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oh! Verona

Verona war noch nie einfach nur ein Geheimtipp. Mal Julia an die Brust fassen oder sich im antiken Theater ein grandioses Opernerlebnis gönnen, das ist Verona für die meisten. Doch das kann doch nicht alles sein?! Schließlich wollen die über vier Millionen Übernachtungsgäste bestens unterhalten werden.

Und vor allem verköstigt werden. Risotto kommt hier auf den Tisch. Meistens sogar mit Reis aus der direkten Umgebung. Und dann hat man die Qual der Wahl – dabei kann auch dieses Buch nicht helfen. Bei allem anderen ist „Oh! Verona“ die beste, wenn nicht sogar die einzige Wahl. Diese Qual ist dem Veronabesucher also schon einmal genommen.

Als Ausgangspunkt für die meisten Erkundungen bietet sich das antike Amphitheater an. Es liegt zentral und man immer jemanden fragen wie man dorthin kommt, falls man sich einmal im Straßengewirr verlaufen hat. Und das schon seit zweitausend Jahren! Siebenhundert Jahre ist es her, dass Dante Alighieri nach seiner Flucht aus Florenz hier Asyl fand. Und ihm begegnet man auf Schritt und Tritt. Ideal für ein Sammelspiel: Wie oft trifft man Alighieri während eines Spaziergangs in Verona? Kleiner Trick für alle, die gern schlaumeierisch sich einen Vorteil verschaffen wollen: Mal ins Portemonnaie schauen – Dante ist auf den italienischen Zwei-Euro-Münzen.

Überall in der Stadt findet man eingemauerte Löwenmäuler. Die Löwen sind Symbole der Republik Venedig, die hier lange Zeit die Geschicke der Stadt leitete. Wer will kann einen Denunziationszettel einwerfen. Früher konnte man – aber nur mit Unterschrift – so jemanden eines Vergehens bezichtigen ohne ihm gegenübertreten zu müssen. Anonyme Anzeigen wurden vernichtet – für alle Demokratieverteidiger von heute ein gefundenes Fressen…

Von nicht ganz so geheimen Tipps für Spartickets über Familiengrüfte bis hin zu verdammt alten Graffiti hat Autorin Maria Kampp eine Menge Verona-Safari-Tipps zusammengetragen, die Verona zu einem prall gefüllten Erlebnis machen. Ohne dabei die gehypten Hotpsots außeracht zu lassen. Auch hier weiß sie geneigten Besuchern Rat zu geben. Was aber an dieser Stelle geheimbleibt… psst.

Leere Gräber und Göttinen, architektonische Fundstücke und grandiose Aussichten – man muss ein bisschen suchen, um Veronas Schätze zu finden. Oder man wirft einen Blick in diesen exzellenten Reiseband. Auch für unterwegs bestens geeignet.

Venetien

Auf nach V…, äh Venedig? Verona? Vicenza? Oder dann mal was ohne V? Wie wäre es mit Padua, was eigentlich Padova heißt, also doch wieder ein V. Und wenn man diesen Reiseband vor sich aufgeschlagen liegen hat, bildet er auch ein V. Man kommt einfach nicht herum ums V. Kruzrtipp-Gag: das muss man doch glattweg fünf tage bleiben – fünf = in römischen Ziffern V.

Wie man es nun nimmt, Venetien ist mehr als nur Venedig, wobei das Nur ob der Pracht der Lagunenstadt im Nebel des Staunens verblasst. Verona ist nach der Venedig sicher die bekannteste Stadt der Region. Klar, von hier kommen Romeo und Julia. Balkon gucken, Brust anfassen, fertig. Was wäre aber, wenn Romeo und Julia gar nicht aus Verona stammten?! Sondern vielmehr von zwei Burgen, die ganz dicht an V… Vicenza liegen. Unerhört! Hat Shakespeare geschummelt? Ja, die wahren Wurzeln der beiden unglücklich Verliebten liegen in den Bergen bei Vicenza. Montecchio Maggiore sollte man sich merken, wenn man den Massen-Romeo-Und-Julia-Shakespeare-Must-Visit-Pflichtteil erledigt hat. Das ist nur eine Info aus den zahlreichen gelb unterlegten Kästen, die dem Leser, der gern individuelle und wahrhaft authentisch seine Urlaubsregion erkunden will.

Padua ist nur einen Steinwurf von Vicenza entfernt – so wie Vicenza von Verona. Eine Perle Venetiens. Und as nicht nur, weil auf Instagram eine wahre Flut an chic gestellten Fotos bei strahlendem Sonnenschein der Stadt einen besonderen Glanz verleihen. Während Vicenza als Stadt von Palladio, dem Architekten und Wegbereiter des Klassizismus gilt, ist Padua Giotto-Stadt. Auch er war ein Wegbereiter, für die Renaissance. Ein Wegbereiter für einen Wegbereiter. Padua nennt man auch die bemalte Stadt. Ein gigantischer Freskenzyklus durchzieht die Stadt, nicht unbedingt öffentlich zugänglich, aber dafür gibt es die „padova urbs picta Card“, mit der man zu dem auch noch die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzen kann. Und wenn man einmal dabei ist: Die Universität ist ebenfalls einen Besuch wert. Galileo Galilei hat hier fast zwei Jahrzehnte gelehrt und dabei die Jupitermonde und die Saturnringe entdeckt. So ganz nebenbei hat er die Theorie aufgestellt, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Das bekam ihm nicht. Ob man ihn auch im mittlerweile ältesten Sektionssaal der Welt „auseinandergenommen“ hätte?!

Noch ein letzter Satz zum V in Venetien. Vom englischen Kulturkreis ausgehend trat das V seinen Siegeszug als Zeichen für den Sieg (victory, was auch aus dem lateinischen stammt) in die Welt an. Also Zeige- und Mittelfinger gespreizt – Venetien wartet. Und in den verbleibenden acht Fingern hält man dieses Buch.

Zakynthos

Griechenlandurlaub ist fast immer gleichzusetzen mit Inselurlaub. Dabei deckt man unbewusst ein riesiges Areal, das ungefähr mit Rumänien gleichzusetzen ist. Wenn man die Fläche inklusive Wasser betrachtet. Und manch einer kommt ins Schwimmen, wenn er erklären muss, in welchem der vielen Meere er nun gerade urlaubt. Ägäisch, ionisch, kretisch, lybisch – ja, wo sind wir denn nun? Ist vielmals auch egal, Hauptsache Erholung. Unter den Inseln und Inselchen gibt es immer noch und immer wieder versteckte Paradiese, die man erst auf den zweiten oder gar dritten Blick entdeckt. Klar, Santorin, Kreta, Mykonos füllen im Dutzend die Seiten der Prospekte – sofern man dieses noch wälzt. Und irgendwann stößt man auf Zakynthos. Bei alphabetischen Auflistungen folgt eigentlich nur noch Zypern, wenn man im Mittelmeer die Sonne genießen will. Von Zakynthos hört man nichts in den Nachrichten. Allenfalls von Freunden und Kollegen, die dort schon mal waren. Eines ist ihnen allen gemeinsam: Ein Dauergrinsen im Gesicht, weil sie exzellent erholt zurückkehren konnten.

Sabine und Gunther Schwab geht es seit mehreren Jahrzehnten so. Als sie das erste Mal die Insel im ionischen Meer (!) besuchten, kommen sie nicht mehr davon los. Was liegt also näher als gewiefte Sehnsuchtssuchende über „ihre“ Insel einen Reiseband zu verfassen. Mittlerweile gibt es die neunte Auflage. Denn auch Zakynthos verändert sich stetig – meistens zum Besseren.

Wer einmal im Osten der Insel die Black Cave bei Kallithéa besucht hat, fühlt sich komplett wie ein Eroberer, der das Paradies eingenommen hat. Der geschützte Blick aus der relativ kühlen Höhle über die Landschaft bis aufs Meer, ist unbezahlbar. Und wer dort ist, aber nicht weiß wie er zum gleichen Ergebnis kommt, dem geben die Autoren eine Reiseroute an die Hand, die Scheitern unmöglich macht.

Zehn Wanderungen auf der kleinen Insel machen diesen Reiseband zu einem unerlässlichen Begleiter. Antje und Gunther Schwab sind – und das spürt man schon beim Lesen – jeden Meter abgelaufen, um authentisch berichten zu können, worauf man achten muss und was man auf gar keinen Fall verpassen sollte. Ist die reise erstmal gebucht, ist es erste Pflicht dieses Buch eingehend zu studieren. Denn nur faul am Strand liegen, dafür braucht man Zakynthos nicht – auch wenn das hier ebenso erlebnisreich sein kann ist wie eine ausgedehnte Wanderung zwischen knalliger Blütenpracht vorbei an venezianischen Brunnen zu einer Aussicht, die zusätzlich mit einem erstklassigen Mahl gekrönt wird.

Unter den Inseln Griechenlands nimmt Zakynthos eine Ausnahmestellung ein. Und dieser Reiseband strahlt mit der Sonne und den Lesern um die Wette.

oh! Neapel

Ball, Clown, Pizza. So würde es in jeder anderen Stadt heißen. In Napoli ist es SSC Napoli, was Diego Armando Maradona bedeutet. In Napoli ist es Pulcinella. Und es ist auch und vor allem Margherita, die Mutter allen Fastfoods (was es anfangs nicht war). Also haben wir auf gelben Grund ein weißes „oh!“, ein schwarzes Neapel sowie D10S, Pulcinella e Pizza. Mehr muss man auch erstmal nicht über die Stadt wissen. Hand auf, Pizza drauf, fertig. Und um Himmelswillen nicht über Maradona oder die Leidenschaft zur SSC Napoli lächeln. Sonst kommt im günstigsten Fall Pulcinella und spielt Dir einen Streich.

Die Stadt am gleichnamigen Golf aber nur mit diesen drei Attributen abschließend zu beschreiben, wäre mindestens so frevelhaft. Denn hier wandelt man auf Jahrtausende altem Grund. Quartieri spagnoli. Selbst alteingesessene Italiener rollen mit den Augen, wenn man ihnen mitteilt, dass man hier nächtigen möchte. Alles halb so schlimm. Klar, man wird beäugt. Aber nach ein, zwei freundlichen „Buongiorno“ ist man bekannt und dass man keine Gefahr darstellt. Eintracht-Frankfurt-Fans sollten aber vielleicht draußen bleiben. Und schon gar nicht uniformiert den Maradona-Deovtionalien-Markt murale Maradona besuchen. Ein Fantastikum, das es nur hier, in Napoli geben kann.

Napoli ist ein Straßenwirrwarr und Gassenlabyrinth, das man zu nehmen wissen muss. Überall hängt die Wäsche quer über einem. Doch nicht überall gibt es für Touristenaugen auch was zu sehen. Irene Helmes hat hier gewohnt. Sie zieht es immer wieder hierher. Und immer wieder entdeckt sie sicher auch Neues. Napoli verändert sich sicher nicht so rasant wie Shanghai, doch der Wandel ist immer wieder sicht- und spürbar. Als Touri mit verunsichertem Gang tappt man gern mal in die eine oder andere Falle. Restaurants bieten sich hier dafür an. Aufmerksam Karte studieren, gern auch vermeintlich dumme Fragen stellen – das hilft schon fürs Erste.

Für den Rest sorgt dieses wirklich einzigartige Buch. Selbst den Soundtrack kann man sich per QR-Code runterladen und auf die Ohren geben. Dann hört man allerdings den Straßenlärm nicht mehr. Der gehört zu Napoli wie wilde Wendemanöver und zähe Touristenströme in der Gasse der Krippenmacher.

Wer Neapel zusätzlich zu Veilcheneisverzehr (wo sich schon die Sisi dem Genuss hingab) und dem Besuch des Teatro San Carlo in sich aufsaugen will, muss sich auch manchmal in die vermeintlichen Höllen der Stadt begeben. Wie man sich dort verhält, was man sehen muss und was man getrost umgehen kann (oder sollte) – dafür lohnt sich permanentes Blättern in diesem Reiseband.

Garibaldi

Biographien sind oft faktenüberladen, manchmal wünschte man sich mehr Vorkenntnisse oder einen einfacheren Zugang. Interesse natürlich stets vorausgesetzt. Friederike Hausmann holt schon im ersten Satz den Leser da ab, wo eine Italienreise beginnen sollte: Glücklich, dass das gelato noch im cornetto ist und nicht über die kürzlich erstandene neue Hose verteilt wurde, ist man verlassen. Vor lauter Schlecken hat man sich verlaufen. Es gibt einen Trick, um auf den richtigen Pfad zurückzukehren, der in so ziemlich jedem Ort in Italien funktioniert. Nach der Piazza oder Via Garibaldi fragen. Meist ist es die größte Straße, die ins Zentrum führt oder es ist ein Platz an ebendieser Stelle. Und von da aus findet sich immer der richtige Weg.

Klingt fast schon wie ein Sinnbild für den Namen Garibaldi. Er hat Mitte des 19. Jahrhunderts Italien geeint. Das ist die Kurzfassung – das reicht an Vorkenntnissen für dieses Buch allemal. Buschiger Bart, Pferd und ein Säbel – so kennt man ihn, so wird er nur allzu gern und überall dargestellt. In italienischen Schulen werden Schüler über alle Jahrgangsstufen mit seinen Taten teils gequält. So in der DDR fast jeden Schritt des Kommunistenführers Ernst Thälmann kannte. Und nach der Schule auch ganz schnell wieder vergaß.

Aber hat Giuseppe Garibaldi wirklich Italien geeint? Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es unzählige Fürstentümer, Königreiche, Stadtstaaten etc. Jeder kochte sein eigenes Süppchen. Dann kam dieser Haudegen – wie auch im wundervollen „Der Leopard“ beschrieben und nicht minder exzellent verfilmt. Ihm schloss man sich an, weil es um “eine gute Sache ging“. Und man kämpfen konnte, sich erheben konnte. Doch wie mit jeder Legende gibt es auch bei Garibaldi dunkle Flecken. Sein Kampf gegen die Monarchie war nicht dauerhaft. Könige und Volk waren ihm gleichermaßen bekannt. Er schoss auf Bauern bzw. ließ auf sie schießen, wie auf Blaublüter. Doch er brauchte die einfachen Leute ebenso wie den Adel. Strategisch ging er Risiken ein, oft ging es gut. Aber auch so manches Mal gehörig in die Hose. Man konnte ihm blindlings trauen. Aber noch besser hielt man ihn unter Kontrolle.

Friederike Hausmann gelingt das seltene Kunststück umfassend über den Nationalhelden zu berichten und dabei keinen einzigen Sachverhalt, der ihn antrieb außeracht zu lassen. Und dass alles in einem Stil, der es dem Leser schwer macht auf nur eine Minute das Buch beiseite zu legen. Ein echter Thriller mit einem nicht ganz so glorreichen Ausgang. Aber das ist allein dem Helden zuzuschreiben. Und so ganz nebenbei lernt man dabei auch noch andere Persönlichkeiten, die einem beim Verlaufen wieder auf den richtigen Pfad bringen. Schon mal die Via Cavour gesucht?

Padua

Listet man eine reihe von Städten in Italien auf, die man unbedingt sehen muss, gehört Padua sicher nicht auf die Champions-League-Plätze. Abstiegsgefährdet ist sie allerdings auch nicht. Padua ist klein, kuschelig und vor allem prall gefüllt mit Historie. Eine der ältesten Unis Europas, der älteste Botanische Garten der Welt, Galilei unterrichtete (kann man bis heute besichtigen). Und ein Schmuckkästchen für alle, die feingestalteter Architektur mehr als nur etwas abgewinnen können.

Nun hat mich also entschieden Padua zu besichtigen. Was nun? Was gibt’s zu sehen, was muss man sehen, wo muss man hin? Suchmaschinen führen einen immer an die gleichen Orte. Nämlich die, die von Online-Reise- und Ausflugsportalen gefüttert wurden. Da rennt man dann den ganzen Tag hinter einem Fähnchen her, lässt sich erzählen, dass diese Säule eine Säule ist und dass genau dieses Haus alt ist. Hurra, ein Tankfüllung vergeudet für etwas, was jeder sofort erkennt (so schlecht ist das Internet dann auch wieder nicht…).

Padua muss man selbst erobern. Mit Sinn und Verstand, mit wachem Geist, mit Reiseband und … dieser Reisebeschreibung. Ulrike Rauh ist eine Italophile mit unbändiger Sehnsucht nach dem Stiefel. Von Milano bis Napoli hat sie den Leser schon mehrmals an die Hand genommen und ihn sanft an Orte geführt, die noch nie ein Fähnchen gesehen hat.

Padua ist wie die kleine Schwester von Bologna. Nicht nur wegen der alten Universitätstradition. Auch hier läuft gut beschattet durch Arkaden. Und zu sehen gibt’s hier auch jede Menge. Einfach Kapitel für Kapitel lesen, die von der Autorin gemachten Schritte nicht als Dogma verstehen sondern als liebevolle Stupser in die richtige Richtung. Wer Padua noch nicht kennt, fühlt sich augenblicklich wohl und kaum noch fremd in dieser pittoresken Stadt.

Das besondere an Ulrike Rauhs Büchern sind die gehauchten Liebeserklärungen an die besuchte und beschriebene Stadt. Sie hat immer einen Begleiter im Arm, der ihr und dem Leser SEINE Stadt näher bringt. Und das ist einzigartig! Und lässt so manches Zögern in schwungvolle Schritte verwandeln. Mit diesem Buch rutscht Padua mit einem Mal von den mittleren Wunschplätzen in die Königsklassenregion auf. Der Sommer wartet nicht. Padua wartet auf seien neugierigen Besucher, die dank dieses Buches bedacht und wohl belesen auf historischen Pflaster lustwandeln können.

Gelato

Gelato ist das Universalmittel zum Glücklichsein. Und das ein Leben lang. Schon vom ersten Schleck an, noch bevor man die ersten Schritte tut bis hin zum letzten Schritt – Eis, Gelato geht immer! Und ist so vielfältig. In Palermo, quattro canti – Etna-Gelato, grau mit rot gezuckerten Brocken. Milano, castello Sforzesco – ein Eis, Gelato, das schon beim Anblick dahinschmilzt, und den Connoiseur es ihm nachzutun. Italia é gelato = untrennbar miteinander verbunden.

Peter Peter wagt den Spagat zwischen Sachbuch und Sehnsucht. Seine Eiszeiten sind wahre Delikatessen, in der die Lesezeit mit Speichelfluss im Wettstreit steht – es gewinnt der Speichelfluss, versprochen.

Am Anfang stand der praktische Gedanke Lebensmittel haltbar zu machen. Schnell merkte man jedoch, dass Kühle in heißen Zeiten eine echte Wohltat ist. Es dauerte nicht lange bis man Aromen dem kühlen Nass hinzufügte und das Wunder der glänzenden Augen war geboren. Das war vor langer, langer Zeit. Wo genau – darüber streiten sich die Gelehrten. Italiener beanspruchen natürlich diese Erfindung für sich selbst. Fakt ist jedoch, dass im und am Stiefel Eis ungefähr den gleichen Stellenwert hat wie caffé. Es geht nicht ohne!

Und so liest man sich durch Rezepte – ja, hier gibt’s die volle Ladung gelato – über Zahlen – allein in Rom konkurrieren über tausend Eishersteller um die Gunst der Kunden – bis hin zu kurzen Biographien von Menschen, deren Vermächtnis darin besteht, Zucker, Wasser, Milch und Geschmäcker herzustellen und haltbar zu machen. Je natürlicher umso besser. Doch auch in Italien sind industrielle Eismassen auf dem Vormarsch. Wie man sie erkennt und eventuell umgeht – die Antwort ist rot, handlich und gehört einfach in jedes Reisegepäck, wenn es gen Süden geht.

Sogar an Reisetipps hat der Autor gedacht. Je weiter man in den Süden vordringt, desto bedeutsamer wird die Erfrischung im Laufe des Tages. Napoli ist das Herz der Eishersteller. Wer hier Urlaub macht und nicht einmal schleckt, der hat schon verloren. Das Veilcheneis, Gelato alla Violetta im Gran Caffé Gambrinus, Lieblinsgeis von Sisi, wenn sie wieder mal auf der Flucht vor dem höfischen Protokoll war, ist mittlerweile mehr Touristenattraktion (das merkt man schon am Preis) als wahres Kulturgut. Dennoch sollte man es sich gönnen und den Fensterplatz mit Blick auf die Piazza Plebiscito genießen.

Wer im gelato mehr als nur die schnelle Erfrischung sieht, sondern sich selbst mit dem damit verbundenen Lebensstil anfreunden kann, der wird mit diesem Buch eine Leckerei in den Händen halten, die nicht kleckert, sondern klotzt.

Paris Wissenswertes und Kurioses – 55 erstaunliche Fakten

Wer mit Informationen voll ausgestattet nach Paris reisen will, muss fürs Extragepäck zahlen. Die Flut an Büchern ist schier unendlich. Und verständlich! Schließlich will man diese faszinierende Stadt auch mit allen Sinnen und komplett aufsaugen. Aber ganz ehrlich: Das ist unmöglich mit einer Reise zu schaffen, auch wenn das Verkehrssystem in Paris es rein zeitlich zulassen würde.

Seit einigen Jahren ist es chic sich mit dem Rad fortzubewegen. Dafür stehen tausende Leihräder zur Verfügung. Aber auch rund zehn Prozent davon müssen täglich(!) repariert werden. Und rund fünf Prozent werden erst gar nicht wieder zurückgegeben.

Weitaus berühmter ist die Metro und ihre kunstvoll gestalteten Metrostationen. Dabei galten sie vor einhundert Jahren, als man begann sie im Jugendstil zu errichten als altmodisch. Apropos Mode. Paris ohne Mode? Geht nicht. Den Grundstein dafür legte übrigens ein … Engländer.

Fünfundfünfzig Fakten, die nicht zwingend erforderlich sind, um Paris zu erkunden, jedoch jeden Spaziergang zu einem besonderen Erlebnis machen, sind in diesem Leichtgewicht versammelt. Es passt in jede Tasche, ist dank des Harteinbandes schnell zur Hand und sorgt Seite für Seite für ein Aha oder Oh lala. Das reicht vom Baguette (die Entstehungsgeschichte ist spannender als man denkt) über Geisterbahnhöfe bis hin zu Fakten, die ein wenig von der überbordenden Pracht der Stadt ablenken (für diejenigen, die ab und zu doch mal zu viel von der Schönheit der Stadt bekommen).

Die liebe volle und ansprechende Gestaltung des Buches führt dazu, dass man es immer wieder aus der Tasche zieht und sich mit scheinbaren Nebensächlichkeiten den Rundgang versüßt. Manchmal erschrickt man doch: Paris ohne Eiffelturm. Das war mal der Plan. Er sollte kurz nach der Weltausstellung 1889 abgerissen werden. Raten Sie mal wie hoch wäre der Stahlrest, wenn er auf der Grundfläche zusammengeschmolzen zur Besichtigung angeboten wäre! Es ist weniger als man denkt…

In diesem Buch hingegen steckt mehr als es das Ausmaß des Buches vermuten lässt.

Stadtluft Dresden, Nr. 10

Was waren das für Tage im Mai 2014! Ganz Madrid lag unter einer Bengalo-Glocke. Real Madrid hatte soeben zum zehnten Mal die Champions League (inkl. der Vorgänger-Turniere) gewonnen. „La Décima“ wurde zum Volksfest und zum geflügelten Wort, zu einer Marke. Ganz so euphorisch lassen sich die Macher der  „Stadtluft Dresden“ nicht feiern. Grund hätten sie allerdings dazu.

Zum zehnten Mal erscheint nun die „Stadtluft“. Ein Bookzin, kein Magazin, ein Bookzin. Literarisch, investigativ, lesenswert. Und dieses Mal mit einem Rundumschlag für und mit Dresden. Selbst Außerdresdner dürfen hier schreiben, was ihnen an Dresden nicht zwingend die Euphorie in die Knochen treibt. Poetry-Slammer und Comedy-Autor André Herrmann setzt den Unzulänglichkeiten der Stadt eine qualvoll-stimmgewaltiges Denkmal – die Carolabrücke, die vor Kurzem erst aufwendig saniert wurde, brach später wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Ein gefundenes Fressen für Spötter, Hauptmahlzeit für Comedy-Schwergewichte.

Verleger Michael Faber (aus Leipzig!) sieht sich in einer nicht ganz realen Gerichtsverhandlung, der er sich stellen muss. Denn es geht um ihn, seinen Vater, sein Erbe. Una Giesecke schwärmt für den Schilli, den Schillerplatz, und macht stante pede dem Leser Lust, mehr als nur einen Fuß ins das Viertel zu setzen. Wehmütig blickt Jens Wonneberger auf seine Studentenzeit in Dresden zurück und wirft einen eindrucksvollen Lichtstrahl auf die urbane Baracke, die schon fast ein Sinnbild für die Stadt einmal war. Und wenn Schokolade glücklich macht – was macht dann ein Artikel über die Dresdner Schokoladentradition (hier wurde einst ein Drittel der kompletten deutschen Produktion hergestellt!) mit dem Leser?! Er setzt Lesespeck an. Lecker, anhaltend und tut überhaupt nicht weh, oder gar leid. Charlotte Gneuß, Literaturpreisträgerin und Dresdner Stadtschreiberin 2024, reist einhundert Jahre zurück. In ein Dresden, dass vibriert, glüht, elegantiert, lehrt, Gaststätte für die Großen der Zunft ist, aber auch ein brauner Sumpf ist. Ihre Schlaglichter brennen sich wie Bengalos ins Gedächtnis.

Zehn Jahre sind ein Grund zum Feiern. Die Einen lassen den Himmel verschwinden. Die Anderen strahlen wie ein Honigkuchenpferd und sind stolz auf dieses literarisch einzigartige Jahrzehnt. Zurecht! Die zehnte Ausgabe der Stadtluft brilliert von der ersten bis zur letzten Seite.

Warum ist Weihnachten am 7. Januar?

Reizthema Religion. Für die Einen unverzichtbarer Teil ihres Lebens, für die Anderen unverzichtbarer Teil ihrer Lebenseinstellung. Die Gründe auf beiden Seiten sind so unterschiedlich wie die Religionen selbst. Missverständnisse sind immer vorprogrammiert, weil Religionen Leitfäden sind und die Hüter dieser Leitfäden sie meist auch „nur“ interpretieren können. Da ist es wichtig einmal genauer hinzuschauen.

Wolfgang Reinbold tut dies in seinem Podcast, der es mittlerweile auch ns lineare Fernsehen geschafft hat. Das best of ist nun – bereits zum weiten Mal – in einem Buch zusammengefasst.

Besonders in der Weihnachtszeit kommen in unseren Breiten wieder verstärkt religiöse Rituale in Mode, man hört so einiges hier und da – aber bei der Einordnung – warum, weshalb, wieso? – hapert es bei den meisten. Wer weiß schon warum Gold, Weihrauch, Myrrhe von den Heiligen drei Königen als Geschenke mitgebracht wurden?! Und wie viel hat eigentlich Halloween mit christlicher Lehre zu tun? Und was ist ein Segen, im eigentlichen Sinn?

Das geht’s schon los. Worte, die jeder kennt, sicherlich auch benutzt. Aber! Den sinn dahinter kennen nur wenige. Dieses kleine Buch – reichlich einhundert Seiten – trägt wahrscheinlich mehr zum Verständnis der Religionen bei als so mancher Interpret der Religionen.

Da immer mehr Religionen zum Alltag gehören, werden in diesem Buch nicht nur die vorherrschenden Religionen und ihre Traditionen vorgestellt, sondern auch Religionsgemeinschaften besprochen, die man vielerorts nur dem Namen nach kennt. Aleviten, Eziden, Bahai. Gehört – ja, Wissen – mmmmh, wahrscheinlich weniger.

Natürlich kann man das Buch hintereinander weglesen wie einen Roman. Doch schon bald wird man merken, dass doch nicht alles im Bewusstsein stecken geblieben ist. Also empfiehlt es sich, das Buch häppchenweise zu genießen. So liest man an einem Tag von Abraham, Chanukka und König Charles und hat schon einen weiten Bogen geschlagen.