Archiv der Kategorie: aus-erlesen ungewöhnlich

Quartett Tier-Rekorde und Quartett Bäume

Quartett Tier-Rekorde

Die Lebenserwartung der Königin der Roten Waldameise schlägt die des Hirschkäfers. Zweiunddreißig Karten bilden insgesamt acht Quartette, die man so schnell wie möglich zusammen haben muss. Wenn mal eine Karte fehlt, setzt man – wenn man sie hat – einen der beiden Joker ein.

Die zwei Quartette aus der Reihe Expedition Natur des moses.verlages  bestechen durch ihre detailgetreue Gestaltung. Zwei bis fünf Mitspieler werden an jedem der Spiele ihre Freude haben, sofern sie mindestens sieben Jahre alt sind.

Quartette sind bewährte Spielzeug, um Kinder spielerisch mit Wissen zu füttern. Auch die Großen werden noch etwas dazulernen können. Wer weiß schon, dass der Gemeine Seestern bis zu sieben Jahren alt werden kann? Schade für ihn, denn genau dann darf er dieses Spiel spielen. Und wer weiß schon, dass er sich von Aas und Muscheln ernährt?

Wer das Bäume-Quartett mit in den Wald nimmt, kann anhand der Karten die gewaltigen Waldbewohner bestimmen und Nützliches über sie erfahren.

Quartett Bäume

Malandoo – Meine ersten Buchstaben

Meine ersten Buchstaben

Den eigenen Namen schreiben können, ist oftmals das erste Erfolgserlebnis im jungen Leben eines Kindes. Kinder mit Doppelnamen haben es da oft schwerer – doch umso höher der Erfolgsgrad. Dieser praktische und dabei liebevoll gestaltete Block mit den Buchstaben des Alphabetes und den Zahlen macht die Kleinen zu einem wahren Schreibgenie. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn die großen Buchstaben, die die gesamte Seite einnehmen, sicherlich lautstark ausgemalt werden.

Malandoo nennt man diese Technik, bei der fein geschwungene Linien Zwischenräume freigeben, die mit Farben in ein neues Licht getaucht werden. Spaß und Lernen werden hier auf eine besondere Art und Weise miteinander verknüpft. Die einzelnen Seiten kann man dann im Kinderzimmer aufhängen – ein Wandschmuck, den es immer nur einmal gibt.

Puzzle Bauernhoftiere

Puzzle Bauernhoftiere

Wenn Kinder mit Puzzles spielen, fehlen am Ende immer ein paar Teile. Das gehört zu Murphys Gesetz. Bei diesem Puzzle für Kinder ab einem „Alter“ von 18 Monaten wird die Verlustwahrscheinlichkeit minimiert, in dem es insgesamt nur zwölf Teile für sechs Puzzle gibt. Was erfahrenen Puzzlern ein müdes Lächeln ins Gesicht zaubert, wird die Kleinen verzücken. Ein Hund, eine Kuh, ein Schwein, ein Schaf, ein Hahn und ein Pferd zusammenzustellen, wird ein Riesenspaß. Und alles aus Holz. Keine Chemie. Und durch die praktische Aufbewahrungsbox, kann einfach nicht mehr verloren gehen. Für alle Teile wurde Holz aus Wiederaufforstung verwendet. Selbst die Folie wurde aus recyclingmaterial hergestellt. Mit der praktischen Trageschlaufe kann der Puzzle-Nachwuchs sein neues Lieblingsspielzeug überallhin mitnehmen.

Bücherturm

Bücherturm

Kinder kann man nicht früh genug an Bücher heranführen. Wenn die kleinen Patschehändchen noch etwas ungeschickt ihre, eine neue Welt entdecken, ist es immer ein Fest für die frisch gebackenen Eltern. Doch, wenn der Nachwuchs dann endlich den gerechten Schlaf gefunden hat, beginnt die Aufräumorgie von vorn. Beim moses.verlag hat man da eine einfache Lösung gefunden. Zehn kleine Büchlein in einer schicken und praktischen Aufbewahrungsbox. Der Bücherturm ist bis zum Rand gefüllt mit Büchern über Koalas, Pandas, Alligatoren, Kängurus, Elefanten, Pinguine, Löwen, Affen, Giraffen und Schildkröten. Jedes Buch ist nur wenige Seiten stark, die Seiten griffig für die Kleinen. Und die Zeichnungen kann man nicht anders als niedlich bezeichnen. Kurze Texte erlauben ein gemeinsames Vergnügen von Mama und Papa und den Kleinen.

Wer auf der Suche nach eine Win-Win-Situation ist, dessen Suche ist hier zu Ende. Kinder lernen spielerisch die Artenvielfalt der Fauna kennen und Eltern lernen, dass Aufräumen schnell ablaufen kann. Die praktische Trageschlaufe erlaubt es den Bücherturm problemlos überall mit hinzunehmen.

Habemus pasta

Habemus Pasta

Für die einen ist sie unerlässlicher Energielieferant, um Höchstleistungen vollbringen zu können. Für andere eine Delikatesse, die den Sinnen Höchstleistungen abverlangt. Dritte vollbringen Höchstleistungen, um diese Höchstleistungen gebührend in Szene zu setzen. Was für eine Leistung?!

Es geht um Nudeln, um eine hart gewordene Mixtur aus Mehl und Eiern, die dank einer erhitzten Wasser- und Sauerstoffvermengung eine verzehrbare Form annimmt. Klingt wissenschaftlich und so gar nicht zum Buch dazugehörig.

Pasta ist ein Gottesgeschenk. Wie Engelshaar gleich hängt es dem Verzehrer entgegenhächelnd auf den Zinken der Gabel. Ein apokalyptischer Geschmacksritt durch den Höllenschlund endet in einem grummelnden Aufschlagen im Magen.

Auch so kommt man dem Buch nicht auf die Schliche. Ein amuse gueulle, ein Gruß aus der Küche für Genießer und Mampfer zugleich. Denn Pasta-Kochbuch ist nicht gleich Pasta-Kochbuch. Die Rezepte stammen von Manuel Weyer, Leiter der Kochschule von seiner Eminenz Johann Lafer persönlich. Skeptiker könnten nun meinen: „Der kocht auch nur mit Wasser.“ Stimmt, aber bei ihm steigt nicht einfach nur Wasserdampf aus dem Topf hoch. Es ist weißer Rauch.

Wozu ein Kochbuch für ein Gericht, dass jeder alleingelassene Teenager in Windeseile zubereiten kann? Leonard Cohen gibt unfreiwillig in seinem „Hallelujah“ die Antwort, wenn er in seinen Konzerten singt: „Baby, ich war schon mal hier. Ich kenne dieses Zimmer, ich bin schon auf diesem Fussboden gelaufen. Ich habe immer allein gelebt, bis ich dich kennenlernte.“

„Habemus pasta“ wird die Sicht auf die Nudel verändern. Die Kapitel verheißen den Sündenfall. Lasst und kneten, das jüngste Gericht, Wer kaut wird selig. Und dazu der kardinalspurpurne Einschlag des Buches. Nudeln werden nie mehr einfach nur Nudeln sein. Die Regentschaft von Parmegiano XVI. hat begonnen ebenso wie von nun an immer ein Aspargus nostra vor der Mahlzeit zelebriert wird.

Dieses Buch ist einzigartig im Überschwall der Kochbücher, denn es zeigt, dass Pasta als ernsthafte Zutat eines Menüs mit Spaß zubereitet werden kann. Nicht einfach mal nur so schnell zwischendurch ein paar Nudeln in den Topf geben. Andächtig werden lange, dünne, dicke, gedrehte Naturprodukte nun dargereicht. Dieses Buch darf man nicht einfach nur ins Regal zu den anderen Kochbüchern stellen. Für „Habemus pasta“ braucht man einen Altar!

Geographie in der antiken Welt

Geographie in der Antike

Das Fach Geografie wurde in der Schule entweder geliebt oder gehasst. Es gab kein Dazwischen, keine Grauzone. In der Antike war Geographie (bewusst mit „ph“ geschrieben) eine neue Wissenschaft, eher ein Handwerk. Mal schnell das Navi einschalten, um zu sehen, welcher Weg der schnellste zur nächsten Schlacht ist, ging nicht. Oder noch schnell vor dem nächsten Feldzug zu Karstadt einen neuen, aktuellen Atlas kaufen – unmöglich. Jeder, der sich nur ein paar Tagesmärsche von der Heimat entfernte, wurde zum Entdecker, zum Aufzeichnenden, zum Geographen. Karten waren höchstes Kulturgut.

Selbst in der Prosa wurden Hinweise zur Geländegängigkeit und zu Erhebungen und Flussläufen mitgeliefert. Was die Ansiedlung der Geschichte(n) für Historiker heute erleichtert. Die „Odyssee“ kann man getrost als einen der ersten Atlanten bezeichnen.

Daniela Dueck begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Sie fand geographische Hinweise auf Gefäßen und Bronzetafeln, und sie durchforstete alte Schriften nach Hinweisen für die Existenz der geographischen Wissenschaft.

„Geographie in der Antike“ ist eine Lesereise in längst vergangene Zeiten. Der Leser schippert nicht einfach nur so an den Ufern bekanntes und weniger bekannter Küsten entlang. Die Entdecker der antiken Welt sind die Reiseführer dieses Sachbuches, das durch seine Vehemenz und klare Gliederung hervorsticht. Die spannende Art zu schreiben, verleiht dem Buch die nötige Würze.

Auch wer sich in Pennälerzeiten schwer tat an Schwarzkarten die Heimatstadt einzuordnen, wird sich in einen wahren Leserausch versetzen. Denn die antiken Vorfahren hatten noch weniger Material zur Hand und entdeckten so viele Orte, die wir heute als Traumziele bezeichnen. Verneigen wir uns vor ihrer Leistung und danken Daniela Dueck für ihren Beitrag zum Verständnis der Geografie, mit „f“.

Geyers Schädel

Geyers Schädel

Zu seinem 200. Geburtstag erfährt Richard Wagner die Aufmerksamkeit, die ihm über Jahrzehnte entzogen wurde. Über sein Werk – da sind sich die Experten einig – gibt es wenig zu diskutieren. Monumentale Musikgeschichte, die selbst im Filmgeschäft als Meilensteine eingesetzt werden (drohende Gefahr im Anflug ohne den Walkürenritt – undenkbar). Richard Wagners politische Einstellung und sein Antisemitismus riefen und rufen immer wieder Mahner auf den Plan, Wagner nicht allzu sehr zu glorifizieren.

Marcus Imbsweiler schlägt einen anderen Weg ein. Er schickt zwei Kommissare in die Spur einen Schädel einem Korpus zuzuordnen. Um dem Ganzen die Wagner‘sche Schwere zu nehmen, verteilt er die Geschlechterrollen sehr traditionell: Er, der Chef – Sie die Assistentin. Einige urkomische Situationen entschärfen jedoch die drohenden feministischen Anfeindungen dieser Rollenklischees.

In einem Wald bei Bayreuth wird ein Schädel gefunden. Ein mörderisches Verbrechen muss dahinter stecken. Den Kommissaren und somit auch dem  Leser werden schnell klar, dass es sich einen besonderen Schädel handelt. Haderer und Leschkowski – so die Namen der Ermittler – kommen einer Geheimorganisation auf die Spur. GRAL – die Bedeutung der Abkürzung wechselt des Öfteren im Laufe der Geschichte, um Verwirrung bei den Beamten zu erzwingen.

„Geyers Schädel“ ist die wohltuende Alternative zum Wagnerwahn im Jahr 2013. Keine bloße Faktenaneinanderreihung, die immer neue Erkenntnisse über den „großen deutschen Komponisten“ ans Licht befördert. Vielmehr eine despektierliche Abhandlung über das, was wäre, wenn es so abgespielt hätte. Ein Zeitreise der Ermittler nimmt den Leser mit in Wagners Zeit, von Leipzig über Dresden nach Bayreuth. Kein Skandal, der die Kunstwelt erschüttert, eine amüsante Sichtweise auf das Leben Wagners in der Vergangenheit und seiner Jünger in der Gegenwart. Laut dem Autor kommt der Untertitel Kapitulation, also eine Unterwerfungserklärung, die von caput tollere, das Haupt verlieren, stammt. Laut Lexikon stammt es von capitulare, „in Kapitel einteilen“. Imbsweilers Roman erfüllt beide Erklärungen mit Inhalt: Die einzelnen Kapitel drehen sich nur um eines, ein verlorenes Haupt.

Ein Wenig Geschichts- und Wagnerkenntnisse sind von Vorteil, um den Witz des Romans vollständig zu erkennen. Dann wird „Geyers Schädel“ zu einem umwerfenden, ungewöhnlichen Lesevergnügen.

Abserviert

Abserviert

Joan Medford ist Anfang zwanzig und hat schon die nächste gravierende Wendung in ihrem Leben hinter sich: Der Mann – tot. Nach einem Streit im Suff aus dem Haus gerauscht, und einen geliehenen Wagen gegen die Wand gesetzt. Das Kind – bei der Tante, der Schwester des Verblichenen in guten Händen. Ethel – die Tante des Jungen und Schwägerin von Joan – kann keine Kinder bekommen und ersinnt einen perfiden Plan den Jungen dauerhaft an sich zu binden. Joan hat ihren Sohn Tad zu Ethel gegeben, um ihr Leben ordnen zu können. Sie muss nun allein für alle Kosten aufkommen. Zwei Polizisten geben ihr den Rat als Kellnerin, nicht weit von zuhause weg, zu arbeiten. Nur so kann sie für sich und ihren dreijährigen Sohn das Leben bestreiten. Als Liz, ihre neue Kollegin, die Einundzwanzigjährige betrachtet, weiß sie, dass Joan erflogreich sein wird. James M. Cain beschreibt genüsslich die körperlichen Vorteile seiner Protagonistin und Erzählerin des Buches: Für Joan Medford scheint das Wort „wohlproportioniert“ erfunden worden zu sein.

Earl K. White The Third sieht das nicht minder emotional. Der kranke, schwerreiche Gast kommt nun täglich in die Cocktail-Bar und hinterlässt jedes Mal ein fürstliches Trinkgeld. Joan weiß um ihre Reize und setzt sie geschickt ein. Doch da ist auch noch Tom Barclay. Unwahrscheinlich anziehend für die Witwe, jedoch finanziell bei Weitem nicht so gut ausgestattet wie der ältere Gönner White. Und das erste Zusammentreffen von Tom und Joan ist auch nicht geeignet eine dauerhafte Liaison zu beginnen. Mr. White hingegen macht Joan ein ungewöhnliches Geschenk: 50.000 Dollar. So verschossen er in die Kellnerin ist, so sehr weiß er auch, dass eine Heirat nicht in Frage kommt. Dieser Schritt wäre für ihn tödlich. Nicht im übertragenen Sinne, sondern wortwörtlich.

Nach langem Werben willigt Joan in die Ehe mit Earl K. White ein. Doch schon während der Flitterwochen, die die beiden in London verbringen, bemerkt Joan bekannte Symptome, die ihrem neuen Leben eine erneute Wendung geben könnten.

Dieser Krimi Noir ist eine Offenbarung, weil ein Könner seines Faches (manche nennen ihn den Erfinder des „Krimi Noir“) in sein letztes Werk all seine Kunstfertigkeit gelegt hat. James M. Cain, der Autor unter anderem von „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ und „Mildred Pierce“ steht für Qualität im Regal der Spannungserzeuger. Ein knappes Dutzend Mal wurden seine Werke verfilmt und preisgekrönt.

James M. Cain gibt seinem letzten, lange verschollenen Werk ein wahres Fin noir. Wer das Werk Cains kennt, wird Parallelen zu den verfilmten Vorgänger „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, „Mildred Pierce“ und „Frau ohne Gewissen“ erkennen. Somit ist „Abserviert“ die Essenz von James- M. Cains literarischen Vermächtnisses. Und was für eines!

Möhrenpesto und Maronicreme

Druck

Es ist keine Erfindung der Gegenwart, dass es schnell gehen muss in der Küche. Und schon gar nicht, dass es lecker schmecken muss. Ein Trend – der schon länger anhält – ist allerdings der Gesundheitsaspekt. All das abgepackte Fleisch, das haltbar gemacht werden muss, kann also per se nicht so frisch sein wie es so mancher Aufdruck vorzugaukeln versucht.

Da bleibt oft nur die gute alte Methode à la Oma: Es selber machen. Der Jan Thorbecke Verlag hat in regelmäßiger mindestens einen „Oma-Ratgeber“ auf Lager. Wobei hier das Augenmerk auf althergebrachten – und niemals aus der Mode gekommenen – Methoden der Zubereitung liegt. Dieses Mal stehen vegetarische Brotaufstriche ganz oben auf der Einkaufsliste.

Wer sich einmal die Mühe gemacht hat, und beim Discounter die Zutaten einer Frischkäsecreme durchgelesen hat, ist verblüfft. Alles gesunde Zutaten. Wären da nicht die Zusätze wie „-extrakt“ und „-konzentrat“. Früchte und Obst gibt es nur im Ganzen, nicht extrahiert oder konzentriert.

Susanne Heindl und Sabine Fuchs stoßen die Tür zur gesunden – und ethisch verantwortungsvollen – schnellen Küche weit auf.

Selbst eingefleischten Allesvertilgern wird schon beim Lesen das Wasser im Munde zusammenlaufen, wenn sie die Zutaten lesen. Rosmarin auf dem Steak ist ja schon lecker. Aber auf einem – womöglich dazu noch selbst gebackenen – Brot, das ist noch eine Stufe leckerer. Ein Brennnessel-Frischkäse ruft erst einmal schmerzhafte Kindheitserinnerungen hervor. Aber mit Dill, Petersilie, Schnittlauch, Senf und anderen alltäglichen Zutaten wird daraus Erstens etwas völlig Neues und zweitens ein schmackhafter Aufstrich, den man garantiert bei der nächsten Feier anbieten wird. Schon wegen der staunenden Augen der Gäste.

Überhaupt sind die Zutaten in jedem Supermarkt, meist sogar um die Ecke auf der Wiese, auf dem Feld zu finden. So wird das Nachkochen und Zubereiten nach „Möhrenpesto und Maronicreme“ nicht nur ein Ausflug in vermutlich neue Koch- und Geschmacksgefilde, sondern auch eine die  Haushaltskasse schonende Erfahrung.

Die zahlreichen Fotos von Sabine Fuchs stimmen den Leser und neuen Kochexperten auf die gegenüberliegenden Seiten jeweils eindrucksvoll ein.

Der Bahnwärter

Der Bahnwärter

Nino und Minica beziehen ein Bahnwärterhäuschen – alles scheint so zu verlaufen wie das Paar es sich vorstellt. Die Arbeit ist nicht allzu schwer. Er kümmert sich ums Haus, sie sich um den Garten. Zur Zertreuung geht Nino einmal in der Woche zum Singen in die nahegelegene Stadt. Minica bleibt derweil lieber zuhause.

Der näher rückende Krieg – wir schreiben das Jahr 1942 – durchbricht auch die sizilianische Idylle am Meer. Soldaten beginnen Bunkeranlagen zu bauen. Nächtliches Klopfen beängstigt die junge Frau. Ein kleines Zwischenhoch verflüchtigen die Sorgen. Nino gewinnt ein halbes Jahresgehalt in der Lotterie.

Das Zwischenhoch dauert jedoch nur kurze Zeit. Die Alliierten rüsten sich zum Kampf gegen den Duce. Und so geraten die Schwarzhemden – so wurden die Faschisten in Italien genannt – in Panik. Musizieren wird nur noch unter Auflagen gestattet. Nino und sein Gesangspartner Toto machen aus der Not eine Tugend. Angepasst an die neue Situation singen sie nun die gewünschten Lieder  – allerdings in abgewandelter Form. Ein Fehler, der sie für kurze Zeit ins Gefängnis bringt. Michele wird in dieser Zeit den Job des Bahnwärters übernehmen. Er ist ein strammer, überzeugter Faschist. Und ein gefährlicher Mann.

Das ständige nächtliche Klopfen an der Tür, wenn Nino nicht anwesend war, die Angst etwas Schreckliches geschehen könnte, das alles hat Minica weggesteckt. Doch das Schlimmste kann sie nicht verhindern. Endlich schwanger (Andrea Camilleri beschreibt mit liebevoller Hingabe wie die beiden die Empfängnisschwierigkeiten beseitigen), fällt sie einem perfiden Verbrechen anheim, in dessen Folge ihr gemeinsames Leben komplett umgekrempelt wird. Süß und trotzdem nicht befriedigend fällt die Rache aus. Minica verfällt immer mehr dem Wahnsinn.

„Der Bahnwärter“ ist der zweite Teil der Metamorphosen-Trilogie von Andrea Camilleri. Und wieder verzaubert uns der sizilianische Magier mit seinen Zeilen. Ein Märchen aus Lava und Gischt. Eine Geschichte wie sie nur aus einer Feder stammen kann. Auch wenn die Erzählung sehr handfest ist, so schafft es Andrea Camilleri den Reiz und die Eigenarten der Sizilianer poetisch einzufangen.