Archiv der Kategorie: Literally Britain

Lesereise Wales

Lesereise Wales

Fassen Sie Ihr Wissen über Wales doch einmal zusammen! Am Ende des vergangenen Jahrhunderts war die walisische Fußballnationalmannschaft ein unangenehmer Gegner der Deutschen. Die Ortsnamen sind ausnahmslos unaussprechbar. Vopn hier stammen erstklassige Rockbands wie die Manic Street Preachers und „The Welsh Potting Machine“ Mark Williams gehört zur Weltspitze im Snookersport. Das ist alles richtig, aber es ist wirklich gar nichts, was man über Wales wissen muss. Michael Bengel nimmt den Leser mit auf eine Reise, die man niemals vergessen wird. Denn Wales ist vielschichtiger und vor allem anders!

Die Gartenlandschaften verdienen ihren Namen. Es sind nicht einfach nur wohlgestaltete Pflanzanlagen. Hinter jeder Hecke lauert Geschichte. So manch einer hat eine Jagdhütte, die zumal auch als Stecknadelfabrik taugte, über mehrere Dutzende Meilen sich in den Garten gesetzt.

Hotels verströmen ein historisches Flair. Fernab moderner Interieurskunst ist Handarbeit gefragt. Rustikaler Charme, der wie gemacht ist, um sich von der Ruhe einfange zu lassen.

Als Kontrastprogramm stürzt man sich todesmutig von den Klippen, um dann anschließend, adrenalingepeitscht aus der schäumenden Irischen See die Klippen kletternd wieder ans Festland zu gelangen. Coasteering nennt man das, und es wurde hier erfunden.

Allein diese drei Geschichten lassen Großes erahnen – dabei ist man erst auf Seite 32, noch einhundert liegen vor dem Leser. Wales ist anders. Michael Bengel wird nicht müde seine These mit jeder Zeile zu unterstreichen. Für Besucher gerät dieses Buch zur Bibel des Außergewöhnlichen. Erfährt man in Reisebänden, was es alles an Gebäuden und Aussichtspunkten gibt, so kann man diese Lesereise als Kulturwegweiser durch Wales adeln. Kaum eine Eigenart Wales‘ und der Waliser die nicht erwähnt wird.

Und wer noch nicht genug hat vom Lesen über Wales, der geht zum Lesen in Wales über, und zwar in Hay-on-Wye, dem ersten Bücherdorf der Welt. Stunden-, ach was wochenlang kann man hier in alten Büchern schmökern. Und gleichzeitig die Ruhe des kleinen Örtchens genießen. Als Einstimmung dient Buch.

Südengland

Südengland

Südengland. So brütend heiß wie Südspanien? Nö! So maßlos überteuert wie Südfrankreich? Nö! Warum also nicht den Beatles in Liverpool huldigen? Oder dem Shoppingwahn in London verfallen? Ganz einfach: Weil hier England noch England ist. Liebevoll gestaltete Häuser in nicht minder fein herausgeputzten Ortschaften. Das gesunde Grün der unverbauten Flächen. Mächtige Trutzburgen aus vergangenen Zeiten. Na, wenn das kein Anreiz ist mal dorthin abzuhauen … Ach ja noch etwas: Der Michael-Müller-Verlag hat einen Reiseführer dazu neu aufgelegt. Kenner wissen, dass da nun nichts mehr schiefgehen kann.

Ralf Nestmeyer ist eher als Verfasser von Reisebüchern über Frankreich bekannt, doch auch die Insel hat es ihm angetan. Und so verschieden sind Frankreich und England nun auch wieder nicht. Ein mehr als gehöriger Prozentsatz der englischen Wörter stammt aus dem romanischen, und damit ist die Verwandtschaft besiegelt. Auch denke man an den so genannten Hundertjährigen Krieg im Mittelalter, der die beiden Lager bis heute zu trennen scheint.

Aus der Kalten heraus einen Ort in Südengland zu benennen, fällt vielen schwer. Erst nach einigen Überlegungen kommen einem Dover, Portsmouth und Southampton in den Sinn. Und Brighton natürlich. Dort, wo sich in den 60er Jahren Rocker und Mods gegenseitig (und publikumswirksam) sinnloserweise die Schädel einschlugen. Heute ist es die Partymeile der Insel. Doch Südengland ist weitaus mehr als nur gedankenloses Besäufnis. Hier kann man wandern bis es dunkel wird ohne auch nur einen Menschenseele zu begegnen. Hier kann man noch echte Geschichte atmen. Dabei trifft man dann aber doch den Einen oder Anderen. Denn ein Geheimtipp ist Südengland auch außerhalb der Insel schon lange nicht mehr.

Ralf Nestmeyer lässt die offensichtlichen Attraktionen nicht links liegen, konzentriert sich aber bei seinen Recherchen auf die wahren Schönheiten im Süden Englands. Wer sich entscheidet hier die schönsten Tage des Jahres erholsam für Körper und Geist zu verbringen, wird nicht enttäuscht.

Cornwall

Cornwall & Devon

Golfstrom, ein tosender Meereswind, saftige Weiden, schroffe Felsformationen – rau und sanft zugleich. Klingt wie in einem schnulzigen Roman. Willkommen in Cornwall. Das Land, das durch so manchen Roman kitschig verklärte Vorstellungen in uns hervorruft. Edle Landherren, die auf weißen Pferden das gefallene Mädchen retten. Im Hintergrund schlagen die angsteinflößenden Wellen gegen die standhaften Felsen im Südwesten Englands. Sie werden dem Glück nicht entgegenstehen.

Zugegeben, diese Ecke Englands lädt geradezu zum Schwelgen ein. Jeder Ort buhlt mit seiner akkurat gestutzten Vorgartenidylle um die Blicke der Besucher. Marvellous, amazing, beautiful. Auch Englischmuffel werden an diesem Vokabular nicht vorbeikommen. Ein bisschen Inspector Barnaby mit Meerblick.

Ralf Nestmeyer lässt sich von so viel Charme nicht einlullen. Doch eine nüchterne Recherche kann es auch nicht gewesen sein, die dieses Buch entstehen ließ. Denn so manches Kleinod hat der Autor ausgegraben.

Cornwall ist einigen ein Begriff, Devon hingegen zaubert ein Fragezeichen in die Gesichter. Cornwall bildet den südwestlichsten Zipfel der Insel, Devon ist die Grafschaft östlich davon. Und hier gibt es die kuriosesten Ortschaften. Westward Ho! ist wohl der einzige Ort der Welt mit einem Satzzeichen im Namen. Oder Clovelly. Hier kostet der Besuch den Dorfes Eintritt – 6,50 Pfund, Kinder zahlen nur 4 Pfund – denn das ganze Dorf ist in Privatbesitz.

Fernab dieser Kuriositäten weiß Ralf Nestmeyer so manche Story zu erzählen, die jede Tagesplanung zu einem vergnüglichen Erlebnis werden lässt.

London

London

Städtereisen mit Kindern? Ein Wagnis. So viele Eindrücke strömen auf die wissbegierigen Kleinen ein. Zu viel. Da ist guter Rat teuer. Nicht immer. Denn mit diesem erstklassigen Buch ist man bestens gerüstet für eine Reise in eine der schönsten und eindrucksvollsten Städte der Welt. Einst war sie die unumstrittene Weltmetropole: London. Miroslav Sasek hat bereits 1959 dieses Buch veröffentlicht. Und es war ein Riesenerfolg. Di eNew York Times kürte es zum am besten illustrierten Kinderbuch. Verständlich. Denn die Zeichnungen in diesem Buch sind kindgerecht und auch bei Erwachsenen erstehen vor dem geistigen Auge Bilder, die man gern in der Realität sehen möchte. Die kurzen Texte umreißen das zu Erwartende in der britischen Hauptstadt.

Nun ist es beim Verlag Antje Kunstmann in einer Faksimile-Ausgabe  neu erschienen. Das heißt, es wurde nichts verändert. Der nostalgische Schleier von einem halben Jahrhundert umweht diese Ausgabe.

Der Autor sieht London durch die Augen von Kindern. Das heißt, man eigentlich nichts, denn in London herrscht immer Nebel. Ein Klischee. Aber so lockert man die Stimmung gleich zu Beginn auf. Farbenfroh geht die Reise weiter. Als erstes fallen einem die Bobbys auf. Die Polizisten in ihren schneidigen Uniformen und den für London so typischen Mützen. Nicht vergessen – das Buch wurde vor über 50 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht. Heute sind die Polizisten immer noch auffällig, aber bei weitem nicht mehr so ungewöhnlich gekleidet. Bank of England, St. Pauls Cathedrale, Billingsgate und die Börsianer mit ihren Bowler-Hüten prägen das Stadtbild heute wie damals. Okay, die Bowler sind eher Casual-Wear gewichen. Doch ab und zu sieht man diese Uniform doch noch. London ist halt doch traditionell.

Am Ende des Buches werden einige in diesem Buch dargestellte Fakten in die Gegenwart transformiert. Denn trotz allem Traditionsbewusstseins, entwickelt sich London weiter. Nicht nur die Bowlerhüte sind fast verschwunden. Auch die Fleetstreet ist schon lange nicht mehr das Mekka der schreibenden Zunft. Rupert Murdoch sei Dank. Geblieben sind jedoch die Wachposten mit ihren Bärenfellmützen. Anhand ihrer bunten Federn kann man ihre Regimentszugehörigkeit erkennen: Rot, das sind die Coldstreams, Weiß die Grendaiere, Blau für die Irish Guards, die Welsh Guards haben ein weiße Feder mit einem grünen Streifen. Nur die Schotten sind federlos. Ja, auch wir Erwachsene können aus diesem Buch lernen.

Ein köstlicher Lesegenuss für Groß und Klein. Klare Linien und knappe Texte. So wird London zum Erlebnis.

Porridge, pies and pistols

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Achtung Vorurteil! Englische Küche und mörderische Gedanken – das passt. Wie gesagt, ein Vorurteil. Doch sollte man sich vorsehen, wenn ein vertrauensseliger Passant an den Moher Cliffs in Irland einen Sheperds Pie anbietet. Das Gericht könnte wortwörtlich zubereitet sein.

Oder eine altehrwürdige englische Lady – die gar keine Lady ist (wie auch immer man das selbst beurteilen will) – ihre Lebensgeschichte erzählt. Vorsicht, hinterfragen Sie jedes einzelne Detail!

Krimischwester Ingrid Schmitz hat nach dem Erfolg von „Muscheln, Mousse und Messer“, in dem sie mörderische Geschichten aus und über Frankreich zusammengetragen hat, sich nun dem British Empire zugewandt. Den Bewohnern wird ein besonderer, schwarzer, Humor nachgesagt. Auch wenn die Autoren aus dem deutschsprachigen Raum stammen, so treffen sie immer den richtigen Ton.

Egal, ob Schreibblockaden sie zu ihren Taten treiben oder einfach nur unverdauter Hass: Alle Opfer und auch die Täter haben eines gemeinsam. Sie töten (oder werden getötet) während des Essens, bei der Zubereitung oder durch das verzehrte Mahl.

Das Besondere an diesem Buch sind die Rezepte am Ende der Kapitel. Denn das Opfer fällt beispielsweise nicht einfach so in sein Essen. Nicht nur das Blut spritzt. Nein auch die Soße. Und wie man die zubereitet, wird gleich mitgeliefert. Ein Rundum-Sorglos-Paket für Mörder á la Britain!

„Porridge, pies and pistols“ ist die ideale Reiselektüre, wenn es auf die britischen Inseln gehen soll. Eine Prise Lokalkolorit, eine Messerspitze bitterböser Humor, ein Teelöffel Gift, eine Handvoll Rachegelüste und eine gehörige Portion Phantasie. Alles gut aufkochen, hin und wieder abschmecken. Und schon hat man eine lesegenussvolle Mahlzeit, die über so manchen trüben Tag hinweghilft.

Alle Geschichten sind knackig geschrieben. Langeweile? Fehl am Platz! England, Schottland, Irland – überall wird gemordet. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Und mit den unterschiedlichsten Waffen. Die von Ingrid Schmitz in Auftrag gegebenen und hier versammelten Stories sind mit spitzer Feder geschrieben. Hier werden Kochbessesene und Krimifans gleichsam bedient. Die Rechnung zahlt der Leser mit Freuden.

Wales

Wales

In den 80er und 90er Jahren erzitterte regelmäßig Fußballdeutschland vor einem vermeintlichen Fußballzwerg. Immer wieder gestaltete sich das Spiel gegen die walisische Nationalmannschaft zu einer Zitterpartie – nicht immer mit befriedigendem Ausgang. Ein paar Jahre war Cardiff Austragungsort des englischen Pokalfinals, weil das Wembley-Stadion „umgebaut“ (lieblos abgerissen und emotionslos wieder aufgebaut träfe es wohl besser) wurde. Snooker-Fans kennen sicherlich Matthew Stevens und Mark Williams, die walisischen Snooker-Asse. Letzterer ist übrigens in Cwm, Ebbw Vale geboren. Somit hätten wir die dritte Assoziation mit Wales, dem Stiefkind der britischen Insel: Eine unaussprechliche Aneinanderreihung von Konsonanten.

Dieser bedauernswerte nicht einmal zum Halbwissen taugende Wissensschatz wird dank Andreas Bechmann in ein Füllhorn an Erfahrungen umgemünzt. Doch zuerst ein Blick auf das Ende des Buches. Das befindet sich eine handliche Karte, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen.

Im Jahr 2013 hat man beim Michael-Müller-Verlag endlich den Autor gefunden, der den letzten weißen Fleck Westeuropas mit strahlenden Farben füllt.

Wales steckt voller Geschichte. Kaum ein Landstrich, der nicht mit einer geschichtsträchtigen Burg aufwarten kann. Saftige Weiden und Weiten, schroffe Küstenformationen und ein schwer zu knackender, aber unglaublich liebenswerter Menschenschlag – das ist Wales. Zehn Wanderungen durch den westlichen Zipfel der britischen Insel hat Andreas Bechmann zusammengestellt, der den Besucher die gesamte Bandbreite dieses abwechslungsreichen Landes näher bringt. Zahlreiche Karten und Pläne erleichtern die Orientierung vor Ort. Farbig unterlegte Kästen unterbrechen auf unterhaltsame Weise den Lesefluss, und schon nach wenigen Seiten hat man das Gefühl Wales schon viel länger zu kennen, obwohl man noch nie dort war.

Wales ist kein Urlaubsziel für jedermann. Ein ordentliches Maß an Neugier und ein gewisse Ausdauer sollte man schon mitbringen. Hier erwarten den Besucher keine hochmotivierten Animateure auf den Straßen, die einem mit „Super-Angeboten“ in einen Klub oder eine Mall zerren wollen. Hier regiert die gegenläufige Zeit im Gleichschritt mit dem Fortschritt. Wales ohne Andreas Bechmanns Wales-Reiseführer? Möglich. Aber bei Weitem nicht so anregend und wissenswert.

Die irische Meerjungfrau

Die irische Meerjungfrau

Foley ist ein ruhiges, verschlafenes Nest im äußersten Nordwesten Irlands. Hier ist die Welt noch in Ordnung, sofern man die reichlich einhundert Bewohner in Ruhe lässt. Eigentlich genau das Richtige, wenn man Ruhe sucht. Doch Fin O’Malley ist nicht wegen der Ruhe hier. Sein Chef hat ihn hierher abgeschoben. O’Malley ist Detective Seargant bei der Polizei in Dublin. Nach einigen Eskapaden setzt ihn seine Frau vor die Tür. Seine Sauftouren brachten seinen Chef dazu ihn zu „verbannen“ – so was nennt man dann wohl „einen Scheiß-Tag haben“.

Und an eben so einem Tag, in so einer Gegend soll Fin O’Malley Ausschau nach Thomas Keane halten. Das Grab hat der verschrobene Stadtbulle schon gefunden. Und mit dem Fund auch gleich die Erkenntnis, dass das Grab leer ist. Keane wurde angeblich von der See verschluckt. Thomas und Jack Keane waren Jahre zuvor der Schrecken der Polizei. Ihre gewitzten Überfälle hielten Fahnder und Medien lange auf Trab. Zehn Jahre lang gab es keine ähnlich verübten Raubüberfälle mehr. Bis vor Kurzem ein Van Gogh geraubt wurd

Der findige Kommissar gibt sich als Journalist auf der Suche nach einer Story aus, so ‘n Familiending. Doch das angeborene Misstrauen und die allgegenwärtige Bauernschläue der Einwohner Foleys lassen den vermeintlichen Coup platzen. Foleys Einnahmequellen sind … sagen wir mal dubios.

Bei seinen Erkundungstouren durch die Gedanken der Einwohner und die Gegend Foleys stößt Fin O’Malley auf Erstaunliches: Tiefverwurzelter Koboldglaube, ein Pfarrer, der wie die Jungfrau zum Kinde zu seinem Job kam, eine Restauratorin, die so gar nicht ins Bild der irischen Dorfidylle passt. Und diese kommt O’Malley wie eine Meerjungfrau vor. Wenn er wüsste welches Geheimnis sie in sich birgt…

Carolin Römers Erstling strotzt vor irischer Alltagstreue. Detailgetreu verpasst sie ihren Helden ein original irisches Korsett, das es den Handelnden erlaubt einen Freiraum zu entwickeln. Die verqualmte Atmosphäre in den Pubs (trotz Rauchverbot!) wickelt den Leser wie auch den Ermittler in rauchige Schwaden tiefsten Dickichts, das durchdrungen werden will. Wer bisher Irland als Land saftiger Weiden und glücklicher Schafe, als Land dicker Wollpullover tragender, Bier trinkender Menschen

Erhält bei Carolin Römer eine ordentliche Tracht Prügel in Sachen Iren und irischer Kultur. Und obendrauf gibt es ein Ende, das so keiner vermutet.

Und für eine Fortsetzung ist auch schon gesorgt.

Greed Castle

Greed Castle

Es ist ein bisschen wie in der Werbung: Ein Mann sitzt in einem schweren Wollpullover in den Dünen und schaut gedankenverloren aufs Meer hinaus. Er krault einen Hund, der ihm zugelaufen ist. Ein weißer Schäferhund, der in dieser Landschaft kaum auffällt. Das Leben könnte so schön, so ruhig, so einfach sein… Doch der Hund hat da was an den Pfoten. Fin O’Malley – so heißt der Mann, der Hund heißt Pebbles – untersucht das Auffällige an dem unauffälligen Hund. Blut! Die alte Sucht, der Jagdinstinkt erwacht sofort in dem ehemaligen Polizisten, den es aus der Großstadt Dublin ins beschauliche Foley an der irischen Küste verschlagen hat. Hier wollte er sich zur Ruhe setzen. Doch mit der Ruhe ist es nun vorbei. Denn die Neugier, woher das Tier kommt, bringt ihn direkt zu einem Tatort: Greed Castle. Dort liegt – tot – in einem Aston Martin – ein Auto, das man hier in dieser gottvergessenen Ecke nie zu Gesicht bekommt – Bertrand MacAllister – Immobilienmakler.

Die Dorfgemeinschaft, besser gesagt, der Teil, der sich regelmäßig im Pub versammelt und den Neuen, Ex-Kommissar, endlich akzeptiert hat, wittert nichts Gutes.

Fin O’Malley lässt sich breitschlagen und ermittelt undercover auf eigene Faust. Warum musste MacAllister sterben? Weiß sein Kompagnon, der jetzt die Firma allein leitet mehr? Der Plan geht schief, O’Malley kommt wortwörtlich mit einem blauen Auge davon. Jetzt schaltet sich auch die Polizei ein. Eine Tatsache, die man in Foley nicht gern sieht. Wenn jemand unerwünscht ist, dann die Uniformierten. Schließlich lebt man hier schon immer seine Angelegenheiten selbst geregelt. Und zu viele Fragen wirbeln nur unnötig Staub auf.

Carolin Römer konstruiert eine spannende und schlüssige Kriminalgeschichte an einem ruhigen Flecken Erde, wo die Welt immer noch selber in Ordnung gebracht wird. Sie verzichtet auf landestypische Stigmata und gibt ihren Charakteren Tiefe und Witz. Wer am Ende das Rennen um den Landsitz macht, wer der Mörder ist, welche Rolle ehemalige IRA-Aktivisten dabei spielen und welcher Erbe ein falsches Spiel spielt, bleibt bis zum letzten Kapitel offen. Nach „Die irische Meerjungfrau“ ist dies der zweite Krimi um Fin O’Malley aus der Feder von Carolin Römer. Der erste Fall wurde für den Glauser-Preis nominiert. Den zweiten Fall kann man getrost jetzt schon einen Preis für unverhohlene Spannung verleihen.