Kategoriearchiv: Urlaubslektüre

Mein Paris

Mein Paris

Einmal Paris so richtig genießen, ganz tief eintauchen, es so sehen wie kein Anderer. Das wär’s! Für die meisten reicht es dann für Eiffelturm (meist dann auch noch nur mit einem F), Champs Elysees und vielleicht noch Sacre Cœur. Den Rest kennt man von der Schlussetappe der Tour de France. Doch wenn man schon mal da ist, in Paris, dann wäre es doch schön einen Reiseführer zu haben, der eben mehr als nur die Touristenhighlights zu bieten hat. Am besten Einen, der sich hier auskennt, hier geboren ist, hier lebte, und am besten Deutscher ist. Denn die Unterschiede sind trotz aller Nähe immer noch da – was allsonntägig auf arte in der Sendung „Karambolage“ zu erfahren ist. Verdichtet man seinen Wunsch derartig, bleibt nur einer übrig: Ulrich Wickert.

Beschwingt wie ein Chanson der jungen Françoise Hardy schlendert der Journalist durch Paris. Faktenreich, exakt und zackig wie ein Militärmarsch parliert er in Geschichte. Einzelne Kapitel sind zweigeteilt: Zuerst das Vergnügen, dann die Arbeit. Erst ein Spaziergang, dann die historischen Exkurse.

Und so schlendert man lesend durch die Stadt der Liebe. Vorbei und mittenrein. Notre Dame, Arc de Triomphe, Champs Elysees, Place de la Concorde – alles bekannte Namen. Und doch zeigen sich beim Lesen Wissenslücken auf. Die schließt Ulrich Wickert gekonnt. Wie kaum ein anderer Schreiber versteht er es sein enormes Wissen ohne den Zeigefinger zu heben dies zu vermitteln. So wird ein Stadtbummel en passant zu einer Lektion in Geschichte, Geographie und französischer Kultur. Paris wird nie mehr nur ein Reiseziel sein. Paris ist von nun an Liebe.

Die Boulevards, übrigens ein Wort deutschen Ursprungs, einst Bollwerke, werden zu Flaniermeilen der Liebe. Die Wasserspeier an Notre Dame sind nun mehr als nur eine Zierde. Der Arc de Triomphe erstrahlt in neuem Lichte. Alles, weil man die Geschichten herum nun kennt.

Ulrich Wickert nimmt sich zuerst die großen Sehenswürdigkeiten der Stadt vor, um dann den Leser auf eine Kulturreise ins Herz der Franzosen mitzunehmen. „Essen als schöne Kunst betrachtet“ nennt er das beeindruckendste Kapitel. Wer zu diesem Abschnitt vorgedrungen ist, hat schon viel über Paris gelernt. Aber alles Bisherige war zum Greifen nah. Konnte man betrachten, erklimmen, berühren. Doch Frankreich, Paris ohne die cuisine ist eben nicht mehr als eine Reportage: Schön anzusehen, appetitanregend, doch immer sehnsuchtsvoll. Weil nicht erlebt. Mit einem Feinschmecker wie Wickert sich durch Paris zu fressen, ein formidables Erlebnis. Als amuse-gueule serviert Ulrich Wickert immer wieder kleine Anekdoten, wie die von der Fotografin Gisèle Freund, der sogar Francois Mitterand gehorchte. Oder von Restaurantbesitzer Rene Lafon, der Hemingway und Dali, Sartre und Picasso zu seinen Gästen zählte.

Nach so viel Wissen, so eloquent dargebracht, fehlt nur noch eine entscheidende Reiseinfo: Das Wetter.

Die Auslöschung der Mary Shelley

Die Auslöschung der Mary Shelley

Ein martialischer Titel: Auslöschung. Hat was Endgültiges. Mary Shelley – ja, der Name wurde nicht zufällig gewählt – ist Biologin. Eine hervorragende Biologin. So gut, dass sie an einem Computer arbeitet, der es erlaubt jeden und alles komplett zu überwachen. Aus aktuellem Anlass im Namen der NSA, der National Security Agency. Doch Mary Shelley hat auch ein Gewissen. Sie weiß, dass der Computer eine neue Zeitrechnung einleiten wird.

Und diese Zeitrechnung will sie beeinflussen. Mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zögert sie die Fertigstellung hinaus. Doch sie verfolgt auch eigene Ziele. Idealistisch wie sie ist, will sie ihr „Monster“ zur Kriminalitätsbekämpfung umprogrammieren. Das Übel bei den Wurzeln packen.

Marc Buhls Mary Shelley ist die moderne Jean d’Arc des digitalen Zeitalters. Ihre Religion ist eine friedvolle Welt. Ohne Heiland, ohne Dogmen. Doch sie hat die Rechnung ohne ihr Monster gemacht. Denn der Computer tut das, was er will, was er denkt. Und das ist nicht immer in ihrem Sinne. Der Computer sollte der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen, doch jetzt ist „Victor“ – wie er bezeichnenderweise heißt – auf seinem eigenen Siegeszug durch das globale Netz. Und wo könnte der Thriller anders enden als im Death Valley …

„Die Auslöschung der Mary Shelley“ ist erst der Auftakt zur großen digitalen Verbrecherjagd. Jeder Leser hat – sofern er in sozialen Netzwerken organisiert und verknüpft ist – die Möglichkeit an dem Monster mitzuwirken. Näheres dazu gibt es auf der Verlagshomepage: blinkbooks.berlin.

Auf den Spuren von Prunk und Pomp

Auf den Spuren von Prunk und Pomp

Wien gehört mit seiner städtischen Architektur zu den schönsten Städten der Welt. Das ist unbestritten. Wozu also noch Werbung machen, die Touristen kommen eh an die Donau. Doch sie wollen auch was erleben, erfahren, nachvollziehen. Da Wien sich nun aber rühmen kann für jeden Geldbeutel, jede Art des Reisens, für jeden Geschmack etwas anbieten zu können, braucht man einen gedruckten Ratgeber.

Christina Rademacher hat nach ihrem Erstling „Vom Hinterhof in den Himmel“, in dem sie die versteckten Kleinode der Metropole offenlegte, nun den offensichtlichen Prachtbauten der Stadt gewidmet. Denn auch hier gib es noch so manches zu entdecken, was in kaum einem Reisebuch steht.

Die Hofburg im Herzen der Stadt ist ein Muss für jeden Wienbesucher. Wie ein offenes Buch lädt sie ein zum Verweilen, zum Staunen, zum Kopf-in-den-Nacken-legen. Kolossale Skulpturen, herrschaftlich Gänge und eine großzügige Auslegung des Begriffes Platz beeindrucken den Betrachter. Die kleinen Anekdoten und Histörchen, die Christina Rademacher gesammelt hat, machen jeden Spaziergag zu einem besonderen Erlebnis. Und was ist schöner als zu erfahren, was bei Königs früher los war und wie sich ihr Wirken bis heute auswirkt?!

„Auf den Spuren von Prunk und Pomp“ passt zu Wien wie die Faust aufs Auge. Kaum eine andere Stadt hat so viele royale Hinterlassenschaften, die so eng mit der Gegenwart verbunden sind. Als Zusatz zu einem Reiseband der Stadt Wien ist dieses Buch eine ideale Ergänzung für einen kurzen oder längeren Trip an die Donau. Selbst wer mehrere Tage die Schlösser in und um Wien besuchen will, findet immer wieder Neues in diesem Buch. Ob nun die Top-Attraktionen wie Hofburg oder Schloss Schönbrunn oder die nicht so bekannteren Schlösser Alterlaa, Liesing, Altmannsdorf, Hetzendorf, um nur ein paar zu nennen, Christina Rademacher lässt den Leser / Besucher nicht im Regen stehen.

Die Farben der Hoffnung

Die Farben der Hoffnung

Grün ist die Farbe der Hoffnung, sagt man. Anands Firmenfarben sind orange und blau, weil seine Schwiegermutter es so wollte. Sie erinnerten sie an Paradiesblumen. Anand besitzt im indischen Bangalore eine Fabrik für Autoteile. Die Geschäfte laufen prächtig. Er muss sich vergrößern, um mit den Aufträgen hinterherzukommen. Doch das ist gar nicht so einfach. In einer Stadt, die stetig wächst und in der Grundfläche Mangelware ist.

Auch Kamala hat mit Mangel zu kämpfen. Der Mangel an Farben ist dabei ihr geringstes Problem. Als Hausangestellte von Anand geht es ihr verhältnismäßig gut. Ein regelmäßiges Einkommen sichert ihr und ihrer Familie stets einen gedeckten Tisch. Doch ihr Sohn Narayan bereitet ihr Sorgen. Er will die Schule nicht abschließen. Zeitungen verkaufen, das will er. Das Geld kann die Familie gut gebrauchen. Auch dass er sich in eine Sache mal so richtig reinhängt, gefällt Kamala. Doch zuerst muss er die Schule abschließen. Da gibt es keine zwei Meinungen!

Anand und Kamala leben in zwei völlig unterschiedlichen Welten. Finanziell geht es Anand gut, seine Frau mit ihrer herrischen Art bereitet ihm graue Haare. Kamala geht es finanziell nicht gut, Ihr Sohn und ihre Kolleginnen und ihre Herrin – Anands Frau Vidya– machen ihr Sorgen.

Lavanya Sankaran lässt die eingefahrenen Welten der beiden bröckeln. Alles, was bisher galt, ist ab sofort ungültig. Narayans Umgang gibt Kamala zu Denken. Zweifel überkommen Anand wegen seiner Ehe. Und auch geschäftlich wird es eng.

Korruption, Standesdenken, Egoismus sind die Zutaten für diesen spannenden Roman, der den Leser ins heutige Indien führt. Fernab der seidenen Sari-Romantik erzählt Lavanya Sankaran von den Sorgen der kleinen Leute, die in einem engen Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Arbeitsgebern stehen. Die wiederum kämpfen mit oder gegen die Korruption der Parteien und ihrer Funktionäre. Wenn Anand eine neue Fabrikhalle bauen will, so tut er dies, weil er sich vergrößern muss. Einstige Freunde ziehen ihn und sein Geschäft in einen Strudel hinein, aus dem er sich nur schwer befreien kann. Die Geltungssucht seiner Gattin steht ihm dabei im Weg. Als moderner Geschäftsmann ist er zu vertrauensselig. Dem Ehrgeiz der Handelnden und der Besinnung auf das Wesentliche verdankt der Roman seine besondere Würze, die dem Leser ein Indien zeigt, das sonst verborgen bleiben würde. Manchmal muss man die Farben mischen, um das erwünschte Ergebnis zu bekommen.

Wie kommt die Katze in die Oper?

Wie kommt die Katze in die Oper

Der Titel macht neugierig. Was hat denn eine Katze in der Oper mit römischen Impressionen zu tun? Klassikfans, aber nur die Eingefleischten kennen vielleicht die Anekdote über die misslungene Premiere von Rossinis „Barbier von Sevilla“. Da hatten Spötter eine Katze auf die Bühne gescheucht. Zusammen mit anderen Missgeschicken geriet die Aufführung zu einem Desaster erster Güte.

Doch Gerhard Fischer hat noch mehr auf Lager, wenn er denn so durch die Ewige Stadt schlendert. Er war oft in Rom. Kennt die Stadt wie nur wenige Besucher. Das kommt auch daher, dass er immer mit dem Zug am Roma Termini ankommt. Seiner Meinung nach ist das Ankommen der spannendste Moment. Wenn man das Buch nach diesem Satz kurz herunternimmt und die Worte sacken lässt, weiß man diese Weisheit zu schätzen. Die Spannung wächst, was wird man sehen, was erleben? Und in Rom nimmt die Reihe an Fragen einfach nicht ab. Es gibt wirklich nur sehr wenige Städte, die derartige vollgestopft sind mit Zeugnissen der Geschichte.

Deswegen hat sich Gerhard Fischer entschieden nicht auf die offensichtlichen Schönheiten Roms einzugehen. Es sind die Kleinode am Rande, die Geschichten herum, die er zum Besten gibt. Wie die Piazza Sant’Ignazio. Wer ihn nicht kennt, erfreut sich sicher an der Architektur (eine Abbildung vom Autor selbst gemacht bestätigt diese Annahme), aber was sich hinter den Fassaden verbirgt, weiß man nur, wenn man dieses Buch zur Hand hat.

„Wie kommt die Katze in die Oper?“ ist eine kurzweiliger Reisebegleiter, den man getrost immer dabei haben kann, wenn man Rom besucht. Bei einer Merenda (Zwischenmahlzeit) ein bisschen darin blättern und schon geht’s weiter.

Lesereise Laos

Lesereise Laos

Laos ist sicherlich ein Land über das man nicht viel weiß. Wer den Begriff „Land der tausend Elefanten“ kennt, weiß schon mehr als die meisten. Erik Lorenz gehört zu einer sehr kleinen Minderheit. Wer seine beiden Bücher über das faszinierende Land gelesen hat, ist geneigt zu sagen, dass er mehr über Laos weiß als so mancher Laote. Erik Lorenz macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: Er liebt Laos, aber er ist nicht blind vor Liebe. Für seine Lesereise traf er Geschäftemacher, deren Berufsbezeichnung auf dem letzten Teil betont wird, Macher. Jede einzelne Geschichte hat zwei Seiten. Hier der Fortschritt – da die Gefahren des selbigen.

Laos hat den Nachteil keinen Meereszugang zu besitzen. Thailand, Vietnam und Myanmar, die Nachbarländer, können mit traumhaften Bilderbuchstränden aufwarten. Laos besticht durch die Freundlichkeit der Menschen, seine alltäglich gelebten Traditionen und seinen unermesslichen Naturreichtum.

Doch gerade bei letzterem – dem Naturreichtum – tritt in letzter Zeit immer öfter die Kehrseite in Erscheinung. Mallorcaähnliches Szenen spielten sich noch bis vor Kurzem an den Ufern der Flüsse ab. Touristen schipperten auf aufgeblasenen LKW-Schläuchen durch den Dschungel. Von Land wurden ihnen Seile zugeworfen. Wer zugriff hatte schon verloren. Denn jetzt begann das exzessive Besäufnis. Wer noch stehen konnte schwang sich an Seilen über den Fluss, ließ los und planschte benebelt in den Fluten. Nicht alle haben das überlebt. Erik Lorenz nennt Namen als Mahnung.

Doch auch der deutsche Botschafter des Landes findet Einzug in dieses exzellente Büchlein. Er wollte hierher, in ein Land, in dem man noch echte Hilfe leisten kann. Ohne im Dickicht der Interessen zu ertrinken.

Laos ist nach wie vor ein sozialistisches Land. Was per se erst einmal nichts Schlimmes ist. Doch Vetternwirtschaft und das Berufen auf sozialistische Werte lassen auch die guten Seiten des Fortschritts erblassen und verlangsamen. China ist der neue große Freund. In den nächsten Jahren soll in Laos ein Eisenbahnnetz entstehen, das von China aus geplant und umgesetzt wird. Nichtregierungsorganisationen treiben den Kampf für die Beseitigung der Blindgänger aus dem Vietnamkrieg voran. In Laos liegen immer noch unzählige Tonnen von Granatsplittern, die immer noch – vierzig Jahre (!) nach Kriegsende – Opfer fordern.

Wer Laos besucht wird schon während eines wochenlangen Aufenthalts die Veränderung spüren. Genauso wie die Traditionen. Wem Letzteres am Herzen liegt, der sollte schleunigst seine Koffer packen. Und dieses Buch auf gar keinen Fall vergessen mitzunehmen!

Elf Wege über eine Insel

Elf Wege über eine Insel

Sardinien erkunden – eine der reizvollsten Arten zu reisen. Berge und Meer so eng beieinander, eine fremde Kultur, die fast überall noch hautnah erlebbar ist und eine exzellente Küche. Was will man mehr?

Man will diese Insel, ihre Bewohner verstehen. Doch das ist gar nicht so einfach. In den Topf lassen sie sich schauen, aber ihre Gedanken bleiben Fremden ein Rätsel. Doch ist es nicht genau das, was den Charme der Insel ausmacht? Michela Murgia vergreift sich in keinem Fall an diesem Charme, sie lüftet auch keine Geheimnisse. Sie hebt nur ein wenig den Schleier der Magie, ohne den Zauber der Insel zu riskieren.

Die elf Wege sind keine Wanderwege oder Pfade im eigentlichen Sinn. Sie sind in erster Linie ein Kulturleitfaden für eine der schönsten Inseln des Mittelmeeres, vielleicht sogar der Welt. Für Besucher Sardiniens sind die elf Kapitel ein unermesslicher Schatz an Erfahrungen, Deutungen und Mythen.

Die Kunstszene Sardiniens ist reichhaltig. Seit einiger Zeit rücken traditionelle Formen und moderne Kunst wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Althergebrachtes Handwerk, besonders in der Mode verbindet sich mit zeitgemäßer Interpretation der Gegenwart.

Michela Murgias Ausführungen zu folgen ist ein Lesevergnügen, das schmerzt. Schmerzend insofern, dass man nicht sofort auf die Insel reisen kann, weil man keinen Urlaub hat. Die Leichtigkeit, mit der sie sich durch die Jahrhunderte scheibt, die Detailgenauigkeit, das enorme Wissen machen dieses Buch zu einem unverzichtbaren Begleiter über die Insel. Schlagworte wie Grenzen, Steine, Klänge, Unabhängigkeit lassen den Leser von vornherein erahnen, dass es sich hier nicht nur um eine bloße kurze Wiedergabe der Geschichte einer Insel handelt. Michela Murgia ist Sardin. Sie ist hier geboren. Und verwurzelt. Eng verwurzelt. Ihr kurzes Intermezzo in Mailand hat sie noch enger an ihre Heimat gebunden, in der sie nun wieder lebt.

Wer Sardinien verstehen und ernsthaft erleben will, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

Die Magie des Südens

Die Magie des Südens

Wenn man den Atlas betrachtet, gibt es wirklich nur wenige Destinationen, die alles bieten: erhabene Berge, besänftigendes Meer, pulsierende Städte, eine reichhaltige Kultur. Spanien in der privilegierten Lage eines dieser Länder zu sein. So umfassend das Land, so prall gefüllt ist auch dieses Buch.

Edwine Bollman und Peter Rieprich waren oft und lange in Spanien. Zeitweise leben sie dort. Es sind also echte Kenner. Und das merkt man mit jedem Wort. Die Reise beginnt auf Tabarca, der kleinsten Mittelmeerinsel Spaniens. Kaum bekannt und unberührt, eher was für Tagesausflügler. Die beiden Autoren machen für den Leser Geschichte erlebbar. Wuchtige Festungsbauten und leichter Müßiggang verbinden sie zu einem kurzen Erlebnisbericht, der o manchen staunen lässt.

Bilbao und Barcelona nehmen sie anders wahr als so mancher Besucher. Guggenheim und Sagrada familia – klar daran kommen auch die beiden nicht vorbei – sind für sie Ausgangspunkte für Ausflüge in die Kulturgeschichte.

Doch auch menschliche Schicksale gehören für die beiden in ein Buch über Spanien. Wenn auch die Geschichte für die Protagonistin nicht gut ausgeht (ie wird beim Hausverkauf kräftig übers Ohr gehauen), so ist sie Teil der besonderen Magie des Südens. Dieses große Wort Magie, das so oft überstrapaziert wird, verwandelt sich aus der Feder der Autoren in greifbare Faszination. Selbst wer noch nicht den Orangenduft in den Gassen vernommen oder bei einer der zahlreichen Prozessionen teilgenommen hat, wird schlagartig in die Szenerie versetzt. So ganz nebenbei geben die beiden Tipps wann welche Region am besten zu bereisen ist. Valencia zum Beispiel sollte man Mitte März besuchen, wenn es hier an allen Ecken und Enden knallt und zischt. Fallas nennt sich das mehrere Tage dauernde Fest und versprüht schon beim Lesen so viel Lebensfreude, dass man zwischen den Einheimischen gar nicht mehr als Gast fühlt.

Überraschende Begegnungen lautet ein Teil des Untertitels. Wer Spanien nicht kennt, wird mit einem Lächeln das Buch beiseitelegen. Lächelnd, weil man nun beruhigt und gut vorbereitet den nächsten Urlaub plant. Und der führt einen nach … Spanien.

Das Kanaltal

Kanaltal

Dreiländerecke haben ihren besonderen Reiz. Denn hier hat man auf engstem Raum einen Mix aus mindestens drei Kulturen. Im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien liegt das Kanaltal. Und mittendrin liegt die Stadt Tarvis. Umgeben von den Julischen Alpen und den Karawanken entstand hier eine Landschaft und eine Kultur, die Ihresgleichen sucht. Hans Messner ist dem Geheimnis dieses einzigartigen Landstriches auf der Spur.

Er folgt zwei Flüssen (Fella und Slizza), erlebt drei Kulturen und vier Sprachen (Italienisch, Deutsch und Slowenisch). Schon die Römer wussten schon, dass es sich hier gut leben lässt. Nachfolgende Regenten zerrten das Gebiet mal auf ihre Seite, mussten es anschließend wiederum an Andere abgeben.

Den ersten Kontakt mit dem Tal – sozusagen das erste Highlight – ist die Küche. Hier muss der Leser das erste Mal innehalten. Leberknödelsuppe, Tellerfleisch und Gurkensalat mit süßem Rahm. Klingt vertraut und doch ein wenig anders. Probieren. Genießen. Sich zurücklehnen.

Der Kanaltaler Kulturverein ist das Gewissen des Tals. Hier wird die Tradition nicht nur hochgehalten, sie wird gelebt. Die siebentausend Einwohner des Kanaltals sind stolz auf ihr Tal und ihre Herkünfte.

Hans Messner besucht nun die Orte des Tals. Tarvis, Camporosso, Ugovizza, Malborghetto, Pontebba – sie alle haben ihren Reiz und Charme. Um es dem Leser / Reisenden einfacher zu machen, werden einzelne Persönlichkeiten vorgestellt. Sie bieten das, was man im Urlaub sucht: Erholung, eine Ruhestätte, eine Einkehr nach erlebnisreicher Wanderung oder haben das im Angebot, womit man die Daheimgebliebenen überraschen kann.

Die große Anzahl an eindrucksvollen Bildern – viele vom Autor selbst – vermitteln einen Einblick ins fast unbekannte Kanaltal. Wer im Herzen Europas noch etwas Neues entdecken will, der muss ins Kanaltal kommen. Den Reiseband gibt es nun bereits…

Redenta Tiria

Redenta Tiria

Abacrasta ist kein Ort, in dem leben möchte. Auch nicht tot überm Zaun hängen. Über diesem Ort schwebt das Mysterium des Todes. Ein Beamter, Rentner, hier geboren, hier gearbeitet, hier wird er wohl auch sterben, hat es sich zur Aufgabe gemacht diesem Mysterium auf den Grund zu gehen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund binden sich die Männer, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, ihre langen Gürtel, die bisher das Rutschen der Beinkleider verhinderten, um den Hals um ins Totenreich hineinzurutschen. Frauen nehmen sich einen Strick. Ihr Fardetta, der schwarze Faltenrock, der so typisch für Sardinien ist, benötigt keinen Gürtel.

Dieses Phänomen endet als Redenta Tiria in Abacrasta auftaucht. Eine betörende Schönheit (bestechend echt eingefangen auf dem Buchcover), die, blind, nicht sehend (!), wie aus dem Nichts in das nicht einmal zweitausend Seelen zählende Dorf kommt.

Der Erzähler berichtet von den Einheimischen. Jeder hat so seinen Tick. Sie sind Handwerker, Huren und Hallodris. Sie alle vereint das Schicksal Abacrasta. Früher oder später hören sie die Stimme, die sie (abbe-) ruft. Die Menschen der Nachbargemeinden meiden den Ort und ihre Bewohner. So ist Abacrasta der einsamste Ort der Insel. Aber auch der mit dem schönsten Geschichten. Der Leser vertieft sich in diese kleine Welt des Schicksals. Zum Schluss kommt auch der Autor in den Genuss Redenta Tiria kennenzulernen…

Salvatore Niffoi ist verantwortlich für diese seltsamen Geschichten aus dem Herzen Sardiniens. „Redenta Tiria“ war sein großer Durchbruch als Autor. Je mehr man sich in diese Geschichte vertieft, desto mehr begreift man auch warum. Mit Liebe zu den Menschen, ihren Marotten, mit geschultem Auge für ihre Schicksale setzt Niffoi den Sarden ein literarisches Denkmal. Eines, das Lust macht Sardinien zu erkunden, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, ihre Kultur aufzusaugen ohne sie auszusaugen. Dieses Buch gehört ins Handgepäck, wenn es gen Süden nach Sardinien geht!