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Guter Junge

Guter Junge

Was ein Sommer! Michael Donnelly ist ein aufgewecktes Kerlchen. Anfang der 80er Jahre in Belfast aufzuwachsen, ist kein Zuckerschlecken für einen, der zwischen Phantasie und Pflichtbewusstsein hin- und hergeschubst wird. Auf der einen Seite ist Maggielein, die kleine Schwester, auf die er aufpassen soll. Wenn die was anstellt, bekommt er eine Abreibung. Die Mutter führt ein hartes, und nicht immer faires Regiment, versucht das wenige Geld sinnvoll zu nutzen. Der Vater – naja – er ist da. Paddy ist nicht nur das schwarze Schaf in der Familie, für Mickey ist er einfach nur der dumme Hund. Fartin‘ Martin ist der einzige Freund Mickeys. Doch ihre Wege sollen sich bald trennen. Denn Mickey soll auf eine Eliteschule. Die ist teuer, zu teuer, wie er am Ende des Schuljahres erfahren soll. Glück für ihn, denn so kann er weiterhin mit Fartin‘ Martin zusammen die Schulbank drücken. Auch der ist „was ganz Besonderes“ und darf deswegen auf eine besondere Schule. Wieder ein Traum, der zerplatzt. Noch neun Wochen, um sich auf das neue Leben in der neuen Schule vorzubereiten. Als guter Junge tut man das!

Es ist die Zeit, in der Mickey weiß, dass Belfast aus zwei Teilen besteht: Dem Katholischen und dem Protestantischen. Und als Vertreter der Einen geht man nicht in den Stadtteil der Anderen. Das ist Gesetz! Wer’s trotzdem versucht, wird schmerzhaft erfahren, warum es so sein soll und warum es so ist.

Und so vergehen die Ferienwochen. Das Haus der Donnellys wird von der britischen Armee gestürmt, Paddy, der dumme Hund, abgeführt. Killer, der echte Hund der Familie, den Mami nicht wollte, Papi aber trotzdem besorgte, musste allein zurückbleiben. Nichts passiert, zum Glück! Mickey spielt mit seiner Schwester, aber nicht zu weit weg vom Haus, Mickey weiß warum. Und der Vater fängt wieder einmal an zu saufen. Ferienidylle sieht anders aus.

Zwischen Razzien und Pubertät, explodierenden Bomben und Ferienende flieht Mickey in seinen Tagträumen oft in seine eigene Welt. „Der Zauberer von Oz“ ist sein Lieblingsfilm. Mit seinen neuen Sneakers, nur er benutzt das moderne Wort für Turnschuhe, wie cool, tanzt er die Schritte aus dem Film nach und weiß, dass, wenn er groß ist, er nach Amerika gehen wird. Es ist seine Strategie der brutalen Welt, den von Sicherheit geprägten Regeln zu entkommen. Stumpfe Waffen im Kampf gegen chromblitzende und feuerspuckende Ungetüme. Mickey ist und bleibt der gute Junge!

Autor Paul McVeigh liest am 15. September in Berlin beim Internationalen Literaturfest, am 18. September im Kölner Literaturhaus und ist im November an diesen Tag zu Gast:

15. November – Olpe – Buchhandlung Dreimann

16. November – München – Buchhandlung Lehmkuhl

17. November – Regensburg – Buchhandlung Dombrowsky

Leinwandgöttinnen

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Sie sind die einzigen Wesen, an die man glaubt, die man anbetet, die wahrhaftig sind – man sieht sie und wirft jeglichen Atheismus über den Haufen: Leinwandgöttinnen. Oscarprämierte zweidimensionale Geschöpfe, die mit ihrer Kunst und Ausstrahlung selbst einem Fahrradfahrer Benzin verkaufen können. Schon das Buchformat gibt den Rahmen vor: Groß(artig), ein Taschenbuch könnte nur Fakten aufreihen. Der vergoldete Leineneinband am Buchrücken lässt einen Hauch von Kinoatmosphäre aufkommen.

Auf dem Titel prangt der Inbegriff der Göttin: Audrey Hepburn. Würden Lexika nur aus Bildern bestehen, so würde man ihr Bild unter Anmut finden. Ihre Verkörperung der Holly Golightly ist das perfekte Gegenstück zum Entwurf der Figur (ursprünglich hatte Truman Capote Marilyn Monroe die Rolle auf den üppigen Leib geschrieben), denn allein sie prägte das Bild des leichtlebigen, und dabei nie bewusst verletzenden Freigeistes für Generationen.

Ihre Namensvetterin Katherine hingegen bekam gleich viermal den Oscar. Sie ist die unangefochtene Göttin unter den Göttinnen. Ebenfalls aus eher wohlhabenden Verhältnissen stammend, waren ihr Ehrgeiz und ihre Sturheit ihr Markenzeichen. Sie verwandelte die Leinwand in ein Zelluloidfeuer, das heute nur noch wenige ihrer Nachfolgerinnen im Stande sind nachzuzeichnen. Resolutes Auftreten, die eigene Meinung vehement zu vertreten und die Abneigung sich als Star bezeichnen zu lassen, gaben ihr das Attribut Göttin.

Nur ein Jahr jünger war Bette Davies. Ein Biest, wenn man nur ihre Rollen betrachtet. Und das ist es, was bis heute nachwirkt. Sie war nie das Glamour-Girl, das es durch massenwirksame Äußerlichkeiten in die Klatschspalten brachte. Sie war böse, gemein, hinterhältig … in ihren Rollen. Für Produzenten und Studiobosse ein Albtraum. Doch ihre Baby Jane und ihre Jezebel sind bis heute der Inbegriff der Teufelin.

Den Autoren gelingt es in kurzen Texten die Anbetungswürdigkeit von fünfzehn herausragenden Schauspielerinnen und Oscar-Preisträgerinnen ins rechte Licht zu rücken. In jedem ihrer Sätze spürt man die Leidenschaft, die die beiden Autoren für Film und ihre Akteure entwickelt haben. Der Leser taucht tief ein ins Leben der Diven (im Englischen wirkt diese Formulierung besser (dive=tauchen, Diva=Göttin) und hat augenblicklich das Verlangen unvermittelt sich Klassiker wie „Rat mal, wer zum Essen kommt“, „Bonnie und Clyde“ oder „Still Alice“ als Abendunterhaltung zu wählen. Meryl Streep, Julianne Moore, Sophia Loren, Liz Taylor, Grace Kelly und andere haben sich schon ihren Platz im Kinoolymp erkämpft. Sie thronen über vielen anderen, die sich noch si abrackern können und nie die Meriten ihrer großen Vorbilder erhalten werden. Die Leinwandgöttinnen stachen durch ihr außergewöhnliches Talent, aber auch ihr Engagement außerhalb der Studios hervor. Manche waren politisch aktiv wie Jane Fonda und Susan Sarandon, sahen ihr eigentliches Lebensziel darin mit ihrer Reputation die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Andere hoben ihre Kunst auf eine neue, höhere Stufe. Bloße Effekthascherei schnell durchschaut und führt nur auf den kurzen Weg des Ruhmes. Lang anhaltenden, immer währenden Ruhm erhält nur wer Außergewöhnliches leistet. So wie diese Leinwandgöttinnen.

Mailand – Eine literarische Einladung

Mailand - Eine literarische Einladung

Eine Stadt in Worte fassen? Wie soll das gehen? Noch dazu eine Metropole, die einzige Metropole Italiens, wie Herausgeber Henning Klüver meint. Schwierig, schwierig. Sollte man meinen! Denn oft beliebt es doch bei einem „wunderbar, schön, beeindruckend“. Beim Wagenbach-Verlag schlägt man da einfach einen Salto (so nennt sich die Buchreihe mit Büchern, die diesem Vorurteil beeindruckend – da ist es wieder! – entgegenstellen) und beweist auf 144 Seiten das Gegenteil. Knallrot, nicht vor Scham, sondern aus Gründen der Aufmerksamkeit, marktschreien die Autoren der Stadt dem Leser ihre Sichtweise auf ihr Milano um die Augen. Ein Fest für die Phantasie, eine Lehrstunde für Besucher, der Beweis, dass man Städte sehr wohl in lose Korsett der Wörter fassen kann.

Wurde in der Geschichte noch blumig von Mailand geredet, so sind es Dichter wie Dario Fo, immerhin Literatur-Nobelpreisträger, die mit Anekdoten ihrer Stadt ein Denkmal setzen. Er war Teil einer Gruppe, die Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Stadt narrten, in dem sie das Gerücht in die Welt setzten Picasso würde nach Mailand kommen. Doch der kam nicht, hatte das auch gar nicht vor. Kurzerhand wurde ein Double engagiert. Helle Aufregung allenthalben. Selbst die Polizei, die die Menschenansammlung auflösen will, gerät in Verzückung als sie vom bevorstehenden Ereignis hört…

Natürlich ist Mailand eine Stadt, die man gesehen haben muss. Auch, weil sie eine Stadt für Flaneure ist. Der, der das behauptet ist Maurizio Cucchi, Mailänder Autor. Er meint, dass sich die Stadt niemandem aufdrängt. Und doch immer präsent ist. Wem sie nicht gefällt, kann das ja gern so halten. Kritik wird hier eh mit einem Schulterzucken hingenommen. Mehr Reaktion sollte man nicht erwarten.

Die in diesem Buch versammelten Autoren vermeiden es wohlwollend die Hotspots der Stadt in den Himmel zu loben. Kommen auch sie nicht ohne Dom und Scala aus, so doch eher im Unterbewusstsein. Das macht wahrscheinlich auch den Charme der Stadt aus: Sie gräbt sich ohne Wunden zu hinterlassen ins Gedächtnis ein. Wie ein Roman, der unauffällig Seite für Seite verschlungen wird, und am Ende wundert man sich, dass man ihn schon ausgelesen hat. Die „Literarische Einladung Mailand“ sollte man nicht ausschlagen. Denn sie ist eine Einladung zum Bummeln, Lernen, Staunen, eine Reisevorbereitung auf höchstem Niveau, Sehnsuchtsauslöser, Träumerei, unterhaltsamer Wegbereiter und –begleiter und ein Erreger persönlichen Jagdtriebes.

Neuseeland live

Neuseeland live

Auf der Liste der beliebtesten Fern- und sogar Auswandererziele landet garantiert immer ein Land: Neuseeland. In der Mitte getrennt durch wildes Wasser, und doch nur im Doppelpack das volle Erlebnis. Schon die Anreise erfüllt alle Merkmale eines Tagesausfluges. Und wenn man endlich am anderen Ende der Welt gelandet ist, will man so viel wie möglich erleben. Wer weiß, wann man mal wieder hierher kommt?! Für die meisten ein einmaliger Urlaub. Und dafür braucht man einen einmaligen Reiseband. Am besten einen, der den Kauf von weiterer Literatur überflüssig macht. Oft durchstöbern Neuseelandreisende schon Monate vorher die Bücherregale und decken sich ein mit entsprechenden Büchern, um ja nichts zu verpassen: Bildbände, Reisebände, Kartenmaterial, Reiseberichte. Nicht nur, dass sich dann im wahrsten Sinne die Balken biegen – die des Bücherregals – sondern auch der Berg an Seiten und Information lassen die Vorfreude etwas verfliegen.

Und dabei ist es doch so einfach. Ein Buch reicht! Dieses Buch. Reichlich vierhundert Seiten, über fünfhundert Bilder, und – das ist der Clou – das Ganze reisegepäckfreundlich auch in digitaler Form. Denn das ComboBook „Neuseeland live“ wird mit eine 8GB MicroSD-Karte angeboten, die den Zugriff auf alles aus dem Buch erlaubt. Als Zusatz gibt es im Buch keine Landkarte zum Herausnehmen, sondern ein Handbuch. Die digitalisierten Infos laufen auf dem PC/Notebook, Android- und iOS-Geräten, existieren als Hörbuch, E-Book und bieten umfangreiches Navigationsmaterial. Und natürlich auch als gedrucktes Buch. Die mitgelieferten SD-und USB-Adapter lassen mögliche Schwierigkeiten ins Reich der Phantasie verschwinden.

Kleiner Tipp: Beginnen Sie mit den Videodateien. Überwältigende Filmaufnahmen in nicht minder exzellenter Auflösung lassen das Herz höherschlagen. Wäre die Landschaft nicht so eindrucksvoll, könnte man fast zu dem Entschluss kommen, dass man gar nicht mehr nach Neuseeland reisen muss…

Neuseeland ist ein Land, das sich sehr gut auf eigene Faust bzw. auf eigenen Füßen erkunden lässt. Ob man nun beispielsweise den Abel Tasman Coast Track sich vorher als pdf-Datei mit Kartenmaterial und zahlreichen Bildern im Vorfeld anschaut, sich mit dem Hörbuch in Urlaubsstimmung versetzen lässt oder das Video wieder und wieder anschaut, die Begeisterung – in erster Linie für die richtige Wahl des Urlaubsgebietes, aber auch für dieses Buch, Hörbuch, E-Book, … – wird nicht nachlassen. Schon seit Jahren versuchen immer wieder Verlage das digitale Segment zu erobern. Nun sind Navigationshilfen, E-Books etc. nichts Neues. Aber die geballte Kraft eines All-in-all-inclusive-Paketes beeindruckt schon lange vor der Abreise. Und die Anreise nach Neuseeland erlaubt das ganze Buch noch einmal zu durchforsten, die Videos noch einmal zu genießen und sich mit dem Hörbuch die volle Dröhnung Neuseeland zu geben. Ein Überraschungsei hat nur drei Dinge auf einmal, „Neuseeland live“ ein unendliche Zahl an Möglichkeiten.

Kronkels

Kronkels

Katzen sind wie Menschen. Sie sind mal nicht gut drauf, mal stromern sie herum ohne festes Ziel. Scheinbar! Als Katzeneltern hat man die gleichen Sorgen wie wenn man eigenen Nachwuchs aufs leben vorzubereiten hätte. Autor Simon Carmiggelt und seine Frau können Katzen nicht widerstehen. Und er, Simon, kann es einfach nicht lassen die schnurrigen Gesellen zu beobachten. Und, was für den Leser noch wichtiger ist: Alles aufzuschreiben! Selbst, wer keine Muschi, Pussy, Mieze oder wie auch immer man die Samtpfoten nun bezeichnen mag, sein eigen nennt, wird dieses Buch immer wieder gern zur Hand nehmen.

Soll man Tiere vermenschlichen? Nein! Doch wenn man sie beobachtet, also sie, die Tiere, kommt man unweigerlich auf den Trichter sie mit Menschen zu vergleichen. Hunger? Ab zum Futtertrog. Beim Menschen heißt der Kühlschrank. Ist man müde, legt man sich hin, streckt alles, was geht von sich und schlummert leise den Träumen entgegen. Was beim Menschen für keinerlei Aufsehen sorgt, ist bei Katzen immer ein Erlebnis. Glaubt man Simon Carmiggelt. Stress vor dem Theaterbesuch? Klar doch, immer wieder gern genommenes Thema. Doch bei Carmiggelt ist es nicht die Frau, die ewig im Bad braucht, noch einmal die Garderobe wechselt. Bei ihm sind es die Katzen. Da kann es schon mal zu Verzögerungen kommen, weil da draußen, vor dem Haus, noch ein Streuner „sein Unwesen treibt“, den man unbedingt aufnehmen muss. Und im Theater? Da sorgt man sich um die lieben Kleinen bzw. ums Haus. Katzen sind halt auch nur Menschen. Wie ihre Besitzer. Nur anders!

Und Hunde? Ebenso. Der Autor war kein Hundebesitzer, aber er mochte sie, beobachtete sie mit der gleichen Leidenschaft wie er seine Katzen mit den wachen Augen eines Neugierigen verfolgte. Und auf seinen Streifzügen durch Amsterdam, wo er bekannt war wie der sprichwörtliche „bunte Hund“, begegneten ihm einige besondere Exemplare: Störrische, Verschreckte, Liebevolle.

Allen Katzen und Hunden seiner Familie und seiner Stadt hat Simon Carmiggelt mit seinen Kolumnen ein Denkmal gesetzt. Und das tagtäglich. Die „Kronkels“ waren mehr als nur ein Spaltenfüller in einer Tageszeitung, manche Leser gingen so weit zu sagen, dass die Tageszeitung das Beiwerk der „Kronkels“ war. Die Geschichten sind nicht lang, doch stecken sie voller Überraschungen und sprudeln vor Wortwitz. Ein bisschen Tucholsky und ein bisschen Kästner. Garniert mit der Spritzigkeit und der Agilität eines wachen Verstandes – das sind die Kronkels von Simon Carmiggelt!

Schnee

Schnee

Ein Haiku ist eine besondere Gedichtform aus Japan, die in letzter Zeit auch immer mehr Anhänger (und auch Dichter) in Europa findet. Es besteht aus drei Versen und siebzehn Silben. Und diese Regeln sind wie in Stein gemeißelt. Da gibt es kein Vertun! Haikus sind also rational, weil sie eine unabdingbare mathematische Komponente haben und emotional, weil sie Gefühle ausdrücken. Was sind das also für Menschen, die Haikus schreiben?

Yuko ist so einer. Sein Vater ist Shinto-Priester. In seiner Familie waren alle männlichen Ahnen entweder Priester oder Krieger. Yuko schlägt ein bisschen aus der Art, er will Dichter werden. Eine brotlose Kunst, mehr ein Zeitvertreib, kein Beruf. Meint sein Vater.

Doch Yuko lässt sich nicht beirren. Vom Schnee fasziniert schreibt er in einem Sommer siebenundsiebzig Haikus. Ganz nüchtern betrachtet, sind das zweihunderteinunddreißig Verse und eintausenddreihundertundneun Silben. Würde Yuko das auch so sehen, hätte er auch Krieger werden können. Die Nüchternheit, die Reinheit des Schnees reicht ihm jedoch, um die schönsten Haikus zu schreiben. Sie sind so schön, dass sogar der kaiserliche Hof davon Wind bekommt. Yuko lehnt das Angebot ab an den Hof zu kommen und als Hofdichter seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Vielmehr wird er zu einem Meister geschickt. Denn so schön, so rein seine Haikus sind, so blass, durchsichtig und farbenfrei sind sie auch. Soseki ist blind, doch er sieht mit dem Herzen. Er ist der unumstrittene Meister der Haikus. Er nimmt Yuko bei sich auf. Lehrt ihm Farben mit geschlossenen Augen zu sehen. Doch Meister Soseki hat ein Geheimnis. Seine Frau starb vor Jahren bei einem Unfall. Sie war rein, weiß wie Schnee. Yukos ist fasziniert von der Frau, die er auf dem Weg zu Soseki schon einmal gesehen hat. Sie war Französin, blondes Haar, gletscherblaue Augen. Und sie war Seiltänzerin. Aus Lieb zu Soseki gab sie ihre Leidenschaft auf. Nur noch ein einziges Mal wollte sie zwischen zwei Gipfeln, hoch über dem Tal balancieren. Ein fataler Wunsch. Sie stürzte ab, ward nie mehr gesehen. Der Berg, der Schnee hatte sie in sich aufgenommen…

Maxencé Fermine gibt der Poesie einen Rahmen, der jeden, ob er nun Gedichte oder gar Haikus mag oder nicht, in seinen Bann zieht. Japans Kultur ist so fremd, dass viele von vornherein sich nur selten die Mühe machen sie kennenzulernen. Dieses elegante Büchlein – Form und Aufmachung bieten sich geradezu an es als Geschenk weiterzugeben – bringt die Kunst und die Leidenschaft für die spezielle Form der Versgestaltung auf den Punkt. Die Liebe zu Schnee, zu Worten, zur Poesie erreicht in diesem Buch ihren Höhepunkt. Wer’s nicht gelesen hat, wird Japan und Haikus nie verstehen!

Jane Austens Ratgeber für moderne Lebenskrisen

Jane Austens Ratgeber für moderne Lebenskrisen

Hätte er/sie mal jemand gefragt, der sich damit auskennt! Die Zeitungen und Zeitschriften sind voll mit Ratschlägen und vor allem Ratgebern zu allem möglichen Unrat. „Modellieren mit Kartoffelsalat“, „50 Kilo abnehmen im Schlaf“, „Wie kriege ich ihn / sie rum in 90 Sekunden“. Alles Quatsch und so nötig wie ein Geschwür. Hilft eh nicht und macht nur dumm. Doch der Ansatz sich zu belesen, um Fragen auf das eine oderandere Problem zu erhalten, ist nicht verkehrt. Es ist nur die falsche Lektüre!

Wer Jane Austens Werke abschätzig als Mädchen- oder Frauenliteratur bezeichnet, tut nicht nur der Autorin, sondern vielen Lesern unrecht, die regelrecht in die Bücher vernarrt sind. Nur ein echter Kerl liest Jane Austen! Man wird sicher kein Frauenversteher, wenn man sich Emmas Schicksal widmet. Doch die Lektüre öffnet den Weg zu so manchem Herzen…

Natürlich hatte Jane Austen nie im Sinn Ratgeber für den Alltag zu schreiben. Das war eher ein Zufallsprodukt, dennoch kann so manche Zeile als Hilfestellung angesehen werden. Man muss nur die Gegebenheiten verändern. Schon das Titelbild weist vielsagend den Weg: Ein moderne Frau des frühen 19. Jahrhunderts mit einem Tablet. Nein, nicht Tablett, auf dem für den Gatten eine Tasse Tee steht. Sondern ein Tablet-Computer. Selbst Miss Austen konnte diese Entwicklung nicht voraussehen.

Rebecca Smith hat sich als „writer in residence“ in „Jane Austen’s House Museum“ intensiv mit der Schriftstellerin beschäftigt, ihre Schriften studiert und auf Brauchbarkeit in der Gegenwart untersucht. Die Parallelen sind frappierend! So modern die Bücher damals waren, so unverhohlen aktuell sind sie bis heute. Stress mit den Eltern oder dem Angebeteten? Das kann auch die Zeit nicht heilen! Jane Austen ist auch zweihundert Jahre nach ihrem Ableben 1817 (Achtung, Jubiläum im Jahr 2017!) immer noch ein gefragte Ratgeberin.

Rebecca Smith ist regelrecht in Jane Austen vernarrt. Kein Wunder, denn schließlich ist sie die Ururururgroßnichte (viermal „ur“) der viel zu früh gestorbenen Schriftstellerin. Liebe und Beziehung, Freunde und Familie, Arbeit und Karriere, Mode und Stil, Heim und Garten sowie Freizeit und Reisen – in diese Kapitel ist das Buch unterteilt. Eigentlich das ganze Leben! Manchmal muss man schmunzeln, oft jedoch nickt man freudig den beiden Autorinnen zu. Fast zwei Jahrhunderte trennen Austen und Smith. Zwei Jahrhunderte, in denen sich die Welt gravierend verändert hat. Umso erfreulicher ist es, dass es so manches gibt, dass sie hartnäckig weigert zu verschwinden. Und dass es immer noch Interesse gibt diese Probleme auf „altmodische Weise“ zu lösen.

Mit Fug und Recht kann man nach der Lektüre von sich behaupten, dass man ab sofort mit Stolz und vielleicht ohne Vorurteil als Emma, oder wie auch immer man nun heißen mag, durch Mansfield Park oder gleich durch das gesamte Leben schreiten kann. Die gute Jane Austen wusste vielleicht nicht alles, aber bei Weitem oft einiges besser als die heutigen Pseudo-Lebensberater, die ihre Zeile nur allzu gern in den bunten Blättern wiederfinden wollen.

Lanterne rouge

Lanterne rouge

Big Pharma ist wieder unterwegs! Man nennt sie auch Tour de France. Seit Jahren wird den Fernsehzuschauern und Sportbegeisterten die Lust am Radsport gehörig vermiest. Immer wieder neue Dopingskandale, neue Enthüllungen über Vertuschungsversuche (vor allem und oft angeordnet von höchster Stelle) und höchstfragwürdige Ausreißversuche an den unmöglichsten Stellen der größten Rundfahrt der Welt. Und doch schaut man hin, ist die Faszination Radsport ungebrochen. Viele schauen ja nur noch zu, weil es sonst keine so langen Reportagen über Frankreich gibt …

Max Leonard ist selbst Radfahrer aus Leidenschaft. Auch er hat sich schon mal eine Etappe der Tour de France probiert. Ist leider gescheitert. Zu kalt, zu windig, zu verregnet. Ist der deswegen ein Verlierer? In keinster Weise! Er hat es versucht. Mit modernen Mitteln, also nicht mit Pillen oder ähnlichem, sondern mit einem hochentwickelten Fahrrad. Hat alles nichts genützt. Das war einhundertacht Jahre nach der ersten Tour de France. Gewonnen hat damals Maurice Garin. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 26 km/h. Mit knapp 16 km/h kam Arsène Millochau ins Ziel. Allerdings benötigte er fast fünfundsechzig Stunden (!) mehr. Er war das Schlusslicht der allerersten Tour de France. Kleine Parallele zur Gegenwart: Maurice Garin nahm ein Jahr später wieder an der Grande Tour teil. Allerdings machte er es sich unterwegs in einem Zugabteil gemütlich. Er flog auf. Betrügen und Tour de France gehörten also schon immer irgendwie zusammen. Das mildert vielleicht etwas die Bauchschmerzen bei der nächsten Übertragung.

Das vermeintliche Versagen beim Selbstversuch eine Tour-de-France-Etappe zu meistern bestärkte Max Leonard in seinem Bestreben nach einem Buch über die wahren Helden der Frankreichrundfahrt. Nämlich die, die durchhalten, egal, mit welchem Rückstand sie ins Ziel rollen (oder wanken). So entstand dieses einzigartige und mehr als lesenswerte Buch, das frei von unerlaubten Mitteln und trotzdem das Siegerbuch unter den Almanachs ist.

Der Autor setzt den Roten-Laternen-Trägern ein Denkmal für die Ewigkeit! Sie sind die wahren Sieger, stehen im Schatten der Großen, die sich von nun an (noch mehr) den Anfeindungen widersetzen müssen. In den vergangenen hundert Jahren hat sich viel getan. Die Tour ist länger geworden. Die Tour ist schwieriger geworden. Die Tour ist ein Reklame-Tross geworden mit sportlichem Anhang (kaum ein Sportler wird noch nach seiner Herkunft benannt, sondern nach dem Team für das er fährt – wo liegt eigentlich Alpecinien? Oder das Quick-Steppanien?) Die Kameras sind nach vorn gerichtet, auf tête de la course, und auf die Poursuivants. Das Peloton ist auch ab und zu mal im Bild. Doch die Letzten sind fast nie im Bild. Ganz hinten, kurz vor dem Besenwagen ist keine Kamera mehr. Das „internationale Bild“ hat dafür kein Auge. Max Leonard ist das Auge für die wahren Sportfans und hat ein Herz und die Leidenschaft für alle, die sich schinden und den olympischen Gedanken im Herzen am nächsten Tag wieder befeuern. Ihre Passion erlischt nie. „Lanterne Rouge“ strotzt vor Anekdoten. Ein Fest für alle, die den Radsport betreiben, sich an Übertragungen noch erfreuen können. Vielleicht trägt es ja dazu bei, dass im kommenden Jahr eine extra Kamera auf die enthusiastischen Cyclisten gerichtet ist. Schon vorher ist dieses Buch ein Must Have für Sportreporter, Radsportfans und vielleicht sogar Ansporn für den einen oder anderen Nachwuchsradler.

Typisch Welt

Typisch Welt

Siebenundsiebzig Länder gleich einhundertelf Geschichten. Endlich trifft die Phrase „Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“ zu. Martin Amanshauser reist. Und er erzählt. Er ist der Vorreiter für alle unentschlossenen Touristen. Er kennt die Welt, weiß sie zu verstehen. Und seinen Ratschlägen kann man folgen, seine Geschichten glauben. Und man kann sich königlich mit seinen Kurzgeschichten amüsieren, egal ob zu Hause oder in der Ferne. Noch eine Urlaubslektüre, die diesen Namen verdient, gefällig? Bitte sehr! Hier ist sie.

Schon beim ersten Aufschlagen des Buches sieht man das, was uns in Bewegung hält oder zumindest in Bewegung geraten lässt: Die Welt. Mit kleinen Sommersprossen der guten Laune! Typisch Amanshauser! Er reist, wir bleiben dahoam, und Amanshauser erzählt. Gespannt hängen wir an seinen Lippen und lauschen dem Komischen, dem Tragischen, dem Zufälligen, dem Hintersinnigen – einfach seinen Erlebnissen.

Martin Amanshauser ist kein Tourist. Er ist es schon, aber dann schreibt er nur in den seltensten Fällen. Wenn er schreibt, dann im Auftrag seiner Redaktion (unter anderem die der „Süddeutschen Zeitung“), und dann reist er auch. Auf Einladung. Immer jedoch mit offenem Auge und spitzer Feder. Wenn er in der Runde sitzt und seine Erlebnisse zum Besten gibt, wird keine hinterher sagen können: „Kenn ich! Is mir auch schon passiert!“ Und dabei ist es völlig unerheblich, ob Amanshauser zuhause in Österreich oder in Australien unterwegs war. Er zieht das Ungewöhnlich förmlich an.

Sicher kann so manche Begebenheit jedem passieren. Aber nicht jeder kann es so gekonnt aufschreiben!

Beispiel gefällig? Seit Jahren zermartern sich Redakteure auf der ganzen Welt wie sie den eventuellen Ernstfall des Todes von Fidel Castro schon einmal textsicher vorbereiten können. Seit seiner Abdankung als Kubas Lenker lagern schon Dutzende Nachrufe in den Schubladen der Redaktionen. Und insgeheim hoffte auch Amanshauser – bitte nicht falsch verstehen, der Autor ist nun mal Journalist, und als solcher lässt man sich nur ungern einen Scoop entgehen – dass dieser vielleicht auch während seines Aufenthaltes auf der Karibikinsel … naja wie soll man es ausdrücken ohne dabei respektlos zu erscheinen? … die Macht in der Familie endgültig an seinen jüngeren Bruder abgibt. Passierte aber nicht! Doch er fand im Fernsehen die Geschichte, die mehr über das Land erzählt als die Ernstfall-Schon-Vorbereiteten-Nachrufe es jemals tun können.

Auf den über zweihundert Seiten wird das (an)gesammelte Tun undWissen der Welt in ansprechenden Worten zusammengefasst. Ein Handbuch für global player, die nicht als Globetrottel von Land zu Land hüpfen, sondern als Globetrotter die Welt erkunden wollen.

Wer nun meint, diese Geschichtensammlung ebenso verfassen zu können – bitteschön. Martin Amanshauser ist da ganz uneitel. Er gibt sogar Ratschläge wo das alles passiert ist und vielleicht sogar wieder passieren kann.

Typisch Italienisch

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Deutsche in Italien – ein Kapitel für sich. Schon „olle Goethe“ pries die einzigartige Landschaft an. Der hatte aber auch nicht so viele Länder, die er bereisen konnte zur Auswahl. Der Cartoonist Peter Gaymann hat sich der Spezies traveller germanicus angenommen und die skurrilsten Typen mit dem Pinsel zu Papier gebracht.

Viele, die nach dem Urlaub an Adria, am Lago oder in den Bergen zurückkommen und sich dieses Buch anschauen, werden so manch einen wiedererkennen. Jeden Tag Tiramisu, weil man es aus der Pizzeria von nebenan bei Ahmed oder Kostas so kennt. Endlich mal so viel Espresso trinken wie man es Italienern gern unterstellt. Oder den Karikaturisten bitten ein Foto von einem zu schießen. Dieses kleine Büchlein nimmt die Eigenarten der unbelehrbaren Touris aufs Korn. Ein köstlicher Spaß!

Peter Gaymann braucht nicht viele Pinselstriche oder Sprechblasen, um den auf den ersten Blick lustigen Begebenheiten den passenden (Schmunzel-) Rahmen zu geben. Tradition und Moderne finden dort zusammen, wo es meist nicht passt. Peinliches Halbwissen sorgt genauso für Erheiterung wie die kleinen Details der Bilder, die man oft erst auf den zweiten Blick entdeckt. Stichwort Socken und Sandalen.

So bierernst der Deutsche oft erscheinen mag: Eigentlich sind alle Touristen auf die eine oder andere Weise eine eigene Gattung, die es wert ist beobachtet zu werden. Peter Gaymann hat Italien schon vor Jahrzehnten zu seiner zweiten Heimat erkoren. Er kennt beide Seiten: Besucher und Besuchte. Schockierende Momente gibt es beiderseits. Es kommt nur darauf an, wie man ihnen begegnet. Am besten mit Humor! Und noch besser: Mit dem Humor von Peter Gaymann. Treffsicher karikiert er Reisende in entspannter Atmosphäre vor dem Rätsel Fremde. Denn nur wer sich unvoreingenommen der Herausforderung stellt, kann und darf Fehler machen. Beim nächsten Mal erinnert er sich und verhält sich anders. Peter Gaymann ist der Glückpilz, der beim ersten Fettnäpfchentreten Block und Pinsel parat hält und den peinlichen, lustigen, immer aber skurrilen Moment festhält.

Die gesammelten Werke der einprägsamen Ereignisse sind in diesem Büchlein festgehalten und lassen bella italia noch einmal hochleben.

Besser als jedes Fotoalbum! Komischer als jede Comedyshow! Nachhaltiger als jedes Pizzawettessen!