Stuttgart! – Das Buch

Stuttgart! Das Buch

Fast jeder noch so kleine Tourismusverband gibt ein kleines Büchlein über seine Orte heraus. Das ist gut, das ist wichtig. Das erleichtert dem Besucher die Orientierung. Bei größeren Städten ist ein kleines Heft oder Büchlein Papierverschwendung. Denn wegen der Größe (der Stadt) würde so manche Attraktion den Rahmen sprengen.

Eine Stadt wie Stuttgart auf 30 oder 40 Seiten darzulegen ist ein hehres Ziel, jedoch ein unmögliches Unterfangen. Da bedarf es schon ein paar Seiten mehr. Stuttgart! – mit Ausrufezeichen – Das Buch trifft exakte den Nerv der Zeit. Umfassend, von Bewohnern verfasst, und richtig dick. Nur so wird man einer Landeshauptstadt gerecht.

Die Autoren wurden teils in Stuttgart geboren oder verbringen seit Jahren ihr Leben in der Schwabenmetropole. Sie schreiben über Popkultur, Wirtschaftsphänomene und sportliche Höchstleistungen. Im Vorwort schwärmt der Grünen-Politiker Fritz Kuhn von „seiner Stadt“ als Hort der Geborgenheit und Weltoffenheit.

Stuttgart ist ein Stadt, in die man sich – laut Klappentext – erst auf den zweiten Blick verliebt. In dieses Buch verliebt man sich aber der ersten Seite. Gediegen liegt es auf dem Schoß. Gleich das erste Kapitel „Vom idyllischen Wiesengrund zur modernen Großstadt – Geschichte“ empfängt den Leser mit einem stimmungsvollen Sonnenaufgang. Harald Schukraft schafft es den Leser mit seiner Orts- und Geschichtskenntnis sofort in den Bann zu ziehen. Gekrönte Häupter und historische Stadtansichten schaffen Vertrautes und Neues zugleich.

„Stuttgart! – Das Buch“ ist mehr als eine Aufforderung zum Lesen. Es ist eine Einladung in eine Stadt, die es sich auf und zwischen Hügeln gemütlich gemacht hat. Zerstört in den düstersten Zeiten deutscher Geschichte und mit akribischer Handarbeit wiedererrichtet. Wirtschaftsmotor dank automobiler Unterstützung. Das sind die nüchternen Fakten. Schmelztiegel der Kulturen, Heimat von internationalen Stars und architektonischer Blickfang, wenn man die Augen offen hält. Als 1993 hier die Leichtathletik-WM stattfand, war Stuttgart vom Hammerfest bis Feuerland, von Belfast über Peking bis Boston in aller Munde. Das als „bieder verschriene Schwabenvölkchen“ brachte tagein tagaus das Stadion zum Kochen. Noch heute schwärmen die Teilnehmer von der unglaublichen Stimmung im Rund des Stadionrundes. Stuttgart – und das beweist dieser Prachtband eindrucksvoll – ist eben mehr als „schaffe, schaffe Häusle baue“. Stuttgart hat sich seinen Ruf als Hauptstadt redlich verdient.

Die fetteschste Liebescherklärung die Stadt am Neckar. Und was für oine! Nicht nur für Wasen-Besucher, Fußballfans und Musical-Liebhaber.

Persepolis – Die altpersische Residenzstadt

Persepolis

Schon mal geritten? Schon mal eine Treppe hinauf oder hinunter geritten? Und dann womöglich noch nicht vor, sondern in historischer Kulisse? Das würde doch passen. Zum Beispiel in Persepolis. Doch Autor Alireza Shapur Shahbazi wird das berittene Volk gleich rügen. Denn die gigantische Treppe wurde nicht für Reiter errichtet, sondern damit noch mehr Huldiger dem Schah ihre Ehre erweisen und ihre Geschenke abgeben können.

Vor reichlich zweieinhalb Jahrtausenden wurde diese sagenumwobene Stadt erbaut. Dareios I. gab sie in Auftrag. Heute sind „nur noch“ die Reste des königlichen Palastes zu erkunden. Doch das reicht vollkommen aus, um tief in die Geschichte des Persischen Reiches einzutauchen. Um beim Sprachbild zu bleiben: Der Autor schwimmt vornweg. In seinen Analysen zu Bedeutung und Herkunft der einzelnen Denkmäler schwimmt er allerdings nicht. Vielmehr ist er der Experte für diese Epoche und somit auch für diese Stätte einer Weltkultur.

Im Oktober 1971 feierten der amtierende Schah Mohammad Reza Pahlavi und sein Vater Reza Schah Pahlavi das 2500jährige Bestehen ihrer Monarchie mit exorbitantem Pomp in Persepolis. Das rückte die Stadt wieder in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Das Ende ist bekannt. Islamische Revolution. Die Ayatollahs übernahmen die Macht.

Heute kann man Persepolis wieder besichtigen. Und wie mit vielen Weltkulturerben sehen sie auf den ersten Blick alle nett aus, aber so richtig kann niemand etwas damit anfangen. Niemand? Eine kleine Gruppe von Gelehrten unter Führung des Autors widersetzt sich dem Dogma des Widerstandes gegen das Wissen.

Mit stoischer Ruhe und enormen Fachwissen gewappnet zieht Alireza Shapur Shabazi durch die Stätten der königlichen Vorfahren. Wie beim Opa auf dem Schoß lesen wir von Gesandten, die kostbare Geschmeide mitbrachten. Von Inschriften in geheimen, längst vergessenen Sprachen. Von Ritualen, die die Geschichte wieder auferstehen lassen. Von Zweck der einzelnen Bauten, die uns erst durch den Autor ihre Geschichte erzählen. „Persepolis – die altpersische Residenzstadt“ ist das Vermächtnis eines unermüdlichen Forschers, das es uns erlaubt die Hinterlassenschaften es einst so großen Reiches richtig einzuordnen.

Das Halsband der Tauben

Das Halsband der Tauben

Mekka, Vielkopfgasse, Gegenwart. Der Name der Straße, der Gasse ist Programm. Einst wurden hier die losen Häupter von vier Männer gefunden: Einem Juden, einem Christen, einem Pseudopropheten und einem Feueranbeter. Schon diese Tatsachen allein genügten sie der Götzendienerei anzuklagen, was dann mit dem Abschlagen des Kopfes endete.

Wie ein Omen künden die ersten Seiten dieses ungewöhnlichen Krimis von dem, was da noch kommen wird. Und siehe da: Schon liegt eine Frauenleiche in der Gasse. Ob es eine „schöne Leich“ ist, kann man nicht sagen. Denn der verdrehte Körper ist außerdem extrem entstellt. Nun beginnt das Rätselraten, wer denn da im Staub der Vielkopfgasse liegt. Antwort kann nur der Erzähler geben. Und der ist … die Gasse selbst. Ja, die Vielkopfgasse erzählt vom Unheil, das auf ihrem Grund und Boden passiert ist. Doch dann wäre ja die Arbeit von Inspektor Nassir vergebens. So lässt uns Leser die Gasse im Dunklen tappen. Gerüchte machen die Runde. Vermutungen und Mutmaßungen übertreffen sich gegenseitig. Und der Täter? Da hat Nassir schon eine Ahnung. Doch die Spürnase arbeitet gewissenhaft. In dieser Gasse wurde schon einmal – vor Jahrhunderten – vorschnell gehandelt. Nicht noch einmal. Nicht durch ihn.

Immer wieder Andeutungen, Gleichnisse, Geheimniskrämerei – der Leser wird – auf angenehme Art und Weise – bis auf Messer gereizt. Die Spannung ist kaum noch zu ertragen. Und immer noch so viele Seiten bis zur Lösung des Falles.

Ein Roman über eine Frauenleiche in Saudi-Arabien, im heiligsten Mekka, geschrieben von einer viel geehrten Frau. Das klingt für unsere westlichen Ohren, für unser von Vorurteilen gegenüber der arabischen Kultur geprägtes Wissen, nach einem unwahrscheinlichen Fall. Raja Alem beweist mit diesem nicht nur dicken, sondern dicht gestricktem Krimi das Gegenteil. Die besondere Erzählweise verführt uns in die Gassen Mekkas, wo gleich um die Ecke die Kaaba, der heilige Ort von Abraham persönlich errichtet wurde, und der jährlich von Millionen Gläubigen (effektvoll vom Fernsehen in Szene gesetzt) umrundet wird. Hier liegt also eine Leiche. Hier beginnen die Ermittlungen, die hier genauso ablaufen wie man sie aus englischen, französischen, italienischen oder amerikanischen Krimis kennt. In „Das Halsband der Tauben“ (wie lyrisch für solch ein abscheuliches Verbrechen) treffen westliche Lesegewohnheiten auf arabische Traditionen, gepaart mit einem Schuss Spannung und Verwirrung.

Zugegeben, man muss sich auf diesen Roman einlassen können. Doch mit jeder gelesenen Seite füllt sich das Herz mit Befriedigung sich diesem fremdartigen Stoff gestellt zu haben.

Baby, You can drive my car

Baby, You can drive my car

„Komm, hüpf rein! Ich zeige Dir eine neue Welt.“ Ja der Mann auf dem Cover sagt etwas. Der Betrachter selbst fügt den Text hinzu. Ist SIE glücklich wegen dem, was da noch kommen mag. Oder will sie lieber so schnell wie möglich raus aus dem Auto, weg von dem Irren, der wie ein Wahnsinniger durch die Nacht rast? Roy Lichtenstein zeichnet für das Coverbild dieses kleinen, und doch so inhaltsreichen Buches verantwortlich. Kaum eine andere technische Errungenschaft der vergangenen 130 Jahre hat Künstler von San Francisco bis Tokio, von Hammerfest bis Buenos Aires so beschäftigt wie das Automobil. Jeder hat ein Lieblingsmodell, jeder ist schon mal in einem gefahren (die meisten selbst).

Künstlerikonen wie Andy Warhol erhoben die Blechkolosse durch ihre Arbeiten in den Adelsstand. H.A. Schult stellte sie sogar auf eine Säule. Und brachte Flügel an. Chromblitzende Radkappen und stilvoll geschwungene Formen wie beim Käfer lechzen geradezu nach einer künstlerischen Umsetzung.

Dieses Buch setzt den Blechgiganten wie auch den Besitzern der künstlerischen Augen ein Denkmal. Das Auto als Mittelpunkt der menschlichen Existenz? Man könnte es fast glauben, wenn man so manchen Putzteufel sein halbes Wochenende bei der Pflege seines Vehikels zuschaut. Festgehalten als Siebdruck, als Gemälde oder als Kreidelithografie. Oder eingestrickt wie bei Agata Oleksiak. Die hat die Häkelmütze aus der Hutablage als Vorwand genommen, um ihren Morris Minor ein warmes Jäckchen zu verpassen.

Erwin Wurm hat für eine Werbekampagne einen Wagen sich vollfressen lassen. Ein bisschen verquollen steht er nun da. Vor lauter Fett kann er kaum noch die Augen öffnen.

Rosemarie Trockel verpasst ihrem Modell eine Schrubbkur. Das komplette Auto ist in Bürsten gekleidet.

Dieses Büchlein ist für Auto- und Kunstliebhaber das ideale Geschenk. Dieses Buch kann man außerdem auch mal außer der Reihe verschenken. Klein und handlich vermittelt es einen großartigen Überblick wie sehr ein Gebrauchsgegenstand Einzug in die höheren Sphären der Kunst gehalten hat.

Süßes für Dich

Süßes für Dich

Es gibt Bücher, denen man einfach nicht widerstehen kann. „Süßes für Dich“ ist definitiv eines davon. Mmmh Lecker Lakritz und anderes Naschwerk auf dem Cover. Zum Reinbeißen! Dickmacher in ihrer literarisch reinsten Form. Garantiert kein Hüftgold. Gefühlsplatin oder Herzsilber.

Dieses Geschenkbüchlein hat es in sich. Grandiose Bilder von leckerem Süßwerk bilden mit Zitaten von berühmten Köpfen eine Einheit, die sich nicht auf die Hüften, sondern im Herzen und im Kopf einnisten. Wenn Oscar Wilde meint, dass man Versuchungen nachgeben muss, weil man nie weiß, ob sie wiederkommen, und daneben zwei Schokokugeln dekorativ auf ihr Rendezvous mit den Geschmacksknospen warten, dann kann einem ja nur das Wasser im Munde zusammenlaufen. Wer durch Köln läuft und an der Neumarkt Galerie vorüberschreitet, findet dort an einer Ecke Pop Art für Jedermann. Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen haben sich dort verewigt. Denn auf dem Gebäude steht eine Eistüte. Auf dem Kopf. Zwölf Meter hoch. Ein Eisladen ist dort so etwas wie ein Selbstläufer.

Werbeplakate oder einfach nur eine Pralinenschachtel – jedes Naschwerk kann zur Kunst werden. Und Forrest Gump hat es mit seinem Filmzitat sogar den Sprung in den Alltag geschafft: „Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man bekommt.“

Bei diesem Buch bekommt man die geballte Ladung Romantik, Kunstverständnis und ein Geschenk, das garantiert beim Beschenkten ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Was will man mehr?

Gondola

Gondola

Sie kann auch anders: Donna Leon leistet sich immer mal wieder einen Ausflug weg von ihrem Commissario Brunetti. Doch keine Angst: So weit geht die Reise auch wieder nicht. Zumindest geografisch. Donna Leon bleibt in ihrem geliebten Venedig. Nur eben halt ohne Guido.

„Gondola“ ist eine Liebeserklärung an DAS Symbol Venedigs. Denn auch der moderne, in der Informationsgesellschaft angekommene Mensch sieht Venedig nicht nur als von Touristen überlaufenen, mit Kitsch vollgepackten, regelmäßig vom Aqua Alta heimgesuchten Ort, sondern wünscht sich in dieser romantischen Stadt eine Fahrt mit der Gondel. Vorbei an prächtigen Palästen, an liebevoll verzierten Häusern, unter erhabenen Brücken hindurch, an schwungvollen Plätzen vorübergleiten. Dazu ein echtes venezianisches Lied auf den Lippen des Chauffeurs. Ein Klischee? Oft, aber nicht immer.

Donna Leon geht der Geschichte der Gondel auf den Grund. Faktenfest und phantasiereich – so wie in ihren weltbekannten Brunetti-Romanen nimmt sie den Leser an die Hand und führt ihn durch die Jahrhunderte alte Tradition dieser etwas windschief in den Wogen der Lagune reitenden schwarzen Pfeile.

Das Büchlein ist angereichert mit aussagekräftigen Gemälden zum Thema. Gondeln so weit das Auge reicht. Mal überdacht, mal in historischen Szenen, mal in gefährlicher Brandung.

Als kleines Zuckerli liegt dem Buch eine CD mit venezianischen Gondelliedern bei. Eingespielt auf Donna Leons Wunsch vom Ensemble „Il Pomo d’Oro“. Und selbst auf dem Silberling gibt es noch eine hochkarätige Zugabe: Cecilia Bartoli. Die Freundin Donna Leons, die sie schon zu ihrem letzten Roman „Himmlische Juwelen“ inspirierte, steuert den letzten Titel der CD bei.

Eine höflichere Aufforderung die Lagunenstadt zu besuchen, gab es noch nie. Donna Leon schafft es wieder einmal der Stadt ein literarisches Denkmal zu setzen.

Süßes Fest

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Sich den Urlaub ins eigene Haus holen – Lob für das Urlaubsziel und Sehnsucht nach mehr. Und da man speziell zur Weihnachtszeit immer wieder gern mal was Neues ausprobiert und Traditionen pflegt, kommt dieses liebevoll gestaltete Backbuch gerade recht.

Und was bäckt man zur Weihnachtszeit? Natürlich Süßes. Süßes zum Fest. Süßes für die Kleinen. Und Großen. Preiselbeertoffee und Minzküsse – ein Genuss, der die Nebelschwaden verziehen lässt. Glöggtrüffel lassen die Schwere der früh hereinbrechenden Nacht vergessen. Man kann auch Portwein dafür verwenden, aber es sind schwedische Backrezepte – also Glögg, den schwedischen Glühwein aus Rotwein und Korn oder Wodka.

Weiter geht die skandinavische Schmatztour. Gefüllte Datteln, Trüffelstangen mit Ingwer. Wem da nicht warm ums Herz wird? Und wenn das Pfefferkuchenhaus steht, kann der große Abend, der Kinderaugenverzaubernde Moment nicht mehr weit sein.

Mia Öhrn betreibt in Schweden einen so genannten Food-Blog. Und ist damit ziemlich erfolgreich. Die Konditorin erfindet gern selbst eigene Rezepte und probiert sie aus. Die Reaktionen sind durchgehend positiv. Allein ihr erstes Buch „Rough Cakes“ verkaufte sich 200.000 mal.

Die stimmungsvollen Bilder stammen von Ulrike Pousette. Sie hat bereits mehr als 20 Büchern ihren Bildstempel aufgedrückt.

Und noch etwas lernen wir aus diesem Buch: Es gibt tatsächlich ein Wort mit vier Gs. Eins vor und drei (!) nach dem „lö“: Glögggelee. Na, wenn da keine Backstimmung aufkommt.

Augustus – Sein Leben als Kaiser

Augustus - Sein Leben als Kaiser

Als Octavius erblickte er das Licht der Welt – als Augustus erlösch es für ihn wieder. Als Octavius wuchs er in bescheidenen Verhältnissen auf – als er starb, war er einer der reichsten Männer der damaligen Welt. Als Octavius lautet die Zeitrechnung (eine Errungenschaft der Gegenwart) noch „vor unserer Zeit“ oder „vor Christus“ – als er starb, im Jahr 14 (Achtung: Jubiläum!) entfiel der Zusatz v. Chr. bzw. v.u.Z.

Er war der erste Kaiser in einer Reihe vieler, die ihm folgen sollten. Die meisten, auch die aus seiner Blutlinie, versagten oder machten durch Tyrannei von sich Reden (wie zum Beispiel Nero, der in der heutigen Wahrnehmung nur noch als Brandstifter in Erinnerung geblieben ist).

Als Adoptivsohn Julius Caesars, der im März 44 v. Chr. / v.u.Z. mit zig Messerstichen niedergestreckt wurde, standen ihm alle Türen offen. Und Augustus wusste geschickt hindurch zu schreiten.

Er sammelte Schlachtenerfolge wie andere Briefmarken. Seine ärgsten Widersacher besiegte er listenreich und erbarmungslos. Seine Familie hatte sich ihm unterzuordnen. Wer nicht für ihn war, war gegen ihn.

Als Soldat in Augustus’ Diensten ließ es sich aushalten. Bei seinem Tod vermachte er sein Vermögen unter anderem seinen treuen Legionen. Da war schon mal eine Prämie von mehr als einem Jahresgehalt drin.

Karl Galinsky zählt zu den am meisten beachteten Experten, wenn es um das Römische Kaiserreich geht. Sein Wissen und seine Fähigkeit dieses allgemein verständlich wiederzugeben, machen dieses grandiose Buch zu einem strahlenden Fixpunkt im Bücherregal. Allein die Tatsache, dass im Jahr 2014 der 2000. Todestag des Kaisers begangen wird, rechtfertigt ein Buch über diesen Kaiser, den wir jedes Jahr für 31 Tage an unserem Leben teilhaben lassen. Doch die Intensität, mit der der Autor sich dem so ereignisreichen Leben Augustus‘ nähert, schreit geradezu nach einem Band wie diesen.

Im Jahr der vielen Weltereignisse und unzählbaren Jubiläen wird das des Augustus auch dank dieses Buches besonders hervortreten.

Erinnerungsorte – Erinnerungsbrüche

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Das Schöne an Legenden, das, was uns nicht an ihnen zweifeln lässt, ist ihre Glaubwürdigkeit. Verbürgte Zeugen und Zeugnisse erzählen von Edelmut und Heldentum. Eine heroische Tat, die Großes nach sich zog, die den Lauf der Welt erschütterten oder zumindest beeinflussten – das ist es, was wir hören wollen, was unser Handeln teilweise bestimmt.

Doch Stimmen die Behauptungen immer? Geschichte wird immer von Siegern geschrieben. Was nicht passt, wird passend gemacht. Eine Erinnerung komplett zu löschen, ist niemals ganz möglich. Die Vernichtungsmaschinerie der Roten Khmer hat nicht alles löschen können. Die Kulturrevolution Maos war nur partiell erfolgreich. Und noch immer werden perfide Stasi-Spitzel-Methoden ruchbar. Das macht Mut. Die Autoren dieses einmaligen Nachschlagewerkes leisten einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung von Wissen und lösen Rätsel der Geschichte bzw. rücken sie ins rechte Licht.

Viele Orte, die in diesem Buch beschrieben werden, sind den meisten unbekannt. Iona und Lindisfarne sind sicherlich keine Touristenhochburgen. Für den christlichen Glauben sind sie von unschätzbarem Wert. Denn vom 6. bis 8. Jahrhundert wurden hier bis heute bestehende Dogmen, die sogar Einfluss auf unser heutiges Osterfest haben, festgelegt. Der Platz reicht nicht aus, um jeden einzelnen Ort an dieser Stelle gebührend zu würdigen. Außerdem würde dadurch der Lesegenuss erheblich geschmälert.

Dieses Buch ist eine niemals endende Reise zu denkwürdigen Plätzen der Weltgeschichte. Die Herausgeber Frank Meier und Ralf H. Schneider sind die Reiseführer für Ausflüge, die man nirgends buchen kann. Wer individuell sein eigenes Geschichtsbild (ohne Verzerrungen) erschaffen will, kommt an diesem Werk nicht vorbei. Als Reisevorbereitung empfiehlt es sich nicht nur passende Kleidung einzupacken, sondern auch die kleinen, grauen Zellen auf Touren zu bringen. Denn dieses Buch liest man nicht einfach mal so nebenbei.

Die Khmer

Khmer

Das Volk der Khmer ist auch 35 Jahre nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer immer noch fest mit dem menschenverachtenden Regime Pol Pots verbunden. Doch damit tut man einer ganzen Kultur enormes Unrecht. Kaum ein Volk hat es über Jahrhunderte hinweg verstanden eine eigenständige Kultur aufzubauen und zu bewahren. Grandioses Zeugnis davon legt immer noch (oder endlich wieder) Angkor Wat in Kambodscha ab. Ein riesiges Areal, von dem keiner so recht weiß, war es nun eine Stadt oder eine gigantische Tempelanlage.

Stefano Vecchia hat sich auf Spurensuche begeben. Glücklicherweise hat er sich vorher genau belesen und in den Archiven die schönsten Bilder zusammengetragen. Den Leser wird’s freuen.

Denn dieses Buch bietet einen allumfassenden Einblick in die Kultur der Khmer im Raum Kambodscha, Laos, Thailand, Vietnam, den man bisher nicht kannte. Detailaufnahmen von Tempel- und Palastanlagen, eindeutige Erläuterungen der Abbildungen führen zu Abhandlungen wie die Khmer ihr Reich regierten. Oft sieht man sich Reliefs an und findet sie auf den ersten Blick ganz hübsch. Die Handwerkskunst zu erkennen wird schon schwieriger. Aber einzelne Darstellungen deuten zu können, das war bisher nur wenigen vorbehalten. Stefano Vecchia macht genau das, was bis zu diesem Buch fehlte: Er erklärt die dargestellten Szenen. So ergibt sich ein komplettes Bild. Wer weiß schon, was eine Apsara ist? Oder gar, was sie bedeutet.

Die lehrreichen Texte vermitteln einen verborgenen Wissensschatz. Anordnung der Gebäude, ihre Ausrichtung, ihre Ornamentik – alles, aber auch wirklich alles beschreibt Stefano Vecchia bis ins kleinste Detail. Nach reichlichen 200 Seiten ist es nicht vermessen sich selbst als kleinen Kenner der Khmer-Kultur auszugeben. Doch das Buch ist nicht dazu da anzugeben. Die Bilder faszinieren auf den ersten Blick, die Texte überzeugen auch dank der Übersetzung von Cornelius Hartz, der selbst einig Bücher bei Philipp von Zabern veröffentlicht hat. Kompakt und ausführlich zugleich.