Archiv der Kategorie: Meeresrauschen

Bali & Lombok

Bali-Lombok-U1.indd

Macht man eine Umfrage zum Thema „Wie sieht Exotik aus? Was ist Exotik? Was kann sie?“ wird schnell klar: Um Bali kommt man bei der Beantwortung der Frage nicht herum. Ein Sonnenuntergang in Farben, die man sonst nur durch Zufall bei Photoshop entdeckt. Eine Architektur, die unverwechselbar den Betrachter jedes Mal die Blicke auf sich zieht, eine unbändige Freundlichkeit der Menschen – das ist Exotik, das ist Bali, und auch Lombok.

Die beiden Inseln im Pazifik sind die Nummer-Eins-Destinationen im größten Gewässer der Erde. Sie halten für jeden Geldbeutel und jede Art von Besuchern etwas bereit. Ob nun als Pauschaltourist in einer All-inclusive-Anlage oder als Individualreisender – Erholung, auserlesene Erlebnisse und Exotik sind garantiert. Susanne Beigott und Otto Braun machen es dem Leser und Reisenden leicht das Land zu begreifen und erlebbar zu machen.

Auf einer der größten Reisemessen in Berlin wurde dieser Reiseband mit dem Preis in der Kategorie „Reiseführer“ ausgezeichnet. Zu recht! Denn die reichlich 500 Seiten geben mehr als nur ein ungefähres Bild der beiden Inseln ab. Die Unterwelttempel von Sidan gehen Hand in Hand mit den versteckten Buchten mit den besten Surf-Spots, detaillierte Karten vereinen sich mit farbig abgesetzten Schaukästen zu kulturellen Eigenheiten, wie Hinweisen, dass an so manchen Stellen Glücksritter für jeden Handschlag, den sie anbieten auch die Hand auch die hohle Hand aufhalten. Und wie man dem entgehen kann.

Wer noch nie Asien besucht hat, wird mit diesem Buch in eine geheimnisvolle Welt eintauchen können. Schon das schiere Durchblättern verursacht akutes Reisefieber. Seite für Seite entwickelt man sich zum Experten für Südostasien, Abteilung Indonesien. Jeder einzelne Ort wird mit den nötigen Infos übersichtlich vorgestellt, so dass lästiges Umblättern unnötig wird. Mit diesem Reiseband im Gepäck wird jeder Urlaub auf Bali und Lombok zu einem entspannten Erlebnis.

Die Frau aus dem Meer

Die Frau aus dem Meer

Ist Gnazio ein Verlierer, weil er eine Frau heiratet, die ihm weil abverlangt und er sie nie verstehen wird? Nein! Ein entschiedenes Nein! Im Gegenteil: Gnazio ist ein wahrer Glückspilz, ein Gewinnertyp. Für wahr er ist nicht mit Geistesblitzen und händlerischem Geschick gesegnet. Dennoch ist Gnazio auf der Gewinnerstraße.

Endes des 19. Jahrhunderts kehrt Gnazio Manisco in seine sizilianische Heimat zurück. Durch einen Unfall ist er im geheiligten Amerika zu Geld gekommen. Soviel, dass es ihm erlaubt sein Heimat wiederzusehen. Er kauft sich ein schönes Stück Land. Er baut ein Haus. Auf dem Land stehen Olivenbäume. Er baut einen Brunnen. Das Land war günstig, obwohl es direkt am bzw. über dem Meer liegt. Gnazio mag das Meer nicht, deswegen zeigen alle Fenster im von ihm gebauten Haus weg vom Meer. Die Zeit vergeht, Gnazio ackert und lebt sich nach und nach wieder in seiner Heimat ein. Und doch fehlt etwas. Beziehungsweise jemand. Eine Frau.

Donna Pina, eine Alte aus dem Dorf, die mit Kräutern umzugehen weiß, berät den unglücklichen Rückkehrer. Seine Wahl fällt schließlich auf Maruzza Musumeci. Er sieht nur ein Foto der betörenden Schönheit und schon ist er ihr verfallen. Von nun an gibt es nur noch ein Ziel: Dieses Wesen zu erobern. Es klappt. Maruzza sieht auch in Gnazio den Mann, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen will. Es muss nur noch die Urgroßmutter der Braut überzeugt werden. Hat sie etwas gegen die Liaison einzuwenden, sind alle Pläne dahin.

Urgroßmutter Minica hat nichts gegen die Verbindung und stimmt der Hochzeit zu. Die findet am gleichen Abend statt. Selbst Gnazio scheint das ein wenig übereilt, doch die Freude siegt über die Vernunft. Die rituelle Hochzeit erscheint dem bodenständigen Arbeiter etwas verwegen. Dennoch fügt er sich in sein Schicksal. Schließlich ist Maruzza an seiner Seite, für immer.

Die Jahre vergehen und Gnazio gewöhnt sich an die Marotten seiner Frau. Vor der Hochzeit wurde ihm geraten, Maruzza gewähren zu lassen, und Gnazio hält sich an diesen Ratschlag. Er baut ihr eine Zisterne, damit sie darin schwimmen kann. In ihrem Schlafzimmer zeigen die Fenster Richtung Meer. Maruzza ist eine Sirene. Sie zieht es immer wieder hinaus aufs Meer. Gegensätzlicher können zwei Menschen kaum sein…

Am Ende dieses kurzweiligen, famosen, herzerweichenden, zauberhaften Märchens sieht man einen kleinen Jungen, der über beide Wangen lachend sich über eine Schreibmaschine beugt. Es ist kein abwertendes Lachen, weil er jemanden in die Pfanne gehauen hat. Es ist vielmehr das ergreifende Lachen eines Jungen, der etwas geschaffen hat, dass er sofort jemand schenken möchte. Dieser Junge ist Andrea Camilleri und die Beschenkten sind wir Leser.

Reise nach Argentinien

Reise nach Argentinien

Ein Buch über Argentinien zusammenstellen, mit Texten, die das Land charakterisieren sollen – den meisten würden überhaupt nur ganz wenige Themen einfallen, die darin besprochen werden sollten. Männern fallen bei dem Namen Argentinien nur fünf Worte ein: „Lionel“, „Messi“, „Diego“, „Armando“ und „Maradona“. Frauen kommen als erste die lasziv-erotischen Bewegungen des Tangos in den Sinn. Erst nach und nach lichtet sich der geistige Schleier und so manche Erkenntnis á la „ach das gehört ja auch dazu“ bricht sich ihren Weg ins kollektive Gedächtnis. „Reise nach Argentinien“ ist insofern eine Erweckungsreise der vergessenen Gedanken.

Der Mate-Tee, dieser für unsere Gaumen zuerst bittere und dann immer noch gewöhnungsbedürftige Aufguss, den man aus seltsam geformten Gefäßen zu sich nimmt, gehört zu Argentinien wie die Lederhose zum Oktoberfest. Fast schon symbiotisch nuckeln die Argentinier bei jeder Gelegenheit an ihrer Bombilla und schlürfen die Yerba aus ihrer Kalebasse. Übrigens wird einem Fremden gern mal ein Schluck angeboten. Alle trinken dann aus einem Gefäß – also nicht einfach ablehnen. Wenn einem Mate-Tee angeboten wird auch nicht einfach „danke“ sagen. Der „Aufgießer“, der hier Cebador heißt, denkt dann, dass man keinen Mate mehr möchte. Und dann entgeht einem etwas …

Ein zart gegrilltes Stück Rinderfleisch, auf den Grill langsam die Aromen entlockend – auch das ist Argentinien. Fast scheint es so als ob Steaks nur am südlichen Ende Amerikas so richtig gut schmecken. Hier wurde die Grillkultur, die einst von den Spaniern eingeführt wurde, perfektioniert.

Schon auf den ersten Seiten des Buches merkt man recht schnell, dass das eigene Bild von Argentinien verzerrt und äußerst dürftig ist. Herausgeberin Eva Karnofsky leistet ab der ersten Seite ganze Arbeit. Bis zum Ende des Buches, das leider viel zu früh kommt, überraschen ihre ausgesuchten Texte durch eine beeindruckende Themenauswahl und die Brillance der Autoren. Wenn das unvermeidliche Ende (des Buches) dann gekommen ist, ist man erst einmal traurig, dass es so weit kommen musste. Doch dieser Moment wird durch das enorme Wissen um ein Land, das doch so weit von unserem entfernt liegt, einfach beiseite gewischt. Die Reisevorbereitungen können nun anlaufen. Man ist gerüstet für das Abenteuer Argentinien.

Es geht bunt zu in Argentinien, das beweist nicht nur das Titelbild, sondern auch jede einzelne Geschichte des Buches, das man lesen muss, will man Argentinien bewusst erleben.

Die irische Meerjungfrau

Die irische Meerjungfrau

Foley ist ein ruhiges, verschlafenes Nest im äußersten Nordwesten Irlands. Hier ist die Welt noch in Ordnung, sofern man die reichlich einhundert Bewohner in Ruhe lässt. Eigentlich genau das Richtige, wenn man Ruhe sucht. Doch Fin O’Malley ist nicht wegen der Ruhe hier. Sein Chef hat ihn hierher abgeschoben. O’Malley ist Detective Seargant bei der Polizei in Dublin. Nach einigen Eskapaden setzt ihn seine Frau vor die Tür. Seine Sauftouren brachten seinen Chef dazu ihn zu „verbannen“ – so was nennt man dann wohl „einen Scheiß-Tag haben“.

Und an eben so einem Tag, in so einer Gegend soll Fin O’Malley Ausschau nach Thomas Keane halten. Das Grab hat der verschrobene Stadtbulle schon gefunden. Und mit dem Fund auch gleich die Erkenntnis, dass das Grab leer ist. Keane wurde angeblich von der See verschluckt. Thomas und Jack Keane waren Jahre zuvor der Schrecken der Polizei. Ihre gewitzten Überfälle hielten Fahnder und Medien lange auf Trab. Zehn Jahre lang gab es keine ähnlich verübten Raubüberfälle mehr. Bis vor Kurzem ein Van Gogh geraubt wurd

Der findige Kommissar gibt sich als Journalist auf der Suche nach einer Story aus, so ‘n Familiending. Doch das angeborene Misstrauen und die allgegenwärtige Bauernschläue der Einwohner Foleys lassen den vermeintlichen Coup platzen. Foleys Einnahmequellen sind … sagen wir mal dubios.

Bei seinen Erkundungstouren durch die Gedanken der Einwohner und die Gegend Foleys stößt Fin O’Malley auf Erstaunliches: Tiefverwurzelter Koboldglaube, ein Pfarrer, der wie die Jungfrau zum Kinde zu seinem Job kam, eine Restauratorin, die so gar nicht ins Bild der irischen Dorfidylle passt. Und diese kommt O’Malley wie eine Meerjungfrau vor. Wenn er wüsste welches Geheimnis sie in sich birgt…

Carolin Römers Erstling strotzt vor irischer Alltagstreue. Detailgetreu verpasst sie ihren Helden ein original irisches Korsett, das es den Handelnden erlaubt einen Freiraum zu entwickeln. Die verqualmte Atmosphäre in den Pubs (trotz Rauchverbot!) wickelt den Leser wie auch den Ermittler in rauchige Schwaden tiefsten Dickichts, das durchdrungen werden will. Wer bisher Irland als Land saftiger Weiden und glücklicher Schafe, als Land dicker Wollpullover tragender, Bier trinkender Menschen

Erhält bei Carolin Römer eine ordentliche Tracht Prügel in Sachen Iren und irischer Kultur. Und obendrauf gibt es ein Ende, das so keiner vermutet.

Und für eine Fortsetzung ist auch schon gesorgt.

Greed Castle

Greed Castle

Es ist ein bisschen wie in der Werbung: Ein Mann sitzt in einem schweren Wollpullover in den Dünen und schaut gedankenverloren aufs Meer hinaus. Er krault einen Hund, der ihm zugelaufen ist. Ein weißer Schäferhund, der in dieser Landschaft kaum auffällt. Das Leben könnte so schön, so ruhig, so einfach sein… Doch der Hund hat da was an den Pfoten. Fin O’Malley – so heißt der Mann, der Hund heißt Pebbles – untersucht das Auffällige an dem unauffälligen Hund. Blut! Die alte Sucht, der Jagdinstinkt erwacht sofort in dem ehemaligen Polizisten, den es aus der Großstadt Dublin ins beschauliche Foley an der irischen Küste verschlagen hat. Hier wollte er sich zur Ruhe setzen. Doch mit der Ruhe ist es nun vorbei. Denn die Neugier, woher das Tier kommt, bringt ihn direkt zu einem Tatort: Greed Castle. Dort liegt – tot – in einem Aston Martin – ein Auto, das man hier in dieser gottvergessenen Ecke nie zu Gesicht bekommt – Bertrand MacAllister – Immobilienmakler.

Die Dorfgemeinschaft, besser gesagt, der Teil, der sich regelmäßig im Pub versammelt und den Neuen, Ex-Kommissar, endlich akzeptiert hat, wittert nichts Gutes.

Fin O’Malley lässt sich breitschlagen und ermittelt undercover auf eigene Faust. Warum musste MacAllister sterben? Weiß sein Kompagnon, der jetzt die Firma allein leitet mehr? Der Plan geht schief, O’Malley kommt wortwörtlich mit einem blauen Auge davon. Jetzt schaltet sich auch die Polizei ein. Eine Tatsache, die man in Foley nicht gern sieht. Wenn jemand unerwünscht ist, dann die Uniformierten. Schließlich lebt man hier schon immer seine Angelegenheiten selbst geregelt. Und zu viele Fragen wirbeln nur unnötig Staub auf.

Carolin Römer konstruiert eine spannende und schlüssige Kriminalgeschichte an einem ruhigen Flecken Erde, wo die Welt immer noch selber in Ordnung gebracht wird. Sie verzichtet auf landestypische Stigmata und gibt ihren Charakteren Tiefe und Witz. Wer am Ende das Rennen um den Landsitz macht, wer der Mörder ist, welche Rolle ehemalige IRA-Aktivisten dabei spielen und welcher Erbe ein falsches Spiel spielt, bleibt bis zum letzten Kapitel offen. Nach „Die irische Meerjungfrau“ ist dies der zweite Krimi um Fin O’Malley aus der Feder von Carolin Römer. Der erste Fall wurde für den Glauser-Preis nominiert. Den zweiten Fall kann man getrost jetzt schon einen Preis für unverhohlene Spannung verleihen.

Quintana Roo

Qintana Roo

Quintana Roo – das klingt nach … ja wonach denn? Exotik. Ein Hauch Ungewöhnliches, Fremdes, Althergebrachtes. Wer googelt, wird überrascht sein. 1974 trat Quintana Roo als letzter Staat Mexiko bei. Klingt gar nicht mehr so spannend. Ist es aber. Und zwar in den Kurzgeschichten des Autors James Tiptree Jr. Und schon nehmen die Vielschichtigkeit und das Verwirrspiel ihren Lauf. Denn der Autor James Tiptree Jr. ist oder war die Autorin Alice B. Sheldon. Das Geheimnis um „den Autor“ und die knackigen Geschichten wurde schon zu ihren Lebzeiten gelüftet.

Die Geschichten in  „Quintana Roo“ spielen natürlich alle in Mexiko im gleichnamigen Bundesstaat. Dort lebt ein geheimnisvolles Volk, das sich nur schwer mit dem Fortschritt anfreunden kann. Jede einzelne wird vom Nebel der Phantasie umhüllt, den es zu durchdringen gilt. Dem Leser wird einiges zugemutet. Er muss konzentriert lesen, auch zwischen den Zeilen. Klare Darstellungen wiegen sich im Wechselspiel mit mystischen Schilderungen. Die Ebenen schlagen wie Wellen mit schäumender Gischt übereinander, dass der Leser im Wortschwall fast zu ertrinken droht.

Im Septime-Verlag sind bereits vier weitere Bände mit Kurzgeschichten der Autorin und eine Biographie erschienen, weitere Bände folgen. Wer Science-fiction mag, kommt an James Tiptree Jr. nicht vorbei. Genauso wer sich für fremde Kulturen im Rahmen der Belletristik begeistern kann. Doch man muss sich völlig darauf einlassen können. Wer die kleinen Büchlein „nur mal eben so“ lesen will, stößt schnell an die Grenzen des Verständnisses. Die einheitliche Umschlaggestaltung weist schon auf das Sammelpotenzial hin: Die gesamte Tiptree-Reihe ist nicht nur eine Zierde für jeden Bücherschrank, sondern auch für die kleinen grauen Zellen. Und „Quintana Roo“ gehört in jeden Bücherschrank irgendwo zwischen lateinamerikanischer Folklore, Fantasy und Science fiction. Egal, wo man es ablegt, das Werk von James Tiptree Jr. macht Spaß und beflügelt unsere Phantasie.

Elba

Elba-U1.indd

Die Inselwelt des Mittelmeeres ist so vielfältig wie ihre Anrainerstaaten und die Völker, die das Mittelmeer so besonders machen. Da gibt es Inseln mit Hotelanlagen, in denen vierundzwanzig Stunden die hoteleigene „Inselhymne“ aus den ausgeleierten Boxen Frohsinn versprühen soll. Und dann erheben sich kolossale Gesteinsformationen, die dem suchenden, kundigen Auge bizarre und zuweilen skurrile Formen präsentieren. Für diese Inseln wurde – so scheint es fast – der Begriff „Individualtourismus“ erfunden.

Elba ist so eine Insel. Sabine Becht bereist sie zusammen mit anderen toskanischen Inseln wie Gorgona, Capraia, Pianosa, Giglio, Giannutri sowie die berühmteste dieser Inselchen: Montecristo. Ja genau die, der der berühmteste Rachefeldzug der Literatur zugrunde liegt. Schon bei dem Gedanken an einzelne Textpassagen steigt das Reisefieber.

Elba ist vor allem Geschichtsfans ein Begriff. Hierher wurde Napoleon verbannt als er die Grande Nation in immer mehr Feldzüge und Niederlagen stürzte – im Jahr 2013 wird in und um Leipzig besonderes exzessiv das 200. Jubiläum der Völkerschlacht „gefeiert“. Doch Elba hat mehr zu bieten als den kleinen Korsen.

Die Insel wurde unter der Herrschaft der Pisaner Familie Appiani erst für eine weitere einflussreiche Familie der Toscana interessant: Die Medici. Die „übernahm“ die Stadt Ferraia 1548 und baute in Windeseile die Festung Cosmopoli, das heutige Porteferraio, nach Aussagen der Autorin die quirlige Inselhauptstadt im Norden der Insel, idyllisch an einer Bucht gelegen.

Egal, ob man nun auf historischen Pfaden wandeln oder wandern, sich intensiv seinem Sport (wie beispielsweise Tauchen) widmen oder einfach nur die Seele baumeln lassen will – Elba ist immer noch ein kleiner Geheimtipp und Sabine Becht lüftet so manche diskrete Tür und gewährt dem Leser Einblick in diese faszinierende Insel. Allerdings sollte der Geldbeutel etwas praller gefüllt sein als auf anderen Mittelmeerinseln. All inklusive ist an Elba nur dieser Reiseführer vom Michael-Müller-Verlag.

Kleine Geschichte Amsterdams

Kleine Geschichte Amsterdams

Amsterdam gehört unter den Metropolen der Welt sicherlich zu den liberalsten Städten. Jeder junge Mensch will in seinem Leben einmal nach Amsterdam. Der Grund darin liegt, … ach das soll jeder für sich selber entscheiden. Zweifelsohne steht fest, dass jeder Tag, jede Stunde, jede Minute in der Stadt auf Pfählen die Reisestrapazen wert ist.

In diesem kleinen, informativen Büchlein wird der Geschichte dieser an Geschichten so reichen Stadt gebührend Respekt gezollt. Einer Stadt, die als kleiner Ort in einem unbewohnbaren Gebiet schon immer die Blicke der Außenstehenden auf sich zog und als einer der größten Handelsplätze der Welt jahrhundertelang für Furore sorgen sollte.

Davon überzeugen sich jährlich Millionen Besucher. Und die kommen nicht alle nur wegen der Coffee-Shops und des geheimnisvoll illuminierten Redlight-Districts. Hier ist Geschichte mit allen Sinnen wahrnehmbar.

Pünktlich zu ihrem 500. Geburtstag wurde Amsterdam im Jahre 1806 zur Hauptstadt der Niederlande ernannt. 180 Nationalitäten tummeln sich hier und den 165 Kanälen. Autor Christoph Driessen bezeichnet Amsterdam als riesigen Guckkasten. Fürwahr!

Und als Guckkasten der Geschichte Amsterdams fungiert dieses Buch. Es sei an dieser Stelle verziehen, dass nicht auf jedes Ereignis, das Stadt und Menschen ereilte, eingegangen werden kann. Dafür ist dieses Buch da. Jede einzelne Seite strotzt nur so vor Wissen. Sich dem Zauber der Stadt und ihrer abwechslungsreichen Geschichte entziehen zu wollen, käme einer Flucht vor unterhaltsamer Wissensvermittlung gleich.

Christoph Driessen ist gebürtiger Holländer, der in Deutschland geboren wurde. Klischeehaft also ein toleranter Pedant. Oder ein pedantischer Freigeist. Fakt ist, dass dieses Buch exzellent recherchiert wurde – kein Wunder leitet er doch das Kölner dpa-Büro.

Immer wieder wird der Geschichtsexkurs durch Anekdoten wohlwollend unterbrochen. Das stört den Lesefluss in keinster Weise. Im Gegenteil, es macht Buch und Stadt so abwechslungsreich sympathisch. Wer Amsterdam mehr als nur vom Wasser aus erkunden will, der braucht Hintergrundwissen. Und da kommt dieses Büchlein gerade recht! Kurz und knackig wird diese kleine Metropole (von einer Millionenstadt ist Amsterdam so weit entfernt wie New Amsterdam, also New York von der Beseitigung des Verkehrschaos) ins Visier genommen und liebevoll in seine Basisstücke zerlegt. Zusammengesetzt ergeben diese Teile eine Potpourri der Nationen und Kulturen, das wie eine Oase im Einheitsbrei Westeuropas vor sich hinschwimmt.

In diesem Sommer

In diesem Sommer

In diesem Sommer wird “In diesem Sommer“ ein viel gelesenes Buch. Denn es vermengt auf wunderbare Weise Spannung, Familienzerwürfnisse, die Leichtigkeit eines Wochenendes mit der Sprachgewalt Véronique Olmis.

Delphine und Denis sind schon lange ein Paar. Und schon lange veranstalten sie das Vierzehnterjuli-Wochenende in ihrem Sommerhaus in Coutainville in der Normandie. Doch die Idylle trügt. Delphines und Denis‘ Ehe ist am Ende. Es offen auszusprechen, ist der letzte Schritt hin zur Trennung. Zu diesem Wochenende stoßen später noch Tochter Jeanne und Sohn Alex hinzu. Und Nicolas und seine Frau Marie. Und Lola mit ihrem neuen Freund Samuel.

Und Dimitri. Der war gar nicht vorgesehen in der illustren Runde. Plötzlich war er da. Erzählte da ein wenig, unterhielt sich dort ein bisschen. Und immer hatte er eine andere Geschichte parat. Unheimlich. So geheimnisvoll. Und keiner weiß so recht, warum der jetzt gerade hier und nicht woanders ist. Nur Jeanne kann dem geheimnisvollen Fremden etwas abgewinnen. Ihre Eltern lassen ihrer Tochter – wohl auch durch den Druck der Freunde – ihre Freiheit tun zu lassen, was sie will. Und sie will … mit eben diesem Dimitri die Zeit verbringen.

Währenddessen sehnt die Clique dem großen Feuerwerk zu Ehren der Grand Nation entgegen. Wie jedes Jahr spielt man Tennis im Club, geht reiten und unterhält sich angeregt, diskutiert mit gleicher Leidenschaft das Weltgeschehen wie den neuen Freund von Lola. Der Altersunterschied ist kein Grund zum Diskutieren. Vielmehr die Frage, ob er bleibt oder nicht. Es entspinnt sich ein kleiner Wettkampf um die beste Vorhersage.

Würde der Roman in Amerika spielen, würden Wetten abgeschlossen. Aber „In diesem Sommer“ spielt nunmal im Norden Frankreichs. Und er wurde von einer erfolgreichen französischen Schriftstellerin geschrieben. Wer auf einen krachenden Showdown wartet, muss sich gedulden – vielleicht im nächsten Roman. Hier brodelt es unter der Oberfläche. Viel Raum zur Interpretation. Die Autorin macht gibt einige Vorlagen. Die Geschichte auszumalen, überlässt sie dem Leser. Die Warterei auf das große Feuerwerk schmückt sie mit Neckereien bis hin zu perfiden Gewaltphantasien. Sie garniert ihre Zeilen treffsicher mit der Analyse der menschlichen Seele. Das ideale Strandbuch!

Suche auf See

Suche auf See

Der Franzose Leo Lang ist verschwunden. Verschwunden auf hoher See. Nur sein Boot, die „Vent de sable“, ist von ihm übrig. Ruhig und verlassen treibt sie im Mittelmeer vor sich hin. Fischer haben das Boot aufgetan. Doch von Leo Lang keine Spur. Anzeichen eines Kampfes gibt es sehr wohl. Das ganze Boo wurde gründlich auf den Kopf gestellt. Aber keinerlei Anzeichen von Gewalt gegenüber Leo.

Das nennt man gute und schlechte Nachrichten. Shamsa, Leos Ehefrau, obliegt es nun den Ehemann zu suchen. Seine Eltern, vermögend und bescheiden, schließen zum ersten Mal die leidende Ehefrau in die Arme. Von ihrer Schwiegermutter wird sie in dieser Zeit zum ersten Mal „Tochter“ genannt. Harte Zeiten schweißen zusammen. Die Suche beginnt. Zu Land und auf dem Wasser. Shamsa schnappt sich die „Vent de sable“ und segelt den Weg ihres Gatten ab. Dank Logbuch kann sie die Route leicht nachvollziehen.

Auf See beginnt sie über ihr Leben nachzudenken. Als Waise, vor den religiösen Fanatikern beschützt, in der algerischen Wüste ausgesetzt, wurde sie von Nonnen großgezogen. Sie ermöglichten ihr eine erstklassige Ausbildung und eine zufriedene Kindheit. Aus deswegen kann Shamsa heute in Frankreich beruhigt ihrem Beruf als Journalistin und Übersetzerin nachgehen. Es gutes Leben. Ein erfülltes Leben. Leo, der Mann an ihrer Seite, ist es wirklich: Der Mann, der sie beschützt, aber nicht einengt. Er gibt ihr die Freiheit, die so vielen ihrer Landsfrauen für immer verwehrt bleiben wird.

Auf ihrer Suche auf See findet sie nur Gutes über ihren Leo zu berichten. Nur seine Geschäftspartner sind ihr nicht geheuer. An Land gehen die Ermittlungen weiter. Auch die Polizei ist von Leos Geschäftspartnern gar nicht so angetan.

„Suche auf See“ vereint mehrere Genres auf 180 Seiten. Zum einen Spannung bis zur letzten Seite. Zum zweiten: Algerien im Fokus der Autorin. Was wissen wir schon über das größte Land Afrikas? Nichts. Der arabische Frühling ging so schnell wie er kam. Seitdem? Nichts, Algerien findet in der täglichen Berichterstattung kaum noch statt. Shamsa berichtet wie Algerien war und welch teilweise zerstörerische Kräfte hier am Wirken sind. Zum dritten: Eine Reisebeschreibung von Griechenland über das Tyrrhenische Meer über Sizilien und die Liparischen Inseln bis hin nach Korsika und Sardinien, um schlussendlich in Südfrankreich zu landen.

Schon während des Lesens wird einem klar, dass es vollkommen unerheblich ist wie das Buch ausgeht. Ein Happyend ist immer etwas Schönes. Aber die einfachen, einfühlsamen, verheißungsvollen Worte von Malika Mokeddem lassen in einem den Wunsch aufkeimen, dass dieses Buch nie zuende gehen möchte. Leider tut es das aber, das ist der einzige Makel des Buches.