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Wiener Melange

Während man in anderen Salons Wiens nicht um Pardon bitten muss – wie im Musical „Elisabeth“ – so ist man bei Alma Mahler-Werfel der Etikette verpflichtet. Der Etikette eine Diskussion so zu führen, dass am Ende der Diskussion niemand mit Groll nach Hause gehen muss. Aber es sind halt auch Künstler darunter, und somit ist der Salon auch eine Arena der Eitelkeiten.

Das Wien der 20er und 30er Jahre ist immer noch ein Dreh- undAngelpunkt der Progression. Das einstige Reich hat sich geteilt, mehrfach. Ein Zehntel der Bevölkerung ist nun Österreicher, der Rest Slowene, Ungar, Bosnier etc. Die Kunst ist immer noch agil und weltoffen wie eh und je. Und davon berichtet dieses Buch. Was heißt berichtet? Es führt den Leser in eine Zeit, die vielleicht noch die Oma, als sie in Kinderschuhen steckte entfernt wahrnehmen konnte. Die Orte des Geschehens sind heute noch zum größten Teil besuchbar. Wie das Café Landmann, das Café Herrenhof hat zwar so machen Zwist, zwei verheerende Kriege überstanden, doch 2006 war dann doch endgültig Schluss. Jetzt steht dort das Steigenberger Hotel Herrenhof. Der Geist von Egon Erwin Kisch, Franz Werfel, Elias Canetti oder Milena Jesenská wird nur durch dieses Büchlein wieder lebendig.

Heike Herrberg und Heidi Wagner begeben sich auf Spurensuche in einem Wien, das Weltruhm genießt. Fotos lässt man bei Madame d’Ora machen, Dora Kallmus, es sei denn man ist Tänzerin. Dann geht man natürlich zur Fleischmann, Trude Fleischmann. Ihre Tanzaufnahmen sind bis heute der Grundstein der Tanzfotographie. Dora Kallmus war die Erste, die Wein verließ. Das war 1925. Ihr Ziel war Paris. Das war noch weltläufiger als Wien. Ihr sollten viele folgen, doch nicht wegen mangelnder Weltläufigkeit, sondern des widerwärtigen Naziterrors wegen. Die Kundschaft war nicht mehr da oder hatte Angst oder war schon auf dem Sprung oder hatte Wichtigeres im Sinn als sich fotografieren zu lassen. Ein Aderlass unermesslichen Ausmaßes.

Tänzer, Literaten, Maler, Sänger – sie prägten das Stadtbild Wiens. In den Cafés waren sie Stammgäste, in den Salons das Salz in der Suppe. Und dieses Buch ist das Rezeptbuch für die Seele. Starke Frauen, die sich Freiräume schafften und diese zu nutzen wussten. Viele von ihnen sind heute dem breiten Publikum unbekannt. Die beiden Autorinnen holen sie anekdotenreich aus dem Reich des Vergessens zurück auf die Bühne, die ihnen zusteht. Applaus garantiert.

Manchmal gewinnt der Bessere

Physik und Fußball? Oh je. Schon in der Schule schlug man mit der Geschwindigkeit v auf einer Strecke s in einer Zeit t auf die harte Schulbankoberfläche auf, wenn der Lehrer genau dieses Phänomen langweilig wie ein 0:0 beim Kick am Wochenende erklärte. Boah eh, Fußball und Physik … geht gar nich!

Doch! Und wie! Wenn der Lehrer Metin Tolan heißt. Und Fußballfan ist. Und sein Fachgebiet auch außerhalb des Hörsaals liebt und lebt. Fußball ist berechenbar. Aber nicht seine Ergebnisse. Zu viele Variable. Doch man kann die Wahrscheinlichkeit berechnen. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Wettanbieter nutzen dieses Wissen aus. Professionelle Wetteneinsetzer helfen dann gern mal ein bisschen nach.

Die drängende Frage, wer denn 2018 in Russland am Abend des Finalspiels den Pokal in die Höhe halten kann, ist eindeutig zu beantworten. Aber: Die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht Saudi-Arabien oder Panama sein wird, ist doch schon sehr hoch. Wenn es anders kommt, passt es allerdings auch wieder ins aktuelle Bild der Politik. Nichts ist mehr vorhersehbar.

Das spannendste Kapitel kommt zum Schluss des Buches. Wer wird Weltmeister 2018? Das kann man doch gar nicht berechnen! Stimmt. Aber – da ist sie wieder – die Wahrscheinlichkeit. Legt man die Ergebnisse der Qualifikationsrunden zu Grunde ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von nicht einmaleinem Prozent, dass … Brasilien Weltmeister wird. Ganz dicht gefolgt von Kroatien. Mexiko, der erste Gegner der deutschen Elf kann gar nur mit einer Hoffnung von einem Viertelprozent die Reise nach Russland eigentlich gleich als Erfahrungswert absetzen. Es sind, wenn man es so wie Metin Tolan errechnet, nur drei Mannschaften, die eine reelle rechnerische Chance haben den Pokal in die Höhe zu stemmen: Spanien mit knapp 21 Prozent, Belgien (!) mit fast 30 Prozent und mit der Strahlkraft der vier Sterne Deutschland mit einem statistischen Wahrscheinlichkeitswert von 32,34 Prozent.

Fazit. Die WM wird sterbenslangweilig, weil ja eh am Ende Deutschland gewinnt. Diese Erkenntnis stammt von Gary Lineker, einem Spieler, in dessen Heimat das Fußballspiel erfunden wurde. Er muss es also wissen. Doch warum hat dann England nur einen Chance von 0,62 Prozent auf den Titel? „Manchmal gewinnt der Bessere“, diese titelgebende Weisheit von Lukas Podolski, ist das Besser-Wisser-Buch zum Ereignis des Jahres 2018. Eine gewisse Affinität zu Zahlen, Mathematik und Physik sollte man allerdings mitbringen. Poissonverteilung und Magnuseffekt kann man nachlesen, deren Anwendung muss man sich en détail erklären lassen. Metin Tolan nimmt sich die Zeit, um wortgewandt und detailverliebt die Physik des Fußballs zu erläutern. Man muss sich darauf einlassen. Wer dies tut, wird mit Erkenntnissen erst Klasse belohnt und wird auf den Rängen, auf der Couch, beim „public viewing“ – wo auch immer – für seine Eloquenz und sein Fachwissen beachtet werden. Jetzt müssen sich nur noch die Zweiundzwanzig auf dem Platz an die Physik halten…

Die Weltgeschichte des Fußballs in Spitznamen – Von den Anfängen bis zum fliegenden Holländer

Das brauchte die Fußballwelt noch! Echt jetzt. Das brauchte sie wirklich. Ein Buch mit den Spitznamen aus dem Sport, mit dem weltweit am meisten Aufmerksamkeit erregt wird, das meiste Geld verdient wird und die meisten Menschen begeistert werden können.

Dieses Buch, dieses Kompendium des Fachwissens, beginnt am Ende des 19. Jahrhunderts. Preston North End schoss sich gerade zum ersten Fußballmeister Englands, ja sogar der Welt. Und schon damals firmierten sie unter zwei weiteren Namen: The Lilywhites, wegen der blauen Hosen und weißen Shirts und The Invincibles, wegen ihrer sagenhaften Serie von 42 Siegen hintereinander. Das war 1887/88. Seit 1961 waren sie nicht mehr erstklassig, spielen heute in der zweiten englischen Liga.

Die Reise zu den Spitznamen von Mannschaften, Derbies und Spielern zieht jeden Fußballfan, egal von welcher Mannschaft in ihren Bann. Ein Lexikon zu lesen ist in etwa so spannend wie bei Volksmusiksendung mitzufiebern. Doch dieses Buch ist nun mal kein Lexikon. Ein Nachschlagewerk sehr wohl.

Und so reist man vom Black Country Derby in England zur spanischen Máquina Blanca, schaut bei der DIMAYOR, einer parallelen Fußballliga im Kolumbien der 50er Jahre den Ballkünstlern auf den Spann, feuert den Windhund an, oder die Knappen, um schlussendlich dem Bomber der DDR, Joachim Streich (den Spitznamen gab es so allerdings nicht in der DDR, viel zu martialisch und militärisch) die gesamtdeutsche Ehre zu erweisen.

Mariano Beraldi und Verleger Wolf-Rüdiger Osburg geben ihrer Leidenschaft nach und schrieben das Fußballbuch, das wirklich in jeden Bücherschrank gehört. In einer Zeit, in der überzuckerte Jungbullen überalteten Fohlen die Sporen geben, Dinos trotz Jugendtrainer nun zu Auswärtsspielen in Orte fährt, die weniger Einwohner haben als so mancher Stadtteil daheim – in einer Zeit also, in der Fans sich über mangelnde Loyalität und überhandnehmenden Kommerz (wieder) einmal beschweren, sind es solche Bücher, die dazu beitragen, Traditionen und Traditionsvereine wieder in den Fokus zu rücken, zumindest aber in den allgemeinen Sprachgebrauch zurückzuholen. Und das Beste kommt ja noch: Teil Zwei ist schon in Vorbereitung. Denn dieser Band beschäftigt sich von den Anfängen, den eingangs erwähnten Invincibles bis zur WM 1974. Der Rest – vielleicht wird ja bei der Fußball-Weltmeisterschaft ein Russland eine weitere Legende geboren – soll bald folgen.

Noch ein paar Spitznamen zum Rätseln gefällig? The Mighty, The Turfites, El Filtrador, Die Döblinger, Veleno, The Clarets, Der schwarze Peter, Stan, Linke Klebe. Ein köstliches Buch, das im Bücherschrank immer ganz vorn stehen wird, so dass man es immer zur Hand hat, wenn man das Gefühl hat ein bisschen darin herumzublättern.

Die Pracht römischer Mosaiken – Die Villa Romana del Casale auf Sizilien

So in etwa auf halbem Weg zwischen Catania und dem Tal der Tempel bei Agrigent, in der Nähe von Enna, wird der neugierige Sizilienbesucher von einem Kunstwerk in Beschlag genommen, der ihm die Sprache verschlägt: Die Villa Romana del Casale. Sie ist berühmt für ihre Mosaiken. Nun ist man als Italienreisender schon ein wenig verwöhnt, wenn man die prächtigen Bauten aus dem Mittelalter, der Renaissance und der Antike bestaunt, doch hier gibt’s die Kirsche auf die Sahne noch obendrauf.

Die beiden Archäologen Rosaria Ciardiello und Umberto Pappalardo nehmen den Leser – der von nun an nicht mehr um einen Besuch dieser Villa kommt – mit auf eine Reise in die Vergangenheit.

Man muss sich ein wenig einlesen in den Stoff. Nicht jeder hat sofort Jahreszahlen, Namen und Orte parat. Doch die einleitenden Worte schaffen Komfort und bereiten den Zugang zu diesem ungewöhnlichen Ort. An der Stelle, wo heute ein Ausgrabungszentrum auf den Besucher wartet. Ein riesiges Areal mit einem Füllhorn an Augenschmeicheleien wird zum Spielplatz der Genüsse. Denn die Mosaiken sind nicht irgendwelche kleinen Fingerübungen, die dem Meister als Präsentationsobjekte dienten. Hier wurde einmal wirklich im Luxus gelebt. Die Übersichtskarte am Beginn des Buches zeigt eindrücklich wo welches Mosaik verortet ist und in welchen Dimensionen sie bis heute wirken.

Eintausendsechshundert bis eintausendsiebenhundert Jahre ist es her, dass hier der erste Spatenstich gesetzt wurde. Mit allem, was der Luxus der damaligen Zeit zu ließ. Pool, Säulengang (Peristyl), einem Raum für Musiker und Schauspieler und Saunalandschaft, wie man es heute nennen würde. Und jeder Raum mit einem prachtvollen Mosaik verziert. Bis heute sind noch nicht alle Mosaiken freigelegt bzw. entdeckt worden. Doch das, was man sehen kann, kann sich echt sehen lassen!

Die Villa kann jeden Tag in der Woche von 9 bis 18 Uhr besichtigt werden. Und diese Zeit sollte man mit diesem Buch unterm Arm und / oder auf dem Schoß ausnutzen. Denn im Vorbeigehen – denn so richtig nah dran darf man natürlich nicht – übersieht man das eine oder andere Detail. Die Freude ist somit umso größer, wenn man das Buch sozusagen als Vergrößerungsglas im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne zur Hand hat. Die beiden Autoren erläutern anschaulich und einfach verständlich die Darstellungen auf den Mosaiken. Sie stehen immer im Zusammenhang mit der Nutzung des Raumes. Wo heutzutage Wandtattoos auf das Lieblingsgetränk (und somit meist auf die Küche) hinweisen, war es damals schon üblich das so genannte Aleipterion, den Massageraum mit entsprechender Kunst zu verzieren. Im Falle der Villa Romana del Casale jedoch mit Mosaiken, die heute noch so strahlen wie vor Jahrhunderten.

Dieses Buch ist ein Prachtbursche für die Pracht der Mosaiken. Jeder Raum, den man nach all den Jahren nicht immer sofort zuordnen kann, fasziniert durch die Kunstfertigkeit der Handwerker. Von Weitem ergibt sich ein Gesamtbild, doch wer sich die Mühe macht und näher tritt – sofern es erlaubt ist – findet einzigartige Details, die man durch dieses Buch erst richtig einordnen kann.

500 hidden secrets Lissabon

Wo Licht und Schatten aufeinanderprallen, bleibt so manches im Verborgenen. Die Hauptstadt Portugals ist in der vorteilhaften Lage dem Besucher das volle Programm bieten zu können: Meer und Berge, Sonne und Schatten, heiße Temperaturen, ein Kulturangebot, das auf Jahrhunderten fußt. Und trotzdem wird man es als Tourist niemals schaffen, alles – wirklich alles – bei einem Besuch sich anschauen zu können.

Ein Reiseband tut Not. Und wenn er so kompakt in der Hand liegt wie dieser, ist er ein willkommener Stichwortgeber in der Stadt am Tejo. Moderne Architektur wie der Pavilhão de Portugal trifft auf Baukunst des 16. Jahrhunderts wie den Torre de Belém. Lissabon lässt sich gern zu Fuß erkunden – das Tarifsystem des öffentlichen Nahverkehrs ist sowieso eher was für Nerds.

Und während man so vor sich hinschlendert, ist man in einer Zwickmühle. Zum Einen muss man die Augen offenhalten. Es gibt so viel zu sehen. Der Titel des Buches verrät es schon: Hier sind fünfhundert Geheimnisse versteckt. Das heißt, dass man sie suchen muss. Zumindest aber die Augen nicht schließen darf. Zum Anderen will man aber auch nichts verpassen. Innehalten, ein wenig im Buch blättern und weiter geht’s.

Pastéis de Nata, diese leckeren Teilchen, die einen jedwedes Heimweh runterschlucken lassen, gibt es hier und da im Stadtgebiet. Die leckersten fünf Anlaufstellen findet man in diesem Buch. Wem immer dann immer noch der Sinn nach lukullischen Einkaufserlebnissen steht, muss ein paar Seiten weiterblättern. Mercados soweit das Auge reicht. Auch hier wieder: Die Top Five der Märkte.

Einhundert Kapitel á fünf Tipps zum Einkaufen, sich typisch portugiesisch verköstigen lassen, Tipps zum Sporttreiben, Dingen, die man mit Kindern unternehmen kann und vieles andere mehr, geben einen Überblick über eine Stadt, die eben mehr ist als „nur die Hauptstadt Portugals“. Ob man sie nun als Hotspot oder Place to be bezeichnen will, die Tipps sind kleine Appetithappen, die man ohne Reue genießen kann. Kurz und knackig, ohne viel Schnickschnack wird man verführt Lissabon auf eigene Faust zu erkunden. Das richtige Faustpfand hält man bereits in den Händen.

Clos Gethseman

Wie bringt man das älteste Weinbaugebiet der Welt, Jacques Cousteau, Pablo Picasso und Sisi zwischen zwei Buchrücken? Indem man vier Bücher schreibt, eines über jeden. Bliebe da noch das Problem mit den ZWEI Buchrücken. Es ist eine wilde Hatz, der man gerne folgt, wenn Walter Hönigsberger diesen vier berühmten Namen ein paar weitere zur Seite stellt und einen Krimi von biblischem Ausmaß schreibt.

Karl Breitenstein hat von seiner reichen Tante geerbt. Und zwar für Körper und Geist. Ein Dach überm Kopf muss er nicht mehr suchen – gut für den Körper. Und für den Geist hat die liebe Erbtante reichlich Rebensaft hinterlassen. Nicht irgendwelche Weine, besondere Weine. Und Karl konnte seinen Job an den Nagel hängen. Jetzt besteht sein Lebensinhalt darin dem Geist des Weines auf den Grund zu gehen. Bodensatzleserei? Bei Weitem nicht. Mittlerweile ist er ein ausgewiesener Experte, wenn es darum geht alte – noch trinkbare – Weine aufzustöbern.

So trifft er auch Jakob Jünger, dessen Alter so gar nichts mit seinem Namen zu tun zu haben scheint. Schon seine Vorfahren gaben sich dem Weinbau hin. Und so baut er nicht nur Wein an, sondern ist sogar dem Nachwuchsexperten Breitenstein um Längen voraus. Er und seine Vorfahren tranken schon Weine mit Picasso und anderen Größen ihrer Zeit.

Marion Drygalski ist Journalistin, und mit Karl Breitenstein bildet sie ein Paar. So trifft sie eines Tages einen Weinhändler, der sie umschmeichelt, dass es ihr fast den Magen umzudrehen droht. Er war schon mit Jacques Cousteau auf den Meeren der Welt unterwegs. Doch nicht, um Fischen die Flosse zu reichen, sondern nach versunkenen Schätzen zu suchen. Denn so manches gesunkene Schiff hatte reichliche Wein an Bord. Auf diesen Händler stößt sie als sie zu einem dreisten Weinrebenraub recherchiert. Unbekannte haben dem Emporkömmling der Weinszene die Reben auf dem Boden geholt. Ein immenser Schaden.

Und was ist mit Sisi? Die liegt bekanntermaßen in der Kapuzinergruft in Wien. Jetzt wird’s fiktional – die Gruft stürzt in sich zusammen. Ein großer Schock für die Kulturwelt. Doch auch für den wissbegierigen Weinhändler. Dessen Kellergewölbe, das voller Schätze ist, grenzt nämlich unmittelbar an die Gruft. Währenddessen ist Karl Breitenstein in Georgien unterwegs. Und stößt auf ein welterschütterndes Geheimnis…

Walter Hönigsbergers wilder Ritt durch die Geschichte fesselt ab der ersten Seite. Er holt weit aus, um die Charaktere zu bestimmen. Und gleichzeitig zieht er den Leser immer tiefer in seinen Bann. Reichlich vierhundert Seiten lang zerrt er den Leser von einem Ort zum nächsten, spannt Brücken vom Damals ins Heute und zeichnet ein Bild der Zukunft, dass einem der Atem stockt.

500 hidden secrets Kopenhagen

Das Tückische an Geheimnissen ist, dass man sie nicht kennt, nicht sofort sieht. Blöd, wenn man erst nach einem Urlaub erfahren muss, was man alles noch erleben konnte, wenn man auch nur eines davon gekannt hätte. Und wie groß ist erst die Überraschung, wenn man fünfhundert Stück auf einmal erleben kann?!

Es klingt wie eine Mammutaufgabe das Buch komplett „abarbeiten zu wollen“. Aber Kopenhagen ist es wert sich so viel wie möglich anzuschauen. Und einige der kleinen Geheimnisse, der versteckten „Ohos“ und „Ahas“ kann man ganz beiläufig entdecken. Man muss nur die Augen offen halten. Und genau kommt dieses Buch ins Spiel. Es ist der Begleiter, der einem permanent mit dem Ellenbogen in die Rippen stößt und flüstert: „Kuck mal da!“

Zu Beginn führt Autor Austin Sailsbury zu den fünf besten nordischen Küchen und stellt anschließend fünf dänische Gerichte vor, die man unbedingt probieren sollte. Zu denen auch das Smørrebrød gehört. Auch hier wieder fünf Orte, an denen dieser Snack Feinschmecker wie Heißhungrige gleichsam versorgt.

Derart frisch gestärkt ist es nun ein Leichtes sich durch die weiteren fast einhundert Kapitel zu staunen. Jeweils fünf Tipps lassen die Stunden, die Tage wie im Flug vergehen. Jazz- und Bluesbars, Kirchen, dänisches Design, Museen, Kurioses. Die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten den Tag zu verbringen macht Kopenhagen so reisewert.

Wer bei Dänemark auch an Tuborg (die riesige Tuborg-Flasche, die man sicher schon mal in Filmen gesehen hat) oder Carlsberg denkt, hat sicher einen verdienten Tagesabschluss im Sinn. Doch dieses Buch bietet – raten Sie mal! – fünf Gründe die Ny Carlsberg Glyptothek zu besuchen. Ein Museum, das über zehntausend Objekte zur Schau stellt. Im Wintergarten lässt es sich entspannt beim Café plaudern oder man blättert noch ein wenig in diesem Buch, um sich die nächsten Abenteuer schon mal anzuschauen.

Keine blauen Flecke in den Rippen sind das Resultat dieses Buches, sondern langanhaltende Eindrücke. Immer wieder stößt man auf Neues, Besonderes, dass man ohne die Tipps des Autors vielleicht gesehen, aber niemals als Besonderheit wahrgenommen hätte. Eine ideale Ergänzung zu einem Reiseband, der aufzeigt, dass Kopenhagen eine aufstrebende, erstaunliche Stadt ist.

Das verlorene Kopftuch

Bei vielen Reiseberichten über und aus dem Iran bekommt man immer wieder das Gefühl als ob ein Redaktionspraktikant oder Volontär sich auf die Suche nach dem Außergewöhnlichen machen musste. Der Iran ist zweigeteilt. Zum Einen der Iran aus den Nachrichten mit brennenden Stars and Stripes und lautstarkem Wehklagen. Zum Anderen der Iran, in dem Menschen ihre Kultur offen ausleben. Zwiespältig. Verschleiernd. Widersprüchlich.

Nadine Pungs weiß auch nicht genau, was sie erwarten wird, was sie erwarten soll, als sie auf dem Flughafen von Teheran landet. Das Schlimmste bringt sie allerdings gleich hinter sich. Auf der Taxifahrt versucht der Fahrer sie mit deutschem Pop von Modern Talking herzlich zu begrüßen. Folter auf höchstem Niveau. Doch nichts anderes als eine Geste der Gastfreundschaft, die mit nichts auf der Welt zu vergleichen ist. Auch, dass sie – durch Beziehungen – absolut kostenfrei und so lange sie möchte eine Privatunterkunft in der Millionenmetropole gefunden hat, lässt sie am Nachrichtenbild des Irans zweifeln.

Nadine Pungs hat sich akribisch vorbereitet. Sie hat Unmengen an Büchern gelesen. Stundenlang Fernsehbeiträge geschaut. Sie weiß viel über den Iran. Doch als es an der Tür klingelt, ihre „Vermieter“ haben sich angekündigt, weiß sie nicht, ob sie nun ein Kopftuch tragen soll oder nicht. Schließlich sind sie sich alle fremd. Muss sie nicht, wird sie beruhigt. Und schon das nächste Fettnäpfchen. Es wird sich bei der Begrüßung dreimal auf die Wange geküsst.

Kaum zehn Prozent des Buches gelesen und schon weiß man mehr über den Iran als man vorher auch nur zu wissen glaubte. Punktlandung.

Vier Wochen wird sie dieses Land bereisen. Ein Land, in dem strenge Sittenwächter bestimmt darauf hinweisen, dass das Kopftuch eine Locke hervorblitzen lässt, aber Haschisch so alltäglich ist wie andernorts auf der Welt das Feierabendbier. Ein Land, das vor ehrlicher Gastfreundlichkeit strotzt, die Ehe auf Zeit genauso erlaubt wie chirurgische Nasenkorrekturen.

Nadine Pungs ist nicht die Volontärin, die dem Chefredakteur die ungewöhnlichsten Geschichten auf den Tisch wirft. Der Iran hat ihr Herz wahrlich berührt, und das nicht nur, um einen schmissige Unterzeile für ihren Titel zu erhalten. Alltag und Wahnsinn gehen im Iran genauso Hand in Hand wie anderswo. Doch hier – fernab von permanenter Leuchtreklame der so genannten Global Player, westlicher Sittendekadenz – fällt es eher auf. Auch im Iran ist das Leben normal. Nur eben anders. Doch die Ausschläge nach oben in der Fremdlichkeitsskala sind extremer. Die Freundlichkeit in Gastfreundlichkeit wiegt hier mehr als der Gast.

Vorsicht muss hier immer walten lassen. Doch man gewöhnt sich daran zu allem und jedem seine Meinung laut kundzutun. So wie man es generell im Ausland halten sollte. So was nennt man kulturelle Unterschiede. Nadine Pungs gelingt es mit federleichter Vehemenz ihr Erstaunen in nuancierte Worte zu fassen. Die umwerfenden Paläste sind sichtbare Zeichen einer bemerkenswerten Kultur. Nadine Pungs bringt diese Hinterlassenschaften in Einklang mit den Menschen, deren Vorfahren diese errichtet haben. Darin liegt die Besonderheit dieses Buches.

Lissabon und Costa de Lisboa

Lissabon ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Aussteigermetropole am südwestlichen Rand Europas. Auch diese Zeiten sind vorbei. Doch Lissabon hat sich den Charme des Andersseins bewahrt. Ein kleiner Likör um die Ecke ist immer noch drin. Eine Fahrstuhlfahrt von Unterstadt zur Oberstadt ebenso. Macht man automatisch, wenn man in Lissabon ein, zwei Tage oder länger verbringt.

Apropos ein bisschen länger in Lissabon verweilen. Im Gegensatz zu den wuchtigen Hauptstädten Europas wie Paris, London oder Rom ist Portugal Capitole doch recht übersichtlich. Oberflächlich betrachtet tut man sich schwer mehr als eine Woche in der Stadt am Tejo zu verplanen. Wie gesagt, oberflächlich betrachtet. Doch Johannes Beck nimmt sich über fünfhundert Seiten Zeit diese These informativ und detailgenau zu widerlegen. Denn Lissabon ist nicht nur Lissabon, sondern auch der genüssliche Speckgürtel bestehend aus Cascais, Estoril, Sintra, Ericeira, Sesimbra und Setúbal. Noch nie gehört? Dann wird es Zeit diese Orte zu bereisen, zumindest aber in diesem Buch zu blättern, zu planen und vorab schon mal ein wenig zu träumen.

Schnell die Fakten: Zwölf Touren, vierzehn Wanderungen, sechzig Karten und Pläne. Und schon kann man eintauchen in die Welt von Lissabon und der sie umgebenden Costa de Lisboa. Am besten beginnt man am Ende des Buches. Ein kleiner Einführungskurs ins Portugiesische. Denn die Sprache erstmal gewöhnungsbedürftig. Wer ein paar kleine Grundlagen beherrscht, liest das Buch mit ganz anderen Augen. Der Klang der Vokale und Konsonanten wirkt Wunder bei Unentschlossenen.

Ein Vierteljahrhundert Erfahrung und Zuneigung fasst Johannes Beck in diesem Reiseband zusammen. Die achte Auflage wirkt wie eine Frischzellenkur. Jedes Kapitel wurde noch einmal überarbeitet und um nützliche Tipps ergänzt, bzw. wurden diese aktualisiert. Jede Tour wird mit einem Appetizer angekündigt, der das Verlangen nach den folgenden Seiten steigert. So weiß man gleich, was einen erwartet. Die kurzen Abschnitte erlauben dem Leser sich einen Überblick zu verschaffen und mindern nicht im Geringsten die Lust das Gelesene selbst zu erforschen. Auch wenn es mal komplizierter werden sollte. Wer die Halbinsel Setúbal im Süden besuchen will, muss sich erstmal durch den Tarifdschungel der öffentlichen Verkehrsmittel kämpfen. Johannes Beck schlägt schon mal die ersten Schneisen ins Dickicht der weißen und grünen Karten, mal wiederaufladbar, mehrmals aktivierbar oder nicht. Solche Tipps sind die wahren Fundgruben eines Reisebandes wie diesem. Denn dann kann man sich auf das konzentrieren, was wirklich sehenswert ist. Alcochete, ein Paradies, um Vögel zu beobachten. Oder Almada mit der weithin sichtbaren Christusstaute. Oder einem erholsamen Strandtag an der Costa da Caparica, wo ca. dreißig saubere Sandstrände auf Erholungssuchende warten. Oder im Westen Lissabons das kleine Örtchen Caxais (wie das ausgesprochen wird, weiß man ja schon, wenn man das Buch am Ende begonnen hat), das mit zahlreichen hübschen Gärten verzaubern wird.

Man kann das Buch drehen und wenden wie man will, es wird immer ein brauchbarer Tipp herauspurzeln. Kleine Anekdoten oder fundiertes Hintergrundwissen auf gelbem Grund weist den Besucher der Region um Lissabon bald schon als Kenner aus. Die beiliegende Karte der Region inkl. Stadtplan Lissabons sind dann noch die einzigen Erkennungsmerkmale, die den Leser als Besucher kenntlich machen.

101 Kopenhagen

Es ist nicht von der Hand zu weisen: Kopenhagen schickt sich an ein Reise-Hot-Spot erster Klasse zu werden. Immer mehr Artikel in Magazinen, Fernsehbeiträge und Reisebücher beschäftigen sich mit der dänischen Hauptstadt. Und dass immer noch, immer wieder die Filme der Olsenbande gezeigt werden, trägt sicherlich auch dazu bei die Stadt am Øresund begehrenswerter zu machen. Schon seit Jahren gelten die Dänen als eines der glücklichsten Völker der Welt. Wie man das exakt messen will, bleibt schleierhaft. Doch zufrieden sind die Dänen. Und diese entspannte Atmosphäre, die nur jemand ausstrahlen kann, der wirklich zufrieden ist, spürt man in der ganzen Stadt.

Zufrieden wird auch der Leser dieses Buches sein. Einhundertundeins Sehenswürdigkeiten, Plätze zum Entspannen und Staunen … es sind weitaus mehr als die angeführten einhundertundeins. Es sind einhundertundeins Ausgangspunkte, um Kopenhagen tiefgreifend zu erkunden. Beginnt man das Buch von hinten, schwelgt man schon beim Stichwortverzeichnis in Erinnerungen, die man nach der Reise pflegen wird. Cafés und die Carlsberg-Brauerei, Roskilde, das bei Festivalfans besondere Erinnerungen hervorrufen wird, und Rundetårn, Smørrebrød und Den Blå Planet lassen einen ganz „hyggelig“ werden. Hyggelig bezeichnet dieses spezielle Zufriedenheitsgefühl der Dänen, das sich so schwer übersetzen lässt. Einfach hinfahren, es sich anschauen und einen großen Teil mit nach Hause nehmen.

Kopenhagen ist von Deutschland aus nun wirklich sehr leicht und vor allem schnell zu erreichen. Für einen Kurztrip wie gemacht. Hat man sich das Buch schon vorher einmal durchgelesen, wird man aber rasch zu der Erkenntnis kommen, dass ein Kurztrip genau das Falsche ist, um Kopenhagen zu entdecken. Die Zeit ist einfach zu kurz! Also mehrmals hierher kommen!

Ulrich Quack und Dirk Kruse-Etzbach haben keinen Stein auf dem anderen gelassen, sinnbildlich, um dem Leser eine Stadt näherzubringen, die bisher in einem Dornröschenschlaf verfallen schien. Ja, die Meerjungfrau kennt jeder – sollte man auch mindestens einmal im Leben gesehen haben. Aber dann geht es auch schon los, das andere, vielleicht noch unbekannte Kopenhagen unter die Lupe zu nehmen. Auf dem Rad ein besonderes Erlebnis. Besonders fahrradfreundlich, besonders aber fahrradfahrerfreundlich ist die Stadt. Seit über einem halben Jahrhundert gehören Radwege zum Verkehrskonzept der Stadtplaner. Die Massen an Pedalrittern fallen schon gar nicht mehr auf. Kødbyen ist ein Stadtteil, der erst in der jüngeren Vergangenheit sich zu einem lebenswerten Flecken aufgeschwungen hat. Restaurants locken heute mit moderner Küche wo einst das Vieh seinem jähen Ende entgegensehen musste. Und wer im Sommer in der Stadt weilt, wird auf dem Streetfoodmarket auf dem Flæsketorvet erleben können, was Fingerfood im wahrsten Sinne des Wortes bedeutet. Auch einen kleinen Stadtrundgang auf den Spuren skandinavischen Designs halten die beiden Autoren parat. Nach so vielen Eindrücken und leckerem Essen, empfiehlt sich eine ruhigere Alternative. Vielleicht mit einem Besuch bei Hans Christian Andersen oder Asta Nielsen? Die Friedhöfe der Stadt sind eine willkommene Abwechslung.

Quirlig und zurückgenommen zeigt sich die dänische Hauptstadt. Großstädtisch, ohne großspurig zu sein ist sie das ideale Reiseziel für ein paar Tage oder einen kompletten Urlaub mit Familie oder allein. Auf alle Fälle bietet dieses Buch den kompletten Service, den man braucht, um Kopenhagen erkunden zu können.