres zu versüßen. Der Eine möchte sich kulinarisch rund um die Uhr versorgen lassen. Andere sehnen sich nach antiken Stätten oder Orten, die auch in der jüngeren Geschichtsschreibung bedeutsam waren. Oder man möchte einfach nur durch Häuserschluchten wandeln, die Meter für Meter ein wohliges Gefühl verursachen, weil Ästhetik nun mal im Auge des Betrachters liegt. Ach, wie schön wäre es doch, wenn man alles auf einmal bekommen könnte?!
Kann man doch! Ist doch gar kein Problem! Eberhard Fohrer macht Appetit auf Meer, Geschichte, Berge, Architektur und leckere Teller. Wo? Im Nordosten Italiens. Auf der Landkarte gleich rechts neben Venedig. Friaul-Julisch Venetien. Klingt erstmal wie noch nie gehört. Außer vielleicht Venetien. Doch dann erscheinen Ortsnamen wie Aquileia, Triest, Grado, das Isonzo-Tal, Udine – hat man schon mal wahrgenommen. Und das ist der Moment, in dem der Autor den Leser am Haken hat. Sofern der nicht eh schon voller Vorfreude sich dem Buch widmet und staunt, dass es einen Reiseband über seine vermeintlich liebste Urlaubsregion gibt.
Hier am oberen hinteren Schaft des Stiefels steht man in einem Tal und legt nach stundenlangen Wanderungen voller Eindrücke den Kopf in den Nacken und kann immer noch nicht die Spitze des Berges sehen. Erholung verschafft dann ein Bad in der nördlichen Adria, der man schon am Morgen einen besuch abgestattet hat, wenn die Fischer ihren Fang anbieten. Und dann blickt man zurück und hält inne und hält sich noch einmal vor Augen wie vor über hundert Jahren im Isonzo-Tal fürchterliche Schlachten im 1. Weltkrieg unsägliches Leid verursachten. Bevor man dann in einer Osteria Kraft tankt und den Geschmacksinn schärft.
Für die kleinen, oft immer noch versteckten Routen und „Heißen Punkte“ sorgt der Autor schon. Darauf kann man sich garantiert verlassen. Wo andere stur geradeaus laufen, biegt Eberhard Fohrer zusammen mit dem Leser ab. Und zeigt, warum es sich lohnte nicht der Herde zu folgen, sondern einen Umweg zu nehmen. Augen, Ohren, Nase werden es danken.
Palmanova ist sicherlich so ein Juwel. Juwel trifft es ziemlich exakt. Denn Juwelen, besonders Diamanten werden in geometrischen Formen so geschliffen, dass ihr Glanz sich eindringlich in den Erinnerungen festsetzt. Aus der Luft betrachtet ist die Stadt mit ihren knapp mehr als fünftausend Einwohnern ein Schmuckstück und verzückt nicht nur durch ihre exakte Form. Die Straßenverläufe sind nicht minder exakt gezogen. Da kann man schnell mal vergessen nach Links und Rechts zu schauen. Und genau deswegen ist dieser Reiseband ein unerlässlicher Begleiter mit unzählbaren nützlichen Tipps, die man fast schon im Vorbeigehen (im einfachen Lesen) mit auf den Weg bekommt.









