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Tot in München

Tot in München

Gute Freunde kann niemand trennen – Niemals geht man so ganz – I am stretched on Your grave. Mehr oder weniger schöne Lieder, alle zu einem Thema: Dem Tod. Der Gevatter begleitet uns ein Leben lang. Und wenn es dann so weit ist, liegen wir neben uns völlig Unbekannten, in Reih und Glied auf mehr oder weniger hübsch gestalteten Grünanalgen. Der Kreis des Lebens.

In München findet dieser Kreis insgesamt 29 einen Ausgang. So viele Friedhöfe gibt es in der bayrischen Landeshauptstadt. War München Anfang des 19. Jahrhunderts noch eine kleine Ansiedlung mit 40.000 Einwohnern, so verzwölffachte sich deren Zahl innerhalb eines Jahrhunderts. Und so benötigte man dementsprechend auch eine größere Anzahl an letzten Ruhestätten. Denn wer sich einmal hier eingenistet hat, geht nicht mehr fort. Wenn man den bayerischen Ministerpräsidenten der vergangenen Jahrzehnte glauben darf, gibt dafür „ja auch goar koin Anlass ned.“

Eine Stadt ohne einen Friedhof gibt es nicht. Manchen Städten würde dann zum Beispiel auch eine Touristenattraktion fehlen. Was wäre Paris ohne den Pere Lachaise? Oder Wien ohne den Zentralfriedhof? München kann zwar nicht mit prall gefüllten Liegestätten weltbekannter Prominenter punkten, wohl aber mit einer Vielzahl fein gestalteter finaler Unterkünfte. Michael Kubitza hat sich der Friedhofgeschichten Münchens angenommen. Mit in Archiven erlangtem Detailwissen und launiger Schreibweise führt er den Leser ins Reich der Toten. Hier stehen aber auch die Macher, Anstoßgeber und Gestalter im Blickfeld des Autors. Jeder noch so kleine Stein wird umgedreht und dem Licht der Erkenntnis zugefügt.

Spaziergänge über Friedhöfe sind entspannend. Die letzte Bastion bürgerlichen Anstands. Kein Geschrei. Kein Industrielärm. Kein Handygebimmel (naja meistens jedenfalls, aber vielleicht gehört Handy ausschalten nicht zum „guten Ton“). Man flaniert, man schreitet bedächtig, liest hier und da eine Inschrift, macht sich Gedanken. Der Tod schreitet mit, an jedem Tag unseres Lebens kommen wir ihm ein Stück näher. Vielen bereitet er Kopfschmerzen, das sie am liebsten gleich … Doch so unumstößlich er kommen, so endgültig er auch sein mag – schlussendlich wohnen wir alle zusammen in einer großen Kommune, six feet under. Die Zurückgebliebenen erfreuen sich auch an der liebevollen Zuwendung des Themas in diesem Buch.

Vom Hinterhof in den Himmel

Vom Hinterhof in den Himmel. 15 Spaziergänge durch das unbekannte Wien

Eine Stadt wie Wien, die besucht man nicht einmal so im Vorübergehen. Dafür ist die Fülle an Attraktionen einfach zu groß. Was aber, wenn man nur ein paar Tage Zeit hat die Donaumetropole zu erkunden? Dann braucht man schon einen erfahrenen Experten, um Wien zu erfahren.

Christina Rademacher ist so eine Expertin. Sie zeigt in ihrem Buch Wege durch Wien, zu berühmten Persönlichkeiten und weist auf die oft versteckten Höhepunkte der Stadt hin. Und das alles zu Fuß. Kein langes Warten auf Tram und Bus. Kein Taxigeld-Kalkulieren. Alles ganz entspannt und frei einteilbar.

Wer Wien schon kennt, oder meint es zu kennen, wird überrascht sein, wie viel man noch nicht gesehen hat und vor allem wie viel es noch zu entdecken gibt. Alle Spaziergänge sind so konzipiert, dass man durchaus einen kompletten Tag für einen Spaziergang einplanen kann. Für ganz Neugierige, die aber wirklich gut zu Fuß sein müssen, ist der letzte der 15 vorgestellten Spaziergänge eine echte Herausforderung: Sage und schreibe 20 Kilometer durch alle Bezirke Wiens. Aber auch ein genüsslicher Abschluss, mit Schnitzel.

Christina Rademacher ist immer dabei, wenn man durch die Häuserschluchten der Stadt streift. Hektik kommt hier niemals auf. Gelassen berichtet sie von den kleinen Histörchen am Rande des Spaziergangs. Fast kommt man sich wie der tick-belastete Privatdetektiv Monk aus der gleichnamigen TV-Serie vor: Er muss alles anfassen, der Spaziergänger muss alles sehen. Ruheoasen laden zur Rast ein. Selbst Restauranttipps gibt die Autorin. Die sind aber kein Muss, nur liebevolle Stubser, um bei allem Reiz der Stadt nicht den knurrenden Magen zu übersehen.

Jeder Trip steht unter einem bestimmten Motto – so kann sich jeder nach seinem Gusto sein Wien erlaufen. Ob „Kommunisten im Villenviertel“ (Untertitel: Von Brigittenau über Japan nach Persien) oder „Siedler im Westen“ (Hermeswiese, Friedensstadt und Werkbundsiedlung), alle Spaziergänge ergreifen den Besucher ab dem Zeitpunkt, an dem man die Füße vor die Tür setzt. Am Ende eines jeden Kapitels wird noch einmal zusammengefasst, da kann man noch einmal kontrollieren, ob man nicht doch was übersehen hat. Denn wer schaut bei einer so prunkvollen Stadt wie Wien permanent ins Buch. Für Wien braucht man Zeit, das beweist Christina Rademacher mit jeder einzelnen Zeile. Alle Spaziergänge bei einem Besuch „abzuarbeiten“ – bitte schön. Aber da Wien immer eine Reise wert ist, kann man sich Zeit lassen. Das unbekannte Wien zu erschließen, dauert. Um genau zu sein dauert es zweihundert Seiten. Sofern es nicht einen zweiten Band geben wird …

Von Blüten und Blättern

Von Blüten und Blättern

Es soll ja Leute geben, die das Gras wachsen hören… Elisabeth Göbel gehört nicht zu ihnen, obwohl sie es könnte. Sie lebt in ihrem Kleinod vor den Toren der Hauptstadt und lässt das Jahr 2011 an sich vorüberziehen. Hier und da winkt sie dem Geschehen zu und lädt es ins Haus ein. Dort sitzen schon wir Leser. Bei Poesie und Vorfreude, bei stimmungsvollen Zeilen.

Elisabeth Göbels Garten ist nicht Ort, an dem deutsche Vereinsmeierei ihre Freude hat – nur wer frei im Herzen ist, wird sich an diesem Jahresrückblick ergötzen. Mit kindlicher Neugier durchforstet der Leser den Garten der Poesie, weit weg genug vom Großstadtgetümmel, nah genug dran, um sich an Lebensfremdheit zu stören. Kirschbäume, serbische Fichte, Yucca strahlen in den schönsten Farben und spenden Schatten wo das Licht stört. Die Assoziationen, die sie hervorrufen erhellen die Gemüter, wo Schatten fehl am Platze ist.

Ein Gartentagebuch dient eigentlich dem Gärtner, um den Rhythmus des Lebens im heimischen Biotop zu erkennen und letztendlich wohlwollend zu beeinflussen. Sehr französisch. Dieser Garten ist englisch. Es wächst und gedeiht das Leben in der ursprünglichen Form. Die Interpretationen, die Gleichnisse sind es, die diesem Garten durch die Handschrift der Autorin immer wieder neues Leben einhauchen.

Ohne viel Tamtam verführt Elisabeth Göbel den Leser in eine fremde Welt, die geografisch so nah ist. Selbst vom entferntesten Zipfel Deutschlands sind es nur ein paar Stunden, um im Garten der Sprache zu entspannen. Auch wenn es dieser Garten wert ist ihn zu besuchen, so muss man nicht Reisen im herkömmlichen Sinne. Lesend diesen Garten zu erfahren, ist die einfachere Methode. Und die unvoreingenommenste. Immer wieder taucht man ein in die Welt aus harter Gartenarbeit und weicher Sinnesfreuden. Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt die immense Hingabe Elisabeth Göbels zu ihrem Garten. Er ist mehr als nur ein Hort der Entspannung. Schreibstube und Geräteschuppen gehören zum Leben wie Essen und Trinken. Ohne geistige Ablenkung kann sich kein Garten entwickeln.

Die über zweieinhalbtausend Quadratmeter Ruheoase zwischen Alex und Sander blühen im Licht und Schatten des geschriebenen Wortes zu vollendeter Pracht. Ein Gartenbuch, das deutscher Präzisionspflanzung und Gründlichkeit die Strahlkraft der deutschen Sprache entgegensetzt. Hier ist der Garten Bestandteil des Menschen, und nicht umgekehrt.

Berlin für Genießer

Berlin für Genießer

Ick nehm ne Bulette und ne Currywurst – Klingt nicht gerade nach Kulinarik „erster Kajüte“. Und für eine Metropole wie Berlin ist das echt zu wenig. Die typischen Berliner Eckkneipen sind Bestandteil des Kiezlebens im „größten Dorf Deutschlands“. Doch es regt sich Widerstand! Spitzenköche zieht es schon seit Jahren in die Hauptstadt. Und allmählich hat sich hier auch die erste Liga der Restaurants etabliert. Genießen in Berlin – kein profaner Spruch mehr, sondern Realität. Doch wohin in der riesigen Stadt? Das hat sich auch der preisgekrönte Kochbuchautor Gerd Wolfgang Sievers gefragt. Nicht nur, weil er Hunger hatte, sondern weil er dem schlechten Verköstigungsimage der Stadt etwas entgegensetzen wollte. Und nun kann sich jeder selbst ein Bild davon machen, was es heißt in Berlin sich Lukullus‘ Erben hinzugeben.

Der Autor beschränkt sich jedoch nicht nur auf das bloße Aufzählen von Adressen – das kann man im Internet besser. Hier gibt es obendrauf eine ordentliche Portion Wissen. Bismarcks Hering und die Vorliebe für Kartoffeln – woher kommen sie? Und was macht sie zu dem, was sie heute sind?

Absacken in Berlin – ein leichtes Unterfangen. Doch mit Niveau? Hier gibt’s die Antworten! Neuköllns wortgewandter Bürgermeister Heinz Buschkowsky gibt Tipps für seinen Kiez. Ne Berliner Weiße für Zwischendurch – auch hier gibt es Unterschiede. Wenn man schon verreist, dann will man auch zu Tisch etwas erleben. Aufstrebende Genusstempel und alteingesessene Lokale stehen gleichberechtigt nebeneinander.

Wer Berlin besucht, muss gut essen. Nur so ist die Vielfalt der Stadt kraftvoll zu erkunden. Ob nun schnell bei Konopke „eingekehrt“ oder ausgedehnt diniert in der „Gerichtslaube“ – für jeden Gaumenanspruch hat Sivers den passenden Tipp parat. Von nun an wird Berlin mit einem Reiseführer mehr erkundet. „Berlin für Genießer“ gehört auf alle Fälle ins Reisegepäck, wenn ein Ausflug in die Hauptstadt ansteht. Hier gab es ja schon immer alles…

Barcelona – Metro zum Strand oder die vermessene Stadt

Barcelona

Sie wollen nach Barcelona? Und das schon seit dem Sommer 1992, als die Olympischen Sommerspiele den gesamten Erdball in Verzückung geraten ließen. Nur leider wissen Sie nicht viel von der Mittelmeermetropole. Hier nun trennt sich die Spreu vom Weizen. Jetzt gibt es diejenigen, die sich stundenlang in einem unbequemen Bus in die pulsierende Metropole karren lassen, um dann von einem „hochmotivierten“ Guide sich erzählen zu lassen, dass die halbfertige Kirche die Sagrada Familia ist, und anschließend bei Tapas den Tag ausklingen zu lassen. Das kann man mit der Bildergalerie bei google und einem Einkauf während der spanischen Wochen beim Diskounter um die Ecke billiger haben.

Oder Sie besorgen sich einen Reiseführer und dieses Buch. Markus Jakob lebt in Barcelona. Er kennt die Stadt und ihre Menschen. Und er kann sie einschätzen, ihr Lebensgefühl ausdrücken. Er kann … die Stadt Barcelona erklären. Jetzt erst wird es doch interessant!

Eine Stadt wie Barcelona will erobert werden. Erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert erblühte die Stadt, fristete bis zum Ende der Franco-Diktatur ein Mauerblümchendasein mit unterdrücktem Nationalstolz, und sie erblühte mit der Vergabe der Sommerspiele der 25. Olympiade zu einer herzerfrischenden Metropole, ohne die unserem Erdball echt was fehlen würde.

Ein Reiseführer verrät, was man sehen muss, wann es sich lohnt sich aufzumachen, Markus Jakob erläutert das Warum. Das wirklich Angenehme an diesem Buch ist die Tatsache, dass Markus Jakob Barcelona nicht am Beispiel von zwei oder drei durchgeknallten Existenzkünstlern erklärt, sondern die Stadt in „ihrer Dichte und Kompaktheit“ sich selbst erklären lässt. Barcelona abseits der Designerbars und der hippen Restaurants. Barcelona ist mitten im Leben angekommen und dennoch permanent auf der Suche nach Veränderung … und sich selbst. Da ist jeder Tourist bei der Schnitzeljagd willkommen. Mit diesem Buch hat man schon mal mehr als einen Schritt Vorsprung.

Sacher – Das Kochbuch

Sacher - das Kochbuch

Wien besuchen, ohne auch nur einmal im Sacher gewesen zu sein – das ist wie Paris zu erkunden ohne den Eiffelturm zu erklimmen. Oder den Italienurlaub ohne leckeres Gelato zu genießen. Oder in Amsterdam … naja lassen wir das! Nun ist es so, dass das Sacher als Touristenattraktion auch gern mal überfüllt ist, und man einfach keinen Platz ergattern kann. Und in absehbarer Zeit muss die Rückreise angetreten werden oder man hat noch ein hartes Erkundungsprogramm vor sich. Wien bietet ja so viel!

So muss man sich das Sacher eben nach Hause holen. Aber wie? In den Koffer stecken, geht nicht! Da bietet sich dieses – so lapidar als Kochbuch angepriesene – Buch an. „Die feine österreichische Küche“. Das klingt nach mehr. Mehr lecker, mehr Genuss am Gaumen.

Auf vierhundert Seiten hat Herausgeberin Alexandra Winkler das Beste aus dem schier unendlichen Küchenfundus des Hotels Sacher in der Philharmonikerstraße 4 in 1010 Wien zusammengetragen. Und warum? Weil sie es kann! Denn sie ist seit 2004 die Geschäftsführerin des Hotels. Und wie sie es kann. Sie hat wohl den schönsten Job in der Donau-Metropole. Denn sie darf, wann immer sie will in die Töpfe schauen, kosten und genießen. Sie muss sich maximal ankündigen. Dem Leser erlaubt sie mit diesem Buch einen fast so gehaltvollen Blick hinter die Kulissen des Betriebes. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Leser nun selber kochen … muss, nein darf!

Zum Beispiel eine gelbe Paprikaschaumsuppe. Mit einer gehörigen Portion Schlagobers. Oder Stürzerdäpfel. Kartoffeln kochen und über Nacht stehen lassen. Dann reiben und in Schmalz oder Öl braten. Zum Martinigansl passen am besten Maroni, Quittenrotkraut und Erdäpfelknödeln. Schon diese kleine Auswahl aus diesem Prachtband verrät, was da auf den passionierten Koch und Leser zukommt: Eine geballte Ladung Lebenslust und Kochkunst, die man aber zu Hause leicht nachvollziehen kann. Über die Desserts legen wir am besten den Mantel des Schweigens, sonst sabbert man noch auf das so liebevoll gestaltete Buch. Denn Germgugelhupf, Kaiserschmarren und Holunderblütenparfait sind nicht dazu geeignet, dass man einfach nur die Rezepte liest. Die muss man sofort nachkochen bzw. nachbacken. Und dann verpasst man vielleicht ein weiteres Rezept. Und dann noch eines und noch eines. Wer zu Weihnachten gern ein Kochbuch an einen geliebten Menschen verschenkt, der dieses Geschenk auch zu schätzen weiß, wird sich mit diesem Buch im Herzen des Beschenkten für immer einen Platz reservieren.

London

London

Städtereisen mit Kindern? Ein Wagnis. So viele Eindrücke strömen auf die wissbegierigen Kleinen ein. Zu viel. Da ist guter Rat teuer. Nicht immer. Denn mit diesem erstklassigen Buch ist man bestens gerüstet für eine Reise in eine der schönsten und eindrucksvollsten Städte der Welt. Einst war sie die unumstrittene Weltmetropole: London. Miroslav Sasek hat bereits 1959 dieses Buch veröffentlicht. Und es war ein Riesenerfolg. Di eNew York Times kürte es zum am besten illustrierten Kinderbuch. Verständlich. Denn die Zeichnungen in diesem Buch sind kindgerecht und auch bei Erwachsenen erstehen vor dem geistigen Auge Bilder, die man gern in der Realität sehen möchte. Die kurzen Texte umreißen das zu Erwartende in der britischen Hauptstadt.

Nun ist es beim Verlag Antje Kunstmann in einer Faksimile-Ausgabe  neu erschienen. Das heißt, es wurde nichts verändert. Der nostalgische Schleier von einem halben Jahrhundert umweht diese Ausgabe.

Der Autor sieht London durch die Augen von Kindern. Das heißt, man eigentlich nichts, denn in London herrscht immer Nebel. Ein Klischee. Aber so lockert man die Stimmung gleich zu Beginn auf. Farbenfroh geht die Reise weiter. Als erstes fallen einem die Bobbys auf. Die Polizisten in ihren schneidigen Uniformen und den für London so typischen Mützen. Nicht vergessen – das Buch wurde vor über 50 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht. Heute sind die Polizisten immer noch auffällig, aber bei weitem nicht mehr so ungewöhnlich gekleidet. Bank of England, St. Pauls Cathedrale, Billingsgate und die Börsianer mit ihren Bowler-Hüten prägen das Stadtbild heute wie damals. Okay, die Bowler sind eher Casual-Wear gewichen. Doch ab und zu sieht man diese Uniform doch noch. London ist halt doch traditionell.

Am Ende des Buches werden einige in diesem Buch dargestellte Fakten in die Gegenwart transformiert. Denn trotz allem Traditionsbewusstseins, entwickelt sich London weiter. Nicht nur die Bowlerhüte sind fast verschwunden. Auch die Fleetstreet ist schon lange nicht mehr das Mekka der schreibenden Zunft. Rupert Murdoch sei Dank. Geblieben sind jedoch die Wachposten mit ihren Bärenfellmützen. Anhand ihrer bunten Federn kann man ihre Regimentszugehörigkeit erkennen: Rot, das sind die Coldstreams, Weiß die Grendaiere, Blau für die Irish Guards, die Welsh Guards haben ein weiße Feder mit einem grünen Streifen. Nur die Schotten sind federlos. Ja, auch wir Erwachsene können aus diesem Buch lernen.

Ein köstlicher Lesegenuss für Groß und Klein. Klare Linien und knappe Texte. So wird London zum Erlebnis.

Stuttgart! – Das Buch

Stuttgart! Das Buch

Fast jeder noch so kleine Tourismusverband gibt ein kleines Büchlein über seine Orte heraus. Das ist gut, das ist wichtig. Das erleichtert dem Besucher die Orientierung. Bei größeren Städten ist ein kleines Heft oder Büchlein Papierverschwendung. Denn wegen der Größe (der Stadt) würde so manche Attraktion den Rahmen sprengen.

Eine Stadt wie Stuttgart auf 30 oder 40 Seiten darzulegen ist ein hehres Ziel, jedoch ein unmögliches Unterfangen. Da bedarf es schon ein paar Seiten mehr. Stuttgart! – mit Ausrufezeichen – Das Buch trifft exakte den Nerv der Zeit. Umfassend, von Bewohnern verfasst, und richtig dick. Nur so wird man einer Landeshauptstadt gerecht.

Die Autoren wurden teils in Stuttgart geboren oder verbringen seit Jahren ihr Leben in der Schwabenmetropole. Sie schreiben über Popkultur, Wirtschaftsphänomene und sportliche Höchstleistungen. Im Vorwort schwärmt der Grünen-Politiker Fritz Kuhn von „seiner Stadt“ als Hort der Geborgenheit und Weltoffenheit.

Stuttgart ist ein Stadt, in die man sich – laut Klappentext – erst auf den zweiten Blick verliebt. In dieses Buch verliebt man sich aber der ersten Seite. Gediegen liegt es auf dem Schoß. Gleich das erste Kapitel „Vom idyllischen Wiesengrund zur modernen Großstadt – Geschichte“ empfängt den Leser mit einem stimmungsvollen Sonnenaufgang. Harald Schukraft schafft es den Leser mit seiner Orts- und Geschichtskenntnis sofort in den Bann zu ziehen. Gekrönte Häupter und historische Stadtansichten schaffen Vertrautes und Neues zugleich.

„Stuttgart! – Das Buch“ ist mehr als eine Aufforderung zum Lesen. Es ist eine Einladung in eine Stadt, die es sich auf und zwischen Hügeln gemütlich gemacht hat. Zerstört in den düstersten Zeiten deutscher Geschichte und mit akribischer Handarbeit wiedererrichtet. Wirtschaftsmotor dank automobiler Unterstützung. Das sind die nüchternen Fakten. Schmelztiegel der Kulturen, Heimat von internationalen Stars und architektonischer Blickfang, wenn man die Augen offen hält. Als 1993 hier die Leichtathletik-WM stattfand, war Stuttgart vom Hammerfest bis Feuerland, von Belfast über Peking bis Boston in aller Munde. Das als „bieder verschriene Schwabenvölkchen“ brachte tagein tagaus das Stadion zum Kochen. Noch heute schwärmen die Teilnehmer von der unglaublichen Stimmung im Rund des Stadionrundes. Stuttgart – und das beweist dieser Prachtband eindrucksvoll – ist eben mehr als „schaffe, schaffe Häusle baue“. Stuttgart hat sich seinen Ruf als Hauptstadt redlich verdient.

Die fetteschste Liebescherklärung die Stadt am Neckar. Und was für oine! Nicht nur für Wasen-Besucher, Fußballfans und Musical-Liebhaber.

Leben in Ost-Berlin

Leben in Ost-Belrin

Und wieder wird die Hauptstadt der DDR in den Fokus gerückt. Wurden die nicht immer schon bevorzugt? Ja, und das Ergebnis dieses exklusiven Lebens im Stacheldraht-Glashaus wird nun mit diesem Prachtband einer breiten Öffentlichkeit zugängig. Denn Ost-Berlin war mehr als nur die Stadt, in der es fast immer und fast überall fast alles zu kaufen gab. Es war auch mehr als „nur die Hauptstadt der DDR“.

Die Anfänge in Ost-Berlin waren wie überall in Deutschland schwer. Hier vielleicht so schwerer. Denn die Alliierten ließen nach ihren Bombardements kaum einen Stein auf dem anderen. Vorbei die Pracht der einstigen Weltmetropole, die Stars und Sternchen noch wenige Jahre zuvor an die Spree lockte, um hier den Ruf Berlins als Stadt der Innovationen zu begründen.

Auf knapp 500 Seiten werden über eintausend Bilder aus den Archiven von Zentralbild, dpa und anderen Bildagenturen gezeigt, die das Leben in Ost-Berlin unverfälscht darlegen. Auferstanden aus Ruinen, Konsum und Mode, Bauen und Wohnen, Erziehung und Ausbildung, Kunst und Kultur, Aufmärsche und Feiern, Arbeit und Freizeit sowie Mauer, Opposition und Wende sind die Schritte des Buches hin zum umfassenden Blick hinter den antifaschistischen Schutzwall. Ein Buch für Ossis und Wessis. Wer hier nicht lebte, bezog sein Wissen meist nur vom Hören-Sagen. Klischees bilden bis heute das Bild des Ostteils der Hauptstadt.

Der Publizist Jens Kegel gibt den Bildern den historischen Rahmen vor. Seine Ausführungen und Erläuterungen zu den unzähligen Fotografien erlauben dem Leser sich ein eigenes Bild vom Ost-Berlin der Jahre 1945 bis 1990 zu machen. Von den Trümmerfrauen bis hin zum Auftritt von Joe Cocker in Weißensee, von schwer belagerten Imbiss bis zum Ausflug ins Grüne mit dem MiFa (Fahrradmarke der DDR), vom Einkaufsbummel Unter den Linden bis zur Diskussionsrunde des Neuen Forums.

Vieles ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon wieder in Vergessenheit geraten, vieles noch präsent.

„Leben in Ost-Berlin“ ist ein Potpourri an reich bespickten Alltagsleben in einer abgeschirmten Stadt. Abgeschirmt vom Rest der Republik und der Welt. Und dennoch war Leben möglich – für viele engstirnige Betonköpfe unvorstellbar (haha, hier habt Ihr den gedruckten Beweis, dass Ihr falsch liegt) – ein Leben, das Spaß machte. Dieses Buch nimmt man immer wieder zur Hand, und immer wieder entdeckt man Neues und Bekanntes. Ja, so war es. Und so wird es nie mehr sein. Ob das nun gut ist oder nicht, diese Frage muss jeder für sich selbst entscheiden…

Der Eiffelturm

Eiffelturm

Jährlich Millionen Besucher. Wahrzeichen einer Stadt, ja vielleicht sogar eines ganzen Landes. Stahlgewordener Traum französischer Ingenieurskunst. Paris zu besuchen und den Eiffelturm nicht zu erklimmen (es fährt ja auch ein Fahrstuhl, also ist es nicht ganz so ernst zu nehmen mit den „erklimmen“), kommt einem Frevel gleich. Nicht nur die Aussicht ist grandios. Auch die bombastische Filigranarbeit ist beeindruckend. Nun liegt eine einzigartige Biographie dieses Monumentalwerkes vor.

Gustave Eiffel ist nämlich gar nicht der geistige Vater des Bauwerkes. Seine Angestellten haben die ursprünglichen Pläne entworfen. Eiffel strich den Ruhm ein.

Als die Weltausstellung 1889 in Paris eröffnet werden sollte, wollten die Verantwortlichen ein imposantes Objekt (der Begierde). Lange blieben die Denkansätze erfolglos. Denn schließlich sollte mit diesem Werk auch der 100. Jahrestag der Französischen Revolution begangen werden.

Eiffel bekam dank geschickter Kalkulation den Zuschlag. Berühmte Zeitgenossen unter ihnen auch Guy de Maupassant verachteten den Bau. Wie sehr sie sich doch täuschen sollten. Denn das „Monstrum“ steht immer noch.

Autor Uwe Schultz widmet das Buch nicht nur dem nach dem Erbauer benannten Turm. Auch das Leben vor und nach dem Eiffelturm wird genauestens unter die Lupe genommen. Denn Eiffel hat sich weltweit verewigt. Von Südamerika bis in den Pazifik sind Bauten Eiffels teilweise heute noch präsent. Auch ist Paris nicht die Einzige Stadt, die sich mit Eiffel schmückt. Der Budapester Bahnhof ist genauso eine Eiffel-Attraktion.

Wer den Eiffelturm mehr als nur eine Touristenattraktion sehen will, sich mehr als für die Fakten interessiert, wer mehr über Stahlkonstruktion und Anzahl der verwendeten Nieten wissen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Besser als jeder Reiseführer durch die Stadt der Liebe.

Uwe Schultz macht aus einem sachlichen Thema ein spannendes Buch, das die Neugier weckt und den Blick hinter die Kulissen großartiger Prachtbauten freigibt. Bisher unbekannte oder vergessene Anekdoten bereichern die Kapitel und regen zum Weiterlesen an.