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Rom erleben

Für eine Stadt wie Rom braucht man einen kundigen Guide. Die Überzahl an Attraktionen erschlägt jeden, der nicht vorbereitet ist. Und die Enttäuschung danach etwas übersehen zu haben oder einfach mal den Weg – wegen Nichtwissens – nach rechts oder Links nicht eingeschlagen zu haben, überwiegt dann vielleicht doch das Erlebte.

„Rom erleben“ ist für ein jüngeres Publikum gedacht. Die Interessen der „Zielgruppe“ sind eben anders gelagert. Nichts desto trotz gibt es Orte in Rom, die man einfach gesehen haben muss. Und wenn man dann von einer Warteschlange überrascht (also von deren Dimension) oder wegen nicht vorhandener Vorreservierung abgewiesen wird, kann der Tag schon mal so richtig verdorben werden. Hier kommt dieser Reiseband ins Spiel.

Allein schon die Handhabung ist durchdacht. Einmal im Uhrzeigersinn gedreht, macht sich die Ringbindung schon bezahlt. Wie ein überdimensionales Notebook erschließt sich dem Leser/Besucher Roms eine neue Welt. Skizzen, Karten, Wegstrecken sind anschaulich dargestellt, dass digitale Hilfsmittel überflüssig werden. Die Erläuterungen beispielsweise zum Pantheon oder zum Forum romanum sind zeitlos. Wer sich vom empfohlenen Alter des Reisebuches ob des ausgewiesenen Alters nicht abschrecken lässt, wird hier auch als „Altersgruppenüberschreiter“ einen kundigen Ratgeber finden. Zahlreiche Abbildungen sowie unzählige Ausflugstipps, denn auch außerhalb der alten Stadtgrenzen gibt es mehr als nur ein must see. Erwähnenswert sind auch die Tipps zu Orten, die man zwar besuchen kann, die man aber nicht vermisst, wenn man sie nicht besucht. Das kann bei der begrenzten Zeit in Rom viel wert sein.

Kurz und knapp, umfassend, sehr gut handhabbar. Das sind die Hashtags, die dieses Reisebuch treffend beschreiben. Egal, ob man sich erholen oder den Körper an die Grenzen führen will, hier wird alles geboten. Bis hin zur typisch römischen Küche. Selbst wer Rom schon kennt, wird hier Orte entdecken, die er so noch nie gesehen hat. Andiamo a roma! Enttäuschungen wird es garantiert nicht geben!

Lichter auf der Piazza Maggiore

Das Jahr 1977 war in vielen Ländern Europas ein entscheidendes Jahr. Deutschland erlebte eine neue Welle der Gewalt, die im Deutschen Herbst ihren gewaltvollen Höhepunkt erreichte. In Italien geschah ähnliches, movimento 77. In dieser Zeit spielt Enrico Palandris Roman „Lichter auf der Piazza Maggiore“, der zwei Jahre später erschien. In Italien ein Kultbuch über die Proteste der italienischen Jugend, wie es im Klappentext heißt.

Doch alles beginnt mit zwei Augenpaaren, die sich irgendwann treffen. Das eine Paar gehört Anna, das Zweite Enrico. Seine Augen suchen und finden sie. Wie selbstverständlich finden auch ihre Augen die seinen. Liebe auf den ersten Blick. So kitschig das auch klingen mag – hier trifft es zu hundert Prozent zu. Wie ein Blitzschlag trifft es die beiden.

Enrico engagiert sich in den Protesten gegen die Pläne der Regierung das Leben der Menschen zu regulieren. Diese Proteste schwingen sich bald schon zu blutigen Straßenschlachten hinauf. So wie die Liebe zwischen Anna und Enrico. Es wird ihr Sommer der Liebe. Zehn Jahre nach Woodstock. Und doch so gar nicht versüßlicht wie im Summer of love.

Denn je weiter der Sommer in Bologna voranschreitet, desto heftiger werden die Proteste. Auch innerhalb der Studentenbewegung brodelt es. Gewaltexzesse oder friedliche Kommunikation? Die Bewegung ist gespalten. Parallel dazu lässt die Anziehungskraft zwischen Anna und Enrico ebenfalls nach. Beide sind nicht in der Lage ein echtes Wirgefühl zu entwickeln. Was so technisch, so statisch, so gefühllos klingt, ist für beide die bitterste Erkenntnis ihres jungen Lebens.

Enrico entschließt sich Anna einen Brief zu schreiben. In ihn packt er alles wozu er in der Lage ist es zu Papier zu bringen. Doch dieser Brief wird nie den Weg in den Briefkasten und somit zu Anna zu finden. Er ist entschlossen ihr den Brief vorzulesen. Am Telefon – Anna kennt das schon. Auch sie hat einmal einen ähnlichen Brief geschrieben. Auch sie las ihn dann am Telefon vor. Zwei Seelen, die niemals zu einem großen Ganzen verschmelzen können. Falsche Zeit? Falscher Ort? Nein. Einfach nur die falsche Einstellung.

„Lichter auf der Piazza Maggiore“ geht unter die Haut. Der Anfang ist wie eine Anleitung zum Glücklichsein. Zwei Menschen, die auf wunderbare Weise zusammenfinden, ihre Glück für sich allein beanspruchen, sich um die Meinung anderer nicht scheren. Nach und nach erkennen sie, dass auch das Wir nur ein Teil von etwas Größerem ist. Wer sich intensiv den Brief Enricos an Anna durchliest, sieht darin das Dilemma einer ganzen Generation. Mut im Nachhinein zu beweisen ist einfach. Ihn vorher aufzubringen, erfordert mehr als Worten und flüchtige Taten.

nackt!

Über die griechischen Götter wurden sicher schon mehr Bücher geschrieben als so mancher Fußballstar Follower hat. Und doch gibt es immer wieder Bücher, die den geneigten Leser verblüffen. So unverhohlen, so unverblümt, so lustig und dabei informativ wie Anna Derndorfer hat noch niemand die Olympioniken, die Bewohner des Olymps beschrieben.

Zeus, der alte Schwerenöter, der seiner Frau so oft fremdgegangen ist, dass selbst Pornolegende Ron Jeremy verlegen den Schwanz einziehen muss, war nicht der einzige Übeltäter im Himmel. Auf Athene, Hera und … ach wie sie alle heißen, waren (und sind!) keine Vorbilder.

Wie wäre denn ihr heutiger Status! In einer Zeit, in der mehr Regeln das Freisein bestimmen als noch vor einigen Jahrzehnten, würden die Helden in Roben tagein tagaus vor den Pranger gestellt werden. Selbst Sisyphos, das fleißige Arbeitsbienchen – wer weiß schon, dass seine Bewerbung bei Ramstein sicher von Erfolg gekrönt sein würde, denn er war eigentlich Sprengmeister – bekommt sein Fett weg.

Es ist köstlich zu lesen wie sich die Titanen und Götter immer wieder selbst ein Bein stellten. Ihr Vorteil: Sie machen die Regeln selbst und eine (ger-) echte Justiz gibt es nicht. Fast wie auf Erden, möchte man meinen. Denkt man an einige Regierungen, die gar nicht mal so weit entfernt liegen… Da halten sich Staatsoberhäupter auch für gottähnlich.

Es ist immer ein Fest kann man sich in einem Gespräch auf die Geschichte beziehen, Anekdoten zum Besten geben. Wer „nackt!“ (gern auch angezogen) gelesen hat, kann mitreden. Und so manche Schweinerei mit schmissigem Wortlaut in die Runde werfen. Ja, das Buch ist mythisch, nicht mystisch. Und ja, das Buch ist mit mehr als einem Augenzwinkern zu verstehen. Wer aber hat schon die Zeit alle Biographien der antiken Götter zu lesen? Und dann auch noch jede Verbindung sich zu merken?! Allein Zeus’ Affären würde schon an der Aufzählung der Zahl Pi auf die zigste Stelle nach dem Komma gleichkommen. Nee, nee. Anna Derndorfers Buch ist die Quintessenz dessen, was als Grundlage aller Göttergeschichten gilt. Hier wird man vortrefflich bedient und es bleibt sogar was hängen. Welchen Beruf hatte Sisyphos doch gleich bevor er Stein-Den-Berg-Hoch-Roller wurde? Und alle, denen immer wieder vorgeworfen wird, dass sie vorher zuviel nachdenken, sei der Verweis auf Prometheus ans Herz gelegt. Sein Bruder Epimetheus, der der hinterher nachdenkt, ist das griechische Sinnbild für das in den Brunnen gefallene Kind. Da hätte zwar Prometheus, der der vorher nachdenkt, ihm auch mal sagen können, aber die Bürde des Vorausschauens kann eben schon mal zu Erinnerungslücken führen…

Böhmisches Bäderdreieck

Františkovy Lázně, Mariánské Lázně und Karlovy Vary bilden das Böhmische Bäderdreieck. Das muss man niemandem mehr erklären. Und statistisch war jeder schon mal hier. Die Region ist – wie in diesem Reiseband beschrieben – zusammen mit Plzeň das touristische Zentrum im westlichen Tschechien. Prag ist nur ein Katzensprung entfernt, Franken gar noch näher und das Erzgebirge bildet im Norden eine natürliche Grenze, die man nur allzu gern überquert – egal in welche Richtung.

Diese drei Orte – Franzensbad, Marienbad und Karlsbad, die Namen sind geläufiger – sind der Innbegriff des Kurens in Mitteleuropa. Die Quellen der Region versprechen für allerlei Wehwehchen rasche Linderung. Doch was diese drei Orte auszeichnet ist ihr anhaltender Ruf. Von Goethe über Chopin bis hin zu diversen adeligen Staatsoberhäuptern genoss und genießt man hier die entspannte Atmosphäre. Auch wenn man teils im Dreieck springen muss, um voranzukommen. Denn es gibt Zeiten im Jahr, in denen die drei Städte und die Orte dazwischen wirklich überlaufen sind.

Was tun also, wenn man mitten in der Saison zwischen Menschenmassen umherspringen muss, um sich schlussendlich doch erholen zu können? Ein Patentrezept gibt es dafür nicht. Aber es ist ein guter Anfang sich mit diesem Reiseband auf das Triangolat (gibt es das Wort überhaupt?) der mineralischen Genesung vorzubereiten.

André Micklitza schafft es in der Kürze des Buches ein Füllhorn an Aktivitäten, Besichtigungen und Wanderungen zusammenzustellen, das es einem tatsächlich erlaubt mehrere Wochen den Massen aus dem Weg gehen zu können und dennoch die Pracht der Region ausgiebig kennenzulernen. Und dabei auch wirklich nichts auszulassen!

Es ist klar wie das Quellwasser, dass man in den Kurzentren – allein schon der Wandelgang in Franzensbad ist ein Augenschmaus – niemals allein sein wird. Doch die großzügigen Anlagen bieten viel Platz für ruhige Erholungsminuten.

Es sind vor allem die kleinen Tipps – meist farbig unterlegt – die dem Besucher einen Vorsprung vor der Tourimeute bieten. Kleine Gassen, entlegene Pfade, erhabene Aussichtspunkte oder einfach nur Orte, an denen man sich leicht überzeugen lässt, warum so manches Schwergewicht aus Kultur, Politik und Adel hier dem Müßiggang frönten.

Hat man sich genug erholt, sofern das möglich ist, oder einfach mal zwischendrin, steht einem Besuch von Plzeň nichts mehr im Weg. Die Stadt setzte sich mit ihrer Braukunst selbst ein Denkmal – eines der Denkmäler, das man gern besichtigt… Doch auch hier gilt: Nur eine Attraktion ist zu wenig. Plzeň bietet mehr als literweise Hopfenkaltgetränke.

Je nach Entfernung ist das Böhmische Bäderdreieck zu jeder Jahreszeit eine unbedingte Reiseempfehlung. Ein Muss hingegen ist dieser Reiseband.

Paris – Werke von Rainer Maria Rilke und Erik Satie

Rilke geht immer. Satie? Auch. Auch, wenn man ihn nicht unbedingt an erster Stelle nennen mag, geht es um klassische Musik. Er war halt ein Moderner. Wie Rilke. Und dennoch ist Saties Musik unverkennbar. Passagen und Melodien sind seltsam vertraut. So unbekannt ist er dann wohl doch nicht. Die getragenen Melodien sind die Verkörperung von Ruhe und Andacht.

Das nennt man dann wohl ein Match – nicht gegeneinander, sondern miteinander. Im Wechsel von Rilkes Gedichten und Saties Melodien entsteht ein Flammenmeer der Emotionen. Mit einem Fingerschnipp wähnt man sich im Paris zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Die Stadt ist seit ein paar Jahrzehnten eine ganz neue Metropole. Und mittendrin Rainer Maria Rilke. Er ist mit Auguste Rodin zusammengetroffen und arbeitet für ihn. Die Boulevards sind gewaltig. Die Architektur ist prächtig. Die Luft flirrt. Und Rilke gibt der Stadt den romantischen Anstrich, den sie bis heute bewahrt.

Der Reigen wird ergänzt durch die zauberhaften Melodien von Erik Satie. Jeder Tastenanschlag wird bewusst ans Ohr des Zuhörers gelegt. Vollmundig lässt er die Nostalgie einen Nebelschweif um die Verlorenheit des Hörers treiben. Mal ganz sanft, mal mit unerhörter Härte lauern Töne auf den neugierigen Empfänger.

Die beiden Künstler lassen einem keine andere Wahl als sich genüsslich zurückzulehnen und ihre Worten und Tönen zu lauschen. Marit Beyer ist nicht einfach nur die Vorleserin von Rilkes Zeilen, sie zelebriert die Wucht der Zartheit seiner Worte mit jeder Silbe. Olivia Trummer ist Satie erlegen und würde sicher auch vom Meister persönlich Applaus bekommen.

Die Idee Paris mit Worten und Melodien in Szene zu setzen gelingt mit jeder Sekunde, die viel zu schnell verstreicht. Zum Glück gibt es ja die Zurück-Taste…

Oh! Wandern am Gardasee

Es ist ein wenig frevelhaft, wenn man den Gardasee nur mit Massen, die sich durch die engen Gassen schleppen in Verbindung bringt. Hier im Norden Italiens, wo Berge und Meer eine perfekte Symbiose eingegangen sind, gibt allen Unkenrufen zum Trotz, noch einen oder anderen Ort, an dem man tatsächlich Ruhe genießen kann. Ganz ohne Verkehrslärm, ohne die üblichen Sitzplatzblockierer in Fußballshirts und ohne hektisches Getrappel auf steinigen Pfaden. Man muss allerdings die Füße in die Hand nehmen und so manchen Aufstieg meistern. Als Belohnung winken atemberaubende Aussichten, leckere Mahlzeiten und ewige Erinnerungen.

„Immer diese Aussicht“ ist beispielsweise eine Wanderung überschrieben. So viel Zeit für die lachende Wahrheit muss sein. Und tatsächlich kommt man vor lauter Aussicht auf der Wanderung von Sasso zur Cima Comer kaum vorwärts. Also früh aufstehen und viel Zeit einplanen. Und unterwegs die richtige Abzweigung nehmen. Welche? Autor Peter Righi weiß es ganz genau! Als Belohnung warten ein palazzo con parco und immer wieder Aussicht, Aussicht, Aussicht. 180 Grad, mindestens.

Da fühlt man sich manchmal wie ein Blatt im Wind. Ein Papierblatt. Zumindest, wenn man von Toscolano Maderno nach Gaino wandert. Und zwar durch das Tal der Papiermacher. Exquisite Mitbringsel mit wenig Gewicht inkl.

Oder mal so richtig Geschichte tanken. Dem, der jahrelang Europa auf der Nase herumtanzte selbst mal auf selbiger herumtanzen. Um wen es geht? Na, um Napoleon. Ein ganz besonderer Ort, mit ganz besonderer Geographie. Und Geschichte.

Das „Oh!“ im Titel ist nicht einfach so herausgepurzelt. Es ist eine Buchreihe, die diesen Titel wahrhaft verdient. Natürlich ist der Gardasee eine Top-Destination, unbestritten. Und es gibt unzählige Bücher mit allerlei Geheimtipps. Aber wer per pedes dieses Paradies erkunden will, braucht Erstens keine Gängeli, Zweitens wirklich hilfreiche Tippe, Drittens Kartenmaterial, das aussagekräftig die Route vorgibt, Viertens Standorte zum Innehalten und Fünftens garantiert nicht pfundweise Papier, um von A nach B zu kommen. Oder kurz gesagt „Oh! Wandern am Gardasee“ ist die perfekte Quinte für den neugierigen Wanderer.

Vom Reisen. Ein Fotojournal

Wenn man selbst zurückblickt und schaut wie man noch vor gar nicht allzu langer Zeit Urlaube geplant und gebucht hat, ist man verblüfft. Schleppte man sich noch vor rund zwei Jahrzehnten über Reisemessen, und danach die Kataloge die Treppen hoch in die eigenen vier Wände, klickt man sich jetzt durch die unendlichen Welten der Angebotsseiten im Netz. Und dennoch – auch wenn die Diaabende der Vergangenheit angehören – sind immer noch die Urlaubsbilder die Gedächtnisgrundlage für so manches Erlebnis. In jedweder Form verzieren diese Erinnerungen die Wände, oder die Fotoalben füllen meterweise die Regale. Reisen war, ist und bleibt die Erinnerung, die immer bestehen wird.

Ein bisschen Nostalgie schwimmt immer mit, wenn man zurückdenkt und an Unvorhergesehenes, Eindrucksvolles, Nachhaltiges erinnert wird. Dieses Fotojournal verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf so wunderbare Weise. Zum Einen in Schwarz-Weiß gefangener Gedächtnistresor (Tresor im doppelten Sinn: Schatz und Aufbewahrung), zum Anderen viel Platz, um das soeben Erlebte schriftlich festzuhalten.

Eine echte Innovation. Während die meisten ihre Erlebnisse umgehend per social media der Welt ungefragt zur Verfügungen stellen, hat man mit diesem Fotojournal eine ganz persönliche Möglichkeit eine Erinnerung „für später“ zu schaffen.

Dieses „Weißt Du noch…?!“, dass unweigerlich zutage tritt, wenn man die Fotos erblickt in Verbindung mit den eigenen Niederschriften – Platz ist wirklich genug in diesem Fotojournal – ist unbezahlbar. Ja, die Fotos sind schon drin, im Buch der Erinnerungen. Sie sind aber Ideengeber, Ratgeber, Erinnerungsstützen. Den freien Platz daneben kann, darf, muss man selbst füllen. Doch vor die Worte hat der Reisegott die Erlebnisse gesetzt. Mit lockerer Feder füllt man in Windeseile den freien Platz im Journal.

Wer beispielsweise eine mehrwöchige Kreuzfahrt gemacht hat, sieht Bilder von anno dazumal von Menschenmassen am Anleger, die den Giganten der Meere zujubeln mit anderen Augen als Reisende, die jeden Schritt ihrer Reise selbst organisiert haben. Die wiederum vergleichen die die Fotos im Fotojournal mit ihren eigenen Empfindungen – früher war alles entspannter, weitläufiger, nicht so überlaufen.

Wer Reisen nicht nur als Sammelalbum für die Anzahl der Länder sieht, wo man seinen Fuß draufgesetzt hat, und diese Erinnerungen für sich und Nachfolgende festhalten will, hat beim Kauf dieses Fotojournals eine richtige Entscheidung getroffen.

Die Welt als Zahl

Na, heute schon addiert, subtrahiert, multipliziert oder gar dividiert? Nein? Aber zumindest doch mit Mathe irgendwas zu tun gehabt. Nein? Wirklich? Fahalsch! Jeder hat heute schon auf sein Smartphone geschaut – das läuft nicht ohne Mathe. Aus dem EINEN Bett gestiegen, sich mit EINER Zahnbürste die – im besten Fall ZWEIUNDDREIßIG Zähne geputzt. Oder sich beim Einkaufen über die ZEHNprozentige Preissteigerung geärgert. Alles Mathe. Es geht nicht ohne. Und der Spruch aus der ACHTEN, das man das alles niemals mehr brauchen wird, ist somit hinfällig. Es geht nicht ohne Mathe, und schon gar nicht ohne Zahlen!

Ian Stewart sieht das genauso. Aber ist Mathematiker – der muss das sagen. Seine Verständnis von der Welt der zahlen, der Zahlen in der Welt geht aber viel weiter als der Benzinpreisvergleich per App. Zum Beispiel beim immer wieder heiß diskutierten Thema Organspende. Was hat das denn mit Zahlen zu tun? Nun, zum Ersten müssen die Werte stimmen. Also, passen das zu spendende Organ und der Empfänger überhaupt zusammen. Zugegeben, kein einfaches Thema. Ian Stewart schafft es aber fast spielerisch die komplexe Rechenaufgabe sehr gut darzustellen und vor allem zu vermitteln. Denn es spielen vielmehr Faktoren eine Rolle als man gemeinhin annimmt. Selbst Mathemuffel werden staunen wie einfach derartige Rechen“Spiele“ sein können…

Schon mal was von secp256k1 gehört? Nicht? Aber die Schlussfolgerung daraus ist in aller Munde. Es geht um Kryptowährung bzw. seine Verschlüsselung. Die Datenkrake, die in unser Portemonnaie greift, um es in zu verschlingen. Reich wird man mit dem Wissen darum allein noch nicht. Aber das Verständnis um die Sensibilität wird geschärft. Und vielleicht die Angst ein wenig … geschürt, gemindert … das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Ganz egal wie scharf oder lasch man die Zahlen der Welt sieht – und das hat nun wirklich nichts mit der Unschärfetheorie von Heisenberg (nicht der aus „Breaking Bad“, sondern dem Wissenschaftler, der schon mit 25 Jahren in Leipzig als Professor für theoretische Physik lehrte) – mit jeder Seite, die man umblättert, die man mit wachsender Begeisterung liest, werden Zahlen zu einem sichtbaren Teil unseres Lebens. Zumindest für die, die es sich nie vorstellen konnten. Die, die schon immer von Zahlen begeistert waren, sich der Realität nie verschlossen haben, spenden symbolisch anhaltenden Applaus.

Ian Stewart hat die Zahlen nicht neu erfunden. Sein Verdienst ist es ihnen einen Raum zu geben, in dem man sich wie selbstverständlich bewegen kann.

Das kann immer noch in Wien passieren

Als Wien-Tourist kann man es nur schwer vorstellen, dass hier so etwas wie Alltag einkehrt. Alle paar Meter gibt es etwas zu entdecken, dass es so eben nur hier gibt. Mit großen Augen marschiert man an beeindruckender Architektur vorbei, schaut hier und da mal rein, überblickt von so manchem Hügel die Metropole, berauscht sich in einem der zahlreichen Museen und lässt es sich im Café gutgehen.

Der alltägliche Schmäh ist da nur ein Beiwerk, das man erst bei genauerem Hinhören zu verstehen weiß. Es sind jedoch die Alltagsgeschichten wie in diesem Buch, die den Wien-Touristen vom Wienexperten unterscheidet. Wer also dem Schlangestehen am Café Central oder (noch schlimmer, weil länger) am Sacher nichts mehr abgewinnen kann, wem das Belvedere schon näher ist als die heimische Umgebung, der wird den Wienern mit Genuss aufs Maul schauen. Und wenn’s nicht allzu wianerisch wird, versteht man es … zumindest akustisch. Inhaltlich wird’s da schon ein wenig verzwickter. Doch es gibt Abhilfe.

„Das kann immer noch in Wien passieren“ ist die Allzweckwaffe im Wunderschönfinden des Alltagssingsangs in der Donaumetropole! Denn nicht alles, was so melodisch ans Ohr geflogen kommt, ist mit Liebreiz und Wohlwollen behaftet. Es sind schon deftige Abreibungen, die man allerorten vernehmen kann. Das beginnt bei der familiären Aufarbeitung der eigenen Geschichte derjenigen, die nicht fliehen mussten. Was den Autor dieser Anekdote dazu veranlasst zu bemerken, dass sein Gegenüber zumindest dafür verantwortlich ist, dass seine Familie fliehen musste, wenn sie denn konnte. Starker Tobak, wenn so ein Dialog „zwischen Tür und Angel“ stattfindet.

Diese Alltagsgeschichten sind gespickt mit Perfidität, laissez-faire und einer ordentlichen Portion Schärfe und Wortwitz. Oberflächlich eine schonungslose Abrechnung mit der hauptstädterischen Arroganz gegenüber allen von außerhalb. Doch in der Tiefe liegt der wahre Schatz dieses Buches vergraben.

Nicht alles, was scharfkantig ist, verletzt. Als Trostpflaster kann man dieses Buch ebenso verstehen. Denn wird vorbereitet ist, entgeht so manchen Verbalscharmützel. Zartbesaitete können in Wien schnell unter die Räder kommen, wenn sie sich nicht bewusst sind, dass nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Und in Wien kocht man sehr heiß – also verbal. Als Zusatzlektüre für den einen oder anderen Reiseband ist dieses kleine Büchlein, das sich mit Macht gegen übertriebene Korrektheit wehrt, unverzichtbar. Und mit diesem Buch in der Hand, am richtigen Ort kommt man garantiert mit echten Wianern ganz schnell ins Gespräch.

Hotel Amerika

Eine Hochzeit ist ein festlicher Anlass, ein freudiges Ereignis, in den meisten Fällen eine einmalige Sache. Für die direkt Beteiligten auf jeden Fall. Für alle drumherum, die die daran arbeiten, die Angehörigen etc. oftmals eine stressige Angelegenheit. Für Shirley, Ingrid und Franz ist es der ganz normale Wahnsinn im Hotel Amerika. Sie sind nach Amerika gekommen, um das große Glück zu finden. So ein Glück wie Braut und Bräutigam wollen sie auch haben … anfangs.

Shirley, aus Irland eingewandert, posaunt vielsagend in die Welt hinaus, dass sie es ihr letzter Tag sei im Hotel Amerika. Dann käme sie als Gast wieder. Ingrid, Schwedin, ein junges Ding, die immer noch Schwierigkeiten mit der Sprache hat, findet in Shirley eine gute Freundin. Sie sind guter Dinge, dass ihr amerikanischer Traum in Erfüllung gehen kann. Und dann ist da noch Fritz. Aus Berlin. Am frühen Morgen kreuzt er die Finger, dass es endlich klappt mit einer Festanstellung im Hotel Amerika. Sie alle haben keine Flausen im Kopf – Shirley vielleicht ein bisschen. Ihr Job ist ein harter Job. Ihre Träume sind greifbar und doch so fern. Und mit dem heutigen Tag sollen diese Träume ein Stück weit Realität werden.

Doch es kommt anders. Die Braut wird mit einer Nachricht konfrontiert, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Die Hochzeit steht auf der Kippe. Und im Hotel geht es drunter und drüber. Es ist nur ein Tag, der das ganze Leben aller verändern wird. Und diesen Tag beschreibt Maria Leitner auf wunderbare Weise.

Die Autorin selbst hatte ein bewegtes Leben. Sie genoss als eine der Wenigen eine fundierte Ausbildung. Sprach mehrere Sprachen. Reiste um die Welt. Doch die gesellschaftlichen Veränderungen im Deutschland des 20. Jahrhunderts – Krieg, Weimarer Republik, das Terrorsystem der Nazis – machten ihren Plänen fette Striche durch die Rechnung. Sie floh, kehrte aber ebenso oft, mit falschen Papieren ins brauen Deutschland zurück, um über das Voranschreiten des menschenverachtenden Systems berichten zu können. Doch ihre Flucht endete in einem Desaster. Ihre Bücher brannten als erste auf den Scheiterhaufen der unerwünschten Schriften. Sie hungerte, wandte sich an helfende Hände, wurden von den Nazischergen gefasst und starb einsam und vergessen in deren Gewahrsam. Erst Jahrzehnte nach ihrem Tod konnte dieser einwandfrei festgestellt werden. Die hilfreichen Hände, die Größen wie Feuchtwanger, Brecht und Mann den Weg in die Freiheit ebneten, waren für Maria Leitner nicht greifbar. Ihr Name geriet in Vergessenheit. Ihr erster Roman „Hotel Amerika“ ist nun endlich wieder verfügbar. Ein Juwel, dass eindrucksvoll beschreibt, wozu Menschen fähig sein können, wenn die Umstände die Wahl der Mittel bestimmen.