Motus!

Amila - Motus!

Es ist ein raues Leben, unten an der Schleuse. Dort, wo Dédé seinen Lebensunterhalt verdient. Reich geheiratet hat er, müsste also gar nicht mehr hier in der Gosse menschlicher Rohheit sich verdingen. Doch er sieht seine Arbeit als Berufung – er mag diesen besonderen Menschenschlag.

Seine Frau Jacqueline und seine beiden Kinder geben ihm das, wonach er immer suchte: Ruhe und Zufriedenheit.

Doch dann wird die alltägliche Idylle inmitten des Flusses erheblich getrübt: Der Kopf des Kapitäns der Hémitate schwimmt halterlos im Wasser, ein Arm hängt nur noch in Resten am Rumpf des leblosen Körpers. Düster liegt die Nacht über der Szene.

Ein Verdächtiger ist schnell gefunden. Coutre. Dédés Chef und Schleusenwärter. Er hat sich kurz vorher mit dem Opfer in der Wolle gehabt. Er habe ihm seine Faust zwischen die Zähne geschoben, mehr nicht. Als er ihn von sich stieß, waren noch zehn Meter zwischen dem späteren, noch lebendigen, Opfer(!) und dem Wasser. Alle glauben ihm, alle. Außer der Gendarmerie. Pflichterfüllt wird Coutre in Gewahrsam genommen.

Die eingeschworene Gemeinschaft am Wasser ruft zum Streik auf. Währenddessen gerät Dédé in arge Bedrängnis. Zuerst wird er zusammengeschlagen. Sein Schwager ist auch keine Hilfe. Vielmehr schlagen sich die beiden fast die Köpfe ein. Die Folge: Aus der Pistole, die Dédé in seinen Händen hält, löst sich ein Schuss. Jacquelines Bruder ist tot! Lucien, ein Freund, und Dédé lassen die Leiche verschwinden. Kein guter Zeitpunkt. Denn noch immer gibt es keinen sicheren Täter für den Mord am Kapitän der Hémitate, die Gendarmen schnüffeln überall herum. Jetzt fehlt also auch noch einer aus der Gemeinschaft.

Doch dann taucht jemand auf, mit dem niemand gerechnet hat…

Jean Amilas Milieustudie an den Ufern des Flusses gehört zur ersten Liga der schwarzen Serie. Zeile für Zeile liest man sich durch das Dickicht der Verschwiegenheit. Motus! ruft man in Frankreich jemandem zu, der sein Maul zu weit aufreißt, gegenüber Leuten, die man nicht kennt, denen man nicht vertrauen kann. Das Gebot des Schweigens gilt auch hier. Auch 60 Jahre nach Erscheinen gibt es Parallelen zur Gegenwart. Wem kann man noch Vertrauen, wenn es um den eigenen Job geht? Die eigene Haut nach außen schützen. Familiensinn und Zusammengehörigkeit sind oft wichtiger als die Moral.

Inspector Ghote zerbricht ein Ei

01 - Inspector Ghote zerbricht ein Ei

Krimis, deren Handlung in Indien spielen, versprechen aufgrund des exotischen Handlungsortes eine besondere Spannung. H.R.F. Keating (das HRF steht für Henry Reymond Fitzwater – somit wäre das erste Rätsel des Buches gelöst) setzt dem Ganzen jedoch die Krone auf. Denn der Leser wird nicht nur mit einer köstlichen Geschichte für den Kauf des Buches belohnt, er wird sanft und unaufhaltsam in den indischen Kulturkreis eingeführt.

Inspector Ghote ist einer der besten Männer bei der Polizei in Bombay. Eines Tages soll er alles stehen und liegen lassen, um in der Provinz – undercover – einen 15 Jahre alten Mord an einer Frau noch einmal zu untersuchen. Problem (Nummer Eins): Ihr Gatte ist so was wie der uneingeschränkte Herrscher am Einsatzort. Alles tanzt nach seiner Pfeife.

Und ein weiteres Problem taucht auf (Problem Nummer Zwei! – und dabei haben die Untersuchungen noch nicht einmal begonnen): Seine Tarnung fliegt gleich beim Verlassen des Zuges auf. Ach was! Schon vorher. Aus der Zeitung muss Ghote erfahren, dass er mit neuerlichen Untersuchungen betraut wurde. Jetzt weiß jeder, dass der Schnüffler in der Stadt ist. Die Tarnung als Vertreter für Hühnerfutter kann er vergessen.

Sarojini Savarkar starb vor 15 Jahren. Ihr Mann Vinayak ist jetzt der gekrönte Herrscher über die Kleinstadt, in der der Inspector ermitteln soll. Das Leben fließt gleichmäßig hier. Es gibt wenige Leute, die das Sagen haben und jede Menge Einwohner, die ihren Worten folgen. Auch Taten folgen lassen.

Bei seinen Ermittlungen stößt der gehorsame Inspector auf taube Ohren und verschlossene Münder. Auf der Straße, in der Anonymität sieht es anders aus: Ein wütender Mob skandiert „Ghote go!“. Zum Glück erkennt niemand den Inspector.

Der Inspector ist ein ausgeglichener Mann. Ihn auf die Palme zu bringen, bedarf schon Einiges an Aufwand. Doch auch dem so besonnenen Ermittler kann die sturste Wand aus Schweigen aus dem Konzept bringen. Keiner hier im Ort will etwas gegen die Oberen sagen. Eine höhere Macht scheint dahinter zu stehen. Diese „höhere macht“ ist ein heiliger Mann. Er ist der eigentliche Strippenzieher. Was er sagt, wird gemacht.

Die Tarnung als Hühnerfuttervertreter funktioniert nur draußen auf der Straße. Hinter den Mauern weiß (fast) jeder mit wem er es zu tun hat. Ein verzwickter Fall, der ungewöhnliche Methoden verlangt…

H.R.F. Keating führt seine Leser in eine unbekannte Welt. Altbewährte Traditionen, Riten und Wertevorstellungen treffen hier auf gewitzte Ermittlungsmethoden und klaren Menschenverstand. Wer Krimis liebt, wird Inspector Ghote vergöttern!

Inspector Ghote geht nach Bollywood

02 - Inspector Ghote geht nach Bollywood

Bollywood ist der Ort mit der höchsten produktionsrate im Filmgeschäft. Klar, dass hier Neid und Missgunst den Alltag bestimmen. Denn im Filmgeschäft des indischen Subkontinents herrscht ein gnadenloser Konkurrenzkampf. Wer einmal oben ist, muss sich jeden Tag anstrengen, um nicht vom Thron gestoßen zu werden.

Ein Leinwandschurke par excellence ist, nein war Dhartiraj. Nun ist er tot. Nicht filmtot, sondern ganz real. Auch wenn die Umstände durchaus filmreif sind. Ein Scheinwerfer knipste ihm da Lebenslicht aus.

Relativ schnell sind auch zwei Verdächtige ausgemacht. Zum Einen, der Schauspieler, der vor Dhartiraj die Leinwände als Schurke füllte. Zum Zweiten sein designierter Nachfolger. Beide haben ein Motiv.

Das meint auch Miss Pilloo Officewalla (ein Oscar für den Autor für diesen Namen). Sie ist Klatschreporterin und kennt alle aus der Filmbranche. Eine von der Sorte, die, wenn sie auspackt eine ganze Industrie zu Fall bringen kann.

Die rührige Reporterin hüllt Inspector Ghote, der sofort nach Bekanntwerden des Mordes mit der Aufklärung betraut wurde, in eine Wolke aus Klatsch und Tratsch und nützlichen Fakten aus der Traumfabrik. Ghote ist kein großer Kinogänger, die Klatschspalten interessieren ihn nicht im Geringsten. Somit wird Miss Pilloo Officewalla zur ersten Vertrauten in diesem schwierigen Fall.

Schwierig, weil jeder eine Rolle spielt. Ghote ist nicht unbedingt mit dieser Art der Zurschaustellung vertraut. Er ist eine ehrliche Haut, Posieren ist ihm fremd. Wohl deswegen ist er dem Leser von Anfang an so sympathisch.

Die Suche nach dem Mörder gestaltet sich immer schwieriger. Vor allem, weil Inspector Ghote immer wieder neue Verdächtige vor die Linse laufen. Fast scheint es als ob er die Übersicht verliert, wer es denn nun gewesen sein könnte. Da fällt ihm ein, wer der Mörder ist. Ein weiterer Star der Bollywood-Szene. Der wurde sogar gesichtet als er über eine Mauer auf das Studiogelände schlich. Na, wenn das kein Beweis ist? Ghote soll sich ein weiteres Mal irren, bevor er dem wahren Täter und seinen Beweggründen auf die Spur kommt.

Bis dahin unterhält H.R.F. Keating den Leser aufs Beste mit seiner Geschichte. Sein Inspector Ghote ist kein Alphatier. Er tut brav, was man ihm sagt. Widerworte kennt er kaum. Und wenn, dann spricht er sie nicht offen aus. Doch er ist gewitzt. Hat er sich in einen Fall verbissen, gibt es für den Täter kein Entrinnen.

Inspector Ghote hört auf sein Herz

03 - Inspector Ghote hört auf sein Herz

Der Pharma-Unternehmer Manibhai Desai wird erpresst. Sein Sohn Haribhai wurde entführt. Und jetzt fordern sie einen Haufen Geld. Und bloß nicht die Polizei einschalten! Das würde dem Kleinen gar nicht bekommen. Dumm nur das der Spössling beim Spielen seine Kleidung mit Pidku getauscht hat. Dessen Vater ist Schneider und wahrlich nicht mit Reichtum gesegnet. Was werden die Entführer tun, wenn sie merken, dass ihr vermeintliches Pfund, ihre Geisel, ihr Goldesel in Wahrheit der Sohn eines armen Schluckers ist? Da kann nur einer helfen: Inspector Ghote. Denn den  Polizisten würde man ihn als Letztes abkaufen. Äußerlich zumindest.

Die Verhandlungen mit den Entführern sind schwierig. Zum Einen ist Manibhai Desai nicht gerade ein umgänglicher Mensch – als Unternehmer ist er nicht umsonst so erfolgreich. Zum Anderen steht Inspector Ganesh Ghote unter Dauerbeschuss von seinem Chef. Der Vorgesetzte lässt seinen Untergebenen immer wieder spüren, wer hier die Hosen anhat. Und zum Dritten wissen die Entführer bereits, dass sie das falsche Kind in ihren Besitz gebracht haben. Dennoch weichen sie keine Rupie von ihren Forderungen ab. Den Unternehmer wurmt das gewaltig. Warum soll er die Unsumme für ein Kind eines armen Schneiders ausgeben? Dennoch ist er bereit die Summe aufzubringen.

Die erste Geldübergabe scheitert, weil die eingesetzten Polizisten enttarnt werden. Ghote trifft dies wie ein Schlag. Ein Kind ist entführt worden! Da muss doch alles genau vorbereitet sein. Alle unterwiesen. Sei es wie es ist! Der Fall muss ohne viel Federlesen gelöst werden. Zur Not auch ohne den Chef, zur Not auch unkonventionell.

Die Figur des Inspector Ghote ist eine Tragische. Äußerlich wirkt er gemütlich. Auch hat er kein verschmitztes Lächeln oder eine andere Eigenart, die den Leser in keiner Sekunde daran zweifeln lassen, dass der Fall gelöst wird. Ghote ist Durchschnitt! Auch hier wieder: Nur äußerlich! Denn Ghote ist ein herzensguter Mensch. Und auf sein Herz zu hören, ist manchmal gar nicht so verkehrt …

Inspector Ghote reist 1. Klasse

04 - Inspector Ghote reist 1. Klasse

Mit dem Zug durch Indien – wahrlich ein Abenteuer. Inspector Ghote sieht das anders. Er will die Dienstreise nach Kalkutta nutzen, um sich ein wenig zu erholen, die Heimat kennenzulernen. Deswegen der Zug. In Kalkutta soll er den berühmten Betrüger A. K. Bhattacharya abholen, um ihn nach Bombay zu überführen. Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt, da der clevere Geschäftsmann mit seinen betrügerischen Methoden einen ordentlichen Haufen Geld gescheffelt hatte. Er verkaufte Kitsch als hochwertige , alte Kunst und zog so manch Gierigem und Unwissenden das Geld aus der Tasche. Den letzten Käufer ging er allerdings auf den Leim. Nun sitzt A. k: Bhattacharya im Dum-Dum-Gefängnis von Kalkutta und wird dank der Medien zu einer Berühmtheit.

Inspector Ganesh Ghote, der schwerfällig wirkende, doch gewiefte Ermittler, schwimmt im Sog des kurzzeitigen Ruhmes auf einer Erfolgswelle. Endlich werden er und seine Arbeit ernst- und überhaupt wahrgenommen. Es ist mehr als nur ein bisschen Stolz, das in Ghote aufkeimt…

Und so verwundert es ihn auch kein bisschen, dass er gleich zu Beginn der Fahrt in ein Gespräch verwickelt wird, in dem er als Inspector „entlarvt“ wird. Und diese Reisebekanntschaft ist sehr neugierig, will alles über den Fall Bhattacharya wissen (und vor allem weiß er schon sehr viel). Als Krönung hat der Gegenüber auf seinem Koffer die Initialen A. K. B.

Der mitreisende Guru wird als Reisegast hingenommen, als heiliger Mann lässt man ihn aber lieber in Ruhe.

Ein Hippiepärchen gesellt sich zu dem Duo. Die sind harmlos, wollen Indien erfahren, denkt sich Ghote. Immer noch mustert er den Bengalen mit dem verdächtigen Namenskürzel. Zumal ihn inzwischen ein Telegramm erreicht hat, dass seine gesamte – so erholsam verlaufen sollende – Reise als Zeitverschwendung erscheinen lässt.

Ein weiterer Gast gesellt sich zu der willkürlich (?!) zusammengewürfelten Truppe im Zugabteil. Der will jedem unaufgefordert gleich von seiner Arbeit erzählen. Alle sollen raten, welchem Beruf er nachgeht. Ghote hat für solche Späße keine Nerven. A. K. B. ist das nun der gesuchte Meisterverbrecher, der ihm gegenüber sitzt oder nicht?

H. R. F. Keating lässt den Inspector und den Leser zappeln. Immer wieder scheint sich der Gegenüber zu verraten. Doch fast im gleichen Atemzug entschärft der Reisende die Situation und Ghote muss weitergrübeln. Die Reise nach Kalkutta wird zur Geisterbahnfahrt durch das Kuriositätenkabinett Indiens. Genug Erfahrungen für Ghote. Doch er hat ja noch die Rückfahrt vor sich…

Wölfe in Genua

Bruno Morchio - Wölfe in Genua

Das ist nicht fair! Montagmorgen. Die Woche beginnt träge. Über den Dächern der Stadt weht leise der Schirokko, dieser unaufhörliche, nicht starke, dennoch immer spürbare Hauch von Nichts. Und Privatdetektiv Bacci Pagano wird von seinem Schöpfer Bruno Morchio schon wieder in die Spur geschickt. Ein alter Mann liegt zerfleischt im Park. Ein Jogger hat ihn entdeckt. Die Versicherungsgesellschaft CarPol in Person von Dott. Gianluca Boero will die genaue Todesursache wissen. Denn Mino Terenzi hatte eine hohe Lebensversicherung abgeschlossen. Seine um einiges jüngere Frau hat schon zu Lebzeiten dem Leben die guten Seiten abgerungen. Soll heißen, dass die beiden wohl gehörig über ihre Verhältnisse lebten. Julia Rodriguez Amanzar kam als Illegale aus Panama nach Genua. Eine „Karriere auf dem Strich“ galt wahrscheinlicher als ein bequemes Leben an der Seite eines reichen Sugardaddys. Davon geht die Polizei aus. Trips nach Monte Carlo, ein teures Cabrio waren ihr beschieden. Und nun liegt ihr Gatte mit durchbissener Kehle am Wegesrand. Mehr als nur eine Randnotiz: Genau in der Gegend wurde ein Wolf gesichtet bzw. wurde er gehört. Ein elendes Heulen jede Nacht.

Und Julia Amanzar hatte einen Lover, Manuel, Chilene, Besitzer einer Hundezucht. Doch das weiß nur Bacci Pagano. Julia hatte Angst diese Information an die Behörden weiterzugeben. Klar! Eine hohe Lebensversicherung, eine (lebenslustige) junge Witwe, ein Hunde züchtender Lover und die Wolfshaarspuren unter den Fingernägeln des Opfers. Da kommt man schnell auf den Gedanken, dass Manuel und Julia gemeinsame Sache gemacht hätten. Doch Julia überzeugt die Spürnase Pagano, dass ihr Gatte Manuel kannte und von der Liaison wusste. Geliebt hatte Julia nur ihren Mino.

Mino ist allerdings auch nicht der trottelige Alte, der sich von einer heißblütigen Latina das Leben aussaugen ließ. Er ist bzw. war ein gewiefter (und vor allem zäher) Kredithai, der im Dunkeln seinen Geschäften nachging. Und er hatte eine Tochter, die auf Julia überhaupt nicht gut zu sprechen ist. Was so fade, so tröge begonnen hat, entwickelt sich zu einem verzweigten und verzwickten Fall für Bacci Pagano.

Bruno Morchio gewährt einen weiteren Blick tief in die Seele der ligurischen Metropole Genua. Auch Pagano bekommt in seinem zweiten Fall mehr Profil. Ein Treffen mit seiner Ex-Frau, die Beziehung zu seiner Tochter Aglaja thematisiert der Schriftsteller. Leider sind die folgenden drei Romane über den Mozart liebenden Ermittler bisher nur auf Italienisch erschienen. Ende offen.

Kalter Wind in Genua

Kalter Wind in Genua

Bacci Pagano ist Privatdetektiv in Genua, einer Stadt, die in Krimidingen in Deutschland eher eine untergeordnete Rolle spielt. Noch! Denn der nüchtern kalkulierende und sich durch nichts aus der Ruhe bzw. seinem Denkschema bringen lassende Ermittler ist eine literarische Wohltat.

Denn Bacci Pagano ist ein echter Kerl – wer ihm dumm kommt, bekommt es auch mit ihm zu tun. Eigentlich arbeitet Pagano im Moment für eine Industriedynastie. Ein einfacher Job. Dabei entdeckt er, dass der Erbe, der bald heiraten soll, von seiner Verlobten ziemlich hinters Licht geführt wird. Sie ist ein ganz schön durchtriebenes Luder.

Mitten in den Ermittlungen wird Pagano von einem Freund um Hilfe gebeten. Dessen Radiosender ist Vielen ein Dorn im Auge. Zu links. Zu offen. Zu gefährlich. Genua rückte 2001 in den Fokus der Öffentlichkeit, als es hier zum ersten Mal in der Geschichte der G8-Gipfel zu immensen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei kam. Aktionen, die heute zum Alltag bei den Gipfeltreffen gehören. Radio Baba Yaga berichtet immer wieder kritisch und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen von Missständen und Schiebereien.

In die Büroräume des Senders wurde eingebrochen. Nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht ein Gewehr gestohlen worden wäre. Die Polizei und Pagano nehmen, teils unabhängig voneinander, die Spur auf. Mal liegt die Mordkommission vorn, meist jedoch Pagano.

Ein verzwicktes Katz-und-Maus-Spiel ist die Folge. Mal hat Pagano den Täter schon am Schlafittchen, schon ist er ihm wiederentwischt. Die Hintermänner tauchen vor den Schleier des Vergessens und schon sind sie wieder verschwunden. Zwei Fälle muss Pagano lösen. Zweimal Lug und Trug, zweimal Heuchelei und Prügelei. Und zweimal hat die Lösung zwei Seiten.

Was diesen Krimi so besonders macht, ist die liebevolle Huldigung an Genua. Jede Ecke, jede Gasse, jede Bar wird mit so viel Detail beschrieben, dass man fast keinen Stadtführer mehr braucht. Anders als Brunetti in Venedig oder Guarnaccia in Florenz ist Bacci Pagano ein handfester Kerl, der keiner Auseinandersetzung aus dem Weg geht. Obwohl er lieber mit Worten als mit Fäusten kämpft. Aber, wenn’s gar nicht anders geht…

Mit seiner amaranten Vespa jagt er Verbrecher durch die Carruggi, die engen Gassen Genuas. Wer aufmerksam liest, kann in der ligurischen Metropole selbst auf Verbrecherjagd gehen.

Desperate Angels

Desperate Angels

Im Herzen Virginias, umgeben von prachtvoller Natur werden drei Mädchen gefunden. Alle aus mehr als gutem Hause, fern jeglicher finanzieller Sorgen. Ihre makellosen Körper wurden sorgsam wie Engel drapiert. Am Herzen trug jede ein Tattoo mit Engelsflügeln. Ein romantisches Bild, wäre da nicht die Tatsache, dass die Drei grausam ermordet wurden. Zu allem Überfluss hat der Mörder Sperma-Spuren auf den leblosen Körpern hinterlassen.

Sofort wird eine Sonderkommission des FBI damit beauftragt die Jagd nach dem perfiden Mörder zu einem erfolgreichen und schnellen Ende zu führen.

Nate ist neu im Team. Als Spezialist für Kindesentführungen der richtige Mann. Sein neuer Partner in Tandra, die ist eine ausgewiesene Expertin für Sekten und Okkultismus. Denn eines steht von Anfang an fest: Der Mörder ist nicht irgendein dahergelaufener Irrer, der Gefallen daran findet junge Mädchen um die Ecke zu bringen. Ihm geht es um mehr. Schon die Tatsache, dass er bereitwillig seine DNA an den Opfern hinterlegt, lässt auf Schlimmeres schließen.

Nate und Tandra kommen ziemlich schnell einer Sekte auf die Spur. Getarnt als Paar infiltrieren sie die „Desperate Angels“. Das Paarsein ist aber nicht nur reine Tarnung – auch privat sind sich die beiden Alpha-Menschen näher gekommen. Immer tiefer dringen die beiden in die Machenschaften der Sekte ein. Doch es geht schief, was schief gehen kann. Tandra wird bestialisch ermordet. Und Nate muss mit anschauen wie seiner Freundin und Kollegin der Garaus gemacht wird. Auch ihm ergeht es nicht besser. Folter und Vergewaltigung bestimmen auch seinen Alltag in der Sekte. Und als sei dies noch nicht genug, bleiben ihm als immer währende Erinnerungen Tattoos.

Selbst als der Albtraum endlich vorbei zu sein scheint, geht der Horrortrip weiter.

E.M. Ross‘ Thriller „Desperate Angels“ ist ein solides Stück Horror. Wer auf ausgeklügelte Profiler-Action steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Wem allerdings schon beim Anblick eines leichten Kratzers übel wird, der sollte die Finger von diesem Buch lassen. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite mit einem furiosen Paukenschlag zum Abschied, verspricht und hält dieses Buch Lesespaß für jeden, der sich darauf einlässt.

Guardian Angels

Guardian Angel

Aus verzweifelten Engeln werden Schutzengel: FBI-Profiler Nathaniel Caim ist nun Sean Caver, und er hat die Seiten gewechselt. Keine Angst, er ist immer noch ein Guter. Nur unterrichtet er jetzt beim FBI in Quantico, statt selbst Mörder zu jagen. Zumindest meint er das. E.M. Ross lässt ihren Helden erneut auf eine Meute psychopathischer Killer los. Nach „Desperate Angels“ folgt nun der zweite Teil um den smarten Nat, an den sich der Leser als Sean erneut gewöhnen muss.

Doch die Ereignisse in der Sekte lassen ihn immer noch nicht los. Als eine Spur nach Deutschland führt, nimmt Nat seine beste Schülerin Catherine mit und die Ermittlungen auf.

Es gibt Bücher, über die sollte man gar nicht reden. Nicht, weil sie schlecht sind – okay über schlechte Bücher sollte man wirklich den Mantel des Schweigens legen – sondern, weil man sonst die gesamte Stimmung verdirbt. „Guardian Angels“ ist so ein Buch. Jedes Wort zu viel darüber, nimmt der Leser übel. Spannung bis zur letzten Zeile, düstere Machenschaften von knallhart kalkulierenden Tätern und die ross’sche Spürnase für Mystery machen die Fortsetzung von „Desperate Angels“ zu einem Buch, das man nicht so schnell wieder beiseitelegen kann.

Ein Rückblick ist immer ein probates Mittel einen Krimi aufzupeppen. Zwanzig Jahre gehen die Autorin und ihre buchstäblichen Kinder zurück. Im beschaulichen Garmisch-Partenkirchen wartet schon Peter Becker vom BKA auf die beiden. Gemeinsam vertiefen sie sich in Aktenberge und merken dabei gar nicht wie weit sie schon vorgedrungen sind…

Die „Angels“-Reihe von E.M. Ross wird noch 2013 um einen dritten Teil erweitert. Die Autorin – hinter E.M. steckt eine Elke – hat auf der Leipziger Buchmesse nicht nur ihr neuestes Werk angepriesen, sondern gleich den Mund wässrig gemacht auf mehr engelhaften Suspense. Die USA und nun auch die Alpen werden nie wieder so ruhig sein, wie sie es vor diesen Büchern waren…

Fanatic Angels

Fanatic Angels

Die Freiheit ist eine gute Sache. Aber sie hat – wie alles im Leben – zwei Seiten. Denn so gibt es auch Menschen, die sich die Freiheit nehmen, eben diese Freiheit zu boykottieren, zu unterwandern und zu zerstören. Sie folgen ihrer eigenen Definition von Freiheit. Und allen, denen das nicht passt, wird kurzer Prozess gemacht.

Im selbst ernannten Land der Freiheit werden binnen kurzer Zeit drei namhafte Wächter der „eigenen Freiheit“ ermordet. Drei hochrangige Nazis fallen ihrer eigenen Ideologie zum Opfer. Sean Caver und Catherine Kampell müssen wieder einmal in die Spur, um dem rätselhaften Morden ein Ende zu bereiten. Sean ist davon überhaupt nicht begeistert. Noch tief sitzt der Stachel der Vergangenheit. Die Fälle der vorangegangenen Romane zehren noch immer an ihm. Einziger Lichtblick ist Catherine. Einst ein Opfer in einem seiner Fälle, jetzt die Frau an seiner Seite. Zukunftspläne beherrschen Seans graue Zellen.

Doch er schiebt die Emotionen beiseite und widmet sich zusammen mit seiner – privaten wie professionellen Partnerin – dem Treiben der Verblendeten. Schnell fassen die beiden Fuß im braunen Sumpf der „Weltenveränderer“. Doch ihr Auftauchen ruft Skeptiker auf den Plan. Je tiefer sie in die rechte Szene eintauchen, umso gefährlicher wird ihr Spiel. Die Ermittlungen laufen Gefahr aus dem Ruder zu laufen, und die beiden Agenten drohen aufzufliegen.

Sean wusste schon früh, warum er mit diesem Nazi-Mob nicht zu tun haben will. Mit Argumenten ist denen nicht beizukommen. Sie sind so stark in ihrer menschenverachtenden Ideologie verankert, dass … ja, wie kommt man dieser Art bei? Zwischen Abscheu und Verdammnis bewegen sich die Gedanken, nicht nur Seans, sondern auch die der Leser. Ein Auf und Ab der Gefühle, eine Achterbahnfahrt, bei der man sich nicht selten bei grausamen Ritualen ertappt, um dem Treiben ein schnelles Ende zu bereiten.

E.M.Ross‘ Angels-Reihe geht in die dritte Runde. Erst Verzweiflung, dann Beschützer, jetzt Fanatismus: Die Reihe der Ängste ließe sich beliebig fortsetzen. Nur E.M.Ross hält die Fäden in der Hand bzw. die Zügel locker. Alle Fans müssen jetzt ganz tapfer sein. Es ist ein vierter Band in Arbeit, der auch die letzten Rätsel um Nathaniel, Sean und Cat ins rechte Licht (in diesem Falle wäre wohl ins „richtige“ Licht setzt besser) rückt. Und es wird der letzte Band der Angels sein. Wem also in „Fanatic Angels“ noch etwas schleierhaft vorkommt, der sollte, nein! der muss die Vorgängerromane „Desperate Angels“ und „Guardian Angels“ lesen. Vollkommene Aufklärung wird es erst im vierten Band geben…