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Mann mit Hund

Das ist der Beginn einer Vielzahl von Abenteuern, einer großen Karriere und einer fantastischen Reise. Leo & Leo sind Bruder und Schwester. Und sie wollen einmal Detektive werden. Dass ihr Wunsch schneller in Erfüllung gehen wird als sie es sich ausdenken können, ahnen sie erst als sie mitten in ihrem ersten Abenteuer stecken. In London wurde das berühmte Gemälde „Mann mit Hund“ gestohlen. Wahrscheinlich vom Professor, dem raffiniertesten Verbrecher der Welt. Ihren Trip in die englische Hauptstadt müssen sie geheimhalten. Und ihre Eltern dürfen nichts mitbekommen. Aber wie?

Der erste Teil der „Leo & Leo“-Reihe ist gespickt mit kniffligen Rätseln,  die das Geschwisterpaar lösen müssen. Auch der Leser kann am Ende der Kapitel die verzwickten Situationen versuchen zu lösen. Und das ist manchmal – auch für geübte Ermittler – gar nicht so einfach.

In London bekommen Leo & Leo Hilfe von … Leo und Leo. Auch ein Geschwisterpaar, die aber bald in Rente gehen wollen, und nun nach einem geeigneten Nachfolgerspürnasenpaar suchen. Ob Leo & Leo die Richtigen sind? Und werden sie dem Professor auf die Schliche kommen? Und was ist Labernade? Und wieso hat die Nachbarin Frau Schmitz die Labernade? Fragen über Fragen, die es zu beantworten gilt.

Die launische Lora

Wenn Tante Lizzy ruft, sind Leo & Leo Feuer und Flamme. Denn für die beiden Detektive mit eigener Agentur bedeutet das wieder ein großes Abenteuer. Und Tante Lizzy ist schließlich nicht irgendjemand: Sie ist die Queen! DIE Queen! Ja, Ihre Majestät ist ein Freund von Leo & Leo.

Einer ihrer Agentenpapageien ist zurückgekehrt von einer geheimen Mission. Aber ohne Agent. Der ist verschwunden. Eigentlich müsste der Papagei reden wie ein Wasserfall – dafür wurde er ausgebildet. Doch Lora hat keine Lust. Vielmehr ist sie traurig.

Für Leo & Leo steht fest: Der Professor hat seine elf Finger im Spiel. Denn an der linken Hand hat der gefährlichste Schurke der Welt sechs Finger. Außerdem niest er ständig. Die beiden pfiffigen Detektive müssen reisen. Aber ihre Eltern dürfen – wie immer – nichts davon mitbekommen. Zum Glück wollen die eh gerade nach Schottland verreisen. Ferien bei Frau Schmitz heißt das offiziell. Die Nachbarin ist die Kidssitterin, wenn Mama und Papa wieder mal verreisen wollen. Doch Frau Schmitz ist die Miss Moneypenny des Geschwisterpaares. Sie kennt ihr (Detektiv-)Geheimnis.

Dieses Mal verschlägt es Leo & Leo und Hamster Kruso nach Guatemala, der Heimat der Charlarito-Papageien. So einer ist nämlich der Agentenpapagei. Es tut ihm bestimmt gut sich mit seinen Freund wieder mal zu treffen. Doch der Trip entpuppt sich als Falle…

Im zweiten Fall von Leo & Leo kommen die beiden dem Supergangster gefährlich nah. Ob er es noch einmal schafft ihnen zu entkommen? Rätselraten mit den Geschwistern nach jedem Kapitel bringt auch den Leser auf die richtige Spur.

Der große Pavaruso

Eine Einladung zu einer Geburtstagsparty ist immer ein Grund zur Freude. Für Leo und Leo, die Hobbydetektive ist es eher eine Enttäuschung. Denn als die Geheimbotschaft per Papageienkurier eintrifft, hoffen die beiden Nachwuchsschnüffler auf einen neuen Fall. Tante Lizzy hofft auf die beiden, den, der große Pavaruso wird ihr ein Ständchen bringen. Als die beiden im Buckingham Palace eintreffen, ist die Stimmung am Boden. Lizzy ist nicht amused, zieht sich zurück und schmollt. Denn der große Pavaruso hat abgesagt. Aus persönlichen Gründen. Leo und Leo kommt das alles sehr spanisch vor. Eigentlich sogar italienisch, venezianisch, um genau zu sein. Auf der Rückseite der Briefmarke – Pavaruso hat ganz altmodisch mit einem Brief abgesagt – ist ein Hilferuf versteckt. Also doch ein Fall! Leo und Leo reisen nach Venedig, ihre Eltern werden derweil vom englischen Geheimdienst mit Stadtrundfahrten und Vorträgen, unter anderem zum berühmten Bild „Mann mit Hund“, abgelenkt. Außerdem wurde in London gerade eine Bank ausgeraubt. Da steckt doch bestimmt wieder der sechsfingrige Professor dahinter. Wer kann die Rätsel, die versteckten Hinweise enträtseln? Jedes Kapitel wird in bewährter Leo-und-Leo-Manier mit einem kniffligen Rätsel beschlossen. Leo und Leo sind clever genug, um die Hinweise zu entdecken und dem Professor für ihn gefährlich nah zu kommen. Was hat es mit dem Verschwinden des großen Pavaruso auf sich? Und warum spielt ein ebenfalls verschwundener Wal damit zu tun? Fragen über Fragen, die es zu lösen gilt im dritten, und bei Weitem noch nicht letzten Fall der beiden Detektive.

Das Jade-Äffchen

Der vierte Fall für Leo und Leo, „Das Jade-Äffchen“ ist der wohl schwierigste Fall in der noch jungen Karriere des Detektivgeschwisterpaares. Und der am meisten Herbeigesehnte. Denn zu Beginn müssen Leo und Leo das machen, was wohl keiner so gern macht: Hausaufgaben. Vokabeln lernen. Puh wie langweilig. Ihr neuer Fall führt die beiden nach China. Nach Guatemala und Venedig wird nun das Reich der Mitte nach Rätseln durchforstet. Doch ist einiges anders als sonst. Denn ihr Auftraggeber ist dieses Mal ihr ärgster Feind: Der Professor! Eine Falle? Bestimmt! Oder doch nicht. Und schon sind die beiden mittendrin in einem neuen Abenteuer. Der Professor wird nämlich gefangen gehalten. Er kann nur gegen das verschwundene Jade-Äffchen, eine kostbare Figur die Freiheit erlangen. Ehe sich die beiden versehen stecken sie mitten in einer ganzen speziellen Olympiade. Außerdem müssen sie Kruso aus den Klauen eines kleinen, gierigen Mädchens befreien. Mimi, so heißt die Kleine, bekommt immer ihren Willen durchgesetzt. Ist Kruso in großer Gefahr?

Dieser Rätselkrimi für Kinder ab acht Jahren ist selbst für Erwachsene manchmal nicht leicht zu knacken. Verzwickte Gedankengänge – wir sind schließlich in China, in dem Rätselsprüche zum Alltag gehören – echt schwierige Zahlen- und Buchstabenrätsel lassen den Leser nicht mehr los bis er der Lösung auf die Schliche kommt.

Kaspirov der Pinguin

Ein Pinguin am Nordpol? Und dann soll er auch noch über hundert Jahre alt sein? Da stimmt was nicht! Das wissen auch Leo & Leo, die beiden Detektive, die schon so manch kniffligen Fall gelöst haben. Denn sie besuchen die IDEA, die Internationale Detektiv- und Ermittlungs-Akademie. Natürlich nur in den Ferien. So verpassen sich nichts in der „normalen“ Schule.

Leo und Leo, das Geschwisterpaar, das eigentlich Leonart und Leonie heißt, recherchiert, dass einst der berühmte Forscher Humphrey Bottleneck in der Arktis, als am Nordpol verschollen ist. Und der hat eine sagenhafte, weltverändernde Entdeckung gemacht.

Auch die Verbrecherorganisation KRAKE ist dem Pinguin und dem vermeintlich damit verbundenen Geheimnis auf der Spur. Doch Leo & Leo sind gewitzt und lassen sich nicht so schnell in die Irre führen.

Geheimsprache, Labonade (ein Getränk, mit dem man sich in jeder nur erdenklichen Sprache auf der Welt unterhalten kann), ein mysteriöses Mobiltelefon und jede Menge Freunde helfen den Nachwuchsdetektiven den Fall zu lösen.

Die Reihe Leo & Leo ist ein köstlicher Rätselspaß. Denn Autor Tobias Bungter lässt die Leser miträtseln. Am Ende eines jeden Kapitels wird eine Frage gestellt, die auch Erwachsene nicht immer sofort lösen können. Nur wer ganz aufmerksam liest, kommt dem Geheimnis der Pinguine am Nordpol auf die Schliche.

Der Spatz von Paris

Leo und Leo, das Detektiv-Zwillingspaar, verschlägt es in die Stadt der Liebe, nach Paris. Doch die beiden sind nicht wegen der Liebe hier, sie wollen an der geheimnisvollen GUGU, der Gangster-und Gauner –Universität aufgenommen werden. Haben Leo und Leo etwa die Seiten gewechselt? Nein! Sie vermuten eine Verbindung zwischen der Akademie und der Geheimorganisation KRAKE. Die wird von Luzifera van Hell geleitet.

Doch um an der GUGU studieren zu dürfen, müssen die beiden erst einmal auf sich aufmerksam machen. Sie wollen ein berühmtes – und vor allem sehr wertvolles – Medaillon stehlen. Alles ist vorbereitet: Die Alarmanlage im Kaufhaus ist ausgeschaltet, der diensthabende Wachposten ist informiert, das Geschwisterpaar bestens präpariert. Die beiden haben einen Schlüssel, der jedes Schloss öffnet. Doch es kommt anders als geplant…

„Der Spatz von Paris“ ist nicht etwa eine weitere Person, die sich diesen Titel verdient hat, sondern ein echter Spatz. Der weiß ganz genau, was wertvoll ist und wie er es in seinen Besitz bringen kann. So auch das Medaillon, das sowohl Leo und Leo als auch die Luzifera van Hell so gern in ihren Besitz bringen möchten.

Die Rätsel am Ende eines jeden Kapitels sind manchmal ganz schön knifflig, so dass auch erfahrene Rätsellöser ins Schwitzen kommen. Nur wer ganz genau aufpasst, wird dem Spatz von Paris auf die Schliche kommen. Das Rätsel hinter dem Medaillon ist ein Geheimnis, auf das man nur sehr schwer kommt. Großartige Geschichte in einer der schönsten Städte der Welt!

Der Minutenschläfer

Was ein Name: Hartung Siegward Graf von Quermaten zu Oytinghausen. Ganz altes Adelsgeschlecht. Tief in deutscher Geschichte verwurzelt. Piekfein. Weiß nicht, was „die da unten“ alles so treiben. Sollte man meinen, wenn man den Namen liest. Doch Hasi, so wird Hartung Siegward Graf von Quermaten zu Oytinghausen von allen gerufen, schlägt ein wenig aus der Art. Neunundzwanzig Jahre, Radfahrer, abgebrochenes Studium, dem Geldsegen abgewandter Hans-Guck-In-Die-Luft. Ein Freund bietet ihm an in seiner Immobilienfirma zu arbeiten. Ohne Erfolg. Hasi ist zu ehrlich. Statt seinen potentiellen Kunden die Vorzüge der gezeigten Immobilie anzupreisen, weist er auf die Mängel hin. Auch dazu scheint er nicht gemacht. Und dann auch noch das: Ein Wagen schneidet ihn, Hasi liegt im Gebüsch. Und die Polizei, die zufällig gerade vorbei patrouilliert, hält ihn für einen Dieb, der gerade seinen nächsten Coup plant.

Nur kurze Zeit später muss Lydia Klimm, die Chefin der achten Mordkommission die Leiche einer jungen Frau identifizieren. Sie kennt die Eltern des jungen Dings, das auch nicht gerade vor Ehrgeiz strotzt. Den Silberlöffel im Mund will sie lieber mit ihrem Freund am Mittelmeer eine Kampfschule eröffnen. Kämpfen kann sie, nur eben nicht gut genug, um einer Diebesbande (dieses Mal ist es echt!) das Handwerk zu legen. Das japanische Küchenmesser teilt ihre Kehle. Und nun kommt Hasi wieder ins Spiel.

Lydia Klimm passt eher zum Ruf von Hasis Familie, oberflächlich betrachtet: Für die Witwe ist es bis zur Rente nicht mehr weit, sie fährt einen noblen Sportwagen, und sie ist in der Berliner High Society bzw. mit ihr vertraut.

Ebenfalls gut vernetzt ist Hasi. Alle mögen ihn, bieten ihm ihre Hilfe an, doch Hasi ist ein Schlawiner. Wenn’s brenzlig wird, also eine Arbeit in Aussicht ist, sucht er das Weite. Doch jetzt hängt er am Haken. Ein Sommerjob. Wie aufregend. Er soll eine Villa hüten. Eine Villa mit Stil und so mancher Kostbarkeit. Also keine richtige Arbeit. Blöd nur, dass in der Nachbarschaft eine junge Frau ermordet wurde und Hasi irgendwie auf die Fahndungsliste gekommen ist. Sogar an erster Stelle.

Und dann wird ein Matisse gestohlen. Eine Frau liegt in einer Blutlache. Hasi ruft die Polizei, die jedoch wenig erfreut ist als sie feststellt, dass da gar keine Leiche liegt. Alle sehr mysteriös in Milljöh!

Hasi hat es nicht leicht, doch nimmt es ebenso. Noblesse oblige. Der Geldadel hingegen, die Neureichen, die protzig-prolligen irgendwie zu Geld gekommene Mischpoke, juckt Hasi wenig. Wie alles im Leben nimmt er sie hin. Manchmal profitiert er von ihnen, manchmal aber auch kann sie ihm sehr gefährlich werden.

Sue und Wilfried Schwerin von Krosigk – kein Wunder, dass ihr Held Hartung Siegward Graf von Quermaten zu Oytinghausen heißt – haben einen Helden geschaffen, der nicht so recht ins Bild passt. Wohl erzogen, stilsicher, ehrlich in einer Welt, die besonders letzteres überhaupt nicht zu sein scheint. Nein, sie ist es nicht. Irgendwie wünscht man sich so einen zu kennen. Andererseits sind solche Schnorrer aber auch eine Plage. Als Leser schaut man zu und amüsiert sich über die Tolpatschigkeit von Hasi, ist baff von seiner Überlebenskunst und fasziniert von den Gedankengängen der erfahrenen Ermittlerin, die ihre Kollegen gern mal „Ihr Lieben“ nennt. Und wer weiß, vielleicht wird aus Hasi ja noch was?! Mal sehen, wie es weitergeht.

Das letzte Spiel

Jeder kennt diese Typen: Sie sonnen sich im Glanze der Anderen, hecheln ihnen nach, begrüßen die eigentliche Fremden wie vertraute Freunde, die man ewig nicht mehr gesehen hat und grinsen permanent grenzdebil in jede Kamera. Julien, um den es in diesem Buch geht, meint, dass er der einzig starre Punkt im Universum ist. Und sich alles um ihn zu drehen hätte. Er ist Schriftsteller, und er arbeitet gerade an seinem „großen Roman“. Ein Denkschrift, eine Trauergeschichte … sein Leben. Denn, wenn er einmal nicht mehr ist, wird man merken wie wertvoll sein Leben war.

Wir sind im Paris der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Julien geht es finanziell gut. Arbeiten im eigentlichen Sinne muss er nicht. Er treibt Sport, um die Glieder geschmeidig zu halten, schreibt im Café ein paar Zeilen, nur um sie dann lautstark wieder zu verteufeln. Es ist ein hartes Leben. Für ihn.

So schnell wie sich an einem Apriltag das Wetter drehen kann, ändert sich Juliens Leben. Er muss die Seiten wechseln, vom Schreiber zum Beschriebenen. Nach einem (durchorganisierten – ja, das kann Julien) Kurzurlaub in der Bretagne zusammen mit Berthe, seiner Freundin, fiebert Julien. Und zwar gewaltig. So sehr, dass er sein eigenes Ende kommen sieht. Er beschließt im wahrsten Sinne des Wortes sein Leben … zu ordnen. Hektisch kritzelt er sein Testament aufs Papier. Sein unehelicher Sohn, der aus einer kurzen, aber heftigen Liaison einst an der Côte entstand, soll alles erben. Während seine Mutter in der Küche für ihn kocht, soll sein Freund Alfred Juliens Werke zurückkaufen. Ohne den „großen Roman“ vollendet zu haben, ist es nicht anzuraten, dass andere sein Werk lesen. Noch immer dreht sich Juliens Welt nur um einen Punkt.

Julien ist so von sich überzeugt, dass er keinerlei Ratschläge annimmt. Er suhlt sich gern im eigenen Leid. Mögen Freunde, Familie, Ärzte sagen, dass es ihm über Kurz oder Lang wieder gutgehen wird – Julien wird sterben. Er weiß das. Und er will in Ruhe sterben. Doch es kommt anders. Der leidende Literat erholt sich. Und doch ist alles anders. Die Freunde sind passé. Julien hat niemanden mehr, dem vom „großen Roman“ erzählen kann, dem er sein Leid klagen kann. Das unbeschwerte Leben verliert an Reiz. Selbst Maud, in die er sich verguckt, kann ihn nicht aus der Reserve locken. Eine Affäre würde beiden nichts bringen. Der Fieberwahn hat seine Auswirkungen hinterlassen.

Philippe Soupault gibt seinem Helden die Sporen des Lebens. Und des Leidens. Als betuchter Bohème lebt Julien in den Tag hinein. Alles hat seinen Platz, alles ist durchdacht, straff organisiert. Mit einem Mal ist alles anders. Planungen streifen die Reichweite seiner Arme. Freundschaften befinden sich außerhalb selbiger. Und wenn einem doch einmal eine helfende Hand gereicht wird, kann man sie aus unerfindlichen Gründen nicht greifen. Julien reift in „Das letzte Spiel“ vom lästigen Angeber zum mitleiderregenden Verlierer, der scheinbar doch nicht alles hatte.

Ein großer Mann

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Und jede auch noch so strahlende Familie muss sich mit einem schwarzen Schaf herumplagen. Der Seidenfabrikant Gavard gehört zu den Oberen Zehntausend im Frankreich des beginnenden 20. Jahrhunderts. Eines Tages werden seine Söhne Guillaume und Michel den Laden übernehmen und den Reichtum mehren. Lucien hingegen, der Nachzügler wird wohl eher nicht ins Geschäft einsteigen. Er ist das schwarze Schaf, der Taugenichts. Doch aus dem Taugenichts, der an Wochenenden nicht mit Spazierengehen darf, der aus der Schule genommen wird (sollte eine Strafe sein … der Schuss sollte gewaltig nach hinten losgehen), der aber handwerkliches Geschick wie kaum ein Zweiter besitzt, soll einmal ein großer Mann werden.

Ein kleiner Schuppen dient Lucien als Experimentiergarage. Eines Tages tost er mit einem nicht nur sprichwörtlich großen Knall aus dieser Garage heraus. In einem Auto, einer Teufelsmaschine, jedoch von ihm selbst entworfen und gebaut. Wird doch noch was aus dem Jungen? Der Vater stirbt, Michel steigt bei Gavard, der Autofabrik, zu der sich die Garage mittlerweile gemausert hat, ein. Guillaume wird bald folgen. Bei einer Verfolgungsjagd während eines Autorennens stirbt Michel. Ein trauriger Tag im Privatem, geschäftlich ein Scoop. Jede Zeitung berichtet vom tragischen Unfalltod. Die Auftragsbücher sprengen die Vorstellungskraft. Fehlt nur noch der private Erfolg.

Der kommt in Form von Claire daher. Hübsch ist gar kein Ausdruck für die zarte Fünfundzwanzigjährige, die das Herz des Fünfzigjährigen Lucien erobert. Hübsches Beiwerk zum hübschen Anwesen, das ganz hübsch ins hübsche Bild des erfolgreichen Unternehmers im Glanze des Erfolges passt. Doch das Gesetz von Licht und Schatten kann auch Lucien nicht außer Kraft setzen…

Seine Arbeiter – er betrachtet sie wirklich als „seine“ – streiken. Steine fliegen, Scheiben gehen zu Bruch, wer sich den Arbeitern in den Weg stellt, wird verprügelt. Claude ist ihm in dieser Zeit nur im Weg. Er hat nur eine Liebe, und hat Schornsteine, verpestet die Luft und sorgt für Bewegung.

Ralph Putnam ist die Rettung für die junge Strohwitwe, die sich nicht damit abfinden kann nur als schmückendes Beiwerk des Großindustriellen, des großen Mannes zu gelten. Ganz Paris schwärmt von Putnam, dem charmanten Tenor, dessen Gesang verzaubert und dessen Aussehen die Frauen scharenweise schwärmen lässt. Dass er ein „Negertenor“ ist, verstärkt nur den Reiz. Einen Reiz, dem sich auch Claude nicht vollends entziehen kann. Derweil geht Lucien neue Wege…

Wem die Geschichte des Autobauers ein wenig bekannt vorkommt, dem sei versichert, dass Philippe Soupault sehr wohl ein reales Vorbild für seinen Romanhelden im Auge hatte. Und zwar seinen Großonkel. Vielen ist der als Louis Renault bekannt.

Das Gesicht Deutschlands

„Das Gesicht Deutschlands“ – ein Sittengemälde, eine Abrechnung mit den vorherrschenden Meinungen? Nein, dieses Buch ist das, was es vorgibt zu sein. Es zeigt das, was man tagtäglich sehen kann. Nicht alle zugleich, aber jeder für sich. Wen es in die Ferne zieht, der bekommt einen anderen Blick auf das, was vor der eigenen Haustür wächst, gedeiht, blüht, welche Pracht es entfalten kann. Bernd-Jürgen Seitz, promovierter Biologe und Leiter des Referats Naturschutz und Landschaftspflege beim Regierungspräsidium Freiburg i. Br., zeigt die Charakteristika dessen, was sichtbare Heimat ist.

Deutschland ist dicht besiedelt. Echte naturbelassene Landschaften sind spärlich gesät und somit schützenswert, aber – und vor allem – sehenswert. Jeder hat schon mal den Urlaub, egal, ob kurz oder lang, in Deutschland verbracht. Und jeder hat dabei – egal, wo dieser Urlaub nun stattgefunden hat – mindestens einen Ort für sich entdeckt, der etwas Besonderes darstellt. Das kann ein Aussichtspunkt sein, eine Schlucht, ein Berg, dicht bewachsener Wald, aber auch eine grüne Oase im hektischen Großstadtdschungel. Und dieser Ort hat sich tief ins Gedächtnis eingegraben, ihn wird man niemals wieder vergessen können.

Bei Bernd-Jürgen Seitz sind diese Orte gleich mehrfach vorhanden. Doch ihm geht es nicht zu zeigen, wo er sich am wohlsten fühlt, er will darüber hinaus auch noch zeigen, wie diese Landschaften entstanden sind, was sie so charakteristisch macht und vor allem, wie prachtvoll sie sich dem Besucher präsentieren. Und das alles gepaart mit einer ordentlichen Portion Wissen über Entstehungsgeschichte und Entwicklung. Die Bilder sprechen jedes für sich. Eindrucksvoll und oft überraschend. Die Darstellungsdiagramme vermitteln auf eindringliche Art und Weise ein Gesamtbild, das man sich so eigentlich niemals vorstellt. Zum Beispiel ist Sachsen ein fast exaktes Spiegelbild Gesamtdeutschlands. Wenn man nur die Bevölkerungsdichte betrachtet. In Deutschland leben rund 227 Menschen pro Quadratkilometer. In Sachsen sind es 220.

Das Kapitel „Was liegt wo in Deutschland“ sorgt bei allen Geographie-Muffeln für Besorgnis. Doch keine Angst, eine Eignungsprüfung für dieses Buch muss man nicht ablegen. Vielmehr ist es anders herum. Wer eine Prüfung zur Biologie, in Geographie oder Sachkunde vor der Brust hat, kommt mit diesem Buch, bzw. mit der intensiven Lektüre des Buches, ziemlich weit. Wie natürliche Ländergrenzen teilen Flüsse und Gebirge Deutschland. Administrativ sieht es da natürlich anders aus.

Landschaft bedeutet aber auch, und vor allem in Deutschland Nutzfläche. Je weiter man in den Norden vordringt, desto geringer wird der Anteil des Waldes an der Gesamtfläche. Bayern ragt mit rund 37 Prozent aus der Masse hervor. Bremen als kleinstes Bundesland kann nur zwei Prozent vorweisen. Selbst das am dichtesten besiedelte Nordrhein-Westfalen wartet noch mit 26 Prozent auf.

„Das Gesicht Deutschlands“ ist nicht nur ein Bilderbuch, das man sich in Ruhe immer mal wieder auf den Schoß legt, um darin ein wenig zu blättern. Es ist darüber hinaus auch ein Lehrbuch, ohne den obligatorisch erhobenen Zeigefinger, das zeigt, dass Deutschland schon immer bunt war, wie farbenfroh es ist und dass es wert ist genau so bunt zu bleiben…