Archiv der Kategorie: aus-erlesen capitol

Sacher – Das Kochbuch

Sacher - das Kochbuch

Wien besuchen, ohne auch nur einmal im Sacher gewesen zu sein – das ist wie Paris zu erkunden ohne den Eiffelturm zu erklimmen. Oder den Italienurlaub ohne leckeres Gelato zu genießen. Oder in Amsterdam … naja lassen wir das! Nun ist es so, dass das Sacher als Touristenattraktion auch gern mal überfüllt ist, und man einfach keinen Platz ergattern kann. Und in absehbarer Zeit muss die Rückreise angetreten werden oder man hat noch ein hartes Erkundungsprogramm vor sich. Wien bietet ja so viel!

So muss man sich das Sacher eben nach Hause holen. Aber wie? In den Koffer stecken, geht nicht! Da bietet sich dieses – so lapidar als Kochbuch angepriesene – Buch an. „Die feine österreichische Küche“. Das klingt nach mehr. Mehr lecker, mehr Genuss am Gaumen.

Auf vierhundert Seiten hat Herausgeberin Alexandra Winkler das Beste aus dem schier unendlichen Küchenfundus des Hotels Sacher in der Philharmonikerstraße 4 in 1010 Wien zusammengetragen. Und warum? Weil sie es kann! Denn sie ist seit 2004 die Geschäftsführerin des Hotels. Und wie sie es kann. Sie hat wohl den schönsten Job in der Donau-Metropole. Denn sie darf, wann immer sie will in die Töpfe schauen, kosten und genießen. Sie muss sich maximal ankündigen. Dem Leser erlaubt sie mit diesem Buch einen fast so gehaltvollen Blick hinter die Kulissen des Betriebes. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Leser nun selber kochen … muss, nein darf!

Zum Beispiel eine gelbe Paprikaschaumsuppe. Mit einer gehörigen Portion Schlagobers. Oder Stürzerdäpfel. Kartoffeln kochen und über Nacht stehen lassen. Dann reiben und in Schmalz oder Öl braten. Zum Martinigansl passen am besten Maroni, Quittenrotkraut und Erdäpfelknödeln. Schon diese kleine Auswahl aus diesem Prachtband verrät, was da auf den passionierten Koch und Leser zukommt: Eine geballte Ladung Lebenslust und Kochkunst, die man aber zu Hause leicht nachvollziehen kann. Über die Desserts legen wir am besten den Mantel des Schweigens, sonst sabbert man noch auf das so liebevoll gestaltete Buch. Denn Germgugelhupf, Kaiserschmarren und Holunderblütenparfait sind nicht dazu geeignet, dass man einfach nur die Rezepte liest. Die muss man sofort nachkochen bzw. nachbacken. Und dann verpasst man vielleicht ein weiteres Rezept. Und dann noch eines und noch eines. Wer zu Weihnachten gern ein Kochbuch an einen geliebten Menschen verschenkt, der dieses Geschenk auch zu schätzen weiß, wird sich mit diesem Buch im Herzen des Beschenkten für immer einen Platz reservieren.

London

London

Städtereisen mit Kindern? Ein Wagnis. So viele Eindrücke strömen auf die wissbegierigen Kleinen ein. Zu viel. Da ist guter Rat teuer. Nicht immer. Denn mit diesem erstklassigen Buch ist man bestens gerüstet für eine Reise in eine der schönsten und eindrucksvollsten Städte der Welt. Einst war sie die unumstrittene Weltmetropole: London. Miroslav Sasek hat bereits 1959 dieses Buch veröffentlicht. Und es war ein Riesenerfolg. Di eNew York Times kürte es zum am besten illustrierten Kinderbuch. Verständlich. Denn die Zeichnungen in diesem Buch sind kindgerecht und auch bei Erwachsenen erstehen vor dem geistigen Auge Bilder, die man gern in der Realität sehen möchte. Die kurzen Texte umreißen das zu Erwartende in der britischen Hauptstadt.

Nun ist es beim Verlag Antje Kunstmann in einer Faksimile-Ausgabe  neu erschienen. Das heißt, es wurde nichts verändert. Der nostalgische Schleier von einem halben Jahrhundert umweht diese Ausgabe.

Der Autor sieht London durch die Augen von Kindern. Das heißt, man eigentlich nichts, denn in London herrscht immer Nebel. Ein Klischee. Aber so lockert man die Stimmung gleich zu Beginn auf. Farbenfroh geht die Reise weiter. Als erstes fallen einem die Bobbys auf. Die Polizisten in ihren schneidigen Uniformen und den für London so typischen Mützen. Nicht vergessen – das Buch wurde vor über 50 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht. Heute sind die Polizisten immer noch auffällig, aber bei weitem nicht mehr so ungewöhnlich gekleidet. Bank of England, St. Pauls Cathedrale, Billingsgate und die Börsianer mit ihren Bowler-Hüten prägen das Stadtbild heute wie damals. Okay, die Bowler sind eher Casual-Wear gewichen. Doch ab und zu sieht man diese Uniform doch noch. London ist halt doch traditionell.

Am Ende des Buches werden einige in diesem Buch dargestellte Fakten in die Gegenwart transformiert. Denn trotz allem Traditionsbewusstseins, entwickelt sich London weiter. Nicht nur die Bowlerhüte sind fast verschwunden. Auch die Fleetstreet ist schon lange nicht mehr das Mekka der schreibenden Zunft. Rupert Murdoch sei Dank. Geblieben sind jedoch die Wachposten mit ihren Bärenfellmützen. Anhand ihrer bunten Federn kann man ihre Regimentszugehörigkeit erkennen: Rot, das sind die Coldstreams, Weiß die Grendaiere, Blau für die Irish Guards, die Welsh Guards haben ein weiße Feder mit einem grünen Streifen. Nur die Schotten sind federlos. Ja, auch wir Erwachsene können aus diesem Buch lernen.

Ein köstlicher Lesegenuss für Groß und Klein. Klare Linien und knappe Texte. So wird London zum Erlebnis.

Stuttgart! – Das Buch

Stuttgart! Das Buch

Fast jeder noch so kleine Tourismusverband gibt ein kleines Büchlein über seine Orte heraus. Das ist gut, das ist wichtig. Das erleichtert dem Besucher die Orientierung. Bei größeren Städten ist ein kleines Heft oder Büchlein Papierverschwendung. Denn wegen der Größe (der Stadt) würde so manche Attraktion den Rahmen sprengen.

Eine Stadt wie Stuttgart auf 30 oder 40 Seiten darzulegen ist ein hehres Ziel, jedoch ein unmögliches Unterfangen. Da bedarf es schon ein paar Seiten mehr. Stuttgart! – mit Ausrufezeichen – Das Buch trifft exakte den Nerv der Zeit. Umfassend, von Bewohnern verfasst, und richtig dick. Nur so wird man einer Landeshauptstadt gerecht.

Die Autoren wurden teils in Stuttgart geboren oder verbringen seit Jahren ihr Leben in der Schwabenmetropole. Sie schreiben über Popkultur, Wirtschaftsphänomene und sportliche Höchstleistungen. Im Vorwort schwärmt der Grünen-Politiker Fritz Kuhn von „seiner Stadt“ als Hort der Geborgenheit und Weltoffenheit.

Stuttgart ist ein Stadt, in die man sich – laut Klappentext – erst auf den zweiten Blick verliebt. In dieses Buch verliebt man sich aber der ersten Seite. Gediegen liegt es auf dem Schoß. Gleich das erste Kapitel „Vom idyllischen Wiesengrund zur modernen Großstadt – Geschichte“ empfängt den Leser mit einem stimmungsvollen Sonnenaufgang. Harald Schukraft schafft es den Leser mit seiner Orts- und Geschichtskenntnis sofort in den Bann zu ziehen. Gekrönte Häupter und historische Stadtansichten schaffen Vertrautes und Neues zugleich.

„Stuttgart! – Das Buch“ ist mehr als eine Aufforderung zum Lesen. Es ist eine Einladung in eine Stadt, die es sich auf und zwischen Hügeln gemütlich gemacht hat. Zerstört in den düstersten Zeiten deutscher Geschichte und mit akribischer Handarbeit wiedererrichtet. Wirtschaftsmotor dank automobiler Unterstützung. Das sind die nüchternen Fakten. Schmelztiegel der Kulturen, Heimat von internationalen Stars und architektonischer Blickfang, wenn man die Augen offen hält. Als 1993 hier die Leichtathletik-WM stattfand, war Stuttgart vom Hammerfest bis Feuerland, von Belfast über Peking bis Boston in aller Munde. Das als „bieder verschriene Schwabenvölkchen“ brachte tagein tagaus das Stadion zum Kochen. Noch heute schwärmen die Teilnehmer von der unglaublichen Stimmung im Rund des Stadionrundes. Stuttgart – und das beweist dieser Prachtband eindrucksvoll – ist eben mehr als „schaffe, schaffe Häusle baue“. Stuttgart hat sich seinen Ruf als Hauptstadt redlich verdient.

Die fetteschste Liebescherklärung die Stadt am Neckar. Und was für oine! Nicht nur für Wasen-Besucher, Fußballfans und Musical-Liebhaber.

Leben in Ost-Berlin

Leben in Ost-Belrin

Und wieder wird die Hauptstadt der DDR in den Fokus gerückt. Wurden die nicht immer schon bevorzugt? Ja, und das Ergebnis dieses exklusiven Lebens im Stacheldraht-Glashaus wird nun mit diesem Prachtband einer breiten Öffentlichkeit zugängig. Denn Ost-Berlin war mehr als nur die Stadt, in der es fast immer und fast überall fast alles zu kaufen gab. Es war auch mehr als „nur die Hauptstadt der DDR“.

Die Anfänge in Ost-Berlin waren wie überall in Deutschland schwer. Hier vielleicht so schwerer. Denn die Alliierten ließen nach ihren Bombardements kaum einen Stein auf dem anderen. Vorbei die Pracht der einstigen Weltmetropole, die Stars und Sternchen noch wenige Jahre zuvor an die Spree lockte, um hier den Ruf Berlins als Stadt der Innovationen zu begründen.

Auf knapp 500 Seiten werden über eintausend Bilder aus den Archiven von Zentralbild, dpa und anderen Bildagenturen gezeigt, die das Leben in Ost-Berlin unverfälscht darlegen. Auferstanden aus Ruinen, Konsum und Mode, Bauen und Wohnen, Erziehung und Ausbildung, Kunst und Kultur, Aufmärsche und Feiern, Arbeit und Freizeit sowie Mauer, Opposition und Wende sind die Schritte des Buches hin zum umfassenden Blick hinter den antifaschistischen Schutzwall. Ein Buch für Ossis und Wessis. Wer hier nicht lebte, bezog sein Wissen meist nur vom Hören-Sagen. Klischees bilden bis heute das Bild des Ostteils der Hauptstadt.

Der Publizist Jens Kegel gibt den Bildern den historischen Rahmen vor. Seine Ausführungen und Erläuterungen zu den unzähligen Fotografien erlauben dem Leser sich ein eigenes Bild vom Ost-Berlin der Jahre 1945 bis 1990 zu machen. Von den Trümmerfrauen bis hin zum Auftritt von Joe Cocker in Weißensee, von schwer belagerten Imbiss bis zum Ausflug ins Grüne mit dem MiFa (Fahrradmarke der DDR), vom Einkaufsbummel Unter den Linden bis zur Diskussionsrunde des Neuen Forums.

Vieles ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon wieder in Vergessenheit geraten, vieles noch präsent.

„Leben in Ost-Berlin“ ist ein Potpourri an reich bespickten Alltagsleben in einer abgeschirmten Stadt. Abgeschirmt vom Rest der Republik und der Welt. Und dennoch war Leben möglich – für viele engstirnige Betonköpfe unvorstellbar (haha, hier habt Ihr den gedruckten Beweis, dass Ihr falsch liegt) – ein Leben, das Spaß machte. Dieses Buch nimmt man immer wieder zur Hand, und immer wieder entdeckt man Neues und Bekanntes. Ja, so war es. Und so wird es nie mehr sein. Ob das nun gut ist oder nicht, diese Frage muss jeder für sich selbst entscheiden…

Der Eiffelturm

Eiffelturm

Jährlich Millionen Besucher. Wahrzeichen einer Stadt, ja vielleicht sogar eines ganzen Landes. Stahlgewordener Traum französischer Ingenieurskunst. Paris zu besuchen und den Eiffelturm nicht zu erklimmen (es fährt ja auch ein Fahrstuhl, also ist es nicht ganz so ernst zu nehmen mit den „erklimmen“), kommt einem Frevel gleich. Nicht nur die Aussicht ist grandios. Auch die bombastische Filigranarbeit ist beeindruckend. Nun liegt eine einzigartige Biographie dieses Monumentalwerkes vor.

Gustave Eiffel ist nämlich gar nicht der geistige Vater des Bauwerkes. Seine Angestellten haben die ursprünglichen Pläne entworfen. Eiffel strich den Ruhm ein.

Als die Weltausstellung 1889 in Paris eröffnet werden sollte, wollten die Verantwortlichen ein imposantes Objekt (der Begierde). Lange blieben die Denkansätze erfolglos. Denn schließlich sollte mit diesem Werk auch der 100. Jahrestag der Französischen Revolution begangen werden.

Eiffel bekam dank geschickter Kalkulation den Zuschlag. Berühmte Zeitgenossen unter ihnen auch Guy de Maupassant verachteten den Bau. Wie sehr sie sich doch täuschen sollten. Denn das „Monstrum“ steht immer noch.

Autor Uwe Schultz widmet das Buch nicht nur dem nach dem Erbauer benannten Turm. Auch das Leben vor und nach dem Eiffelturm wird genauestens unter die Lupe genommen. Denn Eiffel hat sich weltweit verewigt. Von Südamerika bis in den Pazifik sind Bauten Eiffels teilweise heute noch präsent. Auch ist Paris nicht die Einzige Stadt, die sich mit Eiffel schmückt. Der Budapester Bahnhof ist genauso eine Eiffel-Attraktion.

Wer den Eiffelturm mehr als nur eine Touristenattraktion sehen will, sich mehr als für die Fakten interessiert, wer mehr über Stahlkonstruktion und Anzahl der verwendeten Nieten wissen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Besser als jeder Reiseführer durch die Stadt der Liebe.

Uwe Schultz macht aus einem sachlichen Thema ein spannendes Buch, das die Neugier weckt und den Blick hinter die Kulissen großartiger Prachtbauten freigibt. Bisher unbekannte oder vergessene Anekdoten bereichern die Kapitel und regen zum Weiterlesen an.

Borneo, Myanmar und andere Exoten

Borneo, Myanmar und andere Exoten

Borneo, Laos, Kambodscha, Myanmar – das klingt doch schon nach Fernweh, nach Abenteuern, nach neuen Kulturen, fremden Sitten. Und für uns „Normalos“ nach ungewöhnlichen Essensritualen und Gerichten.

Sandra Wagner hat sich auf eine – wie sie schreibt – „glutenfreie“ Reise begeben. Denn die Autorin verträgt kein Gluten. Diese Unverträglichkeit bildet den Rahmen einer außergewöhnlichen Reise wie sie nur Backpacker erleben können. Zum Nachahmen zu empfehlen, durch die Preisinformationen im Text leicht nachzuvollziehen.

Fünf Monate reiste Sandra Wagner im Jahr 2010 durch Südostasien. Einmal quer durch die subtropische Region zwischen Indien und dem Pazifik. Aus Reiseführern wusste sie, was ansehenswert war, und was nicht. Dass hier und da die Ansichten darüber auseinandergingen, störte nur am Rande. Ein Schlangentempel zum Beispiel glich eher einem Spielzeugparadies für Kinder als einer echten gruseligen Attraktion.

So mancher Reiseführer entpuppte sich als gewiefter Gauner. Doch all die kleinen Rückschläge konnten die angehende Lehrerin nicht davon abhalten weiterzureisen. Und sie wurde belohnt.

Immer wieder – oft in ausweglosen Situationen, wenn zum Beispiel wieder einmal der angepeilte Bus nicht erschien oder schon abgefahren war – wurde sie von hilfsbereiten Menschen eingeladen. Immer, wenn sich eine Tür schloss, öffnete sich prompt die nächste. Asien für Abenteurer ist eben nun mal ein echtes Abenteuer.

Sandra Wagners Buch ist mehr als nur ein Reisetagebuch vom anderen Ende der Welt. Es ist eine Selbstbestätigung, dass Reisen in Asien immer noch auf eigene Faust unternommen werden können. Es läuft nicht immer alles glatt, aber es läuft. Wer den großen Trip in die unendlichen Weiten der Dschungel, der Großstädte Südostasiens machen will, wird in diesem Buch nützliche Ratschläge finden. Nicht nur zu Preisen, sondern auch zu traumhaften Ausflugszielen. Als Einstimmung auf einen unvergesslichen Urlaub ist dieses Buch ein treuer Wegbereiter.

Quer durch Athen

Quer durch Athen

Alltagsliteratur aus Griechenland, aus Athen ist im Moment – wenn man den Nachrichten glauben darf – eher trist und von Angst, Hass und Niedergang geprägt. Korruption, eine im Untergang begriffene Wirtschaft und ein Land, das vor großen Umwälzungen steht, sind die aktuellen Themen.

Petros Markaris verschließt in seinen Werken nicht die Augen vor dieser Situation. Doch er schafft auch ein Refugium der Gelassenheit, eine träumerische Reise in die Vergangenheit: Mit der Elektrischen durch die griechische Hauptstadt. Vom Hafen in Piräus nach Kifissia. Der Autor lebt seit Jahrzehnten in Athen und hat im Laufe der Jahre unzählige Geschichten seiner neuen Heimat gesammelt. Und nun fährt er mit dem Leser die Strecke der Stadtbahn von Anfang an ab. Links und rechts liegen nicht nur Zeugen der Menschheitsgeschichte, sondern auch die kleinen Schicksale, die eine Stadt ausmachen. Und so ganz nebenbei erhält der Leser Einblick in die Befindlichkeiten der Griechen.

Auch Athen hat seine Victoria-Station, genau wie London. Sie befindet sich unter den Kyriakou-Platz und wurde 1948 wiedereröffnet. In diesem Jahr fanden zum zweiten Mal die Olympischen Sommerspiele in London statt. Die Namensgebung geht auch auf die englische Königin Victoria zurück. Kyriakou-Platz ist immer noch eine gängige Bezeichnung für den Platz, obwohl er schon seit Jahrzehnten Victoria-Platz heißt. Neuerungen setzen sich nur schwer durch …

An jeder Station bitte Petros Markaris die Mitreisenden / Leser zum Aussteigen. Als eloquenter Stadtführer begleitet er die wissensdurstige Menge durch das Chaos der Metropole. Am Ende der Reise fühlt man sich wie ein Einheimischer und kann ebenso manche Anekdote widergeben.

„Quer durch Athen“ ist einer der wenigen literarischen Stadtführer, die es in den Olymp der Stadtrundgänge schaffen. Das liegt zum einen an der überaus interessanten und unendlichen langen Geschichte der Stadt, aber auch an der eingängigen Sprache des Autoren.

Petros Markaris ist vor allem durch seine Kriminalromane des Kommissars Kostas Charitos bekannt geworden. Seine Reisebeschreibung scheint wie eine Flucht aus den Zwängen der Ermittlungen, ein Ausstieg vom Alltag. Doch Markaris kann nicht von seiner Stadt loslassen. Im August 2013 erhält er für seine Verdienste um die Vermittlung der deutschen Sprache und den internationalen Kulturaustausch die Goethe-Medaille.

Konstanz – 2000 Jahre Geschichte

Seuffert_Konstanz-9783867642095-fgb_neu

Eine Reise ans größte Binnenmeer Europas, den Bodensee bleibt für lange Zeit in Erinnerung. Die heimliche Hauptstadt der Seeregion ist Konstanz. Eine Stadt voller Geschichte und Geschichten, die entdeckt werden wollen. Über zwei Jahrtausende weilt diese Stadt nun schon auf Erden. Einst eine Raststation und militärischer Stützpunkt der Römer, später Tagungsort der Kirchenoberen, verzaubert Konstanz heute den Besucher durch seine Eleganz und überbordende Schönheit im sich im Meer widerspiegelnden Sonnenglanz.

Dieses Buch ist mehr als eine Liebeserklärung an Konstanz. Es ist vielmehr der geglückte Versuch dem Geheimnis der Stadt auf die Schliche zu kommen, wie sie sich durch die Wirren der vergangenen Jahrhunderte immer wieder behauptete und zu dem wurde, was sie heute ist.

Autor Ralf Seuffert ist von Beruf Veranstalter von Kulturreisen und -führungen in Konstanz – er kennt die Stadt wie seine Westentasche und lässt nun den Leser an seinem Wissen teilhaben. Kein biederer Rundgang mit dem eintönigen Abspulen von Jahreszahlen – keine Angst. Diese literarische Stadtführung ist eine Wissensreise mit unterhaltsamem Wiedererkennungswert.

Umfassend wird der Leser in einer keltischen und später in einer römischen Siedlung in Empfang genommen. Mit dem Bau des Doms kam Leben in die Stadt. Höhepunkt des klerikalen Lebens waren die Jahre 14141 bis 1418 als hier das so genannte Konstanzer Konzil tagte. Eine ereignisreiche Zeit mit der Absetzung von Päpsten, dem Ende des Schisma in Westeuropa und der Verurteilung und Verbrennung von Jan Hus.

Als Bindeglied zwischen unterschiedlichen Staaten kam Konstanz schon früh eine besondere Bedeutung zu. Wer heute an der Promenade sich den Wind um die Nase wehen lässt, spürt dieses besondere Lebensgefühl. Rege Geschäftigkeit geht mit Präzision und einer gewissen Lässigkeit einher. Industrialisierung und Kriege konnten dem Ansehen der Stadt und der Lebensqualität nichts anhaben.

Konstanz ist eine Perle unter den Städten in Deutschland. Die Bewohner zählen sich zu den Zufriedensten in Europa. Ein Ausflug lohnt sich immer wieder. Und mit dem nötigen Hintergrundwissen sieht man nun so Manches mit anderen Augen.

Mystische Orte in München

Mystische Orte in München

Muss eine Stadt wie München noch vorgestellt werden? Braucht die „Mia san mia“-Metropole überhaupt noch Erwähnung in gedruckter Form? Recht das nicht der allmächtige (FC Bayern) aus? Nein! Denn Christopher Weidner schafft es einen neuen Typus von Stadtgeschichte zu kreieren. Ja, im Jahr 2013 ist es noch möglich das Buchangebot zu revolutionieren.

Da tauchen Drachen neben Schlangen und Mönchen auf. Da springen Metzger durch die Nachbarschaft, Löwen thronen erhaben über Toren. München vor einem halben Jahrhundert noch eine Stadt im Tiefschlaf mit grandioser Umgebung, die nicht so recht touristisch genutzt wurde. Mit der Vergabe der Olympischen Sommerspiele, die 1972 stattfanden und trotz des unsagbaren Terrors als friedliche und fröhliche Spiele in Erinnerung geblieben sind, fand ein einzigartiger Wandel auch im Stadtbild statt. Wenn heute von der nördlichsten italienischen Metropole gesprochen wird, so liegt das nicht nur an den günstigen klimatischen Bedingungen.

Doch zurück zur Mystik der bajuwarischen Kapitole: Oft geht man achtlos an Bauwerken, an Denkmälern, an Brunnen vorbei. Die Schönheit und die Symbolik erschließt sich nicht jedem auf den ersten Blick. Doch Künstler haben nun mal die Angewohnheit ihren Werken eine gewisse Bedeutungsschwere innewohnen zu lassen. Christopher Weidner nimmt diese Schwere auf die leichte Schulter und löst so manches Rätsel über den Köpfen der Betrachter mit seinem enormen Wissensschatz auf.

Zum Beispiel im Hackenviertel, Kreuz-, Josephstital, Brunnen- und Damenstiftstraße. Hier blickt eine Maria mit dem Jesuskind im Arm auf die Passanten herab. Festgehalten von einem Birnenbaum, als Symbol für das Paradies.

Oder das Brautportal der Frauenkirche. Das mit der Sonnenuhr. Was, das kennen Sie nicht, obwohl Sie täglich daran vorbeilaufen? Schauen Sie doch mal vorbei und verweilen eine Zeit. Wem sich die Symbolik nicht erschließt, wird in diesem Buch fündig. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass es Bücher wie “Mystische Orte in München“ gibt. Stadtgeschichten erzählen, ist eine heikle Gradwanderung. Entweder gerät der Stadtrundgang zur trögen Geschichtsstunde mit Unmengen an Jahreszahlen oder über die zahlreichen Anekdoten vergisst man das eigentliche Ziel eine Stadt näher zu bringen. Die Grauzone ist schmal und überschaubar. Christopher Weidner verbreitert diese Grauzone und legt einen Hauch wabernden Wissens darüber. Diesen Schleier weht er umgehend beiseite und erschafft ein wissenswertes und modernes, zeitgemäßes Buch.

Kunst und Architektur – Paris

Paris

Paris – die Stadt der Liebe. Die Stadt der Lichter. Ein Genuss für alle, die Schönheit entdecken und in ihrem Herzen und in ihren Erinnerungen bewahren wollen und können. Da ist es wie eine göttliche Fügung, dass in diesem Jahr ein exzellenter neuer Reiseband auf Kunst- und Architekturhungrige wartet. Paris komplett zu erkunden, ist ein hehres Ziel. Schließlich gibt es hier einiges zu entdecken. Im Zeitalter der Digitalfotografie ist es nur noch eine Frage der Anzahl der Speicherkarten, die man mit sich führen muss, um auch nur einen Bruchteil der Sehenswürdigkeiten der Stadt festzuhalten.

Der Reisebildband besticht durch seine scheinbare Einfachheit. Wohl fein gesponnene Spaziergänge beispielsweise von der Opéra Garnier zum Centre Pompidou geben den Blick für eine verbaute und doch so beeindruckende Reise durch eine der betörendsten Städte der Welt frei.

Viele Städte rühmen sich ihrer Passagen. Doch nur hier versprühen sie diesen einzigartigen Charme, der einem den Atem stocken lässt.

Selbst eingefleischte Pariskenner werden hier noch das Eine oder Andere entdecken, das sie bisher nur im Vorbeigehen gestreift haben. Fast ist man geneigt zu sagen, dass eine Reise in die Sein-Metropole nicht mehr lohnt. Schließlich ist alles Sehenswerte in diesem Buch auf 480 kompakten Seiten zusammengefasst. So weit reicht der Einfluss des Buches nicht. Jedoch wird jeder Paris zu einer endlosen Souvenirjagd nach den Originalen, die hier abgebildet sind.

Eine magische Anziehungskraft übt immer noch das Marais aus. Einst eine Sumpflandschaft ist hier der Stadtteil, der Paris zum typischen Paris macht. Hier, wo einst der Hochadel es sich gut gehen ließ und von hier aus die Geschicke eines ganzen Kontinents leitete, sind die Bauten die einzigen Zeugen einer glorreichen Zeit. Da lohnt es sich mehr als nur einen Blick mehr zu riskieren. Das Hôtel Sully mit dem aufwendigen Fassadenschmuck am Corps des logis vereint das klassische Element der Renaissance mit der Üppigkeit des Barock.

Über Paris zu erzählen ist ähnlich endlos wie der Bestimmung der Zahl Pi. Man muss es erleben. Doch als Appetitmacher sollte man dieses Buch nicht einfach übersehen. Das kompakte Format liegt gut in der Hand. Zahlreiche Texte und die im Übermaß vorhandenen Bilder versprechen eine Traumreise in eine Traumstadt. Einfach mal die Seele baumeln lassen und ein bisschen in diesem Buch herumblättern. Das geht nicht gut. Akutes Reisefieber und der ständige Drang weiterzublättern erlauben kein ruhiges Betrachten. Da hilft nur eines: Auf nach Paris!