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XXL-Dino-Ei

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Na das ist mal ein traditionsreiches Ostern! Traditionen sind bekanntermaßen althergebrachtes Brauchtum wie beispielsweise das Ostereierverstecken. Zahlreiche Schokoeier, Schokoküken und Schokohasen werden überall versteckt und sorgen bei Entdeckung für laute Begeisterungsstürme. Apropos Küken und Eier – und jetzt sind wir bei den Traditionen: Dieses Ei birgt eine ganz besondere (althergebrachte) Überraschung. Das Ei legt man in ein hohes Gefäß mit Wasser, so dass das Ei komplett bedeckt ist. Jetzt braucht man Geduld! Viel Geduld. Stundenlang! Nach und nach knackt die Schale auf. Zuerst ein ganz kleiner Riss, der dann über die Schale wandert. Bis…, ja bis sich der Inhalt seinen Weg ans Tageslicht gebannt hat. Das dauert dann schon mal vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden. Stunden, in denen die Wartezeit schier unendlich erscheint. Aber das Warten lohnt sich. Denn der Dino im Inneren wächst dann noch weiter. Bis zu einer Woche!

Ein köstlicher Spaß, auch für die Großen. Denn dieses Schauspiel gibt es in der Natur seit über einhundertsechzig Millionen Jahren nicht mehr zu bestaunen.

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Tanz auf dem Vulkan

Tanz auf dem Vulkan

Beide waren sicherlich keine Männer, mit denen „gut Kirschen essen“ war. Der Eine – Gustaf Gründgens – ein begnadeter Schauspieler. Der Andere ein nicht minder begabter Schriftsteller. Beide strebten nach mehr. Aus unterschiedlichen Gründen heraus. Eines verband sie jedoch: Der Drang nach Zuneigung. Der Zuneigung der Gegenüber, seien es nun Theaterbesucher und Förderer oder Leser und Familie.

Gründgens wurde stark durch die Mutter geprägt, die dem Jungen schon früh musische Eigenschaften unbewusst einpflanzte. Klaus Mann hingegen fühlte sich stets im Schatten seines Übervaters stehend. Wenn man die Biographie von Klaus Mann liest, kommt einem schnell der Gedanke, dass er das Ersatzleben seines Vaters zu leben begann. Thomas Mann, der sich selbst einen Weg auferlegte, der er ungern, aber pflichtbewusst beschritt, ließ seine Kinder die Freiheiten, die er sich nie eingestehen durfte. Und die nutzten die lange Leine gnadenlos aus.

Es war keine leichte Zeit für Freigeister: Klaus Mann, Jahrgang 1906, und Gustaf Gründgens, Jahrgang 1899, wuchsen in stürmischen Zeiten auf. Kriege und Revolutionen gehörten zum Alltag wie Umbrüche in Kunst und Kultur.

Renate Berger führt zwei Männer zusammen, die durch eine Frau miteinander verbunden wurden: Erika Mann, die ein Jahr ältere Schwester von Klaus. Sie und Klaus waren der Nachbarschaftsschrecke in München. Ihre Beutezüge waren da noch das kleinere Übel. Arroganz und Ablehnung der Konventionen waren da schon andere Kaliber. Klaus‘ Erziehung in Schulen und Internaten (Salem, Odenwaldschule) war für die Erzieher mehr Kampf als Prägung. Gründgens hingegen war gelehrig.

Beide waren auf ihre Art Rebellen. Doch die Zeiten änderten sich. Gründgens wurde hofiert, Schmeicheleien und Opportunismus ebneten seinen Weg unter den Nazis. Klaus Mann blieb, was er war: Ein unbequemer Intelektueller, der der Zeit nichts Gutes abringen konnte. Er flüchtete, nicht freiwillig. Kämpfte wortstark gegen die Verhältnisse in seiner Heimat und somit auch gegen den Schwager, mit dem ihn mehr verband als er sich eingestehen wollte und konnte.

Nach der Schreckenszeit gingen beide Künstlerwege weiter auseinander. Hoffnung wurde für beide ein Wort mit unterschiedlicher Bedeutung. Gründgens wurde mehr gefeiert denn je, Klaus Manns Ende war selbstgewählt.

Die Autorin holt oft und weit aus, um die Charaktere der beiden Männer tiefgreifend zu erkunden. Und das ist auch nötig, um diese Kulturbiester verstehen zu können. Jedes Jahr füllen sich die Regale mit neuen Biographien über die Familie Mann. Dieses Buch gehört an eine exponierte Stelle, denn es öffnet den Mann’schen Kosmos lässt Raum für weitere bedeutende Mitstreiter des kulturellen Lebens der deutschen Vergangenheit.

Erzähl mir von Ladakh

Erzähl mir von Ladakh

Wer sich auf dem Drahtesel über Pässe quält, die sechstausend Meter über dem Meeresspiegel auf dem indischen Subkontinent liegen, muss einfach seine Impressionen niederschreiben. Nicht, weil die Reise irgendwie finanziert werden muss. Nein, weil er nach dem Urlaub in geselliger Runde wohl kaum jemanden finden wird, der das gleiche Schicksal, die gleichen Eindrücke wiedergeben kann. So einen Urlaub macht man meist nur einmal.

Adi Traar hat schon mehrere solcher Reisen unternommen. Er kennt sich aus. Doch diese Reise wird auch ihn verblüffen. Die einzelnen Kapitel haben keine blumigen Überschriften – sie sind nach Höhenmetern unterteilt. So nüchtern das klingen mag, so farbenfroh sind die Reisebeschreibungen. Poetry slam im höchsten Gebirge der Welt. Adi Traar trifft in echt echte Typen, die man nicht überall auf der Welt als Reisegefährten sieht. Und alle sind genauestens informiert. Nicht über das Vorhaben des verrückten, der mit dem Rad in gebirgige Höhen aufsteigen will. Nein, das Schicksal Michael Jacksons ist ihr Tages- bzw. Wochen- bzw. Monatsthema. Alle sprechen ihn darauf an. Die Reise fand kurz nach dem Tod des Kings of Pop statt.

Den Autor plagen derweil andere Probleme. Hält die Technik, zum Beispiel? Um es vorweg zu nehmen: Nein, zumindest nicht immer. Antriebslos wird er deswegen nicht. Improvisieren in tausenden Metern Höhe. Auch ein Abenteuer, das nicht jeder erleben darf. Oder die durchaus als besonders zu bezeichnende Befriedigung ein echtes Bett unter dem geschundenen Körper spüren zu können. Die seltsame Küche Indiens und der Bergregionen zu genießen. Adi Traar genießt wirklich jeden Tag, jede Stunde, jede Minute in den Bergen. So manchen Abschnitt vielleicht auch erst im Nachhinein. Doch Genuss ist der ständige Begleiter des radelnden Reporters.

Egon Erwin Kisch dichtete man die Aufforderung „Schreiben Sie das auf, Kisch!“ an. Adi Traar möchte man zurufen: „Pack die Sachen, verreise und schreib alles auf!“. Mit Verve und lockerer Schreibe setzt er der seit Kurzem einsetzenden Himalaya-Bilderflut ein wortgewaltiges, fast unscheinbares Büchlein entgegen. Jeder Satz sitzt, jedes Wort ein Volltreffer, das den Leser die Strapazen einer solchen Reise vergessen lässt. Die Leichtigkeit seiner Worte steht im krassen Kontrast zu den Anstrengungen im Gebirge im Wiegeschritt voranzukommen. Oft muss man Schmunzeln, oft gerät man ins Grübeln. Doch immer unterliegt man dem Charme des Autoren und der unbeschreiblichen Landschaft.

Wieder einmal wird ein weißer Fleck auf der Landkarte der Abenteurer durch ein kleines Büchlein in ein Farbenmeer an Impressionen ersetzt.

Mondo Veneziano

Mondo veneziano

Jeder, der außerhalb(!) einer Touristengruppe Venedig für sich entdeckt, hat unweigerlich das Gefühl ein Buch z schreiben. Und so verwundert es nicht, dass es über die Lagunenstadt – neben Paris und Rom – die meisten gedruckten Reiseimpressionen gibt. Von grandiosen Bildbänden wie „City impressions Venedig“ über Reisebände wie „MM City Venedig“ bis hin zu historischen Aufarbeitungen wie „Venedig erobert die Welt“.

Heidrun Reinhard hat die Herausforderung angenommen und ein weiteres Buch dieser prachtvollen Reihe hinzugefügt. Und das mit Erfolg! Denn „Mondo Veneziano“ gehört wie die eingangs erwähnten Bücher ebenso zur Pflichtlektüre eines Jeden, der Venedig auf eigene Faust und mit fundiertem Wissen erkunden will. Sie nimmt den Leser mit auf eine Reise vorbei an den Palästen der Stadt. Übrigens erkennt man Touristen und Gäste daran, dass sie die Häuser der Stadt, von den Einheimischen meist nur „Ca‘“ genannt, auch wirklich als Paläste bezeichnen.

„Menschen und Paläste am Canale Grande“ lautet der Untertitel des Buches. Die Paläste, oder „Ca‘“, sind hinlänglich bekannt bzw. für jedermann leicht zu erreichen. Man kennt sie aus Reportagen, aus Büchern und vom Vorbeigondeln. Dass sie Geschichte in sich bergen, ist auch jedem klar, der sich nur ein wenig mit der Geschichte der Serenissima beschäftigt hat. Doch welche Geschichten sich darin zutrugen, wer sie erbaute, wer wem an die Wäsche wollte, das sind die Geheimnisse, die in diesem Buch so eindrucksvoll und lebendig beschrieben werden.

Die alte Dogenmacht Venedig war im Mittelalter ein ernst zu nehmender Handelsriese. Ein global player, der überall auf der Welt seine Finger im Spiel hatte. Von Konstantinopel über die Adria gehörte mehr als nur der Mittelmeerraum zum Einzugsgebiet der venezianischen Handelshäuser. Auch die Deutschen hatten hier eine Niederlassung, ein deutsches Haus, in dem täglich so viel umgesetzt wurde wie ein durchschnittlicher venezianischer Mittelständler sonst in einem Jahr verdiente. Hier wurde kaum produziert, dafür aber umso mehr ge- und verkauft. Die Dogen und auch der zehnköpfige Rat der Stadt, die Regierung, ließen sich ihre erbaulichen Ideen etwas kosten. Als Tourist kann man heute nur noch die Pracht der Stadt vor fünf-, sechs-, siebenhundert Jahren erahnen. Aber das reicht schon, um sich verzaubern zu lassen.

Dass Venedig nicht nur glorreiche Zeiten erlebte, zeigt Heidrun Reinhard, die die Stadt als ihre zweite Heimat bezeichnen darf, in der zweiten Hälfte des Buches. Denn an die Spitze gelangen, ist bei Weitem einfacher als diese zu behaupten. Als Konstantinopel in die Hände der Araber fiel, schwanden auch der Ruhm und der Einfluss Venedigs. Bis die Intelektuellen und Künstler Venedig wiederentdeckten. Verdi, Wagner, Thomas Mann – sie alle setzten der Lagunenstadt ein weiteres Denkmal. Die Venezianer sind ja in Sachen Denkmäler setzen nicht so spendabel.

„Mondo Veneziano“ ein Buch für alle, die Venedig nicht nur als Tages- oder gar nur Stundenausflug erleben wollen. Schon vor dem Besuch weiß man – gefühlt – mehr als so mancher Einheimischer. Vor Ort ist man der kundige Betrachter, der sich von keinem Reiseleiter etwas vormachen lässt. In Erinnerungen schwelgend nimmt man dieses Buch immer wieder gern zur Hand und stimmt Seite für Seite kopfnickend zu: Venedig ist mehr als nur eine Reise wert!

Profi-Taschenfernglas

Profi Taschenfernglas

Die Welt ganz nah zu sich bringen. Kinder haben da ihre eigenen Strategien. Doch wenn der kindliche Forscherdrang jugendlichem Forschergeist nach und nach weicht, muss die Wirklichkeit mit technischem Gerät aufgefüllt werden. Wer sich in Flora und Fauna bewegt, kommt schnell an den Punkt, dass die Objekte der Begierde zwar erkennbar, aber doch nicht deutlich auszumachen sind. Mit dem Profi-Taschenfernglas wird beispielsweise das scheue Wild greifbar. Fast! Mit einer Vergrößerung von 8 x 21 mm kann man da schon mal die ersten Schritte unternehmen. Und mit 130 Gramm ist es auch nicht zu schwer, so dass weitere Utensilien der Reihe „Expedition Natur“ wie das Abenteuer-Teleskop, Messer, Kompass und Becherlupe noch locker in den Adventure-Rucksack passen. Die mitgelieferte Aufbewahrungstasche lässt sich mühelos am Gürtel befestigen.

Als Hemingway mich liebte

Als Hemingway mich liebte

Er gehört zu mir – in der deutschen Schlagerszene ein Stück für eine Person. Im Leben von Ernest Hemingway ein Mehrstimmiges. Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts klingt es in den Ohren von Hadley wie ein Hohn. Denn ihr Gatte, der mittlerweile einigermaßen anerkannte Ernest Hemingway, hat schon seit längerem ein Auge auf Fife geworfen. Fife heißt eigentlich Pauline und arbeitet für die Vogue in Paris. In Antibes haben die Hemingways ihr neues Quartier bezogen. Das Haus gehört dem Skandalpaar F. Scott und Zelda Fitzgerald. Bumby zuliebe haben der bullige Schriftsteller und die resolute Hadley eine neue Bleibe gefunden. Bumby leidet unter seinem Keuchhusten und die warme Luft soll ihm Linderung bringen.

Hadelys Sorge kann hier nicht gelindert werden. Immer wieder finden sich Hinweise auf eine Liaison Ernests und Fifes. Ihre Schwester Jinny bestätigt endgültig die Beziehung. Als klar wird, dass es nicht nur eine flüchtige Affäre ist, stellt Hadley ein Ultimatum: Ernest und Fife sollen sich einhundert Tage nicht sehen, nicht schreiben, nicht in Verbindung stehen. Sollten seine Gefühle für Fife unverändert stark sein, würde Hadley sich zurückziehen. Nach ungefähr der Hälfte der Zeit gibt sie sich geschlagen.

Zeitsprung. Die letzte Hälfte der 30er Jahre wird vom spanischen Bürgerkrieg bestimmt. Auch Hemingway ist vor Ort. Als Korrespondent. Pauline, Fife, ist die Hüterin des Hemingway’schen Hauses auf den Keys vor Florida. Ihr Heim ist eine Zierde, das eleganteste Haus auf dem Eiland. Doch immer öfter ist sie allein. Physisch wie seelisch. Oft ist Ernest Hemingway in Spanien. Ist er in der Heimat, muss Fife dafür sorgen, dass er schreibt. Nicht des Geldes wegen. Nein, nur wenn ihr Mann schreibt, schweifen seine Gedanken nicht ab zu Anderen. Eine Andere ist Martha Gellhorn. Eine neue Eroberung? Oder doch mehr? Ihre alte Freundin und niemals als Rivalin erachtete Hadley kennt das. Sie hatte Hemingway auch geliebt und verloren. An Fife. Jetzt ist sie Ratgeberin. Doch Fife hat nicht die charakterliche Stärke von Hadley. Ihr Temperament ist überbordender.

Martha ist Frau Nummer Drei im Reigen der ménage à cinq. Während Hadley und Fife sich den Umständen entsprechend ganz gut verstehen, hat Marty, wie Hemingway sie nennt, kein Verständnis für derartige Verbrüderungen. Hadley ist ihr zu weich, zu nachgiebig, und Fife könnte ihr noch gefährlich werden. Die beiden leben Mitte der 30er Jahre in Havanna, in den 40ern ist Paris der Schauplatz der Ehe und deren Ende. Als großer Befreier des Ritz ist Hemingway in aller Munde und bald auch schon im Schoß einer Anderen. Paris ist frei, Marty auch bald.

Mary ist der Schoß, in den sich Ernest Hemingway nun legen wird. Kriegsreporterin wie Hemingway und Marty es waren und sind. Der Kampf ist Hemingways Geschäft. Ist irgendwo Krieg auf der Welt, ist er nicht weit. Er kennt die Welt, und die Welt kennt ihn. Martha warnt Mary noch. Doch Mary ist unwissentlich dem Macho schon verfallen. Während Europa in Trümmern liegt, baut Mary eine neue Beziehung zu Ernest Hemingway auf.

Sie wird die einzige Ehefrau sein, die ihn nicht an eine Andere abgeben muss. Verlassen wird er sie dennoch. Ob freiwillig oder nicht, ist bis heute nicht ganz geklärt.

Die vier Frauen, die Ernest Hemingway ehelichte, rauben in diesem Buch nicht den Ruhm des großen Schriftstellers. Dafür ist er zu übermächtig. Die Wucht seiner Präsenz lässt sie erschauern und zu Kämpferinnen reifen. Doch nicht bis zum bitteren Ende. Sie wissen, wenn sie weichen müssen. Echte Gewinner gibt es in keinem Krieg – auch nicht in den Ehen Hemingways.

Schicksalsorte der Deutschen

Schicksalsorte der Deutschen

Beim Lesen des Titels hat jeder seine eigene Meinung und eigenen Vorstellungen. Auf Anhieb kann man sicher ein oder zwei Hände voll Orte nennen, die in der Geschichte Deutschlands, der Deutschen eine entscheidende Rolle spielten. Aber fünfundfünfzig? Da braucht man schon ein paar Stunden zum Nachdenken. Und genau so lange dauert es auch das Buch zu lesen. Vorteil Buch: Hier wird auch gleich noch das entsprechende Basis- und Hintergrundwissen vermittelt.

Bei oberflächlicher Betrachtung des Umschlages kann manches erahnt werden: Ein kräftiger Kerl mit Flügeln an der Kopfbedeckung auf ‘nem Pferd, in schwarz-weiß, ist wohl schon etwas älter. Schlachtengetümmel, in Farbe. Eine Kirche, in die die Massen geordnet einziehen, sehr feierlich. Ein Haus mit beleuchteten Balkons. Und – das erkennt jeder sofort – das Brandenburger Tor. Von oben, links hinten fotografiert, sieht man auch nicht allzu oft. Jetzt geht das Rätselraten los. Es bleibt einem nichts anderes übrig: Man muss das Buch aufschlagen. Und schon ist es passiert! Man blättert, liest ein paar Zeilen und kommt nicht mehr los.

Zuerst sucht man natürlich nach der Auflösung der Titelrätsel. Brandenburger Tor ist klar: Mauerfall. Die Balkons gehören zum Bauhaus in Dessau. Die Kirche ist die Paulskirche in Frankfurt, wo 1848 erstmals ein deutsches Parlament tagte. Das Schlachtengetümmel gehört zur Tannenberg-Schlacht, in dem im Sommer 1410 der Deutsche Orden eine vernichtende Niederlage hinnehmen musste. Und der wohlgenährte Herr mit den Flügeln am Helm ist Arminius, wie man sich ihn im 19. Jahrhundert vorgestellt hat. Rätsel gelöst, aber noch immer warten fünfzig Schicksale auf ihre Entdeckung.

Schon allein die kleine Auswahl des Bilderrätsels vom Cover zeigt, dass es in diesem Buch nicht nur um Schlachten und Kriege geht. Friedliche Revolutionen auf politischer Seite stehen kulturellen Neuerungen wie dem Bauhaus gegenüber. Die Völkerschlacht bei Leipzig der ersten deutschen Eisenbahnfahrt zwischen Nürnberg und Fürth. Oder die Schlacht von Verdun dem Wunder von Bern.

Jedem Ort, an dem deutsche Geschichte geschrieben wurde oder Deutsche Geschichte schrieben, und diese bis heute nachhallt, geben die Macher des Buches den passenden Rahmen und füllen die vorhandenen Wissenslücken. „Schicksalsorte der Deutschen“ ist ein Lese- und Bilderbuch, das man gern immer wieder zur Hand nimmt. Stück für Stück nähert man sich der Geschichte und sieht die Gegenwart mit anderen, wissenden, Augen. Ansprechend gestaltet und informativ – das beste Argument, um dem staubtrockenen Geschichtsunterricht Lernfreude entgegenzusetzen.

Gespenster- und Schauergeschichten

Gespenster- und Schauergeschichten

Dank Regisseuren wie Eli Roth, Quentin Tarantino und Robert Rodriguez sind wir an Horror wieder gewöhnt. Ihre literarischen Wurzeln hingegen liegen noch gut erreichbar in den Regalen der Verlage. Ripperger & Kremers wagen nun den Anfang erstklassige Gänsehautgeschichten aus der zweiten Reihe ans Tageslicht zu gewöhnen. Man ist schon recht verwöhnt, wenn in Filmen detailliert das bestialische Abtrennen von Ohren gezeigt wird, oder ein Bein mehr oder weniger fachgerecht seiner Funktion beraubt wird. Optisch für Viele fragwürdig, für Kenner ein filmischer Genuss. Und wie haben sich im vorletzten (und davor) die Menschen in Gruselstimmung versetzt? Ganz einfach! Sie lasen. Sie lasen Friedrich Gerstäcker, E. T. A. Hoffmann und Jean Paul. Denn die hatten auch so manches Schauermärchen niedergeschrieben. Heute leider vergessen. Beziehungsweise fast vergessen.

Die „Gespenster- und Schauergeschichten“ im gleichnamigen Band verführen mit jeder einzelnen Zeile. Dringendes, liebevollstes Flehen, unüberwindlichste Abscheu, Schwärzeste Ahnung – allein die nuancenreiche Wortwahl lässt einem so manche Horror-Plattitüde vergessen. Wer Horror liebt, wer sich phantasiereich im Zeilenwirrwarr zurechtfinden kann, wer die Gänsehaut spüren will, kommt an diesen Großmeistern der Blutwallung nicht vorbei.

Wer jetzt hofft, dass an dieser Stelle die eine oder andere Geschichte vorgestellt wird, hofft vergebens. Denn diese Art von Geschichten leben von der Spannung und der Vorfreude auf das, was da noch kommen mag. Nur so viel: Gerstäcker als Wild-West-Romantiker ist passé. Jean Paul als ewiger Romantiker – das war einmal (obwohl Grusel und Romantik gar nicht so weit voneinander entfernt liegen). Nur E. T. A. Hoffmann verbindet man landläufig mit einem Hauch Mystik und Schauer. In den für dieses Buch ausgewählten Geschichten weiß auch der Letzte warum.

Sprachfetischisten werden dieses Buch kaum wieder aus der Hand legen. Wie ein unablässiger Todeshauch zieht es den Leser in den Bann der Geschichten. Verlassene Schlösser, Geister, die ihr Unwesen treiben, mannhafte Ritter, die sich in die Rüstung machen, Kleidungsstücke, die den Träger zu Taten veranlassen, die er andererseits nie begehen würde, sind die Zutaten für ein Buch der Extraklasse.

Die Gestaltung des Umschlages – kaltes Blau, das bei genauerem Hinsehen Schrecken vorwegnimmt – trägt schon beim Erstkontakt zum Gruseln bei. Hier stimmt einfach alles: Außen hui, inne huihuihui.

Fußball

Fußball

Schaltjahr – Olympische Sommerspiele – Fußball-Europameisterschaft! Die drei Eselsohren für Sportfans. Und wieder werfen Experten ihre Fußballgeschichten auf den Büchermarkt. Man meint, dass schon über jede Meisterschaft, jedes Spiel, jeden Spielzug Zeilen verfasst wurden. Und dann kommt ein anerkannter Schriftsteller daher und beweist das Gegenteil. Jean-Philippe Toussaint ist seit Kindesbeinen an vom runden Leder und der Jagd danach angetan. Er ist kein Fanatiker, Enthusiast trifft es eher. Er kreischt nicht bei jeder öffentlichen Zurschaustellung (public viewing ist einfach zu blöd, um die Menschenansammlungen zu beschreiben), nur weil einer seiner Helden in Großaufnahme zu sehen ist. Er ergötzt sich an Tricks, freut sich über gelungene Spielzüge und … er erinnert sich.

Als Belgier des Jahrgangs 1957 konnte er sich über die belgische Abseitsfalle jahrelang erfreuen. Doch ab Mitte der 80er bis ins neue Jahrtausend hinein konnte er seinen Emotionen nur in den Qualifikationsspielen freien Lauf lassen. Doch seit einem Jahrzehnt kann er sich auch darüber hinaus an Wilmots und Co. erfreuen. Auch 2016 ist Belgien wieder ein essentieller Bestandteil des europäischen Fußballgeschehens.

Nun ist Jean-Philippe Toussaint sicherlich keiner, der einhändig im Stadion zu Brüllen beginnt, wenn sein Team punktet. Er ist ein stiller Genießer, der im richtigen Zeitpunkt die Arme hochreißt und seinen Nebenmann umarmt. Auch wenn er ihn gar nicht kennt. Oft passiert. Auch bei Weltmeisterschaften. Denn die haben es ihm angetan. 2002 in Japan und Korea war er vor Ort, also in Japan. Schaute Spiele im Stadion und im Fernsehen an. Doch das echte Ereignis waren für ihn die Stadionbesucher. Diszipliniert, uniformiert, stressresistent. Den Ratschlag schon Stunden vor Spielbeginn aufzubrechen, beherzigt er und wird nicht enttäuscht.

Enttäuschend hingegen die WM 2006 in Deutschland. Keine Karten für Jean-Philippe Toussaint. Nur durch Umwege kann er sich Schweden gegen Paraguay anschauen – beide Teams scheiden in der Vorrunde aus.

Jean-Philippe Toussaints Ansichten über Fußball sind universell und speziell zugleich. Seine Wortwahl ist treffsicher, ohne verbale Schwalben, kein sinnfreies „kick and rush“, einfach nur intelligentes Phrasieren über die schönste Nebensache der Welt.

Das Titelbild des Buches zeigt die Veränderungen des Fußballs. Waren bis in die 80er Jahre fast nur echte Fußballfans in den Stadien, ist ein Event wie die Europameisterschaft heute ein Massenphänomen, das auch Menschen an lockt, die sonst rein gar nichts mit den zweiundzwanzig Millionären, die gegen einen Ball treten, zu tun haben. Eine Riesenparty, die mit dem eigentlichen Fest kaum etwas zu tun hat, lässt auch die Leidenschaft von Jean-Philippe Toussaint ein wenig nachlassen. Das Halbfinale der vergangenen WM zwischen Holland und Argentinien wollte er sich im Internet auf Sardinien anschauen. Ein Stromausfall hatte dann doch sein Feuer wieder entfachen lassen. So ist es: Fußball kann sich kaum jemand entziehen, der den puren Nervenkitzel sucht. Je länger ein Turnier dauert, desto größer das Kribbeln. Zum Glück hat es Jean-Philippe Toussaint auch in den Fingern gekribbelt und er beschert uns im Fußball-Sommer 2016 das Fußball-Buch 2016.

Skylines

Skylines

Eine Stadt, die allein nur durch ihre Silhouette auf sich aufmerksam macht, kann stolz behaupten es geschafft zu haben. Ein unverwechselbares Äußeres, das sofort Urlaubsstimmung, willkommene Erinnerungen und Sehnsucht aufkommen lässt, ist eine Visitenkarte, die den Reisenden der Welt freudig übergeben darf.

Yolanda Zappaterra und Jan Fuscoe haben fünfzig Visitenkarten gesammelt und die Einladung angenommen sich selbst davon zu überzeugen. Fünfzig Städte, die jede für sich eine kleine Hauptstadt im Dschungel der Welt darstellen. Die visuelle Erscheinung ist oftmals visionär. Man denke nur an die teils prominenten Gegner des Eiffelturms – was wäre die französische Hauptstadt ohne ihn? Eine Millionenstadt mit breiten Avenues, prachtvollen Bauten, mythischen Vierteln, aber ohne ein echtes Wahrzeichen. Und was sollten die Souvenirverkäufer anbieten? Den Champs Elysèes in Plastik?

Dieses Buch ist eine Herausforderung für jeden Globetrotter. Fünfzig Mal Prunkstücke, fünfzig Mal Ah und Oh, fünfzig Mal Augenschmaus. Jedes Stadt bekommt gleichviel Platz im Buch: Vier Seiten. So kommt kein Neid auf! Als Leser kann sich ja mal den Spar erlauben und ein wenig Rätseln. Buch irgendwo aufschlagen. Doppelseite mit Silhouette suchen und die Abbildungen auf sich wirken lassen. Na, wo ist man gerade gelandet? Rio? Havanna? Beirut? Oder Moskau? Einmal kurz zurückblättern und schon offenbart sich die Lösung. Kurze Texte geben die Begründung, was diese Stadt so einzigartig macht. Und warum genau diese Stadt ins Buch gehört.

Hier stehen sie nun, die Festungsstädte, Kulturhauptstädte, Küstenstädte, Wolkenkratzerstädte, die Heiligen und die Visionären Städte des Erdballs. Von Brasilia und Timbuktu über Buenos Aires und Shanghai bis nach Chicago und Istanbul.

Das Magazin National Geographic ist das gedruckte Sehnsuchtsblatt für alle offenen Geister. Unter der Regie des Blattes ist dieses Buch entstanden und verzaubert ab der Umschlagseite. Kolosseum, Operahouse, Sagrada familia kann jeder zuordnen, der halbwegs offenen Auges durch die Welt geht. Doch wer erkennt schon die Flame Towers? Oder Porta Soprana? Oder Ishwar Lat? Kleiner Tipp. Reisen Sie von Baku über Genua nach Jaipur.

Bücher wie dieses sind für die Ewigkeit gemacht, auch wenn die Welt sich weiterdreht und die Skylines sich stetig verändern. Sie sind der Anker unserer Wahrnehmung der sichtbaren Welt. Bizarre Formen, deren Entwürfe Kopfschütteln hervorrufen und als fertiges Produkt den Betrachter in ihren Bann ziehen.