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Weihnachtsgeschenke aus der Küche

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Jedes Jahr dieselbe Frage: Wie beschenke ich meine Liebsten? Es soll was Besonderes sein. Denn die Beschenkten sind es auch. Selber basteln hat immer einen Hauch von „Gewollt und nicht gekonnt“. Was dann? Weihnachten ist auch die Zeit, in der der Backofen in die Knie zu gehen droht. Es ist die Zeit, in der zigfach Weihnachtsbäckereien aus dem Boden sprießen. Sabine Fuchs und Susanne Heindl nehmen denen, die Angst davor haben zu backen, deren Backofen seit Jahren wie geleckt aussieht, weil er maximal zum Pizzabacken benötigt wird. Und deren Herd sonst nur Tütensuppen „kreieren“.

Das „mh“ statt „danke“ weicht von nun an einem „mmmhhh“ wie „Mehr davon, wann ist wieder Weihnachten?“. Bei Rezepten mit so wohlklingenden Namen wie Feuerpflaume, Kumquat-Chutney oder Chili-Parmesan-Plätzchen weiß jeder, dass er mit diesem Buch die richtige Wahl getroffen hat.

Mal ordentlich was Originelles aufs Brot mit Orangenaufstrich mit Kardamom. Oder außergewöhnliche Saucen wie Mangoketchup, Korianderpesto oder eine selbstgemachte Senfsauce. Wer‘s würziger mag, der wird sich sofort daran machen sein eigenes Rosmarin-Salz mit Orangenaroma zusammenzustellen.

Schleckermäulchen können sich kaum noch beherrschen, wenn Fuchsplätzchen in den Ofen geschoben werden oder weiße Kokos-Schokocrossies aufgeschlagen werden. Zum Knabbern gibt’s anschließend Röte-Bete-Chips und Zimt-Apfelscheiben.

Die Küche sieht wie ein Schlachtfeld aus. Mit immer noch höher schlagendem Herz sucht man den passenden Ort für dieses kleine Büchlein, das so Viele glücklich machen wird. Stellt sich noch die Frage: Wie soll man das alles weihnachtlich verpacken? Auch hierfür haben die beiden Autorinnen einiges parat. Am Ende des Buches sind einige Etiketten abgebildet. Kopieren ausdrücklich erwünscht! Nun nur noch ausdrucken, aufkleben und sich ein Lächeln abholen. So einfach geht Freude schenken!

Buchhandlung zum Goldenen Buchstaben

Buchhandlung zum goldenen Buchstaben

Eine Buchhandlung war, ist und – hoffentlich – bleibt ein Ort der Erinnerung und der Fantasie. Es ist der einzige Ort der Welt, an dem man ungestraft Träume kaufen kann. An den meisten dieser Traumverkäufer scheiden sich heutzutage eher die Geister als dass sie sich dort treffen. François Loebs Buchhandlungen in diesem Buch sind zweifelsohne der Sammelpunkt für Feingeister, witzige Geister und geistreiche Individuen.

Schon in der ersten Kurzgeschichte wird man in der Zeit zurückversetzt. Es gibt einen Informationstresen. Dort stehen die Neugierigen, nicht Kunden, Schlange. Sie wollen sich informieren lassen. Jemand hat eine Frage, sucht nach einem Buch, dessen Titel er noch gar nicht kennt, aber das Thema kann er benennen. Er erhält Auskunft und schaut dann selber, ob das Buch ihm gefällt oder nicht. Klingt nostalgisch, aus ferner Zeit, spielt aber in der Gegenwart. Der Buchhändler als belesenes Orakel für die intimsten Wünsche der Leserschaft. Ganz ohne Bits und Bytes…

Doch auch die Buchstaben selbst, die die Seiten füllen und Leser weltweit in ferne Galaxien entführen, haben so ihre liebe Not. Sie haben ihre eigene Hackordnung, weiß François Loeb zu berichten. Ein edles E gibt sich beispielsweise nicht mit einem ordinären kleinen C ab. Ein O wird sich niemals mit der Rolle als 0 zufrieden geben. Das Ergebnis dieses Buchstabensalats: Kein Leser kann mehr die sinnstiftende Ordnung des Buches erkennen. Da ist auch der Buchhändler am Ende seines Lateins…

Die kurzen Geschichten lassen den Leser schmunzeln. Bücher als Hauptakteure eines Buches. Sie sind eine der wenigen Konstanten im kulturellen Leben der Menschen. Wer Bücher liebt, wird dieses Buch in Ehren halten. Als Zugabe, als Appetitanreger kann der Leser anderen Bücherfreunden mit der einen oder anderen Geschichte eine Freude machen. Denn einige Geschichten kann man per QR-Code scannen und als pdf-Datei runterladen, verschicken, Freude machen oder einfach immer dabei haben. Die Bücher werden flügge. Kleine Appetitanreger, die den erfreuten Empfänger (und er wird erfreut sein, garantiert) animieren mehr zu fordern.

Egal, ob sich streitende Buchstaben, Garantie einfordernde Kundinnen oder blutbefleckte Seiten: Françios Loeb war selbst Buchhändler. Ob er all das selbst erlebt hat…?

50 Erdschätze, die unsere Welt veränderten

50 Erdschätze, die unsere Welt veränderten

Wenn beim Spazierengehen ein Elternteil tönt: „Lass das liegen! Das ist schmutzig!“, lächelt man über den Entdeckergeist von so manchem Nachwuchs. Er macht das, was schon seit Anbeginn der Menschheit getan wird: Dinge aus dem Boden holen. Sie sichtbar machen. Ihnen einem Zweck zuführen. Eric Chaline hat – nach „50 Tiere, die unsere Welt veränderten“ – sein Augenmerk auf die Erdschätze gerichtet.

Der Einband verrät schon so einiges, was den Leser erwartet: Gold, Schwefel, Bimsstein. Edelmetalle und besonders Edelsteine faszinieren seit jeher die Menschen durch ihre optische Strahlkraft. Ihr materieller Wert ist der Seltenheit und der Schwierigkeiten beim Abbau anhängig. Man stelle sich vor, das statt Schotter und Kies Gold auf den Wegen liegen würde. Kein Mensch würde sich Straßenbelag an den Finger stecken oder in der Bank deponieren.

Es sind nicht nur die seltenen – sehr teuren – Spekulationsobjekte, die unser Leben veränderten und es noch immer tun. Lehm, Kohle und sogar Sand sind elementar wichtig für unseren Alltag. Alles, auf dem wir uns bewegen, mit dem wir tagein, tagaus zu tun haben, kommt irgendwie aus dem Inneren der Erde. Sie traten freiwillig ans Tageslicht oder wurden teils unter schwersten Bedingungen an die Oberfläche befördert.

Eisen ist ein Stoff, der in der jüngeren Vergangenheit so komplex wie etwas anderes genutzt wurde. Veredelt als Edelstahl (wie soll er denn sonst heißen?!) ist er Hauptbestandteil der meisten Küchen. Steakliebhaber schwören auf ihre „Gusseiserne“. Paris ohne Eisen? Unvorstellbar, dass der Eiffelturm aus einem anderen Material gefertigt wäre. Die industrielle Revolution wäre ohne Eisen ein Stürmchen im Wasserglas gewesen. Nein, sie hätte nie stattgefunden.

„50 Erdschätze, die unsere Welt veränderten“ ist ein Aufmerksammacherbuch. Viele Stoffe, Metalle, Dinge nehmen wir als gegeben hin und sind erstaunt, wenn wir darüber nachdenken, wie viel in den vergangenen Jahrtausenden schon geschaffen wurde. Wenn man dann noch einen Schritt weitergeht, kann man sich zusammenreimen, dass noch lange nicht alles erforscht ist und es noch jede Menge gibt, was in der Erde schlummert und darauf wartet an der Oberfläche für Veränderungen zu sorgen. Dieses Buch ist eine weitere Entdeckung. Es liest spannend wie ein Krimi, ist lehrreich wie ein guter Lehrer und exzellent illustriert.

Die schönsten Weihnachtsbräuche

Die schönsten Weihnachtsbräuche

Eine neue Spielekonsole, das neueste Smartphone, elektronische Gadgets – Weihnachten wirft seine Schatten voraus. Immer ausgefallener – meint so mancher – sind die Wünsche, die es zu erfüllen gibt. Doch eines bleibt: Die Tradition Weihnachten zu feiern. Die Rituale hat jede Familie selbst erarbeitet. Und die bleiben! Trotz aller Neuerungen.

Da ist der kinderaugenverzückende Adventskalender. Vierundzwanzig Mal Spannung und unbändige Freude. Manch einer kann davon auch als Erwachsener nicht ablassen. Besonders, wenn die Oma diesen so liebevoll gestaltet hat. Adventskränze spenden nicht nur ein heimeliges Licht und Wärme, sie sind die Vorboten des Festes schlechthin. Oder das alljährliche Weihnachtsbaumschmücken, was wohl nur in Comedysendungen im Chaos endet.

Achtzehn Bräuche werden in diesem Buch vorgestellt. Viele kennt man und zelebriert sie auf eigene Art. Doch einige sind den meisten unbekannt. Wie der blühende Barbarazweig. Am 4. Dezember schneidet man Kirschzweige vom Baum und stellt sie in eine Vase. Blühen sie bis Weihnachten, hält das Glück ein Jahr an. Der 4. Dezember ist der Namenstag der Heiligen Barbara, die für ihren Glauben in den Kerker gesteckt wurde. Am Tag ihrer Hinrichtung blühte der Zweig.

Einen Tag später werden die Schuhe geputzt, damit am Sechsten der Nikolaus seine Geschenke darin ablegt. Wiederum eine Woche später, am 13., feiert man vor allem noch in Schweden und anderen skandinavischen Ländern das Lucia-Fest. Lucia lebte um 300 herum in Italien und besuchte an diesem Tag die Verfolgten Christen. Heute schreitet ein weißgewandetes Mädchen mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf vor einer Gruppe Kinder und singt Weihnachtslieder.

Auch das Schlendern über Weihnachtsmärkte ist ein Brauch. Was man bei so manchem Besucher, der kurz vor Feierabend fröhlich lallend noch einen „lühwei .. en“ bestellt, nicht vermuten sollte. Diese Märkte sind seit dem 14. Jahrhundert Tradition und mittlerweile ein fester Bestandteil im Tourismusprogramm vieler Städte.

Fast in Vergessenheit geraten, ist die Weihnachtspost. Als Marketinggag wird jedes Jahr das Weihnachtsmanndorf in Finnland von einer Papierwelle erfasst. Doch nur handschriftliche Post erreicht den Weihnachtsmann und erst dann erfüllen sich die Wünsche…

Nicht zuletzt gibt es den Glück verheißenden Brauch des Küssens unterm Mistelzweig. Ursprünglich in Großbritannien verbreitet, findet er auch im Rest der Welt immer mehr Anhänger. Woran das wohl liegt?

Dieses kleine Büchlein regt an Weihnachten immer weiter mit Bräuchen zu verschönern. Es ist das Fest mit den meisten Traditionen. Ein echtes Erinnerungsstück, das allein schon seine nostalgische Aufmachung Erinnerungen jedes Jahr auf Neue zu entdecken. Die ganzseitigen Abbildungen werfen den Blick zurück an eine Zeit, in der man – je nach Alter – bei Oma oder Uroma auf dem Schoß saß und leckere Plätzchen naschte. Sie war es auch, die mit dem Adventskalender Weihnachten schmackhaft machte …

Das Wettangeln

Das Wettangeln

Thorshafen an der Ostsee ist ein ruhiger Fischerort. Einmal im Jahr wird die Bescheidenheit des Ortes beiseite geräumt und das Wettangeln steht an. Hier zeigen Männer was sie dazu macht, Kinder eifern ihnen nach, die Frauen feuern ihre Männer an – so schließt sich der Kreis. Nur Henry Weiß kann dieses Jahr nicht teilnehmen: Er ist kurz vor Beginn mit seinem Rollstuhl gestürzt. Aber als Schiedsrichter will er funkgieren. Sein sonores Horn verkündet Anfang und Ende des Wettstreits. Statt seiner sollen seine Nichte Anja und der Erzähler sich die Meriten verdienen.

Und sie scheinen auch Glück zu haben. Nach anfänglichem Anglerpech – der falsche Köder – zeihen sie einen Prachtburschen an Land. Siegessicher beschließen die beiden ihr Glück nicht weiter zu strapazieren und geben sich dem Müßiggang hin. Auf einem Floß treiben sie vor den aufgebrachten Anglern dahin. Sie verschrecken die Fische. Leise ziehen sie sich an einen ruhigeren Ort zurück und finden zueinander.

Bei der Preisverleihung sind sie doch die Gewinner. Egal, denn sie haben etwas an Land gezogen, dass die anderen schon haben oder nicht erreichen werden…

„Das Wettangeln“ ist die letzte vollendete Geschichte von Siegfried Lenz, der 2014 gestorben ist. Im Nachwort erfährt man, dass Henry und der Erzähler mehr als nur aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Sie gehören originär zusammen. Durch Krankheit erheblich in seinem Tun eingeschränkt, hat Siegfried Lenz seinem Tagespensum oberste Priorität eingeräumt. Die Geschichten, die er in den letzten Jahren schrieb, bestechen durch ihre schlichte und kompakte Poesie, die den Leser sofort in ihren Bann zieht. Das Ostseeörtchen Thorshafen, wo der Gott des Donners zwischen den beiden ankert, nimmt dieses Gewitter wie eine sanfte Brise hin. Die Außergewöhnlichkeit des Anlasses ist Grund zur Freude genug. Grund zur Freude hat auch der Leser, der nun zum ersten Mal diese Geschichte lesen darf.

Marie Antoinette und die Halsbandaffäre

Marie Antoinette und die Halsbandaffäre

Es ist immer wieder schön zu sehen wie „die da oben“ auf die Nase fallen. Doch genauso sicher ist auch, dass „die da oben“ auch wissen wie man da wieder rauskommt. Louis XVI. König von Frankreich heiratete einst Marie Antoinette, die Schwester von Karl Joseph II., Kaiser von Österreich. Sie stand mehr als „normal“ unter dem Einfluss ihrer Mutter Maria Theresia.

Ihr Gegenspieler in dieser Posse, dieser Affäre, diesem Skandal war Kardinal-Erzbischof Louis René Édouard de Rohan. Er stammte aus einer der reichsten und einflussreichsten Familien Frankreichs. Seinen klerikalen Titel hatte er nicht umsonst bekommen… Natürlich suchte er die Nähe der Königin, doch die ließ keine Möglichkeit aus, ihn spüren zu lassen, dass sie ihm in keinster Weise zugetan ist.

Es war ein bisschen wie es heute noch oft der Fall ist: Hinterbänkler sucht mit fragwürdigen Methoden die Aufmerksamkeit der vor ihm Sitzenden zu erhaschen. Meist passiert das heute während der so genannten Saure-Gurken-Zeit, wenn das Parlament in der Sommerpause ist.

In Jeanne de la Motte, einer Adligen, die dank des Ungeschicks ihrer Ahnen nur noch per Namen blauen Geblüts war, bekommt Rohan scheinbar die Möglichkeit sich der Königin zu nähern. Er lässt sich dazu hinreißen ein sündhaft teures Geschmeide, ein Halsband, fertigen zu lassen, welches er der verarmten Jeanne de la Motte, geborene Valois, übergibt. Die denkt nicht daran es der Königin zu überreichen. Sie verduftet. Und der gehörnte Rohan bleibt auf den selbst für ihn enormen Schulden sitzen. Und auch der Juwelier wird nicht bezahlt.

Als Sündenbock wird Rohan ausgemacht. An Mariä Himmelfahrt, dem 15.6.85, 1785, wird er abgeführt. Er hat zwei Möglichkeiten: Die Strafe des Königs, wir sind im Zeitalter des Absolutismus, da hat nur einer recht, und der trägt ’ne Krone, anzunehmen oder sich vor Gericht zerren zu lassen. Dumm nur, dass der König auch gleichzeitig Richter ist. Um die absolutistischen Neigungen zu verschleiern, lässt der König seine Untertanen seine Arbeit verrichten. Der Ausgang des Verfahrens hat keine Sieger. Ein paar Jahre später wird alles Royale einen Kopf kürzer gemacht. Die Intrigantin wird gefoltert, gebrandmarkt und verbannt. Kurze Zeit später kann sie ganz offiziell fliehen, ohne dass die Behörden ihr auf die Pelle rücken werden. Der Klerus insistiert gegen den König. Das Volk wird durch die Veröffentlichung der Prozessakten genau über die Machenschaften ihrer Regenten informiert.

Wer Parallelen zur Gegenwart ziehen will, ist herzlich eingeladen, dies zu tun. Auch 230 Jahre später „die da oben“ immer noch dabei ihr Tun und Handeln zu verschleiern. Ihre Skandale sind heute jedoch in der Mehrzahl Belustigungsobjekt und Teil der Zerstreuungsmaschinerie. Wer letztendlich Täter und wer Opfer war, kann sich nur schwer sagen lassen. Beide Lager haben ihren Beitrag geleistet. Es gibt keine Nur-Täter und keine Nur-Opfer.

Sich an das zu erinnern, was vor einem Jahr war, fällt schwer. Was vor zehn Jahren passierte, dafür braucht man meist schon Hilfe von der Familie und Freunden. Aber vor 230 Jahren: Dafür braucht man Bücher. Bücher wie dieses. Ein Ereignis, in dem sich die Mächtigen eines Landes des Verrates an selbigem strafbar machen, ein Buch zu widmen, macht Geschichte erlebbar. Nun sind es nicht mehr nur (Jahres-)Zahlen, die man für eine eventuelle Prüfung benötigt, es sind Menschen, echte Ereignisse und Skandale, die dem oft ungeliebten Fachgebiet Geschichte ihren Reiz verleihen. Vor allem, wenn sie so ansprechend formuliert und so detailreich beschrieben sind.

Meine Skandale

Meine Skandale

Wenn man den Namen Gabriel Astruc auf der deutsche Seite von Wikipedia eingibt, sieht man den Namen rot unterlegt. Kein Artikel. Eine kurze Nennung, mehr nicht. Er erbaute das Théâtre des Champs Èlyssée, das 2013 in Paris sein hundertjähriges Bestehen feiern konnte – der Name erinnert an den ursprünglich gedachten Platz. Fast vier Jahre dauerte der Bau des imposanten Gebäudes, von der Genehmigung bis zur Eröffnung, das vom ersten Tag an Erfolge feierte bzw. Skandale produzierte wie kaum ein anders Haus.

Claude Debussy und  Richard Strauss dirigierten hier ihre Werke. Das Ballett Russes wurde frenetisch bejubelt. Es waren die letzten Jahre der Belle Epoque. Paris war auf dem Höhepunkt der künstlerischen Schaffenskraft. Die Impressionisten waren anerkannt, der Kubismus und Expressionismus waren auf dem Sprung. In den Cafés traf man Künstler, deren Namen heute zu Synonymen geworden sind. Dennoch war es eine traditionelle Zeit. Man konnte sich nicht alles erlauben. Das musste auch Gabriel Astruc schmerzvoll lernen. Der zeitgenössischen Musik galt sein Herz, was ihm doch sehr schnell gebrochen wurde.

Zur Eröffnung des Tempels der Moderne wagte er das Risiko und hob „Benvenuto Cellini“ von Hector Berlioz auf den Premierenspielplan. Ein Stück, das bei der Uraufführung schon für Furore sorgte und dem keine lange Spielzeit vergönnt war.

Das Théâtre des Champs Èlyssée war zwei Monate geöffnet. Claude Debussys „Jeux“ sorgte nicht gerade für Begeisterungsstürme, um es milde auszudrücken. Ende Mai 1913 sollte Igor Strawinskys „Le sacre du printemps“ uraufgeführt werden. Im Publikum saßen Picasso und Chanel. Auf der Bühne wirbelten die Tänzer zur Choreographie von Vaslav Nijinsky. Im Foyer, nach der Vorstellung, tobte das Publikum. Eine Fraktion war begeistert, und sah sich den Anfeindungen der Gegner ausgesetzt.

Gabriel Astruc hatte bereits Jahre zuvor im Théâtre du Châtelet einige Skandale auszuhalten. Er war sich seiner Sache immer sicher, weswegen auch kaum schnöde Beschimpfungen seiner Kritiker in seinen Memoiren zu lesen sind. Die Zeit gab ihm recht. Er hatte ein glückliches Händchen für Skandale. Für sich selbst übersetzt er Skandal mit Stolperstein.

Seine Biographie „Meine Skandale“ ist kein Handbuch des Scheiterns. Es ist vielmehr die Bibel des Mutes. Man konnte ihn beschimpfen, anfeinden, sich über ihn beschweren. Doch Kleinkriegen ließ er sich nicht. Das ist sein Vermächtnis.

Wenn Venedig stirbt

Wenn Venedig stirbt

Die Deutschen sind immer noch Reiseweltmeister. Wann immer es Zeit und Geldbeutel zulassen, sind wir gern bereit unsere Euros Händlern, Reiseveranstaltern, Restaurants gegen Service zu überlassen. Wir erkunden die Welt in Frankreich, Ägypten, den USA, Fernost, der Türkei oder Italien.

Wenn wir schon bei oder in Italien sind: Stellen Sie sich vor, Sie hätten jeden Tag zwei neue Gäste. Egal, ob werktags oder sonntags, ob feiertags oder langes Wochenende. Und die stapfen 24 Stunden am Tag durch ihre heimischen Gefilde. Fassen da was an, nehmen dort ein Souvenir. Einzig allein, dass sie bei Ihnen zuhause mehr Geld lassen als anderswo, lässt sie die Situation halbwegs erträglich erscheinen. Und mehr als erscheinen ist es nicht. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr dasselbe Prozedere. Venedig hat sich in sein Schicksal ergeben. Die Stadt lebt mit und vor allem von den Touristen. Neuerdings können die sogar vom Frühstückstisch aufstehen und direkt, ohne großes Palaver Markusplatz und Dogenpalast erobern. Tonnenweise Tennissocken, den Kopf hoch erhoben gen Selfie-Stick toben sie gemächlich durch die Stadt, die immer noch vom Ruf als romantische Stadt lebt. Sieht so Romantik aus? Was passiert mit dem historischen Erbe, über das die Lagunenstadt zweifelsohne verfügt?

Salvatore Settis sieht Venedig exemplarisch für den Ausverlauf der Kultur. Wenn Touristen aus ihrem wohlverdienten Urlaub zurückkehren und nicht mehr Bilder zeigen, sondern ihre Schnäppchen präsentieren oder meinen, dass zwei Stunden vollkommen ausreichen, um die Kloake Venedig über Gebühr mit ihrer Anwesenheit beehrte haben, dann kann man nicht mehr von einem Kulturerlebnis sprechen. Salvatore Settis beklagt, ja klagt schon fast an, den Ausverkauf der Städte.

Dabei beginnt alles schon uns vor der Haustür. Eine Häuserzeile – vielleicht Jahrhunderte alt – muss Neuem weichen. Wer aufmerksam die Stadtentwicklung egal wo auf der Welt verfolgt hat, weiß schon, welche Läden da als nächstes stehen werden. Eine eigene Identität weicht Konformität. Und dann ist es wirklich egal, ob der Pappbecher mit dem brühend heißen Kaffee, der in Sydney genauso schmeckt wie in Castrop-Rauxel, nun zwischen altehrwürdigen Gemäuern geschlürft wird oder an einem Stehtisch.

„Wenn Venedig stirbt“ – bleiben wir bei der Frage. Dann gibt es anfangs ein Riesengeschrei, doch schon kurze Zeit später werden andere Städte, die jetzt schon in den Startlöchern sitzen, versuchen dessen Platz einzunehmen. Ein kulturelles Erbe ist dann nur noch im Museum zu besichtigen. Und das hat, um überhaupt den Hauch einer Überlebenschance zu haben, einen Museumsshop. Was sollen wir nun machen? Venedig links liegen lassen? Es ignorieren? Nur damit die Venezianer sich in Ruhe mal wieder auf ihr Erbe besinnen können und sich ein neues Marketingkonzept ausdenken. Da ist es schon wieder: Marketing. Neue Märkte erschließen. Es gibt keine endgültige Antwort. Aber Salvatore Settis ist endlich einer, der die richtigen Fragen stellt.

Gewagte Konstruktionen

Gewagte Konstruktionen

Architektur in Worte zu fassen ist eine Kunst für sich. Die Besonderheiten eines Gebäudes liegen sowohl innen wie auch außen. Doch diese herauszufiltern, sie zu erkennen, ist oft nicht einfach. Und so haben Architekten immer einen schweren Stand. Sie wollen die Sichtweise der Betrachter verändern, Aufmerksamkeit erregen, manche ein Denkmal errichten. „Gewagte Konstruktionen“ widmet sich den Visionären dieser Handwerkskunst, den Künstlern des steingewordenen Traums.

Die Autoren dieses beeindruckenden Bandes geben den Baumeistern, Bauherren und Architekten ein Gesicht. Nicht oft wurden die nämlich einfach in den Geschichtsbüchern unerwähnt gelassen. Wer weiß schon wer das Taj Mahal in Indien wirklich gebaut hat? Shah Jahan als sein Auftraggeber ist derweil ein Begriff.

Die Konstruktionen, die uns heute in ihren Bann ziehen, waren fast immer umstritten. Den Eiffelturm hätte es fast nicht mehr gegeben. Zur Weltausstellung 1889 war er die Sensation, doch schon Jahre später hätten die Unterhaltskosten fast zu einer Demontage geführt. Paris heute ohne Eiffelturm? Unmöglich. Oder Florenz ohne den Dom mit seiner imposanten Kuppel. Jahrelang war das Gotteshaus ohne Dach geblieben. Erst Filippo Brunelleschi hatte die rettende Idee. Eine gemauerte Kuppel. Der Aufwand war gigantisch. Modulares Bauen – bis heute eine gängige Technologie – war das Zauberwort.

Dieses Buch ist ein echter Schatz. Denn wer durch die Metropolen der Welt schlendert, sich den Wind der großen weiten Welt um die Nase wehen lässt, wird ganz automatisch durch die Architektur verzaubert. Oft unterschwellig. Die Boulevards und Gebäudekomplexe werden als gegeben hingenommen. Das hat jetzt ein Ende! Kenntnisreich und detailliert werden die Prunkstücke aus Jahrhunderten Baukunst unter die Lupe genommen. Oscar Niemeyer, Norman Foster, Antoni Gaudi, Frank Lloyd Wright – alles klingende Namen, deren Werke faszinieren. Doch was trieb sie zu ihren – teils bis heute als gewagt zu bezeichnenden – Bauwerken? Was ist das wirklich Innovative daran? Fragen, die man sich so nur selten stellt. Jetzt gibt es die Antworten.

Manet, ein Streit und die Geburt der modernen Malerei

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Man stelle sich die Welt vor 150 Jahren vor und dazu die heutige Medienlandschaft. Frauke Ludowig würde wie von Manni dem Mammut gehetzt von einem Skandal biblischen Ausmaßes stammeln. C-, D-, E-Promis würden in beschämender Bigotterie nach den passenden Formulierungen suchen, weil sie denken sie kommen in DIE Bild, dabei geht es um EIN Bild. So genannte Experten würden vor Bücherwänden den Zusammenhang von Nacktheit und Verrohung der Jugend erklären und zur Zensur aufrufen. Bundestagshinterbänkler wollten die Scharia einführen, von wegen Hand abhacken und so.

Und das nur, weil Eduouard Manet im Jahr 1865 in einer Ausstellung eine nackte Frau gemalt hat. Ein Schwarze reicht ihr Blumen. Mehr nicht. Okay, die Dame war nicht gänzlich unbekannt. Sie hatte gewisse Talente, die sie gegen entsprechende Entlohnung feilbot. Sie war eine Prostituierte. Andere Begriffe sind ja bis heute nicht schicklich. Die Dame wurde allerdings nicht in einem mythischen oder noch besser religiösen dargestellt, sondern an ihrem Arbeitsplatz. Uff’m Sofa. Skandal!

Die Reaktionen reichten von reichlich Kichern über amüsiertes Auslachen bis hin zu tumultartigen Szenen. Nicht nur „normale“ Besucher ließen sich darüber aus, auch Malerkollegen wie Courbet distanzierten sich von Manet und seiner „Olympia“.

Der Pariser Salon zeigte ausgewählte Werke von Künstlern der Gegenwart. Eine Fachjury wählte unter den Gesichtspunkten der damaligen Zeit die Werke aus, die einem breiten Publikum zugängig gemacht wurden. Zwei Jahre zuvor schon erregten sie die Gemüter. Viele Künstler, deren Werke heute unbezahlbar sind, durften nicht ausstellen. Napoleon III. regte den Salon de refuses an, das Gegenstück zum Salon, in dem alle Abgelehnten ihre Werke zeigen durften. Besonders hart traf es die Impressionisten (hierzu empfiehlt sich „Das private Leben der Impressionsiten“ von Sue Roe, ebenfalls beim Parthasverlag erschienen).

Dino Heicker hat daraus keinen Haudrauf-Roman gemacht, in dem bagarres dans les bars den Ton angeben, sondern die öffentlichen niedergeschriebenen Reaktionen gesammelt. Briefe von Manet an Baudelaire (und die Antwort darauf), Kunstkritiken und ausgewählte Texte zu dem skandalösen Bild, unter anderem von Zola, führen den Leser in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Aus heutiger Sicht wirkt die Aufgeregtheit etwas sonderbar. Eine nackte Frau auf’m Sofa. Selbst der Nippelblitzer von Hildegard Knef war Jahre später kaum noch der Rede wert. Sophie Marceaus „Nippelgate“ in Cannes störte schon wenige Sekunden später niemanden mehr. Es war eher (unfreiwillig?) komisch. Und doch sind die Art und Weise wie argumentiert wurde, heute noch geläufig. Niedermachen, weil man es nicht anders kennt und weil man es scheinbar kann. Um fast jeden Preis. Manet war streitbar – in vielerlei Hinsicht. Doch ohne ihn, seinen Mut, würden wir wahrscheinlich noch vor Historienschinken schmachten, verklärte Landschaften als erhaben bezeichnen oder gar Tiere auf Wände schmieren.