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Schottland fürs Handgepäck

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Modezaren halten die Schotten für die freiesten Menschen der Welt. Engländer halten die Schotten für die Eigenartigsten. Ihr Dialekt ist für Englischsprechende gewöhnungsbedürftig. Schottland gehört immer noch zu den Geheimtipps für Individualreisende. Zerklüftete Felsformationen, ein stetig beißender Wind, eine Sportkultur, die echte Kerle erfordert. Das ist Schottland.

Das ist ein Klischee. Diese Zusammenstellung von Texten beweist, dass Schottland mehr ist als das Land der rauen Sitten. Virginia Woolf besucht Skye, die Insel des Whiskeys. Ringsum nur Meer, absolute Stille … fast wie in der Südsee. Eine eigenwillige Deutung der Umgebung.

Theodor Fontane lässt’s spuken bzw. ist dem Spuk auf der Spur. Und Coco Chanel lässt sich beim Angeln begleiten.

Jede einzelne Geschichte zeigt Schottland von einer anderen Seite. Der Leser wird jedes Mal aufs Neue überrascht und neugierig gemacht. Wer in einem Reisebuch blättert, weiß, wo er lang gehen muss, um fest in der Erde verankerte Zeugnisse der Geschichte zu finden. Ihm wird der Weg zu ehrfürchtigen Gemäuern und Trutzburgen gezeigt – auch das ist Schottland.

Wer den Weg in die schottische Seele sucht, kommt um intensiveres Lesen nicht herum. Seit Zeiten haben die schottischen Highlands, die düsteren Schlösser und die weite See die Phantasie beflügelt. Einsam an den Klippen zu sitzen, der tosenden See zu lauschen – ein Traum für Viele. Doch diese Eindrücke in Buchstaben, Worten, Sätzen festzuhalten, gelingt nur Wenigen. Die, denen es gelungen ist, sind in diesem Buch versammelt. Sie schildern ihre Eindrücke zweifelsfrei. Dem Leser bleibt es überlassen nur in Gedanken nach Schottland zu reisen oder gleich die Koffer zu packen. Letzteres wird meist vor sich hergeschoben. Das Reisefieber wird allerdings nicht so schnell zu kurieren sein.

„Schottland fürs Handgepäck“ ist aber nicht einfach nur der Titel des Buches, es ist eine Aufforderung. Dieses Buch darf man nicht zu Hause liegen lassen. Immer mal wieder darin blättern. Die eine oder andere Geschichte abermals lesen. Das ist die Bedienungsanleitung für dieses Buch.

Durch das Herz Englands

Durch das Herz Englands

Das Herz Englands ist nicht London! Es liegt viel weiter im Norden. Dort, wo es kaum Premier League Clubs gibt. Und es gibt dort einen Wanderweg von Westen nach Osten (oder umgekehrt, ganz wie es beliebt), der außerhalb der Insel kaum bekannt ist. Zeit ihn zu erkunden.

Dreihundertzwanzig Kilometer zu Fuß. Nicht auszudenken wie dick das Buch wäre, wenn sich Erik Lorenz Russland vorgenommen hätte. Oder wie dünn, wäre die Wahl auf Panama gefallen. So sind es knapp 400 Seiten geworden. Wenn man so will: Eine Seite für eine halbe Meile.

Erik Lorenz unternimmt die Reise zusammen mit seinem Vater. Die raue Irische See im Rücken, dreißig Kilo Gepäck auf den Schultern kämpfen sie sich langsam ostwärts. Vorbei an pittoresken Ortschaften, durch den Lake District. Einen Plan haben die beiden nicht. Wozu auch? Wer weiß schon wie viel Wegstrecke man pro Tag zurücklegen kann? Und dann hätten die beiden schon sechs Monate im Voraus buchen müssen. Als Abenteuer wäre diese Reise nur bedingt durchgegangen. Außerdem wusste Erik Lorenz vor einem halben Jahr noch nicht, wo er sich jetzt befinden würde.

Immer wieder treffen die beiden Menschen, die sich in dieser regendurchnässten Gegend eingerichtet haben. Bestimmten hier einst Minen den Alltag und die Landschaft, so ist es kaum fassbar, dass sich die Natur ihren Besitz zurückerobert hat. Windumspülte Gipfel, rutschige Abstiege und ein wolkenverhangener Horizont – das sind die Zutaten der Wanderung von Vater und Sohn. Während der Junior schnell anfängt zu schwächeln – dreißig Kilo Gepäck hinterlassen halt Spuren – ruft der Senior zur Disziplin. Den Eindrücken tun die Schmerzen keinen Abbruch. Immer wieder findet Erik Lorenz die Zeit die Erlebnisse mit Menschen Kaum ein Detail, das er nicht niederscheibt. Bis … ja bis die Reise unvermittelt ins Stocken gerät. Stillstand. Sein Vater hatte einen Unfall, muss zurück in heimische Gefilde. Die Wanderung zum Scheitern verurteilt? Das Experiment West-Ost-Durchquerung am Ende? Nein, es pausiert. Nach Wochen der Erholung hat Erik Lorenz wieder Kraft getankt und nimmt die verbleibenden Meilen in Angriff. Allein. Unterwegs schließt er sich das eine oder andere Mal Gruppen an. Allein ist es aber, den Eindruck gewinnt der Elser, doch am einfachsten.

Und wieder wird ein Vorhaben auf eine harte Probe gestellt. Mitten in den Mooren verläuft sich Erik Lorenz. Selbst die Einheimischen sind keine große Hilfe. Kartenlesen – alles gut und schön. Aber wenn man nicht weiß, wo man sich befindet, ist es ein schwieriges Unterfangen den rechten (richtigen) Pfad zu wählen.

Mit unbändiger Neugier erobert der Autor das unbekannte England. Geschichten von unterwegs bereichern die Wanderwege einige Male. Kein Wanderführer – vielmehr ein Wanderappetitanreger mit Substanz.

Die Bounty war sein Schicksal

Die Bounty war sein Schicksal

Die Liste der Seefahrer Englands bzw. des britischen Empires enthält eine Menge berühmter und berüchtigter Namen. Sir Francis Drake, der geadelte Pirat zum Beispiel. Oder auch William Bligh, der 1962 in alle Ewigkeit auf Zelluloid gebannter Tyrann der Südsee, der nur von einem Helden gestoppt werden konnte, nämlich Marlon Brando. Ha, denkste! Bligh war sicherlich kein zahmer Stubentiger. Aber tyrannisch? Ein ewig Peitsche schwingender Choleriker? Jann M. Witt hat sich den scheinbar komplett erkundeten Charakter noch einmal vorgenommen und Erstaunliches zu Tage gefördert.

William Bligh wuchs nicht gerade mit dem goldenen Löffel im Mund auf. Dennoch: Als Sohn eines Zolloffiziers waren ihm einige Wege auf der Karriereleiter frei zum Erklimmen. Schon damals, Mitte des 18. Jahrhunderts wurde genau Buch geführt. Und so kommt es, dass er, wenn man sich allein nur auf die Zahlen und Aufzeichnungen verlässt, mit sieben Jahren schon auf den Planken, die für ihn einmal die Welt bedeuten sollten, stand. Jann Witt ist aber nicht so zahlengläubig, und schenkt diesen Aufzeichnungen wenig Beachtung – es machte sich halt gut im Lebenslauf, wenn man schon ein paar Jahre Seemannserfahrung aufweisen konnte, bevor man in See stach. Young Willy – nein, so respektlos wollen wir nicht sein – der junge William Bligh überzeugte schon früh mit mathematischer Begabung. Navigation im 18. Jahrhundert war vor allem ein Glücksspiel. Seine Berechnungen waren außerordentlich gut für die Zeit. Dennoch wurde er bei Beförderungen wegen mangelnder Förderer stets übergangen.

Als er unter James Cook, dem großen Entdecker zur See fährt, wittert er Morgenluft. Das könnte seine große Chance werden. Doch auch Cook streicht zu früh die Segel. Bligh muss weiterhin für seinen Ruhm kämpfen. Ein erster Schritt ist die Heirat mit der richtigen Frau. Sein Schweigervater öffnet dem jungen Offizier durch Geld und Einfluss so manche Tür. Bis Bligh eines Tages die „Bounty“ in die Hände bekommt.

Die Geschichte ist hinreichend bekannt. Die eigentliche Leistung, die im Film nicht so recht rüberkommt, ist die Tatsache, dass der gewiefte Seefuchs Bligh mit spärlichsten Mitteln sich und seine klein Crew sicher übers unendliche Meer manövrierte. Fletcher Christian, der Anführer der Meuterer, ist wohl der eigentliche Tyrann gewesen. Verarmter Adel und eine antiquierte, sture noblesse oblige sind eine gefährlich Mischung.

Jann M. Witt rückt die Welt der Seebären wieder gerade. Bereits nach einem Drittel des Buches weiß man mehr über Bligh als in 178 Minuten Zelluloid-Hollywood-Heldenwahn. Wem Trevor Howards Darstellung den Mund wässrig gemacht hat (Autor Jann M. Witt ging es jedenfalls so), der wird in diesem Buch oft eines Besseren belehrt, zumindest jedoch mit der ungeschönten Wahrheit konfrontiert. Mit diesem Buch geht kein Kinofan wie eine bleierne Ente unter.

Lesereise Wales

Lesereise Wales

Fassen Sie Ihr Wissen über Wales doch einmal zusammen! Am Ende des vergangenen Jahrhunderts war die walisische Fußballnationalmannschaft ein unangenehmer Gegner der Deutschen. Die Ortsnamen sind ausnahmslos unaussprechbar. Vopn hier stammen erstklassige Rockbands wie die Manic Street Preachers und „The Welsh Potting Machine“ Mark Williams gehört zur Weltspitze im Snookersport. Das ist alles richtig, aber es ist wirklich gar nichts, was man über Wales wissen muss. Michael Bengel nimmt den Leser mit auf eine Reise, die man niemals vergessen wird. Denn Wales ist vielschichtiger und vor allem anders!

Die Gartenlandschaften verdienen ihren Namen. Es sind nicht einfach nur wohlgestaltete Pflanzanlagen. Hinter jeder Hecke lauert Geschichte. So manch einer hat eine Jagdhütte, die zumal auch als Stecknadelfabrik taugte, über mehrere Dutzende Meilen sich in den Garten gesetzt.

Hotels verströmen ein historisches Flair. Fernab moderner Interieurskunst ist Handarbeit gefragt. Rustikaler Charme, der wie gemacht ist, um sich von der Ruhe einfange zu lassen.

Als Kontrastprogramm stürzt man sich todesmutig von den Klippen, um dann anschließend, adrenalingepeitscht aus der schäumenden Irischen See die Klippen kletternd wieder ans Festland zu gelangen. Coasteering nennt man das, und es wurde hier erfunden.

Allein diese drei Geschichten lassen Großes erahnen – dabei ist man erst auf Seite 32, noch einhundert liegen vor dem Leser. Wales ist anders. Michael Bengel wird nicht müde seine These mit jeder Zeile zu unterstreichen. Für Besucher gerät dieses Buch zur Bibel des Außergewöhnlichen. Erfährt man in Reisebänden, was es alles an Gebäuden und Aussichtspunkten gibt, so kann man diese Lesereise als Kulturwegweiser durch Wales adeln. Kaum eine Eigenart Wales‘ und der Waliser die nicht erwähnt wird.

Und wer noch nicht genug hat vom Lesen über Wales, der geht zum Lesen in Wales über, und zwar in Hay-on-Wye, dem ersten Bücherdorf der Welt. Stunden-, ach was wochenlang kann man hier in alten Büchern schmökern. Und gleichzeitig die Ruhe des kleinen Örtchens genießen. Als Einstimmung dient Buch.

Südengland

Südengland

Südengland. So brütend heiß wie Südspanien? Nö! So maßlos überteuert wie Südfrankreich? Nö! Warum also nicht den Beatles in Liverpool huldigen? Oder dem Shoppingwahn in London verfallen? Ganz einfach: Weil hier England noch England ist. Liebevoll gestaltete Häuser in nicht minder fein herausgeputzten Ortschaften. Das gesunde Grün der unverbauten Flächen. Mächtige Trutzburgen aus vergangenen Zeiten. Na, wenn das kein Anreiz ist mal dorthin abzuhauen … Ach ja noch etwas: Der Michael-Müller-Verlag hat einen Reiseführer dazu neu aufgelegt. Kenner wissen, dass da nun nichts mehr schiefgehen kann.

Ralf Nestmeyer ist eher als Verfasser von Reisebüchern über Frankreich bekannt, doch auch die Insel hat es ihm angetan. Und so verschieden sind Frankreich und England nun auch wieder nicht. Ein mehr als gehöriger Prozentsatz der englischen Wörter stammt aus dem romanischen, und damit ist die Verwandtschaft besiegelt. Auch denke man an den so genannten Hundertjährigen Krieg im Mittelalter, der die beiden Lager bis heute zu trennen scheint.

Aus der Kalten heraus einen Ort in Südengland zu benennen, fällt vielen schwer. Erst nach einigen Überlegungen kommen einem Dover, Portsmouth und Southampton in den Sinn. Und Brighton natürlich. Dort, wo sich in den 60er Jahren Rocker und Mods gegenseitig (und publikumswirksam) sinnloserweise die Schädel einschlugen. Heute ist es die Partymeile der Insel. Doch Südengland ist weitaus mehr als nur gedankenloses Besäufnis. Hier kann man wandern bis es dunkel wird ohne auch nur einen Menschenseele zu begegnen. Hier kann man noch echte Geschichte atmen. Dabei trifft man dann aber doch den Einen oder Anderen. Denn ein Geheimtipp ist Südengland auch außerhalb der Insel schon lange nicht mehr.

Ralf Nestmeyer lässt die offensichtlichen Attraktionen nicht links liegen, konzentriert sich aber bei seinen Recherchen auf die wahren Schönheiten im Süden Englands. Wer sich entscheidet hier die schönsten Tage des Jahres erholsam für Körper und Geist zu verbringen, wird nicht enttäuscht.

Cornwall

Cornwall & Devon

Golfstrom, ein tosender Meereswind, saftige Weiden, schroffe Felsformationen – rau und sanft zugleich. Klingt wie in einem schnulzigen Roman. Willkommen in Cornwall. Das Land, das durch so manchen Roman kitschig verklärte Vorstellungen in uns hervorruft. Edle Landherren, die auf weißen Pferden das gefallene Mädchen retten. Im Hintergrund schlagen die angsteinflößenden Wellen gegen die standhaften Felsen im Südwesten Englands. Sie werden dem Glück nicht entgegenstehen.

Zugegeben, diese Ecke Englands lädt geradezu zum Schwelgen ein. Jeder Ort buhlt mit seiner akkurat gestutzten Vorgartenidylle um die Blicke der Besucher. Marvellous, amazing, beautiful. Auch Englischmuffel werden an diesem Vokabular nicht vorbeikommen. Ein bisschen Inspector Barnaby mit Meerblick.

Ralf Nestmeyer lässt sich von so viel Charme nicht einlullen. Doch eine nüchterne Recherche kann es auch nicht gewesen sein, die dieses Buch entstehen ließ. Denn so manches Kleinod hat der Autor ausgegraben.

Cornwall ist einigen ein Begriff, Devon hingegen zaubert ein Fragezeichen in die Gesichter. Cornwall bildet den südwestlichsten Zipfel der Insel, Devon ist die Grafschaft östlich davon. Und hier gibt es die kuriosesten Ortschaften. Westward Ho! ist wohl der einzige Ort der Welt mit einem Satzzeichen im Namen. Oder Clovelly. Hier kostet der Besuch den Dorfes Eintritt – 6,50 Pfund, Kinder zahlen nur 4 Pfund – denn das ganze Dorf ist in Privatbesitz.

Fernab dieser Kuriositäten weiß Ralf Nestmeyer so manche Story zu erzählen, die jede Tagesplanung zu einem vergnüglichen Erlebnis werden lässt.

London

London

Städtereisen mit Kindern? Ein Wagnis. So viele Eindrücke strömen auf die wissbegierigen Kleinen ein. Zu viel. Da ist guter Rat teuer. Nicht immer. Denn mit diesem erstklassigen Buch ist man bestens gerüstet für eine Reise in eine der schönsten und eindrucksvollsten Städte der Welt. Einst war sie die unumstrittene Weltmetropole: London. Miroslav Sasek hat bereits 1959 dieses Buch veröffentlicht. Und es war ein Riesenerfolg. Di eNew York Times kürte es zum am besten illustrierten Kinderbuch. Verständlich. Denn die Zeichnungen in diesem Buch sind kindgerecht und auch bei Erwachsenen erstehen vor dem geistigen Auge Bilder, die man gern in der Realität sehen möchte. Die kurzen Texte umreißen das zu Erwartende in der britischen Hauptstadt.

Nun ist es beim Verlag Antje Kunstmann in einer Faksimile-Ausgabe  neu erschienen. Das heißt, es wurde nichts verändert. Der nostalgische Schleier von einem halben Jahrhundert umweht diese Ausgabe.

Der Autor sieht London durch die Augen von Kindern. Das heißt, man eigentlich nichts, denn in London herrscht immer Nebel. Ein Klischee. Aber so lockert man die Stimmung gleich zu Beginn auf. Farbenfroh geht die Reise weiter. Als erstes fallen einem die Bobbys auf. Die Polizisten in ihren schneidigen Uniformen und den für London so typischen Mützen. Nicht vergessen – das Buch wurde vor über 50 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht. Heute sind die Polizisten immer noch auffällig, aber bei weitem nicht mehr so ungewöhnlich gekleidet. Bank of England, St. Pauls Cathedrale, Billingsgate und die Börsianer mit ihren Bowler-Hüten prägen das Stadtbild heute wie damals. Okay, die Bowler sind eher Casual-Wear gewichen. Doch ab und zu sieht man diese Uniform doch noch. London ist halt doch traditionell.

Am Ende des Buches werden einige in diesem Buch dargestellte Fakten in die Gegenwart transformiert. Denn trotz allem Traditionsbewusstseins, entwickelt sich London weiter. Nicht nur die Bowlerhüte sind fast verschwunden. Auch die Fleetstreet ist schon lange nicht mehr das Mekka der schreibenden Zunft. Rupert Murdoch sei Dank. Geblieben sind jedoch die Wachposten mit ihren Bärenfellmützen. Anhand ihrer bunten Federn kann man ihre Regimentszugehörigkeit erkennen: Rot, das sind die Coldstreams, Weiß die Grendaiere, Blau für die Irish Guards, die Welsh Guards haben ein weiße Feder mit einem grünen Streifen. Nur die Schotten sind federlos. Ja, auch wir Erwachsene können aus diesem Buch lernen.

Ein köstlicher Lesegenuss für Groß und Klein. Klare Linien und knappe Texte. So wird London zum Erlebnis.

Porridge, pies and pistols

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Achtung Vorurteil! Englische Küche und mörderische Gedanken – das passt. Wie gesagt, ein Vorurteil. Doch sollte man sich vorsehen, wenn ein vertrauensseliger Passant an den Moher Cliffs in Irland einen Sheperds Pie anbietet. Das Gericht könnte wortwörtlich zubereitet sein.

Oder eine altehrwürdige englische Lady – die gar keine Lady ist (wie auch immer man das selbst beurteilen will) – ihre Lebensgeschichte erzählt. Vorsicht, hinterfragen Sie jedes einzelne Detail!

Krimischwester Ingrid Schmitz hat nach dem Erfolg von „Muscheln, Mousse und Messer“, in dem sie mörderische Geschichten aus und über Frankreich zusammengetragen hat, sich nun dem British Empire zugewandt. Den Bewohnern wird ein besonderer, schwarzer, Humor nachgesagt. Auch wenn die Autoren aus dem deutschsprachigen Raum stammen, so treffen sie immer den richtigen Ton.

Egal, ob Schreibblockaden sie zu ihren Taten treiben oder einfach nur unverdauter Hass: Alle Opfer und auch die Täter haben eines gemeinsam. Sie töten (oder werden getötet) während des Essens, bei der Zubereitung oder durch das verzehrte Mahl.

Das Besondere an diesem Buch sind die Rezepte am Ende der Kapitel. Denn das Opfer fällt beispielsweise nicht einfach so in sein Essen. Nicht nur das Blut spritzt. Nein auch die Soße. Und wie man die zubereitet, wird gleich mitgeliefert. Ein Rundum-Sorglos-Paket für Mörder á la Britain!

„Porridge, pies and pistols“ ist die ideale Reiselektüre, wenn es auf die britischen Inseln gehen soll. Eine Prise Lokalkolorit, eine Messerspitze bitterböser Humor, ein Teelöffel Gift, eine Handvoll Rachegelüste und eine gehörige Portion Phantasie. Alles gut aufkochen, hin und wieder abschmecken. Und schon hat man eine lesegenussvolle Mahlzeit, die über so manchen trüben Tag hinweghilft.

Alle Geschichten sind knackig geschrieben. Langeweile? Fehl am Platz! England, Schottland, Irland – überall wird gemordet. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Und mit den unterschiedlichsten Waffen. Die von Ingrid Schmitz in Auftrag gegebenen und hier versammelten Stories sind mit spitzer Feder geschrieben. Hier werden Kochbessesene und Krimifans gleichsam bedient. Die Rechnung zahlt der Leser mit Freuden.

Wales

Wales

In den 80er und 90er Jahren erzitterte regelmäßig Fußballdeutschland vor einem vermeintlichen Fußballzwerg. Immer wieder gestaltete sich das Spiel gegen die walisische Nationalmannschaft zu einer Zitterpartie – nicht immer mit befriedigendem Ausgang. Ein paar Jahre war Cardiff Austragungsort des englischen Pokalfinals, weil das Wembley-Stadion „umgebaut“ (lieblos abgerissen und emotionslos wieder aufgebaut träfe es wohl besser) wurde. Snooker-Fans kennen sicherlich Matthew Stevens und Mark Williams, die walisischen Snooker-Asse. Letzterer ist übrigens in Cwm, Ebbw Vale geboren. Somit hätten wir die dritte Assoziation mit Wales, dem Stiefkind der britischen Insel: Eine unaussprechliche Aneinanderreihung von Konsonanten.

Dieser bedauernswerte nicht einmal zum Halbwissen taugende Wissensschatz wird dank Andreas Bechmann in ein Füllhorn an Erfahrungen umgemünzt. Doch zuerst ein Blick auf das Ende des Buches. Das befindet sich eine handliche Karte, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen.

Im Jahr 2013 hat man beim Michael-Müller-Verlag endlich den Autor gefunden, der den letzten weißen Fleck Westeuropas mit strahlenden Farben füllt.

Wales steckt voller Geschichte. Kaum ein Landstrich, der nicht mit einer geschichtsträchtigen Burg aufwarten kann. Saftige Weiden und Weiten, schroffe Küstenformationen und ein schwer zu knackender, aber unglaublich liebenswerter Menschenschlag – das ist Wales. Zehn Wanderungen durch den westlichen Zipfel der britischen Insel hat Andreas Bechmann zusammengestellt, der den Besucher die gesamte Bandbreite dieses abwechslungsreichen Landes näher bringt. Zahlreiche Karten und Pläne erleichtern die Orientierung vor Ort. Farbig unterlegte Kästen unterbrechen auf unterhaltsame Weise den Lesefluss, und schon nach wenigen Seiten hat man das Gefühl Wales schon viel länger zu kennen, obwohl man noch nie dort war.

Wales ist kein Urlaubsziel für jedermann. Ein ordentliches Maß an Neugier und ein gewisse Ausdauer sollte man schon mitbringen. Hier erwarten den Besucher keine hochmotivierten Animateure auf den Straßen, die einem mit „Super-Angeboten“ in einen Klub oder eine Mall zerren wollen. Hier regiert die gegenläufige Zeit im Gleichschritt mit dem Fortschritt. Wales ohne Andreas Bechmanns Wales-Reiseführer? Möglich. Aber bei Weitem nicht so anregend und wissenswert.

Die irische Meerjungfrau

Die irische Meerjungfrau

Foley ist ein ruhiges, verschlafenes Nest im äußersten Nordwesten Irlands. Hier ist die Welt noch in Ordnung, sofern man die reichlich einhundert Bewohner in Ruhe lässt. Eigentlich genau das Richtige, wenn man Ruhe sucht. Doch Fin O’Malley ist nicht wegen der Ruhe hier. Sein Chef hat ihn hierher abgeschoben. O’Malley ist Detective Seargant bei der Polizei in Dublin. Nach einigen Eskapaden setzt ihn seine Frau vor die Tür. Seine Sauftouren brachten seinen Chef dazu ihn zu „verbannen“ – so was nennt man dann wohl „einen Scheiß-Tag haben“.

Und an eben so einem Tag, in so einer Gegend soll Fin O’Malley Ausschau nach Thomas Keane halten. Das Grab hat der verschrobene Stadtbulle schon gefunden. Und mit dem Fund auch gleich die Erkenntnis, dass das Grab leer ist. Keane wurde angeblich von der See verschluckt. Thomas und Jack Keane waren Jahre zuvor der Schrecken der Polizei. Ihre gewitzten Überfälle hielten Fahnder und Medien lange auf Trab. Zehn Jahre lang gab es keine ähnlich verübten Raubüberfälle mehr. Bis vor Kurzem ein Van Gogh geraubt wurd

Der findige Kommissar gibt sich als Journalist auf der Suche nach einer Story aus, so ‘n Familiending. Doch das angeborene Misstrauen und die allgegenwärtige Bauernschläue der Einwohner Foleys lassen den vermeintlichen Coup platzen. Foleys Einnahmequellen sind … sagen wir mal dubios.

Bei seinen Erkundungstouren durch die Gedanken der Einwohner und die Gegend Foleys stößt Fin O’Malley auf Erstaunliches: Tiefverwurzelter Koboldglaube, ein Pfarrer, der wie die Jungfrau zum Kinde zu seinem Job kam, eine Restauratorin, die so gar nicht ins Bild der irischen Dorfidylle passt. Und diese kommt O’Malley wie eine Meerjungfrau vor. Wenn er wüsste welches Geheimnis sie in sich birgt…

Carolin Römers Erstling strotzt vor irischer Alltagstreue. Detailgetreu verpasst sie ihren Helden ein original irisches Korsett, das es den Handelnden erlaubt einen Freiraum zu entwickeln. Die verqualmte Atmosphäre in den Pubs (trotz Rauchverbot!) wickelt den Leser wie auch den Ermittler in rauchige Schwaden tiefsten Dickichts, das durchdrungen werden will. Wer bisher Irland als Land saftiger Weiden und glücklicher Schafe, als Land dicker Wollpullover tragender, Bier trinkender Menschen

Erhält bei Carolin Römer eine ordentliche Tracht Prügel in Sachen Iren und irischer Kultur. Und obendrauf gibt es ein Ende, das so keiner vermutet.

Und für eine Fortsetzung ist auch schon gesorgt.