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Lesereise Provence

Lesereise Provence

Das Licht der Provence zog schon vor Jahrhunderten Maler in diese … ja, malerische Gegend. Hier, wo die Sonne flirrt, die massiven Berge den Horizont begrenzen, das Meer den Blick frei gibt, fühlt sich auch Michael Bengel wohl. Und weil er sich so wohl fühlt, hat er seine Eindrücke niedergeschrieben. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise, bei der Lavendelduft und Sehnsucht ständige Begleiter sein werden.

In den Bergen der Provence gibt es noch eines der letzten Abenteuer für jedermann: Den Mont Ventoux. Wenn im Juli der Tross der Tour de France anrollt, gibt es kein Halten mehr. Unmengen an Menschenmassen säumen die Wegstrecke, feuern die Pedalritter an, schieben sie und sich nach vorn. Sobald der Besenwagen die Strecke passiert hat, kehrt nur ein wenig Ruhe ein. Denn jetzt kommen die Amateure. Auch sie wollen den Ventoux bezwingen. Auch Michael Bengel – ihm geht’s mehr um das Links und Rechts des Weges. Vorbei am Mahnmal des ersten Dopingtoten am Ventoux, durch den Vegetationswechsel, sich dem Wind entgegenstemmen. Rekordverdächtige 320 Kilometer pro Stunde wurden hier schon gemessen, nicht die eines Autos, die des Windes.

Auch die Stars und Sternchen gehören zur Provence. Das Nord-Pinus war einst das erste Haus am Platz in Arles. Davon zeugt aber nur noch die Patina. Pablo Picasso, Helmut Newton, Jean Cocteau und Jean Marais waren hier einst Bewohner der einst stilvoll eingerichteten Räume. Wer sich traut, wird ihre Aura noch vernehmen können. Aber man muss schon sehr konzentriert sein.

Zum Landstrich, über dem so üppig das Füllhorn der Sinnesfreuden ausgeschüttet wurde, gehört auch eine Wüste. Crau, die Steinwüste verblüfft mit ihrer Lebensfreude und Exklusivität. Die Merinos fressen nur das beste Heu, übrigens das einzige Heu weltweit mit einem Herkunftszertifikat.

Michael Bengel fleht vor den Touristenströmen der Provence, die ihre Reize mit dem Massengeschmack teilen müssen. Er entdeckt die Provence neu, für sich und für den Leser. Mit chirurgischer Präzision seziert er Mensch und Landschaft. Neugierig wie ein kleiner Junge, forschend wie ein Wissenschaftler und belebend wie die frische Brise des Mistral taucht er ein in den Süden Frankreichs, dessen Schreibweise – Provence – schon allein zu Träumen einlädt.

Die Provence einmal anders, voller Geheimtipps, für diejenigen, die die Augen offen halten.

Ehrenwerte Leute

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Wenn einer einem dumm kommt, dann setzt es was. Für viele ein willkommener Anlass sich wie die Axt im Walde zu benehmen. Elena ist da anders. Sie ist Lehrerin. Und sie hat eine Stelle in einem sizilianischen Bergdorf angenommen. Fans dieses Plots wissen jetzt worum es geht: Omerta, das Gesetz des Schweigens. Elena ist sieht sich auf raffinierte Weise diesem Gesetz ausgesetzt. Jeder, der ihr nicht wohlgesonnen ist, stirbt. Nicht eines natürlichen Todes! Sie ist verzweifelt. Niemand kann ihr helfen. Denn niemand traut sich etwas zu sagen. Zu groß die Angst der Nächste zu sein.

Im Strudel der Gefühle schwankt die junge Frau zwischen Abkehr und Aufgabe und Trotz und Widerstand. Montenero Valdemone – mit ein bisschen Italienischkenntnissen kommt man dem Geheimnis dieses Ortes auf die Schliche. Monte – Berg, nero – schwarz, Val – das Tal, demone – der Teufel. Alles hier ist anders. Die Kinder schmutzig und ungebildet. Die Männer, besonders einer, aufdringlich. Doch sie scheint willkommen. Ein eigentümlicher Anwalt, der älter aussieht als er anscheinend ist, bietet ihr eine sehr hübsche Bleibe an. Ein Kollege hilft ihr sich einzugewöhnen. Alles doch nicht so schlimm?

Der aufdringliche Typ, der keine Gelegenheit ausließ Elena bei ihrer Ankunft zu „umschmeicheln“, wird tags darauf erschossen mit einer Blume im Mund für alle sichtbar auf dem Marktplatz drapiert. Jeder weiß um die Symbolik der Blume. Doch damit nicht genug. Auf einmal ist Elena eine geachtete Frau. Sie wird gegrüßt, man wünscht ihr alles Gute für den Tag. Nur die Polizei ist misstrauisch. Die muss doch was mit den Toten zu tun haben!

Mario Puzo und sein Pate haben wenig zu tun mit den „ehrenwerten Leuten“ des Giuseppe Fava. Bei Puzo haben sie ein Gesicht, eine Geschichte. Favas Mafiosi sind unerkannt. Von Opfern und Jägern gleichermaßen. Die zelluliodselige Verfremdung, die zum Mythos Mafia mehr beigetragen hat, als Regisseur Francis Ford Coppola es wollte, ist eine perfide Gesellschaft, die bei Giuseppe Fava Konturen bekommt. Mehr leider nicht. Aber der Mythos bekommt Kratzer, wird entthront, wird fratzenartig verzerrt. Die Opfer sprechen und klagen ihr Leid. Wie soll man sich wehren, wenn es keiner hören will? Ein Opfer, dem kein Haar gekrümmt wird, ist das überhaupt ein Opfer? Misstrauen macht sich breit.

Der weitreichende Arm der Mafia (oder wie auch immer man die ehrenwerten Leute der Insel nennen will) erreichte auch den Autor Giuseppe Fava. In seinem Theater wurde gerade sein Stück „L’ultima violenza“ (wie vielsagend: „Das letzte Verbrechen“) aufgeführt, als sein – lange unbekannter – Mörder zuschlug.

Der Kampf gegen die Mafia ist auch für Leoluca Orlando zur ungeliebten, aber leidenschaftlichen Aufgabe geworden. Der Bürgermeister von Palermo (seit 2012 wieder) manifestiert in seinem Vorwort zu diesem Buch die Notwendigkeit der Mafia den Kampf anzusagen, ihr Paroli zu bieten wo und wann immer man kann. Der Kampf beginnt beim Vorwort und endet noch lange nicht auf der letzten Seite.

Tot in München

Tot in München

Gute Freunde kann niemand trennen – Niemals geht man so ganz – I am stretched on Your grave. Mehr oder weniger schöne Lieder, alle zu einem Thema: Dem Tod. Der Gevatter begleitet uns ein Leben lang. Und wenn es dann so weit ist, liegen wir neben uns völlig Unbekannten, in Reih und Glied auf mehr oder weniger hübsch gestalteten Grünanalgen. Der Kreis des Lebens.

In München findet dieser Kreis insgesamt 29 einen Ausgang. So viele Friedhöfe gibt es in der bayrischen Landeshauptstadt. War München Anfang des 19. Jahrhunderts noch eine kleine Ansiedlung mit 40.000 Einwohnern, so verzwölffachte sich deren Zahl innerhalb eines Jahrhunderts. Und so benötigte man dementsprechend auch eine größere Anzahl an letzten Ruhestätten. Denn wer sich einmal hier eingenistet hat, geht nicht mehr fort. Wenn man den bayerischen Ministerpräsidenten der vergangenen Jahrzehnte glauben darf, gibt dafür „ja auch goar koin Anlass ned.“

Eine Stadt ohne einen Friedhof gibt es nicht. Manchen Städten würde dann zum Beispiel auch eine Touristenattraktion fehlen. Was wäre Paris ohne den Pere Lachaise? Oder Wien ohne den Zentralfriedhof? München kann zwar nicht mit prall gefüllten Liegestätten weltbekannter Prominenter punkten, wohl aber mit einer Vielzahl fein gestalteter finaler Unterkünfte. Michael Kubitza hat sich der Friedhofgeschichten Münchens angenommen. Mit in Archiven erlangtem Detailwissen und launiger Schreibweise führt er den Leser ins Reich der Toten. Hier stehen aber auch die Macher, Anstoßgeber und Gestalter im Blickfeld des Autors. Jeder noch so kleine Stein wird umgedreht und dem Licht der Erkenntnis zugefügt.

Spaziergänge über Friedhöfe sind entspannend. Die letzte Bastion bürgerlichen Anstands. Kein Geschrei. Kein Industrielärm. Kein Handygebimmel (naja meistens jedenfalls, aber vielleicht gehört Handy ausschalten nicht zum „guten Ton“). Man flaniert, man schreitet bedächtig, liest hier und da eine Inschrift, macht sich Gedanken. Der Tod schreitet mit, an jedem Tag unseres Lebens kommen wir ihm ein Stück näher. Vielen bereitet er Kopfschmerzen, das sie am liebsten gleich … Doch so unumstößlich er kommen, so endgültig er auch sein mag – schlussendlich wohnen wir alle zusammen in einer großen Kommune, six feet under. Die Zurückgebliebenen erfreuen sich auch an der liebevollen Zuwendung des Themas in diesem Buch.

Das Beste aus der Knödelküche

Das Beste aus der Knödelküche

Was so ein Knödel alles kann? Alles sein kann? War er einst ein sättigendes Muss auf dem Tisch, ist ein Knödel heutzutage oftmals schon ein kleines Kunstwerk. Ingrid Pernkopf und Christoph Wagner beweisen mit „Das Beste aus der Knödelküche“, dass ein Superlativ auch mal angebracht ist. Denn in diesem Buch steht wirklich nur das Beste, was man aus einem Knödelteig herausholen kann.

Ingrid Pernkopf weiß wovon sie spricht, denn in ihrem Gasthaus „Grünberg am See“ in Gmunden im Salzkammergut serviert sie ihren Gästen auch gerne mal eine neue Kreation. Wenn man die Seiten gedankenverloren durch die Finger gleiten lässt, merkt man schnell: Noch nie ist eine Kreation bei den Gästen durchgefallen. So lecker liest sich dieses Buch. Ob süß oder herzhaft, ob Kletzenfülle oder Bärlauchtopfenknödel. Topfen ist der österreichische Begriff für Quark.

Hier im Land der Knödel – oh je die Thüringer werden jetzt auf die Barrikaden gehen, okay im Land der Knödelvielfalt – gedeihen die wildesten Ideen.

Oft verbindet man mit einem Knödel schwere Kost, die satt macht. Dass soll der Knödel im Einzelnen und eine Essen im Allgemeinen ja auch. Doch wer hat schon mal einen Gulaschknödel genossen? Oder Spinatknödel? Schon beim Lesen meldet sich der knurrende Magen und fordert seinen Energiezoll.

„Das Beste aus der Knödelküche“ gehört einfach in jeden Kochbuchschrank. Danach braucht man nie wieder ein Knödelkochbuch, es sei denn Ingrid Pernkopf schreibt eine Fortsetzung. Noch ein paar Appetitanreger gefällig? Sterzknödel, Rehknödel Diana (mmmmh mit Reh oder Wildfleisch), Speckgrießknödel. Den Knödel auch gern mal als Vorspeise servieren. Den Gästen werden die Augen rausfallen. Zumindest übergehen. Oder den Knödel veredeln, mit leckeren Saucen, Krokant oder Bröseln. Wer die Einleitung zur Geschichte des Knödels und zu den „Spielarten“ der leckeren Speisebällchen ohne Magengrummeln überstanden hat, bekommt auf den folgenden fast zweihundert Seiten die geballte Ladung Knödelwissen verpasst. Achtung wird wird scharf geschossen!

Die Freunde von Eddie Coyle

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Typen wie Eddie Coyle verursachen widersprüchliche Gefühle. Auf der einen Seite unangenehmer Charakter, hartnäckiger Verhandlungspartner. Andererseits sind Typen wie Eddie diejenigen, die einen aus einer brenzligen Situation herausquatschen können. Oder in eine hinein. Naja, es sei wie es ist. Typen wie Eddie gibt es nicht oft, aber es gibt sie.

einen Spitznamen Fingers hat Eddie sich redlich verdient. Als kleiner Waffenschieber geriet er in eine handfeste Auseinandersetzung. Hand auf Kommode – Schublade zu – Finger mit (wie er es sagt) vier neuen Gelenken versehen. Ja, es ist eine raue Zeit, Boston, Anfang der 70er Jahre. Und mittendrin Eddie Coyle.

Mal ein paar Knarren hier, ein paar Knarren da. Eddie verdient immer genug Geld, um über die Runden zu kommen. Und Eddie ist überall. Doch letztens ging was schief und jetzt droht ihm der Knast. Fünf Jahre sollen es sein, wenn es nach der Justiz geht. Das will Eddie natürlich nicht. Da kommt ihm ein Deal gerade recht. Wenn er Informationen über ein paar schräge Vögel liefert, die gerade ein krummes Ding drehen wollen, könnte sich das für ihn positiv auswirken.

Keine einfache Sache für jemanden, der bekannt ist wie ein bunter Hund. Und für einen, der außerdem dafür bekannt ist, knallhart im Geschäft zu sein. Und einen, dem man vertrauen kann. Für die Polizei der ideale Singvogel, weil er sich auskennt. Für die die Freunde von Eddie Coyle ein Horrorszenario, wenn sie herausbekommen, was Eddie vorhat.

George V. Higgins war selbst jahrelang Staatsanwalt, bevor er als Anwalt eine eigene Kanzlei eröffnete. Er kannte seine Pappenheimer und deren Sprechweise. Die Protagonisten in diesem Buch sind allesamt harte Hunde. Eine raue Schale meist mit einem harten Kern. Higgins gibt ihnen die Freiheit zu reden wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. „Die Freunde von Eddie Coyle“ ist kein Buch, das man mal eben so nebenbei liest. Dafür ist es zu dialoglastig. Und das ist gut! Denn so entsteht ein exaktes Abbild der Bostoner Unterwelt der 70er Jahre. Ein bisschen Jimmy „Popeye“ Doyle aus „French Connection“ gepaart mit einen gehörigen Schuss Tarantino. Und das nicht nur, weil einer der Verpfiffenen Jackie Brown heißt. Die Handelnden sind greifbar, auch wenn man nicht zwangsläufig solche Typen kennt. Aber so stellt man sich Gangster vor. Eine Garantie für ein Happy end gibt es bei Higgins nicht. Weder für Eddie Coyle, noch seine Freunde, noch für die Polizei und Justiz…

The Girl’s Book – Das außergewöhnliche Handbuch für neugierige Mädchen

The Girl's book

Jede Generation hat seine Statussymbole. Wer in den 80er Jahren ohne Filofax unterwegs war, wurde nur selten als cool bezeichnet. Heute sind es Smartphones und Tablets, die vermeintlich den Status begründen. Jungens in abgefahrenen Sneakers, Mädchen in auffälligen Klamotten. Fernab jedweden Rollenverständnisses hat das Girl’s Book das Zeug zum Statussymbol für Mädchen zu werden.

Oberflächlich betrachtet ein echtes Mädchending, das nur für Mädchen ist. Süßes aus Honig, Schmuck selbst herstellen und im Anhang fünfzig Sticker, um dieses Girl’s Book individuell zu verschönern. Mädchen sind romantisch, das sollen sie auch sein. Aber auch selbstbewusst. Die Liedermacherin Anne Haigis hat es in einem ihrer Lieder auf den Punkt gebracht: „Ja die Jungens müssen wissen, dass sie vor den süßen Küssen erst mal alles büßen müssen.“ Mädchen, die das verinnerlicht haben, werden an diesem Buch ihre helle Freude haben. Und wer über Karottenpommes mit Honig zu müde lächeln kann, wird vom Ergebnis überzeugt werden. Und die Tipps für eine geschmeidige Haut sind nicht für die Jungens gedacht, sondern einzig allein für die Mädels. Dass das auch Jungens gefällt, ist nicht mehr als ein willkommenes Zubrot.

Mit diesem Buch kann man sich stundenlang beschäftigen. Einzigartige Klamotten selber gestalten (auch wenn es heute keine Foto gibt), zu wissen, wann welches Gemüse erntereif ist, sich die Natur zu Nutzen machen – alles Sachen, die Mädchen wissen müssen, um sich entwickeln zu können. Auch Jungens wissen so was nicht immer. Wissensvorsprung garantiert.

Das Girl’s Book ist mehr als nur ein außergewöhnliches Handbuch für neugierige Mädchen. Es ist das ideale Geschenk, auch wenn es keinen Anlass gibt. Einfach mal zwischendurch sich selbst was gönnen oder dem Mädchen seiner Träume eine Freude machen. Ewig Dankbarkeit inklusive.

Macarons, Cupcakes und Cakepops

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„Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, nun kopieren müssen?“, tönte einst Walter Ulbricht gegen die Jugend seines Volkes, die nach Rock `n Roll dürstete. Müssen wir  denn nun auch die Überschwemmung mit Cupcakes fürchten oder gar annehmen? Ja. Und warum? Weil Mia Öhrn es schafft den Zuckerbomben die Schwere zu nehmen und die Leckerheit zurückzugeben. Genuss ohne Reue sozusagen.

Mit viel Liebe zum Detail – sie gibt leicht verständliche Tipps, die das Backen gelingen lassen – verführt sie ab der ersten Seite.

Und die (die erste Seite) beginnt mit Macarons. Einen Gebäck, das noch auf dem Sprung ins Backbewusstsein ist. Kleine leckere Knusperkeksvariationen mit unterschiedlichen Füllungen. Mit Baiser. Schon beim Lesen knurrt der Magen und man muss aufpassen, dass einem das Buch nicht aus der schwitzigen Hand flutscht. Schon allein wie Mia Öhrn die Zubereitung der beiden Kekshälften beschreibt, lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Und dann die Füllungen: Maracuja, Limette-Minz, Schwarze Johannisbeere. Ein Gedicht. Am liebsten verwendet Mai Öhrn Schokoladen-Ganache. Ganache? Nie gehört? Dann wird es Zeit für dieses Buch. Auch hier merkt man wieder, dass der Autorin sehr am Gelingen der Backkreationen gelegen ist. Fast schon detailversessen gibt verweist sie auf ihre Erfahrungen bei der Herstellung. Auch bei ihr klappte nicht immer alles sofort.

Und während man so durch das Buch blättert und sich schon im Backwunderland wähnt, streckt einem doch glatt weg ein Schokoladen-Macarons mit Salztoffee frech die Zunge raus. Na warte! Du wirst gleich kopiert und dann verschlungen … Die Rache des Bäckers.

Cupcakes und Cakepops basieren auf den gleichen Grundlagen. Ein fluffiger Teig mit leckerem Topping (was oben drauf) oder darin gewälzt. Cakepops sind der letzte Schrei. Selbst in der Glotze. Jede noch so banale Sendung mit Bäckerei im Szenenbild bietet neuerdings Cakepops an. Doch bei Weitem nicht so leckere wie Mia Öhrn. Und sie bringt es auch auf den Punkt, wenn sie sagt, dass Cakepops nicht anderes sind als ausgedrückter Kuchenteig auf Lutscherstielen. Okay, es gehört noch ein wenig mehr dazu, um aus Kuchenteig und einem Stück Holz so was Leckeres zu fabrizieren. Was genau? Das erfahren Sie ab Seite 62 in „Macarons, Cupcakes, Cakepops“.

Vom Hinterhof in den Himmel

Vom Hinterhof in den Himmel. 15 Spaziergänge durch das unbekannte Wien

Eine Stadt wie Wien, die besucht man nicht einmal so im Vorübergehen. Dafür ist die Fülle an Attraktionen einfach zu groß. Was aber, wenn man nur ein paar Tage Zeit hat die Donaumetropole zu erkunden? Dann braucht man schon einen erfahrenen Experten, um Wien zu erfahren.

Christina Rademacher ist so eine Expertin. Sie zeigt in ihrem Buch Wege durch Wien, zu berühmten Persönlichkeiten und weist auf die oft versteckten Höhepunkte der Stadt hin. Und das alles zu Fuß. Kein langes Warten auf Tram und Bus. Kein Taxigeld-Kalkulieren. Alles ganz entspannt und frei einteilbar.

Wer Wien schon kennt, oder meint es zu kennen, wird überrascht sein, wie viel man noch nicht gesehen hat und vor allem wie viel es noch zu entdecken gibt. Alle Spaziergänge sind so konzipiert, dass man durchaus einen kompletten Tag für einen Spaziergang einplanen kann. Für ganz Neugierige, die aber wirklich gut zu Fuß sein müssen, ist der letzte der 15 vorgestellten Spaziergänge eine echte Herausforderung: Sage und schreibe 20 Kilometer durch alle Bezirke Wiens. Aber auch ein genüsslicher Abschluss, mit Schnitzel.

Christina Rademacher ist immer dabei, wenn man durch die Häuserschluchten der Stadt streift. Hektik kommt hier niemals auf. Gelassen berichtet sie von den kleinen Histörchen am Rande des Spaziergangs. Fast kommt man sich wie der tick-belastete Privatdetektiv Monk aus der gleichnamigen TV-Serie vor: Er muss alles anfassen, der Spaziergänger muss alles sehen. Ruheoasen laden zur Rast ein. Selbst Restauranttipps gibt die Autorin. Die sind aber kein Muss, nur liebevolle Stubser, um bei allem Reiz der Stadt nicht den knurrenden Magen zu übersehen.

Jeder Trip steht unter einem bestimmten Motto – so kann sich jeder nach seinem Gusto sein Wien erlaufen. Ob „Kommunisten im Villenviertel“ (Untertitel: Von Brigittenau über Japan nach Persien) oder „Siedler im Westen“ (Hermeswiese, Friedensstadt und Werkbundsiedlung), alle Spaziergänge ergreifen den Besucher ab dem Zeitpunkt, an dem man die Füße vor die Tür setzt. Am Ende eines jeden Kapitels wird noch einmal zusammengefasst, da kann man noch einmal kontrollieren, ob man nicht doch was übersehen hat. Denn wer schaut bei einer so prunkvollen Stadt wie Wien permanent ins Buch. Für Wien braucht man Zeit, das beweist Christina Rademacher mit jeder einzelnen Zeile. Alle Spaziergänge bei einem Besuch „abzuarbeiten“ – bitte schön. Aber da Wien immer eine Reise wert ist, kann man sich Zeit lassen. Das unbekannte Wien zu erschließen, dauert. Um genau zu sein dauert es zweihundert Seiten. Sofern es nicht einen zweiten Band geben wird …

Im Schatten des Banyanbaums

Im Schatten des Banyanbaums

Kambodscha Mitte der 70er Jahre. Raami ist ein kleines neugieriges Mädchen, das es kaum erwarten kann die Welt da draußen zu erkunden. Die Welt da draußen, das ist Südostasien außerhalb des großzügigen Anwesens, dass ihrer Familie gehört. Sie ist es direkte Nachfahrin der königlichen Familie. Herumtollen, die Erwachsenen mit Fragen löchern, Traditionen pflegen – so sieht ihr Alltag aus. Immer umsorgt von Milchmutter, Mama und der Königin Großmutter. Über allem thront ihr Vater, Philosoph und Geschichtenerzähler in einem. Für Raami der perfekte Platz, um aufzuwachsen.

Am Neujahrstag des Jahres 1975 endet dieses phantasievolle, behütete, grenzenlos freiheitliche Leben abrupt. Die Roten Khmer übersäen Kambodscha mit Hass, Misstrauen und irrationalem Handeln. Schon allein wer eine Brille trägt, ist verdächtig. Und wer verdächtig ist, gehört ausgemerzt. Wie soll es da erst dem einstigen Adel ergehen?

Von Heute auf Morgen wird Raamis bunte Welt in ein tristes Schwarz getaucht. Denn die Revolutionsbrigaden der Roten Khmer erlauben keine Freude, auch keine Farbenfreude. Auch übernimmt die „Organisation“ – hinter diesem Vehikel verstecken sich die meist ungebildeten, nicht einmal Lesen könnenden „neuen Herrscher“ – das Denken, bestimmt, was richtig und was falsch ist.

Schlimmer kann es nicht kommen? Oh doch! Die Familie wird auseinander gerissen. Waren sie erst in einer Tempelschule untergebracht, geht es nun aufs Land. Ohne den geliebten Vater. Der opfert sich, um seiner Familie so manche Pein zu ersparen. Für Raami, die sich schon immer mehr zu ihrem Vater als zu ihrer Mutter hingezogen fühlte, die schmerzlichste Erfahrung in ihrem noch jungen Leben.

Die harte Arbeit steckt das tapfere Mädchen weg. Immer wieder erinnert sie sich an die Geschichten ihres Vaters, diese erfüllen sie mit Hoffnung, und stärken sie für den nächsten Tag. Denn eines können die Roten Khmer nicht: Ihren Willen brechen.

Mit Phantasie und außergewöhnlicher Sensibilität fasst Vaddey Ratner ihr eigenes Schicksal in die Geschichte von Raami. Sie selbst wurde als Mitglied der Königsfamilie verschleppt, enteignet, gedemütigt. Auch ihr gelang die Flucht. Welch ein Glück, so können wir dieses Buch nun genießen. Vaddey Ratner schildert mit sanften Worten wie sie in ein neues hartes Leben gestoßen wurde. Die Wärme der Familie, der Kühle spendende Banyanbaum, die Herzlichkeit als Schutzschilde gegen die Rohheit der Zeit. Die Poesie der Worte mildert die Gräueltaten der Roten Khmer.

Vietnam – Auf dem Weg in eine neue Zeit

Vietnam - Auf dem Weg in eine neue Zeit

Das Erste, was man in Vietnam lernt, ist, dass man als Millionär auch nicht glücklicher ist, gerade, wenn um einen herum auch nur Millionäre sind. Đồng-Millionäre! Wer sich so Vietnam nähert, wird schnell merken, dass Vietnam ein gefühlvolles Land ist, das sich selbst treu bleibt und immer wieder neu erfindet. Und genau das beschreibt Robert Asam in seinem neuen Buch. Schon seit Jahren ist er ein Fan, ein Freund dieses Landes, das sich – touristisch – schon lange nicht mehr hinter dem Orts- und Branchenprimus Thailand verstecken muss.

Und wenn man in Ho-Chi-Minh-City unterwegs ist, lernt man zwei Sachen sofort. Erstens, dass Saigon eher in aller Munde ist als Ho-Chi-Minh-City und zweitens, dass der Verkehrsfluss, keineswegs Chaos bedeutet, sondern eben einfach nur seinen eigenen Regeln folgt. Anpassen, ganz wichtig!

Als gelernter Journalist ist es für Robert Asam normal die besonderen, die einzigartigen Geschichten herauszukitzeln. Dem Leser soll’s recht sein.

Vietnam ist ein aufstrebendes Land. Mit dem finanziellen Wohlstand geht aber auch die immer weiter auseinander scherende Kluft zwischen Stadt- und Landbevölkerung. Eine blasse weiße Haut zeugt von städtischer Noblesse. Das europäische Braungebranntsein-und-sich-wohl-fühlen wird der Landbevölkerung überlassen. Es ist ein Zeichen von harter Arbeit, die bei weitem nicht so viel einbringt wie ein Imperium vom Schreibtisch aus zu regieren.

Diese Gegensätze trifft Robert Asam, wo er steht und geht. Seit seinen ersten Erfahrungen mit Vietnam – als Kind Mitte der 70er Jahre vor dem Fernseher – hat sich Vietnam kolossal verändert. Als Tourist, und vor allem als Journalist, kann man sich frei bewegen. Die einstmals vorherrschende Politpropaganda weicht den üblichen Reklametafeln. Mobiltelefone sind allerorts ein Statussymbol. Sich diesem Fortschritt zu verweigern, bedeutet eine enorme Kraftanstrengung.

„Vietnam – Auf dem Weg in eine neue Zeit“ ist kein Reiseführer im herkömmlichen Stil. Wer auf Insidertipps für Übernachtungen das Beste aus Asiens Woks hofft, muss sich mit Geschichten von besonderen Menschen begnügen. Wer Vietnam ernsthaft kennenlernen will, bevor er sich auf die Reise macht (und glauben Sie mir, Sie wollen nach dem Genuss dieses Buches nach Vietnam reisen), bekommt hier die volle Dröhnung Südostasien.

Mit akribischer Neugier kommt Robert Asam dem Geheimnis des Landes auf die Spur. Die Mischung aus traditioneller asiatischer Freundlichkeit und dem regen Streben nach Anerkennung und wirtschaftlicher Unabhängigkeit lassen Vietnams auf über 200 Seiten im strahlenden Licht erscheinen.