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1000 places to see before You die

Im Leben gibt es unzählige Listen, die man erstellt. An die meisten hält man sich, wie den Einkaufszettel. Andere hingegen dienen – so meint man – der eigenen Beruhigung etwas zumindest in Planung zu haben. Meist gehen diese Listen irgendwann den Weg in den Abfall. Und dann wiederum gibt es Listen, die sind so dick, weil gehaltvoll, die werden niemals ihre Anziehungskraft verlieren. Bucketlist nennt man das.

Und so eine liegt in diesem Fall einmal mehr vor. Tausend Orte, die man besuchen muss bevor man es nicht mehr kann. Unmöglich? Schon möglich. Aber genauso möglich ist es tausend Orte zu bereisen. Doch wo anfangen? Hier kommt dieses Monster an Ideen, Ratgebern, Tipps, Tritten in den Allerwertesten ins Spiel. Von nun an gibt es keine Ausreden mehr! Der Anfang ist gemacht. Und der erste Schritt ist bekanntlich der erste von vielen, die noch folgen werden. Und wenn man schon mal angefangen hat…

… dann auf zum Lac d’Annecy oder nach Riga. Am besten mit einem Abstecher zu den Stränden Goas in Indien oder Sanibel und Captiva vor Florida. Oder der größten Sandinsel der Welt, Fraser Island in Australien. Zu ruhig? Dann hilft eine Shopping- oder Sightseeingtour über die quirligen Märkte von Saigon.

Man muss das Buch nur in die Hand nehmen und ein wenig darin blättern. Und schon hat man Reisefieber. Und eine Reisefibel auf dem Schoß. Klar gegliedert nach Kontinenten und Ländern. Ganz Mutige nehmen diesen Schmöker als festen Reiseplan – viel Spaß beim Urlaubsantrag ausfüllen: „Chef ich bin dann mal weg. Wenn ich das Buch abgearbeitet habe, komme ich wieder. Bis in … Jahren!“. Die Vorstellung ist doch schon sehr verlockend.

Ein Sinnes-Overkill ist garantiert. Berge, Täler, Strände, Stadtzentren, Architektur, Naturwunder, über und unter Wasser, Aussichtspunkte, Absteige wie Kletterpartien – wer hier nicht fündig wird, der hat entweder schon alles gesehen (was fast unmöglich scheint) oder will einfach nicht. Man kann dieses – nein, man sollte – dieses Buch als niemals versiegende Inspirationsquelle sich regelmäßig aus dem Regal nehmen. Reisen bildet. Lesen macht Appetit. Bei 1220 Seiten kann man sich niemals satt sehen und inspirieren lassen. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Heute hier, morgen da. Der Sehnsucht einfach mal Futter geben. Sich selbst austesten, was alles möglich sein kann. Schon allein dafür lohnt sich ein Blick in diesen Schmöker.

Miss Muriel

Es sind nur sechs Buchstaben, die die ganze Perfidität wiedergeben, die das Leben der jungen Erzählerin umfasst. Sie ist zwölf. Eine gute Schülerin. Sie hat Freunde. Lebt komfortabel, ihr Vater betreibt mit ihrer Tante zusammen eine Apotheke. Sie sind die einzigen Schwarzen im Ort. Und da beginnt die Perfidität. Als Zwölfjährige versteht sie noch nicht alles. Aber sie sieht mehr als diejenigen, die im Laufe der Jahre gelernt haben (lernen mussten) wegzusehen und zu ertragen, was niemand ertragen muss.

Es sind die kleinen, offensichtlichen, täglichen Rassismen, die das Zusammenleben mit Fiebrigkeit erfüllen. Das merkt man sogar schon im Alter von Zwölf! Denn Muriel ist nicht einfach nur ein Markenname. Für viele ist es Anlass die eigenen „guten Manieren“ Anderen aufzuzwingen. Miss Muriel – so muss es heißen – so viel Zeit muss sein.

Allein schon die titelgebende erste Kurzgeschichte in diesem lässt den Leser erschauern. Offener Rassismus ist manchmal leichter zu ertragen als der Unterschwellige, denn er nistet sich tief unter der Haut ein und verweilt dort ein Leben lang. Ann Petry lässt den häuslichen Kokon der Erzählerin in wohligen Farben erstrahlen. Die kleinen Dellen in dessen Außenhaut sind sichtbar, aber nicht lebensbedrohend. Unmerklich und unaufhörlich jedoch beginnt diese Hülle zu zerreißen. Ein angsteinflößender Prozess, besonders für einen Teenager, der die ersten eigenständigen Schritte macht. Sie beobachtet wie die Liebe in Person des Schusters in ihr Haus einzudringen versucht. Er hat sich in Aunt Sophronia verguckt. Die lässt ihn jedoch abblitzen. Weil er weiß ist? Den Barpianisten Chink lässt sie aber ebenso wenig an und schon gar nicht in ihr Herz. Er ist ein Windhund, der nach der Badesaison wieder von dannen ziehen wird.

Die Parallelen zu Ann Petrys Leben sind offensichtlich. Auch sie wuchs in New England auf. Ihr Papa hatte eine Drogerie, später mehrere Läden. Sie selbst studierte anfangs Pharmazie bevor sie sich dem Schreiben endgültig zuwandte. Auch sie erfuhr Beleidigung und Erniedrigung – wegen ihrer Hautfarbe.

Jede einzelne Geschichte ist ein in sich geschlossener Kosmos, den man in seiner ganzen Vielfalt erkunden darf. Ganz unaufgeregt begegnet man ganz normalen Menschen in ganz normalen Situationen, die erst nach und nach aus ihrer Normalität herauskommen und hinauskatapultiert werden. Sie auf ihrer Umlaufbahn zu begleiten ist ein Privileg, das man mit Entsetzen verfolgt und mit einem Lächeln der Dankbarkeit ins herz schließt.

Ladies‘ Lunch

Ruth, Bridget, Farah, Lotte und Bessie sind wie die funkelnden Diamanten, die ihre Finger zieren müssten. Sie alle haben einiges erlebt. Vertreibung, Verlust, Verheißung, aber auch das hohe Lied auf das Leben gesungen und selbiges genießen können. Und sie haben Lebenserfahrung. Wenn sie sich einmal im Monat zum Lunch treffen, sitzt da ein knappes halbes Jahrtausend an Lebenserfahrung am Tisch. Nicht immer sind sie zu fünft. Aber immer gibt es etwas zu bequatschen, zu tratschen – in der Regel folgen sie einem Thema. Ja, die fünf rüstigen Damen geben sich immer ein Thema vor, treffen sich bei einer der Damen und erzählen. Ganz ohne Hektik, ohne übertriebene Hast, voller Freude sich zu sehen. Die grauen Zellen funktionieren bestens.

Es sind Kurzgeschichten, die Lore Segal in „Ladies’ lunch“ (hier muss der Apostroph stehen!) so geistreich zu Papier gebracht hat. Sie ist eine Meisterin darin, das Offensichtliche so knapp wie möglich zu halten, das Interessante hervorzuheben und das Unwesentliche mit unsichtbaren Buchstaben im Raum verschwinden zu lassen. Das Quintett ist weit entfernt von einer Clique garstiger Alter, die nur die Vergangenheit glorifizieren.

Sie sind sich bewusst, dass jedes Zusammensein ein besonderer Anlass ist. Sie hatten und haben immer noch ihre Problemchen, untereinander, mit der Welt, mit der Pflegekraft … mit allem, was das Leben bereithält. Doch ihr loser Zusammenhalt ist der stärkste Kitt der Welt! Nichts und niemand kann sie trennen. Sie reden offen und ehrlich miteinander. Ihr Humor ist grenzenlos und einzigartig.

Kurzgeschichten zu schreiben ist eine Kunst. Exzellente Kurzgeschichten zu schreiben, ist ein Glücksgriff. Lore Segal – selbst im magischen Alter ihrer Protagonistinnen – ist der Glückspilz, der die Kunst der Kurzgeschichten zur Perfektion erhebt. Hier passieren keine sonderbaren Dinge, die im Film mit allerlei Effekten in Szene gesetzt werden. So wunderbar (oh je, Lore Segal mag dieses Wort nicht!) normal gleiten die Worte über die Augen zum Herzen des Lesers. Kleine Weisheiten, kuriose Abenteuer, liebevolle Erinnerungen – das sind die Zutaten dieser Geschichtensammlung. Vielleicht kennt der Eine oder Andere Damen mit ähnlich bewegter Geschichte und ihre Geschichten, aber sie werden niemals so eindrucksvoll in Szene gesetzt wie beim „Ladies’ lunch“!

O Du Schreckliche

Weihnachten kann manchmal ganz schön … stressig, hektisch und in bestimmten Fällen sogar … schrecklich werden. Wie zum Beispiel in Grittibach. In der kleinen Gemeinde steht man seit Jahren mit einem ernsthaften Wettstreit mit Müntschisberg: Wer hat den größten? Wer hat den schönsten? Äh, Weihnachtsbaum, natürlich. Und überhaupt versucht man sich in allem und überall zu übertreffen. Sei es nur um besser zu sein oder weil es schon immer so war. In Müntschisberg hat man dieses Jahr – unfreiwillig, überraschend und unverhofft – einen gewaltigen Vorteil. Und es schneit auch noch! Krimifans wissen mit diesen spärlichen Hinweisen sicherlich etwas anzufangen…

Seemann Kuddel Daddeldu – genau der … Joachim Ringelnatz’ grandiose Erfindung – hat’s nicht so mit der weihnachtstypischen Besinnlichkeit. Wenn er davon spricht, dass der Baum brennt, dann brennt der wirklich. Aber das lässt sich im Rausch durchaus ertragen.

Axel Hacke weiß so manch Untypisches (oder doch typisch Weihnachtliches?!) zu berichten. Der Thrill des Weihnachtsbaumkaufes (der Zeitpunkt ist entscheidend und für manches der einzige Berührungspunkt mit Wissenschaft) ruft in ihm Erinnerungen an Thomas Mann und Helmut Qualtinger hervor. Auch die hatten so ihre Problemchen mit deM Bäumchen. Mann sogar mit deN Bäumchen. Und Qualtinger … na ja, a Watschn tut’s auch.

Daniel Glattauer sieht die Weihnachtszeit ebenso pragmatisch. Wenn schon streiten, dann jetzt! Und vollem Umfang und ohne Gnade. Denn die kommt ohnehin und mit unumstößlicher Sicherheit.

Ein köstlicher Knabberspaß mit Spekulatius, Weihnachtsteemischung, stimmungsvollem Licht oder einfach nur am liebsten Leseort. Im Kanon der schauerlichen, untypischen, grausamen, besonderen Weihnachtsgeschichten nimmt „O du schreckliche“ einen Spitzenplatz ein. Von Martin Suter, Ludwig Thoma, T. C. Boyle bis zu Axel Hacke, Hans Fallada und John Updike wird der Weihnachtszeit nicht der unnachahmliche Charme genommen. Vielmehr wird ihr ein Hauch von ungewollter Unplanbarkeit hinzugefügt. Und für all diejenigen, denen so viel Ungemach im eigenen Leben so manchen Herzschmerz zufügen würde, bleibt die Gewissheit, dass das alles nur erfunden ist und zum Glück nur Anderen passiert ist.

Auschwitz Häftling Nr. 2

Im Zuge der mittlerweile über Hand nehmenden True-Crime-Welle passiert es immer wieder, dass man für den einen oder anderen Verbrecher eine gewisse Art Sympathie entwickelt. So wie in den späten Achtzigern/Beginn der Neunziger der Kaufhaus-Erpresser Dagobert zum kleinen Helden aufstieg, der die Polizei ums andere mal foppte. Ein zweifelhafter Ruhm.

Im Falle des Berufsverbrechers (den Titel bekam er in den 30er Jahren, also Achtung! nazideutsch) Otto Küsel ist die Wandlung zum Helden allerdings nachvollziehbar. Drei Jahre saß er bereits im Konzentrationslager Sachsenhausen ein als er im mai 1940 nach Auschwitz deportiert wurde. Mit einem grünen Dreieck gekennzeichnet, das ihn als Berufsverbrecher kennzeichnete. Er war die Nummer Zwei. Was nicht auf seine Stellung hinwies, sondern lediglich die Reihenfolge der Erfassung betitelt. Er war ein so genannter Kapo. Er teilte Gefangene zum „Dienst“ ein. Er entschied, wer welche Arbeiten zu verrichten hatte. Gefangene, die über Gefangene entscheiden, wer zur Arbeit noch taugt und wer … naja, man weiß um die „Alternative“…

Doch Otto Küsel war schon immer ein widerspenstiger Zeitgenosse. Politik interessierte ihn nicht besonders. Der eigene Vorteil war ihm näher. Das und die realistische Einschätzung der allgemeinen Lage war für viele seiner Mithäftlinge ein Segen. Denn Otto Küsel durfte entscheiden, wer arbeitet, und wer davon verschont wurde. Ja, verschont, denn Arbeit in Auschwitz waren mit Qualen, Pein, Prügel und dem sicheren Tod durch ein weithin sichtbares Band verbunden.

Otto Küsel gelang so gar die Flucht aus dem Massenvernichtungslager. Durch Verrat kamen ihm die Häscher jedoch wieder auf die Spur und abermals lautete die Adresse Auschwitz. Block Elf. Der berüchtigte Todesblock. Durch Amnestie des neuen Lagerleiters entging er dem sicheren Tod. Letzte Station seiner körperlichen Leidensgeschichte war Flossenbürg in der Oberpfalz. Auf dem Todesmarsch kamen die Alliierten noch rechtzeitig, um ihn vor dem geplanten Tod zu retten. Er blieb in der Gegend, nach heimatliche Berlin hatte für ihn jeglichen Reiz verloren, heiratete und gründete eine Familie. Mit denjenigen, die ihm ihr Leben verdankten, stand er bis ins hohe Alter in Kontakt. Er wurde von ihnen nicht vergessen. Dennoch ist seine Geschichte in Deutschland kaum bis gar nicht bekannt.

Sebastian Christ folgte jahrelang den Spuren des hierzulande unbekannten Helden von Auschwitz. Diese Biographie ist ein Mahnmal gegen das Vergessen. Immer wieder wurde angeregt sein Leben und das von vielen Anderen nicht auf dem noch zu erledigenden Aktenberg abzulegen. Der ehemalige polnische Außenminister Władysław Bartoszewski erwähnte ihn in seinen Erinnerungen an seine Zeit in Auschwitz. Von deutscher Seite kam nichts. Nur wer intensiv recherchiert, stößt irgendwann unweigerlich auf seinen Namen. Ab sofort ist Otto Küsel nicht mehr nur Auschwitz Häftling Nr. 2!

Sonny Boy

Seit über einem halben Jahrhundert rätselt die Filmwelt wer, wenn nicht dieser eine Al Pacino könnte diese Rolle sonst noch formatfüllend spielen. Und seitdem lautet die Antwort: Niemand!

Kaum vorzustellen, dass dieser Leinwandgigant einmal die Hosen voll hatte und daran zweifelte, dass der eingeschlagene Weg Schauspieler zu werden eine Sackgasse sei. Marlon Brando, James Dean und Montgomery Clift – deren Talent konnte er einordnen. Aber als Dustin Hofmann in „Die Reifeprüfung“ ins Kino kam, war der junge Al Pacino eingeschüchtert. Zu diesem Zeitpunkt ist die Revolution in Hollywood im vollen Gange. Der Umbruch ist state of the art. Und Al Pacino aus der South Bronx, den seine Mutter von im Alter von drei Jahren mit ins Kino nahm, quält sich durch den Schauspielunterricht. Sein Lehrer ist schockiert wegen seiner Darstellungen im Unterricht. Kommilitonen sind begeistert. Wem soll er mehr Beachtung schenken?

Die Geschichte lehrt den Zuschauer, Regisseure und Produzenten, dass das Gelernte nur einen Teil des Schauspielers ausmacht. Als Schauspieler muss man selbst seinen Weg finden. Und sich finden lassen. Wer die Probeaufnahmen zu „Der Pate“ mit Diane Keaton gesehen hat, ist verblüfft. Dieses Milchgesicht soll einmal der rigoroseste Gangster der Filmgeschichte werden? Ja! Und niemand sonst hätte es so darstellen können.

Kurze Zeit später ist dieses Milchgesicht ein desillusionierter Cop mit Rauschebart, der der Korruption in den eigenen Reihen bedingungslos den Kampf ansagt. Dann ist er ein Bankräuber, der seinem Freund mit der erhofften Beute eine Geschlechtsumwandlung bezahlen will. Alles von nur einem Menschen verkörpert. Und wiederum die niederschmetternde Erkenntnis: Das kann nur einer spielen – Al Pacino!

Den Namen Sonny Boy bekam der kleine Al von seiner Mutter. Angelehnt an einen Schlager der Zeit. „Sonny Boy“ ist (s)eine Reminiszenz an (s)ein Leben, dass mit stotterndem Motor begann, doch mit Rasanz eine Fortsetzung fand, die niemand erahnen konnte. Er setzte sich gegen scheinbar unbesiegbare Heroen der Leinwand durch, stieg binnen weniger Jahre zu einem gottgleichen Titanen auf und verschwand immer wieder mal gern in der Versenkung, um seine eigenen Projekte in die Tat umzusetzen.

Ohne großartig Schlaglichter zu setzen blickt in diesem Buch ein Mann auf sein Leben zurück, dass einzigartig ist. Ruhig und besonnen, mit der Milde und der Weisheit des Alters, reist Al Pacino mit dem Leser durch mehr als ein halbes Jahrhundert Lebens- und Filmgeschichte. Anekdotenreich und mit dem Willen alles zu erzählen. Für Fans das lang ersehnte Glück, für Biographieleser eine Offenbarung.

Bitteres Blau – Neapel und seine Gesichter

Neapel sehen und … immer wieder zurückkommen, sich neu verlieben, das Kribbeln spüren. Maike Albath macht noch viel mehr. Sie saugt die Stadt auf, sie läuft sich von ihr aufsaugen. Sie trifft die, die schon lange nicht mehr da sind und die, die niemals von hier weggehen werden. Sie sieht Angst, aber auch die Hoffnung. Hoffnung worauf? Dass das Image der Stadt einmal ein anderes sein wird? Niemals! Der Charme der Stadt – ein von Teufeln bewohntes Paradies, wie Benedetto Croce sagte – baut auf den Anachronismus von Gut und Böse, von rau und sanft, von Verkommenheit und unendlicher Schönheit.

Wer einmal im Dezember-Nieselregen durch dunkle, enge Straßen ging, erlebt eine rohe Schönheit. Funktionalität stellen die Napoletaner selbst her. Und wenn man dann am Abend auf dem Bett liegt und den Tag Revue passieren lässt, wird einem bewusst, dass das Image der gefährlichen Stadt eben zu einem großen Teil ein Image ist. Ein Postkartenmotiv mit shabby chic. Und mit einer Seele, die keine Ruhe kennt.

Im Quartieri spagnoli ist der Fußball zuhause. Alle paar Ecken werden die Reviere mit Graffiti markiert. Jede Fanvereinigung (und es sind mehr als nu Fans vom SSC Napoli) schaut in seinem Abschnitt nach dem Rechten. Neuankömmlinge werden beobacht, gemustert und eingeschätzt. Nach ein paar Sichtungen weiß man hier aber auch Bescheid, wer wo und vielleicht auch wie lange in der Stadt weilen wird. Unangenehm ist es nur für denjenigen, der vor allem Fremden Angst hat. Alle Anderen werden willkommen geheißen.

Maike Albath schreitet über schwülstige Treppenaufgänge aber auch auf dem unebenen Pflaster der Stadt. Stimmengewirr versiegt nur bei Fußballspielen. Während der WM 2022 war es selbst am Markt an der Muro Maradona – einem Freiluftgelände, auf dem nur mit Devotionalien von Diego Armando Maradona gehandelt wird – muxmäuschenstill. Doch sofort nach Abpfiff kehrte das gewohnte Leben wieder zurück. Binnen Sekunden heulten Mopedmotoren, sprachen alle durcheinander, wurde jeder Spielzug noch einmal durchexerziert, war Napoli wieder Napoli. Der scudetto, die italienische Meisterschaft vom SSC wurde tagelang gefeiert. Kleinere und größere Betriebe waren tagelang geschlossen.

Mit Maike Albath eine italienische Stadt zu erkunden (sie war schon Reisebegleiterin in Rom, Turin und Palermo – ist eine Offenbarung. Durch Gassen, über Plätze, in Bars, auf offener Straße spricht sie mit Menschen, die Napoli ein Gesicht geben. Teuflisch gut – himmlisch verführerisch.

Wien und der Tod

Die lebenswerteste Stadt der Welt und der Tod – wie geht das zusammen? Bedingt das Eine das Andere? So hoch sollte man den Zusammenhang nun doch nicht hängen. Ja, Wien darf sich seit Jahren als die Stadt mit der höchsten Lebensqualität bezeichnen. Das liegt an dem offensichtlichen, stets verfügbaren kulturellen Angebot. Und dazu gehört nun mal in der Donaumetropole auch der Tod. Spätestens, wenn man nach Simmering fährt: Zum Zentralfriedhof. Letzte Ruhestätte für so manchen Promi, für die Lebenden ist der (uneingeschränkte) Zugang verboten. Ein Paradies zum Schlendern. Das haben wir es wieder: Das Jenseits gehört dann doch irgendwie zur Stadt dazu.

Peter Ahorner nimmt dem leidigen Thema Tod die Schwere in seinem kleinen schwarzen Büchlein. Anekdoten pflastern des Lesers Weg in die ewige Sehnsucht nach … Wien. Kein Angst, hier wird niemand vorzeitig „vom Banernen“ geholt. „A eckn muss ma a net mochn“. Und schon gar nicht !“a bankl reißen“. Diese Synonyme voller Poesie sind nur ein kleiner Spiegel des Umgangs der Wiener mit dem Tod.

Und heimtückisch ist dieses Büchlein auch nicht. Man weiß worum es geht, wird trotzdem überrascht, was man alles über den Tod in Wien herausfinden kann. Die Habsburger ließen sich gern mehrmals beerdigen. Nicht, um den Hinterbliebenen endlose Feierlichkeiten zu bescheren. Nein, ihre Körperteile wurden an verschiedenen Orten begraben, ausgestellt, verwahrt. Echter Besitzanspruch.

Wer Wien tiefergehend kennenlernen will, muss öfter mal Treppen hinabsteigen. Von der Kapuzinergruft bis hin zum Zentralen zu ebener Erde, breitet sich der Weg in die Ewigkeit vor dem Interessierten aus. So mancher lässt beim Kontemplativrundgang im Ohr Wolfgang Ambros erklingen („Es lebe der Zentralfriedhof“) – wer Lokalkolorit braucht, blättert in diesem Büchlein. Doch Vorsicht! An mancher Stelle kann man sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen.

Klein – schwarz – morbide – unterhaltsam: Die heilige Vierfaltigkeit des Todes in Wien trägt schwarz und hat ein Lesebändchen. Passt in jedes Reisegepäck und sorgt für vergnügliche wie informative Augenblicke. Kurz und knapp – so soll es sein. Das letzte Kapitel zum Thema ist mit diesem Buch geschrieben.

Baskenland

Der Name Baskenland ist nun wirklich keine unbekannte Region – dem Namen nach. Aber mal ehrlich, wer kann außer San Sebastián und Bilbao noch weitere Städte und Regionen aufzählen?! Und dass sich das Baskenland bis nach Frankreich ist auch nicht jedem bekannt. Bis vor ein paar Jahrzehnten war es die Region mit Terroranschlägen der ETA. Da fuhr man nicht hin. Und man verpasste damals schon eine Menge.

Eine Rundreise durch das Baskenland ist so vielfältig, dass man diesen Trip als kleine Weltreise bezeichnen könnte. Die Frage nach „Meer oder Berge?“ stellt sich hier nicht. Denn es gibt – und hier geht – beides. Pyrenäen und Atlantik küssen sich hier auf besondere Weise.

Jens Wiegand führt in seinem Baskenland-Reisebuch den Leser durch eine Region, die mit ihren Reizen verführt. Ob nun das besucheranziehende Spektakel des Stierrennens in Pamplona – ja, Pamplona liegt im Baskenland – oder kulinarische Eroberungen in San Sebastián oder das Guggenheim-Museum in Bilbao, das Baskenland besitzt nicht nur auf den ersten Blick eine ungeheure Anziehungskraft.

Doch es sind nicht nur die offensichtlichen Highlights, die echte Magnete sind. Man muss sie ab jetzt nicht einmal mehr suchen, sie sind alle (!) in diesem Buch beschrieben. Aufschlagen, lesen, reisen! So und nicht anders wird es in Zukunft ablaufen, wenn im Familienkreis der nächste Urlaub besprochen wird.

Normalerweise sind Hauptstädte immer die ersten Anlaufpunkte für Fremde. Im Baskenland ist das nicht nur ein bisschen anders. Erstens: Wer kennt die Hauptstadt des Baskenlandes? Es ist Victoria-Gasteiz. Mh. Und liegt in der Region Araba. Mh. Nie gehört? Ist nicht schlimm. Von allen Regionen des Baskenlandes ist Araba diejenige mit den wenigsten Besuchern. Wer also Ruhe sucht, sich ursprüngliche Landschaften auf eigene Faust erkunden will – der ist hier richtig! Und wird aufs Vorzüglichste verwöhnt. Zum Beispiel mit einem hier angebauten Rioja. Auch der ist ein baskisches Produkt!

Apropos Produkt. Baskenmützen. Kennt jeder, steht nicht jedem. Aber wer sich eine Baskenmütze zulegen möchte, der sollte nach Txapela fragen. So heißt das weltweit bekannte Accessoire. Und Manufakturen gibt es in vielen Orten auf dem Weg. Ebenso wird man immer wieder auf Sportarten treffen, die hier noch vielerorts betrieben werden, außerhalb des Baskenlandes aber kaum Zuschauer anziehen. Pilota ist sicherlich die bekannteste Sportart. Mit einem aus Stroh geflochtenen bananenartigen Handschuhe wird eine Hartgummikugel über ein Spielfeld geschleudert. Mit irrsinniger Geschwindigkeit. Das gegnerische Team muss den zurückprallenden Ball fangen und darf nun selbst die Kugel mit Caracho dem Gegner zurückspielen. Wird auch in Florida gespielt, aber die traditionelle Variante stammt von hier. Und hier wird sie auch in ihrer ursprünglichen Form fast schon zelebriert.

Tradition und Moderne, Meer und Berge, versteckte Landschaften und überlaufene Großstädte mit immensem kulturellen Angebot – das ist das Baskenland. Wer es bereist, kommt an diesem Reiseband nicht vorbei!

San Sebastián & Bilbao

Als Zwillingsstädte kann man diese beiden nun wirklich nicht bezeichnen. Aber sie sind wahrscheinlich für die meisten der Grund in den Norden Spaniens zu reisen. Bilbao, die einstige Industriemetropole, die noch vor wenigen Jahrzehnten ein grauer Fleck inmitten grüner Landschaft war. Und San Sebastián die elegante Stadt am Meer, die Feinschmecker das Herz höher schlagen lässt.

Während Bilbao durch den Billigflieger-Boom der Vergangenheit an den Rand der Belastbarkeit getrieben wurde, hat sich San Sebastián, oder Donostia auf Baskisch, einen Hauch Exklusivität erhalten können. Zum ersten Mal sind diese beiden Städte in einem Reiseband vereint, der sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die deutlichen Unterschiede herausarbeitet. Für diejenigen, die sich nicht entscheiden können, keine Hilfe – denn beide Städte muss man besuchen. Ob nun auf einer Reise nacheinander oder mit zeitlichem Abstand – auch diese Entscheidung kann dieser Reiseband nicht abnehmen. Aber ansonsten wird hier jede noch offene Frage ausführlich und umfassend beantwortet. Selbst die Fragen, die man sich niemals gestellt hat…

Beide Städte sind Großstädte, die ihre Größe zu verstecken wissen indem sie kleine lauschige Plätze für den Besucher parat halten, die die Einzigartigkeit unterstreichen. Man muss nur wissen, wo man sie findet. Da greift Autorin Petra Sparrer energisch ein. Ohne die Exklusivität in Frage zu stellen, leitet sie den Leser und Besucher durch die Pracht der beiden Städte. Und wem das noch nicht reicht, den nimmt sie an die Hand, um mit ihm die Umgebung zu erkunden.

San Sebastián ist über alle Grenzen hinweg als Feinschmecker-Hochburg bekannt. Drei-Sterne-Restaurants en masse und Kochclubs, die mittlerweile auch Frauen aufnehmen, sind eine Offenbarung. Mancherorts ist man als Gast gern eingeladen mitzukochen, mitzuschwatzen und mitzuessen.

Bilbaos Herz schlägt am Guggenheim-Museum. Der imposante Bau von Frank O. Gehry lässt so manchen Kopf in Schräglage halten. Doch die Stadt besteht nicht nur aus silberner zeitloser Architektur. Wer durch die Altstadt schlendert, wird überwältigt von der Üppigkeit der Arkaden und Gassen. Dabei überseiht man gern mal etwas. Wäre doch schlimm, wenn man ausgerechnet den Nikolaus nur um ein paar Straßenecken verpasst, oder?!

Ob nun im Doppelpack oder als Einzelreise – beide Städte bringen jeden Besucher zum Träumen und Schwelgen. Es war an der Zeit diesen Ikonen in Spaniens Norden einen Reiseband zu widmen, der nun wirklich keine Frage unbeantwortet lässt.