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Erwin Schrödinger

Erwin Schrödinger

Nobelpreisträger tragen eine schwere Bürde mit sich: Kaum einer kennt sie. Zumindest, wenn es die Naturwissenschaften betrifft. Friedensnobelpreisträger – deren Vergabe allzu oft seltsame Blüten trieb, man denke an Menachem Begin und Anwar al Sadat, Barack Obama oder die Europäische Union – kennt man einige. Literaturnobelpreisträger sind auch nicht ganz unbekannt, da auf jeder Ausgabe darauf hingewiesen wird. Aber Chemiker und Physiker? Die kennt man kaum. Albert Einstein, den kennt man. Heisenberg, Bohr, Planck – alle schon mal gehört. Auch von Erwin Schrödinger? Wer schon vor dem 26. September 2009 von ihm Kenntnis hatte, gehört zu einer kleinen Minderheit. Wer ihn seitdem kennt, hat die letzte Folge der ersten Staffel von „The Big Bang Theory“ gesehen, in der die Theorie von Schrödingers Katze im Treppenhaus erläutert wird. Die besagt nichts anderes, als dass etwas nur passiert, wenn man es beobachtet, ganz oberflächlich betrachtet. Ähnlich dem Phänomen eines fallenden Baumes, das von niemandem beobachtet wird – macht das Fallen dann Krach?

Erwin Schrödinger wurde am 12. August 1887 in Wien geboren, als Einzelkind der oberen Mittelschicht wurde Bildung schon sehr früh zugängig gemacht, seine Neugier befeuerte seinen Wissensdrang. Tante Minnie musste schon sehr früh alle möglichen Ereignisse in einem Tagebuch für den kleinen Erwin festhalten. Sonst hätte ja seine Kindheit niemals stattgefunden… Das Haus, in dem Erwin Schrödinger die Kindheit verbrachte beherbergt heute eine Galerie.

Schon früh konnte man die spätere Genialität des Kindes beobachten. Was dem Vater einige Sorgenfalten bereitete, Erwin sollte nicht getrieben werden, er sollte sich „normal“ entwickeln. Doch schon im Gymnasium war klar, dass er besonders begabt war. Mathe und Physik stellten kein Problem dar, er könnte immer eine Antwort geben, wie ein Mitschüler feststellte.

Erwin Schrödingers Vater war Wachstuchfabrikant, sein Opa Chemieprofessor. Die Schuljahre vergingen, Erwin Schrödinger studierte in Wien Mathematik und Physik. In Zürich lehrte er Theoretische Physik an der gleichen Stelle wie vor ihm Albert Einstein. 1933 bekam er den Nobelpreis für Physik für seine nach ihm benannte Schrödingergleichung. Soweit sein Leben in Zahlen.

Erwin Schrödinger war nicht ausschließlich Naturwissenschaftler. Ganz im klassischen Sinne eines Forschenden widmete er sich auch den Räumen zwischen den Fachgebieten, fast wäre er sogar Philosoph geworden. Ihn interessierte stets das Hin und Her, das Zwischenspiel von Natur und Geist.

Obwohl Erwin Schrödinger heutzutage als Wissenschaftler eher in die Kategorie „B-Promi“ gehört, wenn man vom allgemeinen Bekanntheitsgrad ausgeht, ist seine Denkweise, seine Neugier für viele eine Triebfeder. Genau wie Albert Einstein sah er die Welt als Ganzes, das auch aus einem Geist heraus besteht und nur so erklärt werden kann.

Walter Moore Biographie ist ein Kleinod unter den Physikerbiographien. Detailreich und nie verlegen das Leben und Denken eines der größten Genies des 20. Jahrhunderts zu beschreiben und zu erörtern.

 

Ostia – Facetten des Lebens in einer römischen Hafenstadt

Ostia

Wo einst Luxusgüter umgeschlagen wurden, sonnen sich heute Luxuskörper. Wo einst sich Menschen aus aller Herren Länder trafen, treffen sich auch heute noch Menschen aus aller Herren Länder. Wo einst neidisch und ehrfurchtsvoll nach Rom geschaut wurde, reist man heute am Abend gen Rom. Die Rede ist von Ostia. Eine kleine Stadt vor den Toren Roms am Tyrrhenischen Meer, genauer gesagt Ostia Antica. Eine kleine Stadt, die schon seit über zweitausend Jahren existiert. Ostia Antica ist eine Ausgrabungsstätte, die als Sinnbild für eine römische Stadt dient. Die hier gemachten Forschungsergebnisse erlauben heute einen detaillierten Einblick ins Rom der Antike.

Wer Rom kennt, kehrt immer wieder gern an die Orte zurück, die man seit Schulzeiten kennt: Forum Romanum, Colosseum, Augustusmausoleum etc. Als Zugabe schlendert man gern durch bisher unbekannte Straßen und Gassen. Rom ist eine Stadt, die Geschichte atmet. Und so nach und nach wird man mit dem Historienvirus angesteckt. Man will wissen, wer hier oder da hauste, was die Inschriften bedeuten. Und irgendwann kommt man unweigerlich nach Ostia. An der Mündung des Tibers ist Rom noch so wie es einmal war.

Doch was bedeuten die einzelnen Ruinen, halbzerfallenen Bauwerke, deren einstige Pracht dem Zahn der Zeit teils zum Opfer fiel. Klaus Stefan Freyberger führt kenntnisreich nicht nur durch eine Ruinenstätte, sondern gleichzeitig auch ins römische Leben vor einer gefühlten Ewigkeit. Und es ist erstaunlich wie viel Wissen aus den Überresten der Stadt noch abzulesen ist. Beispielsweise die Bäckerei des Eurysaces. Vom Getreidemahlen über das Teigkneten bis hin zum Backen des Brotes lässt sich der gesamte Schaffensprozess nachvollziehen. Mit offenen Augen und teils auch mit offenem Mund liest man sich durch dieses anerkannte Gewerbe. Die Bilder von Heide Behrens unterstreichen diese Leseerfahrungen eindrucksvoll.

Nun ist Ostia Antica keine Touristenmetropole, die täglich Zigtausende von Touristen animieren muss. Eine Wohltat für alle, die sich für Geschichte interessieren und eine gewisse Vorbildung haben. Denn die braucht man! „Ostia – Facetten des Lebens in einer römischen Hafenstadt“ ist kein Reisebuch, das man Seite für Seite „abarbeitet“. Es ist vielmehr ein umfangreiches und gut strukturiertes Lexikon einer römischen Stadt mit dem Anspruch das Leben vor Jahrtausenden nachvollziehbar zu erklären. Wer sich darauf einlässt, wird reich belohnt.

Niederlande

Niederlande

Nein, die Niederlande gehören nicht zur k.u.k.-Monarchie! Auch wenn Kiffen und Koekjes für viele immer noch zum gelungenen Holland-Trip dazugehören. Dirk Sievers zeigt wie man die Niederlande richtig bereist und wie man am besten alles erlebt. Dazu benötigt man eine gewisse Zeit Urlaub, eine große Portion Neugier und dieses Buch!

Zwischen Holland und Deutschland gibt es viele Gemeinsamkeiten, aber mindestens genauso viel Unterschiede. Von Vorurteilen wird nicht die Rede sein. Die Niederlande können sich rühmen für Strandurlauber, Naturliebhaber und auch für Städtetouristen das richtige Angebot zu haben. Deswegen ist es auch auf den ersten Blick verwunderlich wie man ein solch großes Angebot in ein Buch packen kann. Dass es bereits die neunte Auflage ist, heißt nichts anderes als dass das funktioniert. Schon allein über die Provinz Zuid-Holland könnte man ein eigenes Buch schreiben. Die Region liegt Südwesten. Ganz der Süden ist es nicht, der wird von Limburg, Noord-Brabant und Zeeland beansprucht. Herrlich verwirrend: Noord-Brabant liegt südlicher als Zuid-Holland. So viel zu den Unterschieden… Die berühmteste Stadt in Zuid-Holland ist sicherlich Den Haag. Neben dem Regierungssitz, erstaunen den Besucher hier die Paläste (unter anderem residiert hier die königliche Familie) und Promenaden. Wer die Kunst der alten Meister sucht, wird in ‘s-Gravenhage, wie die Stadt auch genannt wird, reich belohnt. Für ganz Eifrige gibt es einen Museumspass. Zur Stärkung findet man sich am Haringkam Buitenhof ein, einem Kiosk, der laut Dirk Sievers die besten Makrelenbrötchen und Kibbelinge der Stadt hat. Anscheinend haben die Möwen auch diesen Abschnitt des Buches gelesen und versammeln sich zahlreich und lautstark an diesem Ort.

Wer die Niederlande besucht, sucht auch Windmühlen. Die UNESCO hielt die Windmühlen am Kinderdijk für schützenswert, weshalb zwei davon heute noch in einem exzellenten Zustand zu besichtigen sind. Es empfiehlt sich außerdem eine Bootstour über die Kanäle.

Wer meint, dass man die gesamten Niederlande inklusive der Metropole Amsterdam nicht in einem Buch gebührend darstellen kann, irrt sich gewaltig. Die kurzen Texte sind mehr als ausreichend, um einen oder mehrere Urlaube kenntnis- und erlebnisreich zu gestalten. Die eingangs erwähnten farbigen Kästen sind das Salz in der Suppe. Zahllose Hinweise zu Unterkünften, Restaurants und Orten, die man auf gar keinen Fall verpassen sollte, sind klar gegliedert und erleichtern Einsteigern wie NL-Profis die Handhabung.

Wahre Römer

Wahre Römer

Kennen Sie einen wahren Römer? Nein, nicht Miroslav Klose, der für die Roma stürmt. Nein, einen echten, der Geschichte schrieb. Aber keine Geschichten wie sie im Buche, im Lehrbuch stehen. Nein? Na dann werden Sie hier einige kennenlernen.

Andronicus war einer, den man heute als von der Muse geküsst bezeichnen würde. Richtig wäre es „von der Camena geküsst“. Lucius Livius Andronicus war sein vollständiger römischer Bürger-Name, wobei die ersten beiden Namen die seines ehemaligen Herren waren und Letzterer sein Sklavenname war. Seinem literarischen Talent verdankte er es, dass er freier römischer Bürger wurde. Doch zurück zu Camena. Denn bei seiner Übersetzung der „Odusia“ (Odyssee) benutzte er das Wort Camenae, römischen Quellnymphen, die nun mal keine Musen waren. Andronicus war Sklave, doch sein Talent und sein Ehrgeiz prädestinierten ihn zum römischen Bürger. Das geschah im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Wann genau, darüber streiten sich immer noch die Gelehrten. Faszinierend wie Geschichte bis heute nachwirkt.

Dem Leser begegnen einfache Handwerker wie Bäcker, aber auch treue Gefolgsleute der Caesaren. Manchen wurden Denkmäler errichtet bzw. es sind deren Grabmale immer noch zu bestaunen. Und wenn man die Geschichte hinter diesen Bauwerken/Denkmälern kennt, wird ein Rombesuch zu einembesonderen Erlebnis.

Stephan Berry lustwandelt durch die römische Geschichte wie an einem erfrischenden Maitag. Beschwingt nimmt er sich des schweren Themas römische Geschichte an und versorgt den Leser mit allerlei nützlichem Wissen. Die biographischen Texte sind nur teilweise belegbar. Es ist erstaunlich wie viel wir heute wissen, und wie viele Fragen immer noch offen sind. Wer Rom besucht, trifft alle paar Minuten auf mehr oder weniger gut erhaltene Zeugnisse der Geschichte Roms. Unweigerlich tauchen hier und da Namen auf, die einen garantiert in keiner Geschichtsstunde gequält haben. Doch die Neugier siegt. Wer war das denn? Muss ich den kennen? Viele MUSS man nicht kennen. Aber das Wissen um sie ist eine Bereicherung, die man nicht missen möchte.

Albert Einstein Briefe

Albert Einstein - Briefe

Was wurde nicht alles schon über ihn geschrieben? Genialer Wissenschaftler, Friedensaktivist, Charmeur, Geigenspieler: Albert Einstein. Gehört er gar zu denen, über die schon alles geschrieben wurde? Und wenn ja, warum dann dieses Buch? Weil die Behauptung, es wurde schon alles über DAS Genie des 20. Jahrhunderts geschrieben, nicht stimmt. In einer Zeit, in der Mobiltelefone und E-Mails weder bekannt waren noch in absehbarer Zukunft lagen, gab es zumindest das Kommunikationsmittel des Briefes. Das waren noch Zeiten als mit Tinte auf Papier etwas geschrieben wurde. Fein säuberlich in einen Umschlag gesteckt, frankiert und mit der Post verschickt wurde. Das ist so old school. Tja, das war Albert Einstein trotz aller Genialität und Progressivität auch.

Die in diesem Buch zusammengefassten Ausschnitte spiegeln ein Leben für die Wissenschaft und deren Nutzen für die Menschen wider. Einstein war keineswegs der unnahbare Gelehrte, der regelmäßig zu spät zur Vorlesung kam, launisch seine Thesen runterlas und dann bis zum nächsten Mal im Nirwana verschwand. Er war streitbar und nahm regen Anteil an den zugesandten Briefen. Egal, ob sie nun von einem geschätzten Kollegen, einer royalen Größe oder einem einfachen Farmer aus Idaho kamen. Letzterer bat um ein aufmunterndes Wort für seinen Spross, den er zum Physikstudium animierte. Einstein sollte den letzten Anstoß geben sich anzustrengen. Zur Belohnung gab es einen Sack Kartoffeln.

Die Briefe bzw. die Auszüge zeigen Einstein wie sich Kenner ihn vorstellen und Fremde ihn sich gern vorstellen möchten. Liebenswert, und wenn er antwortet dann mit ganzer Geisteskraft. Außerdem war er ein begnadeter Schreiber. So mancher Student der Gegenwart wünscht sich so einen agilen, lebensbejahenden, klugen Kopf in seinen Seminaren.

Wem schenkt man so ein Buch? Sich selbst. Jedem Physiker, Astronomen. Egal, ob noch Studiosus oder Forscher. Jedem Wissenschaftler, der seine Arbeit nicht nur als Broterwerb sieht oder sah, sondern auch anderen Fachrichtungen die Chance gibt erforscht zu werden. Jedem Humanisten. Na, das ist doch wohl schon eine große Leserschaft.

Einsteins Witz blitzt immer wieder genauso durch wie sein wacher Verstand und seine romantische Ader. Bemerkenswert ist vor allem der lyrische Briefwechsel mit Königin Elisabeth von Belgien. Einstein konnte vor den Nazis fliehen – sie musste aufgrund ihrer Herkunft und ihres Standes ausharren. Seine Ratschläge sind Mahnworte, die bis in die heutige Zeit Bestand haben. Er war gläubig und niemals fanatisch. Einer wie er fehlt … immer noch.

Dieses Buch liest sich leicht wie ein Roman, ist spannend wie ein historischer Thriller und verleitet den Leser immer wieder einzelne Passagen nochmals zu lesen.

Der Bodensee

Der Bodensee - 101 Orte

Einmal an den Bodensee, rundherumlaufen und einmal wieder zurück. So könnte man die 101 aus dem Titel erklären. Das rundherum als Null. Weil die rund ist, nicht, weil es sich nicht lohnt. Dass es sich lohnt, weiß der Autor Patrick Brauns nicht nur weil er dort wohnt.

Auch wenn man es nicht erwähnen muss: Die Insel Mainau vereint alle Bücher dieses Stiles. Es ist aber auch ein Prachtstück! Warum? Steht alles auf Seite 24. Patrick Brauns‘ Einzugsgebiet beschränkt sich allerdings nicht nur auf die direkt am Ufer gelegenen Orte zum Verweilen und Entdecken. Um die gesamte Region und den Reiz des Bodensees zu erfassen, empfehlen sich Ausflüge ins Hinterland.

Der Hegaublick ist beispielsweise rund zwanzig Kilometer Luftlinie in westlicher Richtung vom Ufer entfernt. Doch der Weg lohnt sich. Auf der Terrasse des dortigen Restaurants genießt man nicht nur mit dem Gaumen, sondern in erster Linie mit den Augen. Ganz in der Nähe kann man den Gipfel eines Feuerspuckers erklimmen oder im Eiszeitpark tief in die Geschichte eintauchen.

Im Süden kommt man der Gegenwart ein bisschen näher, wenn man mit einer Fähre die Sitter bei Bischofszell in der Schweiz überquert. Wie einst die Pilger. Ein erholsamer Fußmarsch führt den Wanderer zu einer alten Brücke, die im vergangenen halben Jahrtausend jedem Angriff trotzte. Ein wenig krumm, was der Attraktivität keinen Abbruch tut. Im Gegenteil.

Im Osten, in Bregenz, lädt der Garten des Klosters Mehrerau zum Bummeln ein. Eindrucksvolle Alleen lassen den Alltag vergessen.

Jeder der einhunderteins Orte ist für sich genommen eine Reise wert. Kombiniert sind sie eine Aufforderung zum Schwelgen, Flanieren, Geschichte atmen. Geruhsames Reisen auf historischen Pfaden in einer der beeindruckendsten Regionen Deutschlands und Europas. Kurz und knapp sind die einzelnen Haltepunkte beschrieben, lang genug, um Appetit zu machen, garniert mit nachhaltigen Bildern.

Wer am Bodensee Urlaub macht, wollte so wenig wie möglich verpassen. Sicherlich gibt es mehr als einhunderteins Orte, die man gesehen haben muss. Die Auswahl der von Patrick Brauns vorgestellten Stopps stehen exemplarisch für die Bodenseeregion.

Schmetterlinge entdecken, beobachten, bestimmen

Schmetterlinge entdecken, beobachten, bestimmen

Schon immer haben Tiere die menschliche Phantasie angeregt. Stark wie ein Löwe sein, listige wie ein Fuchs oder grazil wie ein Schmetterling. Scheinbar chaotisch fliegen sie ihrer Wege. Manche sind farbenfroh, manche zeigen ihr Antlitz nur bei ganz genauem Hinsehen. Sie haben prachtvolle Namen wie Schwarzer Apollo (der gar nicht so viel Schwarz auf seinen Flügeln trägt), Aurora-Falter oder Pfaffenhütchen-Harlekin. Doch wer kann die federleichten Farbtupfer, die en Sommer verheißen schon auseinanderhalten?

Zwei von Ihnen, Edelgard Seggewiße und Hans-Peter Wymann haben ihr Wissen zusammengetragen und in diesem handlichen, praktischen und mehr als kenntnisreichen Buch veröffentlicht. Einhundertsechzig Arten, die im mitteleuropäischen Raum tagsüber anzutreffen sind, werden beschrieben. Soweit die blanken Zahlen.

Ihr Buch ist nach Familien geordnet. Von den Wurzelbohrern und Langhornmotten über die Familie der Widderchen und Ritterfalter bis zu den Bläulingen und Edelfaltern. Die einzelnen Familienkapitel sind unterschiedlich farbig gestaltet, was das Suchen und Blättern immens erleichtert. Jedem Familienmitglied wird eine Doppelseite gewidmet: Mit Zeichnungen des Schmetterlingsweibchens und -männchens inklusive der Flügelunterseite. Der Hinweis „Art unverwechselbar“ ist für Einsteiger unverzichtbar. Denn manchmal ähneln sich zwei Arten so sehr, dass es nur Fachleuten gelingt den exakten Namen zu bestimmen. Eine kleine Grafik zeigt an, wann das abgebildete „Flugobjekt“ zu erhaschen ist. Ein kurzer Text gibt Auskunft zu Vorkommen, der Nahrung und in welchem Revier der Schmetterling sich am wohlsten fühlt.

Für alle, die sich nicht nur für Schmetterlinge als Tattoo-Vorlage interessieren oder es als Fabelwesen der Hippie-Zeit ansehen, sondern für alle, die den schwer zu fassenden Flugkünstlern näher auf die Pelle rücken wollen, ist dieses Buch ein heiliges Buch. Für Moderne Jünger gibt es den Buchinhalt auch als App für Android und iOS.

Das kleine Buch der Sprache

Das kleine Buch der Sprache

Es ist der erste echte Höhepunkt der Eltern: Das Kind spricht. Mama. Papa. Auto. Yippie. Jetzt geht’s los! Doch was da als Wort verkleidet die Außenwelt verzückt, sind Geräusche. Keine bewusst gewählten und geformten Artikulationen. Erklären Sie das mal der stolzen Mama, oder dem Papa, der bis über beide Ohren grinsend den Sprössling vor sich herträgt. Wen Sprache eine lineare Entwicklung wäre, würden wir täglich bis zu unserem zehnten Geburtstag weniger als eine Handvoll Wörter lernen. Babies lernen das, was sie hören. Der Rhythmus und die Melodie bestimmen die ersten Laute und Worte. Dudu, dada und ähnlich geartetes Verwandtengeschwätz haben da weniger Einfluss als gedacht. Ansonsten würden The Police immer noch touren, („De Do Do Do De Da Da Da“ wäre der Titel mit der längsten Chartplatzierung).

Sprache ist das primäre Unterscheidungsmerkmal der Kulturen. Jede Sprache hat ihre eigene Sprachmelodie. Wie oft hört man, dass das Italienische so melodisch klingt. Das Deutsche hingegen klingt für viel hart oder kratzig. Ein Vorteil in einer multikulturellen Gesellschaft ist das Wissen um die eigene Kultur. Denn wenn Andere ihre Eindrücke über das ihnen Fremde wiedergeben, lernt man so einiges.

Die Sprache hat auch eine mechanische Komponente. Nein, keine Roboter, Verstrebungen oder Seilzüge. Seilzüge ist vielleicht do gar nicht so verkehrt. Um einen Laut zu bilden, die Grundlage eines Wortes, was die Grundlage eines Satzes ist, der wiederum die Basis der Sprache ist … muss im menschlichen Körper was geschehen. Die Stimmlippen (Stimmbänder), die Lippen, der Kiefer und die Lunge sind unerlässliche Werkzeuge der verbalen Kommunikation. Je öfter die Stimmlippen schwingen, desto höher die Stimmlage. Umgekehrt genauso.

David Crystal beschreibt in seinem Buch das, was uns täglich umgibt. Von den ersten Lauten über die körperlichen Voraussetzungen bis hin zur Herausbildung von Slang und der Entwicklung der Sprache und ihrer Arten. Ohne abzuschweifen dringt er in die Tiefen der Wissenschaft vor, um kurzweilig und teils auch amüsant der allgegenwärtigen Sprache aufs Maul zu schauen.

Mein Paris

Mein Paris

Einmal Paris so richtig genießen, ganz tief eintauchen, es so sehen wie kein Anderer. Das wär’s! Für die meisten reicht es dann für Eiffelturm (meist dann auch noch nur mit einem F), Champs Elysees und vielleicht noch Sacre Cœur. Den Rest kennt man von der Schlussetappe der Tour de France. Doch wenn man schon mal da ist, in Paris, dann wäre es doch schön einen Reiseführer zu haben, der eben mehr als nur die Touristenhighlights zu bieten hat. Am besten Einen, der sich hier auskennt, hier geboren ist, hier lebte, und am besten Deutscher ist. Denn die Unterschiede sind trotz aller Nähe immer noch da – was allsonntägig auf arte in der Sendung „Karambolage“ zu erfahren ist. Verdichtet man seinen Wunsch derartig, bleibt nur einer übrig: Ulrich Wickert.

Beschwingt wie ein Chanson der jungen Françoise Hardy schlendert der Journalist durch Paris. Faktenreich, exakt und zackig wie ein Militärmarsch parliert er in Geschichte. Einzelne Kapitel sind zweigeteilt: Zuerst das Vergnügen, dann die Arbeit. Erst ein Spaziergang, dann die historischen Exkurse.

Und so schlendert man lesend durch die Stadt der Liebe. Vorbei und mittenrein. Notre Dame, Arc de Triomphe, Champs Elysees, Place de la Concorde – alles bekannte Namen. Und doch zeigen sich beim Lesen Wissenslücken auf. Die schließt Ulrich Wickert gekonnt. Wie kaum ein anderer Schreiber versteht er es sein enormes Wissen ohne den Zeigefinger zu heben dies zu vermitteln. So wird ein Stadtbummel en passant zu einer Lektion in Geschichte, Geographie und französischer Kultur. Paris wird nie mehr nur ein Reiseziel sein. Paris ist von nun an Liebe.

Die Boulevards, übrigens ein Wort deutschen Ursprungs, einst Bollwerke, werden zu Flaniermeilen der Liebe. Die Wasserspeier an Notre Dame sind nun mehr als nur eine Zierde. Der Arc de Triomphe erstrahlt in neuem Lichte. Alles, weil man die Geschichten herum nun kennt.

Ulrich Wickert nimmt sich zuerst die großen Sehenswürdigkeiten der Stadt vor, um dann den Leser auf eine Kulturreise ins Herz der Franzosen mitzunehmen. „Essen als schöne Kunst betrachtet“ nennt er das beeindruckendste Kapitel. Wer zu diesem Abschnitt vorgedrungen ist, hat schon viel über Paris gelernt. Aber alles Bisherige war zum Greifen nah. Konnte man betrachten, erklimmen, berühren. Doch Frankreich, Paris ohne die cuisine ist eben nicht mehr als eine Reportage: Schön anzusehen, appetitanregend, doch immer sehnsuchtsvoll. Weil nicht erlebt. Mit einem Feinschmecker wie Wickert sich durch Paris zu fressen, ein formidables Erlebnis. Als amuse-gueule serviert Ulrich Wickert immer wieder kleine Anekdoten, wie die von der Fotografin Gisèle Freund, der sogar Francois Mitterand gehorchte. Oder von Restaurantbesitzer Rene Lafon, der Hemingway und Dali, Sartre und Picasso zu seinen Gästen zählte.

Nach so viel Wissen, so eloquent dargebracht, fehlt nur noch eine entscheidende Reiseinfo: Das Wetter.

Herr Huang in Deutschland

Herr Huang in Deutschland

Wer sich eingehend und langfristig mit einer Sache beschäftigt, läuft Gefahr „betriebsblind“ zu werden. Und das ist etwas, was man jedem Volk vorwerfen kann. Man denke nur an die Probleme zwischen Deutschland und Griechenland. Wer von außen auf sich selbst schaut, entdeckt so manches, was ihm bisher verborgen blieb. Insofern ist „Herr Huang in Deutschland“ eines der deutschesten Bücher überhaupt.

Huang Nubo gibt es wirklich. Also kein Roman! Er ist ein erfolgreicher Unternehmer aus China, der es sich in den Kopf gesetzt hat alle UNESCO-Weltkulturerbestätten zu besuchen. Und das sind Hunderte. Deutschland kann vierzig Stück aufweisen. Und hier beginnt auch die Weltreise des Herrn Huang.

Wer kann sie alle aufzählen? Kaum einer! Aachener Dom, Kloster Maulbronn, Wörlitzer Park. Man kennt sie, aber, dass sie Weltkulturerbe sind, weiß niemand. Eine der Tatsachen, die Herrn Huang sofort auffallen. So effizient die Deutschen sind, so achtlos gehen sie in den Köpfen mit ihrem kulturellen Erbe um. Huang Nubo freut sich, dass so viele Stätten so gut erhalten sind und werden.

Knapp vier Wochen nimmt Huang Nubo Zeit, um Deutschland kulturell zu erkunden. Die Denkmale sind die Ziele, die Menschen herum der Weg. Asiatische Gelassenheit und kindliche Neugier sind seine ständigen Reisebegleiter. Die werden allerdings schon beim ersten Kontakt mit der deutschen Obrigkeit, beim Zoll, auf eine harte Probe gestellt. Kein Blickkontakt gleich gründliche Kontrolle. Huang Nubo nimmt in seinem Reisetagebuch kein Blatt vor den Mund. Erfrischend!

Ein Chinese auf Weltreise zum Kulturerbe lautet der Untertitel des Buches. Huang Nubo ist schon weit gereist, bevor im Jahr 2013 aufbrach. Er war unter anderem dreimal auf dem Mount Everest. Weitsicht ist sein Metier. In vier Wochen eine ganze Nation kennenzulernen ist unmöglich. Aber Herr Huang hat in dieser Zeit einen tiefergehenden Einblick gewonnen als so mancher Eingeborener. Ständig zieht der Weltbürger Vergleiche zu seiner Heimat. Schließlich ist Deutschland auch erst vor historisch kurzer Zeit zusammengewachsen. China, Hongkong und Taiwan stecken da noch in den Kinderschuhen. Huang Nubo bereist Deutschland, führt Tagebuch und dem Leser sein eigenes Land vor Augen. Ehrlich, ungeschminkt und unterhaltsam.