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Die geheimnisvolle Welt der Pilze

Die geheimnisvolleWelt der Pilze

Auch wenn dieses Buch für Kinder geschrieben ist, so ist es nicht allein nur für Kinder gemacht. Auch die Erwachsenen können – ja, sie sollten – dieses Buch in die Hand nehmen bevor es in die Pilze geht. „Das Natur-Mitmachbuch…“ heißt es im Untertitel. Eigene Aufzeichnungen und Bilder sind in diesem nicht nur willkommen, sie sind wichtig, um dieses Buch zu komplettieren. Ein unfertiges Buch? Nein, aber die eigenen Aufzeichnungen machen es erst zu einem wertvollen Nachschlagewerk, das jede Pilzsaison immer wieder zu Rate gezogen werden kann.

Pilze wachsen nicht in Konservendosen, sondern in der freien Natur – für viele die erste Erkenntnis. Gleich auf Seite Sechs ist der Leser zum ersten Mal gefragt. Wo wurden die ersten Pilze gefunden? Da viele Angst vor den schwer zuzuordnenden Pilzen haben, war es für die Autoren Frank Lüder wichtig diese Angst zu nehmen. Pilze kann man anfassen, essen nicht. Schon gar nicht roh!

Wer durch den Wald stromert, wird früher oder später auf den einen oder anderen Pilz stoßen. Was nun? Anschauen erwünscht. Anfassen – dass weiß der Leser ja schon – erlaubt. Abbrechen – muss nicht sein. In den Mund nehmen – bloß nicht, wenn man nicht weiß, welcher Art der Pilz angehört! Aufschreiben, wann und wo man den Pilz gefunden hat: Erwünscht!

Die detektivische Pilzreise trägt die ersten Früchte, wenn man liest, dass manche Pilze nur an bestimmten Bäumen leben können. Kleine Rätsel machen die Jagd zu einer echten Wissensreise. Die Lösungen gibt es am Ende des Buches.

Ein kleines Einmaleins der Speisepilze, den richtigen Umgang, Arten, Merkmale, Regeln beim Sammeln und viele andere Kriterien rund ums Pilzesammeln führen den Leser in die geheimnisvolle Welt der Pilze ein. Ob nun Groß oder Klein jeder wird mit jeder gelesenen Seit zum Experten. Immer wieder kann (und sollte) man eigene Entdeckungen niederschreiben. Wenn das Buch in der ersten Saison nicht vollständig wird, hat man in der Folgezeit immer wieder die Möglichkeit die Seiten zu vervollständigen.

Dieses Buch ist ein Buch für Generationen. Jede Aufzeichnung trägt dazu bei das angeeignete Wissen zu konservieren und auszubauen. Die zahllosen Abbildungen erlauben eine genaue Bestimmung und Einordnung der Funde. Und selbst, wenn man nicht die nötige Sorge walten ließ, gibt es in diesem Buch Hilfe unter anderem in Form von Links zum richtigen Verhalten bei Vergiftungen.

Man möchte immer lachen und weinen in einem

Man möchte immer weinen und lachen in einem

Ein Tagebuch zu schreiben ist der erste Schritt den Alltag und die Träume in Worte zu fassen. Ein Deutscher nutzt ca. sechs- bis zwölftausend Worte, um sich zu artikulieren. Bei über fünf Millionen verfügbarer Begriffe keine überzeugende Leistung (bis hierhin wurden etwas über dreißig verwendet…). Wenn ein (aus-)gebildeter Philologe Tagebuch schreibt, kann man davon ausgehen, dass er eher an der Obergrenze agiert. Victor Klemperer – auch wenn man es nicht nachzählt – hatte sicherlich einen Wortschatz, der locker die Zwölftausend-Worte-Grenze überwindet.

Sechs- bis zwölftausend Worte sind genug, um die eigenen Gefühle festzuhalten. Bei historischen Ereignissen wie das der letzten gewalttätigen Revolution des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland 1918/19 erfordert das Ereignis allein Grenzen zu überschreiten. Victor Klemperer, der sprachgewaltige Sprachwissenschaftler und Humanist hatte die Möglichkeit seine Gedanken zur Zeitgeschichte zu veröffentlichen. Doch nicht alle Texte sind einem breiten Publikum zugängig gemacht worden. Oft konnten sie nicht veröffentlicht werden, da sie nicht rechtzeitig bis Redaktionsschluss vorlagen. So versauerten sie in Schubladen und der Zahn der Zeit ließ sie allmählich in Vergessenheit geraten. Bis jetzt!

Ab Dezember 1918 schrieb er einige Monate lang für Zeitungen über die Ereignisse in München, Stichwort Räterepublik. Die Ermordung Kurt Eisners, die Stammtischtiraden der Arbeiter und der „ganz normale Alltag“ werden erst durch die Sprachgewalt Klemperers für all die greifbar, die nicht direkt dabei waren.

Victor Klemperers Sympathie ist klar, das zeigt er deutlich. Dennoch vermeidet er es sich von einer der Seiten einnehmen zu lassen. Zwischen-den-Zeilen-lesen muss der Leser schon können. Schon nach wenigen Seiten ist man derart im Stoff, dass einem die teils zum ersten Mal veröffentlichten Texte wie ein Roman vorkommen. Nur mit dem Unterschied, dass hier ein Tagebuch gelesen wird. Alles ist so passiert. Victor Klemperer war zu dieser Zeit noch nicht der angesehene Philologe, sondern als Journalist vor Ort. Viele der in diesem Buch zusammengetragenen Texte schafften es – aus Zeitgründen – nicht in die Gazetten der Zeit, manche wurden im Nachgang erst Jahrzehnte später erstellt. Sie alle vermitteln dem Leser ein exaktes Abbild der Situation, in der sich das geschlagene Deutschland zu dieser Zeit befand: Zerstörung, Verstörung, Irreleitung, teil Anarchie, blinder Aktionismus, rohe Gewalt. Doch auch Hoffnungsschimmer, Lichtstahlen und Aufbruchstimmung. Chirurgisch seziert er die Ereignisse, die er selbst erlebt hat, gibt nichts auf Hörensagen.

Nach dem das vergangene Jahr vermeintlich im Zeichen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges stand, Zeitzeugen wie Sand am Meer ausgebuddelt wurden, ist das Revolutionstagebuch ein intellektueller Vorgeschmack auf das Jahr 1919. Aber einer, der Appetit macht auf Deutschstunde und Geschichtsunterricht. Am Ende des Buches wird der Titel klar: Wein oder lachen? Lachen, weil man nun ein klareres Bild hat. Weinen, weil das Buch schon ausgelesen ist.

Matterhorn – Berg der Berge

Matterhorn - Berg der Berge

Samstagabend. Irgendwann in den 80ern. Hans-Joachim Kulenkampff führt elegant und charmant durch seine Sendung „Einer wird gewinnen“. Zwei Kandidaten – einer aus Finnland, mit gewaltigen Sprachschwierigkeiten – sollen anhand von Umrissen den Berg benennen. Den Fujiyama erkennen beide. Mount Everest, Mont Blanc .. da wird’s schon schwierig. Den Berg, den beide sofort erkennen, ist das Matterhorn. So einen Berg gibt es nur einmal. Vom schweizerischen Zermatt gesehen, sieht er aus wie eine unfertige Sphinx. Bergsteiger haben einen riesigen Respekt und nennen ihn nicht umsonst den Berg der Berge.

Mitte Juli 1865 wurde er nach achtzehn glücklosen Versuchen endlich erklommen, bezwungen. Nur ein paar Tage später sogar zum zweiten Mal. Sieben Bergsteiger nahmen – einige nicht zum ersten Mal – das bis dato unmögliche Unterfangen in Angriff. Drei kamen zurück, drei konnten nur noch tot geborgen werden. Einer ist bis heute verschwunden.

Wie ein riesiges Toblerone-Stück thront der Berg inmitten der Alpen in der schweizerisch-italienischen Grenzregion. Cervino nennen ihn die Italiener, die Walliser Hore. Einhundertfünfzig Jahre ist es nun her, dass die 4478 Meter von Menschenhand erobert wurden. In einer Zeit, in der es chic war Abenteuer zu planen, zu vermarkten und natürlich zu bestehen. Viele sind an diesem Berg zerbrochen, sprichwörtlich und buchstäblich.

Daniel Anker setzt diesen Menschen und ihrer Nemesis mit diesem Buch ein Denkmal. Als Bergsteiger kennt man so manche Geschichte über die die verschiedenen Herangehensweisen: Hörnligrat, Liongrat, Zmuttgart, Furggengrat. Man kennt auch die vier Wände, Ost-, West-, Nord- und Südwand. Die eine oder andere Anekdote sollte eingefleischten Alpinisten auch bekannt sein. Doch so konzentriert und umfangreich wurde das Matterhorn noch nie dargestellt. Die ewigen Kontrahenten, Werkzeuge, vergebliche Versuche, all die namenlosen Gescheiterten bekommen hier den Ruhm, der ihnen gehört. Und wer, wenn nicht der AS-Verlag aus Zürich sollte dem Walliser Naturdenkmal ein Denkmal setzen können. Schließlich ist hier das Heim der Bergmonographien. Höchste Zeit auch dem Matterhorn die nötige Ehre zu erweisen.

In einer Zeit, in der immer wieder gern auf Althergebrachtes als Neues verkauft wird, hat dieses Buch auch einen pädagogischen Charakter: Wenn also in naher Zukunft in einer Quizshow anhand von Umrissen ein Berg erkannt werden muss, oder noch etwas mehr Wissen dazu abgefragt wird, hält man mit diesem Buch den Hauptgewinn in den Händen. Auch wenn der Quizshow-Fall niemals eintreten sollte, so ist dieses Buch eine Augenweide: Die oft doppelseitigen Abbildungen lassen die Augen aufspringen und Fans wie Profis das Herz aufgehen.

Verkannte Pioniere

Verkannte Pioniere

Schnell noch Licht machen, einen Anruf tätigen und die Hände waschen. Alltägliche Vorgänge, die so natürlich sind, dass es schwer fällt sie zu beschreiben. Auf wen die Handlungen, und somit auch die Erfindungen – Hände waschen dient auch der Desinfektion – zurückgehen, mag kaum jemand zu erklären. Viele Erfinder sind eng mit ihren Entdeckungen verbunden. Das Auto mit Carl Benz, das Telefon mit Alexander Graham Bell oder die Dampflok mit Robert Stephenson. Ja, das sollte man meinen. Doch die Geschichte hat uns gelehrt, das selbige immer von den Gewinnern geschrieben werden.

Dieses Buch erzählt die Geschichte derer, die meist im Schatten standen bzw. nie in den Genuss des Sonnenglanzes kamen. Maximal posthum. So wie Nikola Tesla. Heute ist eine Elektroautofirma nach ihm benannt. Zu Lebzeiten (1856 – 1943) galt er als größenwahnsinnig. Nach ihm ist die Maßeinheit für die magnetische Flussdichte benannt. Er war der Gegenspieler Thomas Alva Edisons. Der wiederum war berüchtigt nicht gerade zimperlich mit seinen Feinden umzugehen. Tesla galt als Entdecker des Zweiphasen-Wechselstroms. Wer also heute ein elektrisches Gerät einschaltet, hat dies auch Nikola Tesla zu verdanken. Edison war ein Verfechter des Gleichstroms. Das wäre ein Flackern, wenn sich Edison durchgesetzt hätte.

Wer kennt schon Siegfried Marcus? Auch wenn sich die Gelehrten nicht ganz einig sind, kann man auch ihn als einen der Väter des Automobils bezeichnen. Leider sind nicht alle seine Aufzeichnungen erhalten, so dass es bis heute immer wieder heftige Diskussionen gibt, ob nun er oder doch Carl Benz zum ersten Mal ein Auto erbaut haben. Fakt ist, dass, wer heute den Zündschlüssle herumdreht auch Siegfried Marcus danken sollte, dass er nicht mehr kilometerweit zur Arbeit laufen muss.

Man eine Stadt hat ein Semmelweis-Straße. Straßennamen nimmt man ebenso hin wie die Tatsache, dass es im Krankenhaus sauber ist. Das war nicht immer so. Ignaz Philipp Semmelweis hatte die hohe Sterblichkeit von Säuglingen in Krankenhäusern untersucht. Und kam zu dem Ergebnis, dass dort die Ärzte teilweise dafür verantwortlich gemacht werden können. Teufelszeug! Unfug! Die Halbgötter in Weiß tobten. Doch Semmelweis hatte recht, deswegen wird seit rund eineinhalb Jahrhunderten in den Gesundheitstempeln desinfiziert wo es nur geht. Semmelweis erntete mit seinen Forschungsergebnissen nur Hohn, Spott und Ablehnung.

„Verkannte Pioniere“ setzt den Verlierern der Wissenschaft ein Denkmal. Viele erlangten kurzzeitig Ruhm, wurden über den Tisch gezogen, verstoßen und verhöhnt. Armin Strohmeyr rückt ihre Leistungen wieder in den Sonnenschein des öffentlichen Bewusstseins.

Katalonien

Katalonien

Es gibt Dinge, die gehören einfach zusammen. So wie der FC Barcelona (inkl. dem beeindruckenden Camp Nou) und Lionel Messi. Oder ein Besuch der Sagrada Familia in Barcelona. Und eine Reise dorthin und ein Reiseband vom Michael-Müller-Verlag. Nur mal so als Beispiel. Die Region Katalonien verbindet man meistens mit der vorgefassten Meinung, dass die Katalanen nur eines im Sinn haben: Ihre Unabhängigkeit. Unabhängigkeit und Zusammenpassen – das sind zwei Stichworte, die man bei der richtigen Reiselektüre unbedingt beachten sollte. Denn nichts ist schlimmer als nach der Reise – wie auch immer – erfahren zu müssen, dass man was verpasst hat. Da gibt’s doch was von r…, nee vom Michael Müller Verlag.

Besser gesagt von Autor Thomas Schröder. Liest man sich die Liste von Reisebüchern durch, wird schnell klar: Thomas Schröder kennt sich aus im Süden, eine echte Wasserratte ist er, und das Reisen mit der für seinen Berufsstand typischen Angewohnheit über das Erlebte zu schreiben, liegt ihm am Herzen. Mediziner wissen, dass es ihm demzufolge auch im Blut liegt. Was darf man nun von einem fast fünfhundert Seiten starken Reiseband erwarten, der reichlich dreißigtausend Quadratkilometer dem geneigten Leser nahebringen will? Um es kurz zu machen – der Appetit kommt beim Lesen! Katalonien hat es im Gegensatz zum vergleichbar großen Mazedonien kaum nötig für sich zu werben. Die Touristen kommen eh in Scharen. Thomas Schröder wirbt auch nicht. Er stupst mit Frohsinn und Ortskenntnis den Leser ins Elysium der mediterranen Annehmlichkeiten. Er verzichtet – was eine echte Wohltat ist – auf die Aufzählung der massenhaft vorhandenen Kirchen, Burgen und sonstiger Ruinen der Geschichte. Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Alle wichtigen architektonischen, historischen und durchaus sehens- und besuchswerten Hinterlassenschaften sind im Buch sehr wohl vermerkt. Doch Katalonien auf steinerne Monumente beschränken zu wollen, wäre fahrlässig und auf Dauer echt penetrant. Denn Katalonien besucht man nicht nur einmal. Genauso wie man dieses Buch auch nicht nur einmal durchliest. Man könnte fast schon einen extra Platz im Flieger reservieren, so sehr wird einem der Reiseband ans Herz wachsen.

Für ganz Wissbegierige gibt es den typischen Michael-Müller-Service mit prägnanten Tipps zu Unterkunft, Einkehr und zum sonstigen Geldausgeben. Den Anfang bildet eine seitenlange Einführung in Landeskunde und Geschichte. Dieses Buch ist eben mehr als nur ein Reiseband, den man sich vorher mal kurz durchblättert, Katalonien vom Wunschkatalog der Reisen streicht und dann als Staubfänger im Regal ein Eremitendasein fristen lässt.

Wer es abseits von Neckermann und anderen Konzernen diesen Landstrich erkunden will und Katalonien für sich selbst erobern will, braucht Hilfe. Die ist 492 Seiten stark und – auch wenn das sicher keinen Einfluss auf die Reisewahl hat – klimaneutral produziert. Apropos Nachhaltigkeit: Besonderes Augenmerk legt Autor Thomas Schröder auf eben solche Betriebe, denen Kurzsichtigkeit ein Dorn im Auge ist. Wie wär’s denn mal mit einer umweltfreundlichen Reise? Katalonien bietet da mehr als Fast Food und globale Café-Ketten in einer Millionenmetropole. Dieses Buch ist für alle, die das erleben wollen, was nörgelnde All-Inclusive-Früh-Am-Morgen-Schnell-Noch-Die-Liege-Mit-Dem-Handtuch-Belegende-Sich-Im-Recht-Fühlende Sonnenbrändler verpassen werden.

Das Einzige, was man dem Autor vorwerfen kann, ist, dass nicht gleich noch einen Reisegutschein für vier Wochen Katalonien beigelegt hat…

Das Jahrhundert der Manns

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Heinrich, Thomas, Katia, Klaus, Erika, Golo, Michael, Monika, Viktor, Elisabeth und viele andere mussten ihr Leben lag ihren Mann stehen. Der Name Mann hatte und hat Gewicht. Wenn man Picasso als DEN Maler des 20. Jahrhunderts bezeichnet, so sind es die Manns, die mit ihren Schriften dieses Jahrhundert prägten, und deren Wirkung bis heute anhält. Ihnen ein Denkmal zu setzen, ist kein leichtes Unterfangen. Manfred Flügge ist ein ausgewiesener Experte, wenn es um Biografien geht. Mit „Das Jahrhundert der Manns“ schafft er es dem Werk der Manns mehr als gerecht zu werden.

Die Brüder Heinrich und Thomas Mann waren nicht von Geburt an zum Schreiben geboren. Kaufleute in Lübeck waren die Eltern, so sollten es auch die Söhne werden. Doch der Tod des Vaters und der Ruin der Firma wirken im Nachhinein wie ein Wink des Schicksals. Nicht nur, dass beide große Schriftsteller wurden, Thomas Manns (eigene) Familiensaga „Buddenbrooks“ brachte ihm 1929 den Literatur-Nobelpreis ein.

Klaus Mann brachte es einmal auf den Punkt, als er seine Familie charakterisierte. Bedeutend, doch alle mit einem Knacks. Der mächtige Übervater und um so viel erfolgreichere jüngere Bruder Thomas war Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil ihm niemand das Wasser reichen konnte, was auch jeder verinnerlichte. Segen, weil der Ruhm des Vaters ein Leben ohne finanzielle Sorgen erlaubte. In München benahmen sich die Mann-Kinder oft daneben. Andere Altersgenossen hatten regelrecht Angst vor ihnen. In einem gerade sich von starren Fesseln lösenden Deutschland waren gerade Klaus und Erika Mann mit ihren offen formulierten Gedanken echte Pioniere. Sie reisten um die Welt, gaben sie Affären hin, spotteten im Kabarett. Die Erziehung ohne Hemmnisse gab ihnen den benötigten Freiraum.

Dass besonders Thomas Mann gern seine eigene Familie in seinem literarischen Werk als Vorlage zu nutzen wusste, ist kein Geheimnis. Durch „Das Jahrhundert der Manns“ werden dem einen oder anderen Leser diese Parallelen offen dargelegt. Auf etwas über vierhundert Seiten lässt Manfred Flügge das vergangene Jahrhundert im Allgemeinen und das der Manns im Speziellen wie in einem Blockbuster Revue passieren. Zahlreiche Anekdoten vermitteln dem Leser das Gefühl in einem wahrgewordenen Roman zu blättern. Doch alles ist echt, alles ist genau so passiert.

Dieses Buch ist mehr als nur eine bloße Abhandlung der Biografien der einzelnen Manns. Hätte schon vor Jahrzehnten der unbedingte Drang nach einer Marke bestanden, wäre der Marketingbegriff „Die Mannschaft“ auf die Familie Mann zugetroffen. Und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Herren hätte sich einen anderen (passenderen) Namen einfallen lassen müssen. Aber auch „Die Manns“ kann man (sicherlich auch Dank Heinrich Breloers Dokudrama aus dem Jahr 2001) getrost als Markennamen gelten lassen.

Donostia / San Sebastian

Donostia - San Sebastian

San Sebastián – Donostia, zwei Namen, eine Sprache, drei Strände. Und unzählige Kochclubs, in denen die Männer endlich mal die Hosen anhaben. Txokos nennen sie sich und lassen mittlerweile auch ab und zu Außenstehende und sogar Frauen mal mitmachen bzw. an den Tafeln teilnehmen. So viel zum Vorurteil Machismo in der spanischen Gesellschaft. Aber die Donostiarras wie sich die Bewohner San Sebastians nennen, der baskische Name der Stadt lautet Donostia, verstehen sich halt eben in erster Linie als Basken.

Susanne Jaspers und Georges Hausemer haben San Sebastian zu einer ihrer Lieblingsstädte auserkoren. Vielleicht hat auch die Stadt sie als ihre Lieblingsbesucher ausgesucht. Bei Georges Hausemer ist das äußerst schwierig, gilt er doch als das, was man landläufig als Weltbürger, zumindest jedoch Weltenbummler bezeichnet.

Die beiden erleben Donostia – bleiben wir bei der baskischen Bezeichnung, denn hier in dieser Stadt ist die baskische Sprache verbreiteter als beispielsweise in Bilbao. Am Abend flaniert man hier gern am Strand. Nicht jedoch ohne sich stilecht herauszuputzen. Nicht übertrieben, das machen Andere. Dezentes Make up und hohe Schuhe für die Damen und der Pullover lässig über der Schulter für die Herren. Um nicht gleich als Touri erkannt zu werden, sollte man sich in diese Verkleidung stecken. Eine Verkleidung ist aber auch nicht nötig, da Gäste generell willkommen sind.

Die beiden Autoren haben keinen Reiseführer im klassischen Sinne geschrieben. Vielmehr ein Handbuch, ein amuse gueule, einen Leitfaden wie man die Zeit in der Stadt am besten zu seinen Gunsten ausfüllt. Zahlreiche Abbildungen, von den Autoren, untermalen die gemachten Aussagen. In Interviews mit Auswanderern (nach Donostia / San Sebastian) geben diese ihre Lieblingsplätze preis und zeigen die Unterschiede zum Leben in ihrer alten Heimat wieder. Fast jedes Kapitel wird mit einem Zitat von Schriftstellern und Reisenden geschmückt. Ernest Hemingway, Hans Christian Andersen oder auch Kurt Tucholsky wussten schon für über die Vorzüge der Stadt zu berichten und zu schwärmen. Den Abschluss bildet ein kleines Baskenland-ABC, das keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Dennoch ist es ein nützliches Werkzeug für alle, die noch unentdeckte Regionen erkunden wollen.

San Sebastian / Donostia ist 2016 zusammen mit dem polnischen Wroclaw Kulturhauptstadt Europas. Die ersten Sonnenstrahlen werfen mit diesem Buch schon mal die ersten Schatten voraus. Schattenseiten gibt es aber hier nicht, denn Donostia ist die glücklichste Stadt der Welt…

City Trip Zürich

Zürich CityTrip

Regelmäßig versuchen sich Ratingagenturen am Katalogisieren der Welt. Bei den teuersten Städten der Welt taucht seit Jahren immer wieder eine Stadt auf: Zürich. Momentan irgendwo um Platz Acht oder Neun. Je nach Untersuchung. Unter dem Schlagwort „Die lebenswertesten Städte der Welt“ rangiert die größte Stadt der Schweiz auf Platz Eins. Tanja Köhler und Norbert Wank wissen warum.

Städte an Seen faszinieren schon allein durch ihre Lage. Das wusste schon die alten Römer und errichteten hier eine Zollstation, Turicum. Bei einem Ausländeranteil von knapp einem Drittel ist es klar, dass hier auch unterschiedliche Kulturen ihren Spuren hinterließen.

Das Erste Kapitel ist mit „Auf ins Vergnügen“ überschrieben. Wohin die Reise geht, ist klar: Egal ob für einen Tag, ein Wochenende, ob als Genießer, Bummler oder Geldbeutelerleichter – Zürich bietet was für alle Sinne. Im Kunsthaus kann man sich an den weniger teuren Skulpturen Giacomettis erfreuen – erst kürzlich wurde der „Zeigende Mann“ für über 140 Millionen Dollar verkauft, Giacometti hält somit Platz Eins und Zwei der teuersten Skulpturen der Welt. Wem das noch nicht reicht, der sollte seinen Zürich-Besuch auf das erste Septemberwochenende legen. Denn dann findet die „Lange Nacht der Museen“ statt.

Nach so viel laufen und Staunen tut ein wenig Erholung gut. Dafür sind die Parkanlagen wie Zürichhorn oder der Belvoirpark an. Auch der Zoo bietet auf 27 Hektar Entspannung und einen herrlichen Blick über Stadt und See. Apropos See: Am Stadthausquai befindet sich das Frauenbad. Und ja, der Name lässt es leise anklingen, es ist nur für Frauen! Seit fast einhundertdreißig Jahren kann man hier planschend den Blick auf Grossmünster und Altstadt genießen.

Große Denker und Dichter hatten schon früh die Stadt für sich entdeckt: Friedrich Gottlieb Klopstock vergnügte sich hier ausgiebig, Gottfried Keller setzte mit seiner „Zürcher Verlobung“ der Stadt ein literarisches Denkmal, Lenin genoss hier ausdauernd sein Exil. Auch Revolutionäre machen mal Pause vom Kampf und erfreuen sich an den bourgeoisen Errungenschaften…

Wer Zürich besucht, braucht Hilfe. Hilfe beim Herausfiltern der zahllosen Attraktionen zwischen Finanzmetropole und lukullischen Höhepunkten, zwischen Shoppingrausch und Museumsbesuch. Die beiden Autoren geben umfassend und knapp zugleich einen kompletten Überblick, was man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen darf. In der letzten Umschlagseite ist der Netzplan des öffentlichen Nahverkehrs abgebildet und für Puristen ein Stadtplan beigefügt.

Schwiizertüütsch

Schwiitzertüütschwww.reise-know-how.de, 144 Seiten, 7,90 €, ISBN 978-3-8317-6406-8

Wenn ein Schweizer in seiner Sprache so richtig loslegt einem was zu erzählen, wird’s für die meisten eng. Nichtschweizer Kabarettisten versuchen sich krampfhaft mit Krächzen und endlosen –lis am Ende der Substantive dem Schwiizertüütsch zu nähern. Sie sind alle zum Scheitern verdammt. Doch keine Angst: Ein echter Schweizer kann auch hochdeutsch.

Dennoch ist es doch gerade eine fremde Sprache, die einen Urlaub zu einem Abenteuer macht. Und ein paar Brocken zu beherrschen, lässt einem doch auch nicht einen Zacken aus der Krone brechen, oder?! Die Kauderwelsch-Reihe aus dem Reise Know How Verlag ist praktisch in vielerlei Hinsicht. Zum Einen ist der kleine Sprachführer so handlich, dass er bequem in die Hosentasche passt. Zum Anderen ist er klar gegliedert und hält für jede Situation die richtige Floskel parat. Auch wenn es kein einheitliches Schweizerdeutsch gibt, jede Region pflegt ihren eigenen Dialekt. Wer die Aussprache beherrscht, hat schon mal die Hälfte des Sprachweges hinter sich. Ein h hat im Schwiizertüütsch keine Dehnungsfunktion, sondern wird deutlich gesprochen. Wird ein Vokal lang ausgesprochen, wird er verdoppelt. Das n am Ende von Verben wird weggelasse. Und wenn ein Schweizer eine d Pfane auf den Herd stellt wird erstmal s Rüebli (das e ist stumm und dient dazu das ü lang zu sprechen) im Wasser gekocht und nicht gebraten.

Bis hierhin hat man gerade mal ein Sechstel des Buches geschafft und eine ganze Menge gelernt.

Bis zu Globi, Knorrli und Täät Garee ist es noch ein weiter Weg. Sie können mit diesen Begriffen nichts anfangen? Im Buch wird Ihnen klar wie Sie zu reagieren haben, wenn es so über die Straßen schellt. Egal, ob im Restaurant oder auf der Straße – Konversation gehört nunmal dazu, um eine Stadt, eine Region, ein Land kennenzulernen. Ebenso wie das mehr oder weniger intensive Auseinandersetzen mit der Sprache des Landes. Dieses kleine Büchlein ist ein hilfreicher Ratgeber für jede Situation im eidgenössischen Verbund.

Südtirol

Südtirol

Südtirol – das lässt die Augen bei allen Urlaubern glänzen. Auf einmal sich steil aufrichtende Bergketten, glasklare Bergseen, exzellente Wanderwege, hübsch hergerichtete Dörfer und eine Bergluft, die chemische Zusatzstoffe vergessen lässt. Einmal tief einatmen und schon ist man im Urlaub.

Die drei Bs, die Besuchern Südtirols wechselnde Gefühle bescheren: Bozen und Brixen als wunderschöne Orte, die so perfekt scheinen, dass man meint im Paradies zu sein. Und als drittes B der Brenner, der bei Autofahrern so gefürchtete Pass – wer hier einmal im Stau stand (und wer tat das noch nicht?) verflucht das Land zwischen Olympianostalgie in Cortina d’Ampezzo und Zillertal.

Dietrich Höllhuber und Florian Fritz ziehen es vor die schönen Seiten zu erhellen. Denn es gibt noch so einiges zu entdecken, was für viel noch im Dunkeln liegt. Auch wenn die Dolomiten weithin sichtbar und ein einmaliges Kennzeichen Südtirols sind, so weiß doch kaum einer woher sie ihren Namen haben. Kein Witz, sie stammen von einem Forscher, der Deodat de Dolomieu hieß. Der erforschte Ende des 18. Jahrhunderts das Gebirge und wies nach, dass es hier früher mal ein Meer gab. Badeurlaub in den Bergen, sozusagen. Das geht auch heute noch. Man kann aber auch einfach mal „nur die Füße in die Waale halten“. Waale? Das sind im Vinschgau die natürlich erscheinenden Bewässerungssysteme der Gegend. Und wieder was gelernt!

Die beiden Autoren durchkämmen eine Landschaft, die eine halbe Million Tiroler ihre Heimat nennen. Ein halbe Million glückliche Menschen, denn schon beim einfachen Durchblättern des Buches kommt es zum unkontrollierten Endorphinausstoß. Die für die Bücher des Michael-Müller-Verlages typischen gelb unterlegten Infokästen sind in diesem Buch nicht nur Zusatzinfos, sie stehen gleichberechtigt (in der Anzahl) mit den eindrucksvollen Bildern und den informativen Texten. So erfährt man, dass in Südtirol die erste Schreibmaschine erfunden wurde. Leider ohne lohnenden Erfolg für den Erfinder.

Leckermäuler sind in Südtirol bestens aufgehoben. Die gesunde Bergluft macht hungrig, und vor allem durstig. Köstlicher Wein in allen Schattierungen bis hin zu erlesenen Gerichten aus Topf und Pfanne bringen die Gastwirte auf den Tisch. Das war sicher der schönste Part bei den Recherchen zu diesem Buch. Dem Leser wird der Reisespaß ab der ersten Seite vermittelt. In Zahlen bedeutet das fünfundvierzig Wanderungen und Touren auf über sechshundert Seiten. Das reicht allemal, um Südtirol eingehend unter die Lupe zu nehmen.