Kategoriearchiv: Urlaubslektüre

Gebrauchsanweisung für das Burgenland

Gebrauchsanweisung Burgenland

Das Burgenland ist das zweitkleinste Bundesland Österreichs. Und das Jüngste. Es grenzt ans die Slowakei, Ungarn und Slowenien. Das sind die wichtigsten Fakten, die Touristen aber eher als Nebeneffekt weitgehend unerheblich erachten. Darin sind sich auch die beiden Autoren Martin und Andreas Weinek einig. Denn nur durch die geographische Lage lässt sich der Reiz des Burgenlandes nicht näherbringen. Sie kommen diesem Reiz über die Menschenauf die Spur. Denn der Burgenländer hat fünf Seelen – glaubt man dem Autorenpaar.

Die erste Seele ist die kulinarische. Zuerst räumen die beiden mit dem Vorurteil auf, dass hier immer noch die einstige XXL-all-inclusive-Küche ihr El Dorado hat. Das war einmal. Unter dem zu viel propagierten Schlagwörtern saisonal und regional wird hier gekocht, gebrutzelt und geschlemmt. Und vor allem verwöhnt. Wem beim Lesen schon das Wasser im Munde zusammenläuft, der kann eines der abgedruckten Rezepte gern selber ausprobieren. Sozusagen als Einstimmung auf zwei Wochen Burgenland. Oder im Anschluss als lukullische Aufarbeitung oder genüssliches Gedächtnistraining. Eine Besonderheit sollte jede Region aufweisen können. Hier im Burgenland ist es der Uhudler. Man kann die Zunge noch so sehr verdrehen, es findet sich kein hochdeutsches Pendant dazu. Der Uhudler ist eine Weinsorte, die es nur hier gibt. Erst seit den frühen Neunzigern darf er wieder angebaut und hergestellt werden. Doch auch die EU-Bürokraten arbeiten schon wieder an einer Modifizierung, verbieten werden sie ihn wohl nicht können.

Die zweite Seele ist die künstlerische: Joseph Haydn wirkte hier am Hofe der Eszterhazys, Franz Liszt wurde hier geboren. Das allein reicht schon, um sich eine künstlerische Seele ans Revers zu heften. Doch die zahlreichen Festivals, Museen und Veranstaltungen machen das Burgenland zu einer Kulturregion.

Unternehmungslustig sans auch, die Burgenländer. Das ist die dritte Seele. Bei solchen Ausflugszielen kein Wunder. Neusiedler See, mittlerweile Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, unberührte Wiesen, auf denen man noch ganz old school Schmetterlingen hinterherjagen kann oder … ach was, die Zahl an Möglichkeiten geht schier ins Unendliche.

Fehlen noch zwei Seelen. Die Dunkle und die Versöhnliche. Nach so viel Sonnenschein auch Schatten? Nicht unbedingt. Das Autorenduo Weinek lässt – wie im gesamten Buch – hier der künstlerischen Seele (!) freien Lauf. Nicht alles, was in diesem Buch geschrieben steht, sollte man auf die Goldwaage legen. Ironisch und informativ sind nur zwei Attribute, die man diesem Buch auf keinem Fall absprechen wollte. Übrigens, Burgen gibt es hier auch!

Wenn man die fünf Seelen der Burgenländer sich erlesen hat, ist es nur noch ein Katzensprung ins Burgenland. Man ist bestens präpariert, um das einstige Bollwerk am Eisernen Vorhang zu erleben. Die „Gebrauchsanweisung für das Burgenland“ versteht sich nicht als Reiseführer im herkömmlichen Sinne, es ist das Buch, das man braucht, um die Bilder im Kopf ins rechte Licht zu rücken. Viele Zeilen geben erst vor Ort ihre wahre Bedeutung preis. Die ideale Zusatzlektüre zum Reisebuch!

Das Gelbe Haus – van Gogh, Gauguin: Neun turbulente Wochen in Arles

Das gelbe Haus - van Gogh, Gauguin

Genialität im Doppelpack – für viele der einzige Weg, um sein Potential vollständig zu entwickeln. Man denke nur an Laurel und Hardy, die nur als „Dick und Doof“ zu Weltruhm gelangen konnten. Für Vincent van Gogh und Paul Gauguin war eine Zusammenarbeit nicht von Nöten. Zumindest nicht für ihre Genialität. Neun Wochen sollten sie zusammensein. Sehen, Malen, Diskutieren, Streiten, aber auch Genießen. Martin Gayford war nicht dabei, damals im Herbst/Winter 1888. Doch er lässt den Leser in diese Zeit reisen und mit den beiden Maler-Göttern am Tisch sitzen, gewährt Blicke auf die Staffeleien und in deren Seelen.

Alles begann am 23. Oktober 1888. Der Impressionismus muss seit Jahren durch eine handfeste Krise gehen. Die Absätze und die Akzeptanz schwinden. Van Gogh hat sich – auch dank der Unterstützung seines Bruders – in Arles in der Provence niedergelassen. Das Gelbe Haus ist sein neues Zuhause. Seit ein paar Monaten arbeitet er hier, seit ein paar Wochen wohnt er auch hier. Doch van Gogh ist einsam. Dank seines Bruders kann er hier leben. Doch ihm fehlt das Leben. Das Leben, das er hofft sich zurückholen zu können, in dem Paul Gauguin, der zur Zeit auch in der Nähe des Meeres, allerdings des rauen Atlantiks, in Pont Aven wohnt. Beide Maler verbindet ein gemeinsames Schicksal: Beide verdienen mit ihrer Kunst nicht gerade viel Geld (man stelle sich vor, dass man heutzutage auf dem Flohmarkt einen echten Gauguin oder van Gogh finden könne…). Ihre Reputation ist mehr als zweifelhaft. Ihr Selbstbewusstsein ist stark angeknackst. Und diese beiden sollen nun in den letzten Wochen des Jahres 1888 hier vor der spätherbstlichen Kulisse der Provence zusammenarbeiten, leben und sich entwickeln? Ob das was wird?

Immer wieder flechtet der Autor kleine Begebenheiten aus dem Leben der beiden Künstler ein, um den Charakteren typische Züge zu verleihen. So werden die abgebildeten Werken in den entsprechenden Kontext gesetzt. Schon nach wenigen Seiten kann sich der Leser als „kleiner Experte in Sachen Gauguin und van Gogh“ bezeichnen.

Die Zeit verrinnt. Der Herbst in der Provence, das unvergleichliche Licht und die letzten kräftigen Sonnenstrahlen des Jahres lassen die beiden Künstler tagein, tagaus die Gegend auf Leinwand bannen. So gegensätzlich die beiden waren, so einvernehmlich sind ihre Studien und Bilder. Noch! Der selbstbewusste Gauguin mit Talent und der in sich gekehrte, unausgeglichene van Gogh mit dem überbordenden Talent. Van Gogh profitiert von Gauguin insofern, dass er ihm die Ruhe liefert konzentriert arbeiten zu können. Gauguin ist von van Gogh Sichtweise beeinflusst. Manchmal sitzt van Gogh in der ersten Reihe und malt, Gauguin platziert sich nur wenige Meter hinter ihm.

Die Poesie der Gemeinsamkeit sitzt auf einem brodelnden Vulkan. Die Unterschiede sind kaum sichtbar, da treten sie mit geballter Macht hervor. Das Ende ist bekannt: Eine der berühmtesten Anekdoten und die berühmteste Flucht der Kunstgeschichte. Dem Einen fehlt ein Ohr, der Andere flüchtet in die Südsee. Das kennt jeder. Doch wie es dazu kam, weiß kaum jemand. Dank Martin Gayford rücken zwei Maler wieder in den Fokus des Interesses. Exzellent recherchiert, spannend geschrieben und reich bebildert.

Wie bei Laurel und Hardy waren die beiden Maler unterschiedliche Charaktere. Laurel und Hardy hielten es Jahrzehnte miteinander aus – mal besser, mal weniger gut. Van Gogh und Gauguins Zusammenarbeit war eher ein Intermezzo von wenigen Wochen. Ihre Liaison bzw. das Ergebnis daraus ist heute Millionen wert.

Dieses Buch liest man als Unterhaltungslektüre am Baggersee, um die Lichtstimmung der herbstlichen Provence annähernd zu genießen oder als Tagebuch im Rhythmus des Kalenders ab dem 23. Oktober bis in die Weihnachtszeit. Beides hat seinen Reiz. Wer sich bisher nicht recht für die Kunst der beiden Helden begeistern konnte, wird Sonnenblumen und Landschaftsaufnahmen von nun an mit anderen Augen sehen.

22 schönste Radeltage an Main und Tauber

RaMT-Umschlag 256

Über achthundert Kilometer mit dem Rad? Da braucht man schon mehr als stramme Waden. Zum Beispiel damit aus den 861 Kilometern nicht schnell doppelt so viele Kilometer werden, braucht man mindestens einen Reiseband, der einem kenntnisreich an die schönsten Orte führt. Zugegeben an Main und Tauber ein leichtes Unterfangen.

Doch dieses Buch ist kein Reiseband im eigentlichen Sinne. Er ist speziell für Pedalisten konzipiert. Das heißt, dass hier vorrangig die Radwanderwege vorgestellt werden. Wer will schon immer einen nervösen Bleifuß hinter sich spüren? Neunzehn Touren werden vorgestellt – im Titel stehen doch zweiundzwanzig, fehlen da nicht drei? Nein, denn so manche Tour ist nur für geübte Pedalritter an einem Tag zu schaffen. Aber dieses Buch ist kein Reiseband für sportive Kilometerschinder, sondern für alle, die rollend sich an Flora und Fauna erfreuen wollen. Ab und zu mal etwas kräftiger in die Pedale treten kann nicht schaden, doch hier stehen die Erlebnisse links und rechts der Touren im Vordergrund.

Die beiden Autoren kennen die Gegend zwischen Würzburg, Tauberbischofsheim, Rothenburg ob der Tauber und Aschaffenburg in- und auswendig. Besonders die exzellent erschlossenen Radwege. Und sie wissen, was man beachten muss und wo man einkehren kann.

Jede Tour wird zu Beginn kurz vorgestellt: Länge und Profil der Strecke werden kurz skizziert, so dass jeder einschätzen kann, ob diese Tour machbar ist oder in Etappen in Angriff genommen werden muss. Eine Tour ausfallen lassen, erübrigt sich, da jeder Ausflug, jeder Abschnitt sehens- und erradelnswert ist.

Wer die einzelnen Streckenpunkte genauer erkunden will, für den sind die farbig abgesetzten Kästen im Buch eine willkommene Abwechslung. Hier werden dem Leser, der von nun an nur noch radeln will, einige Hintergrundinfos geliefert. So erfährt man auch, wo Schneewittchen wirklich zu Hause war oder was es mit Grünkern auf sich hat.

Ob allein, zu zweit oder in Familie – Radeln ist eine Wohltat für Körper und Geist. Ganz abgesehen vom ökologischen Aspekt. Wer sich klimatisiert auf vier Rädern fortbewegt sieht viel, wer die müden Knochen in Bewegung hält, hält auch Augen und Ohren offen. Und sieht noch mehr. Kann beim Entschleunigen die Zeit vergessen und sich an Main und Tauber vom Reiz der Landschaft gefangen nehmen lassen.

Geballte Wut

Geballte Wut

Der Titel lässt es vermuten, dass es sich nicht um Kaninchenzucht handelt. Ein Jugendlicher mit gezücktem Messer: Der Plot scheint klar. Autorin Petra Ivanov lässt ihren Helden Sebastian einen Hindernislauf der Brutalitäten durchlaufen. Sebastian ist kein besonders guter Schüler gewesen. Deswegen sitzt er nicht auf der Anklagebank. Viele Freunde hat er auch nicht. Auch diese Tatsache allein hat ihn nicht hierher gebracht. Blitz und Mike sind seine Freunde. Blitz, der Nachbarsjunge, bei es immer so sauber, wie geleckt aussieht, ist wohl sein einziger Freund. Ein bisschen Neid von Sebastians Seite hat dazu beigetragen, dass sie so was wie unzertrennlich sind.

Die Freundschaft bekommt Risse als Blitz Thomas König zu sich einlädt. Thomas ist so was wie der erklärte Todfeind von Sebastian. Er demütigt den unsicheren Teenager bis … ja, bis Sebastian sich zur Wehr setzt. Bam, Bam. Fäuste sagen mehr als Worte. Seitdem herrscht Waffenstillstand. Bis Sebastian Thomas bei Blitz wiedersieht. Er solle verschwinden. Blitz‘ Reaktion fällt anders aus als erhofft. Der steht zu Thomas. Sebastian antwortet in gewohnter Manier: Bam. Bam. Thomas sitzt da. Blitz‘ Sportpokale purzeln auf ihn hernieder. Einer so unglücklich, dass Thomas‘ Schädel blutrot überströmt wird. Einer der Gründe, warum Sebastian jetzt da ist, wo er ist. Vor Gericht.

Kevin, Goran, Noah – Seb hat nun Freunde. Alle helfen ihm, wenn es mal nicht so läuft wie es soll. Alkohol ergaunern? Kein Problem! Ein Springmesser? Erst recht nicht. Nur für die Lehrstelle ist sein Vater zuständig. Als Koch im Hotel. Wieder wird Sebastian fremdbestimmt. Küchenalltag. Dem kann er endlich entfliehen als er Isabella kennenlernt. Zuerst ist er einzig allein von ihren körperlichen Vorzügen angetan. Als sie ihn wahrnimmt, ist es endgültig um ihn geschehen.

Bisher war die einzige Konstante in Sebastians Leben der Weg nach unten – jetzt, mit Isabella, scheint es aufwärts zu gehen. Es scheint nur so. Denn auch Isabella ist kein Kind von Traurigkeit. Ein gerissenes Biest, dass Seb heißmacht, zusammen mit ihren Kumpels ausnimmt und an Drogen heranführt. Wieder eine scheinbar heile Welt, die für Seb zusammenbricht.

Der Leser weiß zuerst nicht recht warum Sebastian vor dem Kadi steht. Die Gesetzestexte und die Hinweise aus Therapieanweisungen zu Beginn der Kapitel lassen dem Leser Böses erahnen. Sebastian spricht zum Leser. Denn der ist der Einzige, der Sebastian verstehen kann. Nur er kennt die ganze Geschichte. Eine traurige Geschichte, exzellent recherchiert, brillant geschrieben.

Katalonien

Katalonien

Es gibt Dinge, die gehören einfach zusammen. So wie der FC Barcelona (inkl. dem beeindruckenden Camp Nou) und Lionel Messi. Oder ein Besuch der Sagrada Familia in Barcelona. Und eine Reise dorthin und ein Reiseband vom Michael-Müller-Verlag. Nur mal so als Beispiel. Die Region Katalonien verbindet man meistens mit der vorgefassten Meinung, dass die Katalanen nur eines im Sinn haben: Ihre Unabhängigkeit. Unabhängigkeit und Zusammenpassen – das sind zwei Stichworte, die man bei der richtigen Reiselektüre unbedingt beachten sollte. Denn nichts ist schlimmer als nach der Reise – wie auch immer – erfahren zu müssen, dass man was verpasst hat. Da gibt’s doch was von r…, nee vom Michael Müller Verlag.

Besser gesagt von Autor Thomas Schröder. Liest man sich die Liste von Reisebüchern durch, wird schnell klar: Thomas Schröder kennt sich aus im Süden, eine echte Wasserratte ist er, und das Reisen mit der für seinen Berufsstand typischen Angewohnheit über das Erlebte zu schreiben, liegt ihm am Herzen. Mediziner wissen, dass es ihm demzufolge auch im Blut liegt. Was darf man nun von einem fast fünfhundert Seiten starken Reiseband erwarten, der reichlich dreißigtausend Quadratkilometer dem geneigten Leser nahebringen will? Um es kurz zu machen – der Appetit kommt beim Lesen! Katalonien hat es im Gegensatz zum vergleichbar großen Mazedonien kaum nötig für sich zu werben. Die Touristen kommen eh in Scharen. Thomas Schröder wirbt auch nicht. Er stupst mit Frohsinn und Ortskenntnis den Leser ins Elysium der mediterranen Annehmlichkeiten. Er verzichtet – was eine echte Wohltat ist – auf die Aufzählung der massenhaft vorhandenen Kirchen, Burgen und sonstiger Ruinen der Geschichte. Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Alle wichtigen architektonischen, historischen und durchaus sehens- und besuchswerten Hinterlassenschaften sind im Buch sehr wohl vermerkt. Doch Katalonien auf steinerne Monumente beschränken zu wollen, wäre fahrlässig und auf Dauer echt penetrant. Denn Katalonien besucht man nicht nur einmal. Genauso wie man dieses Buch auch nicht nur einmal durchliest. Man könnte fast schon einen extra Platz im Flieger reservieren, so sehr wird einem der Reiseband ans Herz wachsen.

Für ganz Wissbegierige gibt es den typischen Michael-Müller-Service mit prägnanten Tipps zu Unterkunft, Einkehr und zum sonstigen Geldausgeben. Den Anfang bildet eine seitenlange Einführung in Landeskunde und Geschichte. Dieses Buch ist eben mehr als nur ein Reiseband, den man sich vorher mal kurz durchblättert, Katalonien vom Wunschkatalog der Reisen streicht und dann als Staubfänger im Regal ein Eremitendasein fristen lässt.

Wer es abseits von Neckermann und anderen Konzernen diesen Landstrich erkunden will und Katalonien für sich selbst erobern will, braucht Hilfe. Die ist 492 Seiten stark und – auch wenn das sicher keinen Einfluss auf die Reisewahl hat – klimaneutral produziert. Apropos Nachhaltigkeit: Besonderes Augenmerk legt Autor Thomas Schröder auf eben solche Betriebe, denen Kurzsichtigkeit ein Dorn im Auge ist. Wie wär’s denn mal mit einer umweltfreundlichen Reise? Katalonien bietet da mehr als Fast Food und globale Café-Ketten in einer Millionenmetropole. Dieses Buch ist für alle, die das erleben wollen, was nörgelnde All-Inclusive-Früh-Am-Morgen-Schnell-Noch-Die-Liege-Mit-Dem-Handtuch-Belegende-Sich-Im-Recht-Fühlende Sonnenbrändler verpassen werden.

Das Einzige, was man dem Autor vorwerfen kann, ist, dass nicht gleich noch einen Reisegutschein für vier Wochen Katalonien beigelegt hat…

Die Palme und der Stern

Die Palme und der Stern

Wer aufmerksam die Nachrichten verfolgt, weiß sicherlich einiges über Iran, Irak, Afghanistan und Griechenland. Seit geraumer Zeit drängt ein Land wieder in den Fokus der Öffentlichkeit, das in absehbarer Zukunft gewaltigen Veränderungen entgegentritt: Kuba, die größte Insel der Karibik. Mit einem unvorstellbarem Reservoir an bislang teils unterdrückter Kreativität. Leonardo Padura ist Kubaner, er lebt auf Kuba. Er schafft es trotz aller Sanktionen weltweit arbeiten zu könne und Erfolg zu haben. Jetzt endlich ist sein Roman „Die Palme und der Stern“ auf Deutsch erschienen. Er erzählt aus einem Kuba, das noch abgeschottet vom Rest der Welt unter der karibischen Sonne revolutionären Gedanken nachhing.

Der Schriftsteller Fernando kehrt nach Jahren in seine Heimat Kuba zurück. Er wurde einst denunziert, will nun wissen, wer ihn damals verraten hat. Aber er hat auch eine wissenschaftliche Mission. Ein verschollenes Manuskript seines Kollegen José Maria Heredia will er finden und stößt dabei auf eine interessante Biographie.

Virtuos springt Leonardo Padura zwischen den einzelnen Zeitebenen. Fernando Terry in der Gegenwart und José Maria Heredia über ein Jahrhundert zuvor. Beide Biographien ähneln sich. Beide waren Kämpfer für die Unabhängigkeit des Geistes und des Landes. Ihre Exile gleichen sich. Beide kehrten unter Auflagen in ihr Kuba zurück.

Fernando Terry hat vier Wochen Zeit, um die als verschollen gegoltenen Manuskripte José Maria Heredias zu finden. So lange ist sein Kuba-Visum gültig. Es ist eine zermürbende, weil von Vorsicht regierte Suche. Der Dichter aus dem 19. Jahrhundert war Thema seiner Doktorarbeit und einer der drei Gründe für seinen Freund Álvaro Almazán ihm zu schreiben. Die beiden anderen waren, dass seine Mutter oder Álvaro im Sterben liegen. Die Suche führt den Poeten Fernando in die dunklen Geheimnisse einer Freimaurerloge. Im sozialistischen Kuba mehr als nur eine Vereinigung humanistischer Gelehrter. Hier ist Vorsicht mehr als nur geboten. Jedes Wort, jeder Schritt muss wohlüberlegt sein.

Dr. Mendoza, Professor an der Uni in Havanna, und Fernandos Dozent hat als Bibliothekar des Staatsarchives Hinweise auf die Manuskripte gefunden. Was verwunderlich ist, denn die Freimaurer geben niemals irgendwelche Dokumente sie betreffend aus der Hand. Daher und die Tatsache, dass sie niemals über ihre Rituale und Aktionen mit Außenstehenden reden, rührt auch ihr Mysterium. Irgendwas kann da nicht stimmen.

Die Suche nach den Manuskripten gleicht einer Schnitzeljagd. Ist ein Hinweisgeber gefunden, wirft der einen neuen Namen in den Ring. Der poetische Fernando steht am Beginn einer ganz realen faktenbezogenen  Reise.

„Die Palme und der Stern“ ist ein wortgewaltiges Geschichtsdokudrama mit allen Zutaten eines fesselnden Thrillers. Wohlwollend nimmt der Leser zur Kenntnis, dass es auf Kuba sehr wohl Überwachung und Unterdrückung freien Gedankenguts gibt, aber der Alltag nicht weniger spannend ist als im Rest der so genannten freien Welt. Leonardo Padura gelingt es mit scheinbarer Leichtigkeit das Leben auf dem Karibikeiland packend einzufangen, Realität und Fiktion zu einem Netz der Unterhaltung zu spinnen, dass man am Ende der über vierhundert Seiten erstaunt ist, wie schnell die Lesezeit doch vergeht.

Donostia / San Sebastian

Donostia - San Sebastian

San Sebastián – Donostia, zwei Namen, eine Sprache, drei Strände. Und unzählige Kochclubs, in denen die Männer endlich mal die Hosen anhaben. Txokos nennen sie sich und lassen mittlerweile auch ab und zu Außenstehende und sogar Frauen mal mitmachen bzw. an den Tafeln teilnehmen. So viel zum Vorurteil Machismo in der spanischen Gesellschaft. Aber die Donostiarras wie sich die Bewohner San Sebastians nennen, der baskische Name der Stadt lautet Donostia, verstehen sich halt eben in erster Linie als Basken.

Susanne Jaspers und Georges Hausemer haben San Sebastian zu einer ihrer Lieblingsstädte auserkoren. Vielleicht hat auch die Stadt sie als ihre Lieblingsbesucher ausgesucht. Bei Georges Hausemer ist das äußerst schwierig, gilt er doch als das, was man landläufig als Weltbürger, zumindest jedoch Weltenbummler bezeichnet.

Die beiden erleben Donostia – bleiben wir bei der baskischen Bezeichnung, denn hier in dieser Stadt ist die baskische Sprache verbreiteter als beispielsweise in Bilbao. Am Abend flaniert man hier gern am Strand. Nicht jedoch ohne sich stilecht herauszuputzen. Nicht übertrieben, das machen Andere. Dezentes Make up und hohe Schuhe für die Damen und der Pullover lässig über der Schulter für die Herren. Um nicht gleich als Touri erkannt zu werden, sollte man sich in diese Verkleidung stecken. Eine Verkleidung ist aber auch nicht nötig, da Gäste generell willkommen sind.

Die beiden Autoren haben keinen Reiseführer im klassischen Sinne geschrieben. Vielmehr ein Handbuch, ein amuse gueule, einen Leitfaden wie man die Zeit in der Stadt am besten zu seinen Gunsten ausfüllt. Zahlreiche Abbildungen, von den Autoren, untermalen die gemachten Aussagen. In Interviews mit Auswanderern (nach Donostia / San Sebastian) geben diese ihre Lieblingsplätze preis und zeigen die Unterschiede zum Leben in ihrer alten Heimat wieder. Fast jedes Kapitel wird mit einem Zitat von Schriftstellern und Reisenden geschmückt. Ernest Hemingway, Hans Christian Andersen oder auch Kurt Tucholsky wussten schon für über die Vorzüge der Stadt zu berichten und zu schwärmen. Den Abschluss bildet ein kleines Baskenland-ABC, das keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Dennoch ist es ein nützliches Werkzeug für alle, die noch unentdeckte Regionen erkunden wollen.

San Sebastian / Donostia ist 2016 zusammen mit dem polnischen Wroclaw Kulturhauptstadt Europas. Die ersten Sonnenstrahlen werfen mit diesem Buch schon mal die ersten Schatten voraus. Schattenseiten gibt es aber hier nicht, denn Donostia ist die glücklichste Stadt der Welt…

Gebrauchsanweisung für Peru

Gebrauchsanweisung für Peru

Peru ist sicherlich nicht das Land, wenn man an Südamerika denkt. Da halten sich Brasilien, Argentinien und Chile immer noch auf den ersten Plätzen. Was auch gerechtfertigt ist, jedoch Peru bei Weitem nicht gerecht wird. Ulrike Fokken brauchte auch ein knappes Jahrzehnt, um sich endlich durchzuringen Peru zu besuchen. Seitdem lässt sie der Andenstaat nicht mehr los.

Vier Buchstaben, P – E – R – U, auch die Hauptstadt gibt sich bei der Namensvergabe kleinlich, L – I – M – A, die es aber in sich haben. In Lima der Hauptstadt lebt ca. ein Drittel der Peruaner. Eine Stadt, in der man als Tourist einige Viertel meiden sollte. Doch auch eine Stadt, die sich rasend schnell verändert. Kein Shanghai der südlichen Hemisphäre, doch die Entwicklung ist sichtbar. Ulrike Fokken hat vor allem ein Auge für die Menschen Perus. Vertrauen in die Regierung hat keiner mehr. Zu oft wurden sie von ihren Vertretern hinter Licht geführt. Selbst ist der Peruaner. So kommt es auch, dass vor den Toren Machu Picchus auf einmal Lamas auftauchen, obwohl hier wohl einer der wenigen Orte ist, an denen man „normalerweise“ keine Lamas trifft. Touristen gefällt’s, also ist es wohl legitim.

Die Inkas haben in ihrer kurzen Herrscherzeit ein Erbe hinterlassen, das bis heute nachwirkt. Peru und die Peruaner sind sich dieses Erbes bewusst. Und retten, was noch zu retten ist. Wer Peru bereist, tut dies nicht ohne Grund. Parties und endlose Saufgelage gehören genauso wenig zum Touri-Alltag wie ausgedehnte Shopping-Marathons. Berge und Meer sind hier so eng beieinander wie sonst kaum auf der Welt. Auch die Speisekarten sind ein wenig anders als im Rest der Welt. Meerschweinchen sind hier eine Delikatesse, und mit dem einziehenden Fortschritt findet sich dieses possierliche Tierchen immer öfter darauf. Und immer mehr Bauern haben Meerschweinfarmen als Einnahmequelle für sich entdeckt.

„Gebrauchsanweisung für Peru“ ist die ideale Reiselektüre. Tipps zur Anreise, Unterkunft und Ausflugstipps stehen in jedem Reiseband. Doch wie man Peruanern begegnet, wie sie ticken, erfährt man nur in diesem Buch. Mit wachem Verstand erobert die Autorin dieses überaus spannende Land Schritt für Schritt ohne dabei wie einst die Conquistadores verbrannte Erde zu hinterlassen. Es ist immer eine Gradwanderung so genannte Geheimtipps dem breiten Publikum nahezubringen. Wenn jeder weiß wie schön es ist, will jeder hin und über kurz oder lang sieht es aus wie in jeder durchgestylten Großstadt. Ein Café dergleichen Marke reiht sich an Klamottenladen und Fast-Food-„Lokal“. Peru hat noch Vieles, was es zu entdecken gilt. Ulrike Fokken gibt lediglich ihre Eindrücke wieder ohne den Leser dazu zu drängen Peru zu besuchen. Die Sehnsucht steigert sich eh von Seite zu Seite.

City Trip Zürich

Zürich CityTrip

Regelmäßig versuchen sich Ratingagenturen am Katalogisieren der Welt. Bei den teuersten Städten der Welt taucht seit Jahren immer wieder eine Stadt auf: Zürich. Momentan irgendwo um Platz Acht oder Neun. Je nach Untersuchung. Unter dem Schlagwort „Die lebenswertesten Städte der Welt“ rangiert die größte Stadt der Schweiz auf Platz Eins. Tanja Köhler und Norbert Wank wissen warum.

Städte an Seen faszinieren schon allein durch ihre Lage. Das wusste schon die alten Römer und errichteten hier eine Zollstation, Turicum. Bei einem Ausländeranteil von knapp einem Drittel ist es klar, dass hier auch unterschiedliche Kulturen ihren Spuren hinterließen.

Das Erste Kapitel ist mit „Auf ins Vergnügen“ überschrieben. Wohin die Reise geht, ist klar: Egal ob für einen Tag, ein Wochenende, ob als Genießer, Bummler oder Geldbeutelerleichter – Zürich bietet was für alle Sinne. Im Kunsthaus kann man sich an den weniger teuren Skulpturen Giacomettis erfreuen – erst kürzlich wurde der „Zeigende Mann“ für über 140 Millionen Dollar verkauft, Giacometti hält somit Platz Eins und Zwei der teuersten Skulpturen der Welt. Wem das noch nicht reicht, der sollte seinen Zürich-Besuch auf das erste Septemberwochenende legen. Denn dann findet die „Lange Nacht der Museen“ statt.

Nach so viel laufen und Staunen tut ein wenig Erholung gut. Dafür sind die Parkanlagen wie Zürichhorn oder der Belvoirpark an. Auch der Zoo bietet auf 27 Hektar Entspannung und einen herrlichen Blick über Stadt und See. Apropos See: Am Stadthausquai befindet sich das Frauenbad. Und ja, der Name lässt es leise anklingen, es ist nur für Frauen! Seit fast einhundertdreißig Jahren kann man hier planschend den Blick auf Grossmünster und Altstadt genießen.

Große Denker und Dichter hatten schon früh die Stadt für sich entdeckt: Friedrich Gottlieb Klopstock vergnügte sich hier ausgiebig, Gottfried Keller setzte mit seiner „Zürcher Verlobung“ der Stadt ein literarisches Denkmal, Lenin genoss hier ausdauernd sein Exil. Auch Revolutionäre machen mal Pause vom Kampf und erfreuen sich an den bourgeoisen Errungenschaften…

Wer Zürich besucht, braucht Hilfe. Hilfe beim Herausfiltern der zahllosen Attraktionen zwischen Finanzmetropole und lukullischen Höhepunkten, zwischen Shoppingrausch und Museumsbesuch. Die beiden Autoren geben umfassend und knapp zugleich einen kompletten Überblick, was man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen darf. In der letzten Umschlagseite ist der Netzplan des öffentlichen Nahverkehrs abgebildet und für Puristen ein Stadtplan beigefügt.

Schwiizertüütsch

Schwiitzertüütschwww.reise-know-how.de, 144 Seiten, 7,90 €, ISBN 978-3-8317-6406-8

Wenn ein Schweizer in seiner Sprache so richtig loslegt einem was zu erzählen, wird’s für die meisten eng. Nichtschweizer Kabarettisten versuchen sich krampfhaft mit Krächzen und endlosen –lis am Ende der Substantive dem Schwiizertüütsch zu nähern. Sie sind alle zum Scheitern verdammt. Doch keine Angst: Ein echter Schweizer kann auch hochdeutsch.

Dennoch ist es doch gerade eine fremde Sprache, die einen Urlaub zu einem Abenteuer macht. Und ein paar Brocken zu beherrschen, lässt einem doch auch nicht einen Zacken aus der Krone brechen, oder?! Die Kauderwelsch-Reihe aus dem Reise Know How Verlag ist praktisch in vielerlei Hinsicht. Zum Einen ist der kleine Sprachführer so handlich, dass er bequem in die Hosentasche passt. Zum Anderen ist er klar gegliedert und hält für jede Situation die richtige Floskel parat. Auch wenn es kein einheitliches Schweizerdeutsch gibt, jede Region pflegt ihren eigenen Dialekt. Wer die Aussprache beherrscht, hat schon mal die Hälfte des Sprachweges hinter sich. Ein h hat im Schwiizertüütsch keine Dehnungsfunktion, sondern wird deutlich gesprochen. Wird ein Vokal lang ausgesprochen, wird er verdoppelt. Das n am Ende von Verben wird weggelasse. Und wenn ein Schweizer eine d Pfane auf den Herd stellt wird erstmal s Rüebli (das e ist stumm und dient dazu das ü lang zu sprechen) im Wasser gekocht und nicht gebraten.

Bis hierhin hat man gerade mal ein Sechstel des Buches geschafft und eine ganze Menge gelernt.

Bis zu Globi, Knorrli und Täät Garee ist es noch ein weiter Weg. Sie können mit diesen Begriffen nichts anfangen? Im Buch wird Ihnen klar wie Sie zu reagieren haben, wenn es so über die Straßen schellt. Egal, ob im Restaurant oder auf der Straße – Konversation gehört nunmal dazu, um eine Stadt, eine Region, ein Land kennenzulernen. Ebenso wie das mehr oder weniger intensive Auseinandersetzen mit der Sprache des Landes. Dieses kleine Büchlein ist ein hilfreicher Ratgeber für jede Situation im eidgenössischen Verbund.