So ein poetischer Titel – so traurige Geschichten, teilweise. Rumiana Ebert schreibt in ihren Geschichten von Menschen, die ihre Heimat verlassen, verlassen mussten, aus den unterschiedlichsten Gründen. Sie suchten ihr Heil in Deutschland und Österreich. Sie fanden Fremde, sehnten sich nach der Heimat. Sie fügten sich, fügten sich ein, nahmen teil – und waren doch nur selten Antriebsfeder. Und wenn doch, dann ist es nur ein kleiner Schritt zum wahren Glück…
So wie einer Familie aus Plovdiv. Die Mutter ist die treibende Kraft, die schon in den 50ern drängt Bulgarien zu verlassen. In Ungarn sind gerade die Aufstände niedergeschlagen worden. Sie selbst hat in München Germanistik studiert. Sie bringt ihren Kindern Deutsch bei, damit die Umgewöhnung später nicht so schwer fallen wird. Ihr Mann ist bei den neuen Machthabern in Ungnade gefallen. Als ehemaliger Offizier der royalen Armee vor und im Krieg hat man für ihn keine Verwendung mehr. Er ist suspekt! Und muss als Bauarbeiter einer Arbeit nachgehen, für die er sich vor seinen Kindern schämt. Die Mutter impft den Kindern ein niemandem – NIEMANDEM! – etwas davon zu erzählen, was zuhause gesprochen wird. Über Berlin, Ost-Berlin, soll die Flucht gelingen. Die durchlässige Grenze ist das Tor zur Freiheit. Sie freundet sich mit einer Frau an, die ihr auch prompt eine Einladung in die DDR schickt – so war das damals: Ohne Einladung auch ins sozialistische Bruderland brauchte man eine Einladung. Als „Pfand“ muss allerdings ihr Gatte in Bulgarien bleiben. Am 12. August 1961 landen sie in Ost-Berlin. Ein Tag ausruhen und dann ab in den Westen … am 13. August 1961. Die Geschichte mahnt zur Eile…
Wer im Meer badet, sieht eine Welt, die über dem Meeresspiegel sich noch ganz anders präsentiert. Taucht man unter, taucht man in eine andere Welt ein. Doch was ist, wenn unter Wasser die Aussichten trüb sind? Eine gelungenes Sprachbild, das Rumiana Ebert geschickt nutzt, um tiefsitzende Probleme von Flüchtlingen plastisch darzustellen. Das gilt bis heute!
