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Gutes von Gestern – Wie man höflich rülpst und andere Tipps aus über 1000 Jahren

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Gestern. All der Ärger scheint so weit weg. Heute? Die Verrohung der Sitten greift um sich. Kaum einer hält mehr an sich, auch wenn er es vermeiden kann. Sodom und Gomorrha wo man steht und geht! Naja, malen wir den Teufel nicht an die Wand. Obwohl man schon gern mal seinem smartphone-affinenen Gegenüber die Leviten lesen möchte, wenn es wieder unerwartet piept und brummt. Dann müsst der aber erstmal googeln, was Leviten sind, wo man sie bekommt und wie hoch die Versandkosten sind. Außerdem ist Lesen eh nicht sein Ding, wenn er mehr als hundertsechzig Zeichen lesen muss.

Für alle denen die „Hundertsechziger-Regel“ am Allerwertesten vorbeigeht, die also wissen, dass man im Falle eines Husten an eben dieser Stelle, mal kurz den Raum verlassen könnte, sollte, müsste … für all diejenigen hat Elizabeth P. Archibald ihr aus Jahrhunderten gesammeltes Wissen zusammengetragen. Kein Ratgeber á la „was die Oma noch wusste“, sondern ein amüsanter Streifzug durch die Sitten der Vergangenheit.

Es ist wie beim Auto. Heute nehmen Computer beim Fahren dem Fahrer den gesamten Fahrspaß. Assistenten regeln alles, so dass man fast geneigt ist sich zurückzulehnen und sich wecken zu lassen, wenn man angekommen ist. Selbst ist der Mann? Kaum noch möglich! Ältere Modelle fahren auch. Und das gar nicht mal so schlecht. Vielleicht ein paar Zipperlein, aber die kann man selbst beheben.

Einige der Ratschläge sind einfach nur zum Schmunzeln. Man stelle sich vor, dass im Wasserbett Bettwanzen hausen. Nicht schön! Aber der Ratschlag Schießpulver auf der Lagerstatt zu verteilen, und es dann auch noch anzuzünden, ruft im besten Falle die Versicherung auf den Plan. 1777 sah man das halt noch anders…

Hilfreicher und zeitlos zugleich ist dagegen der Tipp wie man nüchtern wird. Aber Achtung: Wie alles Gute gibt es auch hier einen Haken. Im „Booke of Pretty Conceits“ aus dem Jahre 1612 wird es genau beschrieben. Hier die Kurzfassung: Den Intimbereich in Essig baden. Soll helfen. Viel Spaß beim Vorspiel und erst recht danach! Dann klappt’s auch wieder mit den Mädels. Wie man die beeindruckt, wurde schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts niedergeschrieben. Kleiner Tipp: Tanzen.

Der Autorin gilt der uneingeschränkte Dank all jener, die sich kultiviert durch das moderne Leben schlagen wollen, die ihre Geschichte und Kultur – und die von Anderen – achten und wirklich in Ehren halten. Keine Spinner, die die Vergangenheit verteufeln und als Sinnbild des Schlechten anprangern. Die Autorin kam durch Zufall auf dieses Thema. Beim Stöbern in alten Schriften traf sie auf Ratschläge aus längst vergessenen Zeiten. Als Historikern in Baltimore ließ sie aber das Thema nicht los. Sie startete einen Blog und schon kam die ersten Anfragen zu Sitte und Anstand. Wie anständig, dass sie die hehre Tradition des Buchdruckes nicht in Vergessenheit geraten lässt und die hilfreichsten Tipps in einem, diesem Buch zusammengetragen hat.

Der Weg zum Schafott

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Du sollst nicht töten! Für dieses hehre Gebot bedarf es keiner Religion, sondern „nur“ gesunden Menschenverstand. Und doch betrachten sich eine Minderheit als Richter über den Tod. Allein 2015 wurden eintausendsechshundertvierunddreißig Todesurteile vollstreckt. Aus China liegen keine genauen Angaben vor. Amnesty International geht von einer Zahl über eintausend aus. Was die 1634 sich fast schon verdoppeln lässt.

Der Staat dient dem Wohle den Volkes und der Gemeinschaft. Er erlässt Richtlinien des Zusammenlebens. Rund zwei Dutzend Staaten bzw. deren Vertreter nehmen sich die Freiheit darüber hinaus auch Richtlinien zur Beendigung des Lebens auszuformulieren und umzusetzen. In einer Zeit, in der das Wort Aufklärung fast schon antiquiert klingt, sollten derart kurzsichtige Entscheidungen wie die Todesstrafe (und vor allem deren Umsetzung) eigentlich in der Mottenkiste ruhen. Doch selbst – nach allgemeinem Sprachgebrauch – hoch entwickelte Länder wie die USA vollstrecken in einzelnen Bundesstaaten noch die Todesstrafe. Getreu dem Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ werden statistisch täglich mindestens vier Menschen mit dem Segen des Staates ermordet. Mord, weil ein Vorsatz vorliegt. Es sind Mörder, die zum Schafott, zur Giftspritze, zum Galgen geführt werden. Bis ins vorletzte Jahrhundert waren Hinrichtungen noch Opium fürs Volk. Eine Art Rummelplatz mit einer Niete und mehreren Gewinnlosen.

Doch schon immer gab es mahnende Stimmen, die sich gegen die Barbarei des staatlich sanktionierten Mordes wanden. Dass Angehörige von Opfern (vorschnell) dazu neigen das ihnen widerfahrene Unheil gleichermaßen auszugleichen, ist emotional verständlich, rechtfertigt es aber in keinster Weise.

In diesem Buch kommt Koryphäen der Weltliteratur wie Victor Hugo, Charles Dickens oder Fjodor Dostojewski zu Wort. Hugo gibt einem zum Tode Verurteilten eine Stimme, in dem er dem Leser sein (fiktionales?) Leid klagen lässt. Er weiß um seinen Todeszeitpunkt. Elitär und doch irgendwie auserwählt fühlt er sich dabei gar nicht.

Der italienische Aufklärer Cesare Beccaria – damals war das Wort keine Floskel, eher revolutionär – hatte sich schon Mitte des 18. Jahrhunderts als einer der ersten gegen die Todesstrafe gestellt. Wie aktuell seine Worte heut noch klingen…

„Der Weg zum Schafott“ ist keine Anklage, es ist Argumentationsgrundlage und –hilfe für alle, denen Tötungsdelikte, besonders von staatlicher Seite, gegen das Gewissen gehen. Charles Dickens Briefe an den Herausgeber der Daily News und die Erzählung von William Thackeray (beide aus den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts) wurden für dieses Buch erstmals ins Deutsche übersetzt. Es keimt kein Hass beim Leser auf. Es ist ein zustimmendes Kopfnicken, gefolgt von einem verständnislosen Kopfschütteln. Zustimmung für die Argumente der Gegner und Kopfschütteln darüber, dass es immer noch Kleingeister gibt, die meinen, dass mit dem „Kopf ab“ alle Schuld gesühnt ist. Ein nützliches Buch, ein hilfreiches Buch, ein wichtiges Buch!

Fein und festlich

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Das kennt jeder: Weihnachten steht vor der Tür. Es sind nur noch ein paar Wochen, und man hat keine Ahnung, was auf den Tisch kommt. Die Kochbücher geben auch nicht so richtig was her. Alles schon mal dagewesen. „Fein und festlich“, was gut gern noch durch das Wörtchen „Dein“ ergänzt werden kann, bietet dreißig Möglichkeiten die Advents- und Weihnachtszeit lukullisch auf originellem Niveau zu bereichern.

Mal Zutaten kombinieren, die auf den ersten Blick zu zusammenpassen, wie Rehbraten mit Esskastanien und Schokoladensauce oder gebratenen Seeteufel mit Speck und Herbsttrompeten, einer Pilzsorte. Wer’s ganz exquisit mag, greift zur Foie gras mit Feigen und Honigkuchen. Wenn noch was von der Foie gras übrig sein sollte, macht man aus den Resten Häppchen mit Zwiebel-Konfitüre. Eine Topinambur-Velouté mit Jakobsmuscheln klingt schwieriger als zuzubereiten ist. Opinambur-Knollen und Kartoffel schälen, würfeln und mit Milch aufgießen. Mit Vanille und aufkochen. In der Zwischenzeit die Jakobsmuscheln anbraten (wie sie richtig gelingen, steht natürlich auch im Rezept, wird aber an dieser Stelle nicht verraten). Würzen, alles zusammengeben und voilá: Fertig ist das schmackhafte Festmahl, das so einfach ist. Resteverwertung deluxe verspricht der Kartoffel-Apfel-Salat mit Trüffel. Oder auch Scampi in Champagne-Creme. Als Sättigungsbeilagen gibt es Pürees aus Sellerie, Süßkartoffeln, Pastinaken oder Kürbis.

Dass ein so kleines Buch so vielfältig und nachhaltig den Gaumen erfreuen wird, ist selten. Auf jeder Seite kommt man schon beim puren Durchblättern in Weihnachtsstimmung. Man kann es kaum erwarten, endlich das eine oder andere Rezept als Weihnachtsüberraschung zu kredenzen. „Oh, es riecht gut. Oh, es riecht fein“, wird schnell zum Küchencoral, wenn es an die Zubereitung geht.

Ob als Nachtisch oder als Belohnung für den Koch gibt es Trüffelpralinen, mit Kokosraspeln, Rum oder Pfeffer. Dieses Jahr gibt es keine Ausreden, wenn es um das Weihnachtsmenü geht. Dreißig Rezepte, die entweder gekonnt abgewandelt oder neu interpretiert oder eigens fürs Fest kreiert wurden. Einzig allein Entscheidungsunfreudige werden sich an diesem Buch die Zähne ausbeißen. Da gibt es nur eine Lösung: Seite für Seite nachkochen, nachbacken und genießen!

24 Winterwohlfühlrezepte

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Es klingt schon fast wie eine magische Zahl: Vierundzwanzig. Jetzt weiß jeder, dass die Tage kürzer werden, die Temperaturen sinken, in absehbarer Zeit Schnee fällt und rote Mäntel Mangelware werden. Hardcore-Romantiker krallen sich krampfhaft an Tassen mit heißen Getränken fest und mummeln sich in weiche Decken ein. Beim Blick aus dem Fenster graut’s einem: Dicke, fette Wolken, verschleiern den Horizont, ein (im besten Fall leichter) Wasserfilm liegt über der Natur. Das Licht am Ende des Tunnels lässt so manchen auch diese ungemütliche Zeit überstehen. Weihnachten steht noch nicht ganz vor der Tür, aber bald bevor.

Und schon beginnt der Stress. Was kochen? Wie dekorieren? Wen womit beschenken? Nur allzu gern lässt man sich von Hektik leiten und den eigentlichen Sinn von Weihnachten hinten anstehen. Zumindest, was das Kochen betrifft, gibt es Abhilfe. Und das gleich – Achtung, it’s magic – vierundzwanzig Mal!

Die Adventszeit dauert nur ein paar Wochen. Da fühlt man sich schon ein wenig unter Druck gesetzt, will man sich und seinen Lieben die Zeit des Wartens so außergewöhnlich gestalten wie nur irgendwie möglich. Das schnöde Frühstücksei ist passé. Ebenso der Toast am Morgen. Jetzt gibt es Maronenwaffeln. Vielleicht nicht unbedingt zum Frühstück – schließlich werden die Waffeln mit Puderzucker karamellisiert und mit Calvados abgelöscht. Zur Stärkung einen orangenglühwein gefällig? Oder doch lieber was Herzhaftes wie ein Nudelgratin mit Kürbis, Tomaten und Ziegenkäse? An dieser Stelle dieser ungewöhnlichen Rezeptesammlung ist noch nicht einmal Nikolaustag. Und schon läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Ungewöhnlich ist das Buch auch wegen der Aufmachung. Kein Buch, das man von links nach rechts durchblättert. Wie ein Kalender – gerade zur Weihnachtszeit ein beliebter Artikel, nicht nur bei Kindern – schlägt man Seite für Seite um.

Neben Klassikern wie Bratapfel (hier verfeinert mit Ingwer) stehen auch traditionelle, fast schon vergessene Zutaten und Rezepte auf dem Plan,  Pastinaken und Jakobsmuscheln stehen so selbstverständlich neben- bzw. hintereinander wie heiße Schokolade und Apfel-Cidre-Tarte. Weihnachten wird vielleicht nicht weißer oder schneesicherer durch dieses Buch. Aber es wird weihnachtlicher, genussvoller und zufriedener.

Hölle und Paradies – Amsterdam, Querido und die deutsche Exilliteratur

Hölle und Paradies

Keine Biographie über einen Autor, keine Abhandlung über ein bestimmtes Werk – nein, eine Biographie über einen ganzen Verlag. Man fängt am besten am Ende des Buches an, um dieses Buch zu verstehen. Denn dort stehen die Werke des Querido-Verlages Amsterdam, der so bedeutend ist für die deutsche Literaturszene wie kaum ein anderer. Lion Feuchtwanger, Heinrich, Thomas und Klaus Mann, Albert Einstein, Alfred Döblin, Arnold Zweig, Anna Seghers, Bruno Frank, Romain Rolland, um nur einige zu nennen, die in den Jahren 1933 bis 1950 hier verlegt wurden. Anhand der Jahreszahlen ist es offensichtlich, warum. Sie waren in ihrer Heimat verboten, wurden verfolgt, ihre Bücher öffentlich(!) verbrannt. Exil war die einige Möglichkeit zu überleben. Ihr Brot verdienten sie ebenso dort, im Exil, der Querido-Verlag war ihre nicht verborgene Geldquelle.

Emanuel Querido ist der Kopf hinter dem Verlag, Fritz Landshoff der geschickte Strippenzieher, der von Emanuel Querido von Kiepenheuer in Berlin nach Amsterdam gelockt wird. Hier soll deutsche Literatur ein neues Zuhause bekommen. In Deutschland wurde ihnen der Boden unter den Füßen entrissen. Mit zunehmender Repression werden ihre Schriften politischer.

Klaus Mann will mit seiner Zeitschrift „Die Sammlung“ über den Querido-Verlag den zu Verstummenden eine Stimme geben. Das Projekt ist ehrgeizig, doch schwer realisierbar.

Als 1940 auch die Niederlande, trotz Neutralitätsbekundungen, annektiert werden, steht es schlecht um den Verlag von Joseph Roth, Vicki Baum und Erich Maria Remarque. Emanuel Querido schafft es nicht den Nazischergen zu entkommen. Er wird ins KZ Sobibor gebracht, wo er wahrscheinlich – genaue Aufzeichnungen gibt es nicht (mehr) – am gleichen Tag mit seiner Frau ermordet wurde.

Bettina Baltschev begibt sich auf Spurensuche nach Hinterlassenschaften eines der wichtigsten Verlage deutscher Literatur und Geschichte. Sie wird findet in Amsterdam noch Bücher des Querido-Verlages, der 2015 sein hundertstes Jubiläum feierte. In kleinen Antiquariaten kommen ihr Kleinode unter, die teilweise eine echte Weltreise unternommen haben. Bis heute zählen die Bücher der im Querido-Verlag betreuten Schriftsteller zu den meistgelesenen Werken überhaupt. Es ist das Vermächtnis zweier Männer, die unerschrocken der Kunst eine Bühne boten. Fritz Landshoff überlebte die Nazizeit. Seine Aufzeichnungen, Interviews sind die Basis für dieses Buch, das so eindrücklich Zeugnis ablegt, dass die Feder oft schärfer ist als das Schwert.

Es sind Bücher wie diese, deren Autoren sich vermeintlich kleine Aspekte der Geschichte herauspicken und in einem großen Zusammenhang stellen. Mutige Menschen wie Emanuel Querido, Fritz Landshoff und ihre „Klienten“ wird in diesem Buch ein leicht zu lesendes Denkmal gesetzt.

Aufs Korn genommen

Aufs Korn genommen

Viele waren schon mal in einer Situation, in der sie richtig geladen waren, fast schon die Flinte ins Korn geworfen hätten, weil sie jemand auf Korn genommen hatte, sie ins Kreuzfeuer geraten waren und deswegen schwere Geschütze auffahren mussten. Immer dieses „Rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“. Da muss man was auf Lager haben und sich immer wieder auf Vordermann bringen, um nicht aus dem Tritt zu geraten. Ansonsten fahren die anderen mit einem Schlitten, mag gerät aus dem Tritt.  Denn andere springen wohl kaum für einen in die Bresche.

Selbst als überzeugter Pazifist und Waffenablehner kommt man nicht umhin sich der Militärsprache zu bedienen. Manche Redewendungen sind uns so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir sie schon gar nicht mehr als Stechschritt-Phrasen wahrnehmen. Es besteht nun bei Weitem nicht Gefahr in Verzug, wenn man sich hier und da dieser exakten Sprache bedient. Man kann ja trotzdem noch dem Frieden trauen. Und alle alten Zöpfe abschneiden, würde einem Bildersturm gleichkommen, womit mit der Pazifismus mit wehenden Fahnen dem Untergang geweiht wäre.

Autor H. Dieter Neumann war selbst beim Militär, berufsmäßig. Ob er so manchem den Marsch geblasen hat? Kohldampf hat er auf alle Fälle, denn nun hat er sich dem Schreiben verpflichtet. Der Leser geht mit dem Autor auf Tuchfühlung mit alten Schweden, und zwar ab durch die Mitte. Voll wie eien Strandhaubitze ist man allerdings nur, wenn man dieses Buch hintereinander durchliest. Über einhundert Redewendungen aus dem Kampfgetümmel der Sprache nimmt er unter die Lupe. Kein 08/15-Gerede, sondern fundiertes Wissen aus der ersten Linie. Wer dann noch dumm aus der Wäsche schaut, muss nicht gleich die weiße Flagge schwenken. Er schreibt sich einfach auf die Fahne es noch einmal Kapitel für Kapitel durchzulesen.

Sprache als vorrangiges Kulturgut sollte sorgsam benutzt werden. Worte können verletzen, das weiß nicht nur Lisa Simpson, wenn sie wieder einmal von ihrem rabiaten Bruder Bart eine Breitseite bekommt. Wer sich darauf versteht, Sprache gezielt und gekonnt einzusetzen, ist auf der Gewinnerstraße. Die Buchreihe aus dem Konrad-Theiss-Verlag mit Redewendungen aus allen Gesellschaftsschichten und Zeiten ist ein Paradebeispiel für den korrekten Umgang mit Sprache. Oft werden Phrasen benutzt, um der eigenen Meinung Nachhall zu verleihen. Doch meist falsch! So entstehen Missverständnisse. Und die Wirkung verpufft wie Schwarzpulver, das nicht richtig gezündet wurde.

Farbtransfer

Farbtransfer

Der Herbst wird bunt! Weihnachten wird bunt! Das ganze Jahr wird bunt! Denn jetzt wird gemalt, gedruckt – farbenfrohe Resteverwertung par excellence! Der Titel „Farbtransfer“ klingt auf den allerersten Blick etwas schwerfällig. Dabei handelt es sich um nichts anderes als Farbe auf ein Objekt aufzubringen. Keine Angst, Autorin Courtney Cerruti gibt Tipps, dass es klappt mit den farbenprächtigen Geschenken für sich selbst oder andere. Pinsel werden getauscht gegen Plastikkarten. So erhalten ausrangierte, ungültige Kreditkarten einen neuen, langlebigeren Verwendungszweck. Die Farbpalette überlässt sie ganz dem Leser und anschließenden Bastelprofi.

Wie jedes Jahr steht man kopfschüttelnd vor der Frage wie man an Weihnachten eine Freude machen kann. Parfüm und Krawatten (oder schlimmer: Socken) sind keine Option. Dem Klischee entgegenwirken, lautet das Schenkemotto für dieses Jahr. Selber basteln … naja. Hat immer was von Kindergeburtstag. Man ist beschäftigt, es sieht ja auch alles ganz gut aus, aber ist es auch gut genug, um es zu verschenken? Ein bisschen Übung gehört natürlich dazu, wenn man sich an die verschiedenen Drucktechniken wagt. Aber die detaillierten Bilder und die exakten Beschreibungen lassen diese Ängste schnell verfliegen. Ob Holzmaserungen auf Notizbüchern, Farbverläufe auf Armreifen oder sogar Tellern, oder fantasievolle Tücher und T-Shirts bis hin zu Schuhen – Courtney Cerruti ist die Basteltante mit der Extraportion Raffinesse. Ja, auch Schuhe werden hier zu besonderen Designobjekten, die so in keinem Geschäft stehen und bei denen man nie in Verlegenheit kommt, wenn jemand vor Begeisterung schreit: „Die habe ich mir gestern auch kaufen wollen, waren mir aber zu teuer!“. Einzigartig werden alle selbst gestalteten Objekte sein. Denn hier geht es um Handwerk, mit Betonung auf Hand. Wie immer gilt, die Masse macht’s bzw. die geringe Menge.

Die Hilfsmittel sind zum größten Teil in jedem Haushalt vorhanden. Einige Zutaten wie Gelatine oder Farben müssen selbstredend besorgt werden, doch das ist kein Problem, weil sie so ausgefallen nun auch wieder nicht sind. Seit der Erfindung der Blogs tummeln sich viel Kreative mehr oder weniger erfolgreich und vor allem mehr oder weniger unabhängig (Modebloggern wird fot nicht zu Unrecht die Unabhängigkeit von Labels nachgesagt) im virtuellen Raum. Wer dieses Buch als Grundlage eines Geschäftes nutzen will, ist herzlich eingeladen dies zu tun. Doch die Exklusivität bleibt auf der Strecke. Denn dieses Buch wird Viele ansprechen. Und wenn’s jeder kennt, ist der unique selling point schnell flöten.

Besonders beeindruckend ist die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten und Einsatzgebieten. Von Buchrücken über Geschirr, Postkarten, Geschenkpapier und –bändern, bis hin zu Girlanden und Mobiles wird dem Leser ein Füllhorn an Möglichkeiten präsentiert sich auszudrücken und auszutoben. Wem regelmäßig die Ideen ausgehen, um Freunden und Familie einzigartig und originell eine kleine Aufhellung in den Alltag zu zaubern, wird hier auf lange Zeit Anregungen und Hilfestellung finden. Es als pures Bastelbuch zu bezeichnen, wird dem Buch nicht gerecht. Es ist ein reich bebildertes  Lexikon der Phantasie für alle Altersklassen, Jahreszeiten und Interessensgebieten, das nie aus der Mode kommen wird.

Satirisches Handgepäck – Nürnberg

1126Nürnberg Satirisches Reisegepäck

Wer mit leichtem Gepäck reist, ist zuversichtlich, manchmal vielleicht sogar blauäugig. Wer mit satirischem Handgepäck reist, findet schnell Freunde. Denn man hat ein Lächeln auf den Lippen, oft, wenn nicht meist, zeigt man Zähne.

Autor Bernd Regenauer ist der Kuppler in der fremden Stadt Nürnberg. Der ist auch der Reiseleiter. Und er trägt sein Herz auf der Zunge. Wer Nürnberg nicht kennt, weiß nach der Lektüre genau, wo was wie zu sehen und einzuordnen ist. Der Franke als Pessimist, die Stadt als offene Geliebte. Leicht im Sinne von austauschbar, bedeutungslos ist dieses Buch nicht. Leichtfüßig sehr wohl. Leicht eingängig auch. Leicht verschmitzt: Auf alle Fälle.

Wer die Michael-Müller-Reisebücher kennt, schätzt die farbig unterlegten Kästen mit den Informationen, die es einem als Reisenden erlauben hinter die Fassaden zu blicken. In der nun endlich ins Rollen geratenen Reihe des „Satirischen Handgepäcks“ wird diese Tradition fortgesetzt, nur hier als Dialekt-Hilfestellung. Fränkisch ist nicht Jedermanns Sache. Da muss man sich reinfuggsen. Wenn es aber einmal läuft, ist man bereit für die Stadt mit der Burg, dem Christkindlmarkt und der Glubberer (den Saisonstart 2016/17 sollte man aber geflissentlich unter den Tisch fallen lassen – ansonsten ist es um die Gastfreundschaft nicht mehr so gut bestellt).

Mit locker formulierten Ratschlägen folgt man dem Autor durch seine Schdadd. Vorbei am alltäglichen Verkehrswahnsinn, hin zum besten Döner der Stadt, ins kuschligste Kino, durch die Gassen bis ins Herz des Nationalgetränkes: Bier. Wo man steht und geht – Brauereien. Würste und Lebkuchen sind genauso klischeehaft mit Nürnberg verbunden wie dieses Vorurteil wahr ist. Lokalpatriotismus auf höchstem Niveau, aber ohne den revanchistischen Beigeschmack. Bernd Regenauer ist halt Kabarettist und schon deswegen von Haus aus tolerant und freigeistig. So sieht er unter anderem den Wegfall von zahlreichen Bäckereien, und verteufelt die Globalisierung des zuckersüßen Geschmacks. Wer also das Prädikat Nürnberger Lebkuchen sucht, muss lange forschen, oft vergebens oder er schaut in dieses Buch. Reschbeggdlos schaut er seinen Landsleuten aufs Maul, ist in seinen Betrachtungen zutiefst subbjeggdief, und als Leser erlebt man diese Stadt einfach andersch.

Ein Reisebuch ist der Diener des Gastes. Er hilft wo er nur kann, gibt Tipps zur Einkehr und Übernachtung, verrät, wo es sich lohnt zu verweilen. Das satirische Handgepäck ist der Entertainer unter den Reisebüchern. Mit einem blinzelnden Auge wird dem Gast – auch wenn er nur für ein paar Stunden über den Weihnachtsmarkt schlendern will – die volle Breitseite fränkisches Nürnberg dargeboten. Und für die Modernisten unter den Reisebuchlesern lohnt es sich doppelt. Denn per QR-Code kann man sich einzelne Kapitel noch einmal vom Autor vorlesen lassen. Dann kommt auch das Fränkische viel besser zu Geltung!

Morgen kommt die Weihnachtsfrau

1130Morgen kommt die Weihnachtsfrau

Weihnachten – eine Zeit, die im Laufe der Jahre sich immer mehr verändert hat. Die ganze Welt ist in rosarote und klebrige Zuckerwatte gehüllt, die Innenstädte duften nach verheißungsvollem verbranntem Zucker und die Menschen sind fröhlich gestresst. Politiker salben in bedächtigem Ton die Untertanen, Hinterbänkler drängen mit wirren Ideen nach vorn. Stimmungsschwankungsfest möchte manche es nennen. Doch es ist und bleiben die höchsten Feiertage des Jahres!

Auch in den Buchmarkt kommt dann regelmäßig – und zum Glück – noch einmal kräftig Bewegung. Neuauflagen von Klassikern und mehr oder weniger witzige Erlebnis-Sammlungen-Zum-Fest fluten die Regale.

Da tut ein Buch mit einem so herausfordernden Titel wie „Morgen kommt die Weihnachtsfrau“ gut. Schon das Titelbild mit der nostalgisch angehauchten Fifties-Lady, die frohlockend ihr Geschenk präsentiert (oder anbietet) verrät es: Hier erwartet den Leser kein Buchstabensalat, hier werden Worte stilvoll und dosiert präsentiert. Und der Bauch wird hinterher auch nicht drücken!

„Morgen kommt die Weihnachtsfrau“ ist ein leckerer Weihnachtskuchen mit ausgewählten Zutaten. Und es stehen die im Vordergrund, die eh immer die Arbeit haben und es allen rechtmachen müssen, können, wollen und auch tun: Die Damen des Hauses! Sie haben ihre eigene Sichtweise auf das Fest der Liebe. Schließlich sind sie von Beginn an involviert, sind Legislative, Exekutive und in manchen Fällen auch Judikative. Sie sind der Weihnachtsstaat mit dem man Staat machen kann. Wird Zeit ihnen ein literarisches Denkmal zu setzen!

Gayle Tufts verteilt Ratschläge, was zum Fest getragen und gehört werden muss. Und sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Während allerorten und jederzeit Klassiker in Top Ten gepresst werden, die dem Mainstream immer mehr die Bedeutung nehmen, t sie tief in ihrer Plattenkiste und ihrem Kleiderschrank. Von Punk bis Klassik ist alles dabei. Wie immer hintersinnig aufgetischt und makellos präsentiert.

Carson McCullers führt den Leser in ihre Welt zurück. Kindheitserinnerungen ohne Schnörkel. Südstaatenidylle – sie wurde 1917 in Georgia geboren – von wegen. Vielmehr die Geschichte eines aufgeweckten Wunderkindes, das langsam beginnt eigene zu gehen.

Zum Abschluss Barbara Krohn endlich die Weihnachtsfrau erscheinen, auferstehen für den Helden Heinrich. Dem ist so gar nicht nach Weihnachten zu Mute. Doch seine Kinder stimmen ihn um. Glücklicherweise sind sie nicht vom Mainstream-Fieber erfasst und werfen die Frage in den Raum, warum es eigentlich immer der Weihnachtsmann sein muss. Warum nicht mal eine Weihnachtsfrau?

Ganz einfach! Weil es dank solcher Geschichten Bücher wie dieses gibt. Ideal zum Verschenken, denn hier stimmen sich Aufmachung und Inhalt perfekt aufeinander ab. Dieses Buch unterliegt nicht dem alljährlichen Nachweihnachtsritual des Umtauschens! Und wer ganz der Tradition folgend, es nicht erwarten kann, darf auch an den verbleibenden 360 Tagen des Jahres immer wieder drin schmökern.

Alles Mythos! 24 populäre Irrtümer über Weihnachten

1212Alles Mythos - 24 populäre Irrtümer über Weihnachten

Na, auch schon mal zum Fest der Liebe selbiges ad absurdum geführt? Oder Jesus’ Geburt gefeiert? Einer Frau Parfüm oder / und einem Mann Technik geschenkt, weil man das halt so macht? Oder ungesundes Weihnachtsgebäck geschlemmt? Ja, Weihnachten ist ein tolles fest: Es gibt Geschenke, die Familie sitzt friedlich und komplett beieinander und alle haben sich lieb.

Oder auch nicht. Denn die Trennungsraten sind an Weihnachten höher als sonst. Allerdings werden zu dieser Zeit bedeutend mehr Kinder gezeugt. Das zeigen die Geburtenraten im September. Der Weihnachtsspeck hält sich auch eine Weile. Weihnachten darf man mal kulinarisch über die Stränge hauen. Auch wenn’s ungesund ist,… es schmeckt halt einfach. Dabei übersieht man dabei – Achtung, jetzt kommt eine Ausrede, die man guten Gewissens benutzen kann! – dass doch viele Weihnachtspezialitäten sehr gesunde Zutaten enthalten. Man denke nur an Früchtebrot. Oder die außergewöhnliche Vielfalt, die überall kredenzt wird. Ach ja, Frauen und Parfüm und Männer und Technik – das muss nicht immer stimmen. Meistens stimmt’s nicht! Aber dafür gibt es auch in diesem Buch keine allgemeingültige Regel.

Aber ansonsten ist dieses Buch eine wahre Fundgrube für unser „profundes Wissen“ über die geistreichste, liebenswerteste, besinnlichste Zeit des Jahres.

Es ist erstaunlich wie viel wir über Weihnachten NICHT wissen. Beziehungsweise wie viel Falsches wir über Weihnachten wissen. Es beginnt schon bei der Ortsbestimmung. Lag Jesus in Bethlehem oder doch in Nazareth? Tourismusmanager aus Bethlehem schwitzen jedes Jahr, wenn die vermeintlichen Wissenschaftsmagazine im TV wieder ihre Praktikanten ausschwärmen lassen, um den „Großen Mythen Weihnachtens“ auf den Grund zu gehen. Aber ist es nicht eigentlich egal? Nein! Wenn man schon feiert, dann sollte man schon wissen warum.

Das Titelbild macht es schon deutlich: Weihnachten ist zum Konsumfest verkommen. Es deswegen verteufeln oder gar abschaffen – es gibt ja immer wieder mal ein paar Querköpfe, parlamentarische Hinterbänkler oder Landesfürsten, die sich mit kruden Aufforderungen in die erste Reihe katapultieren wollen – wäre der falsche Weg. Es ist eine ganz natürliche Entwicklung. Und mal ehrlich: An Weihnachten zu Hause sitzen, keine Geschenke auspacken, keine lukullischen Sünden begehen, wäre auch nicht das Wahre. Einziger Vorteil (vielleicht) wäre vielleicht ein annehmbareres Fernsehprogramm.

Claudia Weingartner hat – das wird einem sofort klar, wenn man nur ein paar Seiten gelesen hat – Dutzende von Büchern gewälzt, Statistiken ausgewertet und Vorurteile gesammelt. So überrascht manch einer unterm Weihnachtsbaum schaut, so verblüffend ist die Vielfalt an Mythen ums Fest. Mit erstaunlicher Akribie seziert sie jeden einzelnen Mythos, entkräftet ihn oder stellt fest, dass an jeder Legende etwas Wahres hängen kann. Es liegt am Leser wie viel Mythos er (v)erträgt. Fakt ist, dass dieses Buch Weihnachten in diesem Jahr in einem gänzlich anderen Licht erstrahlen lässt. Naja, so lange das Licht strahlt und nicht glimmt…