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Lola Montez – Ein Leben als Bühne

Lola Montez

Lola Montez zählt bestimmt nicht zur ersten Garnitur der deutschen Prominenten. Sie lebte im 19. Jahrhundert und ist manch einem durch den gleichnamigen Film mit Peter Ustinov bekannt. Heute wäre sie wohl eher ein C-Promi, der mit allerlei wüsten Geschichten die Klatschspalten der Presse füllt. Doch ihr Leben ist es wert erzählt zu werden.

Um ihr Geburtsdatum ranken sich viele Mythen. Sie selbst machte sich gern jünger, doch gilt es fast als erwiesen (die Geburtsurkunde ist leider verschwunden), dass sie am 17. Februar 1821 im irischen Grange das Licht der Welt erblickte. Die Kindheit verlief „normal“, ihre Mutter schaffte es allen Widrigkeiten zum Trotz der Kleinen ein relativ sorgenfreies Leben zu bescheren. Schon früh entdeckte die kleine Lola, die eigentlich Elizabeth Rosanna Gilbert hieß, ihre Liebe zur Selbstdarstellung. Nach zwei gescheiterten Ehen und Reisen ins Ausland (unter anderem kam sie bin Indien) überkam sie der Drang Schauspielerin zu werden. Doch dazu fehlte es an Einigem. Doch tanzen konnte sie.

Die Legende, dass sie eine feurige Spanierin aus dem Süden der iberischen Halbinsel war, ihr freizügiger Tanzstil, und ihr Temperament sprach sich schnelle herum. Im Gegensatz zu ihren Liebschaften und Ehen funktionierte diese Karriere bedeutend besser als ihr Privatleben. Sie reiste quer durch Europa. Paris, Sankt Petersburg, Warschau, Dresden. Hier war sie zuhause. Hier empfing sie ihre Gönner. Auch der damalige Superstar Franz Liszt verfiel ihrem Charme.

In Paris schien ihr Leben eine weitere Wendung zu vollziehen. Ein Theaterbesitzer sollte ihre große Liebe sein. Doch der sah sich einem Duell gegenüber, das er nur verlieren konnte. Denn Waffen waren nicht gerade seine Leidenschaft. Gerade als Lola Montez sich am Ende ihres Weges sah, machte ein Schuss ins Gesicht ihres Liebsten dem ein Ende.

Wieder auf der Straße zog es sie nach München. Da war sie gerade mal 25 Jahre alt, hatte die Welt gesehen, so manchen Reichtum und Luxus genossen, und doch war sie ganz allein auf der riesigen Welt. König Ludwig I. von Bayern war es, der Lola Montez fürs Erste die Würde zurückgab. Er wurde ihr Liebhaber und vor allem ihr Gönner, er kaufte ihr ein Haus, das leider 1912 abgerissen wurde. Er gab Unsummen für seine Mätresse aus, so dass alsbald des Volkes Zorn (und auch der seiner Regierung) Lola Montez‘ Wanderlust einmal mehr die Sporen gab.

Lola Montez war sicherlich eine der ersten Frauen der jüngeren deutschen Geschichte, die durch ihre Reize sich ein Leben in Saus und Braus erfüllen wollte. Marita A. Panzer wertet das Leben der zeitweilig königlichen Kokotte nicht. Vielmehr versucht sie (und das erfolgreich) die unzähligen Geschichten, die sich um die reizvolle Lola ranken ins rechte Licht zur rücken. Eine Biographie, die einen Einblick in das Leben der Stars und Sternchen gibt, die heute kaum einer mehr kennt. Aber das ist wohl das Schicksal, das alle Sternchen teilen.

Lesereise Emilia Romagna

Lesereise Emilia Romagna

Emilia Romagna – das klingt verheißungsvoll wie der Name einer schönen Unbekannten. Eine Unbekannte, die kochen kann. Mmmmh leckere Pasta mit ragú, dass wir als Bolognesesauce kennen – die aber in Wahrheit nichts mit der ragú zu tun hat, rein geschmacklich. Und die man niemals zu Spaghetti isst! Die dünnen Nudelchen können die Sauce doch gar nicht erfassen. Jetzt muss aber mal ein Machtwort gesprochen werden.

Und sie ist eine gebildete Unbekannte. Die älteste Universität des Westens befindet sich hier. Aus roten Ziegeln gemauert steht sie fett und gelehrt da. Allesamt Attribute für Uni und Stadt. Umgeben von unendlichen Alleen flaniert man durch die Stadt, die Düfte der Küchen dauerhaft im Gepäck. Hier lehrte unter anderem auch Umberto Eco, der Autor von „Der Name der Rose“ und „Das Foucaultsche Pendel“.

Die Emilia Romagna ist auch eine Cineastin. In Brescello schluegn sich einst ein katholischer Priest und ein kommunistischer Bürgermeister gegenseitig die Köpfe ein und treiben so manch derben Spaß mit dem jeweils Anderen. Klar, die Rede ist von Don Camillo und Peppone. Fnf Filme wurden in den 50er und 60er Jahren hier gedreht, ein Museum mit allerlei Film-Memorabilia erinnert daran.

Im wohl berühmtesten Ort der Emilia Romagna wurde einer der berühmtesten Regisseure der Welt geboren: Frederico Fellini.

Und die schöne Unbekannte ist auch eine Auto-Närrin. Maranello und Modena – allein der Klang dieser beiden Städte lässt das Herze eines jeden Auto-Ästheten höher schlagen. Denn hier stehen die Schmieden von Ferrari und Maserati. Der Dreizack von Maserati stammt übrigens aus Bologna. Das Teufelswerkzeug – samt Teufel – ziert hier einen Brunnen.

Die Emilia Romagna ist keine Unbekannte … mehr, wenn man Stefanie Bisping 132 Seiten lang gefolgt ist. Sie lässt sich einfangen vom Reiz der Region und fängt den Leser mit Sprachbilder und Wortgewalt ein, so dass es kein Entrinnen gibt. Strandspaziergänge, aber bitte nicht während der Hochsaison, laden zum Träumen ein. Genauso wie ausgedehnte Wanderungen durch die prächtige Natur. Lukullische Abstecher, die allenthalben zur Rast einladen. Berauschende Architektur und Geschichte, wo man hinschaut. Gute Reise!

Das Beste aus der Knödelküche

Das Beste aus der Knödelküche

Was so ein Knödel alles kann? Alles sein kann? War er einst ein sättigendes Muss auf dem Tisch, ist ein Knödel heutzutage oftmals schon ein kleines Kunstwerk. Ingrid Pernkopf und Christoph Wagner beweisen mit „Das Beste aus der Knödelküche“, dass ein Superlativ auch mal angebracht ist. Denn in diesem Buch steht wirklich nur das Beste, was man aus einem Knödelteig herausholen kann.

Ingrid Pernkopf weiß wovon sie spricht, denn in ihrem Gasthaus „Grünberg am See“ in Gmunden im Salzkammergut serviert sie ihren Gästen auch gerne mal eine neue Kreation. Wenn man die Seiten gedankenverloren durch die Finger gleiten lässt, merkt man schnell: Noch nie ist eine Kreation bei den Gästen durchgefallen. So lecker liest sich dieses Buch. Ob süß oder herzhaft, ob Kletzenfülle oder Bärlauchtopfenknödel. Topfen ist der österreichische Begriff für Quark.

Hier im Land der Knödel – oh je die Thüringer werden jetzt auf die Barrikaden gehen, okay im Land der Knödelvielfalt – gedeihen die wildesten Ideen.

Oft verbindet man mit einem Knödel schwere Kost, die satt macht. Dass soll der Knödel im Einzelnen und eine Essen im Allgemeinen ja auch. Doch wer hat schon mal einen Gulaschknödel genossen? Oder Spinatknödel? Schon beim Lesen meldet sich der knurrende Magen und fordert seinen Energiezoll.

„Das Beste aus der Knödelküche“ gehört einfach in jeden Kochbuchschrank. Danach braucht man nie wieder ein Knödelkochbuch, es sei denn Ingrid Pernkopf schreibt eine Fortsetzung. Noch ein paar Appetitanreger gefällig? Sterzknödel, Rehknödel Diana (mmmmh mit Reh oder Wildfleisch), Speckgrießknödel. Den Knödel auch gern mal als Vorspeise servieren. Den Gästen werden die Augen rausfallen. Zumindest übergehen. Oder den Knödel veredeln, mit leckeren Saucen, Krokant oder Bröseln. Wer die Einleitung zur Geschichte des Knödels und zu den „Spielarten“ der leckeren Speisebällchen ohne Magengrummeln überstanden hat, bekommt auf den folgenden fast zweihundert Seiten die geballte Ladung Knödelwissen verpasst. Achtung wird wird scharf geschossen!

Lesereise Andalusien

Lesereise Andalusien

Unter andalusischer Sonne träumen. Bloß nicht aufwecken. Endloser Horizont. Nicht aufwecken. Kulturelles Erbe wohin man sieht und tritt. Psst, still. Der Leser träumt vom Urlaub in Südspanien. Da darf ihn eigentlich nur eine aus den Träumen reißen: Ulrike Fokken. Denn sie weckt nicht nur den Leser auf, sie beschwört Sehnsüchte herauf.

Wer Andalusien bisher nur als Grund und Boden für die Alhambra und Lieferanten für süffige Getränke im Sinn hatte, wird in diesem Buch auf eine stimmungsvolle Entdeckungsreise geschickt.

Dass die Alhambra als Zugpferd der Region eingespannt wird, verwundert wenig. Dass dies aber erst seit ein paar Jahrzehnten geschieht schon. Die zentrale Faschistenregierung Franco ließ die jahrhundertealte Maurenresidenz fast vollkommen zerfallen. In einer der ärmsten Regionen Spaniens ruhte bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein unermesslicher Schatz, der seit 30 Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Wie ein strahlender See mit Rosen treibt die Autorin durch die flirrende Landschaft zwischen Mittelmeer und Neukastilien. Sie findet die Menschen, die exemplarisch für Andalusien stehen. In einem Dorf östlich von Sevilla herrscht Anarchie. Naja, zumindest Kommunismus. Alle Einwohner des Dorfes beschließen gemeinsam, was gebraucht wird. Alle zusammen bauen Häuser, die anschließend verlost werden. So macht Kommunismus Spaß, nannte Bettina Röhl ihre Biografie Ulrike Meinhofs. Und hier in der südlichsten Ecke Europas funktioniert der Traum. Zumindest in Teilen. Und das schon seit fast 40 Jahren … länger als in so manchen Experimentalstaat.

Eine Reise mit den Augen und den kleinen grauen Zellen – das ist „Andalusien. Erdbeeren, Sherry und das ewige Morgen“. Wer sich die Reise ans südliche Ende Europas nicht gönnt, verpasst eine Menge, erlebt mit diesem Buch jedoch Vieles, was die meisten Pauschaltouristen niemals erleben werden: Andalusien aus erster Hand. Wer dem Sherry auf den – geistigen – Grund gehen will, besucht die Schlösser von Veterano Osborne, sofern es sie denn gibt. Ulrike Fokken besucht den Schlosser. Der war verantwortlich für die riesigen Werbetafeln, die hundertfach in ganz Spanien verteilt auf das Nationalgetränk aufmerksam machten.

Der Menschenschlag ist ein ganz besonderer wie Ulrike Fokken bemerkt: So schlimm die Zeiten auch sind, ein Andalusier zieht sich wahrhaftig immer am eigenen Schopf aus dem Schlamassel. Es sei denn es ist Siesta. Dann ruht die „autorecreadio“, wie dieses Phänomen sich nennt. Diese Ruhe wird den Leser erst erhaschen, wenn er seiner Sehnsucht nachgibt und Andalusien wahrhaftig bereist. Bis dahin ist dieses Buch ein erstklassiger Ersatz.

33 Tage

33 Tage

Eine gefährliche Gratwanderung, die Marko Rostek da unternommen hat. Nein, nicht die drei Jahre detailversessene Recherchearbeit, um die Geschichte von 33 Tagen nachzuerzählen. Vielmehr der Drahtseilakt, wahre – und zu allem Überfluss jederzeit überprüfbare – Geschichte in Romanform zu bringen. Um es vorwegzunehmen: Der Versuch darf als geglückt angesehen werden.

Am 28. Juni 1914 werden in Sarajevo Thronfolger Franz Ferdinand und sein Gattin Sophie ermordet. Es dauert noch 33 Tage bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. An diesem verhängnisvollen 28. Juni änderte sich der Lauf der Welt dramatisch und nachhaltig.

Das wussten auch die Protagonisten dieses Buches. Diese werden am Ende des Buches in Wort und Bild einzeln vorgestellt. Sie alle wussten um die bereits geschmiedeten Allianzen innerhalb Europas. Und sie suchten nach Möglichkeiten diese zu sprengen und zu ihren Gunsten auszulegen. Großmachtgehabe und Machtgier waren die Antriebsfedern. Diplomatisches Geschick und Einschüchterung – was oftmals oder meistens das Gleiche ist – waren die Methoden der agierenden Köpfe.

Österreichs Außenminister Graf Leopold Berchtold ist anfangs kein Freund eines Schlages gegen Serbien. Nach und nach – und vor allem auf Drängen seiner Arbeitgeber – sieht er im Krieg gegen Serbien die einzige Lösung für Vergeltung. Die Lage Russlands wird von fast allen Beteiligten falsch eingeschätzt. Man geht davon aus, dass Russland eh erst mobilmachen kann, wenn alles vorbei ist und Serbien unter der Donaumonarchie, Bulgarien und Rumänien aufgeteilt ist. Zur Sicherheit zieht Österreich sich lieber Deutschland auf seine Seite. Die Krise ist unabwendbar.

„33 Tage – Der letzte Sommer dies alten Europa“ schildert exakt wer mit wem gegen wen und warum zu Felde zog. Dieses Thema in Romanform anzugehen ist ein Wagnis, das in diesem Fall belohnt wird. Selten zuvor wurden die Missetaten der Politiker so schonungslos und wertfrei aufgezeigt. Eine Beurteilung der Geschehnisse entfällt, weil das Ergebnis absolut diskussionsfrei als Katastrophe globalen Ausmaßes angesehen wird. Aber um Ähnliches im Moment und für immer auszuschließen, ist es wichtig die Geschichte zu kennen. Und dazu hat Marko Rostek einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Wer Erich Maria Remarques Meisterwerk „Im Westen nichts Neues“ kennt, weiß welch Elend der Krieg mit sich brachte. Marko Rosteks „33 Tage“ sind das sachgerechte Prequel zu dem, was Remarque so eindrucksvoll schilderte.

Picasso der Zeichner

Picasso Der Zeichner

Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Stellen Sie sich vor, dass Sie ein Bar oder ein Café besitzen. Tagein, tagaus treffen sich hier wirre Querköpfe, um ihre Ideale von Kunst und Kultur zu diskutieren. Und wenn es ans Bezahlen geht, werden alle Utopien ganz schnell auf den Boden der Realität geholt. Da werden die Hosentaschen umgestülpt zum Zeichen dafür, dass es zwar allen gemundet hat, aber der schnöde Mammon derzeit auf Wanderschaft ist. Jetzt liegt es an Ihnen. Raus mit der undankbaren Bagage oder das Angebot annehmen eine Zeichnung als Anzahlung zu akzeptieren? Sie haben Glück, wenn einer der trinkfesten Kumpane Südspanier ist und auf den Namen Pablo Picasso hört. Denn dann sind seine auch noch so kleinen Zeichnungen heute ein Vermögen wert.

Eine schöne, verklärte Vorstellung von Picasso. Picasso = Reichtum. Die Formel stimmt aber nur, wenn man den monetären Wert außeracht lässt. Kaum ein Künstler hat über fast ein ganzes Jahrhundert die Kunst so geprägt wie Picasso. Unzählige Kunstschaffende der unterschiedlichsten Kunstrichtungen nennen ihn als ihr Vorbild, als Ideengeber, als Antriebsfeder.

Ein Bild von Picasso regt immer zum Nachdenken an. Seine Zeichnungen – allein in diesem dreiteiligen Band sind 300 versammelt – sind Alleinstellungsmerkmale, sind Vorlagen für Größeres oder einfach nur Fingerübungen. Picasso war beseelt vom Schaffen. Wer sich in seinem Werk in Interpretationen verfing, erntete oft Spott oder ein müdes Lächeln vom Meister.

Jeder der drei Bände wird von einem Vorwort begleitet, dass das Werk in einem anderen Licht erscheinen lässt. Man muss sich darauf einlassen (können). An einem Picasso geht man nicht vorbei und denkt sich: „Aha. Hund, Katze, Frau. Schick“. Man setzt sich vor einen Picasso und lässt ihn auf sich wirken. Strichführung zu erkennen, okay, das ist möglich. Beim Motiv wird’s schon schwieriger. Mythen interessierten ihn. Die Vergänglichkeit.

Manche Zeichnungen lassen sofort da Motiv erkennen, bei anderen muss man von den Vorwortschreibern an die Hand genommen werden. Doch auch ohne ihre Einführung ist man wie hypnotisiert. Mit der Erkenntnis der eingehenden Worte sieht man so manches aus einem anderen Blickwinkel. Und das ist es, was Picasso wollte. Drei Bände Kunstverstand, drei Bände Anleitung zur Kunst der Moderne, drei Bände Picasso zum Anfassen.

Fang den König

Fang den König

Schachspielen ist keine leichte Sache. Denn es erfordert permanent höchste Konzentration und Einfühlungsvermögen. Da ist es doch das Beste, wenn man schon im Kindesalter damit anfängt. Denn dann ist der Kopf noch offen für Neues und Strategisches. Kein Alltagsstress, der einem die Sinne vernebelt.

Was „Fang den König“ von vielen anderen Schachlernbüchern unterscheidet, ist die kindgerechte Aufbereitung des Themas. Nachdem die Figuren kennengelernt werden, muss man die Züge der Bauern, Türme, Springer und Läufer erstmal verinnerlichen. Das geht nur durch Wiederholen und kleine Belohnungen. Schon mal Schach mit Gummibärchen gespielt? Kleine taktische Spielereien und Anfängerspiele erleichtern den Einstieg in dieses komplexe und so alte Spiel, das heute noch nichts von seiner Attraktivität verloren hat.

Autor Peter Mitschitczek ist passionierter Schachspieler. Und er hat sogar eine Schachoper für Kinder ersonnen, mit der er auf Tour ist. Doch dieses Buch ist nicht nur für Kinder gedacht. Auch die Großen lernen so – spielerisch – den Reiz des Spieles kennen. Dem Autor geht es nicht um Missionieren der Ungläubigen Nichtspieler. Vielmehr will er den Startschuss geben sich Traditionen zu öffnen und ein Spiel vorstellen, das zwar keiner Vorstellung bedarf, vor dem sich jedoch so viel verschließen.

Der Wechsel zwischen Neulernen und das schon Gelesene anzuwenden macht aus jedem Anfänger sicherlich noch keinen Großmeister, weckt aber den Drang sich stets immer wieder auch in brenzlichen Situationen sich bewehren zu können.

Einst ein Kriegsspiel, wird Schach heute als Spiel der Könige betrachtet. Die angewendeten Taktiken lassen sich vielmals auf den Alltag übertragen.

Wer Schach spielen oder es seinem Nachwuchs beibringen will, kommt an diesem uneingeschränkt zu empfehlenden Büchlein nicht vorbei.

City Trip Antwerpen, Brügge, Gent

Antwerpen Brügge Gent

Fast scheint es als dass Antwerpen, Gent und Brügge einen Bogen um Brüssel machen. Wie ein Sichel führt der Weg von Antwerpen erst auf Brüssel zu, macht dann aber einen gekonnten Schlecker nach Westen, um Gent und Brügge zu erreichen. Rivalität? Nein! Brüssel wird sicherlich immer im Fokus eines Belgienurlaubs stehen. Manneken Pis, das Atomium und der Grand Place ziehen die Besucher in Scharen an. Warum auch nicht, sie sind eine Reise wert.

Doch Belgien hat mehr als seine Hauptstadt zu bieten. Brügge rühmt sich die Schokoladenhauptstadt zu sein. Da wird auch schon mal ein Schokoladen-Tequila kredenzt. Erst Salz, dann der Shot und dann … mmmh die zartschmelzende Schokolade. Und wer bisher immer einen Bogen um Museen gemacht hat, wird beim Schokoladenmuseum ein unvergessliches erstes Mal erleben. Ganz genau sollte man bei der Liebfrauenkirche hinschauen. Denn die Madonna wurde von keinem Geringeren als Michelangelo entworfen. Eigentlich war sie für den Dom in Siena bestimmt, doch Brügger Kaufleute waren schneller (und wohl auch betuchter). So weht ein Hauch von Toskana in der Stadt der Grachten, die hier Reien genannt werden. Auf denen schippert man ganz gemütlich durch die Prachtbauten der Stadt, vorbei an versteckten Gärten, malerischen Brücken und wunderschönen Stillleben.

Weiter geht die Reise nach Gent. Nicht zu verwechseln mit Genf. Im Designmuseum wird die Art-Nouveau zum Leben erweckt. Nur wenige Gehminuten vom Korenmarkt (der Treffpunkt in Gent) entfernt, wird der Besucher auf eine Zeitreise, von der er nie mehr zurückkehren will.

Antwerpen hat sich mit seinen vier Diamantenbörsen einen Weltruf erarbeitet. Hier werden weltweit die meisten Diamanten gehandelt. Sie befinden sich in der größten intakten jüdischen Gemeinde Westeuropas. Orthodoxe Juden mit typischen Haarlocken gehören hier genauso zum Stadtbild wie die junge stilvolle Mode. Denn Antwerpen ist auch eine Modestadt. Unzählige Boutiquen mit einem schier unendlichen Sortiment an kreativer Mode lassen das Herz eines jeden Geschmackliebhaber höherschlagen.

Günter Schenk zeigt mit seinem Reisebuch auf, das die flämischen Metropolen Antwerpen, Brügge und Gent mehr als nur eine Alternative zu Brüssel bilden. Tipps zu Unterkünften und köstlicher Einkehr wechseln sich mit Wegweisern ab. Ob per pedes oder mit dem Rad oder auf Kanälen, diese drei Städte wirken auf ihre eigene Weise nachhaltig auf den Besucher. Und mit diesem Buch in der Hand wird der Trip zu einem echten Erlebnis.

Wie wir für die Freiheit kämpften

Wie wir für die Freiheit kämpften

Menschen dürfen nicht nach ihrer Hautfarbe unterschieden werden. Im Südafrika der Apartheid ein frommer Wunsch. Nicht mehr. Nicht mehr? Auch in den noch so elendsten Ecken der Townships, der provisorischen – von den weißen Entscheidungsträgern erlaubten Siedlungen für Schwarze – gab es immer Hoffnung. Hier war nicht immer und alles trist. Hier gab es Menschen, die Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht nur predigten, sondern Tag für Tag lebten. Und davon berichtet Rommel Roberts. Er selbst ist mit dem Stigma der nicht weißen Hautfarbe zur Welt gekommen. Doch er ist eben nicht ganz schwarz, ein Mischling mit indischen Wurzeln. So gilt zwar die Rassentrennung auch für ihn, wird jedoch nicht so brutal umgesetzt wie bei der schwarzen Bevölkerung.

Zu zwei dieser Engel, die versuchen den Himmel auf Erden zu bereiten gehören eine Ordensschwester und seine Mutter. Ihr aufopferungsvolles Leben für die Bewohner der Townships macht Schule. Selbst die Weißen von außerhalb kommen gern zu den beiden Frauen, um sich ihre Wunden versorgen zu lassen. Ein Bild, das Eindruck macht.

Rommel Roberts wird zum Vertrauten Desmond Tutus, dem – wenn man so will – religiösen Gesicht des Umschwungs in Südafrika. Roberts baut Netzwerke auf. Aber keine wie wir sie heute kennen. Er trifft sich mit Leuten in aller Welt, nicht um Ihnen ein „I like“ abzuluchsen. Seine Arbeit hat handfeste Gründe: Unterstützung sichern im Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und gegen die Rassisten.

Er und die vielen erstmals genannten Helfer haben ein Umdenken in Südafrika herbeigeführt. Sie sind die Köpfe und Hände hinter den markanten Köpfen, die bekanntesten sind Nelson Mandela und Desmond Tutu. Die nicht enden wollende Arbeit „hinter den Kulissen“ war die Grundlage dafür, dass Südafrika doch den Weg in die Demokratie wagen konnte. Ihre Namen sind in diesem Buch verewigt, als Mahnung, als Hoffnungsschimmer, als leuchtendes Beispiel.

„Wie wir für die Freiheit kämpften“ ist auch ein Beleg dafür, dass Kirche als sozialer Kitt Hoffnung geben kann. Aber auch, dass soziales Engagement auch ohne „Wink von oben“ möglich und nötig ist, egal, ob man einer und egal welcher Konfession man angehört. Humanitäre Hilfe abhängig von Bedingungen zu machen, ist ein Frevel. Rommel Roberts – und das stellt sich in seinem Buch ganz klar heraus – ist ein großer Humanist, der an Gott glaubt, sich aber nicht nur auf ihn allein baut. Das ist wahrer Dienst am Menschen.

Lothringer Kostbarkeiten

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Unermüdlich schreitet Klaus Bernarding Lothringen ab und findet auch jedes noch so kleine Stück Geschichte. Und dabei fördert er einen Trüffel nach dem anderen hervor. Kostbarkeiten, die jedem Reisenden es erlauben die Region im Nordosten Frankreichs einzigartig zu erleben.

Beispielsweise wird ein Spaziergang durch Epinal mit Klaus Bernarding zu einer Geschichtsstunde, die man nicht so schnell vergessen wird. Denn er weist nicht nur auf die Sehenswürdigkeiten hin. Er kennt auch so manche Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Wer weiß schon, dass Epinal sich auch als „Hauptstadt der Bilderbögen“ einen Namen gemacht hat?

„Lothringer Kostbarkeiten“ ist mehr als ein Reiseband – als Wegbereiter durch eine von Kriegen und Zerwürfnissen geprägten Region ist dieses Buch, zusammen mit den beiden „Vorgängern“, den „Lothringer Passagen Teil 1 und 2“ ergeben sie eine fast schon als komplett zu erachtende Reisebegleitung.

Klaus Bernarding ist der Reiseleiter des Vertrauens. Er kennt sich aus und weiß, wo es lang geht bzw. man lang gehen muss.

Einziger Wehrmutstropfen dieses Buches: Eigene Entdeckungen werden durch die Fülle an Entdeckungen schwergemacht. Im Gegenzug wird aber auch der Tatendrang gestärkt – so gleicht sich alles wieder aus.