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Mit dem Fahrrad durch die USA

Mit dem Fahrrad durch die USA

Sich einfach auf den Drahtesel schwingen und ab geht’s. Ja, das kann man machen, wenn man zur Arbeit will, oder zum Einkaufen, oder einen kleinen Ausflug unternehmen will. Aber in einem fremden Land, fernab von der Heimat? Schon als Teenager war Peter Lindwedel von Karten und fernen Ländern fasziniert. Als passionierter Radfahrer kam für ihn nur ein Fortbewegungsmittel in Frage: Das Rad! Und einmal die USA durchqueren, von San Francisco an den Atlantik. Das war sein Traum. Von West nach Ost. Denn es gibt mehr West- als Ostwinde. So war der Traum, so war der Plan. Bis es in die entscheidende Planungsphase ging. Um es kurz zu machen: Aus dem West-Ost-Trip wurde ein Ost-West-Trip. Schon die Vorbereitung ist eine gewaltige logistische Aufgabe. Denn man kann nicht einfach so sein Fahrrad aufgeben. Dazu benötigt man eine Schachtel, die gewisse Maße nicht überschreiten darf. Die zu bekommen, ist allerdings unmöglich. Improvisation ist das Zauberwort. Diesem Zauber wird er auf seiner Reise noch öfter unterliegen (müssen).

Als endlich amerikanischer Boden unter den Sohlen des Pedalritters brennt, kann es losgehen. Naja, nicht gleich. Der Transport hat am Rad Spuren hinterlassen. Doch nachdem die behoben sind, kann es endlich losgehen. Losgehen mit falschen Routen, Umwegen und … einem Reifenplatzer. Die Ausschilderung im Ausgangsort Savannah (Georgia) lässt zu wünschen übrig. Genauso wie das Wetter. Es regnet Bindfäden. Der Regen füllt Schlaglöcher, und es kommt wie es kommen muss: Reifen platt!

Das fängt ja gut an, denkt man sich als Leser. Murphys Gesetz ist stets präsent. Doch wie so oft im Leben, kommt ein Unheil zwar selten allein, dafür aber nur einmal. Insofern hat Peter Lindwedel das Gröbste hinter sich. Seine Reise führt ihn nicht ihn die Metropolen New York, Chicago oder New Orleans – er will Amerika entdecken. Für sich entdecken. Einzig die Golden Gate Bridge in San Francisco steht unverrückbar als Zieldurchfahrt fest. So radelt er mit sechs Stunden Musik auf dem mp3-Player, einem Smartphone, jeder Menge Gepäck und dem unbedingten Willen das Frühjahr 2013 als Pedalritter auf dem fremden Kontinent zu durchqueren, durch menschenverlassen Regionen, vorbei an erstaunlichen Gesteinsformationen, über Berg und Tal, durch Georgia, Kentucky, Kansas, Colorado, Utah, Nevada, Kalifornien. Ein echter Abenteuertrip! Er trifft Menschen, die ihm Obdach geben, campiert in den schönsten Landschaften, die man sich vorstellen kann und erlebt das, was Pauschaltouristen nur vom Hörensagen kennen.

Fast sechseinhalbtausend Kilometer strampelt er durch die USA. Von April bis Juni macht Peter Lindwedel die Reise seines Lebens. Zum Glück hat er alles in seinem Tagebuch für den Leser niedergeschrieben. Wer Ähnliches vorhat, kann dieses Buch als Ratgeber benutzen. Wer außergewöhnliche Reiseerlebnisse bevorzugt, kommt hier voll und ganz auf seine Kosten.

Galgenheck

Galgenheck

Der Vorort war schon immer der Hort der außergewöhnlichen Geschichten. Man denke nur an Fernsehserien wie „Breaking Bad“. Ganz so rabiat geht es in „Galgenheck“ nicht zu. Doch auch hier regiert die Neugier überm Gartenzaun und der Drang nach vollendeter Perfektion. Da stört jeder noch so kleine Unruhestifter.

Madeleine Giese lässt ihre eingeschworene Gemeinschaft unter der  unerträglichsten Frühsommerhitze des Jahres leiden. Ein Fest soll organisiert werden. Da tut sich natürlich immer Einer bzw. Eine besonders hervor, der oder die alles so perfekt wie möglich haben will. Und wehe es funkt einer dazwischen. Offen ausgetragene Konflikte sind dann eher nicht an der Tagesordnung. Unterschwellig brodelt es im Galgenheck, so der Name der Idylle zwischen streng gezogenen Grundstücksgrenzen.

Die bohrende Langeweile der Vorstadtsiedlung bekommt langsam Risse. Doch statt sich über die Abwechslung zu freuen, sie als Chance zum Fortschritt zu nutzen, gefällt man sich im goldenen Fertigteil-Käfig.

Ein Trunkenbold hält die Nachbarschaft auf Trab, genauso ein Kater, der dämonische Kräfte entwickelt. Nach und nach kommen auch die Bewohner von Gelgenheck auf Trab…

Madeleine Giese wirft in ihrem Roman einen süffisanten Blick auf die Vorstadtidylle einer deutschen Stadt. Welche wird nicht erwähnt, aber es kann hier wie da genauso oder ähnlich passieren. Ist der nachbarschaftliche Frieden in Gefahr, erhebt sich selbst der Bequemste und greift zur Fahne. Wer nicht mitmacht, den bringt man schon auf die eine oder andere Weise dazu.

„Galgenheck“ ist ein amüsanter Blick auf Gemeinschaften, die durch räumliche und nicht durch menschliche Nähe entstanden sind. Jeder ist sich selbst der Nächste. Die freundliche Art der Nachbarn ist oft nur Fassade. Erst der Kampf gegen die Eindringlinge in die Monotonie der Vorgartenidylle schweißt sie näher zusammen. Ein Roman für alle, denen konformistischer Baustil und erzwungener Gemeinschaftssinn ein Lächeln übers Gesicht huschen lassen. Ein köstlicher Lesespaß, der mit Tiefgang überzeugt.

Von Elefanten und Menschen

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„Ach wie süß“, „So tapsig“ – wer einen Elefanten sieht – egal ob im Zoo oder in „freier Wildbahn“ – ist fasziniert. Dieses erhabene Wesen begleitet den Menschen seit Jahrtausenden durch sein Leben. Und immer noch sind wir kleinen Menschen vom Riesen Elefant verzückt. Da wird es Zeit sich langsam vom verklärten Bild des gemütlichen Giganten zu verabschieden. Fred Kurt kennt die asiatischen Elefanten wie kaum ein anderer. Er kann dem Leser viel über das Wesen erklären. Und das tut er mit Leidenschaft in diesem Buch.

Sein erstes Kapitel nennt er „Das Einmaleins der Elefantologie“. Wer bis dahin noch nicht gefangengenommen wurde von den grauen Riesen, der liegt jetzt endgültig in Ketten. Hier werden Grundlagen gelegt, die auch den Autor nicht mehr losließen. In Riesenschritten führt Fred Kurt den Leser durch das Dickicht unseres Unwissens und seiner Forschungen. Vom Zirkuselefanten bis hin zum dringend benötigten Arbeitsbullen, vom Wissen der Menschen, die den Elefanten schon immer zum Nachbar hatten bis hin zum Kindersegen – Fred Kurt lässt keinen Aspekt elefantastischen Lebens aus. Die fast zweihundert Abbildungen ziehen den Leser sofort in ihren Bann. Dramatische Rettungsaktionen, jahrhundertealte Reliefs oder die imposanten Abbildungen von Elefantenherden beeindrucken wegen ihrer Einzigartigkeit.

Wer sich von Elefanten angezogen fühlt, wird dieses Buch zur Bibel erklären. Fred Kurt lässt nicht unbemerkt, dass die sanften Riesen aber auch eine gefährdete Spezies sind. Sie werden drangsaliert und geprügelt. Als Arbeitstiere im wahrsten Sinne des Wortes missbraucht. Auch davor verschließt der Autor nicht die Augen und zeigt die oft unwürdigen Bedingungen unter denen die Tiere leben.

„Von Elefanten und Menschen“ ist ein faszinierendes Buch über faszinierende Tiere, die dem Menschen dienen, ihn erfreuen und oft so schlecht behandelt werden.

Die Satten

Die Satten

Wenn man sich anstrengt, kann man auch was erreichen. Sich eine Karriere aufbauen, schöne Urlaube verbringen, ein Haus oder eine Wohnung sein Eigen nennen, teure Autos fahren. Ja, manche können sich sogar ihre Träume verwirklichen. Doch was dann? Alles erreicht – was kommt nun? Für neue Träume ist man zu alt, zu fett, zu faul. Zu satt!

Sie und Er – Namen sind Schall und Rauch – haben es geschafft. Er arbeitet bei einer Versicherung, hat ein hart arbeitendes Team unter sich, regiert mit strenger Hand. Sie malt, frönt dem Müßiggang, nimmt sich dabei aber ernst. Nur leise klingen verzweifelte Sehnsüchte an. Ihrer beider Leben ist gekennzeichnet vom Alltag. Sie sind zufrieden mit dem, was sie haben: Eigentumswohnung, Urlaube, Autos. Sie schwelgen nicht im Luxus. Ja, sie könnten sogar die Nachbarn von nebenan sein. Unauffällig reich. Nicht übermäßig reich. Doch genug, um sich vermeintliche Träume zu erfüllen. Von unten nach oben gebuckelt. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ohne Feingefühl. Ohne Gewissen.

Wenn so jemand aus der Bahn geworfen wird, bzw. seine eingelaufenen Pfade verlassen muss, ist das eine mittlere Katastrophe. Wenn andere die Ärmel hochkrempeln, um aus dem Schlamassel herauszukommen, versagen die Satten. Sie sind es nicht gewöhnt zu kämpfen. Sie lassen kämpfen. Haben Ideen, die andere umsetzen müssen. Und wenn sie mal selbst Hand anlegen müssen, vergessen sie dabei das Wichtigste: Sie könnten beobachtet werden. Beurteilt.

Bei ihm läuft es zur Zeit nicht wie am Schnürchen. Ein anderer Platzhirsch drängt ins Revier. So war er auch mal. Die Degradierung – bei gleichem Gehalt – trifft ihn hart. Es ist doch nicht nur das Geld, was zählt. Macht ist das wahre Elixier. Der Neue muss weg. Eine Lösung scheint schnell gefunden. Und zwar in dem Typen mit dem rollenden R und dem ewig  hechelnden und knurrenden Vierbeiner. Ein paar Tausender kostet’s schon, aber das ist machbar. Problem gelöst? Problem gelöst! Wirklich? Ja. Aber auch dauerhaft? Ähm, naja. Es beginnt ein Spiel, das Sie und Er nicht kennen, sich aber darauf einlassen. Einlassen müssen. Denn wer A sagt, muss auch B sagen. Es beginnt eine Spirale des Todes, des Hasses und der verborgenen Gefühle. Ungeahntes Potential wird freigesetzt. Er entdeckt sein Gewissen, sie ihren Biss.

Susanne Preuskers Krimi strotzt nur so vor Andeutungen. Der Leser muss mitspielen. Eine exzellente Mischung aus Fakten und Vermutungen zieht den Leser in den Bann der Ereignisse. Macht man sich anfangs noch ein wenig lustig über die Ungelenkigkeit von Ihm und Ihr, so wandelt sich das Schmunzeln in Kopfschütteln. Bis am Ende … das muss der Leser schon selber beurteilen.

Tangram

Tangram

Ganz schön kniffelig! Tangram ist ein Spiel, das den ganzen Geist beansprucht. Verschieden große Dreiecke, ein Quadrat und ein Parallelogramm müssen nach Vorgaben eine Figur ergeben. Siebenundsiebzig Vorlagen sind auf ebenso vielen Karten vorgegeben. Natürlich ohne dabei zu zeigen wie die Spielsteine gelegt werden müssen. Erstaunlich, was alles daraus entstehen kann! Ein Schwan, ein Sitzender, ein Pfeil, eine Krone … es gibt so viele Möglichkeiten. Eben die angegebenen 77. Vorstellungskraft und Geduld sind elementare Grundvoraussetzungen, die man mitbringen sollte. Die Geduld kommt vielleicht auch erst beim Spiel. Ausprobieren!

Visionäre Afrikas

Visionäre Afrikas

Die Sehnsucht nach Afrika brennt in jedem von uns. Hier ist die Wiege der Menschheit. Afrika ist aber auch Sinnbild für die systematische und bestialische Ausbeutung des Menschen. Von jeher mussten sich die Menschen Afrikas gegen die Knute der Unterdrückung widersetzen. Einigen der hervorstechendsten Führer dieses Kampfes wird in diesem Buch ein Denkmal errichtet. Denkmal im wahrsten Wortsinne. Denn wer kennt schon noch Angeline S. Kamba, Sarraounia oder John Baloyi? Wohl kaum jemand, der sich nicht tagtäglich mit ihnen auseinandersetzt.

Die berühmtesten Namen in diesem Buch sind wohl Steve Bantu Biko, der durch den Film „Biko“ (und den einprägsamen Titelsong von Peter Gabriel) berühmt wurde.

Oder Ken Saro-Wiwa, den nigerianischen Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten, der in der Lindenstraße über mehrere Monate durch die Figur Mary in den Fokus der Nachrichten rückte.

Patrice Lumumba ist nicht der Erfinder des gleichnamigen Longdrinks. Er ist eng mit der kongolesischen Tragödie verbunden.

Die in diesem Buch versammelten Autoren schreiben von Menschen mit enormem Mut. Sie kämpften mit dem Herzen und dem Verstand gegen Unterdrückung durch Machthaber, Kolonialisten und Industriegiganten. Nicht vielen war ein gütiges Ende beschert. Viele ließen ihr Leben im Kampf für Gerechtigkeit und ein Mindestmaß an Menschenwürde. Peter Gabriel brachte es in seinem Lied „Biko“ auf den Punkt: „Man kann zwar eine Kerze ausblasen, aber niemals das Feuer“.

So ist auch dieses Buch ein Feuer. Einzelne Kapitel liest man und ist schockiert wogegen gekämpft wurde. Dass so was heute noch möglich ist, denkt man. Dass ein Kampf gegen diese Missstände noch geführt werden muss. Es ist sicherlich keine Anleitung zum Kampf, zur Auflehnung gegen bestehende Verhältnisse. Aber dieses Buch hält die Erinnerung an ungewöhnliche Menschen wach. Und es schärft die Sinne für unsere Umwelt.

Süßes aus der Kräuterküche

Süßes aus der Kräuterküche

Nach dem Essen ein Orangen-Thymian-Trüffel. Oder ein Salbei-Daquoise mit Himbeeren und Lindenhonig. Oder Zitronen-Basilikum-Marshmellows. Na, klingt das nicht verlockend. Beim zweiten Hinsehen erkennt man die Raffinesse. Kräuter im Dessert? Mh, muss man sich dran gewöhnen. Auf alle Fälle muss man es ausprobieren!

Florian Löwer schaute gern der Oma beim Backen zu – eine Kindheitserinnerung, die so manchem im Kopf und im Magen hängengeblieben ist. Doch er nutzte sein Wissen, um daraus eine Leidenschaft zu intensivieren. Er wurde Konditor und nahm 2006 als einziger deutscher Teilnehmer bei der Konditoren-Weltmeisterschaft teil. Und: Er erreichte einen ruhmvollen dritten Platz.

Heute ist er Konditor mit Filialen in Franken. Und Buchautor. In seinem Buch gibt er nicht nur seine Rezepte preis, er gibt auch Tipps wie die Rezepte noch besser gelingen, auch mit handelsüblichen Zutaten mit und in handelsüblichen Gerätschaften.

Schon mal Kräutermacarons probiert? Köstlich, wenn die Hülle knackt und der Duft von Minze langsam aufsteigt, den Mundraum in Beschlag nimmt und die Geschmacksnerven Samba tanzen. Ganz eigenwillig: Bananen-Petersilien-Macarons. Wenn sich das Kräftige der Petersilie mit der sanften Süße der Banane vereinigt, wird von nun an nur noch aus diesem Buch gebacken!

Die Bilder von Matthias Neubauer verzaubern ab der Umschlagseite. Sie regen den Appetit an und verführen zum sofortigen Nachbacken.

Wappen im Mittelalter

Wappen im Mittelalter

Die ersten Begegnungen mit der Geschichte machen die meisten mit Ivanhoe, Robin Hood und edlen Rittern in ihren hübsch herausgeputzten Rüstungen. Oft erkennt man seinen Turnierfavoriten nur durch das Wappen auf seinem Schild. Doch warum hat er sich genau für dieses Symbol entschieden? Welche Geschichte steckt hinter dem Tier, der Anordnung der Symbole auf dem Schild?

Ein Wappen auf einem Schild oder einer Flagge war und ist der Identifikationspunkt unter dem man sich vereinigt (fühlt). Eine stilisierte Lilie weckt in einem Franzosen immer noch andere Gefühle als in einem Norweger, beispielsweise. Georg Scheibelreiter geht in seinem prachtvoll gestalteten Werk diesen Ursprüngen auf den Grund. Er sieht sein Buch nicht als Einführung in die geheimnisvolle Welt der Wappen und Symbole. Vielmehr ist es ein lesenswertes Nachschlagewerk für alle Geschichts- und Kulturinteressierten.

Im Mittelalter begann die Geschichte der Wappen sich zu einem festen Bestandteil des Lebens auszuweiten. Noch heute können wir in Museen farbenfrohe Abbildungen von Schlachten und Alltagsszenen bestaunen. Ohne das Wissen um Wappen und deren Bedeutung wären es nur vermummte Krieger auf Pferden in Kampfesposen. Die Wappen verraten uns die Zugehörigkeit zu einem Land, Staat oder Fürstentum. Auf die Schildformen sind unterschiedlich. Da gibt es Tartschen, Rautenschilde und Dreiecksschilde in verschiedenen Ausführungen. Ebenso die Helme.

Wer also Ritterfilme in Zukunft mit einem wissenden Auge sehen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. So ganz nebenbei wird der Blick für die Geschichte geschärft. Die bereits erwähnten farbenfrohen Abbildungen sind eine echte Augenweide. Sie erzählen nun genauer die Geschichte des Bildes. Wer wirbt da um Wen? Oder um welche Schlacht handelt es sich bei diesem Bild? Fragen, die in Zukunft einfacher zu beantworten sind. Für jedermann!

Der Suppenfisch

Der Suppenfisch

Es gibt Titel, da weiß man sofort worum es geht. Dann gibt es Titel, da meint man zu wissen, wovon das Buch handelt. „Der Suppenfisch“ – klar, da geht es um einen Fisch, der gekocht werden soll. Als schmackhafte Suppe die hungrigen Mäuler stopfen. Doch da liegt man falsch.

Hätte man aber auch ahnen können, denn Georges Hausemer ist nicht dafür bekannt, dass er in seinen Geschichten das Offensichtliche in den Vordergrund stellt.

Ein Mann liegt – wie es Georges Hausemer so poetisch beschreibt – in den letzten Kurven seines Lebens. Er lässt sein Leben noch einmal Revue passieren. Denkt an den Krieg, an Reisen in ferne Länder, an Geschmäcker, die er vergessen zu haben schien. Sein Leben war und ist dreidimensional. Es geht Auf, und es geht ab. Mal ein Schwenker nach links, mal einer nach rechts. Und manchmal geht es schräg nach rechts hoch, um anschließend nach links unten seine Fortsetzung zu finden. Der Mann, der hier erzählt, weiß anfangs noch nicht, dass er sein Leben erzählt. Ein Abschlussbericht. Vielmehr hat er nun, da er seinen Alltag im liegen verbringt, viel Zeit, um zu erzählen.

Beim Lesen kommt man automatisch ins Grübeln, was ist echt, was erfunden. Spielt das Gehirn dem Erzähler einen Streich, wenn er von Fußballstadien, Flugzeugabstürzen und anderen Katastrophen erzählt? Oder erinnert er sich nur an die Busby Babes? 1958 kam bei einer Flugzeugkatastrophe die Mannschaft von Manchester United ums Leben. Georges Hausemer lässt vieles offen – gut für den Leser. Der kann so raten, mitfühlen, sich für das eigene Ende wappnen. Das Wort Tod zu vermeiden wird hier zur Kunstform erhoben. Dass es bald zu Ende belibt niemanden verborgen.

Und der Suppenfisch? Der schwimmt munter und froh zwischen den Zeilen herum. Immer wieder reißt er sich von der Leine der Erinnerung los, verschwindet im Dickicht der Phantasie. Dann taucht er keck wieder auf. Dreht dem Angler ‘ne Nase.

Die Liebe in groben Zügen

Die Liebe in groben Zügen

Vila und Renz sind ein Ehepaar, das sich schon seit Jahren kennt. Im Beruf ist die Zeit absehbar, die sie noch bestreiten müssen. Ihnen geht es gut, mit Haus und Ferienhaus in Italien. Eigentlich wenig Stoff für Konflikte. Konflikt ist vielleicht auch der falsche Ausdruck – klingt so nach Kampf, Geschrei, offener Auseinandersetzung.

Die beiden schippern so durchs Leben. Ohne große Anstrengung. Klingt irgendwie nach Langeweile, nach eingefahrenen Strukturen. Die Bahnen, in denen sich Vila und Renz bewegen sind vorhanden. Dafür haben sie lange und hart gearbeitet. Doch sie waren und sind clever genug, um sich Abzweigungen einzubauen. Wie auf ihrem Boot geht es auch mal nach unten, genauso oft aber auch nach oben. Selbstaufgabe war nie ihr Ding. Sie haben immer alles gemeinsam gemacht.

Dennoch kennen sie sich gegenseitig nicht in- und auswendig. Das ist gut so – so halten sie immer noch Überraschungen für den Anderen parat. Dass Vila ihren Geliebten im gemeinsamen Ferienhaus einquartiert, ist allerdings eine neue Stufe ihrer Beziehung.

Bodo Kirchhoff zeichnet den Weg eines Paares nach, der vielen Paaren vorgezeichnet sein kann. Kann! Wäre der Roman ein Film, für die ganze Familie, am Freitagabend, dann würden hier so richtig die Tassen fliegen. In „scripted-reality“-Manier würden Sprachfähigkeiten und die Regeln des guten Benehmens außer Kraft gesetzt werden. Bodo Kirchhoff setzt auf die Magie der Worte. Er lässt seine Protagonisten überlegen, manchmal im Dunkeln tappen, doch nie so richtig aus der Haut fahren. Geschliffene Sprache ist immer noch das beste Argument gegen scheinbare Ungerechtigkeit. Die Feder als Triebkraft für den Fortschritt.

Vila und Renz merken, dass sie in ihrer (heilen – so viel Polemik muss jetzt auch mal sein) Welt sich zwar sicher bewegten, doch dass diese Sicherheit trügen kann. Kann!

Bodo Kirchhoffs Roman „Die Liebe in groben Zügen“ stand 2012 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Zurecht. Mal philosophisch, mal grüblerisch, mal farbenfroh, mal wolkenverhangen präsentiert sich sein Mammutwerk dem Leser. Ein Buch für Leute im besten Alter. Ein Buch für Leute, die sich im besten Wortsinne für sich und den Anderen interessieren ohne dabei endlos auf Fehlersuche zu sein. Fast siebenhundert Seiten emotionale Entdeckungsreise.