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Depeche Mode – Monument – Limited Extended Version

Jetzt gibt’s was auf die Augen! Normalerweise wartet eine Band bis zu einem runden Jubiläum, um die Fans mit einem besonderen Geschenk zu beglücken. Depeche Mode – Achtung Phrase! – waren schon immer anders als die anderen Band. Hier war es nur eine Question Of Time bis so ein monumentales Werk den Markt eroberte. Der Titel „Monument“ ist Programm: Fast so groß wie der Stapel an LPs, den die Band irgendwann mal hinterlassen wird, voller Bilder, Interviews, Magazin- , LP/CD-Covern und doppelseitigen Nahaufnahmen der Bandmitglieder. Keine Condemnation, vielmehr Enjoy The Umblättern!

Der Leser ist Museumsbesucher. Große Sonderausstellung zum 37jährigen Bandjubiläum von Depeche Mode! Erleben Sie die Band, in privaten Momenten, lesen Sie, was Wegbereiter und andere Fans zu berichten wissen! Mittendrin im Geschehen und nicht Behind The Wheel. Ein lebendiges Museum von vier Jahrzehnten Popgeschichte. Über vierhundert Seiten Bilder For The Masses, eine bunte Celebration, die jeden Fans schreien lässt I Want You Now.

Für Fans der ersten Stunde ist es streckenweise erstaunlich, was man alles schon mit der Band erlebt und eventuell schon wieder vergessen hat. Die ersten Bühnenoutfits, schon allein über Martin Gores Garderobe könnte man ein nicht minder monumentales Werk gestalten, Schwarz-Weiß-Bilder der Gegend, aus denen Dave Gahan, Andy Fletcher und Vince Clarke stammen, markieren nicht nur den Ausgangspunkt für eine der weltweit erfolgreichsten Bands, sondern weisen schon den Weg, den das Buch einschlagen wird. Mit jeder Seite mehr taucht man tiefer ein ins Universum der Synthi-Pop-Helden. Schonungslos offen auch der Umgang mit dem traurigen Kapitel als die Band vor ein paar Jahren fast vor dem Aus stand. Dave Gahan war erkrankt, dem Tode nah, ein überlebter Drogenexzess öffnet ihm die Augen. Seitdem kennt die Band nur einen Weg: Den nach oben. Immer weiter.

Es gibt vielleicht nur ein paar noch praktizierende Bands, denen ein Buch von diesen Ausmaßen zusteht: Klar, die Rolling Stones, U2 sicher, Metallica gehören auch fest in diesen erlauchten Kreis. Dann wird’s schon schwierig eine Band zu benennen, die so lange einen so großen weltweiten Erfolg aufweisen kann. Und diesen Erfolg mit einem Buch zu bildgewaltig präsentieren darf. Preiswerter als jede Konzertkarte, langlebiger als das komplette Musikwerk ist „Monument“ das, was es vorgibt zu sein. Nämlich die kiloschwere Historie einer Band, die den Modestil nicht nur einer Generation beeinflusst hat, deren Musik schon nach wenigen Takten eindeutig als Depeche-Mode-Sound zu erkennen ist, und die es immer wieder schafft Fans und Kritiker zu überzeugen und neue Fans zu erobern. Dieses Buch will nicht erobert werden. Das passiert einfach so! Als Meister der Maxiversionen – ja, das gab es einmal – lautet der Untertitel natürlich auch „Limited extended version“. Die Maxi von „Shake The Disease“ war eine Viertelstunde lang. Das ist man in diesem Buch vielleicht gerademal auf Seite Dreißig. Bis man mit dem Buch „durch ist“, kann man also noch die gesammelten musikalischen Werke der Band von 1980 bis zur Jahrtausendwende hören. Und blättern und blättern und schwelgen und träumen und …

Allein gegen die Schwerkraft

Würde Albert Einstein noch leben – immerhin wäre er 2017 erhabene 138 Jahre alt – hätte er sich wohl schon daran gewöhnt regelmäßig selbst zum Objekt von Forschungen gemacht zu werden. Der Strom an Biographien über den so gelehrten, geselligen, umtriebigen, unterhaltsamen, kämpferischen Einstein ebbt nicht ab. Denn Einstein ist es wert, dass so viel wie möglich über ihn erfahren wird. Bis heute sind seine Reden als Manifeste der Menschlichkeit aktueller denn je. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse bilden die Grundlagen von Forschungen und unseres Verständnisses der Welt.

Thomas de Padova zeigt in „Allein gegen die Schwerkraft“ ein sehr breites Spektrum der Persönlichkeit Albert Einsteins. In den Anfangsjahren seiner Arbeit tat sich der junge Einstein schwer eine Anstellung zu bekommen. Förderer wie Max Planck traten ihm zur Seite und sorgten dafür, dass er seinen Forschungen nachgehen konnte.

Wegbereiter wie zum Beispiel die zu oft verschmähte Marie Curie – immerhin zweimalige Nobelpreisträgerin, für Physik UND Chemie – kommen ebenso zu Wort wie seine Frau Mileva und seine Geliebte Elsa. Letztere war sicherlich mit ausschlaggebend, dass die Bemühungen Max Plancks Einstein nach Berlin zu holen Früchte trugen.

Ein bisschen Vorbildung ist von Nöten, um „Allein gegen die Schwerkraft“ vollends zu verstehen. Wer im Physikunterricht der Schwerkraft nur insofern nachgab, als dass der Kopf vor selbiger kapitulierte, kommt an manchen Stellen zum Stillstand. Wer sich hingegen auf Einsteins Theorien einlässt, entdeckt in de Padovas Buch viel Vertrautes und Neues aus dem Leben eines Genies.

Der Autor lässt den Leser nicht allein. Großzügig gibt er einen umfassenden Überblick über die Zeit und Umstände, in denen Einstein forschen konnte und musste. Unter dem Brennglas der Geschichte referiert de Padova zu Einstein und seiner Zeit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts formulierte Einstein die spezielle Relativitätstheorie, elf Jahre später – also mitten im Kriege – die allgemeine. Kollegen verteufelten den Mann mit dem Wuschelkopf, oder sie überschlugen sich vor Begeisterung. Einstein selbst genoss den Ruhm, ließ die Kritiker alsbald verstummen.

Wer auch nur ein wenig in diesem Buch blättert, um sich die Zeit zu vertreiben, wird schnell süchtig nach Einstein. Mit einfachen Worten schafft es der Autor die komplexe Theorie darzustellen, bzw. es deren Entdecker selbst zu überlassen. Dort, wo Erläuterungen angebracht sind, springt der Autor ein. Ansonsten spricht in diesem Buch nur einer: Albert Einstein.

Costa de la Luz

Denk ich an Spaniens Küsten in der Nacht, … komme ich völlig durcheinander. Wo liegen die denn überhaupt. Costa del Sol, Costa brava, Costa de la luz? Letztere, die Küste des Lichts, ist der Teil im Süden Spaniens, der sich von Portugal im Westen bis nach Gibraltar erstreckt. Sevilla, Cadiz und Huelva sind wohl die bekanntesten Orte der Region. Sevilla ist in diesem Buch mit erwähnt, obwohl es eigentlich nicht direkt zur Costa de la Luz gehört, wohl aber als Ausflugsziel oder Ausgangsort einfach mit dazu gehört.

Schon die kleine Karte auf der Buchrückseite zeigt die ganze Vielfalt der Küste des Lichts: Gebirgszüge, ein Nationalpark, viel Wasser und wie es der Name schon sagt, viel Licht, sprich Sonne. Ideal zum Wandern, planschen, shopping, genießen. Und Thomas Schröder hat schon zuvor mehrere Reisebände über verschiedene Regionen Spaniens geschrieben. Einen besseren Reiseguide kann man sich nicht wünschen. Nur bei einer Frage kann auch er sich nicht entscheiden: Was bestelle ich nur im Restaurant? Die Vielfalt ist umwerfend. Da muss man als Gast ganz allein durch.

Das ist aber das einzige Mal, dass auch der Autor keinen echten Rat weiß. Ansonsten setzt er der Routine des Reisebuchschreibens die Leidenschaft für die Region entgegen. Das merkt man besonders, wenn man sich die gelb unterlegten Kästen durchliest. Hintergründe und kleine Anekdoten wie zum Beispiel über das „Schlemmen am Ufer der Meeresfrüchte“ oder den Karneval von Cádiz oder die Schlacht um den Thun lassen schon vor der Reise Urlaubsstimmung aufkommen.

Ein Füllhorn an Ausflugstipps und genauen Wegbeschreibungen lassen keine Wünsche offen. Huelva zum Beispiel war bis vor wenigen Jahren eine wenig besuchte Stadt, die Region nur bei Spaniern bekannt. Dabei ist das Hinterland mehr als sehenswert. Mittelalterliche Städtchen geizen nicht mit ihren Reizen, hier wächst ein leckeres Weinchen, und in El Rocío kommt Westernstimmung auf. Drei Tipps auf ein paar wenigen Seiten, von denen man bisher selten bis gar nicht gehört hat. Also immer dem Licht entgegen!

Thomas Schröder schafft es ab der ersten Seite den Leser die Costa de la Luz so nahe zu bringen, dass man sich schon vor der Abreise als Experte bezeichnen möchte. Auf der Landkarte nimmt dieser Flecken Erde nicht viel Platz ein. Doch vor Ort öffnet sich ein riesiges Areal, das es gilt zu erkunden. Verlaufen unmöglich, denn Thomas Schröder ist ja da, um hilfreich zur Seite zu springen.

Veit Stoß – Künstler mit verlorener Ehre

Beim ersten Hören, sagt einem der Name Veit Stoß gar nichts. Es sei denn, dass man sich intensiv mit Kunst des 15./16. Jahrhunderts beschäftigt. Doch dann blättert man ein wenig im Buch und bekommt nach und nach ein Bild von dem bislang unbekannten Künstler. Tilman Riemenschneider ist da eher ein Begriff. Veit Stoß gehört in die gleiche Liga. Der Altar der Marienkirche in Krakau wurde beispielsweise von ihm gestaltet. Und genau dafür, für eine Reise nach Krakau mit Besuch der faszinierenden Kirch am Rynek, am Marktplatz, ist dieses Buch ein idealer Zusatz zum Reisebuch.

Im Mai 1477 kam Veit Stoß nach Krakau. Seine Einbürgerung ging relativ schnell und unkompliziert vonstatten. Er hatte Gönner, die wohl mehr als ein gutes Wort für ihn einlegten. Wenn man die Kirche betritt strahlt einem gleich der gigantische Flügelaltar entgegen. Es ist voll in der Kirche. Vereinzelt sieht man Aufsichtspersonal, die peinlich und umsichtig darauf achten, dass die Andacht nicht gestört wird. Der Touristeneingang befindet sich an der Seite, Eintritt muss entrichtet werden. Wer fotografieren will, darf das, aber nur gegen eine Gebühr von umgerechnet etwas mehr als einem Euro.

Besuchergruppen bzw. deren Reiseleiter sind die einzigen, die die Ruhe stören (dürfen).

Hat man den ersten überwältigenden Eindruck überwunden, sucht man sich am besten einen Sitzplatz und blättert ein wenig im Buch. Viel weiß auch die Autorin nicht über die ersten Jahre von Veit Stoß. Aufzeichnungen waren in der Mitte des 15.Jahrhunderts eben noch nicht an der Tagesordnung. Nach und nach liest man sich zum Krakau-Kapitel des Künstlers vor. Den Altar vor Augen, die Seiten aufgeschlagen in der Hand. Eine Reisegruppe lauscht andächtig ihrer Reiseleitung. Ein „besonderer Spaß“ ist es, wenn man sieht, wie der Reisegruppe mit einem läppischen A4-Blatt ein so prachtvolles Kunstwerk erklärt wird. Man selbst kann viel tiefer in die Materie eintauchen und sieht viel mehr in und am Altar als es eine kopierte Seite vermögen kann. Stolz und kenntnisreich gerät man automatisch ins Schmunzeln. Die Reisegruppe muss nach zehn Minuten wieder weiter. Man selbst kann noch ein wenig schmökern…

Und man liest, dass Veit Stoß unter mehreren Namen wirkte – je nach Landstrich und Akribie der Stadtschreiber – und dass er in seine fränkische Heimat wieder zurückkehrte mit einem Berg Schulden (die er noch zu bekommen hatte) und mitten in eine Intrige geriet. Fast wie im Krimi.

Inés Pelzl hat sich der Mammutaufgabe gestellt und zum Leben des bisher kaum bekannten Veit Stoß recherchiert. Das war nicht immer leicht, doch was bestätigt werden konnte, verarbeitete sie in diesem Buch. Einmalig und detailreich berichtet sie in diesem Buch aus einem spannenden Leben, das wie bei so vielen von Höhen und Tiefen geprägt war. Veit Stoß hatte das Glück fast alle Tiefen zu meistern und die Höhen zu genießen. Als Leser kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus.

Krakau MM-City

Die höchste Dichte an Nahrungsaufnahmemöglichkeiten. Ehemalige Hauptstadt. Die einzige Stadt der Welt, in der die jüdische Gemeinde wieder wächst. Wir sind in Krakau. Und Jan Szurmant und Magdalena Niedzielska-Szurmant sind die Reisebegleiter. Sie sind Wegweiser und Fabuleure zugleich. Über 300 Seiten und zahlreiche Karten helfen sich in der Stadt zurecht zu finden. Wenn man es ganz nüchtern betrachtet, ist die Buchbesprechung hier zu Ende. Alles drin, mehr braucht man nicht! Fertig, Aus, Ende! Doch dann hat man den Reiseband nicht richtig gelesen und schon gar nicht die Stadt erkundet!

Seit Kurzem zeigen sich die Kostbarkeiten der MM-City-Reihe im modernen Margenta. Inhaltlich hat sich nicht viel verändert, nur zum Besten allenfalls. In diesem Fall sind es vierzehn Spaziergänge durch die alte Königsstadt, von denen man gern auch mehrere an einem Tag „erledigen kann“. Denn teilweise gehen die Spaziergänge ineinander über. Die beiliegende Karte hat das richtige Format, um sich nicht umständlich zu verheddern. Ausgangspunkt ist fast immer die Altstadt, Stare Miasto. Hier befinden sich die meisten Sehenswürdigkeiten, doch auch außerhalb des turbulenten Platzes gibt es mehr als „nur ein paar Sachen noch zu sehen“. Die präzisen Angaben, wann man den Blick senken bzw. heben muss, wann sich ein Blick nach links oder rechts lohnt, wann man wohin abbiegen muss, wann man einfach dem Instinkt folgen kann, sind unerlässlich, wenn man Krakau erkunden will.

Zum Beispiel Tour Zehn. Da hat man die Altstadt schon hinter sich gelassen. An der ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler, ja, genau der mit der Liste geht’s los. Beziehungsweise verharrt man erst einmal. Denn in der Fabrik ist nun ein Museum. Die Gegend drumherum ist nicht gerade ein optisches Highlight, drinnen im Museum dafür umso mehr. Schon vor Öffnen der Türen, sammeln sich erste Touristen und Besuchergruppen. Vorher also im Internet buchen – das steht nicht nur so im Buch, es ist auch so! Fact checking (das Wort wird ja heute gern benutzt) abgeschlossen und Hinweis aus dem Buch bestätigt) abgeschlossen. Kleiner Tipp: Wenn man zur Fabrik geht, am besten am Ufer der Weichsel entlang laufen. Der Blick auf die Burganlage Wawel vom anderen Ufer ist unbezahlbar. Und wer will kann ganz leicht immer wieder über die zahlreichen Treppen „nach oben steigen“ und hier und da in die kleinen Straßen reinriechen. Weiter geht es dann ins ehemalige Ghetto und dem Platz der Helden des Ghettos. Auch hier wieder ein Tipp, den man beherzigen sollte. Nicht über die Straßen laufen, sondern die Unterführung nutzen. Denn die Polizei steht tatsächlich da und kassiert kräftig bei denen ab, die die Straße queren. Und außerdem gibt’s in der Unterführung einen klitzekleinen Laden, der die leckersten und größten Äpfel der Stadt hat…

Kurz danach erreicht man die Rekawska. Keine besonders schöne Straße. Eine typische Straße für und in Krakau. Doch am Ende, wenn man die Reste der ehemaligen Ghettomauer passiert hat, rechts abbiegt, die Straße über den Zebrastreifen, die es hier zuhauf gibt, quert, und wieder rechts abbiegt, befindet sich ein Haus mit Geschichte. Denn hier wohnte vor seiner erfolgreichen Flucht Roman Polanski. Vorher kommt man an einem kleinen Stück Natur vorbei, wo man sich genau vorstellen kann, wie der kleine Roman hier rumstromerte. Ein bisschen weiter, bergauf, steht man nun vor der Wahl: Rechts in den Park Bednarskiego mit seinen über einhundert verschiedenen Baumsorten – herrlich ruhig und ideal zum Eichhörnchen beobachten – oder weiter über eine große Wiese, vorbei an einer Kirche, die nur zweimal im Jahr geöffnet hat, einer alten Ruine, über deren Schicksal noch entschieden wird, und dann immer dem Lärm nach. Diese Angabe ist nicht ganz so präzise. Ist aber auch nicht schlimm. Denn egal welchen Weg man wählt, das Ziel hat man immer vor Augen: Den Kraku-Hügel. Man kann sich ein wenig verlaufen. Doch Krakau ist ideal zum Verlaufen. Es gibt immer was zu sehen. Und hat man den Hügel erklommen, wird man mit einem grandiosen Rundblick belohnt.

Noch ein Wort zum Fact checking: Die beste Eisdiele der Stadt ist es auch wirklich. Und die preiswerteste. Die Zweitbeste (kann man alles nachlesen, muss hier nicht gesondert erwähnt werden) bietet zwar ein leicht cremigeres, doch nicht ganz so schmackhaftes Eis. Außerdem ist es in der „besten Eisdiele“ bedeutend preiswerter. Anstehen muss man in beiden. Die Wahl fällt also relativ leicht.

Wo gibt’s das beste Brot? Welche Museen lohen sich? Was gibt es außerhalb der Stadt zu sehen? Welche Geschichten verbergen sich hinter welchen Gebäuden? Wann lohnt sich ein Abstecher? Wie wurde Krakau das, was es heute ist? Fragen über Fragen, die den Besucher plagen und nur in diesem Buch beantwortet werden. Selten zuvor wurde eine Stadt so nah und so tiefgehend in einem Reiseband vorgestellt. Die beiden Autoren leben hier und bieten selbst auch Stadtrundgänge an. Das merkt man auf jeder einzelnen Seite, in jedem Abschnitt dieses unverzichtbaren Buches.

Sonntag der beleuchteten Fenster

Saucismus – diese Erfindung will und wird Diana Anfimiadi für sich beanspruchen. Malen mit Saucen. Zu kindisch, zu flapsig? Dann verabschieden wir uns an dieser Stelle von allen, denen das Essen auf den Magen schlägt und nicht zu Herzen geht.

Diana Anfimiadi ist Georgerin. Sie ist Autorin. Sie isst gern. Sie schreibt gern übers Essen und ihre Erfahrungen beim Essen und natürlich über ihre Erinnerungen an Freunde und Familie beim Essen. So weit so gut. Aber. Sie schreibt nicht einfach nur darüber, sie verführt. Wer Diana Anfimiadi zu sich einlädt, ob als Autorin oder persönlich, wird den geselligsten Abend überhaupt erleben. Überschwang der Gefühle kommt einem als Erstes in den Sinn, liest man die ersten Zeilen dieses Buches. Und es geht weiter. Kurze Erholungsphasen vom Studium mit Essenfassen, die Düfte in Omas Küche bis hin zu eben den eingangs erwähnten Malen mit Saucen.

Vorblättern bis auf Seite 86. Wieder eine Erinnerung an einen „sehr wundersamen, sehr begabten Kollegen“. Ein Maler. Doch dieses Mal sind es nicht Gerüche und Geschmacksnoten, die sie beeindrucken, sondern Farben. Rote Rüben, gelbe Sauce aus Eiern und Senf, orange Sauce aus Karotte etc. Das alles bringt sie zu der Erkenntnis, dass Malen mit Saucen noch gar keinen Markt hat. Sie meldet schon mal Ansprüche auf das Copyright an.

Während man sich durch das Buch liest, wird der Lesefluss immer wieder von den Rezepten unterbrochen. Und vom Magenknurren. Ohne viel Tamtam werden in Windeseile die Rezepte dargeboten. Bilder? Fehlanzeige. Sind auch nicht nötig, da die Kraft der Worte jede Abbildung überflüssig macht.

Liebe geht durch den Magen – nach diesem Buch kommt der Liebeskummer. Buch schon zu Ende, kein Essen mehr, keine georgische Tischkultur? Man kann es ja noch einmal lesen, und noch einmal. Und vor allem kann man alles nachkochen.

„Sonntag der beleuchteten Fenster“ ist eine Einladung mal in die Kochtöpfe Georgiens zu schauen. Deftig, würzig, scharf, bitter, süß – abwechslungsreich und (nicht aber!) immer geschmackvoll. Ein Appetizer, den man nicht ablehnen kann!

Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hitler

Wer sich auch nur ansatzweise im Hollywood der dreißiger und vierziger Jahre auskennt, wird von einer Sensation sprechen, wenn er über dieses Buch spricht. Hollywoods Hochzeit, auf dem Thron der Filmwelt, Filmkunst in Perfektion. An der Spitze der großen Studios saßen Männer, die einst aus der alten Welt ins gelobte Land gingen, um ihre Visionen zu verwirklichen. Ihre Angestellten, Regisseure, Schauspieler, Autoren, Kameramänner mussten teilweise alles stehen und liegenlassen, um nicht dem Naziterror zum Opfer zu fallen. Ganze Straßenzüge Hollywoods waren von Größen wie Brecht, Mann, Lang, Dietrich, Feuchtwanger, Bois, Veidt gesäumt. Und nun die kühne Behauptung, dass Hollywood sich dem Diktat eines einzelnen Mannes, der die Filme von beispielsweise Laurel und Hardy so sehr liebte, untewarf?

Ben Urwand stellt diese Behauptung auf. Und er kann sie unterfüttern und beweisen: Hollywood war schon immer der geldgierige Schlund, der wenig auf das gab, was ihn ausmachte: Seine Stars.

Auf deren Schicksale konnte keine Rücksicht genommen werden. Viele Filme mit vordergründiger Kritik am Naziregime wurden geschnitten oder erst gar nicht realisiert. Dafür durften MGM und Co. ihre Filme in Deutschland (gekürzt und geschnitten) zeigen. Ein enormer Markt. Mit enormen Gewinnen. Für beide Seiten. Denn das Geld floss nicht nur über den großen Teich zurück, sondern wurde Göbbels für seine Wochenschau zur Verfügung gestellt. Soweit die These, aber auch die Beweislage. Die Akten und Papiere waren immer da, nur verschollen. Ben Urwand hat sie wieder ausgegraben und ein kleines Erdbeben ausgelöst.

Zur Ehrenrettung muss man aber sagen, dass nicht alles, was filmisch gegen die perfiden Machenschaften des zwölfjährigen Reiches angedacht war, der selbstauferlegten Zensur zum Opfer fiel. Filme wie „Casablanca“ wurden dennoch gedreht und sind heut Klassiker. Auch wenn, gerade „Casablanca“ nicht gerade durch cinematographische Brillanz glänzt.

Viele Entscheider in Hollywood, wie Louis B. Mayer, Chef und daszweite M in / von MGM, – ein Karriere- und Menschenzerstörer erster Klasse –  waren jüdischen Glaubens. Undenkbar, dass gerade sie mit dem Teufel paktierten. Doch der schnöde Mammon hilft so manches Leid ertragbar zu machen. Und umgekehrt ist es nicht weniger unmissverständlich aufzufassen. Ein Nazihasser wie Göbbels paktiert mit den Juden? Ja, denn die haben das Geld, das ihm fehlt. Perfide, pervers? Ben Urwand enthält sich weitgehend der Stimme. Doch die Fakten, die er auf den Tisch legt, sprechen eine eindeutige Sprache. Die Medien als Mittel, um sich Gehör zu verschaffen, das ist nicht neu. Und kommt aber gerade wieder ganz groß in Mode. Mit seinem Buch „Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hitler“ kratzt Ben Urwand an der Leidenschaft fürs „große Kino“. Er desillusioniert ein wenig den Mythos Hollywood – und das ist gut so. So manchen Film sieht man nun mit ganz anderen Augen.

Oberitalienische Seen

Die Lage der Laghi ist aber auch idyllisch! Lago Maggiore, Lago die Como, Lago d’Iseo, Lago die Garda – schon die pure Erwähnung lässt das Herz höher schlagen. Ringsherum die Alpen, nur eine Wetterlage, nämlich Sonne, vor Kraft strotzende Vegetation und glasklares Wasser. Nur ein Klischee? Nicht ganz, natürlich regnet es hier auch einmal. Aber ansonsten stimmt alles. Jeder, der hier schon einmal geurlaubt hat, wird es bestätigen. Schlimm nur, wenn man den ganzen Tag nur auf der faulen Haut gelegen und nichts vom Drumherum genossen hat.

Für’s Drumherum gibt es den Reiseband „Oberitalienische Seen“ von Eberhard Fohrer. Er hat den Traumjob an Land gezogen und „betreut“ dieses Projekt. Um es vorweg zu nehmen, auch die kleineren Seen wie Lago di Caldaro, Lago di Bráies, Lago di Fiè und einige andere mehr werden genauso ausführlich vorgestellt und präsentiert wie die großen Vier. Es ist an der Zeit Inselhopping hintenan zu stellen und Lake-Hopping zu betreiben. Mit dem Rad, mit dem Auto oder per pedes. Ob mit dem Bus in lautstarker Runde mit 24/7-Betreuung bis zur Selbstaufgabe oder ganz individuell nach Lust und Laune. Ob mit offenen Augen oder den Strapazen der Wanderungen ins Auge schauend – ein jeder wird mit diesem Buch einen zufriedenen Urlaub erleben dürfen.

Lago d’Idro – nie gehört. Kein Verbrechen, aber eine Ordnungswidrigkeit das Kapitel zu überlesen. Nicht mal eine Stunde braucht man mit dem Auto, um vom Rummelplatz Gardasee, wie Eberhard Fohrer es schreibt, zum nicht weniger idyllischen Idro-See zu gelangen. Es ist der höchstgelegene See der Lombardei. Hobbyangler kommen hier auf ihre Kosten sowie eigentlich alle, die nur eines suchen: Ruhe und Erholung. Und das kann auch aktiv geschehen. Bei entsprechenden Windverhältnissen lassen Kite-Surfer ihren Drachen steigen. In einem der berühmten gelb unterlegten Rahmen – das durch den Michael-Müller-Verlag zum Standard erhobenen Neben-der Strecke-Was-Interessantes-Erfahren gibt Eberhard Fohrer einen Tipp, den man nicht ausschlagen sollte: Eine Fünf-Seen-Tour. Lago die Garda, Lago di Valvestino, Lago d’Idro, Lago d’Ampola und Lago di Ledro. Den ersten See kennt man, die anderen dürften für die meisten mehr als nur eine Überraschung parathalten. Am besten mit dem Rad. Denn hier werden die Autofahrer gewarnt, dass hier auch andere Schaulustige unterwegs sind. Sonst müssen immer die Pedalisten Obacht vor den motorisierten Urlaubern nehmen.

Wer sich die Seenlandschaft Oberitaliens auf eigene Faust erschließen will, ist auf Hilfe angewiesen, wenn er so viel wie möglich in der viel zu kurzen Urlaubszeit erleben will. Eberhard Fohrer bietet sich gern an, als Reiseführer, als Hinweisgeber, als Einladender für jeden, der Grandezza mit Calma verbinden will.

Übrigens wird für den 1. August 2017 die achte Auflage der südlichen Schwester dieses Reisebandes das Licht der Welt erwartet. „Oberitalien“, das Buch, das nicht nur Wassererlebnisse, sondern auch die Metropolen Mailand und Turin, Venetien, Friaul-Julisch Venetien, Trentino und Piemont mit dem Aosta-Tal bietet. Wird Zeit, denn die siebte Auflage ist bereits vergriffen. Solange „begnügt“ man sich mit den Seen des Nordens. Mehr als nur eine Wartezeitverkürzung.

Die Deutschen und ihre Kolonien

Deutschland und seine Kolonien. Wenn man Großbritannien, Spanien und Frankreich betrachtet, spielte Deutschland keine große Rolle im Verteilungskampf der Mächte um die Welt. Nur jeder 40 Quadratkilometer  der kolonialisierten Welt hieß Fritz. Es gab zehnmal mehr Johns.

Schon im 17. Jahrhundert gab es Landstriche in Tobago in der Karibik und in Westafrika am Gambia-Fluss, die in deutschem Besitz waren. Aber sie als Kolonien zu bezeichnen ist irreführend. Da könnte man auch behaupten, dass so manche Autobahnraststätte Kolonie eines Fast-Food-Giganten wäre (auch wenn es sich vielleicht so anfühlt, ist dem nicht so).

Von 1884 an besaß Deutschland dreißig Jahre lang Kolonien. Wer bei Oma und Opa auf dem Dachboden stöbert, findet vielleicht manchmal noch Zigarettenbildchen, die mehr als klischeehaft das Leben in Deutsch-Südwest (Namibia), Deutsch-Ostafrika (Tansania), Kamerun, Togo, den Marshall-Inseln, Samoa, Tsingtau oder Neuguinea zeigen. Mit dem Ersten Weltkrieg war dann Schluss mit dem Weltenspielgehabe. Und so ertragreich und vor allem nachhaltig war „das Engagement“ dann auch wieder nicht. Kein Chinese aus dem Nordosten wird heute noch über deutsche Hinterlassenschaften erzählen können. Zumindest nicht so vielfältig wie ein Inder über den Five o’clock tea, der er selbst noch als Kind erlebte.

Fernab jeder aktueller Befindlichkeit sind die Autoren bestrebt einen umfassenden Überblick über das kurzzeitige deutsche Kolonialreich zu berichten. Sie schaffen es. Mit einfachen Worten und durch die schnörkellose Darstellung von Zusammenhängen, die erst durch dieses Buch zutage treten. Die Vorstellung, dass eine exzellent strukturierte Armee mit Pauken und Trompeten bzw. Kanonen und Gewehren die Bevölkerung niedermetzelte und anschließend das schwarz-weiß-rote Banner in den Boden rammte, dass Blut aus ihm quoll, ist veraltet und größtenteils falsch. Ja, es gab Verbrechen gegen die Menschenwürde. Unentschuldbar! Aber im Großen und Ganzen wurde das deutsche Kolonialreich am Verhandlungstisch geboren. Auf der so genannten Kongo-Konferenz. Ein reichliches Dutzend Länder, bzw. deren Vertreter saßen über Landkarten, mit Lineal und Zirkel wurden Einflussbereiche bestimmt, wieder verworfen, und neuangelegt. Es wurde gestritten, taktiert und sich gegenseitig gratuliert. Nur die, um die es ging, blieben außen vor, wurden nicht einmal eingeladen. Ein ganz perfides Spiel.

Über hundert Jahre ist es her, dass kleine bunte Bildchen, den Einheimischen die Fremde näherbrachten. Wenn auch mit einem verklärten, die Realität verleugnenden Blick. Reisen in diese Länder – Namibia erfreut sich seit Jahren ungebrochener Beliebtheit bei Fernreisen ins südliche Afrika, dem einzige Land, in dem wirkliche Spuren hinterlassen wurden, wie auch immer man das bewerten will – tut ein Blick in die Geschichte gut, vieler Orten tut er Not. Den Autoren ist es zu verdanken, dass Spurensuche nicht immer mit einem schlechten Gewissen enden muss. Sie haben sich einen Maulkorb auferlegt, was Wertungen betrifft, und konzentrieren sich nur auf das, was niedergeschrieben wurde und in Archiven zu recherchieren ist. Informativ und eine echte Bereicherung für jeden Bücherschrank der Geschichte.

Agatha Christie – Die Autobiographie

Da sitzt sie nun zwischen all ihren Leichen, die sie in so vielen Jahren um die Ecke und unters Volk gebracht hat. Ein leicht erstaunter und zufriedener Blick. Und vor ihr schon die nächsten Mordpläne, die sie in die Mordmaschine einhämmern wird. Wenn man dem geflügelten Wort folgen darf, schreib worüber Du Bescheid weißt, wird einem angst und bange vor den folgenden über selbstverfassten sechshundert Seiten über das Leben von Agatha Christie.

Denn Leben und Werk der Queen of crime sind an Spannung kaum auseinander zu halten. Zwei Tage vor dem Nikolausfest des Jahrs 1926 verließ sie ihr Haus und kam erst eine reichliche Woche vor Weihnachten wieder. Elf Tage war sie weg. Eine Lücke im Leben der Agatha Christie, deren Rätsle bis heute nicht geklärt ist, die weder eine schrullige Meisterdetektivin und ein blasierter Meisterdetektiv lösen konnten. Und was macht Madame? Sie hüllt sich in Schweigen. Selbst diese Autobiographie lässt es nur zu, dass man spekuliert. Die Zeitungen von damals überschlugen sich. Ehekrach – Mord – Flucht im Affekt – Publicity-Gag? Naja, Mord war es auf jeden Fall schon mal nicht! Fakt ist, dass ihr Bekanntheitsgrad danach unerkannte Höhen erreichte.

Beim ersten Durchblättern – wenn man den Bildteil in der Buchmitte für sich erkundet – fällt auf, dass Verzicht, materieller Verzicht, nicht zum Heranwachsen der Agatha Mary Clarissa Miller gehörte. Haus, Garten, Haustiere, gebildete Eltern: Die Grundlagen waren schon mal gesät. Ihr erster Mann Archibald gab ihr seinen Namen, der schon bald eine Weltkarriere machen sollte: Christie.

Doch die Ehe hielt nicht. Erst mit Max Mallowman wurde Agatha Christies Leben perfekt. Vierzehn Jahre jünger war der Archäologe. Doch er zeigte ihr nicht nur sprichwörtlich, sondern wortwörtlich die Welt. „Unser Haus in Bagdad“ lautet die Bildunterschrift unter einem der Bilder im Buch. Nur eine Station des reiselustigen Ehepaares.

Ganz so viele Wendungen wie in ihren Romanen kann sie in ihrem eigenen Leben nicht vorweisen – das wäre aber auch zu viel des Guten. Aber wer 85 Jahre lebt, hat einiges zu erzählen. Und jedes einzelne Jahr ist wirklich erzählenswert. Wer diese Autobiographie zum Anlass nimmt Agatha Christies Bücher noch einmal zu lesen, katapultiert sich in ein neues Universum. Denn nun wird klar, woher ihr Ideenreichtum stammt. Wenn Hercule Poirot den Mordverdächtigen so leidenschaftlich und detailreich sein Wissen über alte Kulturen mitteilt, muss man schmunzeln, wenn man an die Zeit der Autorin an den Ufern des Tigris liest. Aha, auch der grandiose Ermittler bekam sein Graue-Zellen-Futter von einer Frau. Die Autobiographie ist kein Krimi, es ist das wahre Leben. Allerdings einer mehr als ungewöhnlichen Frau.