Kröners Gedichtekalender 2025

Da könnte man fast neidisch werden. Nein, man wird definitiv neidisch. Die Feinheit der Linien, die Schriftführung, die Klarheit der Worte – wer sich beim Anblick dieser Kalenderblätter zu einem Vergleich mit der eigenen Handschrift hinreißen lässt, muss starke Nerven haben. Und wer noch nie so recht erklären konnte, warum etwas schön ist, dem wird hier geholfen.

Doch das sind nur Äußerlichkeiten – wenn auch die Schönsten, denen man im Jahr 2025 begegnen wird. Schon das Titelblatt der insgesamt siebenundzwanzig Kalenderblätter – jeder Monat also mit mindestens zwei Blättern, doppelter Genuss! – gibt die Marschrichtung vor: Alles wird gut! Und wenn es mal nicht so gut läuft, hilft lesen! Der erste und wohl einzige Kalender, den man anschauen und durchlesen kann. Muss!

Von Hölderlin bis Biermann über Rilke und Morgenstern bis hin zu Ringelnatz und Droste-Hülshoff reichen die Wortgaben des Gedichtekalenders, handgeschrieben von Hubert Klöpfer.

Man fragt sich unweigerlich, ob die Gestaltung nun Arbeit oder Vergnügen war. Wahrscheinlich war die Arbeit ein echtes Vergnügen. Und wenn nicht, will man es auch nicht wissen. Der Gedanke, dass so etwas Schönes aus Arbeit erstanden ist, wird von der Vorstellung, dass Schönes nur aus reinem Antrieb heraus entstehen kann, überlagert.

Ein bisschen Poesie im Alltag tut jedem gut. Es ist ein Zeichen von Kultur Eduard Mörike und Gottfried Benn wiedergeben zu können. Das ist echte Traditionsbewahrung, ganz ohne Ressentiments und sinnfreies Dagegensein (nur, weil es einfacher ist als Lösungen anzubieten!). Dieser Kalender braucht keine grafische Untermalung, es ist Wortwucht und feinsinnige Gestaltungsfreiheit in Einem. Das (schön-)geschriebene Wort als Gestaltungsmittel gibt es nicht mehr so oft. Hier wird jedes Wort, jede Silbe, jeder Buchstabe, ja, jeder Federschwung mit Hingabe zelebriert, dass die Sinne in Schwingung geraten. Brillant!

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Kulturkalender für Baden und Württemberg

Ein Kalender zeigt einem immer an, was der Tag geschlagen hat. Er ist der Knoten im Taschentuch, das Eselsohr im Buch und in diesem Fall eine Zierde an der Wand. Und dieser Kalender ist darüber hinaus ein Wissenslückenfüller.

Die gebürtige Ulmerin Hildegard Knef – ja, die war gar keine „echte Berlinerin“, wie die meisten vermuten mögen – machte am 18. Januar 1951 von sich reden. Es war der Premierentag von „Die Sünderin“. Zum ersten Mal bekam das züchtige Darstellungen gewöhnte deutsche Kinopublikum das zu sehen, wonach es nie zu dürsten wagte: Nackte Haut. Nur kurz, aber ausreichend, um jeden noch so verbiesterten Sittenhüter auf den Plan zu rufen. Dabei war es doch nur das natürlichste von der Welt…

Natürlich, also eigentlich naturalistisch, ist das Attribut, das den Künstler Friedrich Wilhelm Baumeister umschreibt. Sein Hauptwerk „Das Unbekannte in der Kunst“ dient bis heute dazu Moderne Kunst zu umschreiben, zu erkennen und einzuordnen. Ein echter Schwob, dessen Geburtstag man am 22. Januar gedenken sollte.

Ob nun der Gründung des Müttergenesungswerkes durch Elly Heuss-Knapp, mutiger Frauen, die „ihrem Mann standen“ oder visionären Ingenieuren – das Jahr 2025 bietet vielerlei Anlässe sich der Großen aus zu erinnern. Immer akzentuiert in Szene gesetzt und mit einem kurzen Erklärtext bildet der „Kulturkalender für Baden und Württemberg“ einen echten Hingucker. Da freut man sich endlich mal auf den Beginn der Woche!

Wo andere Kalender durch optische Überreizung schnell ihren eigenen Reiz ob der Fülle ins Abseits stellen, folgt jedem Umblättern im Wochenrhythmus ein mindestens kleiner Aha-Effekt. Und manchmal ist das neue Kalenderblatt vielleicht sogar Anstoß, um sich neuen Themen zu nähern. Die Zeitspanne der Ereignisse, die in diesem Kalender hervorgehoben werden, umfasst mehrere Jahrhunderte. Von den Bauernkriegen bis hin zur Geburt des Astronauten Alexander Gerst, von kulturellen Uraufführungen bis hin zur jüngeren Geschichte eines ganzen Landes.

Fernab von monothematischen Kalendern bekommt man hier die volle Breitseite der Geschichte und der Kultur aus und nicht nur für Baden und Württemberg.

Baskenland

Der Name Baskenland ist nun wirklich keine unbekannte Region – dem Namen nach. Aber mal ehrlich, wer kann außer San Sebastián und Bilbao noch weitere Städte und Regionen aufzählen?! Und dass sich das Baskenland bis nach Frankreich ist auch nicht jedem bekannt. Bis vor ein paar Jahrzehnten war es die Region mit Terroranschlägen der ETA. Da fuhr man nicht hin. Und man verpasste damals schon eine Menge.

Eine Rundreise durch das Baskenland ist so vielfältig, dass man diesen Trip als kleine Weltreise bezeichnen könnte. Die Frage nach „Meer oder Berge?“ stellt sich hier nicht. Denn es gibt – und hier geht – beides. Pyrenäen und Atlantik küssen sich hier auf besondere Weise.

Jens Wiegand führt in seinem Baskenland-Reisebuch den Leser durch eine Region, die mit ihren Reizen verführt. Ob nun das besucheranziehende Spektakel des Stierrennens in Pamplona – ja, Pamplona liegt im Baskenland – oder kulinarische Eroberungen in San Sebastián oder das Guggenheim-Museum in Bilbao, das Baskenland besitzt nicht nur auf den ersten Blick eine ungeheure Anziehungskraft.

Doch es sind nicht nur die offensichtlichen Highlights, die echte Magnete sind. Man muss sie ab jetzt nicht einmal mehr suchen, sie sind alle (!) in diesem Buch beschrieben. Aufschlagen, lesen, reisen! So und nicht anders wird es in Zukunft ablaufen, wenn im Familienkreis der nächste Urlaub besprochen wird.

Normalerweise sind Hauptstädte immer die ersten Anlaufpunkte für Fremde. Im Baskenland ist das nicht nur ein bisschen anders. Erstens: Wer kennt die Hauptstadt des Baskenlandes? Es ist Victoria-Gasteiz. Mh. Und liegt in der Region Araba. Mh. Nie gehört? Ist nicht schlimm. Von allen Regionen des Baskenlandes ist Araba diejenige mit den wenigsten Besuchern. Wer also Ruhe sucht, sich ursprüngliche Landschaften auf eigene Faust erkunden will – der ist hier richtig! Und wird aufs Vorzüglichste verwöhnt. Zum Beispiel mit einem hier angebauten Rioja. Auch der ist ein baskisches Produkt!

Apropos Produkt. Baskenmützen. Kennt jeder, steht nicht jedem. Aber wer sich eine Baskenmütze zulegen möchte, der sollte nach Txapela fragen. So heißt das weltweit bekannte Accessoire. Und Manufakturen gibt es in vielen Orten auf dem Weg. Ebenso wird man immer wieder auf Sportarten treffen, die hier noch vielerorts betrieben werden, außerhalb des Baskenlandes aber kaum Zuschauer anziehen. Pilota ist sicherlich die bekannteste Sportart. Mit einem aus Stroh geflochtenen bananenartigen Handschuhe wird eine Hartgummikugel über ein Spielfeld geschleudert. Mit irrsinniger Geschwindigkeit. Das gegnerische Team muss den zurückprallenden Ball fangen und darf nun selbst die Kugel mit Caracho dem Gegner zurückspielen. Wird auch in Florida gespielt, aber die traditionelle Variante stammt von hier. Und hier wird sie auch in ihrer ursprünglichen Form fast schon zelebriert.

Tradition und Moderne, Meer und Berge, versteckte Landschaften und überlaufene Großstädte mit immensem kulturellen Angebot – das ist das Baskenland. Wer es bereist, kommt an diesem Reiseband nicht vorbei!

San Sebastián & Bilbao

Als Zwillingsstädte kann man diese beiden nun wirklich nicht bezeichnen. Aber sie sind wahrscheinlich für die meisten der Grund in den Norden Spaniens zu reisen. Bilbao, die einstige Industriemetropole, die noch vor wenigen Jahrzehnten ein grauer Fleck inmitten grüner Landschaft war. Und San Sebastián die elegante Stadt am Meer, die Feinschmecker das Herz höher schlagen lässt.

Während Bilbao durch den Billigflieger-Boom der Vergangenheit an den Rand der Belastbarkeit getrieben wurde, hat sich San Sebastián, oder Donostia auf Baskisch, einen Hauch Exklusivität erhalten können. Zum ersten Mal sind diese beiden Städte in einem Reiseband vereint, der sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die deutlichen Unterschiede herausarbeitet. Für diejenigen, die sich nicht entscheiden können, keine Hilfe – denn beide Städte muss man besuchen. Ob nun auf einer Reise nacheinander oder mit zeitlichem Abstand – auch diese Entscheidung kann dieser Reiseband nicht abnehmen. Aber ansonsten wird hier jede noch offene Frage ausführlich und umfassend beantwortet. Selbst die Fragen, die man sich niemals gestellt hat…

Beide Städte sind Großstädte, die ihre Größe zu verstecken wissen indem sie kleine lauschige Plätze für den Besucher parat halten, die die Einzigartigkeit unterstreichen. Man muss nur wissen, wo man sie findet. Da greift Autorin Petra Sparrer energisch ein. Ohne die Exklusivität in Frage zu stellen, leitet sie den Leser und Besucher durch die Pracht der beiden Städte. Und wem das noch nicht reicht, den nimmt sie an die Hand, um mit ihm die Umgebung zu erkunden.

San Sebastián ist über alle Grenzen hinweg als Feinschmecker-Hochburg bekannt. Drei-Sterne-Restaurants en masse und Kochclubs, die mittlerweile auch Frauen aufnehmen, sind eine Offenbarung. Mancherorts ist man als Gast gern eingeladen mitzukochen, mitzuschwatzen und mitzuessen.

Bilbaos Herz schlägt am Guggenheim-Museum. Der imposante Bau von Frank O. Gehry lässt so manchen Kopf in Schräglage halten. Doch die Stadt besteht nicht nur aus silberner zeitloser Architektur. Wer durch die Altstadt schlendert, wird überwältigt von der Üppigkeit der Arkaden und Gassen. Dabei überseiht man gern mal etwas. Wäre doch schlimm, wenn man ausgerechnet den Nikolaus nur um ein paar Straßenecken verpasst, oder?!

Ob nun im Doppelpack oder als Einzelreise – beide Städte bringen jeden Besucher zum Träumen und Schwelgen. Es war an der Zeit diesen Ikonen in Spaniens Norden einen Reiseband zu widmen, der nun wirklich keine Frage unbeantwortet lässt.

Dresden – Bomforzionös!

Es gibt unzählige Möglichkeiten sich an Dresden zu erinnern, die Stadt sich in seine Gedanken zurückzuholen. Aktuell ist es wohl oft der Einsturz der Carolabrücke und dem darauffolgenden Aktionismus Brücken sanieren zu müssen. Viele bekommen einfach nicht (und das ist gut so!) die verheerende Bombennacht vom 13. Februar 1945 aus dem Kopf. Andere erfreuen sich, dass das Trümmerfeld der Frauenkirche einem Augenschmaus gewichen ist. Wer an Weihnachten Dresden besuchte, wird den Striezelmarkt nicht aus dem Sinn und aus der Nase bekommen. Und wer durch die Galerien streifte, ist immer noch erschlagen von der Pracht der Alten Meister. Und erst die Ruhepausen an der Elbe. Die Streifzüge durch die Parks…

Una Giesecke ist Stadtbilderklärerin, Tourguide, durch ihre Stadt. Sie kennt alle Geschichten. Weiß wer wann wo was gemacht hat. Sie vereint all die erwähnten Erinnerungen und Eindrücke in sich und kann sich immer noch daran erfreuen. Das wird sich auch nie ändern. Das spürt man im Handumdrehen, blättert man auch nur ein bisschen durch dieses kleine Büchlein.

Anekdoten, große Geschichte, Offensichtliches und Verborgenes, Plakatives und Vergessenes – das, was nur selten bis gar nicht im Reisehandbuch steht, wird hier zur breiten Bühne für jedermann. Man kann schon fast sagen, dass man nach dem Buch – und dem logischen anschließenden Besuch in Elbflorenz – man sich durchaus als Experte bezeichnen darf. Una Giesecke lässt Zeitzeugen zu Wort kommen. Menschen die beispielsweise die Bombennacht überlebt und fotografiert haben. Stille Helden, deren Wirken heute Standard ist. Sie zeigt ein Dresden, das für jeden offen ist. Auch wenn so mancher montags die Welt vom Gegenteil überzeugen will…

Wer Dresden besucht, braucht Hilfe, um nichts zu verpassen. Ein Reisehandbuch ist da ein sicherer Begleiter. Doch der Blick hinter die Fassaden ist meist nur ein gut gemeinter Ratschlag. In diesem Buch brechen die Mauern ihr Schweigen und platzen mit der Energie der aufgestauten Stille in die staunenden Massen hinein. Da bleibt kein Ort unerwähnt, der die Stadt charakterisiert. Wissenschaftler wie Manfred von Ardenne – Ich glotz TV wäre heute immer noch nur ein Lied von Nina Hagen, nicht mehr!. Wer kennt noch Ursula Bergander? Die, die jetzt ihre Hand heben, sind zum größten Teil sicher Geburtshelferinnen. Diese Ursula führte bis 1972 fast zwanzigtausend Frauen mit der schmerzarmen natürlichen Geburt in den Stand der Mutter. Eine weitere bärenstarke Frau aus Dresden war Uschi Blütchen. Sie war weltweit (!) die einzige Dompteuse von Eisbären. Die Liste könnte man unendlich fortsetzen. Dank dieses Buches.

Gera – Von Fettguschen und Brummuchsen

Das Territorium der DDR war in Bezirke eingeteilt. Von Rostock im Norden, Autokennzeichen begannen immer mit einem A, bis Suhl im Süden, O klebte hier an den Trabbis und Wartburgs, von Dresden bis Magdeburg in Ost und West. Die größten Städte waren die Hauptstädte und Namensgeber der Bezirke. Die kannte wirklich jeder. Nach der Wende verschwanden die Namen aus en Köpfen. Sie wurden nicht mehr erwähnt, sofern man keine verwandtschaftlichen Beziehungen dorthin hatte. Auch in den überregionalen, landesweiten Medien kamen manche Städte einfach nicht mehr vor. Wer hat in den 90ern von Gera gesprochen? Die Stadt war wie vom Erdboden verschluckt. Zugegeben, das ist ein drastische Übertreibung, denn die Stadt existieret ja weiterhin und tut es bis heute. Aber als Ausflugsziel- gar als Urlaubsziel steht Gera garantiert nicht unter den Top 100. Das kann sich aber ändern. Es wird sich ändern.

Zum Beispiel ist die Stadt mit dem gleichnamigen Fluss auch die Geburtsstadt des Malers Otto Dix. Der wurde vor 1891 (Achtung Jubiläum!) in Untermhaus, einem Stadtteil von Gera geboren. Und das wird nun im großen Stil gefeiert. Etwas außerhalb der Stadt kann man durch das prächtige Tal der Weißen Elster auf Erkundungstour gehen oder radeln. Auch wenn hier das Adelsgeschlecht der Reußen seinen Ursprung hat, so kann die Stadt nicht recht mit diesem Erbe wuchern. Einer der letzten Sprösslinge – selbst aus dem Familienverbund ausgetreten – nahm und nimmt für sich in Anspruch Deutscher Regent sein zu wollen, zu müssen (?). Er ist allerdings der einzige – der Großteil der männlichen Vorfahren hießen und heißen übrigens Heinrich, was Ahnenforschern die Farbe aus den Haaren treibt – der Deutschland nichts Gutes will. Seine Vorfahren waren progressiver.

Autor Uwe Lehmann ist der Typ Kenner, dem man gebannt lauscht, dem man das Geschriebene sofort ins eigene Hirn übertragen lässt. Gera ist auf einem guten Weg seine Vergessenheit abzulegen. Und wer in die zufriedenen Fettguschen schaut, weiß, dass das aus gutem Grund passiert. Denn die Brummuchsen verstummen langsam – zu viel verbales Lokalkolorit? Dann ist dieses Buch Pflichtlektüre!

Hier wurde schon immer Geschichte geschrieben, seit Jahrhunderten. Nur hat das kaum einer außerhalb bemerkt. Und wenn doch, dann nur selten. Hat man vor Jahren den Namen nur von der Autobahnabfahrt gekannt, so ist man heute bei einem Tagesausflug gut beschäftigt, will man so viel wie möglich erleben. Und bald schon muss man in Gera übernachten, da das Erkundungspensum sonst nicht gestemmt werden kann. Und dieses Buch wird ein treuer Begleiter sein, wenn man die Anekdoten und Geschichte der Stadt kennen will.

Die Couch

Es gehört zu den nachhaltigsten Störungen im Tagesablauf, wenn der nächtliche Schlaf unterbrochen wird. So würde es Linus sicher niemals ausdrücken, dennoch schreckt er des Nachts durch ein grelles Licht aus seinem Bett hoch. Draußen ist ein Ufo gelandet! Ja, tatsächlich ein Ufo. Und vier unheimliche Gestalten – Roboter – steigen aus. Neugierig wie Linus nun mal ist, geht er mutig auf sie zu, das Raumschiff ist ja auch eher winzig als furchteinflößend groß.

Die Erdneulinge brabbeln drauf los. Linus versteht kein Wort. Doch die Roboter sind vorbereitet. Ein kurzer Dreh am Knopf und schon können Linus und die Roboter miteinander reden. Sie wollen die Erde erobern und als Versorgungszentrale nutzen. Das Wort kennt Linus noch nicht… Was erobern ist, das weiß er. Es könnte gefährlich werden. Doch Linus lässt sich davon nicht abschrecken. Er will die Roboter besänftigen.

Er schlägt vor ihnen Pudding zu kochen. Schokoladenpudding. Ihn jedenfalls macht er immer glücklich. Und wer weiß, vielleicht klappt das ja auch mit der Vier-Roboter-Armee aus dem All?! Sie sollen es sich erstmal auf der Couch gemütlich machen. Couch? Gemütlich machen? Schlafen? Die Roboter sind überfordert. Ausruhen und warten, sitzen – das kennen sie nicht. Doch wer erstmal auf der Couch von Linus sitzt, kommt dem Geheimnis des süßen Nichtstuns schnell auf die Spur…

Matthias Kröner schafft mit wenigen Worten ein Universum, in das man sich gern und schnell hineinziehen lässt. Wie geschaffen für Leseanfänger. Die Illustrationen von Jan Sasse lassen keinen Zweifel an der Rechtsmäßigkeit der Worte. Auch als Erwachsener hat man daran seinen Spaß. Auch wenn in trainierten Gehirn der Großen sofort Assoziationen zur Gegenwart aufpoppen. In einer idealen Welt gibt es keine Eindringlinge. Die kann man aber mit Schokopudding in die Schranken weisen. Und wenn der der Frieden mit der (unfreiwilligen) Abgabe einer Couch wiederhergestellt werden kann, ist das Opfer durchaus zu verkraften. Knallbunt, auf den Punkt, ideal, um sich auf der heimischen Couch in das vielleicht erste Buch zu vertiefen und in dieser fantastischen Welt zu versinken.

Alles Sisi

Dieses Buch kommt eindeutig zu spät! Dutzende, nein, hunderte, wenn nicht so gar tausende Bücher wurden über Elisabeth geschrieben. Ihr Tod ist legendär, ihr Leben noch heute Vorbild für Generationen von Frauen. Und dennoch wird dieses Buch Beachtung finden. Es ist vielleicht sogar das Buch, das jeder zuerst in die Hand nehmen sollte, interessiert man sich ernsthaft mit der sagenhaften Kaiserin.

Wenn es Ende Februar wieder heißt „Alles Walzer“, wird so mancher auch der Sisi gedenken. Also „Alles Sisi“. Jeder Biographie der Kaiserin ist eine Zeittafel angehängt. Unzählige Bilder zieren die unfassbare Menge an gedruckten Seiten. Doch das sind nicht mehr als Daten und Fakten, die man beim Vor- und Zurückblättern einatmet – und meist auch gleich wieder vergisst. Es sei denn, man bereitet sich auf eine Quizshow vor.

Verena Edinger bringt endlich Ordnung in den Wust an Lebensdaten der Kaiserin. Die Farbgestaltung ist sicher auch kein Zufall. Alles in zarten Lila- und Rosatönen gehalten. Oder besser gesagt in Veilchenblau. Eine, wenn nicht sogar die Lieblingsfarbe der Kaiserin. In Neapel, wo Sisi eine gewisse Zeit verbrachte, kann man noch an originaler Stelle, unweit des Teatro San Carlo, genau dieses Eis nach Originalrezept genießen. Fensterplatz inklusive, das verstärkt den Sisi-Effekt. Das Rezept dazu gibt’s im Buch. Ebenso die genaue Aufschlüsselung des Energiegehalts anderer Leibspeisen der figurbewussten Kaiserin.

Viel Zahlenwerk. Aber auch eine ansprechende Aufbereitung. Es reicht nicht einfach nur zu sagen, wann Sisi wo war. Das sind Fakten, die man beim Kaffeekränzchen zum Besten geben kann. Das Verhältnis der Verweildauer zur Lebenszeit sprengt manchmal den Rahmen der Vorstellungskraft. Der arme Gatte. Nur ein paar Prozent ihres Lebens durfte er mit ihr verbringen. Bei ihr war es wohl reziprok…

Es ist ein Fest sich durch das Leben in Zahlen der Kaiserin von Österreich Ungarn zu wühlen. Vor, zurück, eine Seite zwischen den Finger einklemmen, um noch mehr Sisi aufnehmen zu können. Dieses Buch liest man nicht wie einen Krimi – Seite für Seite. Hier blättert man herum, nicht gedankenverloren, sondern hochkonzentriert und wissbegierig. Und neugierig, was auf der nächsten Seite lauert.

Es ist das Eine zu erfahren, wer was wann getan hat. Doch die Grafiken in diesem Buch stellen prompt Zusammenhänge her und dar, die man nur als eingefleischter Profi ermitteln kann. Nun wird jeder Nostalgie-Royalist zum Experten. Wenn er es möchte. Von der Bahre bis zum Mythos, von der Reise-Süchtigen bis hin zum Musical-Star, von der Getriebenen zum Opfer eines Anarchisten – Alles Sisi, alles in einem Buch, alles auf einen Blick!

Along the road

Um es vorweg zu nehmen: Alles, was Aldous Huxley bereits vor einhundert Jahren besuchte, was ihm passierte, kann man heute auch noch so erleben. Nur eben nicht so abgeschieden, so individuell, so neuartig.

Würde Huxleys heute noch reisen und darüber schreiben, würde sein Instagram-Account überquellen und übereifrige Reise-Influencer würden sich überbieten noch schönere, eindrucksvollere – bessere? – Fotos ins Netz zu stellen. Und das alles nur, um dem alten Meister zu zeigen, dass sie ihm schon in jungen Jahren das Wasser reichen können. Huxley benutzt

Aber keine Filter – und schon ist die ganze Illusion dahin…

Also doch Aldous Huxley folgen! Mit ihm und leichtem Gepäck in Italien einer Prozession folgen. Ohne nerviges Gedränge von Desinteressierten, die nur darauf warten das eine, ultimative Foto zu schießen. Das sind genau diejenigen, denen Huxley am Beginn des Buches eine Breitseite verpasst. Reisen, um sich einer Schicht zugehörig zu fühlen, die nicht die eigene ist. Es ist Huxleys Liga, in die man versucht einzudringen, wenn man den x-ten Eisladen in bella italia „mit dem besten Eis der Welt“ postet. Huxley sind diese Freuden nicht fremd. Auch er sucht – vielleicht nicht nach dem besten Eis der Welt. Jedoch nach den einmaligen Erlebnissen, die er dann gern mit seinen Lesern teilt.

Einhundert Jahre ist es her, dass dieses Buch zum ersten Mal erschien. Es dauerte fast eben diese einhundert Jahre bis es auf Deutsch erscheint. Umso erfüllender ist es zu lesen, dass sich im Grunde fast nichts verändert hat, wenn man reisen will. Die Neugier war, ist und bleibt die Antriebsfeder eines jeden Abenteuers. Der Palio in Siena ist aber heutzutage ein Spektakel, das dermaßen viele Touristen anzieht, dass das eigentliche Ereignis nur schwer zu genießen ist. Huxley hingegen konnte sich – wenn auch mitten in den Massen der meist Einheimischen – mit der Tradition eingehender beschäftigen.

Wer bei Huxley und Reisen an seine Drogenerfahrungen denkt und meint „Along the road“ ist ein weiteres Werk in eine bunte Welt einzutauchen, liegt erst einmal falsch. Die einzige Realitätsveränderung führt er durch eine Brille herbei. Und selbst dieser kleine Kunstgriff kann heute immer noch für eine andere Sicht auf Landschaften hilfreich sein.

Der sterile Untertitel „Aufzeichnungen eines Reisenden“ konkurriert mit dem Inhalt auf jeder Seite, in jeder Zeile. Diese Reiseeindrücke gehören in jedes Reisegepäck. Nicht nur, um zu schauen, was sich in den vergangenen einhundert Jahren verändert hat. Nein, es erdet den Abenteurer und gibt den Blick für das einzig Wahre frei.

Wie Jesus das Lübecker Marzipan erfand

Die Auswahl an Verlegenheitsgeschenken ist schier unendlich. Bücher jedoch aus der Verlegenheit heraus zu kaufen, geht meist in die Hose. Sich bewusst für ein Buch zu entscheiden, stellt für den Einen oder Anderen eine Herausforderung dar. Hat der zu Beschenkende einen Lieblingsautor? Und was, wenn er oder sie schon alles von ihm oder ihr gelesen hat? Irgendwas Witziges ist auch ein zweischneidiges Schwert. Humor kann so vielfältig sein …

Lorenz Meyer hat – vielleicht unbewusst – die perfekte Lösung geschrieben. „Wie Jesus das Lübecker Marzipan erfand“ ist das – leider einmalige – Geschenk für alle mit Grips und einem Hang zum Lesen. Denn hier werden Fans von Thomas Mann, Astrid Lindgren und Simone de Beauvoir gleichermaßen ihr Aha-Erlebnis haben. Wie soll das denn gehen? Von allen ein bisschen? Ein wildes Weihnachtsgebäck, das mit einer wilden Mixtur aus allerlei Zutaten die Geschmacksnerven Amok laufen lässt? Nein. Drei Dutzend mal die Weihnachtsgeschichte, drei Dutzend unterschiedliche Stilarten dem Jesuskind und seinen Eltern ein Denkmal zu setzen.

Los geht’s – der Titel lässt es erahnen – mit Familie Mann. Eine Kaufmannsfamilie sitzt finanziell in der Patsche. Als dann auch noch die über alles geliebte Tochter, Maria, den nicht standesgemäßen Josef heiraten will, hängt der Haussegen nur kurz schief. Doch als dem ungleichen Paar Nachwuchs ins Haus steht – Maria beteuert unter Tränen, dass sie nichts Unrechtmäßiges mit Josef getan habe – ist das Tischstuch zwischen elterlichem Hausidyll und jugendlicher Verliebtheit zerschnitten. Das Paar schweißt diese Tatsache aber fester zusammen. Bei einem Haustürgeschäft erwerben sie wertvolle Backzutaten. Ist klar wohin die Reise des Buches gehen wird?!

Es ist ein Hochgenuss sich dem Treiben der Heiligen Familie zu widmen. Und wenn man die guten Vorsätze einmal ein wenig zu seinen Gunsten umformulieren möchte, ist Kurt Tucholsky nicht zwingend der schlechteste Ratgeber… Hugo Ball … ja … da ist man … da … da … genau das! Und wie würde eigentlich Tom Ripley die letzten Tage des Jahres verbringen. Genauso mörderisch wie Agatha Christie?

Ein Bücherregal voller Mistelzweige, strahlender Augen, unendlicher Freude, tief sitzender Gefühle – auf alle Fälle das erste und ungewöhnlichste Buch zum und rund ums Fest!