Wald im Haus

Trutschel – so nennt man die Kleine, die hier im Wald, und das ist nicht nur symbolisch gemeint, aufwächst. Der Papa ist weg. Die Mama ist da, wenn auch meist nur physisch – und selbst dann mit Einschränkungen. Also verbringt die Kleine viel Zeit bei Oma und Opa. Aber eigentlich ist auch dass nicht ganz korrekt. Denn die resolute Oma führt „nebenbei“ noch eine Firma, und der Opa ist meist in seiner Werkstatt. Seine eigene kleine Welt. Ganz ohne Frau. Ohne Enkelin. Nur mit dem Hund, der aber auch bald nicht mehr sein wird.

Ist eine ziemlich düstere Welt, die Alena Mornštajnová da beschreibt, fast schon mystisch. Und das ist gewollt. Denn über der Familie, wenn man es so nennen will, schwebt ein dunkles Geheimnis.

Der Wald, in dem das Haus steht, wo Trutschel aufwächst ist unheimlich und Freiheit in Einem. Hier kann sie Kind sein. Doch Geborgenheit und Wärme findet sie hier nicht. Im Haus auch nicht. Wenn Mama mal nach Hause kommt – nach der Arbeit, viel zu spät nach der Arbeit – ist sie keine Mama. Sie schwankt, sie lallt, sie streitet. Opa hat sich dann immer schon in seine Werkstatt verzogen. Und Oma geht zum Angriff über. Mit wem sie sich rumtreibe – mit niemandem. Natürlich! Mama ist sich keiner Schuld bewusst. Sie lebt ihr Leben. Ein Leben, das sie eigentlich mit ihrer Tochter teilen sollte. Tut sie aber nur in den seltensten Fällen.

Doch wer ist nun wirklich schuld an dieser … Misere? Die Antwort verbirgt sich in einem dunklen Geheimnis. Nichts für Kinderohren oder gar Kinderaugen. Doch die Kleine bekommt mehr mit als ihr gut tut.

Alena Mornštajnová verführt den Leser und zieht ihn in eine Welt, die fast surreal erscheint. Alles, was war ist, was echt wirkt, hat immer einen Touch von Mystik. Nicht ganz so dramatisch und ausschweifend wie in „Twin Peaks“, doch nicht minder spannend. Und am Ende mit einer faustdicken Überraschung. Hat man sich nach ein paar Seiten in die Geschichte eingelesen, kommt man schwer wieder von ihr weg. Wer bisher nicht viel mit düsteren Geschichten anfangen konnte, hat hier eine Art Erweckungserlebnis. Die präzisen Charaktere finden im Nu ihre Gefolgschaft – ob man sie nun mag oder zutiefst verabscheut.