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Košice – Eine kleine Stadtgeschichte

Kosice

Einmal der Mittelpunkt der Welt sein! So oder so ähnlich fühlten sich die Organisatoren, als bekannt gegeben wurde, dass Košice im Jahr 2013 (zusammen mit Marseille) sich als Kulturhauptstadt Europas präsentieren darf.

Košice? Wo ist das denn? Viele Fragezeichen über den Köpfen von Millionen Touristen überall auf der Welt.

Košice ist die zweitgrößte Stadt der Slowakei. Und sie existiert bereits seit dem ersten Jahrtausend. Zu erstem Ruhm gelangte die Stadt 1312 als Karl I. Robert ein ungarisches Heer vor den Toren der Stadt besiegte. Im Laufe der Zeit hinterließen immer wieder neue Herrscher ihre Spuren: Ungarn, Deutsche, Juden, Ruthenen und Roma. Die ostslowakische Stadt ging mit den Hinterlassenschaften sorgsam um, und so kam es, dass im 20. Jahr der Unabhängigkeit die Slowakei und somit Košice den Zuschlag bekam sich Kulturhauptstadt Europas nennen zu dürfen.

Der verheerende Stadtbrand von 1556, der große Teile der Elisabethkirche, Klöster und Türme in seinen Flammen verschlang, wurde durch umfangreiche Wiederaufbaumaßnahmen bald vergessen gemacht. Heute erstrahlt die historische Altstadt im alten Glanz und verzaubert Gäste aus aller Herren Länder. Wenn man so durch die Stadt schlendert, vorbei an den erhabenen Bauten links und rechts des Weges, erkennt man die Parallelen zu Metropolen wie Wien und Budapest. Dies ist der Hinwendung zu den großen Habsburger Städten zu verdanken.

Auch wenn Košice nicht dem Ruf Wiens oder Budapests nachhängt, so muss sie sich nicht hinter den großen Siedlungen an der Donau verstecken.

Nach 1945 wuchs Košice zu einer Industriestadt mit intellektuellem Charme heran. Hochschulen entstanden, die Künste wurden gefördert. 1966 wurde der urbanturm durch einen Brand arg in Mitleidenschaft gezogen. In den Folgejahren wurde er wieder aufgebaut. In dieser Zeit verdoppelte sich auch die Einwohnerzahl. Das zweitgrößte Wohnungsbauprogramm – nach Prag – beschied Košice einen Bauboom enormen Ausmaßes.

Ein Besuch der Stadt lohnt sich nicht nur, weil hier gerade an allen Ecken und Enden Kunst verschiedenster Couleur geboten wird, sondern auch weil die Slowakei im Euro-Raum ein Mauerblümchendasein fristet. Entdecker werden – auch und gerade mit diesem Buch im Gepäck – ein frisches, aufstrebendes Land und eine quicklebendige Stadt vorfinden, die darauf wartet erkundet zu werden.

Kleine Geschichte Stockholms

Kleine Geschichte Stockholms

Unter den Hauptstädten Europas gehört Schwedens Kapitale nicht zu den Städten, die man sofort mit einer speziellen Sehenswürdigkeit in Verbindung bringt. Kein Tower, kein Eiffelturm, kein Colosseum, keine unvollendete Kirche oder eine besondere Ausgrabungsstätte. Stockholm ist einfach nur Stockholm. Zeit, um sich genauer mit der Geschichte dieser Stadt zu beschäftigen, die – wenn man den Fernsehbildern und Klatschpostillen glauben darf – nur aus dem Königspalast und ein paar Schären besteht.

Seit mehr als 750 Jahren dürfen sich Schweden Stockholmer nennen. Ein idealer Handels- und Verteidigungsplatz war der Fleck, den wir heute als Stockholm kennen. Der Name Stockholm lässt sich auf die Begriffe Stock für Pfahl oder Stamm und Holm für kleine Insel zurückführen. Wie Venedig und Amsterdam wurde die Stadt auf Pfählen errichtet.

Autorin Ingrid Bohn weiß so manche Anekdote aus den Archiven zu erzählen. Zum Beispiel die Geschichte, warum die Stadt in einem strahlenden Gelb erscheint. Das kommt von … das muss man schon selber nachlesen. Denn dieser Ausflug in die Geschichte macht Spaß. Kein Lehrer, der mit erhobenem Finger Aufmerksamkeit einfordert. Hier sitzen die Schüler / Leser brav und still da und lauschen den Ausführungen. Wer Stockholm mehr als nur ein Wochenendausflugsziel anerkennt, und mehr als nur die Touri-Tour machen will, kommt an diesem knackig geschriebenen Band nicht vorbei. So manche, was links und rechts des Wegesrandes steht, bekommt eine neue Bedeutung. Fassaden lösen sich aus ihrer Starre und werden lebendige Figuren im Spiel der Jahrhunderte. So macht Geschichte Spaß.

Und heute? Trendhauptstadt Europas in Sachen Mode – wird sie von Modeexperten genannt. Ausgedehnte Spaziergänge durch die Stadt auf vierzehn Inseln versprechen Abwechslung und entspannte Atmosphäre. Die Geschichte ist präsent, aber nicht aufdringlich. Jetzt, da der Leser mehr über diese außergewöhnliche Stadt weiß, gibt es keine Alternativen mehr: Koffer packen und die gelesene Geschichte erleben und aufsaugen!

Römische Villen und Paläste

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Einmal die eigenen Erlebnisse für alle Ewigkeit bewahren können. Einmal echten Profis über die Schulter schauen. Einmal nur. Massimo Listri lässt sich über die Schulter schauen. Bei seinen Streifzügen durch Rom. Seine Besuche in den Villen und Palästen der Ewigen Stadt sind ein Hingucker. Nein, sie sind mehr. Sie sind die Abziehbilder unserer Phantasie. So stellen wir uns Rom vor. Weitläufige Gartenanlagen. Elegant geschwungene Aufgänge. Protzige Fassaden. Rom ist voll von solchen Gebäuden. Und sie sind exzellent erhalten. Nur nicht für jeden besuchbar.

Und da kommt der Fotograf Massimo Listri ins Spiel. Denn er darf. Er darf ins Innere der einstigen Macht- und Prachtbauten. Mit dem Auge fürs Detail führt er den jungfräulichen Leser gewandt durch gestandenes Mobiliar. Hier wurden die Geschicke ganzer Generationen bestimmt und gelenkt.

Das Titelbild zeigt den Ausblick in den Garten der Villa Medici. Ein weißer Prunkbau mit reich verzierter Fassade, die dem Besucher eine ordentliche Maulsperre verpasst. Zwei Löwen bewachen lebensecht den Zugang zur Villa. Verspielt hält einer der beiden eine Kugel in der Pranke. Die Anspielung auf das Machtstreben der toskanischen Familie, die im Mittelalter ganz Europa, inkl. Papsttum in den monetären Klauen hielt. Überladene Deckenmalereien lassen den Rundgang kurz stocken. Wie eine Erzählung aus vergangenen Zeiten schweben Engel und leichtbekleidete Grazien über dem Betrachter. Im Garten tummeln sich Statuen, Brunnen sind mehr als nur Wasserspender.

Doch „Römische Villen und Paläste“ ist mehr als „nur“ ein Bildband. Die ausführlichen und kenntnisreichen Texte von Carlo Cresti und Claudio Rendina erläutern jedes noch so kleine Detail. Sie sind die wahren Helden dieses Buches. Sachlich und darauf bedacht nicht auszulassen, geben sie den Blick frei, den Massimo Listri mit seiner Linse so gefühlvoll freigeschaufelt hat. Ihre Texte verleihen dem überirdischen Bildband die Bodenhaftung.

Ein Buch für Frühaufsteher, denn daran satt sehen, kann man sich nicht in ein paar Minuten. Ein Buch für Rom-Enthusiasten, denn so haben Sie Rom noch nie gesehen. Ein Buch für Ästheten, denn noch nie wurde ein Großstadt so grazil dargestellt.

Tango fatal

Tango fatal

Wenn man sich die vergangenen Jahre betrachtet, ragen Menschen aus einem Land besonders hervor: Argentinien. Alles überragende Fußballer wie Diego Armando Maradona und Lionel Messi. Ein Papst. Und seit neuestem Königin Máxima, Prinzessin der Niederlande. Des Weiteren bringt man Argentinien, und zwar nur Argentinien, mit einem weiteren kulturellen Erbe in Verbindung: Dem Tango. Zwar wurde auch Uruguay durch die UNESCO zum Erhalt des Tanzes „verdonnert“, doch ist nur die Region vom südlichen Ufer des Rio de la Plata bis nach Feuerland dafür berühmt.

Viele Sagen und Mythen ranken sich um den leidenschaftlichen Tanz. Ein getanzter trauriger Gedanke sei er. Oder eine Sucht. Oder ein Bordellreptil. Vieles mag stimmen, doch der Gedanke, dass der Tango ein getanztes Leben sei, verleiht dem Ran-tan-tan-tan die bedeutungsvolle Schwere.

Mauri Antero Numminen, der finnische Avantgard-Musiker bringt es in seiner Geschichte auf den Punkt. Ja, ein Finne bildet den Auftakt zu einem zutiefst lateinamerikanischen Buch. Denn der finnische Tango ist eine eigenständige Musikrichtung. Für Faktensammler lohnt sich der Erwerb dieses Büchleins schon allein deshalb.

Auszüge aus Henning Mankells „Die Rückkehr des Tanzlehrers“ und aus Jorge Luis Borges‘ Werk sowie ein „Vollständig unvollständiges Alphabet des Tangos“ von Jörg Krummenacher und zahlreiche kleine Anekdoten aus allen Ecken und Winkeln der Welt komplettieren dieses richtungsweisende Werk in Sachen Auszüge aus großen Werken zu einem Thema. Normalerweise sind Bücher wie diese reine Werbemaschinen, um Werke aus dem eigenen Verlag unters Volk zu bringen. „Tango fatal“ ist nur einem Ziel verpflichtet: Den Tango in die Bücherregale zu tragen.

Ein stringenter Rhythmus, melodisch, ja fast schon tragisch, durch ein Bandoneon in eine tanzbare Form gebracht – das ist Tango. Zumindest fürs Ohr. Doch Tango geht tiefer. Durch das Ohr ins Hirn, und von da direkt ins Herz, das die Impulse unweigerlich in die müden Knochen weiterleitet. Ein leichter Tonus durch zuckt erst die Arme, Hände und Finger. Dann können sich auch die anderen Extremitäten nicht länger zur Wehr setzen. Der ganze Körper taucht ein in das Feuer des Tangos.

Die Autoren verzichten weitesgehend auf die stereotypen sexuellen Verdächtigungen, die mit dem Tanz einhergehen. Vielmehr berichten sie von der Unmöglichkeit Tango in Berlin zu tanzen oder von der guten alten Zeit eines Carlos Gardel, dem größten Tango-Interpreten. Wer Tango liebt, dessen Liebe wird hier Seite für Seite, immer wieder und wieder neue befeuert. Die einzig zulässige Bücherverbrennung der Gegenwart!

Kleine Geschichte Istanbuls

Kleine Geschichte Istanbuls

Eine Stadt in Worte zu fassen, ihrem Lebenslauf darzulegen, ist eine schwierige Angelegenheit. Besonders, wenn sie seit über 2.000 Jahren existiert und ein so wechselvolle Geschichte wie Istanbul vorzuweisen hat. Brigitte Moser und Michael W. Weithmann haben sich der Mammutaufgabe gestellt und haben einen idealen Begleitband einer jeden Istanbulreise erschaffen.

Jeder kennt die Wahrzeichen der Stadt am Bosporus: Hagia Sophia, Blaue Moschee, die Bosporus-Brücke. Doch die Geschichten, die dahinterstehen, kommen oft zu kurz. Dabei sind sie erzählenswert. Auf den reichlich 180 Seiten erfährt der Leser schon vor der Abfahrt mehr über Istanbul als wenn er pauschal die Stadt erkunden will. Ein Flug nach Istanbul dauert mit Check-In und allem Drumherum ca. vier bis fünf Stunden. Stunden, in denen die Neugier auf den Zusammenprall von Orient und Okzident kaum noch auszuhalten ist. Hier eine Kontrolle, da eine Passage. Die Zeit sinnvoll zu nutzen, fällt wegen der Anspannung schwer. Mit diesem Buch im Handgepäck – Bücher sind allen Restriktionen nach 9-11 zum Trotz immer noch erlaubt – wird die unerträgliche Wartezeit zum Ausflug in eine andere Welt. Vor Ort kommt dem Reisenden der erweiterte Wissensschatz ab dem Flughafen zugute.

Selbst wer Istanbul nach eigenem Bekunden schon in- und auswendig kennt, wird hier noch die eine oder andere Anekdote herausfiltern können. Auf einzelne Geschehnisse einzugehen, würde an dieser Stelle zu weit führen. Zum umfangreiche ist das dargebotene Wissen.

Eine Stadt, die sich Zeit ihres Lebens Angriffen erwehren musste, und dies öfter als andere auch erfolgreich tat, lebt vom Mythos ihrer Unbezwingbarkeit und ihrem reichen kulturellen Erbe. Istanbul ist somit eine der reichsten Städte der Welt. Vierzehn Millionen Einwohner erleben jeden Tag, was es heißt in einer so genannten Megacity zu wohnen. Noch einmal knapp 50 Prozent davon kommen jährlich als Touristen hinzu. Sie sind es, die den Ruhm Istanbuls in die Welt hinaustragen. Sie künden von erhabenen Bauten und lebhaften Plätzen, von einzigartigen Touren durch eine der faszinierendsten Städte weltweit und von den Hinterlassenschaften von knapp drei Jahrtausenden. Und ab sofort kennen sie außerdem noch die Hintergründe, dank dieses Buches haben sie das Wissen Geschichte einzuordnen und weiterzugeben.

Ganz Berlin in 7 Tagen

Ganz Berlin in sieben Tagen

Kurz nach der Wende gab es weltweit keine andere Stadt, der man einen Boom andichtete, der dann auch tatsächlich geschah, als Berlin. Noch nie wurde ein Nationalgefühl, ohne dumpfe Misstöne im Nachgang so sehr vom Image einer Stadt abhängig gemacht wie das der Deutschen mit ihrer Hauptstadt. So manche Berühmtheit ließ vorsichtshalber mal einen Koffer hier stehen, andere packten Wahrzeichen in ein silbrig schimmerndes Gewand. Das Zentrum wurde komplett umgekrempelt. Berlin hat sich jemausert. Zu einer echten Metropole, die im Konzert der großen Namen wie Paris, New York und London immer öfter den Takt angibt. Die Reiseführer überschlagen sich mit Highlights, Geheimtipps und Hotspots, die man gesehen haben muss.

Bernd Ingmar Gutberlet geht bei seinem Reiseführer einen anderen Weg. Er geht rückwärts. In der Zeit. Bis ins Jahr 1910. Damals war Berlin ähnlich attraktiv und erhaben wie heute, nur eben anders. Seine Reisewoche führt den Spaziergänger, Wissbegierigen und Forscher ein ganzes Jahrhundert zurück, an die Plätze, die Geschichte (für uns) schrieben und für die Zeitreisenden schreiben werden.

Vieles ist heute noch bekannt, der Hackesche Markt zum Beispiel oder bald wieder bekannt wie das Schloss. Es wird auf alle Fälle eine Reise, die Altes wieder hervorholt und Neues erstrahlen lässt. Wer Berlin als Tagesausflügler kennt, wird schnell bemerken, das „janz Berlin“ nicht nur „eene Wolke iss“, sondern voller Geschichte(n) steckt, die es wert sind erzählt und entdeckt zu werden. Und er wird merken, dass Berlin doch eine gewaltige Ansammlung von Dörfern ist. Charlottenburg war nämlich einst (für den Reisenden im Moment) die reichste Stadt Preußens.

Im Anschluss an die sieben Tagesspaziergänge (mit Bus und Bahn oder Taxi war es 1910 nicht weit her) folgt – wie in jedem guten Reiseführer ein kleiner Sprachexkurs. Ein bonfortionöser Lese- und Reisespaß, der Knast macht auf mehr und dem Zeitreisenden beim Bummeln durch den Kiez keine Chance gibt die Zeit zu verbumfiedeln.

Und das Beste an den historischen Spaziergängen ist, dass man nicht bei Starbucks einkehren oder bei H&M shoppen muss. Hier geht es ausschließlich nur um ein touristisches Vergnügen wie anno dazumal. Reisen ohne Konsumterror, ohne den Zwang ein originelles Mitbringsel erstehen zu müssen. Die Reise an sich ist das Mitbringsel.

Die Großstädter

Die Großstädter

Wie viel kostet es einmal um die Welt zu reisen? Der Betrag liegt bestimmt im fünfstelligen Bereich, meint man. Wenn nicht, dann wenigstens ein paar tausend Euro. 16,50 €, und keinen Cent mehr. Also etwas mehr als ein Taschenbuch. Doch 16,50 € für ein Taschenbuch, das einem rund um die Welt führt – und das mit den eloquentesten Metropolen-Guides, die man sich vorstellen kann – sind ein wahres Schnäppchen! Mit Ernest Hemingway durch Madrid, der Hauptstadt der Welt. Mit dem Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk durch Istanbul, der Perle zwischen Europa und Asien. Mit Pier Paolo Pasolini durch die Ewige Stadt Rom. Ja, das gibt es alles für nur 16,50 €!

Der Septime-Verlag (das E wird nicht weggelassen) hat mit diesem Buch aus der Reihe „Perspektivenwechsel“ ein Standardwerk für Capital-Touristen auf den Markt geworfen, das für eine sehr lange Zeit einen Maßstab bilden wird. Denn die hier versammelten Autoren überrumpeln den Leser nicht nur mit ihrer Sprachgewalt, sondern auch mit ihrem ganz besonderen Blick auf die Eigenheiten einer jeden Metropole. Diese Eigenheiten sind offensichtlich, dennoch nicht für jeden erklärbar.

Wenn 007 in New York ist, diniert er im „Astor“. Das Rezept für das Rührei „James Bond“ liefert sein geistiger Vater Ian Fleming gleich mit. Eine echte Cholesterin-Bombe. Was sonst, Bond ist schließlich Agent mit der Lizenz zum Töten.

Arezki Mellal zeigt dem Leser seine Hauptstadt. Mellal ist Algerier und in Algier sind alle Fenster gen Meer ausgerichtet. Eine Tatsache, die man als Tourist eher unterschwellig wahrnimmt. Ines Sommer und Betty Kolodzy nehmen Berlin unter die Lupe, Ost und West. Des Weiteren geht die Reise nach Mexiko-Stadt, Prag, Lissabon, Buenos Aires, Wien … also einmal rund um den Erdball. Wen da nicht das Reisefieber packt, der kann sich für 16,50 € Bier und Knabbereien besorgen und es sich auf der Couch gemütlich machen. Für alle anderen besteht akute Reisewarnung! Dieses Buch macht süchtig nach Erlebnissen wie sie die Autoren beschreiben. Menschen formen eine Metropole, die Metropole formt den Menschen. Es ist ein Geben und Nehmen. Die Autoren geben ihr Bestes, die Besucher nehmen die Worte an und begeben sich zuerst lesenderweise auf Weltreise, um anschließend eine weltumspannende Kur zu unternehmen.

Individualtouristen, die ihre Weltreise online zusammenstellen, sei angeraten, das Buch immer am Mann zu haben. So viel Erfahrungsschatz zieht Diebe an…

Kleine Geschichte Amsterdams

Kleine Geschichte Amsterdams

Amsterdam gehört unter den Metropolen der Welt sicherlich zu den liberalsten Städten. Jeder junge Mensch will in seinem Leben einmal nach Amsterdam. Der Grund darin liegt, … ach das soll jeder für sich selber entscheiden. Zweifelsohne steht fest, dass jeder Tag, jede Stunde, jede Minute in der Stadt auf Pfählen die Reisestrapazen wert ist.

In diesem kleinen, informativen Büchlein wird der Geschichte dieser an Geschichten so reichen Stadt gebührend Respekt gezollt. Einer Stadt, die als kleiner Ort in einem unbewohnbaren Gebiet schon immer die Blicke der Außenstehenden auf sich zog und als einer der größten Handelsplätze der Welt jahrhundertelang für Furore sorgen sollte.

Davon überzeugen sich jährlich Millionen Besucher. Und die kommen nicht alle nur wegen der Coffee-Shops und des geheimnisvoll illuminierten Redlight-Districts. Hier ist Geschichte mit allen Sinnen wahrnehmbar.

Pünktlich zu ihrem 500. Geburtstag wurde Amsterdam im Jahre 1806 zur Hauptstadt der Niederlande ernannt. 180 Nationalitäten tummeln sich hier und den 165 Kanälen. Autor Christoph Driessen bezeichnet Amsterdam als riesigen Guckkasten. Fürwahr!

Und als Guckkasten der Geschichte Amsterdams fungiert dieses Buch. Es sei an dieser Stelle verziehen, dass nicht auf jedes Ereignis, das Stadt und Menschen ereilte, eingegangen werden kann. Dafür ist dieses Buch da. Jede einzelne Seite strotzt nur so vor Wissen. Sich dem Zauber der Stadt und ihrer abwechslungsreichen Geschichte entziehen zu wollen, käme einer Flucht vor unterhaltsamer Wissensvermittlung gleich.

Christoph Driessen ist gebürtiger Holländer, der in Deutschland geboren wurde. Klischeehaft also ein toleranter Pedant. Oder ein pedantischer Freigeist. Fakt ist, dass dieses Buch exzellent recherchiert wurde – kein Wunder leitet er doch das Kölner dpa-Büro.

Immer wieder wird der Geschichtsexkurs durch Anekdoten wohlwollend unterbrochen. Das stört den Lesefluss in keinster Weise. Im Gegenteil, es macht Buch und Stadt so abwechslungsreich sympathisch. Wer Amsterdam mehr als nur vom Wasser aus erkunden will, der braucht Hintergrundwissen. Und da kommt dieses Büchlein gerade recht! Kurz und knackig wird diese kleine Metropole (von einer Millionenstadt ist Amsterdam so weit entfernt wie New Amsterdam, also New York von der Beseitigung des Verkehrschaos) ins Visier genommen und liebevoll in seine Basisstücke zerlegt. Zusammengesetzt ergeben diese Teile eine Potpourri der Nationen und Kulturen, das wie eine Oase im Einheitsbrei Westeuropas vor sich hinschwimmt.

Rom – Ein Biografie

Rom - eine Biografie

Biografien werden – zumindest sollte das so sein – erst nach dem Ableben der besprochenen Person veröffentlicht. Sie sollen die besondere Bedeutung desjenigen hervorheben und sein Wirken in Erinnerung behalten. Eine Biografie über eine Stadt – das ist neu. Zumal, wenn sich die Stadt sich einer blendenden Gesundheit erfreuen kann.

Rom ist eine der meist besuchten Städte der Welt. Ihre heutige Erscheinung verdankt sich brillanten Köpfen, Baumeistern und Politikern, die sich hier ihr Reich schufen und zeitweise die Geschicke der Welt lenkten. Stephan Elbern hat ihre Lebensläufe in direkten Zusammenhang mit der italienischen Hauptstadt gebracht und ein einzigartiges Werk geschaffen.

Sieben – fünf – drei – Rom schlüpft aus dem Ei. Netter Spruch. Aber er hat so seine Tücken. Für Schulkinder eine ideale Eselsbrücke. Für Wissenschaftler Humbug. Sei es wie es sei: Die Geschichte Roms – von seiner Entstehung und der damit verbundenen Legende von Remus und Romulus bis hin zur Gegenwart – lässt immer wieder aufhorchen. Als gewaltige Republik gescheitert, als Kaiserreich zu neuer Größe erblüht. In der Spätantike zur Kleinstadt verkümmert (von einst 800.000 Einwohnern waren im 14. Jahrhundert lediglich 20.000 Bürger übrig), erlebte die Stadt während Renaissance selbiges. Die prachtvollen Bauten, vor denen so mancher Tourist heute staunend die Gesichtsmuskulatur erstarren lässt, künden vom einstigen Ruhm, der bis heute anhält. Noch immer sind Plätze wie Pizza Navona oder das Kolosseum Magnete für Millionen Neugieriger. Doch wie sind sie entstanden? Wer hat sie in Auftrag gegeben?

Eine Stadt wird durch ihre Bürger und deren Führung geprägt. Den römischen Kaisern war besonders daran gelegen, der Nachwelt Beeindruckende zu hinterlassen. Wer Rom besucht, kommt um Jahrtausende alte Geschichte nicht herum. Stephan Elbern bietet sich mit seinem Buch als unterhaltsamer Cityguide an, der geschickt und umfassend die Ewige Stadt erklärt, ihre Denker und Lenker hervorhebt und ihre Würde und Anmut erstrahlen lässt.

Bleibt zu hoffen, dass „Rom – ein Biografie“ sich alsbald zu einer erfolgreichen Buchreihe im Nünnerich-Asmus-Verlag entwickelt. Städte wie Istanbul, Damaskus, Paris, London, Marseille, Persepolis … tragen die Geschichte ja schon fast wie einen Bauchladen vor sich her. Selbstbedienung erwünscht.

Der König von Rom

Der König von Rom

Sie sind gefährlich, die Straßen von Rom. Im Jahr 1976 beginnt der Aufstieg des Libanesen, eines Kriminellen, der ganz nach oben will. Er will der König von Rom werden. Doch ohne das nötige Kleingeld kommt er nicht weit. Außerdem sitzt er mal wieder im Knast. Eine ausweglose Situation. Nicht für den Libanesen (er ist eigentlich gar kein Libanese, er stammt aus Trastevere, einem Stadtteil Roms). Wie es das Schicksal will, hilft er einem Mitinsassen bei einer rüden Keilerei. Er rettet ihm das Leben. Das sieht auch ´o Miracolo so, der Onkel des Geretteten und nebenbei ein führender Mafiaboss der Ewigen Stadt.
Das Abenteuer beginnt. Das Angebot sich in einen Drogendeal einzukaufen, 300.000.000 Lire sind fällig, ist einfach zu verlockend, um dem Ziel – König von Rom zu werden – einen gehörigen Schritt näher zu kommen. Der Mafia Boss und der gerissene Emporkömmling sind sich auf den ersten Blick sympathisch. Doch Libanese muss irgendwie das Geld beschaffen, um im Geschäft zu bleiben.
Giancarlo de Cataldo weiß wovon er schreibt. Als junger Mann von Apulien in die Hauptstadt gekommen, um Regisseur zu werden, studiert er aus der Not heraus Jura. Die Studienplätze in Rom waren schon vergeben. Und er ist gut in seinem Job. Er wird Richter. So kommt er auch in Berührung mit der Maglianabade, einer berüchtigten Horde gut organisierter Kriminelle, die Rom fest im Würgegriff hält. Es gelingt ihm die Band hinter Schloss und Riegel zu bringen. Gleichzeitig und nachfolgende wird er mit seinen berühmten Romanen „Romanzo Criminale“ (läuft derzeit als Serie im TV), „Schmutzige Hände“ und „Zeit der Wut“ zu einem geachteten und erfolgreichen Schriftsteller, der der Mafia Rom ordentlich zu setzt.
„Der König von Rom“ ist zwar das zuletzt erschienene Buch de Cataldos, chronologisch ist es aber das erste Buch der Tetralogie. Hier beginnt der Aufstieg der Maglianabande. Alle handelnden Personen haben ein historisches Vorbild. Die Buchreihe umfasst die Geschichte Roms und ihrer ungekrönten Herrscher über 40 Jahre, von 1970 bis in die Gegenwart. Rom leuchtet in diesem Licht diffus und klar zugleich. Giancarlo de Cataldo verzichtet auf überflüssige Formulierungen ohne dabei polemisch zu wirken. Ebenso verzichtet er auf eine romantisierende Darstellung der Akteure. „Der König von Rom“ beschönigt nichts, lässt aber auch dramatisierenden Schnickschnack weg. Der ideale Einstieg in die Mafialiteratur Italiens.