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MM City Madrid

Madrid

Spaniens Hauptstadt fristet ein Zweite-Reihe-Dasein. Das Hauptreiseziel unter den Städten Spaniens ist Barcelona. Auch die Krönungszeremonie des neuen Königs Felipe VI. brachte Madrid nur kurzzeitige Berühmtheit. Da hallt der Champions-League-Erfolg von Real Madrid länger nach. Doch Madrid hat diesen Status nicht verdient! Zeit Spaniens stolze Hauptstadt doppelt zu erfahren.

Hans-Peter Siebenhaars Madrid-Stadtführer ist sowohl in Buchform als auch als App auf dem Smartphone verfügbar. Letzteres kostenlos! App runterladen (QR-Code auf der letzten Umschlagseite des Buches), GPS einschalten und schon ist man in einer der schönsten Städte aufs Beste informiert, wird zu den interessantesten Plätzen gelotst, zu den leckersten Mahlzeiten verführt und erhält Geschichte(n) aus erster Hand.

Wenn man einfach nur so nach Madrid will, kommen einem der Prado, der Königspalast und ein bisschen spanisches Flair auf den Straßen in den Sinn. Doch damit hat man nur einen sehr kleinen Bruchteil der Stadt erfasst. Hans-Peter Siebenhaar hat 17 Stadtrundgänge und Touren erstellt. Und jede einzelne ist es wert „abgearbeitet“ zu werden.

Im Urlaub sieht man alles ein bisschen lockerer. Keine starren Regeln, die den Alltag umreißen. So ist auch dieser Reiseband angelegt. Die dritte Tour zum Beispiel nennt sich „Das Madrid der Banker und Dichter“. Ein gelungenes Wortspiel, das ab dem ersten Schritt überzeugt: Los geht’s an der Banco de Espana. Über die  Calla de Alcalá, eine viel befahrene Straße führt die Tour vorbei am Parlament und Museen bis in ein andalusisches Hammam. Wenn das keine Abwechslung verspricht…

Immer wieder hält man inne, um die farbig unterlegten Kästen zu lesen. Hier wird Stadtgeschichte greifbar. Anekdoten ergreifen den Leser, die er nicht so schnell vergessen wird. Ebenfalls nicht vergessen wird man den Großstadtlärm Madrids. Die Stadt gilt als die lauteste Metropole Europas. Autohupen, Straßenmusiker und Händler verwandeln auch nach Einbruch der Dunkelheit in ein babylonisches Sprachengewitter, das nicht abnehmen will.

Als Gegenpart ist da der Parque del Retiro zu empfehlen. Ein riesiges Gelände, das man auf der sechsten Tour genussvoll erobern kann. Gleich nebenan ist auch der Prado. Auch hierfür hat der Autor einen Geheimtipp. Wer sich die Wartezeit ein wenig versüßen will bzw. ein wenig Stärkung benötigt, kann diese sich im Ritz gegenüber holen. Das ist doch viel zu teuer, meint man. Doch was wäre ein Geheimtipp wert, wenn er nur für eine bestimmte Klientel bestimmt wäre? Probieren Sie es aus.

Ob nun als App oder als Buch mit beigelegtem Stadtplan – dieser Reiseführer überrascht den eingefleischten Leser der Michael-Müller-Bücher nicht. Exzellent recherchierte Touren, nützliche Tipps und ein gefälliger Aufbau sind die Grundlage eines jeden Stadtführers. Madrid überrascht, weil man sofort merkt, dass die zweite Reihe auch ihre Reize hat.

Die schönsten Berliner Kieze

Die schönsten Berliner Kieze

Ein Kiez, eine Nachbarschaft, eine Ecke, ein Viertel lebt von seinen Menschen. Ein Buch über Kieze lebt von den Geschichten und den Bildern. Erst, wenn all diese Bedingungen erfüllt sind, wird ein Kiez ein Kiez du eine Buch über einen Kiez ein echt sehenswertes Buch. Sebastian Pietrich hat die Geschichten gefunden, Jürgen Henkelmann die Kieze fotografiert – also alles in Butter? Alles in Butter! Der Verlag Elsengold lässt in Buchform Goldenes auf den Leser herabregnen. Wie Goldmarie fühlt man sich auf den reichlich 120 Seiten. So originell wurde Berlin noch nie dargestellt.

Um es vorwegzunehmen: Hier gibt es keine Kreuzberger Nächte, keine Ku’damm-Flaneure und Wilmersdorfer Witwen. Die beiden gehen in die Tiefe der Stadtteile. Dorthin, wo man lebt, sich nicht vom Schickimicki des „Da-Muss-Ich-Hin“-Hypes anstecken lässt. Hier ist die Spree ein Fluss und nicht Beiwerk zur Metropole. Hier ist der Kneipenwirt näher als das Modeloft der hippen Designer. Hier spricht man die Sprache, die Außerkiezische nicht verstehen.

Ob Savignykiez mit der legendären „Paris Bar“, an der Otto Sander immer an seinem Stammplatz seinen Wein genoss, oder die rote Insel in Schöneberg, die auf den Gebeinen der Ahnen entstand oder SO 36, wo der Klassenkampf noch immer spürbar ist.

Die außergewöhnlichen Stadtrundgänge zeigen das wahre Berlin, abseits von Shoppingerlebnissen „der besonderen Art“. Beim nächsten Hauptstadtbesuch sollte dieses Buch zumindest vorher einmal durchgeblättert werden. Der Appetit kommt beim Lesen und Kieken!

Gärten der Kraft

Gärten der Kraft

Wien ist eine der Städte, der Hauptstädte der Welt, die man erlaufen muss. Die Geschichte bzw. ihre buchstäblichen Erbauer lassen den Besucher flanieren, staunen, atmen. In Wien sind vierzig Prozent der Grünflächen öffentliche Anlagen. Immerhin achttausend Hektar Grün. Und die wollen erobert werden. Allen voran Schönbrunn und der Prater. Ein bisschen außerhalb Laxenburg und Schloss Hof.

Und schon ist man mittendrin im Grün von Wien (mit ein bisschen Dialekt reimt es sich sogar). Eine Millionenstadt wie Wien braucht eine grüne Lunge, weil sich die Hektik des Alltags nur im Grün der Natur vertreiben lässt. Und deswegen haben die Wiener gleich mehrere davon. Sie zu finden ist nicht schwer. Sie zu erlaufen, zu erleben, in sich aufzusaugen, dafür bedarf es schon eines besonderen Reisebandes. Und so einer ist „Gärten der Kraft“ von Gabriele Lukacs.

Die Wienexpertin beginnt ihre erholsamen Rundgänge natürlich in den kaiserlichen Gärten. Die ausladenden Wege sind jedes Jahr Anziehungspunkt für Millionen Besucher aus aller Welt. Der Schlosspark von Schönbrunn besitzt sogar ein kleines Geheimnis. Obwohl: So klein ist es gar nicht. Es ist das Pentagramm, dass Gloriette, Tiergarten, Wagenburg, Orangerie und Obelisk verbindet. Verbindet man die Eckepunkte ergibt sich ein weiteres Fünfeck. Diese Linien sind nicht zufällig gewählt. Krafttanken in barocker Umgebung – so kommt man dem Geheimnis des Pentagramms auf die Spur.

Auch außerhalb der Donaumetropole können Besucher so manches Kleinod als Tankstation für Körper und Geist entdecken. So zum Beispiel in Baden. Nur ein Katzensprung vor den Toren der Stadt haben Gärten hier seit Eh und Je ihre Tradition. Kaiser haben sich hier verewigt. Wohl auch deswegen gehört der Kurpark zu den Größten Europas. Kaiser haben es eben gern ein bisschen größer. Das kommt dem Besucher von heute zugute. Wer nun immer noch nicht glaubt, dass auch hier ein Platz zum Krafttanken ist, der soll sich vor Augen halten, dass Beethoven hier oft flanierte und seine Neunte hier entstand.

Abgelegen im Wienerwald liegt ein Kartäuserkloster, das seit einigen Jahren aus seinem Dornröschenschlaf langsam wieder erwacht wird. In Mauerbach wurde vor sieben Jahrhunderten der erste Stein für das Kloster gelegt. Türkenbelagerung und das Erdbeben von 1590 fügten ihm erheblichen Schaden zu. So nach und nach verfiel das Kloster und mit ihm sein Garten. Seit drei Jahrzehnten dient es als Ausbildungsstätte für Baudenkmalpflege und wird liebevoll restauriert. Die Zellengärten sucht man vergebens – sie gibt es nicht mehr. Den Kaisergarten hingegen kann man wieder besichtigen.

Wien einmal anders. Kraftvoll. Erholsam. Unaufgeregt. Wer Wien schon kennt, wird in diesem Buch viel Neues erleben, sein Reisefieber wieder entfachen für die abwechslungsreiche Stadt. Gabriele Lukacs ist bei den neuerlichen Erkundungen eine beruhigende Reiseleiterin.

Roma romanissima

Roma, romanissimo

Noch ein Stadtführer über Rom. Ist das wirklich nötig? Ja, denn es gibt noch kein Reisebuch für junge Leute. Und das auch noch von einem aus der Zielgruppe! Lucas Militello ist Römer, jung und ein Kenner seiner Stadt.

Bei seinem Buch bedient er sich eines Kunstgriffes: Zuerst besänftigt er die Gemüter, die schon heiß laufen bei dem Gedanken Rom nur aus der Sicht shoppingwütiger, geschichtsdesinteressierter, lauter Jugendlicher zu erobern. Das Colosseum und die Spanische Treppe gehören genauso in dieses Buch wie Fast Food und der obligatorische Sundowner (den viele noch als Absacker kennen).

Kurzweilig schlendert er durch Rom. Denn Hektik und ewiges Getriebensein passen einfach nicht zur Metropole am Tiber. Auch wenn es oft so wirkt. Nach den Highlights und Sehenswerten folgen Lebens- und Liebenswertes. Das ist Rom! Die Parks sind die viel gerühmten grünen Lungen der Stadt. Hier sind Touristen nicht unter sich, hier teilt man sich Seit an Seit mit Römern die Entspannung vom Alltag. Ein Touristenalltag sieht freilich anders aus als der eines Bewohners, Erholen müssen sich beide Spezies. Fit werden beide wiederum im Il Caffe. Einen Corretto im Stehen, ein kurzer Plausch und schon kann’s weitergehen durch die Ewiges Stadt.

Ohne Essen oder wenigstens darüber philosophieren – wer das beherrscht, hat die Römer auf seiner Seite. Dazu noch ein bisschen Nörgeln oder Herziehen über die Oberen und alles ist perfekt. Apropos Essen: Luca Militello hat natürlich auch ausgewählte Einkehrtipps. Wohltuend ist hierbei, dass er auf die sonst üblichen Superlative „die beste Pizza der Stadt“ und „die leckerste Pasta diesseits der Alpen“ verzichtet. Jeder hat seinen Geschmack, manche selbigen noch gar nicht gefunden. Aber Lucas – wir dürfen ihn beim Vornamen rufen, er duzt uns auch – legt die richtige Brotkrumen- bzw. Pasta/Pizzaspur.

Rom muss man besuchen! So viel steht fest. Kaum eine andere Stadt bietet so viel Geschichte, die bis heute noch nachwirkt, wie die Stadt am Tiber. „Roma, romanissima…“ ist der gedruckte, traditionelle Ableger einer gleichnamigen Seite in einem sozialen Netzwerk. Sozusagen das Bindeglied zwischen seit langem bewährt und neuer Technologie. Jede Generation hat Rom für sich selber entdecken müssen. Die, die heute die Nase rümpfen über die Jugend haben es früher auch nicht anders getan. Sie hatten allerdings nicht dieses Reisebuch. Vorteil Jugend!

Leben in West-Berlin

Leben in West-Berlin

Das musste ja so kommen! Nachdem vor einiger Zeit der Prachtband „Leben in Ost-Berlin“ die Bildbühne betrat, ist es nur logisch, das jetzt mit „Leben in West-Berlin“ der Nachfolger für Furore sorgen wird. Tauend Bilder aus dem Archiv von picture alliance wurden für dieses Buch, … nein für dieses Mammutprojekt zusammengetragen. Sie zeigen den Alltag in ungeschminkter Schönheit der eingekesselten Stadt.

Die Bilder stammen aus den Jahren 1945 bis in die Gegenwart. Dem Mauerfall wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Denn das war der Wendepunkt, an dem sich Berlin wieder entfalten konnte. War es vorher immer die bedauernswerte Metropole, der Trotzposten im Feindesland, ging es jetzt steil bergauf. Künstler, Industrielle, Menschen aller Couleur strömten an die Spree. Hier wurde nicht nur Geschichte geschrieben, wird sie wieder gemacht.

Günther Nessel gibt buchstäblich den Rahmen für die außerordentlichen Fotos und Fotogeschichten vor. Wer Berlin bisher oder in der Vergangenheit nur von einer Seite der Mauer kannte, erlebt nun endlich die andere (für viele die „bessere“ Seite) kennen. Legt man die sich ergänzenden Teile „Leben in Ost-Berlin“ und „Leben in West-Berlin“ nebeneinander, entdeckt man viele Parallelen, aber auch so manche Unterschiede. Die Unterschiede sind offensichtlich: Kleidung, Fortschritte beim Aufbau – alles nur äußerlich. Tief drinnen waren die Berliner immer eins. Auf beiden Seiten der Stadt mussten die Menschen arbeiten gehen. Das, was sie sich mit ihrem verdienten Geld anschafften, unterschied sich hier und da der Mauer.

Doch man muss dieses Buch sich selber anschauen – jeder wird was finden, was er kennt, womit er eigen Erlebtes verbindet. Sei es nun Klaus Kinski motzend auf der Bühne oder das schelmige Lächeln von Paulchen Kuhn. Oder die Gründungsversammlung der Freien Universität im Titania-Palast 1948. Oder 1971 die ersten Politessen der Stadt. Oder oder oder!

Tausend Bilder sagen mehr als tausend Worte!

Besonders im letzten Kapitel „Leben mit der Mauer“. Mauerspechte reißen ein, was Jahrzehnte zuvor „ohne Absicht“ aufgebaut wurde. Die Mauer war das Wahrzeichen der Stadt. Ungewollt. Heute spazieren Menschen aus aller Welt auf dem ehemaligen Todesstreifen. Hüpfen symbolisch von Ost nach West. Keine Hinweisschilder, dass man nun von einem Sektor in den anderen kommt – nur noch zu Erinnerungszwecken. Kein Winken über die Mauer zu den Verwandten auf der anderen Seite. Die Friedrichstraße ist wieder das, was sie einmal war: Konsummeile mit Blickfang.

„Leben in West-Berlin“ holt die Zeiten zurück, die man schon vergessen glaubte, gute wie schlechte. Ein grandioses Zeitdokument, das schwer wiegt.

Kopenhagen – Eine Biografie

Kopenhagen - Ein Biografie

Die dänische Hauptstadt Kopenhagen ist eng mit einer Märchenfigur verbunden, der kleinen Meerjungfrau. Sie verließ ihr angestammtes Terrain, um mit einem Prinzen an Land zusammen sein zu können. Der jedoch nahm eine andere. Die Meerjungfrau stürzte sich in die Fluten und schwebte nur als Geist über dem Land. Vor über hundert Jahren wurde eine Statue im Hafen Kopenhagens errichtet. Der Körper ist der Ehefrau des Bildhauers Edvard Eriksen nachempfunden. Das Gesicht der Primaballerina Ellen Price, die in dem gleichnamigen Ballett mit so viel Grazie die Meerjungfrau verkörperte. Das Wahrzeichen der Stadt – obwohl nur etwas mehr als einen Meter hoch – war des Öfteren Ziel vereinzelter Anschläge. Die Meerjungfrau, die heute Touristen als Fotomotiv gilt, ist also die Kopie der Kopie der Kopie …

„Kopenhagen – Ein Biografie“ ist Stadtgeschichte zum Anfassen. Zweiundvierzig Portraits von Künstlern, Denkern und Lenkern der Stadt Kopenhagen und des Königreiches Dänemark laden nicht nur zum Lesen ein. Die kurzweiligen Kapitel verführen geradezu zum Verreisen.

Auf den ersten Blick ist Kopenhagen nicht das Reiseziel Nummer Eins unter Europas Metropolen. Aber nur auf den ersten Blick. Denn Kopenhagen ist voller Geschichte und Geschichten. Berühmte Forscher lebten und wirkten hier, Niels Bohr zum Beispiel. Weltverzaubernde Dichter nisteten sich hier ein, Hans-Christian Andersen, um nur einen zu nennen.

Ihre Hinterlassenschaften bilden den Rahmen für ausgedehnte Spaziergänge durch die idyllische Stadt am Øresund. In seiner 800jährigen Geschichte hat Kopenhagen viel erlebt. Und Matthias Bath hat die Interessantesten in diesem Buch zusammengetragen. Ohne viel Tamtam entwirft er in kurzen Kapiteln das Portrait einer Stadt, die es wert ausgiebig erkundet zu werden. Kenntnisreich und wortgewandt ist dieses Buch der ideale Reiseleiter durch Kopenhagens Historie.

Carvalho und die Meere des Südens

Cavalho und die Meere des Südens

Jede Stadt, die etwas auf sich hält, hat ihren eigenen Ermittler. Venedig hat Guido Brunetti, Marseille Fabio Montale, und Barcelona hat Pepe Carvalho. Der Privatschnüffler wird dieses Mal von Anwalt Viladecan gebeten den Tod seines Klienten Carlos Stuart Pedrell zu untersuchen.

Der steinreiche Pedrell hatte vor einem Jahr alles hinter sich gelassen. Die Geschäfte führt nun seine Frau Mima, er selbst wollte sich lossagen von allem, was ihn einengte. Ab in die Südsee. Wie der Maler Paul Gauguin es tat. Ein sehnsuchtsvolles Gedicht hatte es Pedrell angetan. An und für sich nichts Ungewöhnliches. Außer, dass er nie in der Südsee angekommen ist. Sein Leichnam wurde auf einer Baustelle gefunden. Nun möchte seine Familie – in Person von Mima – wissen, was genau in diesem einen Jahr der Abwesenheit passiert ist.

In seiner unnachahmlichen Art und Weise – hart, bestimmt und unnachgiebig – nimmt der Schnüffler die Fährte auf. Artimbau ist Maler und sollte für den reichen Mäzen eine Wand gestalten. Carvalho und Artimbau unterhalten sich bei einigen Flachen „guten Weins“. Carvalho nimmt langsam Fahrt auf.

Seine Recherchen führen ihn quer durch die Hauptstadt Kataloniens. Für den Leser wird die Jagd nach der vergangenen Zeit nicht nur aufregend, sondern auch eine Reise durch eine Stadt voller Geschichten. Spanien hatte gerade die Franco-Diktatur hinter sich gelassen. Doch die Nachwirkungen sind immer noch zu spüren. So entspinnt sich so manches Gespräch zu einem Diskurs über alte Zöpfe, Moral und den ewigen Kampf zwischen Marxismus / Kommunismus und Kapitalismus. Und mittendrin immer das wunderliche Verschwinden von Carlos Stuart Pedrell.

Abwechslung in den Ermittlungen schaffen die Kochzeremonien Carvalhos. Wenn er kocht, dann mit Genuss. Einfach muss es sein. Und schmackhaft. Dem Leser wird zwar schon auf jeder Seite der Mund wässrig gemacht. Die Ausführungen zu den Kochkünsten des Ermittlers setzen dem Ganzen die Krone auf.

Carvalho kommt dem Geheimnis Stuart Pedrells auf die Spur. Dieser war kein Kostverächter. Carvalho ebenso. Kommen beide aus unterschiedlichen Lagern so weisen ihre Lebensweisen die eine oder andere Gemeinsamkeit auf.

Manuel Vázquez Montalbán schafft mit einfachen Wort ein gefühlvolles Bild Barcelonas vor über 30 Jahren. Sein Held ist mit allen Wassern gewaschen. Wer ihm selbiges reichen will, muss sich anstrengen. Wie ein märchenhaftes Roadmovie zieht Váquez Monatalbán seine Kreise. Wer an Andrea Camileri erinnert wird, liegt gar nicht so falsch. Sein Commissario Montalbano ist eine Hommage an den geistigen Vater Pepe Carvalhos.

Auf den Spuren des Dritten Mannes in Wien

Auf den Spuren des Dritten Mannes in Wien

Wenn es wieder einmal eine neue Liste mit den besten Filmen aller Zeiten gibt, taucht immer wieder ein Film ganz oben auf: „Der Dritte Mann“. Im Wien der Nachkriegszeit sucht ein erfolgloser Autor seinen Freund Harry Lime, der ihn nach Wien eingeladen hat. Doch aus dem Treffen wird nichts. Harry Lime ist tot, bestattet, unter der Erde. Nach und nach fügt sich ein Bild ins Andere – Harry lebt. Und das nicht schlecht. Aber er ist ein verwegener, skrupelloser Nachkriegsgewinnler geworden. Der Schmuggel mit Penizillin ist in dieser Zeit ein lohnenswertes Geschäft. Gerade wenn man es streckt. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Der Star des Films ist nicht Orson Welles. Es ist auch nicht die Riege später hochgefeierter Schauspieler. Der Star ist die Stadt, in der der Film spielt: Wien. Aufgeteilt unter den Siegermächten, vergilbt der Glanz einstiger Zeiten. Im Hotel Sacher standen damals (in echt!) die Pferde der russischen Besatzer.

Wer heute durch Wien schlendert, muss schon ganz genau hinsehen, wenn er Drehorte erkennen will. Das „Dritte Mann Museum“ in der Preßgasse sollte für Cineasten erster Anlaufpunkt sein. Dieses Buch ersetzt zwar keine Führung „Auf den Spuren des Dritten Mannes“ aber es zeigt eindrücklich wie sehr der Film in der Donaumetropole noch präsent ist, wenn man die Augen nicht verschließt. Besonders verheißungsvoll sind die Führungen unter Wiens, in der Kanalisation. Vor Drehbeginn waren die Macher dermaßen von dem unterirdischen Kanalsystem beeindruckt, dass sie gleich Drehorte vermerkten.

Das Buch ist eine Hommage an eine geschichtsträchtige Stadt, einen hervorragenden Film, an erstklassige Schauspieler. Denn nicht nur die Dreh- und Handlungsorte sind in diesem Buch aufgeführt, die Schauspieler, Autor, Produzent, Regisseur werden ins rechte Licht gerückt. Besonders bemerkenswert ist die Liste der Filmfehler, mit Zeitangabe. „Der Dritte Mann“ wird von nun an mit ganz anderen Augen gesehen. Und noch ein Star wird in diesem Buch gewürdigt. Anton Karas und seine weltberühmte Zithermelodie. Noch heute glauben viele, dass diese Melodie ein altes Volkslied ist. Dabei wurde es eigens für diesen Film komponiert. Anton Karas wurde ein berühmter Mann, sah viel von der Welt, konnte seinen Erfolg jedoch nicht dauerhaft nutzen.

Wer Wien schon kennt, der wird in diesem Buch neue Erkundungstouren entdecken. Wer Wien noch nicht kennt, wird sich auf Anhieb (nicht nur wegen dieses Buches, aber auch deswegen) in Wien verlieben. Schaurig schönes Wien – vom Zelluloid aufs Papier.

Letzte Tage in Baku

Letzte Tage in Baku

Olivier Rolin, oder besser: Ein Autor namens Olivier Rolin reist im Jahr 2004 nach Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Oder noch besser: Olivier Rolin veröffentlicht 2004 einen Roman, in dem ein Schriftsteller nach Baku reist. Und sich das Leben nimmt. Im Hotel Abscheron. Als Todesjahr wird 2009 angegeben.

Nun ist es 2009 und Olivier Rolin will mal schauen, was so aus ihm geworden ist. Baku – das Houston des Mittleren Ostens. Hier, wo Fördertürme den Horizont malen. Wo Tristesse und Aufbruchsstimmung Hand in Hand gehen.

Offiziell ist hat er sich mit einer Makarow 9mm im Zimmer 1123 des Hotels Abscheron selbst das Leben genommen. So steht es geschrieben. Und was geschrieben steht, ist wahr. Nur steht das Hotel Abscheron an seinem vermeintlichen Todestag nicht mehr. Die ganze Geschichte für die Katz? Die ganze Geschichte für die Katz!

Olivier Rolin bereist Aserbaidschan, anfangs um eine neue, passende Todesart zu finden. Auf seiner Suche begegnet er allerlei skurrilen Personen. Zum Beispiel einem Künstler, der sich mit den Großen der Weltgeschichte gern fotografieren lässt. Oder Kellnern, denen er mehr französisch beibringt als sie ihm russisch. Immer mit im Gepäck sind Autoren der Weltgeschichte und ihre Zeilen: Von Jules Verne bis Marcel Proust. Ihre Zeilen leiten ihn, zeigen ihm den Weg, deuten das Jetzt.

Eingerahmt vom niedergeschrieben Trauma und der banalen Faszination des Lebens erfährt Olivier Rolin ein seltsames Land. Russische Legenden, Ölmagnaten, einfache Menschen zeigen ein Aserbaidschan, das er so niemals erleben wollte.

Für den Leser bleibt ein riesiger Brocken Phantasie übrig. Wie sieht Aserbaidschan wirklich aus? Irgendwo zwischen der Sprachgewalt Ernest Hemingways und der Detailverliebtheit Thomas Manns schlendert Rolin durch die Ölfelder, den Kaukasus und über das Kaspische Meer. Sinnverloren treibt er von einer Sehnsucht zur anderen. Immer auf der Suche nach dem eigenen Tod. Seine Reise hat kein Happyend. Olivier Rolin tritt die Heimreise an mit einem Rucksack voller Erfahrungen. Zufrieden ist er dennoch kaum.

„Letzte Tage in Baku“ ist ein herrlich verschrobener Blick auf die eigene Aufgabe (im Sinne von Selbstaufgabe), perfekt zurecht gelegter Biographie und einer gehörigen Portion Fernweh. Es kommt nicht immer alles so wie man es sich vorstellt oder wünscht. Dieses Buch muss man ohne Vorurteil lesen. Wie eine intuitive Reise. Einfach loslegen. Ein Ziel findet sich immer. Großartiger Roman übers Scheitern!