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Norderney

Norderney

Es klingt fast schon wie eine Verneinung des Urlaubsziels: Der Norden, nee! Alles, nur das nicht! Norder-Jaa muss es eigentlich heißen! Und Dieter Katz liefert auf einhundertsechzig Seiten immer wieder Argumente die Insel zu besuchen. Ob nun als Pauschalbesucher für zwei Wochen und Immer-Wieder-Gast für ein paar Tage, der auf eigene Faust das Inselleben hautnah spüren will. Alle vereint der Gedanke sich hier zu erholen, Einzigartiges zu erleben und die Leserecherche mit diesem Buch.

Nicht einmal sechstausend Einwohner auf knapp 26 Quadratkilometer. Klingt nicht groß, ist es auch nicht. Klingt nicht so, als ob man hier wochenlang immer wieder etwas Spannendes erleben kann. Falsch! Es geht ja schon auf der Umschlagseite los. „Wussten Sie schon…“ nennt sich die Rubrik, die jedes Buch des Michael-Müller-Verlages stimmungsvoll einläutet. Von Seehunden und Kegelrobben ist da die Rede, Bienenbelegstellen und vom Tee-Pro-Kopf-Verbrauch der Ostfriesen.

Noch nicht abwechslungsreich genug? Wellness (unter anderem gibt es auf Norderney Thalasso-Kurwege), Strandsauna und eine Trinkkurhalle laden zum Verweilen und Erholen ein genauso wie Minigolf, Angeln oder über vierzehn Kilometer feinster Sandstrand. Als Mitbringsel eignen sich zahlreiche Artikel aus dem orangen Gold der Insel, dem Sanddorn. Ob nun als Marmelade oder Likör, als Tee oder Fruchtsaft – wer mit Sanddorn zuhause seine Lieben beglückt, wird Beifall ernten.

Apropos Beifall. Ab und zu muss man das Buch doch beiseitelegen. Immer dann, wenn man innerlich in die Hände klatscht und sich freut, dass man dieses Buch gefunden hat. Es ist erstaunlich, dass so eine klein Insel nicht in Füllhorn der Abwechslung umbenannt wird. Und Dieter Katz kann sich feiern lassen, jedes einzelne Element, jeden Diamanten der Erholung und Entspannung gefunden, detailliert niedergeschrieben und handhabbar veröffentlicht zu haben.

Wer Norderney bisher noch nicht kannte, bekommt in diesem Buch mehr als nur einen groben Überblick über die Insel. Es ist schon fast so informativ und erkenntnisreich wie vor Ort zu sein. Wer Norderney schon einmal besucht, wird sich wundern, was alles verpasst hat. Denn wenn das geflügelte Wort vom Geheimtipp auf einen Inselreiseband zutrifft, dann hier.

Als Zugabe zum Buch bzw. als hervorhebenswertes Extra gibt es zwölf Seiten „Norderney mit Kindern“. Und dann wird aus dem stillen Norder-Nee ein fröhlich schallendes Norder-Jaaaaaa…..

Gebrauchsanweisung für Prag und Tschechien

Gebrauchsanweisung für Prag

Oh Du wunderbares Prag! Deine Architektur, Deine Gassen, Deine Boulevards … Deine Touri-Fallen. Prag steckt voller Überraschungen. Wer’s nicht kennt, wird’s nicht glauben. Prag gehört zu den europäischen Hauptstädten, die man nie vergessen wird und immer wieder besucht. Weltoffenheit und längst vergessener Charme treffen hier auf kalkulierte Gastfreundschaft und echte Lebenslust.

Martin Beckers erster Besuch in der Goldenen Stadt wird ihm ewig in Erinnerung bleiben, seine Liebe zu Land und Leuten wird in diesem Buch nur allzu deutlich und beim Leser lange anhalten. Denn seit dem sinngebenden ersten Besuch, der, der so lange in Erinnerung bleibt, dass er das erste Kapitel bestimmt, ist Prag im Speziellen und Tschechien in Allgemeinen zu einer zweiten Heimat geworden. Er bezeichnet sich zwar als ungeprüften Touristenführer, doch die Prüfung zu Selbigem würde er mit Bravour bestehen. Nicht nur weil er sich exzellent auskennt, sondern weil er es versteht die Menschen zu charakterisieren und sich bei seinen Beschreibungen der Stadt und des Landes nicht nur auf die Aneinanderreihung der zahlreichen Sehenswürdigkeiten beschränkt.

Ebenso hat er wenig Berührungsängste mit den geltenden Klischees: Seine Ausführungen zum Bierkonsum und der ausgeprägten Kneipenkultur gehören zum Ehrlichsten und Offensten in Sachen geselligem Beisammenseins. Wer in Zukunft über tschechische Braukunst, Verzehrlust und Gerstensaftkommunardentum schreiben will, muss sich mit Martin Becker messen lassen.

Was viele Leser nicht unbedingt auf dem Schirm haben, ist die Tatsache, dass auch Tschechien ein Staat ist, der aus drei Nationalitäten zusammengesetzt wurde: Böhmen, Mähren und Schlesier. Die Sticheleien – und mehr sind es letztendlich glücklicherweise nicht – zeigen sich vor allem, wenn Böhmen und Mähren aufeinandertreffen bzw. wie es einmal Martin Becker ging, man meint, dass es gar keine Unterschiede gibt. In Brno (Mähren) eckte er ziemlich an als er die Sehnsucht der Brünner nach Prag mit denen der Leipziger nach Berlin verglich. Schlussendlich ging alles gut und der Applaus nach der Lesung war ihm sicher. Doch diese kleine Anekdote zeigt deutlich die Befindlichkeiten im Land.

Tschechien und Prag sind immer eine Reise wert. So phrasenhaft dieser Ausspruch klingt, so wahr ist er und so sehr zeigt er die Notwendigkeit nach einem Buch wie diesem. Als Zusatzlektüre zu einem Reiseband gehört die „Gebrauchsanweisung für Prag und Tschechien“ ebenso ins Reisegepäck wie Neugier und Weltoffenheit.

Styleguide Amsterdam

Styleguide Amsterdam

Quizfrage: Welche Stadt passt nicht in diese Aufstellung? New York – Paris – Rom – Amsterdam. Letztere, in ihr werden keine Trends kreiert, möchte man fast meinen. Doch die Antwort ist falsch! Die Trends werden nur nicht publik gemacht bzw. legt man darauf in Amsterdam keinen gesteigerten Wert. Denn dass Amsterdam hip und trendy ist, beweisen eindeutig die Besucherzahlen. Die holländische Hauptstadt ist wohl die coolste in Westeuropa. Hier werden die Trends gemacht, die weltweit unterschwellig gar nicht als solche wahrgenommen werden. Das wurde es höchste Zeit einen coolen, hippen Reiseband herauszubringen.

„Eat – shop – love it“ – Untertitel und Aufforderung zugleich. Doch zuvor: Lesen und fühlen. Ja, fühlen! Der im wahrsten Sinne einprägsame Einband, der das Grachtenwirrwarr plastisch darstellt, nimmt es vorweg: Hier hält man einen besonderen Reiseband in den Händen. National Geographic, das Magazin, das in jedem noch so bekannten Platz der Welt das Besondere zu entdecken in der Lage ist, zeichnet für die Reihe Styleguide verantwortlich.

Autorin Monique van den Heuvel ist die Stilberaterin in Sachen Coolness, nouvel cuisine á la Amsterdam. Gleich zu Beginn gibt sie dem wissbegierigen Leser – und die Neugier lässt bis zum Schluss nicht einmal nach – ihre Tipps für einen 24-Stunden-Tag in Amsterdam mit auf den Weg. Ob man nun auf ihren Pfaden wandeln will oder doch den einen oder anderen Tipp den ihren vorzieht, bleibt jedem selbst überlassen.

Handgemachte, dadurch einzigartige Mitbringsel für die, die „nur“ das Buch lesen durften, außergewöhnliche Restauranttipps, Schnäppchenmode aus so ziemlich jeder Epoche – Amsterdam ist für den modernen Reisenden eine echte Herausforderung und eine goldige Fundgrube. Viele der in diesem Buch vorgestellten Läden, Bars und Hotels stehen in keinem Prospekt des Tourismusbüros. Es sind also echte Geheimtipps, die selbst die Amsterdamer kaum kennen. Oder besser gesagt, die nur die hippen und coolen Amsterdamer kennen. Wenn man so will, ist dieses Buch der gedruckte Beweis, dass Integration, und sei es auch nur für einen Kurztrip, möglich ist. Die Integrationsbeauftragte für das lebensfrohe Reisegrüppchen moderner, neugieriger Amsterdam-Besucher ist die Autorin selbst. Sie interviewt die kreativen Köpfe und fördert so das Geheimnis der trendigen Hauptstadt der Niederlande zu Tage.

Einen Haken hat das Buch: Wer sich nur an dieses Buch hält, könnte Gefahr laufen sich eine Unterkühlung zuzuziehen. So cool, so umfassend, so anschaulich bebildert war Amsterdam noch nie!

Schicksalsorte der Deutschen

Schicksalsorte der Deutschen

Beim Lesen des Titels hat jeder seine eigene Meinung und eigenen Vorstellungen. Auf Anhieb kann man sicher ein oder zwei Hände voll Orte nennen, die in der Geschichte Deutschlands, der Deutschen eine entscheidende Rolle spielten. Aber fünfundfünfzig? Da braucht man schon ein paar Stunden zum Nachdenken. Und genau so lange dauert es auch das Buch zu lesen. Vorteil Buch: Hier wird auch gleich noch das entsprechende Basis- und Hintergrundwissen vermittelt.

Bei oberflächlicher Betrachtung des Umschlages kann manches erahnt werden: Ein kräftiger Kerl mit Flügeln an der Kopfbedeckung auf ‘nem Pferd, in schwarz-weiß, ist wohl schon etwas älter. Schlachtengetümmel, in Farbe. Eine Kirche, in die die Massen geordnet einziehen, sehr feierlich. Ein Haus mit beleuchteten Balkons. Und – das erkennt jeder sofort – das Brandenburger Tor. Von oben, links hinten fotografiert, sieht man auch nicht allzu oft. Jetzt geht das Rätselraten los. Es bleibt einem nichts anderes übrig: Man muss das Buch aufschlagen. Und schon ist es passiert! Man blättert, liest ein paar Zeilen und kommt nicht mehr los.

Zuerst sucht man natürlich nach der Auflösung der Titelrätsel. Brandenburger Tor ist klar: Mauerfall. Die Balkons gehören zum Bauhaus in Dessau. Die Kirche ist die Paulskirche in Frankfurt, wo 1848 erstmals ein deutsches Parlament tagte. Das Schlachtengetümmel gehört zur Tannenberg-Schlacht, in dem im Sommer 1410 der Deutsche Orden eine vernichtende Niederlage hinnehmen musste. Und der wohlgenährte Herr mit den Flügeln am Helm ist Arminius, wie man sich ihn im 19. Jahrhundert vorgestellt hat. Rätsel gelöst, aber noch immer warten fünfzig Schicksale auf ihre Entdeckung.

Schon allein die kleine Auswahl des Bilderrätsels vom Cover zeigt, dass es in diesem Buch nicht nur um Schlachten und Kriege geht. Friedliche Revolutionen auf politischer Seite stehen kulturellen Neuerungen wie dem Bauhaus gegenüber. Die Völkerschlacht bei Leipzig der ersten deutschen Eisenbahnfahrt zwischen Nürnberg und Fürth. Oder die Schlacht von Verdun dem Wunder von Bern.

Jedem Ort, an dem deutsche Geschichte geschrieben wurde oder Deutsche Geschichte schrieben, und diese bis heute nachhallt, geben die Macher des Buches den passenden Rahmen und füllen die vorhandenen Wissenslücken. „Schicksalsorte der Deutschen“ ist ein Lese- und Bilderbuch, das man gern immer wieder zur Hand nimmt. Stück für Stück nähert man sich der Geschichte und sieht die Gegenwart mit anderen, wissenden, Augen. Ansprechend gestaltet und informativ – das beste Argument, um dem staubtrockenen Geschichtsunterricht Lernfreude entgegenzusetzen.

Könnten Sie Deutsche(r) werden?

Könnten Sie Deutscher werden

Das brisanteste Spiel des Winters! Der deutsche Einbürgerungstest als Spiel. 300 Fragen, die jedem, der die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen will, begegnen können. Denn aus diesen 300 Fragen werden jeweils 33 Fragen ausgesucht, von denen 17 richtig beantwortet werden müssen. Hinzu kommen noch zehn Fragen, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. Für jemanden, für den Deutsch eine Fremdsprache ist nicht die leichteste Art sich zurecht zu finden. Doch auch so mancher Einheimischer kommt bei der einen oder anderen Frage ins Grübeln. Garantiert!

Und wie im richtigen Leben gibt es auch auf dem kreisrunden Spielfeld kleine Stolperfallen. Wer durch Würfeln auf dem „Reisefeld“ (Nachbarn sind kurzfristig verreist und Sie haben keine Visum) oder auf dem „Zu-Spät-Feld“ landet (zu spät zum Einbürgerungstest erschienen), muss eine Runde aussetzen. Wer jedoch auf dem „Bonusfeld“ oder dem „Nachbarschaftsfeld“ Quartier bezieht, darf zwei Fragen beantworten bzw. seinen Nachbarn befragen. Wer zuerst – wieder wie im richtigen Leben – 17 Spielkarten auf seinem Stapel hat, darf sich als Gewinner bezeichnen, sprich hat den Einbürgerungstest bestanden.

Schon beim ersten Durchschauen der Karten merkt man, dass es gar nicht so leicht ist sich mit deutscher Kultur, deutschen Gepflogenheiten und Regeln und Rechten auszukennen. Als „gelernter Deutscher“ sollten die Fragen eigentlich kein Problem sein. Doch die Realität sieht anders aus. Die Fragen reichen von Geschichtswissen über den strukturellen Aufbau der Bundesrepublik bis zu Fragen des Grundgesetzes.

Gebrauchsanweisung für Mailand

Gebrauchsanweisung Mailand

Zwei tolle Jahre für Mailand: 2015 die Expo, 2016 das Champions League Finale in San Siro. Klar, dass da so mancher auf die Idee kommt der lombardischen Hauptstadt einen Besuch abzustatten. Die Stadt, in der Shopping-Event und Kultur-Overkill zusammen gehören wie Pizza und Vino. Das ist nicht alles? Echt? Henning Klüver hat da noch ein paar andere Tipps parat. Er weiß wie man die Stadt für sich einnimmt. Denn er lebt hier, seit über zwanzig Jahren.

Henning Klüver hat auch gleich das Einzigartige an Mailand ausgemacht, ohne das die Stadt ihr Antlitz verlieren würde: Den Dom. Ohne Inter und ohne den AC Milan wäre Mailand noch zu verkraften. Aber ohne den Dom wäre Mailand … nichts. Der Dom ist aber nicht einfach nur ein Gotteshaus mit einer mehr als sehenswerten Architektur. Man kann ihn sogar besteigen. Dann fühlt man sich wie im Panoptikum. Dutzende und Aberdutzende Figuren weisen den Weg über die Dächer der Stadt. Siehe Titelbild.

Den Vergleich mit Rom muss Mailand nicht scheuen. Es ist ein bisschen enger als in der Hauptstadt. Rom ist vielleicht schöner, reicher an Geschichte. Doch – und da sind sich alle Mailänder einig – zum Arbeiten zieht es die meisten nach Mailand. Aber als Tourist will man von Maloche nichts hören und so schiebt Henning Klüver den Leser sanft weiter durch die Stadt.

Da Mailand flächenmäßig eine kleine Stadt ist, kann man vieles schnell erreichen. Eine Fahrt mit der Straßenbahn bietet sich da an. Und schon ist man im nächsten Klischee. Mailand, die Elegante. In der Linie Eins sind die Türen aus Teak gefertigt. Seit sechzig Jahren rattert sie durch die Stadt und quietscht vergnügt im die Ecken. Teak! Ja, Teak in der Tram. Das nennt man dann wohl Lebensqualität. Doch auch Bausünden finden sich hier. Doch die Mailänder haben sich daran gewöhnt und machen sich einen Spaß daraus den Gebäuden passende Namen zu verpassen. Da gibt es das Haus mit Hosenträgern, die Krumme, die Bucklige und die Gerade.

Dieses Buch hetzt den Leser nicht durch die Stadt a Olona und Lambro. Vielmehr ist es über zweihundert Seiten langer Spaziergang durch Mailand, der einem stetig fließenden Wissensfluss ähnelt. So umfassend und detailreich wurden bisher nur wenige Städte vorgestellt.

Henning Klüvers Gebrauchsanweisung für Mailand ist ein doppelter Gewinn für den Leser. Nicht nur, weil auch die umliegende Region vorgestellt wird, sondern, weil es Wegweiser und Reiseführer in Einem ist. Der Autor stellt Orte vor, die man gesehen haben muss, bringt sie aber immer in Verbindung mit den Menschen, die diese Orte geprägt haben. Leonardo da Vinci und Guiseppe Verdi sind ebenso präsent wie hierzulande unbekannte Publizisten und Blogger, die ihrer Stadt wortgewaltig ein Denkmal setzen. Es empfiehlt sich dieses Buch in Milano immer dabei zu haben. Bei einer kurzen Rast lohnt es sich immer wieder einen kurzen Blick ins Buch zu werfen.

Gebrauchsanweisung für Istanbul

Gebrauchsanweisung Istanbul

„My kind of a town“, meinte einst Al Capone über Chicago. Hier konnte er zeitweise schalten und walten wie er wollte. Und Istanbul? Was sagt der geneigte Besucher über diese Stadt? „My kind of a cultural clash“. Hier stoßen die urbanen Lebensentwürfe wie Kontinentalplatten aufeinander. Nicht so langsam – ganz im Gegenteil – jedoch nicht weniger eindrucksvoll. Und hier kann der Gast schalten und walten wie er will. Wenn er sich auskennt! Zur perfekten Reisevorbereitung gehört neben dem unverzichtbaren Reisebuch auch ein wenig wohl formulierte Literatur. Und die liefert Kai Strittmatter. Nun ist Kai Strittmatter nicht nach Istanbul gekommen, weil er hier schon immer mal Urlaub machen wollte. Er wollte, nein er durfte als Korrespondent der Süddeutschen Zeitung von Peking nach Istanbul wechseln. Der Unterschied zwischen „normalem Touristen“ und dem Autor ist nicht besonders groß. Beide wissen wo ihr Haus wohnt (sorry, aber der Gag musste jetzt einfach sein), der Tourist hat sein Hotel, Kai Strittmatter seine Wohnung (mit Bosporusblick und allem Drum und Dran). Beide wissen, was sie hier zu tun haben, sich umschauen, aufsaugen und berichten. Und beide kommen anfangs nicht aus dem Staunen raus! Wo „normale Touristen“ nicht mehr als ein „Boah“ herausbekommen, arbeitet sich Kai Strittmatter sanft und wortstark durch die einzelnen Kulturschichten. Für den Leser heißt das: Achtung Suchtgefahr! Die Intensität der Worte lässt an der Wahl des Urlaubsortes, sofern er denn nicht Istanbul heißt, zweifeln. Erste Umbuchgedanken kommen auf. Vielleicht doch eher Istanbul statt, Westerwald? Nicht unbedingt. Istanbul rennt nicht weg. Die Stadt gehört zu den Ältesten der Welt. Aber den Gedanken aus dem Kopf zu bekommen, wird verdammt schwer!

Die kurzen Kapitel machen das Buch zu eine echten Lese-Dauerbrenner. Kurz und knapp taucht man immer tiefer in die Seele der Stadt ein. Kurz unterbrochen von farbenprächtigen Absätzen, die einem Istanbul auf Gefühlsebene näher bringen. Mit eines der längsten Kapitel trägt den Titel „Auskosten“. Na klar, was sonst?! Istanbul sollte man in vollen Zügen genießen. Sich dem Rhythmus der Stadt anpassen. Nix für Frühaufsteher! Keyf nennt man das hier. Eine Art Müßiggang mit Zusatzleistungen. Laissez-faire mit Würde.

Kai Strittmatters Texte lesen sich wie ein Roman. Der Ich-Erzähler verzichtet auf das Links-Und-Rechts-Verweisen, was man gesehen haben muss und was nicht so sehr von Bedeutung ist (das gibt’s tatsächlich in Istanbul). Vielmehr ist die Gebrauchsanweisung ein echtes Handbuch, um sich nicht allzu sehr als Fremder im Millionenmoloch Istanbul zu fühlen. Ausflüge gibt es nur in die Geschichte. Alle anderen Trips sind wichtiger Bestandteil des Lebens am Bosporus. Kai Strittmatter geht Vorurteilen nach, belegt oder widerlegt sie, und wenn sie stimmen, forscht er nach woher sie kommen. Wer noch keinen Reisebegleiter für Istanbul gefunden hat: Bitte sehr, hier ist er! Vierundzwanzig Stunden verfügbar, eloquent, ratgebend und unerlässlich.

Himalaya

Himalaya

Wer hoch hinaus will, muss unten anfangen, könnte ein asiatisches Sprichwort lauten. Ist aber eher eine Adaption. Oder auch der Leitspruch eines jeden Alpinisten, der das höchste Gebirge der Welt erklimmen möchte. Hier oben ist das Leben rau, echt, selten einladend. Viele, die die Spitze der Welt erobern wollten, konnten von ihren Taten nicht mehr berichten. Und die, die es konnten, vergaßen nie wieder, was sie erlebt hatten. Auch davon berichtet dieses Buch.

Es ist trotz der enorm fortgeschrittenen touristischen Erschließung immer noch eines der letzten Abenteuer unserer Zeit. Die Berge des Himalaya zu bezwingen (schon anhand der Wortwahl – bezwingen – lässt sich die Schwierigkeit des Unterfangens erkennen), ist ein so genannter Menschheitstraum. Dazu gehört zum Einen die Vision, zum Anderen die Umsetzung dieses Traumes. Philip Parker und sein Autorenteam haben sich auf Spurensuche begeben.

Die Eroberung des Himalaya begann nicht erst mit der Bezwingung des Mount Everest Ende Mai 1953. Sie begann viel früher, nur eben unbemerkt. Obwohl in den Höhenzügen des Himalaya nicht gerade das Leben tobt, so lebt man hier schon seit Ewigkeiten, nur eben unbemerkt. Seit ein paar Jahrzehnten ist es allerdings vorbei mit buddhistisch erhabener Ruhe. Biwaks und der damit verbundene Müllberg (der ist allerdings wirklich neu) bestimmen die Szenerie.

Wer davon liest, hat schon den größten Teil des Buches bezwungen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Leser von den Königreichen auf dem Dach der Welt erfahren, ist mit Pilgern und Missionaren auf Gipfel geklettert und hat mit dem Autor Stewart Weaver den Himalaya vermessen. Und natürlich auch mit Tenzing Norgay und seinem berühmten Schrittgefährten Sir Edmund Hillary auf alle herabgesehen.

„Himalaya – Die höchsten Berge der Welt und ihre Eroberung“ ist aktuell der einzige Abenteuerroman, der auf echten Fakten beruht. Natürlich ist es ein Sachbuch, aber geschrieben ist es wie ein echter Thriller. Und wer meint, dass mit der Erstbesteigung alle Messen gelesen sind, wird im letzten Kapitel von Doug Scott eines Besseren belehrt. Denn im Himalaya ist das Abenteuer noch lange nicht zu Ende. Begonnen hat das Abenteuer mit einem Traum, fortgesetzt wird es in diesem Buch, abgeschlossen wohl niemals.

Deutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen

Deutsche Geschichte

Wieder so ein Buch, das man sofort im Regal entdeckt. Und das auch – trotz seines Umfanges – kompakt über die vergangenen anderthalb Jahrtausende berichtet. Nachweislich berichtet! Ein Museum in Buchformat, denn das Deutsche Historische Museum Berlin steht hinter dieser Ausgabe, welche nun in der dritten Auflage vorliegt. Die Deutsche Geschichte hat keinen guten Ruf. Zu frisch sind immer noch die Wunden der Nazizeit. Doch Geschichte begann nicht 1933! Sie begann viel früher. Klingt simpel, ist aber wichtig zu begreifen. Die Macher beginnen sogleich auch mit dem Wort Deutsch. Woher kommt es, was bedeutet es? Es stammt vom germanischen Wort für Volk „thioda“. Und im Laufe der Zeit wurden die zum Volk zugehörigen Deutsche.

Da hat man gerade mal fünf Prozent des Buches geschafft und schon was Essentielles gelernt. Und das geht Seit für Seite so weiter…

Adlerpult, Schwerter, Portrait von Karl des Großen, Designobjekte, auf denen sich große Denker niederließen, modische Entwicklungen, Propagandaschriften etc. Geschichte in Bildern und Objekten im Museum und nun in Buchform. Leid und Freud zwischen zwei Buchrücken. Als Einordnung einprägsame Texte, die keine zweite Meinung zulassen.

Ein Volk ohne Geschichte hat keine Wurzeln. Wer seine Ursprünge nicht kennt, wird sich und sein Land, seine Menschen nicht verstehen und sich nicht einfügen können. Oder vieles falsch verstehen!

„Deutsche Geschichte in Bilder und Zeugnissen“ ist mehr als nur ein Versuch eintausendfünfhundert Jahre irgendwie abzubilden. Es ist das generationsübergreifende Nachschlagewerk für Jedermann. Ernste Schriften stehen im Wechselspiel mit prunkvollen Schmuckstücken, technische Errungenschaften neben ihren Erfindern. Wie, wann und warum die Geschichte verlief wie sie es tat, ist oftmals noch ein riesiges Rätsel. Dieses Buch knabbert ein wenig an den Mythen und Legenden und legt die wahren Gegebenheiten frei. Während in der Schule Jahreszahlen auswendig lernen das Bild von Geschichte prägten, sind es in diesem Band einzigartig erhaltene Fundstücke, die die Geschichte lebendig werden lassen. Es ist außerdem ein Appetitanreger auf einen Museumsbesuch, der lange nachwirken wird.

Insofern ist es nicht einfach nur „wieder so ein Buch“. Es ist DAS Buch deutschen Geschichte!

Pflanzen einfach bestimmen

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Die Abgeschiedenheit von Wiesen, Wäldern und anderen erholsamen Flecken sind die wahren Kraftspeicher und Tankstellen des Lebens. Einmal tief einatmen und die Sorgen des Alltags sind wie weggeblasen. Die Natur unter den eigenen Füßen spüren, krachend, sanft nachgebend, betörend, alle Sinne ansprechend. Wer in die Natur eintaucht, weckt nach und nach auch sein Interesse dafür. Und jetzt kommt der Punkt, an dem sich wissbegierige Forscher von den Rasentretern trennen. Denn jetzt ist der Punkt erreicht, an dem der Natur kleine Rätsel entrissen werden (können). Pflanzen bestimmen.

Puh, das war noch nie leicht! Oma und Opa, die konnten das noch! Die wussten worin sich ein Schnee- von einem Maiglöckchen unterscheidet. Klar, kann man nun sein Smartphone zücken, googeln und dann laut in die Welt hinaus schreien, was man da entdeckt hat. Der Zahn der Zeit! Gleich noch ein Selfie á la „Me and my Buschwindröschen“, Lippen geschürzt und ab ins Netz. Und aus den Augen, und somit auch aus dem Sinn.

Nee, nee, nee. Dieses Buch lädt zum klassischen Erkunden der heimischen Flora ein. Blättern nicht Wischen. Forschen nicht Suchmaschinen durchforsten. Genau beobachten statt flüchtige Blicke. „Schritt für Schritt einheimische Arten kennenlernen“, heißt es im Untertitel. Kennenlernen ist das Zauberwort. Nicht einfach nur entdecken und dafür Punkte kassieren. Angenehm, Grauweide. Sehr erfreut, ich bin Berula errecta, Viele kennen mich auch als kleiner Merk oder Berle. Ich werde bis zu 80 Zentimeter hoch und blühe von Juni bis August. Als Kuppler zwischen den beiden Unbekannten (Betrachter und Pflanze) ist dieses Buch jederzeit bereit. Alles in Allem fast siebenhundert Mal, sechshundertvierundsiebzig Mal, um genau zu sein.

Und jetzt kommt die Nachhaltigkeit um die Ecke. Ein social-media-post steht online, wird maximal noch „geliked“, und hat nun seine Schuldigkeit getan. Ein Buch wie „Pflanzen einfach bestimmen“ währt wahrhaft ewig. Man stellt an exponierter Stelle ins Regal, und holt es dann und wann wieder hervor. Ein Leben lang! Ein echter Freundschaftsdienstleister, der stets mit Rat zu Seite steht, wenn selbiger erforderlich ist. Und ein ganz normaler Spaziergang wird von nun an zu einer echten Forschungsreise. Für manche Grastreter ist es ein Wissensauffrischer, für Einige Neuland, für Alle eine Offenbarung. Wenn in den Medien wieder von Naturzerstörung die Rede ist, denken viele an umgeknickte Bäume. Doch welche Bäume? Wenn von Rodungen gesprochen wird, kann man anhand der Erläuterungen mögliche Opfer benennen. Oder von Vornherein sagen, welche Arten vor Ort schützenswert sind.

Eine weitere Handhabungsmöglichkeit ist die, sich einfach mal wieder mit dem zu beschäftigen, was seit Jahr und Tag vor der eigenen Haustür vor sich geht, was schon immer da war und hoffentlich auch immer da sein wird. Wer auf Wanderschaft durch die heimische Flora geht, wird in diesem Buch einen eloquenten und sachkundigen Begleiter finden. Auch wenn er ihn bis jetzt nicht gesucht hat.