Quartett Unsere Blumen

Quartett Unsere Blumenzum Verlag

Hand aufs Herz! Wie viele Blumen können Sie ohne Weiteres bestimmen? Garantiert keine zweiunddreißig. Na dann wird’s Zeit für den Joker! Der Klatschmohn zum Beispiel kann eine Höhe von 90 Zentimetern erreichen, die Blüten können bis zu einhundert (!) Millimetern groß werden, vier Blüten werden ausgebildet, er ist wenig giftig, und es gibt achtzig Gattungsarten.

So viel erfährt man, wenn man vorsichtig die Raschelfolie vom Quartettspiel „Unsere Blumen“ vom Moses-Verlag abzieht, nachdem man sorgsam den Deckel der exquisiten Blechdose geöffnet hat und das Deckblatt entfernt und die Spielanleitung beiseitelegt. Die Neugier ist größer als der Spieltrieb!

Gänseblümchen – ja, das kennt jeder – passt zu Bärenklau, aber nicht zur Wiesen-Glockenblume. Und Kohl-Kratzdistel schlägt Gundermann. Ähnlich den beliebten Autoquartetts siegt die höhere Zahl, außer beim Giftigkeitsgrad. Doch da kann man die Regel auslegen wie man will. Oder man spielt dieses Spiel eben wie es der Name schon vorwegnimmt als „ganz normales“ Quartett. Doch normal ist es nicht. Die liebevollen detaillierten Abbildungen zeichnen ein genaues Bild der Blumen, dass man das Spiel glattweg als Bestimmungslexikon beim nächsten Ausflug benutzen kann. Drei Wünsche auf einmal – das gibt’s sonst nur in der Werbung.

Europa isst vegan

Europa isst vegan

Das im unschuldigen Weiß daherkommende Europa im roten Meer der Fleischfresser? Naja, ganz so martialisch sollte man vegane Küche und dieses Buch nicht sehen und nehmen. Veganes Kochen ist keine Modeerscheinung, auch wenn man meint, dass jeder, der das Kochen ohne Butter und Fleisch ausprobiert hat gleich als Experte seine Weisheiten im Fernsehen kundtun muss. Veganes Kochen ist eine weitere Facette des lukullischen Buhlens um die Geschmacksknospen des Körpers. Außerdem ist veganes Kochen gesund.

Für Viele ist veganes Kochen die letzte Revolution und das letzte unbekannte Sachgebiet im Schlachtfeld Küche. Schlachtfeld ist sicher der falsche Begriff, denn Gemüse zubereiten ist eine unblutige Sache. Und es ist bei Weitem keine Modeerscheinung, wobei der Siegeszug der tierproduktlosen Küche scheinbar erst seit Kurzem existiert.

Der Aufwand beim veganen Kochen, also beim Kochen ohne jegliche tierische Produkte – schauen Sie mal auf ihren Tisch des heutigen Tages, Sie werden staunen, wie wenig übrigbleibt, wenn man auf Butter, Schmalz, Fleisch und Käse verzichtet – ist überschaubar. Im Gegensatz zum verzichtsfreien Kochen ist kaum ein Unterschied zu erkennen. Nur wer noch Frischling ist, ist bei der Nahrungssuche auf erfahrene Veganer angewiesen. Überall lauern Fallen. Gelatine ist ein gern genommenes Beispiel hierfür. Denn meist werden darin Reste vom Schwein verwendet. Also nicht verboten, aber es ist dann eben kein veganes Mahl.

Mark Reinfeld kocht schon seit Jahren vegan und ist erfolgreicher Chefkoch. Auf seinen Reisen hat neben den Sehenswürdigkeiten auch eine ganze Menge Restaurants und Küchen besucht und in die Kochtöpfe gelinst. Die gefundenen Rezepte hat er – nach Ländern sortiert – in diesem Buch zusammengefasst. Italien, Frankreich, Spanien und Portugal, Großbritannien und Irland sowie Griechenland und Deutschland werden ausführlich als vegan affine Nationen vorgestellt. Schon das Inhaltsverzeichnis lässt den Leser staunen: Gyros? Vegan? Ja! Am besten mit Pommes und Tsatsiki. Alles ganz ohne tierische Produkte. Die Zutatenliste ist nicht weiter ungewöhnlich: Olivenöl, Zwiebel, Paprikaschoten, Knoblauchzehen, Oregano, Rosmarin, Zitronensaft, schwarzer Pfeffer. Erst jetzt wird’s neuartig. Seitan ist Gluten mit fleischähnlicher Konsistenz. Auch Liquid Smoke klingt erst einmal fremd, aber macht neugierig – flüssiger Rauch. Hat was Magisches. Statt Seitan kann auch Tofu verwendet werden. Wie’s zubereitet wird, steht im Buch auf Seite 225. Alle Gerichte sind Fast-food-geeignet. Mehr als eine halbe Stunde braucht man nicht, um sich vegan, gesund und – ja jetzt kommt’s – fair zu ernähren. Ein Buch nicht nur für bereits Überzeugte, sondern für alle, deren Magen immer wieder für Neues offensteht.

Let’s Talk

Let's Talk

Künstler aus Israel und dem Iran arbeiten zusammen an einem Projekt? Das geht doch gar nicht! So wie die beiden Länder sich beharken? Falsch! Es sind vereinzelte Menschen, meist Politiker, die dem anderen nicht das Schwarze unterm Fingernagel gönnen. Jetzt muss man aufpassen, dass man nicht sagt: „Es sind nicht die Menschen, die dem Anderen nicht das Schwarze …“ – Politiker sind auch Menschen, nur folgen sie manchmal Idealen oder Richtlinien, die gemeinhin nicht verständlich sind.

Künstler hingegen frei in ihren Worten und Schaffen. Sie scheren sich nicht um „Die da oben“. Ein reger Austausch über Grenzen jedweder Art hinweg, dient ihrem Vorankommen. Und dieses Vorankommen öffnet dem Betrachter ab und zu die Augen. Der Verdienst einen grenzübergreifenden Kalender mit Werken von Künstlern aus diesen beiden Kulturen zusammenzustellen, gebührt Mehrdad Zaeri. Die Arbeiten waren Segen und Fluch zugleich. Denn so mancher Künstler musste Repressalien nicht nur befürchten, sondern auch über sich ergehen lassen.

„Let’s Talk“ ist nicht nur wegen der ungewöhnlichen Mischung der Herkunft der Künstler so beeindruckend – es sind vor allem die Bilder, die zum Dialog und zum Nachdenken einladen und anregen. Das Vorwort – ja, auch ein Kalender kann ein Vorwort haben – noch ein Argument, das für diesen Kalender spricht – hat Mehrdad Zaeri in Gedichtform verfasst. „Es gibt Grund zur Hoffnung!“, ist der Grundgedanke des Gedichtes und des Kalenders.

Jeder Monat erstreckt sich in voller Länge über zwei Kalenderblätter, wobei jeder Monat zwei Bilder enthält. Unterschiedliche Maltechniken zeigen, dass hier und da der Grenze nur eine Wahrheit gilt: Die der künstlerischen Sicht auf die Dinge.

City Trip Zürich

Zürich CityTrip

Regelmäßig versuchen sich Ratingagenturen am Katalogisieren der Welt. Bei den teuersten Städten der Welt taucht seit Jahren immer wieder eine Stadt auf: Zürich. Momentan irgendwo um Platz Acht oder Neun. Je nach Untersuchung. Unter dem Schlagwort „Die lebenswertesten Städte der Welt“ rangiert die größte Stadt der Schweiz auf Platz Eins. Tanja Köhler und Norbert Wank wissen warum.

Städte an Seen faszinieren schon allein durch ihre Lage. Das wusste schon die alten Römer und errichteten hier eine Zollstation, Turicum. Bei einem Ausländeranteil von knapp einem Drittel ist es klar, dass hier auch unterschiedliche Kulturen ihren Spuren hinterließen.

Das Erste Kapitel ist mit „Auf ins Vergnügen“ überschrieben. Wohin die Reise geht, ist klar: Egal ob für einen Tag, ein Wochenende, ob als Genießer, Bummler oder Geldbeutelerleichter – Zürich bietet was für alle Sinne. Im Kunsthaus kann man sich an den weniger teuren Skulpturen Giacomettis erfreuen – erst kürzlich wurde der „Zeigende Mann“ für über 140 Millionen Dollar verkauft, Giacometti hält somit Platz Eins und Zwei der teuersten Skulpturen der Welt. Wem das noch nicht reicht, der sollte seinen Zürich-Besuch auf das erste Septemberwochenende legen. Denn dann findet die „Lange Nacht der Museen“ statt.

Nach so viel laufen und Staunen tut ein wenig Erholung gut. Dafür sind die Parkanlagen wie Zürichhorn oder der Belvoirpark an. Auch der Zoo bietet auf 27 Hektar Entspannung und einen herrlichen Blick über Stadt und See. Apropos See: Am Stadthausquai befindet sich das Frauenbad. Und ja, der Name lässt es leise anklingen, es ist nur für Frauen! Seit fast einhundertdreißig Jahren kann man hier planschend den Blick auf Grossmünster und Altstadt genießen.

Große Denker und Dichter hatten schon früh die Stadt für sich entdeckt: Friedrich Gottlieb Klopstock vergnügte sich hier ausgiebig, Gottfried Keller setzte mit seiner „Zürcher Verlobung“ der Stadt ein literarisches Denkmal, Lenin genoss hier ausdauernd sein Exil. Auch Revolutionäre machen mal Pause vom Kampf und erfreuen sich an den bourgeoisen Errungenschaften…

Wer Zürich besucht, braucht Hilfe. Hilfe beim Herausfiltern der zahllosen Attraktionen zwischen Finanzmetropole und lukullischen Höhepunkten, zwischen Shoppingrausch und Museumsbesuch. Die beiden Autoren geben umfassend und knapp zugleich einen kompletten Überblick, was man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen darf. In der letzten Umschlagseite ist der Netzplan des öffentlichen Nahverkehrs abgebildet und für Puristen ein Stadtplan beigefügt.

Schwiizertüütsch

Schwiitzertüütschwww.reise-know-how.de, 144 Seiten, 7,90 €, ISBN 978-3-8317-6406-8

Wenn ein Schweizer in seiner Sprache so richtig loslegt einem was zu erzählen, wird’s für die meisten eng. Nichtschweizer Kabarettisten versuchen sich krampfhaft mit Krächzen und endlosen –lis am Ende der Substantive dem Schwiizertüütsch zu nähern. Sie sind alle zum Scheitern verdammt. Doch keine Angst: Ein echter Schweizer kann auch hochdeutsch.

Dennoch ist es doch gerade eine fremde Sprache, die einen Urlaub zu einem Abenteuer macht. Und ein paar Brocken zu beherrschen, lässt einem doch auch nicht einen Zacken aus der Krone brechen, oder?! Die Kauderwelsch-Reihe aus dem Reise Know How Verlag ist praktisch in vielerlei Hinsicht. Zum Einen ist der kleine Sprachführer so handlich, dass er bequem in die Hosentasche passt. Zum Anderen ist er klar gegliedert und hält für jede Situation die richtige Floskel parat. Auch wenn es kein einheitliches Schweizerdeutsch gibt, jede Region pflegt ihren eigenen Dialekt. Wer die Aussprache beherrscht, hat schon mal die Hälfte des Sprachweges hinter sich. Ein h hat im Schwiizertüütsch keine Dehnungsfunktion, sondern wird deutlich gesprochen. Wird ein Vokal lang ausgesprochen, wird er verdoppelt. Das n am Ende von Verben wird weggelasse. Und wenn ein Schweizer eine d Pfane auf den Herd stellt wird erstmal s Rüebli (das e ist stumm und dient dazu das ü lang zu sprechen) im Wasser gekocht und nicht gebraten.

Bis hierhin hat man gerade mal ein Sechstel des Buches geschafft und eine ganze Menge gelernt.

Bis zu Globi, Knorrli und Täät Garee ist es noch ein weiter Weg. Sie können mit diesen Begriffen nichts anfangen? Im Buch wird Ihnen klar wie Sie zu reagieren haben, wenn es so über die Straßen schellt. Egal, ob im Restaurant oder auf der Straße – Konversation gehört nunmal dazu, um eine Stadt, eine Region, ein Land kennenzulernen. Ebenso wie das mehr oder weniger intensive Auseinandersetzen mit der Sprache des Landes. Dieses kleine Büchlein ist ein hilfreicher Ratgeber für jede Situation im eidgenössischen Verbund.

Kalypsos Liebe zum kalten Seerhein

Kalypsos Liebe zum kalten Seerhein

Hätte man vor ein paar Jahrzehnten jemandem gesagt, er solle im Rhein schwimmen, wäre ein entsetzter Gesichtsausdruck die passende Antwort gewesen. Im Seerhein zu baden, ist hingegen eine reine Wohltat. Der Seerhein ist ein kleiner Fluss, der den Unter- und Obersee des Bodensees miteinander verbindet. Springt man in Konstanz gen Westen von der Alten Rheinbrücke ist man mittendrin.

So wie Niks, eigentlich Nikola, aber Niks ist ihr lieber. Sie genießt es – bei jedem Wetter – im Seerhein ihre Seele baumeln zu lassen. Das hält jung, hält frisch. Niks ist, wie man so schön sagt, im besten Alter. Verpflichtungen empfindet sie nur gegenüber sich selbst. Ein grandioses Leben, das sie da führt. Eines Tages tritt ihre Freundin Karen mit einer außergewöhnlichen Bitte an sie heran. Hektor, der 21jährige Spross Karens soll eine Zeit bei Niks wohnen. Er macht ein Praktikum beim Radio und benötigt dringend eine bezahlbare Bleibe. Wie damals. Niks war Nachrichtensprecherin und Karen Praktikantin. Niks besorgte ihr und später ihr und ihrer Freundin eine Wohnung. Für ein paar Wochen bildeten Niks und Karen eine WG.

Niks und Karens Leben verliefen unterschiedlich. Auf der einen Seite die Frau, die ihren Job macht, ansonsten aber familiären Verpflichtungen die kalte Schulter zeigt: Niks. Auf der anderen Seite die kaputte Karriere beim Ballett und die scheinbare Erfüllung in der Familie: Karen. Doch beide Leben verliefen eigentlich nicht froh und glücklich. Niks hat sich in ihren vier Wänden eingeigelt. Vor nicht mal einem Jahr ist sie vom Radio weggegangen und erfreut sich nun dem Rentnerdasein. Ganz ohne Verpflichtungen, wie immer in den vergangenen Jahrzehnten. Und nun hat sie ein Kind, einen Jungen. Einen, auf den sie aufpassen soll. Wie sei beim Radio. Die ersten Gehversuche meistert er ganz ordentlich. Niks’ distanzierte Art lässt kaum Platz für Lob. Hektor irritiert das ein bisschen. Doch Niks ist unfähig ihre eingeschlagenen Pfade zu verlassen.

Doch sie muss sie verlassen. Denn Hektor ist mit einem Mal mehr als nur der abgeladene Sohn einer Freundin und Ex-Kollegin…

Chris Inken Soppa lässt ihre Heldin Niks gegen alles kämpfen, wogegen sie noch nie kämpfen musste. Der jugendliche Trojaner in Niks‘ Hort der Unbeschwertheit wird zum tapferen Recken, der Niks‘ Panzer zu zerschmettern droht. „Kalypsos Liebe zum kalten Seerhein“ ist eine gefühlvolle, wortstarke Geschichte über die Anziehungskraft der Menschen über alle Barrieren hinweg. Ein echtes Urlaubslesevergnügen, das vielleicht Erinnerungen weckt und garantiert zum Nachdenken anregt.

Tod zwischen den Zeilen

23 Tod zwischen den Zeilen

Rausgerissen aus dem Leben, verstümmelte Reste, Raub und Diebstahl: Brunetti hat es dieses Mal nicht mit einem bestialischen Mord zu tun – anfangs – sondern mit einem Diebstahl. In der Biblioteca Merula wurden wertvolle Bücher gestohlen und zerstört. Brunetti kennt die Bibliothek aus Studientagen, doch scheint sie dem Ermittler inzwischen fremd. Kaum eine Erinnerung kann die Gegenwart erhellen.

Bücher wurden gestohlen, einzelne Seiten wurden aus den wertvollen Niederschriften herausgetrennt. Direktorin Dottoressa Fabbiani ist verzweifelt. Wer tut so was nur? Brunettis erste Spur führt ihn zu Tertulian, einem Priester, der immer wieder in den Werken Tertullians liest und deswegen von den Angestellten so genannt wird. Eigentlich heißt er Aldo Franchini, und er war mal Priester. Beim Gespräch mit der Dottoressa über eben diesen Tertullian fällt Brunetti was auf: Tertullian war nur Besucher, interessiert, aber eben nur ein Besucher. Die Dottoressa kenne ihn gar nicht, doch kann dem Commissario sofort Antworten geben, auf Frage, wie nur jemand, dem Tertullian ziemlich vertraut ist.

Die Bücher sind zu einem Großteil Schenkungen einer der angesehensten Familien der Lagunenstadt, deren Oberhaupt die Contessa Morossini-Albani ist. Brunetti kennt die resolute Dame. Sie ist eine Freundin seiner Schwiegermutter. Aber eigentlich ist Brunetti hier gar nicht zuständig, er ist Mordermittler und nicht Schnüffler für Buchverstümmelung.

Seit einigen Fällen lässt Donna Leon ihrem Commissario Brunetti einen gewissen Hauch von Büchervernarrtheit offen angedeihen. War es zu Beginn der Reihe eher seine Frau Paola, die sich an Büchern und Geschichte nicht genug ergötzen konnte, so kristallisierte sich in den vergangenen Jahren auch immer mehr sein Interesse für das Gewesene heraus. Wohl auch deswegen bleibt Brunetti am Ball.

Der Einfachheit halber recherchiert zur Familie Morossini-Albani. Gianni, der Spross der Familie, die einst vier Dogen stellte, ist ein ganz besonderes Früchtchen. Drogen, Partie mit Minderjährigen Mädchen, Diebstahl – er lässt nichts aus und … kommt ungeschoren immer wieder aus dem Schlamassel raus. Solche Leute liebt Guido Brunetti besonders! Die Contessa hingegen ist von anderem Schrot und Korn. Sie liebt und hasst gleichermaßen leidenschaftlich. Und sie weiß, was sich als ehrenwerte Tochter der Stadt gehört: Sie fördert die Kultur. Sie ist spitzzüngig und generös.

Und dann gibt es für Commissario Guido Brunetti endlich einen Mord! Endlich darf er offiziell ermitteln! Und schlussendlich – so viel darf verraten werden – findet er den Schuldigen Papierraubtiger!

Im dreiundzwanzigsten Fall lässt Donna Leon ihre zweite große Leidenschaft, nach der barocken Musik, Bücher und das darin versammelte Wissen in einen ihrer Krimis einfließen. Verstaubte Gewölbe, verstaubte Bibliothekare sind nicht das Terrain, auf dem Brunetti sich bewegen muss. Vielmehr sind es Lebenslust und die Kunst Venedig trotz der Spuren der Vergangenheit im Glanze erstrahlen zu lassen. Und ein Mörder kümmert sich erfahrungsgemäß nur oberflächlich um die Vergangenheit. Um zu entkommen, muss sein Fokus auf die Zukunft gerichtet sein. Und heißt erst einmal Commissario Brunetti!

Wer Donna Leons gelegten Fährten ihres Commissarios durch Venedig folgt, lernt die Lagunenstadt besser kennen als ein Pauschaltourist, der brav dem hochgehaltenen Regenschirm der Reiseleitung hinterher trabt. Die Dramen hinter den teils maroden Fassaden, die einstigen Bewohner der Paläste links und rechts der Kanäle sind zu engen Vertrauten geworden. Wer noch tiefer in die Stadt eintauchen will, muss entweder nach Venedig reisen oder steckt seine Nase in den prächtigen Bildband „Venedig – City Impressions“ von Bernd Rückert – ebenfalls vorgestellt auf dieser Seite. Stimmungsvolle Bilder stellen eine Parallele zu den Ermittlungen von Commissario Brunetti dar. Langsam lichtet sich der Nebel des Unbekannten, um dann mit voller Wucht vor die Augen des Betrachters zu treten. Ein bildgewaltiger Krimi ohne Opfer, es gibt nur Gewinner. Die Leser.

City Impressions – Venedig

City impressions Venedig

Das Verhältnis von Einwohner zu Besuchern beträgt in Venedig Eins zu Hundert. Null Komma Eins zu Eins beträgt das Preis-Seiten-Verhältnis dieses Bildbandes. Klarer Sieg für das Buch! Doch so kann man weder Venedig noch dieses Buch betrachten. Venedig sehen (und nicht gleich danach sterben!) gehört einfach in die Lebensplanung eines Touristen.

Venedig ist mathematisch nicht zu erklären. Venedig genießt man mit all seinen Sinnen. Die Augen laufen über beim Anblick der üppigen Architektur. Das Plätschern des Wassers in den Kanälen lässt den Alltagslärm fast vergessen. Der Duft, der aus den zahlreichen Restaurants strömt verbreitet Urlaubsstimmung. Ein morbider Charme zeichnet Venedig aus. Darin sind sich alle einig. Eine Zerbrechlichkeit, die im Sonnenlicht hervorbricht, bei Nacht sich dem Betrachter in ihrer ganzen Schönheit zeigt.

Auf pechschwarzem Grund präsentiert Bernd Rücker seine Eindrücke. Das Wasser und die Besucher hinterlassen ihre Spuren. Doch auch die Großen ihrer Zeit haben sich in Venedig verewigt. Heutzutage ist es Commissario Brunetti, dessen 23. Fall in diesen Tagen erscheint. Einst waren es Giacomo Casanova und Antonio Vivaldi. Amouröser Provokateur, melodischer Musiker und berechnender Polizist: Venedig ist für jeden da!

Das Buch beginnt mit einer für Venedig so typischen Szene: Ein Anlegesteg für Gondeln. Der Tau (wieder Wasser) tropft leise vom Geländer, das fade Licht der Straßenlaternen taucht die Stadt in einen mystischen Nebel. Der Dogenpalast ist nur schemenhaft als kolossale Silhouette zu erkennen. Der Markusplatz glänzt im zarten Nass der Nacht. Passend zu der Geschichte um Robert, der immer noch im Alltag gefangen ist. Die Stadt wird ihn verschlingen und ihn aufsaugen. So wie es jedem in Venedig geht.

In Einzelbildern wird sein Schicksal zu dem eines jeden Bildbetrachters. Wie im Museum, nur mit dem Unterschied, dass hier offensichtlich eine Geschichte erzählt wird. Einzelne Spots erhellen die Nacht. Lang geöffnete Blenden erzeugen eine stimmungsvolle Atmosphäre. Mit nicht ganz geöffneten Augen – ein wenig verschwommen taucht die Rialto-Brücke aus dem Nichts der Nacht auf. Leichte Wellen lassen die Nacht nicht gänzlich vorüber sein. Das Schwarz-Weiß wird gekonnt durch Farbakzente in beruhigenden Farben ersetzt.

Bernd Rücker verzaubert mit seinen Bildern den zweidimensionalen Spaziergänger durch die Lagunenstadt. Das turbulente Ringelreih der Tauben – die Touristen nur zu gern füttern und dann bitterlich dafür bestraft werden – gehört zum Alltag genauso dazu wie Souvenirkitsch rund um die bekannten Hotspots der Stadt. Es sind die kleinen Details, die diesen Band der Bildbandreihe City Impressions von Vagabond books. Kleine Risse in Mauerwerken, verwittertes Holz an den Gondeln, entspannte Gondoliere, spielende Kinder … Venedig ist so reich an Lebensfreude und Verfall wie keine andere Metropole der Welt.

Oft wird gesagt, dass abseits der Touristenpfade eine Stadt am ehrlichsten ist. Nur will da keiner hin. Keine Postkartenidylle – kein Besuch. Dass es sich lohnt Venedig weit weg von maßlos überteuerten Cappuccini und überlaufenen Sandalenpfaden zu erkunden, wird spätestens ab der Mitte des Buches klar. Hier sieht Venedig nicht mehr so geleckt aus. Hier erholt man sich vom Stress des babylonischen Sprachenwirrwarrs. Hier ist der Himmel blau, weil er blau ist und nicht weil Photoshop es so will.

In der Zwischenzeit ist Robert weiter in die Stadt eingetaucht. Und er ist nicht mehr allein. Emilio und Sarah haben sich zu ihm gesellt. Sie sind die Abwechslung für Robert während seiner Venedigtour. Bei so vielen Eindrücken muss ab und zu eine Pause drin sein. Schließlich wartet noch der Tag noch auf einen krönenden Abschluss.

Der durchbrochene Buchdeckel in Form des Umrisses von Venedig gibt ein wenig die Richtung des Buches vor. Düster und kolossal zu gleichen Teilen. Dieses Buch liest man mehrmals. Als Vorbereitung auf eine unvergessliche Zeit und nach der Rückkehr immer wieder als qualitativ (in jeder Hinsicht) hochwertiges Fotoalbum.

Die komplette Buchreihe City impressions umfasst außerdem die Metropolen Marrakesch, Rom, Paris, Lissabon, Barcelona und Istanbul und ist generell in zwei Sprachen erhältlich, deutsch / englisch und französisch / spanisch.

Claude Monet – Wasser und Licht 2016

Monet

Impressionismus – ach schon wieder so ein Wort, mit dem nur Vertraute was anfangen können. Das sind doch die, deren Bilder man nur aus betrachten kann, da sie sonst wie schlecht vergrößerte Pixel-Leichen aussehen. Ein hartes Vorurteil, dem unbedingt begegnet werden muss. Warum nicht mit einem der größten Vertreter dieser Kunstrichtung, die gern auch als die Malerei des Lichts genannt wird. Claude Monet lebte von 1840 bis 1926. Seine Bilder ziehen jeden unweigerlich in ihren Bann, der mit offenen Augen durchs Leben spaziert. Selbst Kunstunkundige schielen verstohlen auf die farbenprächtigen Gemälde. Nicht das Objekt stand im Mittelpunkt seines Schaffens, sondern das, was zwischen ihm und seinem Objekt passierte. Das ist Impressionismus, so einfach ist das!

Vor einigen Jahren erzielte „Die Eisenbahnbrücke von Argenteuil“ bei Christie’s einen Preis von über vierzig Millionen Dollar. Eines der Nachfolgebilder (Serien waren ein Charakteristikum Monets) „Die Steinbrücke von Argenteuil“ aus dem Jahr 1874 ziert den Juni dieses Kalenderjahres.

Zuvor, 1867 im wahren Leben und im Mai in diesem bildgewaltigen Kalender, zeigt Claude Monet sein Können im „Garten bei Sainte-Adresse“. Dort verbrachte er den Sommer bei seiner Familie in der Nähe von Le Havre. Der Betrachter sieht die Terrasse vom Fenster der Villa seiner Tante. Madame Lecadre versteckt sich auf dem Bild vorn unter dem Schirm. Die intensiven Farben und Flächigkeit hat er bei japanischen Farbholzschnitten abgeschaut.

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Auch für eines seiner ersten Seerosenteich-Bilder nahm er sich diese Methode zum Vorbild. Das im August jeden Raum erhellende Bild zeigt einen über und über mit Seerosen gefüllten Teich, über den sich eine Brücke spannt. Dadurch, dass die Ufer nicht zu sehen sind, entsteht ein unbestimmter Raum im Bild. Ja, so einfach ist Impressionismus.

Einen Einblick in die Seelenwelt Monets erhascht man im Dezember. Die „Felsen bei Belle-Isle“ zeigen eine wilde, rauhe, zerklüftete Felslandschaft. Die Wellen krachen lautvoll gegen die Klippen. Dem Betrachter wird die Jahreszeit bewusst.

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Einmal einen Monet besitzen ist in Anbetracht des zu zahlenden Preises für fast jeden mehr als nur ein Traum. Aber ein reichliches Dutzend, genauer gesagt: dreizehn, sich für ein Jahr in die heimischen vier Wände zu hängen, ist ein wahr gewordener Traum.

Gourmet-Welten 2016

Gourmet Welten

Himmel und Hölle liegen oft so nah beieinander. So viele himmlische Reiseziele und – wie diabolisch – so wenig Zeit. Köche rund um den Globus zaubern tagtäglich die leckersten Gerichte auf den Tisch und – ja, ein wahrhaft teuflischer Plan – die Hüften mögen jede einzelne Kalorie und geben sie nie wieder her.

Reisen bildet, Schlemmen soll eine Todsünde sein. Dann wird 2016 ein abwechslungsreiches Jahr. Der kulinarische Entdecker-Kalender „Gourmet-Welten“ ist der Auftakt in ein Jahr voll sinnlicher Erlebnisse. Germknödel und andere Mehlspeisen sind so eng mit Österreich verbunden wie Schneegestöber und der berühmte Wiener Schmäh. Nicht weniger reichhaltig sind die Erzeugnisse der Mandelernte auf Mallorca. Auch der März macht mit Pastéis de Nata aus Portugal keinen (vernünftigen) empfohlenen Bogen um das schmackhafte Hüftgold. Doch kurz nach Ostern, der April sendet die ersten Frühlingsboten, muss man schon ganz schön zulangen, um mit Sushi zu sündigen. Wir sind in Japan.

Gourmet Welten_Japan

Das Jahr vergeht Tag für Tag mit fruchtig-herben Delikatessen aus der Karibik und mediterraner Leichtigkeit. Gegen Ende des Jahres – gerade rechtzeitig, wenn es nach und nach wieder etwas kühler wird – punktet Thailand mit feurigem Street-Food. Was wäre ein kulinarischer Kalender ohne Italien? Nichts, maximal die Hälfte. Oliven, als Öl oder als Pesto, dazu eine Landschaft, die jedem ein sehnsüchtiges Lächeln ins Gesicht zaubert. Gerade noch rechtzeitig bevor Wein und Fisch aus Frankreich und Norwegen das Jahr beschließen.

Gourmet Welten_Marokko

Dreihundertfünfundsechzig Tage sind ausreichend, um die Welt lingual (lingua, lateinisch für Zunge) kennenzulernen. Wer noch Anregungen braucht, wird mit diesem Kalender ein echtes El Dorado erleben. Stimmungsvolle Landschaftsbilder und appetitanregende Abbildungen von Spezialitäten ergeben eine gelungene Mixtur aus Reiselust und Kochkunst.