Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk

Wie sieht der ideale Arbeitnehmer aus? Er ist loyal. Er erledigt seine Arbeit ohne zu Murren. Er hält sich an die Vorgaben, heutzutage sagt man dazu: „Er hält sich an die Prozesse“. Er muckt nicht auf, gibt niemals Widerworte. Ach, es ist wie im Paradies, wenn man so jemanden wie den Schwejk in seinen Reihen wähnt. Da kann man auch mal über so manche Geschichte hinwegsehen. Schließlich hat der Schwejk so was wie einen Darfschein. Er ist schwachsinnig. Schwejk hat verbrieft einen an der Klatsche.

Und so jemand ist beim Militär? Ja, und wie! Freiwillig. Hat sich selbst gemeldet. Und nun steht der brave Soldat Schwejk, mehr wird er auch niemals werden – Schwejk als Offizier wäre wie wildes Schwenken der weißen Flagge.

Schwejk war mal Hundefänger. In Prag, der Goldenen Stadt an der Moldau. Die ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Es herrscht krieg. In ganz Europa. Später wird man diesen (großen) Krieg einmal den Ersten Weltkrieg nennen. Das österreichisch-ungarische Heer hat nun also ganz offiziell einen Schwachsinnigen in seinen Reihen. Schwejk. Ja, er ist der perfekte Dienstleister, tut wie ihm gehießen. Seine Fähigkeiten unterliegen aber einer höheren Macht. Geschick zählt nicht unbedingt zu seinen hervorstechenden Fähigkeiten. In keiner Hinsicht. Ein Tolptasch, ein Tölpel, ein Ungeschickter. Aber im gleichen Atemzug auch ein unfassbar unwiderstehlich sympathischer Kerl, dem man einfach nicht böse sein kann.

Weiß er das? Schwer zu beantworten. Denn Schwejk ist derart in sich ruhend, dass ihm das Unwohl der Welt wie ein Spielfeld für seine Gedanken dient. Er ist – wenn man es so sehen will – ein Macher. Er macht aus jeder Situation das Beste. Das Beste für sich, und – nicht immer – auch für seine Kameraden. Und ein bisschen weniger für seine Vorgesetzten. Die haben ihre liebe Not mit dem Querulanten, in ihren Augen ist er genau das. Doch dann windet er sich überzeugend aus jeder noch so misslichen Lage.

Ist Schwejk ein Held? Vielleicht ja, vielleicht nein. Das ist hier auch nicht die Frage. Jaroslav Hašek hat mit dem Soldaten Schwejk eine feste Größe in der Weltliteratur geschaffen. Hašek selbst diente in diesem irrwitzigen Krieg, bis es ihm reichte, und er dissertierte. Ob Schwejk ihn zum Bleiben hätte überzeugen können? Wohl kaum. Hašek war zu gefestigt, um sich von den blumigen Anekdoten umstimmen zu lassen. Genauso wie der Leser, der sich einfach überzeugt werden kann das Buch erst beiseite zu lesen, wenn die letzte Anekdote aus dem Mund des des Lebens niemals überdrüssigen Schwejk zu Ende erzählt ist. Es ist höchste Zeit, dass die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk noch einmal in einem Band an den Leser gebracht werden. Generationen von Lesern wäre diese Wiederentdeckung sonst entgangen. Und das wäre wirklich schade!