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Harz

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Für alle in Mitteleuropa, denen die Alpen zu weit weg sind, für alle, denen es zu mühselig ist auf über zwei- oder gar dreitausend Meter zu kraxeln, für alle, die die Berge lieben, idyllische Ortschaften einen Augenschmaus bereiten … für all diejenigen, die eine deutsche Landschaft ohne Deutschtümelei erleben wollen, ist der Harz das ideale Reiseziel. Auf eintausendeinhundertzweiundvierzig Metern weit ins Land zu schauen, dem Wind zu trotzen, bergauf-bergab durch ein Gebirge sich zu schlängeln, ehrliche Hausmannskost in gemütlicher Runde zu genießen – dafür scheint der Harz gemacht.

Barbara Reiter und Michael Wistuba sind der gleichen Meinung und umkreisen den Harz von den Niederungen bis hinauf auf den Brocken. Von der alten Kaiserpfalz Goslar über den Oberharz bis ins Mansfelder Land. Fünfeinhalb tausend Quadratkilometer gilt es zu erkunden.

Auf einhundertzweiundzwanzig Metern befindet sich Quedlinburg, die größte Stadt Deutschlands mit dem „Q“ am Beginn des Namens. Wer meint, dass das das Einzige ist, weswegen man nach Quedlinburg kommen sollte, irrt sich gewaltig. Weltkulturerbestätte ist nur einer der wenigen Beinamen der pittoresken Stadt. Die liebevoll restaurierten Fachwerkhäuser sind eine bildgewaltige Einladung zu einem Spaziergang, der nur durch eine stärkende Rast in den zahlreichen Restaurants und Cafés unterbrochen wird.

Auch beim Oberharzer Bergbauernmarkt in der Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld, der von Mai bis Oktober immer donnerstags stattfindet, werden Traditionen noch großgeschrieben. Hier kann man auch in die Geschichte des Bergbaus eintauchen. Schon Heinrich Heine machte auf seiner Deutschlandreise hier Station.

Der Harz ist ein gesamtdeutsches Gebirge. Bis vor einem Vierteljahrhundert war hier für einen ziemlich schnell Schluss mit Wanderlust und Weitblick. Für die Anderen gab es einen Einblick in eine Welt, die sich heute nicht mehr mit damals vergleichen lässt. Hier wurde die Wiedervereinigung so schnell wie nur an wenigen Orten Wirklichkeit. Nur noch vereinzelt erinnern Grenzsteine an das einst geteilte Gebirge.

Auf neunzehn Touren begleiten die beiden Autoren den Leser und Besucher sicher durch den mystischen Harz. Wer ihn einmal besucht, bleibt kleben. Ob als gelegentliche Pilzsammler, geschichtsinteressierter Gast, als Wandervogel, als Tagestourist, der einmal im Leben auf den Brocken will, oder als Dauergast, der einfach nicht genug bekommen kann von ursprünglicher Natur und als Sonnenwendbegeisterter – der Harz bietet jedem etwas. Und damit auch wirklich kein Ereignis, kein Naturschauspiel, keine Einkehroption, keine versteckten Pfade unentdeckt bleiben, empfiehlt es sich dieses Buch immer dabei zu haben.

 

Korfu

Korfu

Korfu taucht immer nur in den Köpfen von Touristen auf, wenn es die neuen Kataloge im Reisebüro um die Ecke gibt. Ansonsten fristet das Eiland, das zu den Ionischen Inseln gehört, ein Mauerblümchendasein. Zu Unrecht! Wenn man es positiv sehen will, ist es hier stellenweise noch urtypisch, unberührt, unbekannt. Wer weiß schon, dass hier His Royal Highness The Prince Philip, Duke of Edinburgh, Earl of Merioneth and Baron Greenwich, Royal Knight of the Most Noble Order of the Garter, Extra Knight of the Most Ancient and Most Noble Order of the Thistle, Member of the Order of Merit, Grand Master and First and Principal Knight of the Most Excellent Order of the British Empire, Knight of the Order of Australia, Companion of the Queen’s Service Order, Lord of Her Majesty’s Most Honourable Privy Council, Member of Her Majesty’s Privy Council for Canada oder einfach nur Prinz Philip geboren wurde. Besucher befinden sich also auf royalem Grund. Und Hans-Peter Siebenhaar bringt hierfür den 276 Seiten starken Beweis.

Korfu hat viel zu bieten. Wenn man so über das Eiland schlendert, ein Ingwerbier genießt (gibt es mit und ohne Alkohol), was es auf Korfu noch gibt, sieht man es an allen Ecken und Enden. Der Schriftsteller Ferdinand Gregorovius spricht von einem hinreißenden Schauspiel der Natur. Wer es hautnah erleben, die Insel schmecken will, der sollte den Markt in Korfu-Stadt besuchen, weiß Hans-Peter Siebenhaar zu berichten.

Der Norden ist die Region, die touristisch am meisten erschlossen ist. Hier wurden die meisten Hotels gebaut, was bedeutet, dass auch die Strände maximal ausgenutzt wurden. Wer nun meint, dass hier nur Massenabfertigung herrscht, irrt. Das auch von den Einheimischen als eines der besten bezeichnete Restaurant „Etrusco“ in Káto Korakiána verwöhnt vorzüglich die lechzenden Gaumen.

Das ist nur einer der vielen Tipps, die der Reisebuchautor parat hält. Immer, wenn er etwas entdeckt hat, was ihm besonders erwähnenswert scheint, packte er in im Buch die gelb hervorgehobenen Kästen. Echte Wegweiser und Geschichtenerzähler sind diese kurzen Texte.

Die Insel kann man touristisch in drei Teile gliedern: Korfu-Stadt, den Norden und den Süden. Jedem Teil widmet sich der Autor mit der gleichen Hingabe und macht so jeden Tag zu einem besonderen Erlebnis. Der vierte Teil führt Besucher in die Umgebung, Albanien oder auf die Inseln Paxos und Antipaxos. Insgesamt gilt es fünfzehn Wanderungen und Touren zu erleben. Die Karten und Pläne erleichtern das Zurechtfinden, als Einstieg gibt es einen kleinen Exkurs in die Geschichte Korfus. Für Sportenthusiasten ist die Insel wie geschaffen: Wanderungen per pedes oder per Rad bieten wegen der Berge nicht nur anspruchsvolle Betätigung, sondern auch einzigartige Aussichten. Und wer es – damit sind wir wieder beim britischen Königshaus – lieber geruhsamer angehen lassen möchte, das Kricketspiel ist auf Korfu immer noch sehr verbreitet.

Niederlande

Niederlande

Nein, die Niederlande gehören nicht zur k.u.k.-Monarchie! Auch wenn Kiffen und Koekjes für viele immer noch zum gelungenen Holland-Trip dazugehören. Dirk Sievers zeigt wie man die Niederlande richtig bereist und wie man am besten alles erlebt. Dazu benötigt man eine gewisse Zeit Urlaub, eine große Portion Neugier und dieses Buch!

Zwischen Holland und Deutschland gibt es viele Gemeinsamkeiten, aber mindestens genauso viel Unterschiede. Von Vorurteilen wird nicht die Rede sein. Die Niederlande können sich rühmen für Strandurlauber, Naturliebhaber und auch für Städtetouristen das richtige Angebot zu haben. Deswegen ist es auch auf den ersten Blick verwunderlich wie man ein solch großes Angebot in ein Buch packen kann. Dass es bereits die neunte Auflage ist, heißt nichts anderes als dass das funktioniert. Schon allein über die Provinz Zuid-Holland könnte man ein eigenes Buch schreiben. Die Region liegt Südwesten. Ganz der Süden ist es nicht, der wird von Limburg, Noord-Brabant und Zeeland beansprucht. Herrlich verwirrend: Noord-Brabant liegt südlicher als Zuid-Holland. So viel zu den Unterschieden… Die berühmteste Stadt in Zuid-Holland ist sicherlich Den Haag. Neben dem Regierungssitz, erstaunen den Besucher hier die Paläste (unter anderem residiert hier die königliche Familie) und Promenaden. Wer die Kunst der alten Meister sucht, wird in ‘s-Gravenhage, wie die Stadt auch genannt wird, reich belohnt. Für ganz Eifrige gibt es einen Museumspass. Zur Stärkung findet man sich am Haringkam Buitenhof ein, einem Kiosk, der laut Dirk Sievers die besten Makrelenbrötchen und Kibbelinge der Stadt hat. Anscheinend haben die Möwen auch diesen Abschnitt des Buches gelesen und versammeln sich zahlreich und lautstark an diesem Ort.

Wer die Niederlande besucht, sucht auch Windmühlen. Die UNESCO hielt die Windmühlen am Kinderdijk für schützenswert, weshalb zwei davon heute noch in einem exzellenten Zustand zu besichtigen sind. Es empfiehlt sich außerdem eine Bootstour über die Kanäle.

Wer meint, dass man die gesamten Niederlande inklusive der Metropole Amsterdam nicht in einem Buch gebührend darstellen kann, irrt sich gewaltig. Die kurzen Texte sind mehr als ausreichend, um einen oder mehrere Urlaube kenntnis- und erlebnisreich zu gestalten. Die eingangs erwähnten farbigen Kästen sind das Salz in der Suppe. Zahllose Hinweise zu Unterkünften, Restaurants und Orten, die man auf gar keinen Fall verpassen sollte, sind klar gegliedert und erleichtern Einsteigern wie NL-Profis die Handhabung.

Wahre Römer

Wahre Römer

Kennen Sie einen wahren Römer? Nein, nicht Miroslav Klose, der für die Roma stürmt. Nein, einen echten, der Geschichte schrieb. Aber keine Geschichten wie sie im Buche, im Lehrbuch stehen. Nein? Na dann werden Sie hier einige kennenlernen.

Andronicus war einer, den man heute als von der Muse geküsst bezeichnen würde. Richtig wäre es „von der Camena geküsst“. Lucius Livius Andronicus war sein vollständiger römischer Bürger-Name, wobei die ersten beiden Namen die seines ehemaligen Herren waren und Letzterer sein Sklavenname war. Seinem literarischen Talent verdankte er es, dass er freier römischer Bürger wurde. Doch zurück zu Camena. Denn bei seiner Übersetzung der „Odusia“ (Odyssee) benutzte er das Wort Camenae, römischen Quellnymphen, die nun mal keine Musen waren. Andronicus war Sklave, doch sein Talent und sein Ehrgeiz prädestinierten ihn zum römischen Bürger. Das geschah im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Wann genau, darüber streiten sich immer noch die Gelehrten. Faszinierend wie Geschichte bis heute nachwirkt.

Dem Leser begegnen einfache Handwerker wie Bäcker, aber auch treue Gefolgsleute der Caesaren. Manchen wurden Denkmäler errichtet bzw. es sind deren Grabmale immer noch zu bestaunen. Und wenn man die Geschichte hinter diesen Bauwerken/Denkmälern kennt, wird ein Rombesuch zu einembesonderen Erlebnis.

Stephan Berry lustwandelt durch die römische Geschichte wie an einem erfrischenden Maitag. Beschwingt nimmt er sich des schweren Themas römische Geschichte an und versorgt den Leser mit allerlei nützlichem Wissen. Die biographischen Texte sind nur teilweise belegbar. Es ist erstaunlich wie viel wir heute wissen, und wie viele Fragen immer noch offen sind. Wer Rom besucht, trifft alle paar Minuten auf mehr oder weniger gut erhaltene Zeugnisse der Geschichte Roms. Unweigerlich tauchen hier und da Namen auf, die einen garantiert in keiner Geschichtsstunde gequält haben. Doch die Neugier siegt. Wer war das denn? Muss ich den kennen? Viele MUSS man nicht kennen. Aber das Wissen um sie ist eine Bereicherung, die man nicht missen möchte.

Albert Einstein Briefe

Albert Einstein - Briefe

Was wurde nicht alles schon über ihn geschrieben? Genialer Wissenschaftler, Friedensaktivist, Charmeur, Geigenspieler: Albert Einstein. Gehört er gar zu denen, über die schon alles geschrieben wurde? Und wenn ja, warum dann dieses Buch? Weil die Behauptung, es wurde schon alles über DAS Genie des 20. Jahrhunderts geschrieben, nicht stimmt. In einer Zeit, in der Mobiltelefone und E-Mails weder bekannt waren noch in absehbarer Zukunft lagen, gab es zumindest das Kommunikationsmittel des Briefes. Das waren noch Zeiten als mit Tinte auf Papier etwas geschrieben wurde. Fein säuberlich in einen Umschlag gesteckt, frankiert und mit der Post verschickt wurde. Das ist so old school. Tja, das war Albert Einstein trotz aller Genialität und Progressivität auch.

Die in diesem Buch zusammengefassten Ausschnitte spiegeln ein Leben für die Wissenschaft und deren Nutzen für die Menschen wider. Einstein war keineswegs der unnahbare Gelehrte, der regelmäßig zu spät zur Vorlesung kam, launisch seine Thesen runterlas und dann bis zum nächsten Mal im Nirwana verschwand. Er war streitbar und nahm regen Anteil an den zugesandten Briefen. Egal, ob sie nun von einem geschätzten Kollegen, einer royalen Größe oder einem einfachen Farmer aus Idaho kamen. Letzterer bat um ein aufmunterndes Wort für seinen Spross, den er zum Physikstudium animierte. Einstein sollte den letzten Anstoß geben sich anzustrengen. Zur Belohnung gab es einen Sack Kartoffeln.

Die Briefe bzw. die Auszüge zeigen Einstein wie sich Kenner ihn vorstellen und Fremde ihn sich gern vorstellen möchten. Liebenswert, und wenn er antwortet dann mit ganzer Geisteskraft. Außerdem war er ein begnadeter Schreiber. So mancher Student der Gegenwart wünscht sich so einen agilen, lebensbejahenden, klugen Kopf in seinen Seminaren.

Wem schenkt man so ein Buch? Sich selbst. Jedem Physiker, Astronomen. Egal, ob noch Studiosus oder Forscher. Jedem Wissenschaftler, der seine Arbeit nicht nur als Broterwerb sieht oder sah, sondern auch anderen Fachrichtungen die Chance gibt erforscht zu werden. Jedem Humanisten. Na, das ist doch wohl schon eine große Leserschaft.

Einsteins Witz blitzt immer wieder genauso durch wie sein wacher Verstand und seine romantische Ader. Bemerkenswert ist vor allem der lyrische Briefwechsel mit Königin Elisabeth von Belgien. Einstein konnte vor den Nazis fliehen – sie musste aufgrund ihrer Herkunft und ihres Standes ausharren. Seine Ratschläge sind Mahnworte, die bis in die heutige Zeit Bestand haben. Er war gläubig und niemals fanatisch. Einer wie er fehlt … immer noch.

Dieses Buch liest sich leicht wie ein Roman, ist spannend wie ein historischer Thriller und verleitet den Leser immer wieder einzelne Passagen nochmals zu lesen.

Der Bodensee

Der Bodensee - 101 Orte

Einmal an den Bodensee, rundherumlaufen und einmal wieder zurück. So könnte man die 101 aus dem Titel erklären. Das rundherum als Null. Weil die rund ist, nicht, weil es sich nicht lohnt. Dass es sich lohnt, weiß der Autor Patrick Brauns nicht nur weil er dort wohnt.

Auch wenn man es nicht erwähnen muss: Die Insel Mainau vereint alle Bücher dieses Stiles. Es ist aber auch ein Prachtstück! Warum? Steht alles auf Seite 24. Patrick Brauns‘ Einzugsgebiet beschränkt sich allerdings nicht nur auf die direkt am Ufer gelegenen Orte zum Verweilen und Entdecken. Um die gesamte Region und den Reiz des Bodensees zu erfassen, empfehlen sich Ausflüge ins Hinterland.

Der Hegaublick ist beispielsweise rund zwanzig Kilometer Luftlinie in westlicher Richtung vom Ufer entfernt. Doch der Weg lohnt sich. Auf der Terrasse des dortigen Restaurants genießt man nicht nur mit dem Gaumen, sondern in erster Linie mit den Augen. Ganz in der Nähe kann man den Gipfel eines Feuerspuckers erklimmen oder im Eiszeitpark tief in die Geschichte eintauchen.

Im Süden kommt man der Gegenwart ein bisschen näher, wenn man mit einer Fähre die Sitter bei Bischofszell in der Schweiz überquert. Wie einst die Pilger. Ein erholsamer Fußmarsch führt den Wanderer zu einer alten Brücke, die im vergangenen halben Jahrtausend jedem Angriff trotzte. Ein wenig krumm, was der Attraktivität keinen Abbruch tut. Im Gegenteil.

Im Osten, in Bregenz, lädt der Garten des Klosters Mehrerau zum Bummeln ein. Eindrucksvolle Alleen lassen den Alltag vergessen.

Jeder der einhunderteins Orte ist für sich genommen eine Reise wert. Kombiniert sind sie eine Aufforderung zum Schwelgen, Flanieren, Geschichte atmen. Geruhsames Reisen auf historischen Pfaden in einer der beeindruckendsten Regionen Deutschlands und Europas. Kurz und knapp sind die einzelnen Haltepunkte beschrieben, lang genug, um Appetit zu machen, garniert mit nachhaltigen Bildern.

Wer am Bodensee Urlaub macht, wollte so wenig wie möglich verpassen. Sicherlich gibt es mehr als einhunderteins Orte, die man gesehen haben muss. Die Auswahl der von Patrick Brauns vorgestellten Stopps stehen exemplarisch für die Bodenseeregion.

Denk ich an den Bodensee

Denk ich an den Bodensee

Einem Besucher des Bodensees muss man nicht mehr für diese einzigartige Landschaft begeistern. Er wird ein Leben lang ein Freund der Region bleiben und wiederkommen. Leider ist es nur Wenigen vergönnt ihre Schwärmerei in passende Worte zu kleiden. „Großartig“, „faszinierend“ werden oft, zu oft verwendet, um seinen Emotionen Ausdruck zu verleihen. Da ist es an der Zeit den Dichtern und Wortakrobaten auch vergangener Epochen zu lauschen, ihren Ausführungen zu folgen. Dieses Buch ist der willkommene Anlass die kommende freie Zeit am größten See im deutschsprachigen Raum zu verbringen.

Das Inhaltsverzeichnis liest sich wie das Who is Who der Weltliteratur: Ernest Hemingway, Rainer Maria Rilke, Klaus Mann, um nur drei Namen zu nennen. So manch einem ist die Reisestrapaze ein kulinarischer Graus, was man heutzutage kaum noch nachvollziehen kann. Martin Walser macht sich Gedanken zu Eigentum und Gemeinwohl. Der Lyriker Bruno Goetz setzt dem Binnenmeer ein Denkmal in Reimform.

Wie einst die Romantiker ist dieses Buch ideal zum visuellen Flanieren an den Ufern des Bodensees. Sich auf eine Bank setzen, oder eine Mauer, den See zu Füßen. Die Sonne in der Nase kitzelnd steckt man selbige ins Buch und schwelgt in den wohlformulierten Aufzeichnungen von Theodor Heuss und Arthur Schopenhauer. Eine schönere Liebeserklärung gab es nie.

Mit jeder Zeile steigt die Sehnsucht nach einem paradiesischen Ort, den es wirklich zu geben scheint. Irgendwo im Süden, dort wo die Alpen sich gen Himmel recken, das Klima den Menschen umschmeichelt. Schon immer haben sich Potentaten und gekrönte Häupter es sich hier gutgehen lassen. Dichter und Literaten fanden hier Inspiration und ein zweites Zuhause. Touristen erholen sich ab Ankunft.

Herausgeber Manfred Bosch muss es ein Fest gewesen sein diese Texte zusammenzutragen. Mit jedem Abschnitt nimmt Elysium Form an. Die kurzen Texte erlauben es immer wieder den Kopf zu heben und den Blick schweifen zu lassen. Auch wenn man nicht am Ufer sitzt.

Das kleine Buch der Sprache

Das kleine Buch der Sprache

Es ist der erste echte Höhepunkt der Eltern: Das Kind spricht. Mama. Papa. Auto. Yippie. Jetzt geht’s los! Doch was da als Wort verkleidet die Außenwelt verzückt, sind Geräusche. Keine bewusst gewählten und geformten Artikulationen. Erklären Sie das mal der stolzen Mama, oder dem Papa, der bis über beide Ohren grinsend den Sprössling vor sich herträgt. Wen Sprache eine lineare Entwicklung wäre, würden wir täglich bis zu unserem zehnten Geburtstag weniger als eine Handvoll Wörter lernen. Babies lernen das, was sie hören. Der Rhythmus und die Melodie bestimmen die ersten Laute und Worte. Dudu, dada und ähnlich geartetes Verwandtengeschwätz haben da weniger Einfluss als gedacht. Ansonsten würden The Police immer noch touren, („De Do Do Do De Da Da Da“ wäre der Titel mit der längsten Chartplatzierung).

Sprache ist das primäre Unterscheidungsmerkmal der Kulturen. Jede Sprache hat ihre eigene Sprachmelodie. Wie oft hört man, dass das Italienische so melodisch klingt. Das Deutsche hingegen klingt für viel hart oder kratzig. Ein Vorteil in einer multikulturellen Gesellschaft ist das Wissen um die eigene Kultur. Denn wenn Andere ihre Eindrücke über das ihnen Fremde wiedergeben, lernt man so einiges.

Die Sprache hat auch eine mechanische Komponente. Nein, keine Roboter, Verstrebungen oder Seilzüge. Seilzüge ist vielleicht do gar nicht so verkehrt. Um einen Laut zu bilden, die Grundlage eines Wortes, was die Grundlage eines Satzes ist, der wiederum die Basis der Sprache ist … muss im menschlichen Körper was geschehen. Die Stimmlippen (Stimmbänder), die Lippen, der Kiefer und die Lunge sind unerlässliche Werkzeuge der verbalen Kommunikation. Je öfter die Stimmlippen schwingen, desto höher die Stimmlage. Umgekehrt genauso.

David Crystal beschreibt in seinem Buch das, was uns täglich umgibt. Von den ersten Lauten über die körperlichen Voraussetzungen bis hin zur Herausbildung von Slang und der Entwicklung der Sprache und ihrer Arten. Ohne abzuschweifen dringt er in die Tiefen der Wissenschaft vor, um kurzweilig und teils auch amüsant der allgegenwärtigen Sprache aufs Maul zu schauen.

Schlösser am See – Burgen und Landsitze am westlichen Bodensee

Schlösser am See

Mal ganz ehrlich. Wo würden Sie – gänzlich befreit von räumlichen und finanziellen Zwängen – sich eine repräsentative Unterkunft im deutschsprachigen Raum errichten (lassen)? Am Meer? In den Bergen? Auf dem flachen Land, um so viel wie möglich überblicken zu können? Oder in einer Industriebrache? Am besten eine Mischung aus den ersten drei Angeboten. Aber wo soll man so was finden?

Da muss man ganz schön weit reisen. Es sei denn, dass man am Bodensee wohnt. Denn dann ist man bereits angekommen. In unseren Breiten hat der Süden eine besondere Anziehungskraft (ein Feuerländer sieht das sicherlich anders). So verwundert es nicht, dass sich am Ufer des Bodensees so manch architektonische Kleinod verbirgt bzw. sich ganz schamlos dem Betrachter offenbart. Besonders im Westen, zwischen Konstanz und Schaffhausen, auf der Höri und am Überlinger See. Davon erzählt dieses Buch.

Eine wahre Pracht an herrschaftlichen Häusern säumt die flachen und steileren Ufer an Europas größtem See. Bei fast dreihundert Kilometer „Küstenlinie“ ist ja auch viel Platz, um der eigenen Phantasie freien Lauf zu lassen. Tobias Engelsing und Anne-Katrin Reene haben ihre Wanderschuhe geschnürt und sind Burgen und Landsitzen auf die Pelle gerückt. Jedes Bauwerk wird kurz und knapp beschrieben, den Schluss bildet der Hinweis, ob man selbst einmal einen Blick hinter die herrschaftlichen Kulissen werfen darf oder nicht, sprich, ob es öffentlich ist oder nicht. Meist sind die Anwesen privat genutzt, nur ein Teil ist der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Bodenseeregion zählt jährlich fast zwanzig Millionen Übernachtungen. Im Durchschnitt bleibt jeder Besucher zweieinhalb Tage. Genug Zeit also um Villa Douglas, Burg Kastell, Scheffelschlössle Mettnau und die anderen in diesem Buch versammelten Gemäuer genauer unter die Lupe zu nehmen. Als Appetitmacher ist dieses Buch gerade recht. Historische und aktuelle Aufnahmen, kurze Abrisse aus der Geschichte und zahlreiche Informationen zu Besuchszeiten runden den exquisiten Band ab. Da die Bauwerke oft dicht beieinanderliegen, ist es kein Problem mehrere an einem Tag zu besuchen. Wer es ganz elegant mag, was am Bodensee quasi zum guten Ton gehört, erkundet die prächtigen Behausungen vom Wasser aus, verschafft sich in diesem Buch einen umfassenden Überblick und begibt sich tags darauf auf Schusters Rappen, um sich von der architektonischen Wucht erschlagen zu lassen. Schläge, die hängen bleiben, auch dank dieses Buches.

Konstantinopel von unten

Konstantinopel von unten

Pitsche-patsche nass stehen sie da. Die Männer, die für Viele die letzte Rettung bedeuten. Seefahrt war und ist (und wird es wahrscheinlich auch immer bleiben) ein hartes und gefährliches Geschäft. Die Geschichten von gesunkenen Schiffen, die Schicksale von Besatzung und Passagieren beflügeln von jeher die Phantasie der Menschen.

Jürgen Rath auch. Er begibt sich in die Archive von Seefahrtsämtern und –gerichten, in denen er die Fakten für seine Geschichten findet. Alles ist so passiert wie in den Geschichten. Die Dialoge sind wohlwollend erdacht. Hier setzt die hohe Kunst der Literatur ein. Fakten und eigene Erfahrungen in Einklang zu bringen. Jede Bugwelle, jeder Schrei, jedes Aufsetzen auf Meeresgrund wird nachvollziehbar. Die spritzende Gischt, die die Sicht behindert, das Donnergrollen am Himmel, das jedes Wort erbarmungslos schluckt, das Krachen der Balken, das die Tore zur Hölle aufstößt: Das alles sind keine Geschichten wie die vom Klabautermann. Alles so passiert, alles so niedergeschrieben.

Ob menschliches Versagen oder der Zorn von Mutter Natur, kaum ein Leser entkommt den spannungsgeladenen Abhandlungen Jürgen Raths. Wer zart besaitet ist und demnächst eine Kreuzfahrt unternehmen will, dem wird der Schrecken in die Glieder fahren. Aber keine Angst! Nicht jede Welle endet in einem Fiasko. Denn es gab schon immer mutige Männer, die Augen offenhielten, um Schiffbrüchigen die helfende Hand zu reichen. Auch diese Helden werden in den Geschichten besungen.

Es müssen nicht immer die erfolgversprechenden Riesenkatastrophen sein, die den Leser packen. Der Untergang der Titanic fasziniert auch heute, über hundert Jahre später, die Massen. Nicht weniger schrecklich für die Opfer und die Hinterbliebenen sind die Katastrophen, von denen heute kaum noch jemand spricht. Jürgen Rath gibt Opfern und Helfern ihre Stimmen zurück und setzt ihnen mit „Konstantinopel von unten“ ein Mahnmal. Zehn kurze Geschichten vom Wehen und Flehen, vom Retten und Ohnmacht. Für echte Seewölfe und Abenteurer!