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Košice – Eine kleine Stadtgeschichte

Kosice

Einmal der Mittelpunkt der Welt sein! So oder so ähnlich fühlten sich die Organisatoren, als bekannt gegeben wurde, dass Košice im Jahr 2013 (zusammen mit Marseille) sich als Kulturhauptstadt Europas präsentieren darf.

Košice? Wo ist das denn? Viele Fragezeichen über den Köpfen von Millionen Touristen überall auf der Welt.

Košice ist die zweitgrößte Stadt der Slowakei. Und sie existiert bereits seit dem ersten Jahrtausend. Zu erstem Ruhm gelangte die Stadt 1312 als Karl I. Robert ein ungarisches Heer vor den Toren der Stadt besiegte. Im Laufe der Zeit hinterließen immer wieder neue Herrscher ihre Spuren: Ungarn, Deutsche, Juden, Ruthenen und Roma. Die ostslowakische Stadt ging mit den Hinterlassenschaften sorgsam um, und so kam es, dass im 20. Jahr der Unabhängigkeit die Slowakei und somit Košice den Zuschlag bekam sich Kulturhauptstadt Europas nennen zu dürfen.

Der verheerende Stadtbrand von 1556, der große Teile der Elisabethkirche, Klöster und Türme in seinen Flammen verschlang, wurde durch umfangreiche Wiederaufbaumaßnahmen bald vergessen gemacht. Heute erstrahlt die historische Altstadt im alten Glanz und verzaubert Gäste aus aller Herren Länder. Wenn man so durch die Stadt schlendert, vorbei an den erhabenen Bauten links und rechts des Weges, erkennt man die Parallelen zu Metropolen wie Wien und Budapest. Dies ist der Hinwendung zu den großen Habsburger Städten zu verdanken.

Auch wenn Košice nicht dem Ruf Wiens oder Budapests nachhängt, so muss sie sich nicht hinter den großen Siedlungen an der Donau verstecken.

Nach 1945 wuchs Košice zu einer Industriestadt mit intellektuellem Charme heran. Hochschulen entstanden, die Künste wurden gefördert. 1966 wurde der urbanturm durch einen Brand arg in Mitleidenschaft gezogen. In den Folgejahren wurde er wieder aufgebaut. In dieser Zeit verdoppelte sich auch die Einwohnerzahl. Das zweitgrößte Wohnungsbauprogramm – nach Prag – beschied Košice einen Bauboom enormen Ausmaßes.

Ein Besuch der Stadt lohnt sich nicht nur, weil hier gerade an allen Ecken und Enden Kunst verschiedenster Couleur geboten wird, sondern auch weil die Slowakei im Euro-Raum ein Mauerblümchendasein fristet. Entdecker werden – auch und gerade mit diesem Buch im Gepäck – ein frisches, aufstrebendes Land und eine quicklebendige Stadt vorfinden, die darauf wartet erkundet zu werden.

Kleine Geschichte Stockholms

Kleine Geschichte Stockholms

Unter den Hauptstädten Europas gehört Schwedens Kapitale nicht zu den Städten, die man sofort mit einer speziellen Sehenswürdigkeit in Verbindung bringt. Kein Tower, kein Eiffelturm, kein Colosseum, keine unvollendete Kirche oder eine besondere Ausgrabungsstätte. Stockholm ist einfach nur Stockholm. Zeit, um sich genauer mit der Geschichte dieser Stadt zu beschäftigen, die – wenn man den Fernsehbildern und Klatschpostillen glauben darf – nur aus dem Königspalast und ein paar Schären besteht.

Seit mehr als 750 Jahren dürfen sich Schweden Stockholmer nennen. Ein idealer Handels- und Verteidigungsplatz war der Fleck, den wir heute als Stockholm kennen. Der Name Stockholm lässt sich auf die Begriffe Stock für Pfahl oder Stamm und Holm für kleine Insel zurückführen. Wie Venedig und Amsterdam wurde die Stadt auf Pfählen errichtet.

Autorin Ingrid Bohn weiß so manche Anekdote aus den Archiven zu erzählen. Zum Beispiel die Geschichte, warum die Stadt in einem strahlenden Gelb erscheint. Das kommt von … das muss man schon selber nachlesen. Denn dieser Ausflug in die Geschichte macht Spaß. Kein Lehrer, der mit erhobenem Finger Aufmerksamkeit einfordert. Hier sitzen die Schüler / Leser brav und still da und lauschen den Ausführungen. Wer Stockholm mehr als nur ein Wochenendausflugsziel anerkennt, und mehr als nur die Touri-Tour machen will, kommt an diesem knackig geschriebenen Band nicht vorbei. So manche, was links und rechts des Wegesrandes steht, bekommt eine neue Bedeutung. Fassaden lösen sich aus ihrer Starre und werden lebendige Figuren im Spiel der Jahrhunderte. So macht Geschichte Spaß.

Und heute? Trendhauptstadt Europas in Sachen Mode – wird sie von Modeexperten genannt. Ausgedehnte Spaziergänge durch die Stadt auf vierzehn Inseln versprechen Abwechslung und entspannte Atmosphäre. Die Geschichte ist präsent, aber nicht aufdringlich. Jetzt, da der Leser mehr über diese außergewöhnliche Stadt weiß, gibt es keine Alternativen mehr: Koffer packen und die gelesene Geschichte erleben und aufsaugen!

Mein Nachrichtendienst

Mein Nachrichtendienst

Auch in der Fremde der Heimat verbunden sein – für Thomas Mann und seine Familie war ein (über-)lebenswichtiges Elixier. Der Zaubertrank waren die Briefe von Hedwig Pringsheim an ihre Tochter Katia, Ehefrau und Rückstärkung des Literatur-Nobelpreisträgers Thomas Mann. Dreihundertfünfundsiebzig Briefe schrieb sie von 1933 bis 1941 an ihre Tochter. Bis 1939 hielt sie es in Deutschland aus, emigrierte aber nach Enteignung und unerträglichen Demütigungen in die Schweiz, wo sie 1942 starb.

Als junge Frau eroberte sie die Bretter, die die Welt bedeuten. Ihre allseits beliebte Eloquenz bescherte ihr den Ruf einer exzellenten Gastgeberin und Rednerin. Diese Eigenschaft macht diesen fast zweitausend Seiten starken Doppelband zu einem Leseereignis, das seinesgleichen sucht. Ihre Tochter und ihr Schwiegersohn hatten bereits 1933 Deutschland verlassen müssen, um dem Naziterror „abroad“ sich entgegenzustellen.

Natürlich konnte Hedwig von Pringsheim nicht alles so schreiben wie sie es gern wollte. Sie wählte Vergleiche aus Literatur und Musik, um die emigrierte Familie „aus dem Laufenden zu halten“. Nicht alle dieser Codes erschließen sich dem Leser auf den ersten Blick. Herausgeber Dirk Heißerer gibt im hinteren Teil jedes der Bände eine Verständnishilfe und knackt die wohl formulierten Gleichnisse.

So entsteht beim Lesen ein exaktes Abbild der Verhältnisse im Deutschland unter der Knute der Nazis und ihrer Schergen. Das jüdische Großbürgertum war durch – in einigen Teilen der Welt, aktuell im sich erschreckend rasant sich zum Schlechten entwickelnden Ungarn, weit verbreitete Vorurteile – besonders unter Beschuss geraten. Materiell litt die einstige wirtschaftliche und intellektuelle Elite besonders unter den Repressalien.

„Mein Nachrichtendienst“ ist eine Biographie einer Familie im dunkelsten  Deutschland, aber gleichsam eine Leidens- und Lebensgeschichte eines Landes, das so stolz auf seine Dichter und Denker, seine Errungenschaften und seinen Ruf als Land der Forscher war und es auch durfte. Dass die Nazis den Subtext nicht erkannten, liegt an ihrer Engstirnigkeit und Inflexibilität, aber vor allem an der geschickten Handhabung der Sprache durch Hedwig von Pringsheim. Der Doppelband ist sicherlich kein Buch, das man nebenbei liest. Der Stoff ist ein harter, teils amüsanter, weil er durchgegangen ist. Vor allem aber authentisch. Denn die Verfasserin der Briefe bot lang dem Regime die Stirn. Ihre Eigensinn und ihr scharfer Verstand erlaubte es ihr Einblicke zu geben, die so manchem „Weggucker“ verborgen blieb. Nun sind diese Briefe in einem eleganten Schmuckschuber in zwei Bänden erhältlich und definieren die literarische Aufarbeitung des zwölfjährigen Reiches neu.

Kerfe des Waldes

Kerfe des Waldes

Kerfe sind den meisten unter dem Begriff Insekten bekannt. Diese kleinen Biester, die im Sommer über der leckeren Torte herumschwirren. Aber auch dieselben kleinen Biester, die dafür sorgen, dass die Blumenpracht auch eine Pracht bleibt.

Hier ist nun das Standradwerk zur Bestimmung der Kerfe des Waldes. Alle „kleinen Biester“ werden hier in Originalgröße – das unverwechselbare Merkmal der Buchreihe – abgebildet. Aber nicht einfach nur so. Nein, feingliedrige Zeichnungen, die wirklich jedes Detail abbilden, verzaubern den Leser ab dem ersten Umblättern.

Vom Hirschhornkäfer haben viele schon einmal gehört. Wie er aussieht – davon haben noch weniger eine Ahnung. Und da Weibchen und Männchen unterschiedlich aussehen, werden auch beide abgebildet. Schmetterlinge faszinieren den Betrachter wegen ihrer Flugeleganz. Aber wer hat schon mal die Möglichkeit einen Schmetterling aus der Nähe in aller Ruhe zu beobachten? Meist sind die flinken Leichtgewichte sofort wieder weg. Dank der Abbildungen im Buch erfährt man, dass ein Zitronenfalter nicht nur komplett gelb ist, er hat vier kaum wahrnehmbare rote Punkte.

Prof. Dr. Gottfried Amann – der Autor – beschränkt sich allerdings nicht nur auf die bloße Abbildung der Kerfe des Waldes, Vielmehr erläutert er wissenschaftlich und zugleich leicht verständlich die Eigenschaften der vorgestellten Tiere.

Im Bilderteil legt er sein Hauptaugenmerk auf die Darstellung der Kerfe, aber nicht nur darauf allein. Eier, Larven und Puppen sowie die Fraßbilder werden genauso dargestellt. Wer also bei seinem nächsten Waldbesuch an einer angeknabberten Pflanze vorbeischaut, kann nun genau bestimmen, welches gefräßigeTier sich hier zu schaffen gemacht hat.

Die unglaubliche Vielfalt der Kerfe in unseren Wäldern erstaunt immer wieder. Und genauso erstaunt es den Leser, welch Aufwand die Macher des Buches betrieben, um wirklich jedes Insekt abzubilden.

Was tun, sprach Zeus

Was tun, sprach Zeus

Never change a winnig team – kein antiker Spruch, aber es trifft den Nagel auf den Kopf. Gerhard Wagner sammelt Sprüche, um ihren Ursprung zu untersuchen. Zweihundert Sprüche hat er unter die Lupe genommen. Nachdem er in seinem ersten Buch Redewendungen aus dem Mittelalter auf Herzen und Nieren geprüft hat, ist es nun für den Leser ein Fortschritt, dass er einen Schritt zurückging und die Antike genauer betrachtet.

Und einmal mehr wird der Leser verblüfft sein, wie viel Antike noch im heutigen modernen Alltag steckt: So mancher Verein erblüht unter der Ägide eines charismatischen Präsidenten. Die Spieler leben dann im Elysium – auch weil einige von Amors Pfeil getroffen werden – um dann wie von Furien gehetzt, den Lebensfaden abgeschnitten zu bekommen. Bis hierhin kann jeder etwas mit den Aussagen etwas anfangen. Wohlformulierte Worte, die es dem Zuhörer erlauben sich eine Meinung vom Sagenden zu bilden. Meist ein positives Urteil. Denn der Aussprechende bezeugt dadurch ein gewisses Maß an Wissen und Weltoffenheit.

Und jetzt kann man sogar seine Redewendungen erläutern und herleiten. Was will man mehr?! Die Würfel sind gefallen, das Unwissen ist eine terra incognita. Man ist nicht mehr am Ende seines Lateins, wenn man nach dem Weg fragt.

Gerhard Wagner gelingt es mit seinen knappen, teils süffisanten Beschreibungen den alltäglichen Kampf der verkürzten und unbestimmten Sprache neues Leben einzuhauchen. Nur wer sich gewählt und abwechslungsreich bewähren kann, wird Erfolg haben. Somit sollte dieses Buch nicht unter „Sprücheklopfer“ stehen, sondern bei den Ratgebern. Banausen und Koryphäen werden nun in epischer Breite erklären können, wieso und warum sie so und nicht anders argumentierten. Ein Glücksfall für jeden, der sich auch über Sprache definiert.

Wo Thales in den Brunnen fiel – Ein philosophischer Reiseführer in die Antike

Wo Thales in den Brunnen fiel

Und wieder ein Reiseband aus dem Primusverlag, den man so nicht kommen sah. Nachdem man Berlin historisch erreisen konnte, sind nun die Philosophen dran. Reisen zu den Orten ihre Wirkens. Reisen zu den Orten, an denen sie ihnen ihre genialen, universellen Ideen kamen. Ein Exkurs in die Geschichte des Denkens, mal ernst, mal zum Schmunzeln.

Der titelgebende Thales, dessen Satz so manchen Schüler zur Verzweiflung brachte, war nicht nur Mathematiker und Physiker, sondern auch Politiker und Astronom. Und zwar in Milet, an der heute türkischen Westküste, nur wenige Kilometer südlich von Ephesos. Eine Anekdote besagt, dass er den Himmel beobachtete und dabei den vor ihm liegenden Brunnen übersah. Und plumps – war es um ihn geschehen. Aber das ist nur eine Anekdote, ob sie wahr ist, weiß niemand. Vielleicht verspottete man ihn auch nur, weil er immer so wissbegierig das Himmelszelt mit den Augen verschlang. Erst im Jahr 585 v.u.Z. legte sich der Spott als er eine totale Sonnenfinsternis auf den Tag genau vorhersagte und damit Frieden der Region bescherte. Denn als sich die Sonne am helllichten Tag verzog, schlossen die verhärteten Fronten Frieden.

Nur eine Geschichte von vielen aus diesem amüsanten und originellen Reiseband. Reisen in die Antike – dafür gibt es unzählige Anlässe und Anbieter. Ein Orakel hier, ein verfallener Tempel da. Ein antikes Schlachtfeld vor Augen, eine Siegessäule im Rücken. Und immer der Lerngedanke im Kopf. So macht Erholung nur bedingt Spaß.

„Wo Thales in den Brunnen fiel“ ist die alternative Lernmethode dem Grundgedanken unserer heutigen Zeit und Forschung nachzugehen. Und das im wortwörtlichen Sinne. Warum nicht mal auf den Spuren von Denkern und Lenkern wandeln? Dorthin reisen, wo sie wirkten, wo sie ihre Spuren hinterließen.

John Gaskin gibt Hilfestellung bei der Planung des nächsten außergewöhnlichen Urlaubs.

Die Medici – Bankiers im Namen Gottes

Die Medici - Bankiers im Namen Gottes

Groß war die Aufregung vor einigen Jahren als herauskam, dass sich Kanzlerin Angela Merkel mit Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Kanzleramt zum Dinner traf. Darüber konnten die Medici des Mittelalters nur lachen. Sie trafen sich mit Päpsten! Denn die Päpste brauchten Geld. Und Geld hatten die Medici im Überfluss. Geschickt setzten sie ihr Guthaben ein, um Herrscher – weltliche wie geistliche, wobei damals die Grenzen zwischen Spiritualität und Realität eine gewaltige Schnittmenge aufwiesen – an sich zu binden.

Ein lohnendes Geschäft für beide Seiten. Sofern nicht der eine oder andere Geschäftspartner an Einfluss verlor. Ging die Macht des Einen flöten, so war auch der Machtbereich des Anderen gefährdet. Doch auch hier wussten sich die Medici zu helfen. Ein allgegenwärtiges Netzwerk sicherte den Medici ihr Fortbestehen. Selbst als die internen Feinde aus Florenz, die Albizzi, die Verbannung der Medici anordneten, ging das Haus Medici nicht unter. Das feingesponnene Netzwerk erwies sich für viele (Feinde) als Fallstrick, der alsbald greifen würde.

Doch das Netz hielt nur so lange den Angreifern stand, wie eine Katastrophe der anderen folgte. Ende des 15. Jahrhunderts erhöhte sich die Frequenz der Angriffe. Mehrere Ereignisse traten gleichzeitig ein. Das konnte selbst das starke Bankhaus Medici nicht aushalten. So nach und nach versank der einstige Ruhm in Niedergängen von Königshäusern und Epidemien. Unzulängliche Geschäftspraktiken taten ihr Übriges. Der Banco Medici war das zu frühe Aus beschieden.

Uwe A. Oster beschreibt – untermalt von ca. fünfzig Abbildungen – auf knapp einhundert Seiten Aufstieg und jähen Fall einer Bank-Dynastie, die seit ihrer Blütezeit die Gemüter erhitzt und Geschichtsschreiber zu phantasievollen Umschreibungen treibt. Die Medici sind so eng mit Florenz verbunden wie kaum eine andere Familie mit einer Stadt weltweit. Ihr Ruhm gründet sich auf ihrem Gönnertum. Das wiederum fußt auf einer kompromisslosen Geschäftspolitik. Soll man die Medici nun vergöttern oder verteufeln? Wenn man das Tun der Medici differenziert betrachtet, kommt man der Antwort am ehesten auf die Spur. Die Medici nutzten ihre Macht vorrangig um selbige auszubauen. Im Gegenzug förderten Sie Kunst und Kultur in einem Maße, das beispiellos war. Eine allumfassende Antwort gibt es nicht. Nur einen umfassenden Einblick in die Bankgeschäfte der Medici, den gibt es. Und er trägt den Titel dieses Buches.

Ernst beiseite!

Ernst beiseite

Jeden Tag, jede Stunde, irgendwo auf der Welt: Ein Mann und eine Frau (okay, total p.c. eine Frau und eine Frau oder ein Mann und ein Mann) zermartern sich ihr Hirn wie sie dem in Bälde neuen Erdenbürger denn nun rufen sollen. Schließlich kommt irgendwann der Moment, an dem auch die Nachbarn den kleinen Racker beim Namen rufen hören. Und dann sollte doch gefälligst nicht schallendes Gelächter die Reaktion sein. Ja, die Namenswahl ist in den meisten Fällen durchaus verzwickt.

Jeder kennt mindestens ein Beispiel aus seinem Bekannten- oder Freundeskreis, bei dem die Namenswahl offenbar in geistiger Umnachtung geschah. Schlimm wird es erst, wenn es die Geber nicht merken, was sie dem Empfänger antun. Es gibt immer wieder Forschungen, die (angeblich) belegen, dass Kevins es nicht unbedingt einfacher haben im Leben. Und das nur weil in den 90er Jahren mal einer mit einem Wolf tanzte.

Oder nur weil der Lieblingsdarsteller aus der Lieblings-Soap soooo niedlich ist, wird es der Nachwuchs nicht automatisch. Was passiert, wenn dieser Lieblingsdarsteller etwas tut, was mit keiner gesunden Lebenseinstellung zu vereinbaren ist? Das Kind rennt dann ein Leben mit diesem Stigma rum.

Auch Sprachmelodie, also die Verbindung von Vor- und Zunamen sollte stimmig sein.

William Wahl hat sich Gedanken zum Thema Namenswahl und -vergabe gemacht. Seine Schlussfolgerungen sind schlüssig und teils bissig. Nichts für Zartbesaitete. Fünfhundert Namen hat er auf Ursprung und Bedeutung untersucht. An dieser Stelle verzichtet man am besten auf irreführende Negativbeispiele, um nicht den einen oder anderen zu verprellen. Denn nur weil einer Menno heißt, ist er nicht gleich quengelig oder eine Mischung aus Mensch und Benno (in Anlehnung an Mel Brooks‘ „Spaceballs“, in dem es einen Möter – halb Mensch, halb Köter – gibt). Menno kommt aus dem Ostfriesischen. Apropos ostfriesisch: Dieser Menschenschlag muss in Deutschland oft und gern für do manchen Ulk (nicht Ulf) herhalten. William Wahl hat eine Liste der dämlichsten friesischen Namen erstellt. Lassen Sie es bitte die Ockes und Arfsts Ihrer Umgebung nicht merken, dass sie Bestandteil dieser Liste sind.

„Ernst beiseite!“ ist das Buch, das werdenden Eltern noch zum Glück fehlt. Denn sobald sie einen möglichen Namen für ihren Nachwuchs hier entdecken, wird es knifflig. Die Suche beginnt von vorn und unter ganz anderen Gesichtspunkten. Trotzdem sollte dieses Buch zur Hand genommen werden, um Missverständnisse von vornherein zu minimieren. Liebe werdende Eltern, lasst Euch nicht einschüchtern. Erfolg hängt nicht vom Vornamen ab. Jedoch sind Vorurteile in jeder Gesellschaft vorhanden. Und nicht jeder ungeplante Nachwuchs muss mit höherer Gewalt in Verbindung gebracht werden. Suchen Sie nicht weiter nach Synonymen für „Gottes Geschenk“, und wenn dann nur in fremden Sprachen, die in fernen Ländern und Kontinenten gesprochen werden. Jedes Kind ist kostbar, muss aber nicht gleich Precious (englisch) oder Ivie (edo, Sprache in Nigeria) heißen. Namensvielfalt ist Kulturgut, das man schützen sollte. Und zwar in jeder Hinsicht.

Tango fatal

Tango fatal

Wenn man sich die vergangenen Jahre betrachtet, ragen Menschen aus einem Land besonders hervor: Argentinien. Alles überragende Fußballer wie Diego Armando Maradona und Lionel Messi. Ein Papst. Und seit neuestem Königin Máxima, Prinzessin der Niederlande. Des Weiteren bringt man Argentinien, und zwar nur Argentinien, mit einem weiteren kulturellen Erbe in Verbindung: Dem Tango. Zwar wurde auch Uruguay durch die UNESCO zum Erhalt des Tanzes „verdonnert“, doch ist nur die Region vom südlichen Ufer des Rio de la Plata bis nach Feuerland dafür berühmt.

Viele Sagen und Mythen ranken sich um den leidenschaftlichen Tanz. Ein getanzter trauriger Gedanke sei er. Oder eine Sucht. Oder ein Bordellreptil. Vieles mag stimmen, doch der Gedanke, dass der Tango ein getanztes Leben sei, verleiht dem Ran-tan-tan-tan die bedeutungsvolle Schwere.

Mauri Antero Numminen, der finnische Avantgard-Musiker bringt es in seiner Geschichte auf den Punkt. Ja, ein Finne bildet den Auftakt zu einem zutiefst lateinamerikanischen Buch. Denn der finnische Tango ist eine eigenständige Musikrichtung. Für Faktensammler lohnt sich der Erwerb dieses Büchleins schon allein deshalb.

Auszüge aus Henning Mankells „Die Rückkehr des Tanzlehrers“ und aus Jorge Luis Borges‘ Werk sowie ein „Vollständig unvollständiges Alphabet des Tangos“ von Jörg Krummenacher und zahlreiche kleine Anekdoten aus allen Ecken und Winkeln der Welt komplettieren dieses richtungsweisende Werk in Sachen Auszüge aus großen Werken zu einem Thema. Normalerweise sind Bücher wie diese reine Werbemaschinen, um Werke aus dem eigenen Verlag unters Volk zu bringen. „Tango fatal“ ist nur einem Ziel verpflichtet: Den Tango in die Bücherregale zu tragen.

Ein stringenter Rhythmus, melodisch, ja fast schon tragisch, durch ein Bandoneon in eine tanzbare Form gebracht – das ist Tango. Zumindest fürs Ohr. Doch Tango geht tiefer. Durch das Ohr ins Hirn, und von da direkt ins Herz, das die Impulse unweigerlich in die müden Knochen weiterleitet. Ein leichter Tonus durch zuckt erst die Arme, Hände und Finger. Dann können sich auch die anderen Extremitäten nicht länger zur Wehr setzen. Der ganze Körper taucht ein in das Feuer des Tangos.

Die Autoren verzichten weitesgehend auf die stereotypen sexuellen Verdächtigungen, die mit dem Tanz einhergehen. Vielmehr berichten sie von der Unmöglichkeit Tango in Berlin zu tanzen oder von der guten alten Zeit eines Carlos Gardel, dem größten Tango-Interpreten. Wer Tango liebt, dessen Liebe wird hier Seite für Seite, immer wieder und wieder neue befeuert. Die einzig zulässige Bücherverbrennung der Gegenwart!

Blätter und ihre Bäume

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Der Herbst ist nicht unbedingt die Jahreszeit, die allein durch das Wetter eine besondere Erwähnung wert ist. Fortlaufend kriecht die feuchte Luft durch jede noch so kleine Pore und Ritze. Die Glück verheißenden Sonnenstrahlen verlieren ihre Kraft. Doch der Herbst hat auch seine angenehmen Reize. Die Blätter verfärben sich in den unterschiedlichsten Nuancen der Natur, fallen von den Bäumen, bedecken das Grau des glitschigen Bodens. Ihre Formen sind so mannigfaltig wie ihre Entdecker. Horden von Kindergruppen tollen im Blätterwirbel umher und sammeln die einstige Baumpracht ein.

Doch wer kann all die Blätter unterscheiden? Was unterscheidet ein Kastanienblatt von einem Blatt der Linde? Auch in Zeiten von Smartphones, Wikipedia und anderen elektronischen Mitteln tut es gut etwas Greifbares in den Händen halten zu können.

„Blätter und ihre Bäume“ ist so etwas Handfestes. Ein Quell des Wissens und des guten Geschmacks. Das geballte Fachwissen wird hier anschaulich dargelegt und breitet sich vor dem neugierigen Leser willenlos aus. Ein Füllhorn an Abbildungen und Karten erlauben es sich einen allumfassenden Überblick über die raschelnden, sich leise im Wind wiegenden und dem Auge schmeichelnden Chlorophyll-Produzenten zu verschaffen. Und alle Blätter werden – und das ist der eigentliche Knüller des Buches – in Originalgröße abgebildet. Zu jedem Blatt gibt es ein kleine Verbreitungskarte, einen kurzen Lebenslauf sowie einen Kurztext zur Herkunft, also dem Baum, von dem es herabfiel. Eine Skizze und der lateinische Name des Baumes trennen tabellarische Einordnung und Text und Abbildung.

Nachdem also die Blättersuche und –Sammlung des Tages abgeschlossen ist, nimmt man sich nun diesen Prachtband zur Hand und legt ihn ehrfürchtig auf den Schoß. Gedankenverloren blättert man ein wenig darin herum. Das ist wichtig, denn so ein Buch nimmt man nicht einfach nur, um Blätter zu bestimmen. „So ein Buch“ ist ein Fest für die Sinne. Mit dem aufgekratzten Nachwuchs im Nacken beginnt nun die Suche nach dem richtigen Namen des erbeuteten Blätterschatzes. Ab hier ist der Leser mit all seinem unvollkommenen Wissen gefragt. Wie gestalte ich die Namenssuche lehrreich und fantasievoll?

Herausgeber Zsolt Debreczy hat mit diesem Werk trotz des gigantischen Umfanges einen kurzweiligen Zeitvertreib geschaffen. Den Machern aus dem Hauptverlag gebührt der volle Dank, dass „es so etwas noch gibt“. Die edle Aufmachung und das zusammengetragene Fachwissen tragen dazu bei unsere Natur mit andern Augen zu sehen und das in Kindertagen erlernte Wissen zu vertiefen oder – wie in den meisten Fällen – wieder aufzufrischen. Ein ideales Geschenk, das so manchen Gabentisch gut stehen wird.