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Sing mir ein Lied

Sing mir ein Lied

Dieses Buch ist eine Kopie! Dieses Buch ist echt! Eine echte Kopie. Keine Angst. Astrid Rosenfeld ist wirklich durch die USA gereist. Sie hat tatsächlich fast zehntausend Meilen zurückgelegt. Und dabei ihre Eindrücke niedergeschrieben. Zusammen mit ein paar Stories, die bei diesem Roadtrip in den Sinn kamen. Bei ihrer Rückkehr übergab sie ihr Reisetagebuch dem Diogenes-Verlag. Kurzerhand wurde das Original reproduziert und in unveränderter Form als Buch nun veröffentlicht. Dem Leser wird sozusagen ein echter Rosenfeld in die Hand gelegt.

Astrid Rosenfeld macht das wovon Viele nur träumen: Sie durchquert die USA. Einmal quer von Ost nach West. Wie einst die ersten Siedler.

Das Wohltuende an diesem Buch sind die fehlenden Klischees: Hektisches New York, verträumter Süden, Heimweh zur Weihnachtszeit.

Und die Typen, die sie trifft, haben diese Bezeichnung verdient: Echte Typen. Ein Straßenmusiker, der keinen Ton trifft und von sich behauptet neun Sprachen zu sprechen. Keines davon trifft zu. Doch haben sie, ihr Begleiter Johannes Paul Spengler und die beiden Straßenmusiker eine tolle Zeit.

Silvester im Süden. In einem schäbigen Hotel. Wie mit der Stoppuhr gemessen schildert Astrid Rosenfeld den Verlauf der Nacht – vom dazugehörigen Rausch und nicht ganz so legalen Agrarprodukten, von kitschigen Plastikhüten bis zu einem herzerwärmenden Jungen, der jeden zum Tanze animiert. Als Beweis dienen die Fotos ihres ständigen Begleiters.

In Texas treffen sie einen Cowboy – also doch noch ein Klischee. Ein echtes Raubein. Augenklappe, Narben im Gesicht. Wenn Not am Manne ist, springt er bei Dreharbeiten auch gern mal als Cowboytyp ein.

Und noch ein Klischee – das muss dann aber auch reichen: Wer durch die USA reist, kommt früher oder später mit dem Gesetz …, nein nicht in Konflikt, aber mit den Gesetzeshütern ins Gespräch. Ein Kurzausflug nach Ciudad Jaurez, Mexiko, sorgt bei der Rückkehr für Verwirrung. Das Visum ist abgelaufen, da die beiden Roadtripper das Land verlassen haben. Die Aussage, dass sie Huhn gegessen und Socken gekauft haben, sorgt letztendlich aber nur für Verwunderung und zieht den ernsten Hinweis nach sich, dass die mexikanische Seite von El Paso (Ciudad Juarez) zu den gefährlichsten Orten der Welt gehört.

Auf der Reise treffen die beiden Gleichgesinnte. Alle sind irgendwie auf der Reise. Manche haben fast schon ihr Ziel erreicht, Andere merken gar nicht wie sehr sie vom Reisefieber gepackt sind.

„Sing mir ein Lied“ ist mehr als nur ein Tagebuch. Es ist der kurzweilige Beweis, dass der Weg das Ziel ist.

Animalikon

Animalikon

Was benötigt man, um die Beziehung von Mensch und Wildtier zu beschreiben? Ein offenes Auge, oder gleich zwei. Besser vier Augen. Eine Leinwand. Acrylfarbe. Gold, viel Gold – Blattgold. Tusche. Und einen mutigen Verleger, der die Gedanken in gedruckter Form an interessierte Leser bringt. Dann hat man ein perfektes Produkt.

Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Eine künstlerische Ader braucht man auch, um a) eindrucksvolle Bilder zu erstellen und b) entsprechende Texte formulieren zu können. Dann klappt’s auch mit dem perfekten Produkt. Produkt ist aber auch nicht das richtige Wort. Denn hier sind Emotionen im Spiel. Emotionen kann man katalogisieren, typisieren kann man sie. Also: Man hat – wenn alle genannten Kriterien erfüllt sind – das perfekte Geschenk!

Vierundzwanzig Abbildungen mit vierundzwanzig passenden Texten – da war doch was mit 24?! Na klar. Dieses edle Büchlein ist die perfekte Alternative zum Adventskalender. Jeden Tag eine Doppelseite mit Bildern und Erinnerungen aus der ganzen Welt. Von Kalifornien über Florida, den Bodensee bis auf griechische Inseln.

„Animalikon“ klingt nach einer klassischen Tragödie. Es ist jedoch eine moderne Faszination. Wer kennt schon einen Speichenlecker? Oder hat schon mal einen Delphin hautnah erlebt? Passionsfischer findet man sonst nur am Seerhein in Konstanz.

Ob man dieses Buch nun als alternativen Adventskalender betrachtet oder einmaliges Geschenk für Freunde oder einfach nur al beeindruckenden Bildband ist völlig egal. Jede einzelne Seite besticht durch ihre Extravaganz und den Schimmer des Besonderen. Besonders schon allein dadurch, dass die Auflage nur dreihundert Stück beträgt, durchnummeriert und signiert von Ralf Staiger und Chris Inken Soppa.

Parmesan

Parmesan

Wie viele Kochzutaten gibt es weltweit? Zehntausend? Hunderttausend? Es sind wohl eher Millionen! Und wie viele Kochbücher, die sich rund um nur eine einzige Zutat drehen, gibt es? Hundert? Tausend? Eher weniger. Wenn man die qualitativ hochwertigen heranzieht, bewegt sich die Zahl wohl mehr im Dutzendbereich. Doch dazu mehr am Ende dieses Textes.

Bei italienischer Küche denkt man seit Kindestagen an Spaghetti. Man kann kaum laufen, aber „Schbageti“ geht jedem leicht über die Lippen. Mit Tomatensauce. Und Käse. Mmmh lecker! Mit fortschreitendem Alter bleibt diese Leidenschaft erhalten. Man geht dann zum Italiener. Dort isst man dann Pasta. Mit Tomatensauce. Und Parmesan! Ja, aus dem Käse wird für den verwöhnten Gaumen Parmesan, Parmigiano Reggiano. Einfach köstlich, wenn der goldene Regen auf das dampfende Gericht fällt, zerläuft und das Aroma in die Nase steigt! Der erste Bissen ist immer noch der Beste. So viel zur Leidenschaft.

Der originale Parmesan – bleiben wir doch bei der deutschen Bezeichnung – wird nur in der Zona Tipica (welche das Gebiet Modena, Teile von Mantua und Bologna, der Reggio nell’Emilia und der namensstiftenden Region Parma umfasst) angebaut. Das Heu der Kühe wird nach strengen Regeln kontrolliert. Die Milch des Vorabends wird mit der Milch des nachfolgenden Morgens zu gleichen Teilen vermischt und zu einer Köstlichkeit verarbeitet, die seit Jahrhunderten die Gaumen verzückt.

Es gibt sogar Banken, die ganze Käselaibe als Sicherheit akzeptieren.

Carmelo Greco wurde in Sizilien geboren, lernte im Piemont und kocht nun sternenhaft in Frankfurt. Er zeichnet in diesem Buch für die Rezepte zuständig. Tatari di fassona e Sbrisolona – das ist kein Zungenbrecher, das ist ein Zungenlöser! Rindertatar mit Parmesanplätzchen. Klingt auf den ersten Blick nicht so spektakulär, aber auf der nebenliegenden Seite kann man sich vom Gegenteil überzeugen. Kunstvoll gestapelt, gekonnt gesetzte farbige Akzente – da muss man einfach doppelt bestellen. Den ersten Happen verschlingt man im Ganzen. Einfach die Geduld vergessen und zubeißen. Die zweite Bestellung genießt man. Man schmeckt den Apfel, das Olio extra vergine, das Fleur de Sel, die Shiso-Kresse, die Pfeffer … alles muss man hier auch nicht verraten. Nachkochen! Geht ganz einfach, denn Carmelo Greco gibt exakte Anweisungen.

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen, wie viele Kochbücher es gibt, die sich nur einer einzigen Zutat widmen, muss man vor den Machern bei 99pages den Hut ziehen: Drei Kochbücher zu nur einer einzigen Zutat und jede davon eine Augenweide – das schaffen nur ganz Wenige. „Habemus Pasta“, „Fleur de Sel“ und nun „Parmesan“. Drei Zutaten, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Drei Kochbücher, die die Augen übergehen lassen. Dreimal Hochgenuss für die Sinne.

blick.dicht – Kuriositäten aus den sechs österreichischen Nationalparks

blick.dicht

Naturschutz und gut gemachte PR gehen nur selten Hand in Hand. Und wenigen Beispiele, bei denen die Steigerung des Bekanntheitsgrades (eines Produktes) und der Naturschutz verdienen es, dass man darüber redet.

Oder schreibt. So wie in diesem Buch. Nein, das Wort Buch wird dem Wert nicht einmal annähernd gerecht. So wie in diesem Prachtband! Das Ministerium für ein lebenswertes Österreich, der Umweltdachverband und die Nationalparkverwaltungen Österreichs wollten die sechs Nationalparks der Alpenrepublik bekannter machen. Besucher sollten angelockt und für den Naturschutz und die Schönheiten der Berge, der Wiesen, der Wälder, der Fauna sensibilisiert werden. Inwiefern dies geglückt ist, wird die Zukunft zeigen.

Geglückt hingegen ist dieses Buch, pardon, dieser Prachtband! Chloé Thomas ist durch die Höhen der Nationalparks Gesäuse, Donau-Auen, Hohe Tauern, Kalkalpen, Thayatal und Neusiedler See – Seewinkel gewandert. Auf ihren Streifzügen hat sie allerlei Beeindruckendes gefunden und mit der Kamera festgehalten. Doch sie die gemachten Panoramen und Detailaufnahmen nicht einfach nur in einem Buch zusammengefasst. Sie hat eine Sinfonie der Sinne geschaffen. Beiliegende Karten geben einen geografischen Überblick. Ausklappbare Fotos zeigen die Natur in ihrer ganzen Pracht und beeindrucken durch Motivwahl, Bildausschnitt, und sie strahle die Eleganz aus, die die Naturparks auszeichnet. Solche Bilder schießt man mal nicht eben so im Vorbeigehen! Zahlreiche Bild-in-Bild-Kompostionen zeigen Lebensort und Bewohner der Parks. Zitate und Gedichte von Begeisterten Wanderern und Autoren geben in Worten wider, was so offensichtlich scheint, und doch Vielen verborgen bleibt.

Es sind Bücher wie diese, die es Naturschützern leicht machen auf die Probleme der Gegenwart hinzuweisen und die Notwendigkeit eines nachhaltigen Naturschutzes zu unterstreichen. Großformatige Aufnahmen lassen das Auge ruhen. Bloß nicht weiterblättern! Genießen. Eintauchen. Jedes Mal entdeckt man Neues.

Wer „blick.dicht“ liest, betrachtet, bestaunt, wird schnell vom Reisefieber gepackt. So was muss man sich auch mal aus der Nähe anschauen. Aber nur anschauen! Nichts anfassen oder niedertrampeln! So macht Naturschutz Spaß! Nachhaltig!

Tatort – Das Spiel

Tatort - Das Spiel

Ermitteln Sie anhand der folgenden Fakten das Verbrechen, den Täter und das Motiv! 336 Fragekarten, 15 Bonuskarten., 25 Chips, sechs Spielsteine, ein Notizblock. Ihr Ermittlungsgebiet umfasst 40 mal 30 mal 5 Zentimeter. Das Verbrechen: Mörderischer Spielspaß aus vier Jahrzehnten Fernsehunterhaltung. Der Täter: Es sind mehrere Täter. Zum Einen das Erste, die ARD. Zum Zweiten der moses-Verlag. Das Motiv: Warum nicht?

Seit mit „Taxi nach Leipzig“ vor über vierzig Jahren der erste Tatort in die Stuben flimmerte, ist der Tatort zu einer wirklichen Institution geworden. Wenn am Sonntagabend das Wetter für die nächsten Tage verkündet wurde, ertönt Klaus Doldingers eingehende Melodie. Im Fadenkreuz des Zuschauerinteresses stehen nun 90 Minuten lang menschliche Schicksale, perfide Täter und bemitleidenswerte Opfer. Manche Schauspieler kann man sich kaum noch in anderen Rollen als der des Kommissars vorstellen. Andere Ermittler wiederum hätte man sich nie als Staatsdiener vorstellen können. So abwechslungsreich wie die Geschichten und Darsteller sind auch die Drehorte. Münster beispielsweise verzeichnet seit dem Eintreffen von Axel Prahl und Jan-Josef Liefers einen enormen Anstieg bei den Übernachtungen. Wenn die Filmcrew sich für ein paar Tage und Wochen in einer Stadt einmietet, sind die Fans nicht weit.

Nach 44 Jahren und, ja wie viele Episoden gibt es eigentlich? – Ach ja, das erfährt man in diese Spiel – wird es Zeit, dass dem Dauerbrenner eine spielerische Ehre zuteil wird.

Francois Werner ist ein echtes Tatort-Lexikon auf zwei Beinen. Jetzt hat er sein Wissen in ein Brettspiel verwandelt. Durch Tatort-Wissen und mit ein bisschen Glück steigt man auf der Karriereleiter nach oben. Wer als erstes zum Ersten Kriminalhauptkommissar ernannt wird, hat gewonnen.

Die Fragen sind in die Kategorien Classics, Modern Times, Faktenchecks, Städte, Kuriositäten und Backstage eingeteilt. Vieles kann man wissen, nur wenige wissen alles. Und nicht immer ist es ratsam sich an der Spitze aufzuhalten. Denn wer hinten liegt, legt vor.

Ein kniffliges Spiel, das mehrere Runden dauert, das dem Kult Tatort huldigt und so manch verborgenes Geheimnis preis gibt.

Brunos Kochbuch

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Erfolg dauerhaft halten – ein schwieriges Unterfangen. Martin Walker hat mit seinem Bruno chef de police schon ein halbes Dutzend Mal bewiesen, dass es möglich ist. Fans des Lebemanns warten schon sehnsüchtig auf Band sieben, acht, neun … Und normalerweise muss man immer ein Jahr warten bis ein neues Abenteuer in die Buchläden kommt. Dieses Jahr ist ein besonderes Jahr. Denn Martin Walker beglückt seine treue Leserschaft mit einem ganz besonderen Buch: Brunos Kochbuch.

Die Romane um den sympathischen Ermittler leben von allerlei Zutaten. Zum Ersten – natürlich – von den spannenden Fällen, die er lösen muss. Zum Anderen von der unbändigen Lebenslust, die im Perigord, dem Handlungsort der Krimis, vorherrschen muss. Will Bruno sich entspannen, stellt er sich an den heimischen Herd. Dann wird gekocht, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Selbst ein schnödes Omelette wird mit Trüffeln zu einem Hochgenuss mit Sternepotenzial.

Doch dieses Kochbuch darf nicht einfach nur als Kochbuch angesehen werden. Es ist eine amuse gueule, ein Appetitanreger auf das Perigord, auf savoir vivre, auf Leben wie Gott in Frankreich, auf urtypische Märkte, auf Geschmacksexplosionen. Auf alles, was die Krimis um den chef de police ausmacht.

Eindrucksvolle Bilder (ganzseitig) und Rezepte wie süß-saures Gurken-Carpaccio, Zucchini-Krapfen oder Rotweinpfirsiche lassen den Leser erst einmal innehalten. Kurz schlucken. Einkaufsliste schreiben und sich dann das Perigord in die heimischen vier Wände holen.

Doch Bruno kocht nicht allein. Pamela – was Sie kennen Pamela nicht? Dann erstmal einen Martin-Walker-Krimi lesen! – kocht für den Leser ihre Fischpastete. Mit Lorbeer, Garnelen, Muskatnuss. Auf Französisch klingt das alles noch viel leckerer: Parmentier du Pecheur facon Pamela.

Wem die Rezepte noch nicht reichen, der sollte ganz schnell auf die letzte Umschlagseite blättern. Als Magenschließer gibt es zwei neue – kulinarische Fälle.

In Zukunft werden die Abenteuer von Bruno chef de police anders gelesen. Neben dem Leser liegt dieses Buch. Und immer, wenn Bruno kocht, wird sofort nachgeschlagen, wie dieses Rezept entstanden ist. Auch wenn es schwer fällt, legt man dann den Krimi kurz (!) beiseite, und kocht brunoesk wieder in Leselaune.

Black Vodka

Black Vodka

Gefangen im Nirgendwo? Das sind die Protagonisten der zehn Geschichten sind nicht zu Hause. Eine Engländerin in Prag zusammen mit Serben. Doch eigentlich sind Her- und Ankunft egal. Alle sind irgendwie irgendwo gestrandet.

Nicht immer freiwillig. Alle haben ihr Scherflein zu tragen. Und sie meistern ihre Situation. Großstadtromantik und Großstadtalltag treffen hier auf die kongruente Literaturgattung der Kurzgeschichte. Zackig und präzise hält Deborah Levy die Fäden ihrer Figuren in den Händen. Sie taumeln, sie stöhnen, sie lachen, sie tanzen … sie sind am Leben.

Das ist es was zählt lebendig sein. Urbanität und Kreativität findet nicht nur in Büros statt. Draußen auf der Straße wird der Mythos creative urbanity geboren. Oder ist es doch die urban creativity?

Die Schicksale scheinen auf den ersten Zeilen banal. Essen in der Mikrowelle aufwärmen, ist nicht gerade ein Ausbund an Kreativität. Doch Deborah Levy nimmt dies zum Anlass ungewöhnliche Geschichten zu kreieren. Im Reisegepäck hat jeder sein Paket mit Erinnerungen und Erfahrungen. Diese sind Mittel zum Zweck. Aus Erfahrungen heraus werden Probleme gelöst. Oder man erlaubt es aus Problemen neue Erfahrungen zu machen.

Die zehn Geschichten sind schwer greifbar. Man muss alles um sich herum vergessen, ausblenden. Dann, und erst dann, taucht man wirklich in die Stories ein. Eine Weltreise rund um den Globus: Von Barcelona über Wien bis Prag. Eine globale Geschichtenzusammenstellung, die eines klarmacht: Globalisierung kann auch Spaß machen. Zumindest, wenn man die Geschichten von Deborah Levy liest.

In die Pilze gehen

In die Pilze gehen

Nein, es ist kein Kochbuch. Auch kein Sammlerbuch. Kein Ratgeber. Es ist eine Hommage an die ersten Kindheitserinnerungen. Pilze sammeln, oder in die Pilze gehen, ist die unblutigste Form des Jagens. Es fließt kein Blut. Kein Wimmern beim Erlegen. Doch es ist gefährlich – nicht jeder Pilz ist genießbar. Genießbar hingegen sind die literarischen Erzeugnisse, die hier so liebevoll zwischen zwei feste Pappseiten gepresst wurden.

Die Geschichten reichen von Kindheitserinnerungen bis zu Giftpilzen in der Nachbarschaft. Mit Sorgfalt wurden Auszüge aus Werken mehr oder weniger bekannter Autoren ausgewählt, die dem „in die Pilze gehen“ ihre Tinte schenkten. Eugen Roth, der Lyriker, steuert zwei Gedichte bei, die selbst Lesern, die nicht so viel mit Gedichten anfangen können, Verständnis ins Gesicht zaubern.

Günter Grass erinnert in seiner Geschichte „Wir Oberpfälzer, sagt man“ an die Tschernobyl-Katastrophe, die zu einer hysterischen Hatz auf alles, was konterminiert sein könnte, führte.

Die Faszination fürs Pilze sammeln ist wohl eine den ältesten Ritualen der Nahrungsbeschaffung. Ob allein mit Körbchen und Messer „bewaffnet“ oder im Rudel und großem Korb, ob mit Pilzerkennungsratgeber oder mit Wissen im Kopf, ob Jagdglück erhaschender Frühaufsteher oder gemütlicher Resteverwerter, in die Pilze gehen ist wohl die Tradition, die man von den ersten bis zu den letzten Stolperschritten fortführt, jeder technischen Revolution zum Trotze.

Wer dieser Faszination noch nicht erlegen ist, kommt ihr mit diesem Buch auf die Schliche. Appetitanreger oder Lesebuch? Diese Frage stellt sich nicht. Der Untertitel „Lesen und Sammeln“ ist nicht nur mit einem Schmunzeln hinzunehmen. Er ist eine Vorankündigung, dass es in der Zukunft noch mehr dieser Bücher (zu anderen Themen) geben wird. Achten Sie auf das A am rechten Buchrand.

„In die Pilze gehen“ wird das Feuer für das eventuell vergessene Pilze sammeln wiederbeleben. Wer begeisterter Pilzsammler ist, wird sich auf der einen oder anderen Seite wiederfinden.

Drei Worte hin und her

Drei Worte hin und her

Von Schweden nach Irland auswandern – für viele stellt sich die Frage ob Schweden oder Irland. Linn wohnt in Schweden. Ihr Mann wird nach Irland versetzt. Viel kann sie der kargen Landschaft nicht abgewinnen. Die Tradition des morning coffee lässt Linn ein wenig Hoffnung schöpfen. Dann treffen sich in dem kleinen Nest, in das es Linn und ihren Mann verschlagen hat, die Damen und schwatzen. Doch so richtig angekommen fühlt sie sich nie. Auch nicht als Michael Quigley in ihr Leben tritt. Doktor Michael Quigley. Nicht der Titel reizt sie, vielmehr seine Art. Er passt so gar nicht hier her. Verschlossen sind die Anderen. Michael ist offensiv, fast schon zu sehr. Beide spüren eine innere Verbindung miteinander.

Bei üblichen Liebesschnulzen würde man wohl jetzt „Bauchkribbeln pur“ lesen. Nicht bei Margret Steckel. Sie lässt Linn nachdenken, zweifeln, verlangen. Denn so schön das Gefühl begehrt zu werden, zu lieben ist, so gefährlich ist auch dieses Spiel.

Denn auch Michael ist verheiratet. Hat sogar Kinder. Linn nicht. Linns Mann ist oft unterwegs. Das ist die schlimmste Zeit für sie. Denn dann hat sie keinerlei Ablenkung. Dann denkt sie an und trifft sich mit Michael.

Zerwühlte Betten sind nicht Margret Steckels Ding. Ihre Helden denken sich durch ihre Liebe. Was wäre wenn? Die Konsequenzen spielen hier eine genauso große Rolle wie augenblickliche Gefühle. Ein starker Roman, der das Vorurteil der seichten Liebesromanlektüre ad absurdum führt. Wohl geformte Sätze verschmelzen im zarten Liebestaumel zu grandiosen Einblicken in die Seele zweier Königskinder. Und die berühmten drei Worte sind letztendlich nicht mehr als ein Ping-Pong-Spiel zwischen ihnen.

Dem Himmel nah

Dem Himmel nah

Anfang Juli 1990. Die Sonne brennt. Im Land, wo die Zitronen blühen kämpfen zweiundzwanzig Spieler gegen die Hitze und einen Goldpokal. Der eine Teil Deutschland schaut reisetechnisch gen Wesen (endlich!), ein kleine Gruppe aus dem westlichen Teil schaut sehnsuchtsvoll und teils auch bange gen Osten. Drei Bergsteiger machen sich auf den Weg den Pik Kommunism zu erklimmen. Qullai Samani heißt der wieder, nachdem die Sowjetunion und der gesamte Ostblock als abgeschlossenes Kapitel in den Geschichtsbüchern stehen.

Papiere besorgen von Ländern, die gerade im Entstehen sind bzw. gerade zerfallen, ist keine leichte Angelegenheit. Die Drei haben sich aufgeteilt. Jeder übernimmt eine andere Aufgabe. Das erste Abenteuer ist die Zugfahrt von Köln nach Moskau. Unterwegs müssen die Achsen gewechselt werden, weil es in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, dem Nachfolger der Sowjetunion, eine andere Spurbreite gibt. Endlich angekommen im Pamirgebirge werden die Drei gleich auf eine erste harte Bewährungsprobe gestellt: Eine Expedition hat den Aufstieg nicht überlebt. Im Camp mit Bergsteigern aus allerlei Nationen herrscht Betroffenheit. Im Gegensatz zu ihren Mitstreitern sind die drei Rheinländer Amateure. Ihre Ausrüstung ist ausreichend – sie alle sind wahrhaft keine Anfänger mehr – im Vergleich mit der Profiausrüstung der teils gesponserten Teams wirkt ihre Equipment aber eher simpel.

Nach Tagen der Eingewöhnung macht sich das Dreigestirn auf den Weg in die bisher unerklommenen Höhen über 7.000 Meter. Die Luft ist dünn, die Kraft lässt nach, der Wind nicht. Wer Bergsteiger ist, kennt die Strapazen, die von einem auf den anderen Moment auftreten können. Klaus Auen gibt in seinem Buch einen Einblick darin, was es heißt Bergsteiger zu sein. Die Beine werden schwer, der Kopf leer. Auch wenn es sich reimt (und das soll ja angeblich gut sein), ist es eine Tortur, die keiner jemals zuvor erlebt hat. Den Drachenfels hochsprinten (wie in der Vorbereitung) ist dagegen ein Klacks.

Wer Bergsteigergeschichten mag, wird hier vollends auf seine Kosten kommen. Wem die Bergwelt bisher ein Buch mit sieben Siegeln war, leckt Blut. Ausführlich und dennoch nicht ins Bedeutungslose abdriftend verleiht Klaus Auen seiner Faszination für die Berge Ausdruck. Der Leser fiebert mit. Schaffen die Drei den Aufstieg? Und wenn ja wie? Ein kurzweiliges Lesevergnügen.