Kategoriearchiv: aus-erlesen kompakt

Alles ist nichts gegen Rom

Alles ist nichts gegen Rom

Bücher über Rom gibt es wie Sand am Meer. Man meint fast, es wäre alles gesagt und geschrieben worden über die Ewige Stadt. Doch dann kommt so ein kleines unscheinbares Buch daher und belehrt einem eines Besseren. Der nüchterne Untertitel „Ein Fotobuch“ verschleiert die wahre Identität.

Evelyn Fertl fotografiert nicht einfach fürs Familienalbum. Ihr Motive sind für jeden sichtbar, oft nur aus dem Augenwinkel doch da. Sie rückt sie in den Mittelpunkt. Flüchtige Momentaufnahmen und festverwurzelte Monumente im Ringelreih Großstadt. Sie die jetzt (2007 bis 2014) vor Ort ist, in der Hand ihre Kamera. Analog. Schwarz-weiß-Film eingelegt. Dadurch gewinnen die Aufnahmen an Schärfe und Intensität. Farbig kann jeder. So kontrastreich die Stadt, so auch Ihre Eindrücke.

Wie als Bestätigung setzt sie neben ihre mehr als sehenswerten Abbildungen Texte, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Und das obwohl sie schon bis zu über zweihundert Jahre auf dem Buckel haben. Wie einst Udo Struutz im Trabi mit Goethe Italienreise im Gepäck durchschreitet Evelyn Fertl die Metropole am Tiber. Sie fliegt hochmodern mit einer Drohne – sie bleibt auf dem Boden. Sie verfälscht nicht ihre Eindrücke, um selbige zu schinden – Ihre Bilder sind echt.

Alltagsszenen, Touristenmagnete, Panorama- und Detailaufnahmen – alles ganz speziell und einzigartig. Museen, öffentliche Plätze, Geschäfte, Ruinen: Rom wie man es kennt und doch wieder nicht.

Dieses Buch nimmt man mehrmals in die Hand. Immer wieder schlägt man es auf, schlägt nach, schaut, was man selbst gesehen hat oder noch unbedingt sehen muss. Ein kurzweiliger Bildertrip durch eine der spannendsten Städte der Welt. Attenzione impressione, um es mit den Worten von Gianna Nannini zu sagen. Achtung Eindruck. Und das auf jeder der über einhundert Seiten.

 

Advent, Advent, Die Alster brennt

Advent, Advent, die Alster brennt

Weihnachtszeit – Krimizeit. Die früh einsetzende Dunkelheit, die angenehme Ruhe vor dem großen Weihnachtsansturm lassen so manchen Lesemuffel den eigenen Schweinehund überwinden und zum Buch greifen. Mit Weihnachten kann jeder was anfangen. Und Hamburg bekommt jetzt seine eigene Weihnachtskrimireihe.

„Advent, Advent – die Alster brennt“ vereint die Gewinnergeschichten des diesjährigen KaroKrimiPreises, der dieses Mal den Leser in den Norden führt.

Hanseatische Kaufmannsehre trifft auf verlorene Engel, studentische Weihnachtsgehilfen, die in der Tradition englischer Pfeil-und-Bogen-Helden den Reichen nehmen und den Armen geben, Drogentote – das ist Hamburg zur Weihnachtszeit.

Die Geschichten sind nicht immer ernst gemeint. Mit einem zwinkernden Auge sind die Autoren immer auf der Hut und verleihen ihrer Stadt einen eigenen Charme, der den Leser ruckzuck in ihren Bann zieht.

Der Preisträger des KaroKrimiPreises Kai Riedemann eröffnet den bunten Reigen der kriminellen Machenschaften zwischen Alster und Elbe. Sein Held wird verfolgt. Warum? Der Leser wird im Unklaren gelassen, weiß nicht, ob der Verfolgte Opfer oder Täter ist. Der Verfolger kommt näher, spricht den Gehetzten an. Der fühlt sich sofort in die Enge getrieben, dennoch warnt er den, der ihm auf Schritt und Tritt folgt. Es wäre gesünder die Jagd abzubrechen, meint er. Wie recht er doch haben soll…

Nicht nur die Handlungsorte sind unterschiedlich. Auch die Themen und die Machart der einzelnen Kurzkrimis sind so abwechslungsreich wie das Leben vor den Toren der Nordsee.

Wer Weihnachten liebt, die besondere Stimmung, die in der Luft liegt, wird diese Sammlung fantasievoller Weihnachtskrimis nicht missen wollen. Fernab von Mandelduft und anderem Süßkram zeigen die Autoren, dass Weihnachten nicht immer nur von Harmonie geprägt sein muss. Es ist auch die Hochzeit der verlorenen Träume, an die man sich in der besinnlichen Zeit gern und immer wieder erinnert. Bis es irgendwann zum Ausbruch kommt: Doch die Täter hinterlassen  Spuren…

Vier Bücher mit den besten Geschichten des KaroKrimiPreises sind bereits erschienen. Bisher wurde in Berlin gemordet, gestohlen und die Weihnachtsstimmung vermiest. Jetzt geht es an die Waterkant. Sankt Paulis schmierigste Kaschemme, die vornehmsten Appartements in den Vororten, Schanzenviertel, Harvestehude und andere Lokalkolorit verströmende Viertel sind die Tatorte der echten Hamburger Originale.

Crumble mug cakes

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BLM – nein, nicht die Bayrische Landeszentrale für neue Medien, nein, Becher, Löffel, Mikrowelle. Und fünf Minuten Zeit. Mehr braucht man nicht, um einen schnellen, leckeren Kuchen zuzubereiten. Und Backmuffel, pardon, bisherige Backmuffel, werden gleichauf den ersten Seiten davon überzeugt, dass Backen keine Hexerei sein muss. Abmessen ohne Waage, perfekte Streusel und für alle, bei denen es nie schnell genug gehen kann: Drei Minuten Backzeit. Eine Umrechnungstabelle Augenmaß in Gramm befindet sich am Ende des Buches. Was ganz praktisch auch für diejenigen ist, die sich ein bisschen mehr Zeit nehmen. Ein gestrichener Teelöffel sind ca. zehn Gramm. Ebenso praktisch ist die überschaubare Menge an benutztem Geschirr. Man braucht ja eh nur einen Becher.

Die Rezepte sind allesamt so einfach nachzubacken, dass es von nun ab keine Ausreden mehr gibt. Einfach das Buch durchblättern und probieren wie es sich anfühlt. Zwei Äpfel schälen und würfeln, Karamell-Bonbons in Stücke schneiden, einen Esslöffel Schlagsahne (laut Umrechnungstabelle sind das zehn Gramm). Für die Streusel, oder Crumbles wie man auf Neudeutsch sagt, eine Scheibe Butter (halber Zentimeter oder 15 Gramm), einen Teelöffel Vollrohrzucker, zwei gehäufte Esslöffel Mehl, eine Prise Salz, und noch einmal Karamell-Bonbons. Erstmal die Bonbons zusammen mit den Apfelwürfeln in einer Tasse für eine Minute in die Mikrowelle stellen. Sahne dazu. Jetzt die Streusel: Die Zutaten gut vermengen und anschließend über den Becher zerbröseln und90 Sekunden bei 800 Watt in der Mikrowelle backen. Ja, so einfach ist backen. Und jetzt? Löffeln!

Und weiterblättern. Von Rhabarber-Mandel-Tassencrumble, einer Tasse voll mit Birne und Schokolade oder einem Tassencrumble mit Pflaume und bretonischen Butterkeksen träumen. Die man als nächstes zubereiten wird.

Doch Tassencrumbles sind nicht nur für Süßkram-Junkies. Ein Tassencrumble mit Lachs, Zucchini und Haselnüssen oder ein Tomatencrumble mit drei Sorten Käse verwöhnen den Gaumen ebenso.

Die Autorin ist versiert, wenn es darum geht kleine Küchenrevolutionen anzuzetteln. Ihr Blog hat vierhunderttausend Besucher pro Monat. Und die können nicht irren.

Wanderungen in und um Wien

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Zweiundzwanzig Genusstouren verspricht dieses kompakte und handliche Reisebuch. Wien bietet sich an es zu Fuß zu erkunden. Nicht nur, weil die Ausdehnung der Stadt überschaubar ist, sondern vor allem, weil es an jeder Ecke etwas zu entdecken gibt. Die Prachtbauten an der Ringstraße, die kleinen Gassen und Straßen mit ihren pittoresken Fassaden und einladenden Geschäften sind ein Augenschmaus und lassen die Wegstrecken schnell vergessen.

Und doch bietet es sich an einen Wegbegleiter zur Hand zu haben. Den Einstieg, in die Stadt als auch im Buch, bietet sich das Obere Belvedere an. Und wohin geht’s? Natürlich zum Stephansdom, dem Wahrzeichen der Stadt, an den Ort, den jeder Wiengast besuchen muss. Die Kunstsammlung in den beiden Schlössern (Unteres wie Oberes Belvedere) sollte man sich nicht entgehen lassen, bevor man sich auf den Weg zum Steffl macht. Unterwegs empfiehlt es sich links und rechts das Auge schweifen zu lassen. Der Stadtpark ist die erste Oase der Ruhe. Kurz gefolgt von der Zweiten. Den ersten Zwischenstopp (zweite Ruheoase) sollte man im Café Frauenhuber einlegen. Das älteste Caféhaus der Stadt steht seit über zweihundert am Platz. Hier musizierten schon Beethoven und Mozart. Und schon ist man fast am Ziel angelangt.

Wien auch mal von oben erleben, das geht nicht nur im Prater, auf dem Riesenrad. Wer ein wenig nach außen wandert, kann den Hermannskogel erklimmen, den höchsten Berg Wiens. Los geht‘s am Sievering und dann durch den Wienerwald. Wer den Gipfel geschafft hat, kommt in den Himmel. Versprochen. Was es damit auf sich hat, muss es erleben oder zumindest ein wenig in diesem Buch blättern.

Zahlreiche kleine Informationstafeln, Höhenprofile und ansprechende Karten verschaffen dem Wanderer und Leser einen exakten Überblick, was Wien zu bieten hat. Die Touren sind für jedermann zu schaffen undkompakt beschrieben. Wie lange man sich Zeit nimmt, entscheidet man selbst. Drei Kilometer Zentralfriedhof sind in normalem Schritttempo in einer Stunde zu schaffen, doch dann geht der Reiz der Parkanlage verloren. Auch Schloss Schönbrunn kann man in relativ kurzer Zeit bewältigen. Wer mit dem Schrittzähler Wien beschreitet, wird Wien nicht kennenlernen. Genussvoll voranschreiten, verweilen, Atmosphäre aufsaugen, einkehren – die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten ist unbeschränkt. Franz Wille hat mit seinem Wanderführer ein handliches Buch erstellt, das in jede Tasche passt und immer schnell und übersichtlich Auskunft gibt, wo man ist und was es zu erkunden gilt.

Puntarelle & Pomodori

Puntarelle und Pomodori

Puntarelle e Pomodori – klingt nach Lausbubengeschichten aus Italien. Der kleine Puntarelle und sein Freund Pomodori machen es den Händlern in der Straße um die Piazza del Popolo nicht leicht sie zu mögen. Laut lärmend machen sie ihr Viertel unsicher, immer irgendeinen Schabernack ausheckend fallen sie über Gemüsestände, prall gefüllte Obstauslagen und die Süßigkeiten her.

So weit gefehlt, ist es dann doch nicht. Puntarelle ist auch als Vulkanspargel bekannt und Pomodori sind Tomaten. Und um die geht es bei Luciano Valabrega. Vor allem um deren Zubereitung. Ein Kochbuch also?! – Auch! Vor allem aber ein Buch zum Schwelgen, lesen, Lippen lecken und nachkochen. Luciano Valabrega beschreibt sein Leben, vor allem aus kulinarischer Sicht. Als Kind jüdischer Eltern gab es auch für ihn eine Zeit, in der Schweigen mehrzählte als ein gefüllter Magen. Die Händler des Viertels in Rom, in dem die Familie lebte versorgten ihn und seine Familie mit allerlei Lebensmitteln. Nachdem die Faschisten mit eingekniffenem Schwanz die Regierungsbank und die Straßen räumten, begann für sie alle ein neues Leben. Doch die Verbindungen von einst hielten und halten bis heute.

Die Obstlerin Trieste hatte immer die besten Früchte, Arnaldo das feinste Fleisch und Feinkosthändler Ruggero sorgt für den Rest des gedeckten Tisches.

Zu dieser Zeit begann Luciano Valabrega die Ereignisse zu Tisch niederzuschreiben. Nun lässt er den Leser an der gedeckten Tafel platznehmen. Das Aufgetischte ist so typisch italienisch, dass es einem schon beim bloßen Lesen der Gerichte das acqua im bocca zusammenlaufen lässt.

Er belässt es aber nicht bei einer schnöden Essenseinladung. Schwungvoll – wir sind schließlich in Italien! – gibt er noch die eine oder andere Anekdote zum Besten. Und gibt Ratschläge, wo in Rom man am besten welche Zutat einkauft. Rogen zum Beispiel für die Bottarga: In den Feinkostläden im Zentrum, beim Sarden, in der Nähe der Synagoge. Beim nächsten Rom-Besuch sollte man mal schauen, ob das stimmt.

Was wäre Italien, Rom ohne Pasta? Wie Hamburg ohne Fischbrötchen, London ohne Fish ‘n Chips, Wien ohne Schnitzel – nur die Hälfte, wenn überhaupt. Die Hingabe, mit der Luciano Valabrega Puttanesca, Amatriciana, Carbonara und Arrabiata bzw. deren Zubereitung beschreibt, macht die Menüwahl für die kommenden Tage zu einer leichten Aufgabe. „Puntarelle & Pomodori“ ist ein Appetitmacher. Ein Appetitmacher auf leckeres Essen, auf Italienurlaub, auf einen Rom-Trip, den man so wahrscheinlich nie machen würde.

Hawaii

Hawaii

Es gibt unzählige Arten des Reisens. Individuell, pauschal, per pedes, mit dem Auto oder Rad, Abenteuer, sportlich, gediegen, Badeurlaub, Bergwandern und so weiter. Da muss man schon wissen zu welcher Kategorie man selbst zählt, um am Ende nicht enttäuscht zu sein. Oder man wählt ein Ziel, dass all diese Arten des Reisens in sich vereint. Wenn man nicht permanent auf Achse sein möchte, um ein paar Stunden das Eine, und einige Zeit später das Andere tun zu können, empfiehlt es sich eine Destination zu suchen, die nicht sonderlich groß ist. In Kanada beispielsweise kann man all das erleben. Aber die Entfernungen lassen das Zeitbudget doch ziemlich schnell zusammenschrumpfen. Der südliche Nachbar hat da schon einiges mehr zu bieten. Aber auch nicht auf dem Festland, sondern weit weg. Im Pazifik. Hawaii!

Oh ja, da werden Träume wieder wach. Wie einst Thomas Magnum über die Straßen düsen. Oder – ebenfalls wie der sympathische Privatermittler – auf den Wellen das Träumen wieder lernen. Sich körperlich verausgaben. Eine grandiose, teils einzigartige Natur genießen. Mit exotischen Früchten dem Hunger begegnen. Dem Auge eine echte Aufgabe geben. Doch so richtig weiß man kaum etwas über diese Inselgruppe, die in jedem Fernweh verursacht.

Dafür gibt es ja die Reisebände vom Iwanowski-Verlag. Wer Hawaii auf eigene Faust erleben will, braucht neben einem Ticket nur noch dieses Buch. Wer nach stundenlangem Flug endlich auf Hawaii, Maui, Molokai, Lanai, Oahu, Niihau oder Kauai angekommen ist, findet sich im Paradies wieder. So viel zum Klischee. Jetzt heißt die verbleibende Zeit so zu nutzen, dass man im besten Fall den Rest seines Lebens davon zehren kann.

Die achte komplett neu überarbeitete Auflage hat viel Neues zu bieten. Allem voran Armin Möller, der neue Co-Autor. Der versierte Journalist hat mit Ulrich Quack dieses Buch um das Kapitel „Hawaii per Schiff“ ergänzt. Vom Meer aus wird der gewünschte Eindruck der Inseln nicht nur bestätigt, er brennt sich wie ein Mal ins Hirn.

Wer Hawaii von Europa aus besucht, muss planen. Denn mal eben schnell in den Pazifik ist bei einer Flugdauer von fast einem Tag nicht drin. Und dann noch der Jetlag. Der Reiseband gibt auf den ersten Seiten einen kompakten Überblick über die Entwicklung der Inseln, gefolgt von nützlichen Tipps wie man sich verhält, was man tun und lassen sollte, wo es Hilfe gibt … alles (und das ist wörtlich zu nehmen), was man braucht, um sorgenfrei entspannen zu können. Besonders hilfreich ist der grün unterlegte Abschnitt „Was kostet Hawaii?“, in dem Preise auf Hawaii bekannt gegeben und verglichen werden. Praxisnah! Wer noch Inspiration braucht, wird ab den folgenden Seiten mit Ausflugstipps, komplett ausgearbeiteten Touren und Hintergrundinformationen regelrecht ins Reisefieber getrieben.

Zum Buch gehören ganz klassisch ein kleine Landkarte sowie ein kostenloser Download aller abgedruckten Karten als pdf-Dateien.

Gebrauchsanweisung für Rom

Gebrauchsanweisung Rom

Gleich zu Beginn fühlt die Autorin Birgit Schönau den Leser auf dem Zahn. Das Buch ist gar keine Gebrauchsanweisung! Wie soll man denn eine Stadt gebrauchen? Schon kurze Zeit später wird klar, dass sie den Römer Humor schon ganz und gar verinnerlicht hat. Ja, den gibt es wirklich, den Römer Humor. Erzählen wird sie ihn das gesamte Buch hindurch und darüber hinaus. Wer meint Rom zu kennen scheint, es immer wieder mit seiner Anwesenheit beehrt hat, die unzähligen, kleinen, versteckten Geheimtipps kennt, wird hier eines Besseren belehrt. Denn Birgit Schönau ist Römerin, zugereist, aber dennoch Römerin. Sie kennt Rom so, wie nur die paar Millionen, die darin wohnen. Doch selbst unter ihnen sticht die Autorin noch heraus. Eine Wanderung durch die Stadt mit den vielen Beinamen führt mit ihr zu einem echten Wissensrausch.

Sie beginnt ihre Rundgänge an Orten, die man erstmal auf sich wirken lassen muss. Auf den Piazze wie der Piazza Navona, Piazza San Pietro oder Piazza Venezia. Vor dem geistigen Auge lässt man sie Revue passieren, verharrt in Erinnerungen. Dann beginnt das, was sich viele nicht trauen: Hinter die Kulissen zu schauen. Hinein in die guten Stuben, die Hinterhöfe betreten, die Geschichte(n) aus der Versenkung holen.

Birgit Schönau ist keine Reiseleiterin, die zum Zeichen des Erkennens einen Schirm hochhält, damit die tumbe Traube von Menschen ihr folgen kann und sie ihren Lehrstoff stumpf herunterbetet. Birgit Schönau ist die Geschichtenerzählerin, die zufällig auch Wissen vermittelt. Nur Wenige hatten das Glück so einen Lehrer zu haben. Mit grandezza und passione weht die Autorin durch die Gassen und Jahrtausende und lässt keinen Besucher / Leser zurück. Jedes Kapitel ist ein Füllhorn an Kurzweil und brisanten Histörchen. Päpste und arbeitsunwillige Nachbarn erhalten die gleiche Aufmerksamkeit wie die Trattoria um die Ecke oder der Messerschleifer.

Und – liebe Männer, aufgepasst! – sie spricht über Fußball. Nicht weil, sieSchulball von Fußball unterscheiden kann und deswegen meint Sportjournalistin zu sein, sondern weil sie sich wirklich auskennt. Mehr als so mancher, der bei AS Roma wie in Trance die Spieler anfeuert. Sie kennt das ganze Drumherum wie nur Wenige. Zum Beispiel weiß sie, wann das pane e porchetta am besten schmeckt…

Wer Rom besucht, braucht Hilfe. Die Fülle an Sehenswürdigkeiten erschlägt einen sonst. Kurze Momente der Ruhe werden mit diesem Buch mit Lokalkolorit aus erster Hand bereichert. Erst wer die Menschen der Stadt versteht, ihre Macken kennt, den Rhythmus verinnerlicht hat, wird Rom wirklich kennen. Birgit Schönau ist die Art von Reiseleiterin, der man am liebsten nicht von der Seite weichen möchte. Voller Elan führt sie den Leser durch die Ewige Stadt ohne hektisch zu werden.

Gebrauchsanweisung für das Burgenland

Gebrauchsanweisung Burgenland

Das Burgenland ist das zweitkleinste Bundesland Österreichs. Und das Jüngste. Es grenzt ans die Slowakei, Ungarn und Slowenien. Das sind die wichtigsten Fakten, die Touristen aber eher als Nebeneffekt weitgehend unerheblich erachten. Darin sind sich auch die beiden Autoren Martin und Andreas Weinek einig. Denn nur durch die geographische Lage lässt sich der Reiz des Burgenlandes nicht näherbringen. Sie kommen diesem Reiz über die Menschenauf die Spur. Denn der Burgenländer hat fünf Seelen – glaubt man dem Autorenpaar.

Die erste Seele ist die kulinarische. Zuerst räumen die beiden mit dem Vorurteil auf, dass hier immer noch die einstige XXL-all-inclusive-Küche ihr El Dorado hat. Das war einmal. Unter dem zu viel propagierten Schlagwörtern saisonal und regional wird hier gekocht, gebrutzelt und geschlemmt. Und vor allem verwöhnt. Wem beim Lesen schon das Wasser im Munde zusammenläuft, der kann eines der abgedruckten Rezepte gern selber ausprobieren. Sozusagen als Einstimmung auf zwei Wochen Burgenland. Oder im Anschluss als lukullische Aufarbeitung oder genüssliches Gedächtnistraining. Eine Besonderheit sollte jede Region aufweisen können. Hier im Burgenland ist es der Uhudler. Man kann die Zunge noch so sehr verdrehen, es findet sich kein hochdeutsches Pendant dazu. Der Uhudler ist eine Weinsorte, die es nur hier gibt. Erst seit den frühen Neunzigern darf er wieder angebaut und hergestellt werden. Doch auch die EU-Bürokraten arbeiten schon wieder an einer Modifizierung, verbieten werden sie ihn wohl nicht können.

Die zweite Seele ist die künstlerische: Joseph Haydn wirkte hier am Hofe der Eszterhazys, Franz Liszt wurde hier geboren. Das allein reicht schon, um sich eine künstlerische Seele ans Revers zu heften. Doch die zahlreichen Festivals, Museen und Veranstaltungen machen das Burgenland zu einer Kulturregion.

Unternehmungslustig sans auch, die Burgenländer. Das ist die dritte Seele. Bei solchen Ausflugszielen kein Wunder. Neusiedler See, mittlerweile Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, unberührte Wiesen, auf denen man noch ganz old school Schmetterlingen hinterherjagen kann oder … ach was, die Zahl an Möglichkeiten geht schier ins Unendliche.

Fehlen noch zwei Seelen. Die Dunkle und die Versöhnliche. Nach so viel Sonnenschein auch Schatten? Nicht unbedingt. Das Autorenduo Weinek lässt – wie im gesamten Buch – hier der künstlerischen Seele (!) freien Lauf. Nicht alles, was in diesem Buch geschrieben steht, sollte man auf die Goldwaage legen. Ironisch und informativ sind nur zwei Attribute, die man diesem Buch auf keinem Fall absprechen wollte. Übrigens, Burgen gibt es hier auch!

Wenn man die fünf Seelen der Burgenländer sich erlesen hat, ist es nur noch ein Katzensprung ins Burgenland. Man ist bestens präpariert, um das einstige Bollwerk am Eisernen Vorhang zu erleben. Die „Gebrauchsanweisung für das Burgenland“ versteht sich nicht als Reiseführer im herkömmlichen Sinne, es ist das Buch, das man braucht, um die Bilder im Kopf ins rechte Licht zu rücken. Viele Zeilen geben erst vor Ort ihre wahre Bedeutung preis. Die ideale Zusatzlektüre zum Reisebuch!

22 schönste Radeltage an Main und Tauber

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Über achthundert Kilometer mit dem Rad? Da braucht man schon mehr als stramme Waden. Zum Beispiel damit aus den 861 Kilometern nicht schnell doppelt so viele Kilometer werden, braucht man mindestens einen Reiseband, der einem kenntnisreich an die schönsten Orte führt. Zugegeben an Main und Tauber ein leichtes Unterfangen.

Doch dieses Buch ist kein Reiseband im eigentlichen Sinne. Er ist speziell für Pedalisten konzipiert. Das heißt, dass hier vorrangig die Radwanderwege vorgestellt werden. Wer will schon immer einen nervösen Bleifuß hinter sich spüren? Neunzehn Touren werden vorgestellt – im Titel stehen doch zweiundzwanzig, fehlen da nicht drei? Nein, denn so manche Tour ist nur für geübte Pedalritter an einem Tag zu schaffen. Aber dieses Buch ist kein Reiseband für sportive Kilometerschinder, sondern für alle, die rollend sich an Flora und Fauna erfreuen wollen. Ab und zu mal etwas kräftiger in die Pedale treten kann nicht schaden, doch hier stehen die Erlebnisse links und rechts der Touren im Vordergrund.

Die beiden Autoren kennen die Gegend zwischen Würzburg, Tauberbischofsheim, Rothenburg ob der Tauber und Aschaffenburg in- und auswendig. Besonders die exzellent erschlossenen Radwege. Und sie wissen, was man beachten muss und wo man einkehren kann.

Jede Tour wird zu Beginn kurz vorgestellt: Länge und Profil der Strecke werden kurz skizziert, so dass jeder einschätzen kann, ob diese Tour machbar ist oder in Etappen in Angriff genommen werden muss. Eine Tour ausfallen lassen, erübrigt sich, da jeder Ausflug, jeder Abschnitt sehens- und erradelnswert ist.

Wer die einzelnen Streckenpunkte genauer erkunden will, für den sind die farbig abgesetzten Kästen im Buch eine willkommene Abwechslung. Hier werden dem Leser, der von nun an nur noch radeln will, einige Hintergrundinfos geliefert. So erfährt man auch, wo Schneewittchen wirklich zu Hause war oder was es mit Grünkern auf sich hat.

Ob allein, zu zweit oder in Familie – Radeln ist eine Wohltat für Körper und Geist. Ganz abgesehen vom ökologischen Aspekt. Wer sich klimatisiert auf vier Rädern fortbewegt sieht viel, wer die müden Knochen in Bewegung hält, hält auch Augen und Ohren offen. Und sieht noch mehr. Kann beim Entschleunigen die Zeit vergessen und sich an Main und Tauber vom Reiz der Landschaft gefangen nehmen lassen.

In Liebe, Muschelkalk

In Liebe, Muschelkalk

Muschelkalk, ein ungewöhnlicher Kosename für eine Frau, um die man sich so bemüht hat und die man bedingungslos liebt. Ja, Hans Bötticher ist um einiges älter als sie, Leonharda Pieper. Doch was ist so besonders an ihr und den beiden, dass ihnen eine Biographie gewidmet wird? Nun, Hans Bötticher war Humorist im besten Wortsinne und als Joachim Ringelnatz schon zu Lebzeiten bekannt und geschätzt. Und hätte sich ohne seinen Muschelkalk bei Weitem nicht so frei entfalten können wie er es tun konnte.

Muschelkalk war die Tochter eines Bürgermeisters aus Rastenburg in Ostpreußen, aus gutem Hause wie man so sagt. Als junges Mädchen ging sie nach Eisenach, um Französisch und Englisch zu lernen. Ihre Mentorin war mit eben diesem Hans Bötticher bekannt. Der war erst gar nicht so sehr angetan von der jungen Maid am dem Osten. Der nicht gerade als Kostverächter bekannte Hans hatte hier und da seine Liebeleien, eine Eigenschaft, die er ein Leben lang nicht ablegen konnte. Doch fanden Muschelkalk und Bötticher dennoch zusammen.

Der verlorene Krieg verbot es Kriegsteilnehmern sich an dem Ort niederzulassen, an dem sie zuvor tätig waren. Ringelnatz – wie er sich schon bald nennen wird – muss eine gut bezahlte Stelle aufgeben. Muschelkalk arbeitet im hunderte Kilometer entfernten Godesberg im Rheinland. Ihre neue Heimat wird München. Hier tritt Ringelnatz auf, schreibt und ist so was wie eine lokale Berühmtheit. Das erlaubt ihm Muschelkalk zu sich zu holen. Bald wird geheiratet.

Ihr Leben ist von fast vollkommener Harmonie geprägt. Er bringt das Geld nach Hause (oft reicht es dennoch nicht), sie wird zur Hüterin der guten Stube. Eine Aufgabe, die sie erst lernen muss. Er schreibt ihr herzige Briefe von unterwegs, sie lernt kochen, waschen und den Haushalt führen. Seine Liebschaften verzeiht sie ihm, denn er ist es, der ihr das Leben zeigt. Aus heutiger Sicht ein eher unzumutbarer Zustand, doch befinden wir uns in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Nach mehreren Schicksalsschlägen binnen weniger Jahre – die eine Schwester ertrinkt, eine andere begeht Selbstmord, der Vater stirbt – muss Muschelkalk auch ihren geliebten Joachim Ringelnatz ziehen lassen. Die Nazis hatten ihm Auftrittsverbot erteilt, die Einnahmen schwinden rapide. Ein Jahr nach der Machtergreifung Hitlers verstirbt Ringelnatz.

Muschelkalk hat zu diesem Zeitpunkt Kaiserreich, Krieg, Republik, Inflation und aufkommenden Nationalismus erlebt – immer starke Männer an ihrer Seite – da ist sie gerade mal Mitte dreißig. Kurz vor der Hälfte ihres Lebens.

Sie arbeitet in Berlin als Lektorin für Rowohlt, übersetzt Thomas Wolfe, zu dessen Ruf in Deutschland sie entscheidend beigetragen hat. Kurze Zeit später heiratet sie erneut. Julius Gescher, Arzt und Freund, der Ringel und Muschelkalk schon vor Jahren kennenlernte. Doch er überlebt den Krieg nur wenige Tage.

Den Nachlass von Joachim Ringelnatz verwalten, den Dichter nicht in Vergessenheit geraten lassen, wird ihre große Aufgabe. Immer wieder gibt es Ringelnatz-Abende und Neuauflagen mit seinen Werken. 1977 stirbt auch Leonharda Ringelnatz, geborene Pieper, Muschelkalk genannt. Sie wird im Grab ihres zweiten Mannes begraben. Ringelnatz‘ Grab ziert seit jeher eine Platte aus … Muschelkalk.

Barbara Hartlage-Laufenberg gibt der besseren Hälfte Ringelnatz‘ ein Gesicht und eine Stimme. Bis war sie unbekannt, selbst Wikipedia erwähnt sie nur im Zusammenhang mit anderen Artikeln. Sie war mehr als nur die Frau hinter dem großen Dichter. Ihr ist es zu großen Teilen zu verdanken, dass bis heute Ringelnatz-Abende veranstaltet werden und der Dichter hüben wie drüben nicht in Vergessenheit geraten ist.