oh! Triest

Es gibt nicht viele Städte, die von sich behaupten können einen eigenen Golf zu besitzen. Und damit ist nicht das klassenprägende Fahrzeug gemeint. Triest liegt … am Golf von Triest. Und wenn man es ganz genau nimmt, ist es umgekehrt. Die Bucht, der Golf wurde nach der Stadt benannt. Aber das ist Haarspalterei.

Bei der Bewertung der Stadt gibt es hingegen keine zwei Meinungen. Auf Schritt und Tritt ein Oh! Triest. Da ist der Titel (des Buches) Programm. Maria Kampp stapft nicht einfach durch die Stadt, sie schwebt vorsichtig auf historischem Pflaster durch die Häuserschluchten, die von Habsburg und italienischer Gelassenheit zeugen. Eine Brise Seeluft, ein warmer Hauch des Nordens und an jeder Ecke ein Duft von Kräutern und dem, was überall auf der Welt als cucina italiana zu identifizieren ist. Die Nähe zu Slowenien und Kroatien lässt die Floskel von Internationalität ins Natürliche umschwenken. Die Nähe von Venedig macht die Entscheidung zu einem Abstecher in eine Großstadt ohne permanentes Ausweichen im Stadtrundgang als Wohltat erscheinen. Also auf nach Triest! Und was dann? Was soll man sehen? Was muss man sehen? Und wo gibt’s was, was die anderen vielleicht übersehen? Drei Fragen – eine Antwort: „Oh! Triest“ 160 Seiten geballte Insiderinformation im handlichen Format ohne dabei andauernd die Muskeln anspannen zu müssen, weil der Reiseband diese stark beansprucht.

Das Miteinander in der Stadt wurde schwer erarbeitet. Nicht immer waren sich Italiener und Slowenen grün (der Streit, ob die Stadt nun Trieste oder Trst, Italienisch und Slowenisch). Die Schwarzhemden Musolinis trieben diese Fehde auf die Spitze, was zur Flucht von vielen Nichtitalienern führte. Der Umbau der Stadt trieb nicht minder verblüffende Blüten wie die Autorin zu berichten weiß. Heute läuft man durch Straßen und Gassen, vorbei an römischen Hinterlassenschaften, ebenso an krudem Historismus, der dem Bestreben des Diktators und seiner blinden Gefolgschaft entsprang. Sehen wir es positiv: Alles hat seine Zeit und wenn die verblendete Argumentation ausgeschaltet ist, kann man auch wieder genießen (ohne dabei die Wurzeln zu vergessen!).

Von der Kaffeerösterei bis zur Wanderung im Karst, vom literarischen Spaziergang (Rilke und Triest sind so eng verbunden wie Rom und das Colosseum) bis zum weithin sichtbaren jüdischen Erbe der Stadt wird dem Leser / Stadtbesucher ein (Stadt-)Bild offenbart, das bisher vielen verborgen blieb.