Kategoriearchiv: Literally Britain

Interpol ermittelt – The art of asking the right questions

Interpol ermittelt

Eine Fremdsprache zu lernen, ist im Allgemeinen eine schwierige Sache je einsilbiger der Unterricht ist. Englisch lernen im Speziellen scheint immer einfacher zu werden. Es gibt eine Vielzahl an alternativen Bildungsangeboten – wie es neuerdings heißt – um die universelle Weltsprache zu erlernen und zu vervollkommnen. Die Einstufung der Sprachkenntnisse von A1 bis C3 ist dabei lediglich ein Hilfsmittel für sich selbst, um herauszufinden, was „alles noch benötigt wird“. Wer sich bereits auf Englisch verständigen kann, also im englischen Sprachraum keine Angst haben muss zu verhungern, für den ist es erstrebenswert die Feinheiten aus der Sprache zu kitzeln.

Wenn man schon einige Gespräche in der Fremdsprache Englisch erfolgreich absolviert hat, ist die Lust noch einmal die Schulbank zu drücken nicht gerade groß. Zu Vieles kennt man, fühlt sich gelangweilt und im falschen Kurs. Spielerisch die eigenen skills erweitern, bereits Gehörtes in den allgemeinen Sprachgebrauch einfließen lassen, und somit die Fremdsprache zur zweiten mother tongue erheben. Das ist possible. Und zwar mit diesem Spiel:

Krimis liegen in der Gunst der Leser schon immer ganz weit vorn. Wird es der killer schaffen die cops erneut zu foppen? Wird das victim gerächt? Wie schaffen es die Ermittler den case zu knacken, um endlich die file schließen zu können? Als Ermittler – und hier sind sich Deutsch und Englisch verdammt nahe – muss man die W-Fragen beantworten können. Wer – Was  – Wo – Warum – Wann und Wie (einziger Unterschied zum Englisch: Das einzige Fragewort mit „H“ für how). Sind diese Fragen geklärt, schnappt die Falle zu!

Daraus ein Spiel zu machen, dass Spaß und Lerneffekt miteinander verbindet – connectet wäre jetzt echt das falsche Wort, um die Bedeutung von Englisch klarzumachen – wäre somit das ideale Hilfsmittel, um sein Englisch zu perfektionieren. The art of asking the right questions  heißt es im Untertitel zu diesem Spiel der Reihe „Interpol ermittelt“, das es auch für Französisch, Spanisch, Italienisch und sogar Deutsch gibt. Denn nur wer die richtigen Fragen korrekt (!) stellt, bekommt auch die richtigen Antworten. Übung macht den Meister(detektiv)!

Dreißig Situationen muss der Sprachermittler bewältigen. Mit den sechs Fragekarten (WWWWWH) muss nun der Fall gelöst werden. Wie in so vielen Spielen gilt, wer die meisten Karten bei sich und seinem Team versammelt, gewinnt. Das Spiel kann man auch zu zweit spielen, in großer Runde (bis zu sechs Spielern) ist der Spaß- und Lerneffekt jedoch größer. Als Gejagter schlüpft man in eine Rolle, die wird auf der Rückseite der Plotkarten klar in ausformulierten Sätzen umrissen. Auf der Vorderseite steht das Verbrechen, der Tatort, der Verdächtige, das Motiv, eventuell die Tatwaffe und die Tatzeit. Ermittler bekommen „nur einzelne Worte als Hilfsmittel vorgesetzt“. Je nach Sprachkenntnissen dauert eine Runde ca. zwanzig Minuten. Je öfter man es spielt, desto routinierter wird man als Ermittler. Und vielleicht winkt ja am Ende gar eine Karriere beim Yard… who knows?!

Das große Hercule Poirot Buch

Das große Miss Marple Buch

Der Plymouth-Express

Auftritt Hercule Poirot: Er soll den Tod von Mrs. Rupert Carrington untersuchen, oder am besten gleich aufklären. Die junge Dame wurde erstochen im Plymouth-Express gefunden. Ein junger Marine-Offizier, der auf dem Heimweg war, hat sie auf eine doch etwas makabre Art und Weise entdeckt: Sie versperrte ihm den Platz für seinen Koffer. Mrs. Rupert Carrington hieß einst Flossie Halliday und war die Tochter eines Industriellen. Für den hat Hercule Poirot schon einmal gearbeitet. Und schon arbeiten die kleinen grauen Zellen auf Hochtouren. Flossie hätte einst fast die falsche Wahl getroffen und einen echten Halodri geheiratet. Es kam anders, doch so recht glücklich sollte sie nicht werden. Das war auch ihrem Vater bekannt, der seine Tochter beschützen wollte. Die Frage ist wie jemand ermordet werden kann, aber kein Mörder weit und breit zu sehen ist. Denn damals waren die Zugabteile nicht miteinander verbunden. Der Mörder konnte also nicht in einem Abteil morden und dann ungesehen in ein anderes verschwinden. Hilfe bekommt die Spürnase nur von Hausmädchen des Opfers.

Gleich die erste Geschichte des „großen Hercule Poirot Buches“ lässt den Leser an den eigenen detektivischen Fähigkeiten zweifeln. Denn der Mörder kann sich nur in Luft aufgelöst haben. Und mystery stories waren nicht das Ding der Grand Dame des Kriminalromans. Wie also hat der Mörder gearbeitet? Hercule Poirot lässt ganz rational die Fakten für sich sprechen. Was nicht bewiesen ist, kann und muss angezweifelt werden. Nur echte Fakten führen zum Erfolg. Und ein wenig Phantasie…erucle Poirot:H

Die Pralinenschachtel

Paul Déroulard sieht einer grandiosen Karriere als Minister entgegen. Als entschiedener Gegner der katholischen Kirche hat er mächtige Feinde. Eines Abends, nach einem gelungenen Mahl im Kreise der Familie und zweier Gäste, die er beherbergt, eines Abends, im Salon bei knisterndem Feuer, eines Abends, beim Schlummertrunk und seiner geliebten Pralinen, bricht Monsieur Déroulard mit hochrotem Kopf zusammen. Tot. Auf der Stelle. Die Ärzte können nichts weiter als eine natürliche Todesursache feststellen. Ein junges Mädchen, ganz so wie es sein sollte – eine wunderbare, in Französisch formulierte Umschreibung, bittet Hercule Poirot um die Aufklärung der Umstände. Er, ganz Gentleman, kann ihr die Bitte nicht verweigern. Er macht sie auf die Suche. Findet den Weg zur Apotheke, findet die Mitbewohner, befragt das Personal und kommt zu dem Entschluss, dass es …

Hercule Poirot scheitert! Ja, er scheitert! Das muss er Colonel Hastings eingestehen, dem er diese Geschichte erzählt. Denn Poirot hat zwei Sachen vergessen. Die Pralinenschachtel und die Geschichte. Geschichte im wahrsten Wortsinne. Agatha Christie lässt ihren überheblichen Detektiv einen gravierenden Fehler unterlaufen. Einen, den er nie wieder machen soll. Zum Glück war Hercule Poirot zum Zeitpunkt noch Bediensteter der Polizei und nicht der unfehlbare Privatdetektiv, der die ganze Verbrecherwelt in Angst versetzen soll.

Das Geheimnis des ägyptischen Grabes

Herzversagen, Blutvergiftung, Selbstmord und Tetanusinfektion – vier Todesfälle auf einmal. Zufall oder gekonnte Morde? Hercule Poirot reist nach Ägypten. Die Überfahrt gerät für ihn zum Desaster. Vier Tage auf dem Meer – das ist zu viel für die feine Spürnase. Eines der wenigen Dinge, die Poirot nicht verträgt, ist hoher Wellengang.

In Ägypten finden gerade die Ausgrabungen des Pharaos Men-her-Re statt. Eine unerklärliche Serie von Todesfällen erschüttert die Nachrichten. Poirot ist Mensch genug, um nicht dem Aberglauben zu verfallen, dass es einen Fluch gibt. Agatha Christie hat hier die aktuellen Ereignisse um das Entdecken des Grabes von Tutanchamun und dessen Fluch in einer Kurzgeschichte verarbeitet.

Während sich die ganze Welt daran ergötzt und mit Vergnügen die Neuigkeiten vom Ausgrabungsort, in der Hoffnung auf neue Schauermärchen zu erhaschen, verfolgt, stellt Hercule Poirot dem wahren Mörder eine Falle. Die Beweggründe für Mord sind überall auf der Welt die gleichen. Das weiß der Detektiv und fügt ein Puzzleteil ins andere …

Das Geheimnis um Johnny Waverly

Auch der Landadel hat’s schwer. Die Waverlys werden erpresst. Ihr dreijähriger Sohn Johnny soll entführt werden. Am 29., exakt um 12 Uhr mittags. Die Polizei kümmert diese Drohung wenig. Auch als ein zweiter Brief eintrifft, der die Entführung noch einmal bekräftigen soll, wird zwar etwas unternommen, was die Androhung letztendlich aber nicht von der Realität trennen lässt. Als die Standuhr zwölfmal schlägt passiert erstmal gar nichts. Panik, Hektik, Johnny ist weg. Genau in dem Moment, in dem die Kirchturmuhr zwölf schlägt. Das ist zehn Minuten zu spät! Oder ging dieses Mal die Standuhr falsch?

Hercule Poirot kommt er verzweifelten Mutter des Kindes zur Hilfe. Sie fand kurz vorher noch einen letzten Erpresserbrief auf ihrem Kopfkissen. Als die Standuhr zwölf schlug, wurde auf dem Anwesen ein Landstreicher gestellt. Der hatte Chloroform und einen letzten Brief des Entführers bei sich. Alles klar! Alles klar?

Hercule Poirot hat seine Zweifel. Beim Durchstöbern der Familiengeschichte fallen ihm allerlei Besonderheiten auf… Wer mit wem, warum koaliert, das ist hier die Frage – da bedarf es eines besonderen Quizmasters: Hercule Poirot.

Das Geheimnis des Plumpuddings

Plumpudding: Süßspeise, die in England gern an Weihnachten gereicht wird. Und die soll Monsieur  Poirot nicht essen. Unter gar keinen Umständen! Hercule Poirot, der bekennende Feinschmecker wird von Mr. Jesmond regelrecht bekniet das Weihnachtsfest auf Kings Lacey zu verbringen. Es ist von nationaler Bedeutung. Ein Rubin ist verlorengegangen. Ein besonders wertvoller. Ein besonders großer, wertvoller Rubin ist verlorengegangen. Einem indischen Prinzen, der sich – bevor er seine Cousine heiratet – in England noch einmal die Hörner abstoßen soll. Offiziell soll er den Rubin in eine modernere Fassung bringen lassen. Nun hat sich der Prinz nicht ganz an die Gepflogenheiten seines Standes gehalten und sich mit einer jungen Dame vergnügt. Sie durfte sogar den Rubin tragen und … verschwand mit dem guten Stück.

Auf Kings Lacey hat Hercule Poirot so gar keine Lust. Altes Gemäuer, alles ist muffig und kalt. Erst die Zusage, dass das Anwesen mit einer modernen Heizungsanlage ausgerüstet wurde, lässt ihn nachgeben. Die Gesellschaft ist familiär. Die jungen Leute halten allerdings nicht allzu viel von Tradition und machen sich einen Spaß daraus den Detektiv bei Laune zu halten. Denn sie sind der Meinung, dass der Mann vom Kontinent sich ebenfalls zu Tode langweilen wird. Sie „veranstalten“ einen kleinen Mord…

Das Geheimnis der spanischen Truhe

Noch’n Geheimnis. Das Letzte in dieser Geschichtensammlung, zumindest laut Inhaltsverzeichnis. Unter einer Truhe, einer spanischen Truhe, hat sich ein dunkler Fleck gebildet. Dem Diener fällt das natürlich sofort auf. Als er die Truhe öffnet, liegt da Mr. Clayton. Tot. Erstochen. Daher der Fleck. Major Rich ist verdächtig, denn er war und ist verliebt in Mrs. Clayton. Dass die beiden Herren eng befreundet waren, macht den Fall zu etwas ganz Besonderem.

Eigentlich hat Hercule Poirot keine Zeit sich um solche Fälle zu kümmern. Er steckt mitten in einem hochbrisanten Industriefall. Vor allem ist der Fall aber sehr lukrativ. Doch die Schlagzeilen in den Gazetten lassen ihm einfach keine Ruhe. Die Fakten holt er sich aus den Artikeln. Seine Assistentin Mrs. Lemon ist beim Aneinanderreihen der Fakten keine große Hilfe. Als Mann von Welt, und als Mann mit einem Weltruf kann Poirot schnell Kontakte knüpfen und verschafft sich so Zugang zu den Häusern der Gäste einer Party, in deren Vorfeld die Truhe zweckentfremdet wurde.

Poirot ermittelt sich nun durch die Gästeliste. Jeder der Befragten zeichnet ein anderes Bild von vermeintlichem Täter und Opfer. Die kleinen grauen Zellen arbeiten auf Hochtouren, so dass zum Schluss nur eine Möglichkeit bleibt: Dieser Mord hatte das Zeug zum perfekten Mord. Wäre da nicht Hercule Poirot.

Was wächst in Deinem Garten?

Hercule Poirot ist derart pedantisch, dass es ihm sofort auffällt, wenn etwas nicht symmetrisch ist. Eine Gabe, die seine Gegenüber oft unterschätzen. Ihm erlaubt es offiziell im Trüben zu fischen, obwohl er schon weitaus klarer sieht.

Bei der morgendlichen Postlektüre sticht ihm der Hilferuf von Amelia Barrowby ins Auge. Alleruntertänigst bittet sie den berühmten Detektiv ihr in einer heiklen und sehr familiären Sache zur Seite zu stehen. Er solle nur die Fakten sammeln, die Konsequenzen könne sie allein ziehen. Er antwortet, bekommt aber keine Nachricht. Mrs. Lemon, seine Assistentin ist dieses Mal ihren Chef einen Schritt voraus. Sie kennt die Ursache für das anscheinend ungebührliche Verhalten – Ameila Barrowby ist tot. Trotzdem antwortet Poirot der Verschiedenen und kündigt sein Kommen an. Dieses Mal erhält er sofort Antwort mit der Bestätigung, dass das alte Mädchen verstorben sei. Doch da ist schon Hercule Poirots Ehrgeiz geweckt. Unschuldig wie ein Lamm nimmt er vor Ort die traurige Mitteilung entgegen, dass Amelia Barrowby verstorben ist. Die Nachricht wird ihm von ihrer Nichte überbracht. Listig lässt Poirot schon da seine Augen alles aufnehmen und die kleinen grauen Zellen arbeiten. Inspector Sims von der örtlichen Polizei hat auch einen Verdacht. Das Hausmädchen, das reichlich im Testament der Verstorbenen bedacht wurde, hat ihr Strychnin verabreicht. Doch Poirots Ordnungssinn hat eine andere Theorie…

Der Traum

Na da haben sich die Richtigen getroffen: Der pedantische Detektiv, der so viel Wert auf sein Erscheinungsbild legt und der exzentrische Millionär Benedict Farley. Farley bittet … nein, er lässt per Brief den Detektiv bei sich einfinden. Er habe ihm etwas mitzuteilen und hoffe auch seine Unterstützung. Poirot ist exakt zur vereinbarten Zeit am Haus des Millionärs. Benedict Farley ist als Scheusal bekannt, ein verbitterter alter Mann, der die Seinen und den Rest der Welt an seinem Hass und seiner Unbill gratis teilhaben lässt. Ein schäbiger Morgenmantel ist sein Markenzeichen.

Der sticht auch Poirot sofort ins Auge. Poirot kennt bislang auch nur die Geschichten über den Auftraggeber. Dieser schildert ihm nun einen Traum, der ihn schwer belastet. Jeden Nachmittag, pünktlich um 15.28 Uhr gehe er an den Schreibtisch, zieht die rechte Schublade auf, nimmt den Revolver, geht ans Fenster und … erschießt sich. Danach ist der Traum – verständlicherweise – zu Ende. Nun, was soll Poirot da machen? Nachdem er die Information erhält, dass Farley nicht zu einem Psychologen geht, also Hypnose ausgeschlossen werden kann, ist auch er am Ende seines Lateins.

Eine Woche später ist Farley tot. Erschossen. Um 15.28 Uhr. Das Rätsel um den Tod des Millionärs kann auch nur einer einfallen: Agatha Christie. Und es kann nur einen geben, der es lösen kann…

Mord in der Bardsley Gardens Mews

Inspector Japp von Scotland Yard macht Hercule Poirot ein Angebot, das der nicht ablehnen kann. Eine junge Frau, Mrs. Allen wurde erschossen aufgefunden. Mit einem .25er Webley Revolver in der rechten (!) Hand. An ihrer linken (!) Schläfe ist das Blut bereits getrocknet. Gerufen wurde die Polizei von Miss Plenderleith, ihrer Mitbewohnerin. Die beiden lernten sich in Ägypten kennen. Die verwitwete Mrs. Allen war da auf dem Heimweg aus Indien, wo sie mit Mann und Tochter lebte. Beide waren inzwischen verstorben. Der Verlust des Gatten war zu verkraften – er war ein ungehobelter Klotz, der Verlust des Kindes wog da schon schwerer. Auf einer Nilkreuzfahrt freundeten sich beide an. So sehr, dass sie beschlossen in London zusammenzuziehen.

Mrs. Allen hatte inzwischen wieder einen Verehrer, einen Parlamentsabgeordneten, den sie bald heiraten wollte. In letzter Zeit ging aber auch öfter ein Major bei Mrs. Allen Ein und Aus. Ein unangenehmer Zeitgenosse, den weder die beiden Damen noch der Verlobte von Mrs. Allen noch öfter sehen wollten. Miss Plenderleith war auf einem Kurztrip wie man heute sagen würde. Bei ihrer Rückkehr hat sie den Leichnam entdeckt und dann sofort die Polizei gerufen als ihre Mitbewohnerin nicht antwortete, und auch ihr Zimmer verschlossen war.

Ein verzwickter Fall. Alle Zugänge zum Zimmer des Opfers waren verschlossen. Die Pistole in der falschen Hand. Hier sollte doch ein Mord vertuscht werden! Agatha Christie lässt ihren Gentleman-Ermittler eine ganz andere Theorie verfolgen und falsche Spuren legen. Denn es gibt eine weitere Idee, die Poirot unbedingt bewiesen haben möchte.

Der nemeische Löwe

Hercule Poirot geht es gut. Sein Büro ist modern eingerichtet, die Geschäfte laufen gut, die Auftragslage ist erstklassig. Seine Auftraggeber sind mit ihm zufrieden. Er kann sich seine Aufträge aussuchen. Und er weiß, was er wert ist. Die gute Seele des Büros, das Organisationsgenie Miss Lemon kennt ihren Chef gut und legt ihm einen neuen Fall vor: Hercule Poirot, der berühmte Detektiv soll einen Pekinesen wiederfinden. Pardon? Einen Hund. Monsieur Poirot ermittelt sonst in Mordfällen, die an Genialität kaum zu übertreffen sind.

Aber Miss Lemon kennt ihren Chef besser als er sich selbst. Sir Joseph Hoggin bittet ihn um einen Termin. Poirot stimmt zu. Mittlerweile ist der Pekinese wieder eingetroffen – Poirot ist erstaunt, was soll er noch hier? Die zweihundert Pfund Lösegeld wiederbeschaffen. Ein Sir Hoggin lässt sich nicht ohne Weiteres erpressen. Da müssen schon andere Geschütze aufgefahren werden. Die Spürnase beginnt zu ermitteln. Der Hund kam der Gesellschafterin Amy Carnaby abhanden als mit dem Hündchen in Kensington Gardens spazieren ging. Ein Kindermädchen mit einem entzückenden Kind erregte ihre Neugier. Kurz unachtsam, war der Pekinese weg. Leine durchgeschnitten. Einfach so!

Auch einem Freund von Sir Hoggin erging es nicht anders. Gesellschafterin lässt sich von Kind ablenken, und weg ist der Hund. Ebenfalls ein Pekinese. Eine lukrative Masche. Doch Poirot lässt sich nicht beirren. Er grenzt die Tatorte ein, findet die Entführer und ist … erstaunt wegen des Tatmotivs. Mutig findet Hercule Poirot die Herangehensweise des Täters, der letztendlich auch sein Herzerweichen kann.

Der kretische Stier

Da steht er: Stark wie ein Stier, vor Kraft strotzend, gesund. Und doch ein Wrack. Poirot sieht ihm die Verzweiflung an, ihm, Hugh Chandler. Einst wie sein Vater ein tüchtiger Seemann, jetzt ein nervöses, von Zweifeln geplagtes Elend.

Diana Maberly hat Hercule Poirot zu ihm geführt. Die beiden waren bis vor Kurzem verlobt. Und sind immer noch verliebt. Doch Hugh verbietet sich selbst seine eigenen Gefühle. Er ist wahnsinnig. Davon ist er überzeugt. Leider auch sein Vater, der Admiral, der ihn vor Jahren in den die Marine zwang und ihn mit der gleichen Vehemenz herauszog. Auch Colonel Frobisher ist davon überzeugt, dass der Junge nicht ganz richtig im Kopf ist. Frobisher ist der beste Freund des Admirals und hat bei ihm eine Heimstatt gefunden.

Immer wieder werden in der Umgebung Tiere bestialisch abgeschlachtet. Was keiner außer den Bewohnern des „Marine-Stützpunktes“ weiß, dass Hugh öfter mit blutverschmierten Händen früh morgens aufwacht. Wie das Blut an ihn gelangte, woher die Waffen stammten, wie er sich aus den abgeschlossenen Räumlichkeiten befreien konnte, bleibt ihm ein Rätsel. Nur Diana hält fest zu ihm. Auch Poirot sieht Hoffnung für den jungen Mann, der zusehends vor die Hunde geht. Er glaubt nicht an die Wahnsinnstheorie. Auch wenn es in der Familie des Admirals schon früher derartige Fälle gegeben hat. Da steckt Methode dahinter. Und ein ganz altes Motiv.

Der Gürtel der Hippolyte

Ein Rubens wurde gestohlen. Ziemlich raffiniert während einer Protestaktion in einer Galerie. Kein besonders großes Bild, aber immerhin ein Rubens. Er soll im Auftrag eines Millionärs geraubt worden sein und ist nun auf dem Weg nach Paris. Die Polizei beiderseits des Kanals weiß Bescheid und wird den Auftraggeber früher oder später dingfest machen. Alexander Simpson, dem der Rubens gestohlen wurde, traut den Behörden nicht vollends und bittet Hercule Poirot parallel zu Fall zu übernehmen. Was dieser natürlich gern tut. Er weiß, dass er besser ist als die Polizei und stellt dies nur allzu gern unter Beweis.

Um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, nimmt der berühmte Detektiv auch gleich noch das Verschwinden von Winnie King in Angriff. Die war auf dem Weg nach Paris in ein renommiertes Pensionat. Doch kurz hinter Amiens, der letzten Haltestelle vor Paris verschwand das Mädchen. Miss Burshaw, die die Aufsicht hatte, ist außer sich. Miss Pope, die Pensionatsleiterin wird ihr dies sicherlich ankreiden.

Gerade als Poirot die Ermittlungen beginnt, taucht das vermisste Mädchen wieder auf. Völlig benebelt, sie wurde unter Drogen gesetzt. Doch mit einem Geschenk für die Miss Pope…

Die Gefangennahme des Zerberus

Wir sehen uns in der Hölle. Welch knappes Grußwort nach zwanzig Jahren. So lang hat Hercule Poirot Gräfin Vera Rossakoff nicht gesehen. Und jetzt entdeckt sie ihn im Getümmel der Tube. In der Hölle? Ms. Lemon knackt den Code sofort. Die Hölle ist der derzeit angesagteste Club der Stadt. Und Poirot mittendrin. Am Eingang empfängt ihn ein riesiges Viech von einem Hund. Ein wahrer Zerberus. Der Abend verläuft vergnügt. Die Gräfin – Russin durch und durch – ist überschwänglich, unverbindlich und in wahrer Feierlaune. Auch weil ihre Schwiegertochter in spe, Alice, anwesend ist. Alice ist nicht gerade ein Prachtexemplar einer Frau, wie Poirot findet. Sie könnte allerdings mit ein paar entsprechenden Accessoires eine ordentliche Partie abgeben. Alice brilliert hingegen mit Köpfchen. Da ist sie bei einem Chauvi wie Poirot genau richtig.

Und noch ein Gast fällt Hercule Poirot auf, ein Inspector vom Yard. Was macht der denn hier? Japp, Inspector und Freund von Poirot, weiht ihn in dieses Geheimnis ein. Die Hölle ist ein Drogenumschlagsplatz, Pulver gegen Klunkern. Und die Gräfin ist nur der Strohmann bzw. die Strohfrau. Der eigentliche Besitzer ist Paul Varesco. Die Polizei plant einen gezielten Schlag gegen das Etablissement. Und Poirot ist mittendrin.

„Die Gefangennahme deszerberus“ ist der Abschluss der Tetralogie „Die Arbeiten des Herkules“. In der Einleitung sitzen Hercule Poirot und sein Freund Burton zusammen. Letzterer amüsiert sich über dessen Vornamen. Hercule Poirot versucht abzulenken, indem er über seine bald bevorstehende Pensionierung laut nachdenkt. Er wolle dann Kürbisse züchten…

Vierundzwanzig Schwarzdrosseln

Wenn man lange genug sucht, die Erkenntnisse dem noch ungeständigen Täter vorhält, kommt letzten Endes doch die Wahrheit ans Licht. Davon ist Hercule Poirot überzeugt. Und er liefert auch gleich den Beweis. Beim Essen mit seinem Freund Bonnington im Gallant Endeavour geben sich die Freunde nicht nur den Freuden der englischen Küche hin, sie bemerken auch den Methusalem. Ein Gast, der Woche für Woche, Monat für Monat, immer dienstags und donnerstags hier isst. Molly, die Wirtin kennt den älteren Herren, der immer ein wenig schmuddelig daherkommt. Wie er heißt, weiß keiner. Bonnington und Poirot fabulieren derzeit über die Möglichkeiten einer genauen Analyse von Todesfällen – wie viele unentdeckte Morde da wohl zum Vorschien kommen würden?

Kurze Zeit später ist der Methusalem tot. Erst sein Bruder, jetzt er. Neffe George Lorrimer ist nun der alleinige Erbe. Doch ist er auch der Täter? Poirot hat so seine Vermutungen. Aber wie beweisen? Eines steht fest: Henry Gascoigne – der Name des Methusalem konnte inzwischen ermittelt werden – wurde ermordet. Dafür spricht auch die Tatsache, dass er ausnahmsweise an einem Montag im Restaurant war. Und er bestellte etwas, was er eigentlich abgrundtief verabscheute. Wie gesagt, Poirot hat einen Verdacht. Des Rätsels Lösung ist brillant, und so stark konstruiert, dass niemand außer einem darauf kommen kann.

Poirot und das Geheimnis der Regatta

Zum Abschluss doch noch mal ein Geheimnis. Hercule Poirot wird aber dieses Mal nicht engagiert, um einen Täter zu finden, sondern die Unschuld eines Verdächtigen beweisen.

Der Morgenstern ist weg. Der Morgenstern ist ein Diamant, der Mr. Pointz als Talisman dient. Er ist in Gesellschaft mehrerer Freunde. Sie amüsieren sich bei einer Regatta. Alle sind ausgelassen, scherzen, genießen die angenehme Atmosphäre. Die vorwitzige Eve will mit Pointz um ein paar Seidenstrümpfe wetten, dass sie es schafft, ihm den Diamanten dauerhaft zu entwenden. Und das junge Ding schafft es! Doch, was sie nicht wollte, ist, dass der Diamant wirklich auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist. Die Kellner können es nicht gewesen sein. Als sie rausgeschickt wurden, war der Diamant noch für alle sichtbar im Raum. Es muss einer der Anwesenden gewesen sein.

Hercule Poirot kennt die ganze Geschichte und präsentiert eine verblüffend einfache Erklärung. Denn nicht jeder ist der, der er vorgab zu sein…

Das große Agatha Christie Buch

Das große Hercule Poirot Buch

Der Dienstagabend-Klub

„Der Dienstagabend-Klub“ ist nicht nur eine kurzweilige Krimigeschichte, es ist auch der Auftakt einer dreizehnteiligen Kurzgeschichten-Reihe, in der Miss Jane Marple die Hauptrolle spielen sollte. Das war die Idee von Agatha Christie. Die namensgebende Geschichte stellt den Klub erst einmal vor: Da ist zum Einen natürlich Jane Marple, ihr Neffe Raymond, ein Schriftsteller, Joyce Lempière, Mr. Petherick, Sir Henry Clithering, ehemals Präsident bei Scotland Yard sowie Gemeindepfarrer Pender. Die Sechs treffen sich, um ein bisschen Zeit miteinander zu verbringen – das Leben in St. Mary Mead bietet sonst nicht viel Aufregendes. Sie beschließen den Rätseln der Zeit auf den Grund zu gehen. Den Auftakt macht – von Berufs wegen – Sir Henry. Er berichtet von einem Fall, der einige Zeit zurückliegt, doch erst jetzt endgültig geklärt werden konnte.

Mr. und Mrs. Jones und deren Gesellschafterin Miss Clark wurden vergiftet. Mrs. Jones überlebte den Anschlag nicht. Zunächst wird Mr. Jones verdächtigt seine Frau ermordet zu haben. Indizien gibt es zuhauf. Und auch ein Motiv. Doch eben auch jede Menge entlastende Fakten. Mr. Jones war Arzt und hatte Zugang zu Gift. Und er hatte eine Geliebte. Die Liaison wurde allerdings vor geraumer Zeit abrupt beendet…

Jeder der Sechs soll nach einigen Minuten Bedenkzeit nun seine Gedanken zum Fall beitragen. Der Reihe nach bringen sie ihre Theorien zu gehör. Doch wer hat des Rätsels Lösung? Natürlich: Miss Marple. Sie erinnert sich an einen ähnlichen Fall. Ohne aufzusehen, den Blick auf Ihr Strickzeug gerichtet, verblüfft sie Sir Henry und die wissbegierige Meute.

Der Tempel der Astarte

Dr. Pender, der Gemeindepfarrer, soll den illustren Dienstagabend-Klub mit einer Schauergeschichte, einem Rätsel unterhalten. Er schickt voraus, dass sein Leben nicht gerade vor Lebensfreude überschäumt. Zurückgezogen lebt er von Tag zu tag. Doch auch er hat eine Vergangenheit. Eine Geschichte. Und er hat eine Geschichte parat. Joyce Lempière dimmt das Licht – stimmungsvolle Ruhe.

Dr. Pender hatte zu Studienzeiten einen Freund, Richard Hayden. Nach Jahren der Funkstille lädt ihn Richard nach Silent Grove ein. Es soll eine heitere Runde werden. Sein Vetter Elliot ist da, Lady Mannering nebst Tochter Voilet, Captain Rogers und Frau sowie Dr. Symonds und die bezaubernde Diana Ashley. Ein echter Wildfang. Pender erkennt sofort den Anlass der Gesellschaft. Richard will Diana näherkommen. Doch die ist sich ihrer Wirkung auf Männer bewusst und flirtet erst mit dem Einen, dann mit dem Anderen.

Bei einem Ausflug in die Umgebung erheitert Richard Hayden die Gästeschar mit einer Schauergeschichte. Denn hier in diesem Wald bei Dartmoor lag einst ein heiliger Ort. Seltsame Rituale gingen hier vonstatten. Diana ist dermaßen angetan von diesem Fakt, dass sie vorschlägt hier eine Kostümparty zu feiern und den heidnischen Ritualen im Tempel der Astarte zu fröhnen. Sogleich erscheint sie wie Phönix aus der Asche als Priesterin, höhnisch lachend. Richard wird des Rätsels Lösung nicht erleben. Vielmehr ist er elementarer Bestandteil des selbigen. Er ist tot.

Der Goldschatz

Als Dritter des Dienstagabend-Klubs soll nun Raymond West eine Geschichte erzählen. Er schickt gleich voraus, dass er keine Lösung parat hat. Dem Klub soll’s recht sein, so bleibt mehr Raum zum Rätsel lösen.

Raymond war von John Newman nach Cornwall eingeladen worden. Ein geschichtsinteressierter und eloquenter junger Mann. Genau der Richtige für Raymond, der auf der Suche nach ein wenig Lokalkolorit für seinen nächsten Roman war. Im Zug trifft er auf Inspector Bagdworth. Auch der ist auf dem Weg in den kleinen Ort an der Küste Englands.

Als die großen Seeschlachten zwischen England und Spanien hier tobten, sank so manches reich bestückte Schiff. Und John Newman will nun einen der Schätze heben. Inspector Bagdworths Jagdinstinkt ist ebenso geweckt wie der des jungen Mannes, dem scheinbar alles in den Schoß fällt. Raymond ist beeindruckt. Der Inspector stellt die Frage, ob das Gold aus einem der gesunkenen Schiffe überhaupt an Bord war, oder ob es nachträglich aus dem Rumpf geborgen wurde. Dann ist John Newman verschwunden. Ein Verbrechen? Ganz offensichtlich, das meint auch Bagdworth.

Und Raymond ist mitten in einem spannenden Fall. Ihn zu lösen, vermag er nicht. Nicht allein. Doch da gibt es ja noch den Dienstagabend-Klub. Und Raymond muss einsehen, dass er, um ein richtiger Schriftsteller zu werden, noch viel lernen muss, sehr viel…

Blut auf dem Bürgersteig

Endlich darf auch Joyce Lempière ihre Geschichte erzählen – schon bei „Der Goldschatz“ fiel sie Raymond ins Wort und hätte ihm fast die Geschichte und den Anderen die Spannung verdorben. Denn auch ihre Geschichte spielt in Cornwall. In Rathole, dort hatte sie einst ein Bild gemalt. Ein düsteres Bild, das die Spannung der Geschichte vorwegnimmt. Es kein richtiges Bild, sondern mehr ein Skizze. Denn zur Vollendung sollte es niemals kommen.

Joyce ist so angetan von der beschaulichen Szenerie, dass sie nur nebenbei die Handelnden Personen wahrnimmt. Klar, stört sie das parkende Auto vor dem Gasthaus, das es ihr angetan hat. Klar bemerkt sie die Frau, die aus dem Auto steigt, ihre Kleidung ihre Eleganz. Klart bemerkt sie auch den zweiten Wagen und das unerwartete Wiedersehen des Mannes aus dem ersten Wagen mit der Frau aus dem zweiten Wagen. Doch sie denkt sich nichts weiter dabei. Warum auch? Alte Freunde, die sich freuen einander wiederzusehen.

Kurze Zeit später, nach einem erfrischenden Bad im Meer, will sie das Bild vervollständigen. Sie gerät in ein Gespräch, dem sie nur periphär folgt. Das Bild fesselt sie voll und ganz. Als sie kurz aus ihrer Konzentration erwacht, bemerkt sie, dass sie etwas gemalt hat, was gar nicht da war: Blut! Blutflecken auf dem Bürgersteig. Wie kommen die da hin? Was haben sie zu bedeuten? Sind sie ein Symbol? Ein Symbol für einen bevorstehenden Tod? Und dann ist auch noch eine der Damen verschwunden…

Motiv vs. Gelegenheit

Mr. Petherick kommt die undankbare Aufgabe zu nach der raffinierten Geschichte von Joyce Lempière seine Erlebnisse darzubieten. Noch schwieriger wird es, da er kein Blutvergießen anzubieten hat. Dennoch ein reizvolles Rätsel, wie er meint.

Mr. Petherick erzählt von Simon Clode. Einem rechtschaffenden, liebevollen Menschen, der sich ein Leben lang nichts zu Schulden kommen ließ. Er zog seine Enkelin Chris mit der Liebe auf, die er niemandem anders schenken konnte. Auch die Nichten Mary und Grace sowie deren Bruder George nahm er hilfsbereit wie er war bei sich auf. Alle wuchsen und gediehen prachtvoll. Nur Chris verstarb leider viel zu früh. Seit diesem Tag wandte sich Simon Clode dem Spiritismus hin. Als Medium hatte er Eurydice Spragg und ihren Mann bei sich aufgenommen. Eine Tatsache, die seinen Nichten und Neffen nicht gefiel. Denn sie hatten ein ungutes Gefühl, was Eurydice und ihren Mann betraf. Geldgier kann man halt nur schlecht verbergen.

Mr. Petherick sollte ein neues Testament aufsetzen, denn Simon Clode fühlte sich dem Ende nah. Auch Eurydice und ihr Mann wurden großzügig bedacht. Doch dann ist das Testament auf einmal verschwunden. Das heißt, es ist noch da, aber eben doch nicht. Verwirrend? Also, der Zettel, auf dem das Testament verfasst wurde, und in dem das Medium und ihr Mann so großzügig bedacht wurden, ist noch da. Doch leider ist die Schrift verschwunden. Eurydice und ihr Gatte hatten die Möglichkeit das Testament verschwinden zu lassen, doch auch welchem Grund?

Der Daumenabdruck des heiligen Petrus

Wer richtig mitgezählt hat, weiß, dass nun nur noch eine Person aus dem Dienstagabend-Klub fehlt, um die anderen mit mysteriösen Rätseln auf Trab zu halten: Miss Jane Marple.

Das alte Mädchen aus dem beschaulichen St. Mary Mead hat weder die weite Welt gesehen noch gibt sie etwas auf Klatsch und Tratsch. Ihre Nichte Mabel heiratete vor Jahren einen jähzornigen Mann. Jane Marple hoffte immer, dass die Beziehung nicht lange halten wird, doch so ein Ende gönnte sie ihrer Nichte nicht. Mabel war ein wenig anders als die Mädchen ihres Alters. Töricht nennt die gutmütige Miss Marple ihre Nicht. Und das gepaart mit Jähzorn – das kann nicht gutgehen. Ihr Gatte segnet nach zehn Jahren das Zeitliche und für Mabel bricht eine bittere Zeit an. Der Ort zerreißt sich das Maul über die Begleitumstände des Todes. Mabel weiß keinen Rat als ihre Tante Jane um Hilfe zu bitten. Die reist zu der verzweifelten Nichte, um ihr beiseite zu stehen. Im Haus lebt neben dem Personal auch noch der Schwiegervater. Das Personal tratscht wie ein Wasserfall, der Alte wartet nur noch auf Erlösung. Trotz fehlender Kenntnisse in Chemie ist die rüstige Hobbydetektivin schnell dem Geheimnis um den Tod des Mannes, der ihre Tochter tagein, tagaus tyrannisierte, schnell auf der Spur. Und sie kann sich nur einer Person anvertrauen… dem Mörder!

Die blaue Geranie

Sir Henry Clithering wird von Colonel Bantry und dessen Frau gebeten noch einen Gast für ein gemeinsames Essen vorzuschlagen. „Miss Marple“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Die Frau aus den Romanen. Ja, Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen bei Agatha Christie. Der Tag des großen Mahls naht und Miss Marple wird mit offenen Armen empfangen. Natürlich erwarten die Anwesenden eine Schauergeschichte vom de alten Mädchen, eigentlich wird sie sogar als alte Jungfer bezeichnet. Aber das klingt nicht so nett.

Und Miss Marple läuft zu Hochform auf. Ein Mann, zwei Frauen. Die Farbe Blau. Ein Brief. Und ein bisschen Hokuspokus. Miss Marple entspinnt eine faszinierende Geschichte, die die Anwesenden in Erstaunen versetzt. Und den Leser. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden…

Die Gesellschafterin

Dr. Lloyds Geschichte führt den Dienstagabend-Klub nun in den warmen Süden. Nach Gran Canaria. Als er seine Praxis aufgeben musste, ließ sich der honorige ältere Herr, dessen Weste immer mehr an seiner Hüfte spannt, eine Zeitlang auf der Sonneninsel nieder. Das Leben plätschert so vor sich hin, Gäste kommen, Gäste gehen. Zwei Damen sind ihm allerdings in Erinnerung geblieben. Amy Durrant und Mary Barton.

Letztere kam aus gutem Hause, wie man so schön sagt. Wohlhabend, keine besonders auffällige Erscheinung, doch sah man ihr ihre Herkunft an. Amy Durrant war ihre Gesellschafterin. Die Damen waren sich sehr ähnlich, zumindest äußerlich und schienen sich gut zu verstehen. Doch dann geschah etwas Schreckliches. Amy Durrant schwamm zu weit aufs Meer hinaus, Mary Barton wollte ihrer Freundin, denn das war die Gesellschafterin inzwischen, zur Hilfe kommen. Doch es war zu spät. Alle Anstrengungen, alle Wiederbelebungsversuche waren vergebens. Auch Dr. Lloyd konnte nur noch den Tod feststellen.

Die Runde ist verwundert. Was soll an dieser Geschichte denn nun so schauerlich sein? Man trifft sich schließlich hier jeden Dienstag in geselliger Runde, um Kriminalfälle auszutauschen bzw. zu lösen. Eine Zeit später trifft Dr. Lloyd wieder auf Mary Barton. In einem Zeitungsartikel. Er liest von einer Dame, die sich gramgebeugt ins Meer stürzte, an der gefährlichsten Stelle. Ihre Leiche wurde nie gefunden.

Das Rätselraten geht weiter. Hat Mary Barton etwa nicht versucht ihre Freundin zu retten, sondern zu ertränken? Nur Miss Marple kann der Geschichte des Doktors das Geheimnis der beiden Damen entlocken…

 

Die vier Verdächtigen

Der Dienstagabend-Klub diskutiert das Drama der ungesühnten Verbrechen, was natürlich sofort Sir Henry Clithering auf den Plan ruft. Fast schon fühlt er sich persönlich angegriffen. Die gesühnten Verbrechen, beschwert er sich, sind natürlich nicht der Rede wert. Doch er hat einen Fall parat, der nie komplett aufgeklärt werden konnte.

Deutschland war vor langer Zeit fest im Würgegriff der Schwarzen Hand, einer Verbrecherorganisation. Dr. Rosen schaffte es sich in die Organisation einzuschleichen, in der Hierarchie aufzusteigen und sie schlussendlich entscheidend zu schwächen. Asyl fand er – nach so einer Aktion musste er fliehen, das sehen alle Beteiligten ein – in England. Zusammen mit seiner Nichte, einem Sekretär, seinem deutschen Hausmädchen und einem handlanger und Gärtner ließ er sich in einem abgelegen Ort, auf einem abgelegenen Anwesen nieder. Fünf Monate ging alles gut. Dann stürzte Dr. Rosen so schwer, dass er seinen Verletzungen erlag. Unfall oder Mord? Dr. Rosen war sich im Klaren darüber, dass die Schwarze Hand versuchen würde nach ihm zu greifen. Deswegen schleuste Sir Henry auch den Sekretär bei ihm ein. Alle vier Bewohner des Hauses hatten eines gemeinsam: Kein Alibi. Scotland Yard rekonstruierte damals jede Stunde des Lebens auf dem Anwesen. Jede Lieferung wurde auf Ungereimtheiten untersucht, jeder Brief genauestens unter die Lupe genommen. Doch wer hat nun Hand angelegt? Wer stieß Dr. Rosen die Treppe hinunter? Oder war alles doch nur ein Unfall?

Eine Weihnachtstragödie

Miss Marple kann einem schon ganz schön auf den Senkel gehen. Besonders, wenn sie wieder mal eine ihrer Vorahnungen hat. Wie soll sie denn was von der Welt wissen? St. Mary Mead ist ihr ganzes Universum. Ein Fehler, wer so denkt. Mr. Sanders ist so ein Kandidat. Ihn hat die rüstige Detektivin im Verdacht seine Frau eines Tages um die Ecke zu bringen. Und siehe da! Mrs. Sanders scheidet auf eine unnatürlich Weise aus dem Leben. Mit dem Gesicht nach unten findet man sie in ihrem Zimmer. Ihr Hut liegt neben der Leiche. Eine Schublade ist verschlossen. Der Puls nicht vorhanden. Alles ziemlich wirr, doch real.

Miss Marple darf als Erste den Puls fühlen. Nichts! Mrs. Sanders ist wirklich tot. Und dann auch noch bestätigt durch Jane Marple. Hat es dieser Schuft doch geschafft?! Die Geschichte wird dem Leser in manchen Zügen bekannt vorkommen. „Das Böse unter der Sonne“ – wer den Film kennt, wird dem Geheimnis um das Ableben der Mrs. Sanders schnell auf die Spur kommen. Im Film ermittelt jedoch Hercule Poirot, und nicht Jane Marple.

Das Todeskraut

Alle Teilnehmer des Dienstagabend-Klubs haben eine oder mehrere Geschichten zum Besten gegeben. Man lauschte, man rätselte, man löste die kniffligsten Fälle. Nur Mrs. Bantry, die Frau des Colonels hat noch nichts zum Gelingen des Zusammentreffens beigetragen. Sie wird zwar immer wieder aufgefordert, doch fügt sie sich nicht in die Rolle der Erzählerin. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Dolly Bantry muss ran.

Immer wieder betont sie wie ungeschickt sie doch sei. Gern höre sie den Geschichten zu, rate mit. Aber selbst eine Geschichte erzählen, liege ihr einfach nicht. Schlussendlich beugt sie sich dem Gruppenzwang. Sie und der Colonel besuchten eines Tages Sir Ambrose Bercy auf seinem Anwesen Clodderham Court. Sein junges Mündel wurde vergiftet, weil beim Salbei pflücken auch einige Blätter Fingerhut zwischen die Ernte gerieten. Der Köchin fielen die giftigen Blätter nicht auf. Ein dummes Ding, wie Dolly Bantry bemerkt. Und das war‘s auch schon.

Dolly hat’s ja gleich gesagt – sie kann einfach keine Geschichten erzählen. So helfen ihr die Anderen auf die Sprünge. Wer wohnte alles auf Clodderham Court? Wer war mit wem irgendwie verbandelt? Warum traf es ausgerechnet das junge Ding? Alles Fragen, die sich auch der Leser stellt. Wie im richtigen Kriminalroman.

Die seltsame Angelegenheit mit dem Bungalow

Jane Helier ist die Hauptperson der zwölften Episode des Dienstagabend-Klubs. Beginnt Miss Marple. Sie erzählt von einer Freundin, einer Schauspielerin, die in einem Ort an einem Fluss ein Gastspiel hat. Die Runde weiß ab den ersten Worten, dass Miss Marple nicht unbedingt ein Geheimnis aus dem Namen und dem Ort machen muss. Sie spricht von sich selbst. Irgendwann wird sich die Dame schon verraten, denkt sich so mancher. Und hoppla, ich … nein sie hat … ach was soll’s. Miss Marple hat sich verraten. Um nicht noch weitere Anwesende zu kompromittieren, lässt sich der Klub Namen für die Handelnden einfallen.

Ein Raub ist geschehen. Ein junger Autor wird zu einem Bungalow beordert. Es wird ihm geöffnet. Und … nein zu viel soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur so viel: Die Geschichte endet abrupt. Nur eine kleine Bemerkung, die Jane Marple Jane Helier ins Ohr flüstert, sorgt dann doch für Erhellung.

Jeden Dienstagabend treffen sich die wissbegierigen Mitglieder des Klubs, um Kriminalfälle zu lösen. Dieses Mal ist alles anders…

 Tod durch Ertrinken

Armes, dummes Ding. Rose Emmott hat sich im Fluss ertränkt. Hat sich verführen lassen – mit Folgen – und kam überhaupt nicht mit dieser Situation zurecht. Nun treibt sie im Fluss. Selbstmord. Sir Henry Clithering glaubt nicht recht an diese Theorie. Miss Marple auch nicht.

Die letzte der dreizehn Geschichten des Dienstagsabend-Klubs. Der nicht bei allen beliebte Architekt Sandford hat sich an Rose herangemacht. Sie ließ es geschehen. Joe Ellis, der schon immer nach der Pfeife von Rose tanzte, konnte nichts dagegen tun. Entspräche auch nicht seinem Naturell. Wie gesagt: Er war Rose eher hörig als gebieterisch. Ein kleiner Junge hat kurz nach dem Mord / Unfall – okay, jetzt ist es raus, es war Mord! – Sandford als auch Ellis in der Nähe der Brücke gesehen, von der Rose ins Wasser stürzte. Pardon gestürzt wurde. Doch es war neblig, trüb. So genau konnte er zu dieser Zeit nichts erkennen. Ellis hat er erkannt, weil er immer das gleiche Lied vor sich hin pfiff. Doch pfeifen kann schließlich jeder!

Miss Marple bringt noch weitere Verdächtige ins Spiel. Wer beim Lesen auf die richtige Person tippt, hat Agatha Christie verstanden. Da muss man schon ganz genau jedes einzelne Wort analysieren. Wie Miss Jane Marple.

Miss Marple erzählt eine Geschichte

Raymond und Joan sind bei Miss Marple zu Besuch. Voller Stolz berichtet sie den beiden wie sie – die einfache Frau aus einfachen Verhältnissen – einmal einen Fall gelöst hat, den selbst die gelehrtesten Gelehrten nicht hätten lösen können.

Ihr Anwalt Mr. Petherick, leider vor zwei Jahren gestorben, besuchte sie eines Tages mit einem Mr. Rhodes. Dieser befürchtete bald vor Gericht stehen zu müssen, weil die Behörden davon ausgehen mussten, dass er seine Frau ermordet habe. Diese war eine übertriebene Persönlichkeit. Beim kleinsten Wehwehchen bauschte sie die Sache auf. Das Ehepaar verbrachte einige Tage in einem Hotel. Getrennte Zimmer, doch mit einer Tür zu beiden Seiten zugänglich. Mr. Rhodes arbeitete noch ein wenig am Abend, während seine Frau schon in Morpheus Armen schlummerte. Kurz vorm Zubettgehen schaute Mr. Rhodes noch einmal nach seiner Frau. Das Licht brannte, das Lebenslicht seiner Gattin hingegen war erloschen. Mit einem Stilett ausgeknipst. Jetzt kommt das „locked room mystery“. Beide Zimmer hatten je eine Tür, die zum Flur führte und eine Verbindungstür. Die Fenster waren verschlossen. Wer also sonst außer Mr. Rhodes hätte die Frau erstechen können? Für die Polizei ist der Fall klar.

Miss Marple hat sich die ganze Geschichte genau angehört und kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Das hypochrondrische Verhalten von Mrs. Rhodes, ein damit zusammenhängendes Ereignis und das Zimmermädchen, das noch kurz bevor Mr. Rhodes seine Frau tot auffand im Raum war, geben Aufschluss über dieses Mysterium.

Ein seltsamer Scherz

Charmain Stroud und Edward Rossiter sind am Ende. Ihr Onkel Mathew ist verstorben. Und er hat ihnen – das hat er schon vor Jahren versprochen – alles hinterlassen, was er besaß. Ansteys, das große Anwesen, ist jedoch das Einzige, was für die beiden greifbar ist. Ihre Freundin Jane Helier macht das verzweifelte Paar mit Miss Marple bekannt. Sie ist der Rettungsanker, der den beiden jungen Menschen die sorglose Zukunft zeigen soll.

Eine Schatzsuche – Jane Marple freut sich wie ein kleines Kind über die unerwartete Einladung und die verheißungsvolle Jagd. Das Anwesen sieht aus wie ein riesiger Acker. Alle Schränke wurden durchwühlt, jede Truhe geöffnet. Nichts, gar nichts. Jane Marple nimmt sich die Korrespondenz des Verblichenen vor. Ziemlich schnell wird ihr klar, dass Onkel Mathew ein gewitzter Scherzbold war. Keiner, der anderen nichts gönnte. Es machte ihm nur einen Heidenspaß, andere zu necken.

Doch wer eine Jane Marple aufs Glatteis führen will, muss schon verdammt scharfe Kufen haben. Ihr entkommt keiner.

Der Maßbandmord

Miss Politt klopft vergeblich an die Tür von Mrs. Spenlows. Komisch, es war doch ausgemacht, dass die Schneiderin das Kleid um halb vier vorbeibringen soll. Nochmal klopfen. Nichts. Es ist doch halb vier. Das bestätigt auch die Nachbarin. Komisch. Mal durchs Fenster schauen. Oh Gott. Mrs. Spenlows! Sie ist tot! Und wo ist ihr Mann? Der wurde angerufen und für kurz nach drei zu Miss Jane Marple bestellt.

Jetzt schlägt’s aber dreizehn! Miss Marple hat niemals den zwar netten, aber ansonsten für sie uninteressanten Mr. Spenlows zu sich bestellt. Beide verstehen die Welt nicht mehr. Die Tote trug einen Kimono, hatte sich wohl schon auf die Anprobe vorbereitet.

Miss Marple verdreht ausnahmsweise mal die Tatsachen. Und sie erinnert sich an einen Juwelenraub, der bis heute niemals aufgeklärt wurde. Damals wurde ein Anwesen ausgeraubt, Edelsteine verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Die Hausmädchen wurden verdächtigt, aber niemand konnte ihnen etwas nachweisen. Hätte man damals richtig recherchiert, vor allem nach der Tat die Lebenswege der Verdächtigen weiterverfolgt, wäre einigen viel Leid erspart geblieben. Allerdings hätte dann Miss Marple einen Falle weniger zu lösen gehabt.

Der Fall der Hausmeisterin

Miss Marple liegt im Bett, Grippe. Ein bisschen wehleidig das alte Mädchen. Dr. Haydock hat die richtige Medizin. Er gibt ihr ein Manuskript. Einen Krimi. Mal sehen, ob sie das Rätsel lösen kann.

Harry Laxton lebtevon Kindesbeinen an in diesem Ort. Er war bekannt wie ein bunter Hund. Und man sah ihm so manchen Streich nach. Doch man wusste auch, dass er es nie zu etwas bringen sollte. Die Affäre mit der Tochter des Tabakwarenhändlers brach ihm dann endgültig das Genick, aller Kredit war verspielt. Man schickte ihn zwar nicht in die Wüste doch weit weg.

Nun ist er zurück. Oho, aha, schallt es aus allen Löchern. Das Anwesen ist inzwischen ziemlich verkommen. Noch bewohnt, aber nicht bewohnbar. Also wird es abgerissen, und an gleicher Stelle ein neuer Herrensitz errichtet. Was mit den Verwaltern passiert, ist Harry egal. Er zahlt sie großzügig aus. Fertig. Doch Harry Laxton hat noch eine Überraschung im petto. Er hat geheiratet. Louise, ein entzückendes, doch zart besaitetes Wesen. Die Klatschbasen des Dorfes wollen den Neuzugang genauestens unter die Lupe nehmen. Und ihr von ihrem Unhold, den sie sich da geangelt hat, berichten. Alles nicht so einfach für die junge Louise. Fluchtgedanken keimen in ihr, sprießen aber erst hervor als Harry von einer Verrückten gedroht wird. Es ist die ehemalige Hausmeisterin. Sie ist wohl noch sauer auf Harry. Louise ist besorgt. Harry kann sie jedoch beruhigen. Kurze Zeit später stürzt Louise vom Pferd, tot.

Miss Marple geht es schon wieder besser, meint Dr. Haydock. Denn sie hat das Rätsel um Louises Reitunfall mit Bravour gelöst.

Der Fall des perfekten Hausmädchens

Gauner aufgepasst! Wenn eine liebenswürdige ältere Frau vor der Tür steht, sie ihre Tasche derart theatralisch fallenlässt, so dass deren gesamter Inhalt über den Boden verstreut liegt, lasst alles liegen, fasst nichts an. Das is’n Trick! Und wenn die Dame dann auch noch Jane mit Vornamen heißt, hui … dann macht Euch besser aus dem Staub.

Miss Marple wird von ihrer Haushälterin Edna um Hilfe gebeten. Ednas Cousine Gladys wurde von ihren Herrinnen Lavinia und Emily Skinner entlassen. Erst soll sie Brosche entwendet haben, die sich schnell aber wieder einfand, dann hat sie einen Teller zerbrochen. Kann ja mal passieren und die Brosche schien das dumme Ding wirklich nicht geklaut zu haben. Aber wer am längeren Hebel sitzt, erklärt sich nicht und spielt halt gern seine Macht aus. Je heftiger, desto mehr hat er auch zu verbergen. So findet man heute noch sehr oft…

Miss Marple macht Gutwetter bei den beiden Schwestern, doch es hilft nichts: Gladys bleibt entlassen. Kurze Zeit später haben die Skinner-Sisters allen Unkenrufen zum Trotz einen Engel als Haushälterin gefunden. Mary Higgins. Ein wahrer Engel. Zu gut, um wahr zu sein. Das denkt auch Miss Marple. Und stellt ihr eine Falle. Nicht zu unrecht. Denn schon bald sind Engel, Schmuckstücke, Pelze, aber auch die beiden Skinners-Schwestern verschwunden. Miss Marple weiß ganz genau warum. Und auch wie man ihnen das Handwerk legen kann.

Asyl

Dass man bei Agatha Christie ab und zu mal um die Ecke denken muss, ist jedem Leser klar. Aber gleich mehrmals? Vor den Stufen zum Altar einer kleinen Kirche betet ein Mann. Bunch, eigentlich Diana, doch der Spitzname passt zu ihr, die Frau des Pfarrers denkt das zumindest. Sie geht auf ihn zu und bemerkt, dass es dem Mann schlecht geht. Sehr schlecht. Kaum noch Puls. Mit letzter Kraft haucht er „Asyl“. Kurze Zeit später stirbt er.

Ein Schuss hat ihm den wichtigen Lebenssaft geraubt. Mr. und Mrs. Eccles treffen in dem kleinen Örtchen ein. Sie haben vom Tod des Mannes gehört. Sie ist seine Schwester und er demzufolge sein Schwager. Sie wollen nur seine Sachen abholen dann schnell wieder verschwinden. Doch es sind ein paar Ungereimtheiten, die Bunch zweifeln lassen. Sie kontaktiert Tante Jane. Jane Marple. Sie erkennt ebenso das Verwirrspiel um Walter und William. Und sie findet die Verbindung zwischen dem Paar, dem Opfer und die Antwort auf die Frage, warum der Angeschossene ausgerechnet in dieser Kirche nach dem „Asyl“ fragte…

Greenshaws Folly

Woher weiß die Frau das alles? Miss Marple kennt aber auch jeden Trick, um Betrüger zu entlarven. Ihr Neffe Raymond, ein erfolgreicher Schriftsteller, zeigt seinem Freund Horace Bindler die Gegend. Der ist ein Freund von Scheußlichkeiten jeder Art. Greenshaw Folly ist eines der Gattung hübsch-hässliche Behausung. Der Erbauer war viel gereist und hat aus jedem Land eine Besonderheit mitgebracht. Viel hilft nicht immer viel. Der wilde Stilmix lässt Horace Bindler in Verzückung geraten.

Die Dame des Hauses, Miss Greenshaw bittet die beiden herein. Sie benötige die beiden als Zeugen für ihr Testament. Begünstigte dürfen nicht bezeugen. Sagt das Gesetz. Ein Satz, der Mrs. Cresswell besonders freuen dürfte. Die Haushälterin ist zugegen als diese bedeutungsvollen Worte fallen. Sie weiß, was es bedeutet. Ebenso vernimmt sie froh die Botschaft, dass der Neffe ihrer Chefin keinen Schilling sehen wird.

Kurze Zeit später ist Miss Greenshaw tot. Von einem Pfeil durchbohrt. Und wieder gibt es mehrere Verdächtige, und keiner von Ihnen kann es nur annähernd gewesen sein. Wenn, ja wenn jeder der ist, der er vorgibt zu sein. Miss Marple hat da ihre berechtigten Zweifel.

Die Welt des Sherlock Holmes

Die Welt des Sherlock Holmes

Baskerville, Dartmore, Baker street, Moriarty – jeder kennt diese Namen. Sie sind die Topographie des Bösen. Aber auch des genialen Reiseleiters durch die Untiefen der menschlichen Psyche. Schottland, Kricket und die Eltern sind die Ausgangsorte.

Schon auf den ersten Seiten lüftet Maria Fleischhack – Mitglied des Podcasts „The Baker Street Babes“ – so manches Rätsel. Zum Beispiel wie Arthur Conan Doyle auf die Namen der handelnden Personen kam. Bereits die kurze Biographie über den Autor des berühmtesten Detektives weltweit lässt die Spannung ansteigen.

Sherlock Holmes wurde in sechzig Geschichten verewigt. Er kann durchaus als Vater der Kriminalistik angesehen werden. Denn seine Art ein Verbrechen zu lösen, wird heute noch praktiziert. Nicht nur fiktional, sondern real. Finger- und Fußabdrücke zu nehmen, ballistische Untersuchungen, graphologische Expertisen – dass alles kennen die Kommissare der Gegenwart. Einige Verfahren, wie der Blutnachweis in verdünnter Form, wurden von Arthur Conan Doyle in der Welt der Wissenschaft recherchiert und durch seinen Ziehsohn Sherlock Holmes einem breiten Publikum zugängig gemacht.

Doch Holmes allein wäre kaum in der Lage all die kniffligen Fälle zu lösen. Arthur Conan Doyle gibt dem analytischen Geist den weltgewandten Watson an die Hand. Auch die Vermieterin Mrs. Hudson trägt unbewusst als Ruhepol in der Rückzugshöhle Baker street 221b zum Erfolg der Missionen bei.

Und was wäre Holmes ohne die Schurken? Sein literarischer Ruhm würde sich stark in Grenzen halten. Die einzelnen Charaktere werden von Maria Fleischhack genau unter die Lupe genommen (Sherlock Holmes ist der erste Detektiv mit diesem Werkzeug). Ihre Biographien und die der „Helfer“ lassen so manchen Sherlock-Holmes-Lesefan die Augen öffnen. Denn Arthur Conan Doyle verwendete zwar nicht immer viel Akkuratesse bei der Ausschmückung der „Nebenrollen“, doch gab er hier und da Hinweise auf deren Herkunft.

Wer Sherlock Holmes nur als den markanten Basil Rathbone oder den smarten Benedict Cumberbatch kennt, wird in den Romanvorlagen einen ganz anderen Ermittler erkennen. Wer sich an die Fersen von Maria Fleischhack heftet, wird die ganze Welt des Sherlock Holmes erkennen. Viele Romane muss man noch einmal lesen, die Filme noch einmal schauen, da so Vieles bisher unentdeckt blieb. Keine schlechte Ausbeute für die Detektive unter den Leseratten.

A weekend in London

A weekend in London

 

Nun mach schon, zieh endlich! Ich will noch was anderes erleben! So ist London. Beziehungsweise so ungeduldig ist mancher Mitspieler von „A weekend in London“. Denn das Spiel ist ungemein spannend. Exciting! Spielend eine Stadt erobern.

„A weekend in London“ ist für zwei bis fünf Spieler, die entweder mit dem Taxi, der Tube oder dem Bus sich durch London bewegen. Per pedes ist es auch möglich, aber man kommt nicht so schnell ans Ziel. Zuerst wird festgelegt wie / wo man in London ankommt. Danach wird die zurückzulegende Route bestimmt. Man darf sich immer nur waagerecht oder senkrecht auf dem Spiel- bzw. Stadtplan fortbewegen. Unterwegs streift man die Sehenswürdigkeiten der Stadt und muss Fragen beantworten. Mensch-ärgere-Dich-nicht trifft Trivial Pursuit. Alle Fragen sind auf Spielkarten in English verfasst. Die Fortbewegungsart wird mit einem Würfel bestimmt.

Ziel ist es die eigenen Bildkarten loszuwerden und neue Bildkarten zu sammeln. Und als Erster wieder am Ausgangsort zu sein. Wie im richtigen (Urlauber-)Leben: So viel wie möglich erleben, um die Anderen neidisch zu machen. Wer London besucht hat, kennt die Anziehungskraft der Themse-Metropole. Mit diesem Spiel wird der eigene Urlaub noch einmal spielerisch nacherlebt.

Englisch ist nicht easy

Englisch ist nicht easy

Die Queen grüßt selbstbewusst vom Cover und meint, dass man im Gegensatz zu ihr kein Englisch spreche. Das kann man nicht auf sich sitzen lassen. Wir alle hatten irgendwann über einen kurzen oder längeren Zeitraum Englischunterricht. Der war von öde bis hochgradig spannend. Im Osten Deutschlands bis vor einem Vierteljahrhundert auch ziemlich bizarr (Jenny and Dave are visiting the Palace of the republic. „What a beautiful town“).

Nun ist es so, dass man durch Anglizismen ein ungefähres Bild der Sprache Englisch hat. Manch einer ist beruflich gezwungen sich mit dem Englischen auseinanderzusetzen. Doch der deutsche Zungenschlag (oh baby, it’s not a tongue beat) lässt sich meist nie verleugnen. Was noch auffälliger ist, sind die eingedeutschten Begriffe, die eindeutig keine Anglizismen sind („Wir müssen das unbedingt implementen.“). EU-Kommissar Günther Oettinger ist seit seinen Eskapaden ein echter YouTube-Star – kaum einer würde ihn wohl als Stern bezeichnen, geschweige denn ihm einen verleihen.

Auswüchse, die Englisch sprechenden die Tränen in die Augen treiben. Tränen der Rührung, Schamesröte inbegriffen. Wie bemerkte schon Otto Waalkes in den Siebzigern? „In England gibt es sehr viel Umgangssprache.“

Diese gilt es zumindest ansatzweise zu beherrschen, wenn man das Vereinigte Königreich besucht. Viele Lernmaterialien sind nüchtern aufgebaut. Schließlich gilt es eine Sprache zu lernen, die man nicht mit der Muttermilch aufgesogen hat. Da sind Grundlagen wichtig, um nicht zu sagen die Basis – the basis is the basis. Mit Hilfe von eindeutigen Skizzen, Bildern, Grafiken werden so einfache Begriffe wie beispielsweise das menschliche Gesicht angliziert. Das leidige Thema Zeitformen, was schon in der eigenen Sprache für viele ein enormes Problem darstellt, wird in schwarz, weiß und rot anschaulich nahegebracht.

Auf über dreihundert Seiten vergisst man schnell, dass man auf der Schulbank hockt und eine Fremdsprache lernt. Mit Witz und Charme wird dem Leser die Angst vor der Fremde und der fremden Sprache genommen. Was für Viele immer noch ein Grund ist die eigene Heimat im Urlaub zu erkunden, statt raus in die Welt zu gehen und andere Kulturen hautnah (skinclose is that wrong) zu erleben. Wer in London, England, der Englisch sprechenden Welt zurechtkommen möchte, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

Lesereise London

Lesereise London

Nach London zu reisen bedarf keiner Vorbereitung – tagtäglich fliegen dutzende Flugzeuge gen Heathrow, Luton und Gatwick. Und außerdem weiß man doch ganz genau, was man sehen will. Alles aus dem Fernsehen. Ja, so möchte man meinen. So unbeschwert und sorglos die Welt erkunden. Moment … warte … was ist das? Ein Warnsignal!

Kaum eine andere Stadt erfordert so viel Vorbereitung wie London. Denn alles auf einmal sehen … das geht beim besten Willen nicht. Das musste auch Martin Müller erfahren. Deswegen hat er sich kurzerhand entschlossen jährlich ein paar Wochen in London zu verbringen. Wie er selbst zugibt, hat er eine Couch in London. Er hat keine Zimmernachbarn, er hat richtige Nachbarn. Aus aller Herren Länder. Nicht nur aus dem ehemaligen Empire. Wer also wäre prädestinierter als Tippgeber für einen Rundgang durch London als einer, der die Stadt liebt, sich in sie verliebt hat?

Als geübter Londoner weiß er, was Longinners (London-beginners) brauchen: Zuerst einen Rundumschlag mit allen bekannten Highlights. Sonst schwebt immer dieses „Wir müssen unbedingt noch zu …“ über den lesenden Köpfen. Martin Müller begeht nicht den Fehler diese Highlights als Touri-Must-Haves abzutun oder ihnen zu große Bedeutung beizumessen. Er betrachtet sie aus einem anderen Blickwinkel. Und zwar als aktiver Zuschauer, der London vor und nach seiner Verwandlung (Olympia 2012, und den vorausgegangenen Veränderungen) kennt. So paddelt er beispielsweise auf der Themse oder fährt mit dem Rad. Wer London kennt, weiß, dass Radfahrer nicht unbedingt zum üblichen Straßenbild der Themse-Metropole gehör(t)en.

Da passt eher das Bankenviertel – als Kontrast dazu die Küste von Brighton. Martin Müller ist überall in der Stadt. Vom botanischen Garten bis zum Klassikkonzert – auch dafür muss man London rühmen. Und den Autor, der auf so beherzte Art und Weise das komplette Füllhorn an Besonderheiten Londons über den Leser ausschüttet.

Nach der Lektüre weiß man mit welchen Verkehrsmitteln man London erobern kann: Paddelnd, Radelnd, mit dem London Eye. Eine Methode fehlt aber noch. Und das ist die Beste: Lesend!

London

London MM City

London im Jahre Drei nach Olympia. Das Sportereignis und seine Nachwirkungen sind verflogen. Was bleibt ist die ungebrochene Anziehungskraft der Metropole an der Themse. Kaum eine andere Stadt der Welt beherbergt so viele Touristen pro Jahr. Tradition und Moderne treffen hier wie irgendwo sonst auf der Welt so oft und so vehement aufeinander.

Im Zentrum des größten Imperiums der jüngeren Geschichte trifft man auf ein reiches Arsenal an Kulturgütern. Und die findet man heutzutage mit modernen Kommunikationsmitteln. So auch in diesem Buch. Denn zu den mit Informationen vollgestopften 288 Seiten des Buches gibt es – GRATIS – eine App. So hat man das komplette Nestmeyersche London auf seinem Smartphone.

Ralf Nestmeyer hat sechszehn Touren durch das London im Jahre Drei nach Olympia zusammengestellt, die dem London-Anfänger das wahre London zeigen. Erfahrenere London-Besucher werden sanft daran erinnert, dass sie doch noch nicht alles gesehen haben. Dazwischen – in guter Tradition des Verlages – immer wieder kurzweilige Anekdoten, die es erleichtern London zu begreifen.

Wie zum Beispiel in Tour Sechs durch Marylebone. Jede große Stadt hat ihr Ethnienghetto. Der Begriff Ghetto steht hier allerdings nicht für Greueltaten, sondern für die Tatsache, dass sich der Anteil einer Ethnie an diesem bestimmten Ort sehr hoch konzentriert. Bitte nicht falsch verstehen! Chinatowns kennen man allerorts. In Marylebone gibt es Little Venice, das kleine Venedig. Globetrotter können sich schon denken, wie es hier aussieht. Wer es sich nicht vorstellen kann, hat zwei Möglichkeiten. Entweder man fährt nach London oder man kauft sich dieses Buch. Wer sich für die erste Variante entscheidet (also in den Flieger steigt und ein paar Stunden später on location ist), kommt an Variante Zwei nicht vorbei. Denn ohne Nestemeyers Reisebuch kommt man in London zwar weit genug, aber bewegt sich nur an der Oberfläche.

Apropos in die Tiefe gehen. London ist ein teures Pflaster. Jedes Kapitel wird durch praktische Tipps – für jeden Gelbeutel – abgeschlossen. Wer schon einmal  mit einem MM-City-Buch aus dem Michael-Müller-Verlag verreist ist, schätzt diese Tipps, da sie von echten Experten vor Ort getestet wurden.

London als Schmelztiegel zu bezeichnen, fällt leicht – jeder sagt das, also muss es ja stimmen. London als Schmelztiegel zu erfahren, dafür braucht es einen erfahrenen Guide. Der ist 288 Seiten stark (oder eben nur ein paar Megabyte – je nachdem) und hat einen geistigen Vater: Ralf Nestmeyer.

Durch die blauen Felder

Durch die blauen Felder

Die Geschichtensammlung „Durch die blauen Felder“ von Claire Keegan besticht durch ihre präzise Beschreibung der einzelnen Charaktere. Dabei unterlässt es die Autorin dem Leser die komplette Geschichte aufzutischen. Sie lässt viel Raum für Interpretation und bezieht so den Leser in ihre Geschichten ein.

Jede einzelne Kurzgeschichte ist ein Juwel. Da muss zum Beispiel ein Priester seine einstige Geliebte verheiraten. Ahnt der Bräutigam etwas? Oder bildet sich der Gottesmann alles nur ein?

Eine junge Frau verlässt nach missglückter Schule-„Karriere“ ihre mehr oder weniger geliebte Heimat. Der Vater hält es nicht einmal für nötig aus dem Bett zu steigen. Die Zuneigung zur Mutter hält sich auch in Grenzen. Doch je näher der Abschied rückt, desto enger wird das Verhältnis zu den Eltern, desto intensiver die Liebe. Dennoch steht der Entschluss unverrückbar fest.

Die Personen in Claire Keegans Geschichten sind keine Allerweltspersonen. Allerdings auch keine Sonderlinge. Sie trifft man überall auf der Welt. Und doch sind sie einzigartig. Die Autorin lässt sie ihnen ihren Charakter, verändert sie nicht. Ein bisschen eigenbrötlerisch sind sie vielleicht. Doch keineswegs verschroben.

Wer Irland kennenlernen will, kommt an „Durch die blauen Felder“ nicht vorbei. Tiefe Einblicke in die Seelen der Bewohner der grünen Insel sind garantiert. Genauso wie das Versprechen, dass man diese Geschichten bald noch einmal aus dem Regal nimmt und ein weiteres Mal lesen wird.

Nord- und Mittelengland

Nord- und Mttelengland

Nord- und Mittelengland? Gibt es diese Region überhaupt? Ja! Und warum sollte man dort hin? Im Süden gibt es doch viel wohlklingendere Ortsnamen wie Bigbury on Sea, Brighton, oder Seaton und Beer. Im Norden liegen die Industriehochburgen wie Manchester, Newcastle, Sheffield – Ortsnamen, die maximal bei Sportfans für Erregung sorgen.

Also ein Reiseziel für Sportfans? Auch, aber nicht vorrangig. Eine Stadt wie Liverpool war vor dreißig Jahren maximal eine Stippvisite wert, um zu schauen,, wo denn nun John, Paul, George und Ringo sich ihre ersten Meriten verdient. Heute ist es ein Zehn-Tages-Trip, um unter andere zu schauen, wo John, Paul … naja Sie wissen schon … Sporen usw.  Liverpool kann sich rühmen eine der wenigen Städte zu sein, für die es sich gelohnt hat Geld in den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ zu investieren. Fünf Milliarden Pfund (in English klingt es noch pompöser: Five billion pound!) wurden in das Makeover gesteckt. Heute kann sich Liverpool durchaus mit Barcelona, Chicago und LA messen, wenn es um kulturelle Events geht. Natürlich – das darf an dieser Stelle nicht vergessen werden – lebt die Stadt am River Mersey (den so klangvoll die „Ferry“ überquert) auch vom Fußball. Jahrelang quälten die Spielstafetten von Stephen Gerard & Co. die Gemüter der Fans, doch seit der vergangenen Saison spielt man wieder oben mit. Doch einfach mal so eine Partrie miterleben, ist schwierig. Nur Langzeitfans (und vor allem Langzeit-Clubmitglieder) erhalten Tickets. Und die sind dann auch entsprechend teuer. Nix mit acht Euro „für Euch in der Südkurve“! Ein Euro pro Spielminute ist da schnell erreicht.

Doch Nord- und Mittelengland ist mehr als nur Anfield und Beatlemania. Oxford und Cambridge sind klangvolle Namen in der Welt der Wissenschaft. Dutzende Nobelpreisträger lernten und lehrten hier. Die beiden Ortschaften haben sich dank großzügiger Spenden aus den verschiedensten Richtungen ihren Charme erhalten können. Cambridge leistet sich den Luxus seinen Studenten ein Auto im Umkreis von zehn Meilen rund um den Campus zu verbieten. Cambridge ist also eine Fahrradmetropole.

Was wäre England ohne seine Schrulligkeiten. Wo wir gerade in den Midlands sind. Die Region Cotswolds ist (bis zu diesem Buch) unbekannt. Wer seinen Urlaub auf Anfang Juni legen kann, sollte sich hier einfinden. Denn dann finden hier die Olimpicks statt. Welly-Wanging, Shin-Kicking und Sack-Races sind nur ein paar Disziplinen, in denen um den Ersten Platz gerungen wird. Zum Verständnis: Es geht um Gummistiefel-Weitwurf, Schienbeintreten und Sackrennen.

Dorothea Martin hat die Mammutaufgabe auf sich genommen den Norden und die Mitte Englands in einem reiseband zusammenzufassen. Allein die Fülle an Städten (die man meist auch schon mal gehört hat: York, Manchester, Liverpool, Stoke, Middlesborough, Leeds, Sheffield, Hull, Leicester, Worcester (Achtung, Aussprache! Nicht Wurschester, eher Wuster – die mit der Sauce! Oder doch Soße?), Nottingham, Birmingham, Newcastle) lässt den Reisenden verzweifeln, wo man denn nun seine Erholung suchen soll. Die Antwort muss sich jeder selbst geben, jedoch: „You’ll never walk alone“ mit diesem Reiseband.