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Die Krinoline bleibt in Kairo

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Mary Shelley tat es. Lady Stanhope tat es. Frances Calderón de la Barca tat es. Sie reisten. An und für sich nichts Ungewöhnliches. Doch im 17., 18.  und 19. Jahrhundert und dazu noch allein – naja, also ohne männliches Leittier trifft es wohl besser – eine Sensation. Sie taten es, weil sie Lust darauf hatten. Sie sind die Heldinnen dieses Buches. Barbara Hodgson zeichnet ihre Wege nach, legte die Besonderheiten ihrer Reisen dar und würdigt ihr mutiges Tun.

Sie gliedert ihr Buch nicht nach den ReisendInnen. Die Biografien stehen nicht im Zentrum der Ausführungen. Vielmehr sind die Reisen und die Bericht darüber Bestandteil des Buches. So kann man heute kaum noch reisen. Auf einem Kamel quer durch die Wüste. Bei Ankunft wildes Geschrei. Erhabenes Staunen als eine Frau als Reiseanführerin zu erkennen ist. Heute ist das normal. So haben die Frauen in diesem Buch echte Pionierarbeit geleistet. Sie ließen sich nicht verbiegen. Sie setzten oft gegen viele Widerstände ihren Kopf durch.

Zurückgeblieben sind ihre Erinnerungen. Niedergeschrieben in Magazinen wie Quarterly Review. Wieder entdeckt von Barbara Hodgson. Stilsicher, mit Anekdoten verziert, durch zahlreiche Abbildungen beeindruckend – dieses Buch bestätigt, dass Fernweh eine heilbare Krankheit ist.

Der Titel „Die Krinoline bleibt in Kairo“ bezieht sich – nicht wie man vermuten mag auf eine Frau namens Krinoline, die sich gefälligst in der Obhut ihrer Familie aufhalten sollte, sondern – auf den in dieser Zeit verbreiteten Reifrock. Ein äußerst unpraktisches Utensil, das beim Reiten störte, in dem sich der Wüstensand verfing, und überhaupt so gar nicht ins Bild der reisenden Frau von Damals passte.

Alle in diesem Buch erwähnten Frauen verdienen Respekt, weil sie sich Konventionen widersetzten. Denn in ihren Heimatländern, und auch denen der Länder, die sie erkundeten. Viele Männer hatten zuvor noch nie eine unverhüllte Frau in der Öffentlichkeit gesehen. Und wieder die Parallelen zur Gegenwart. Es hat sich Vieles verändert seit Lady Elizabeth Craven reiste. Doch bei Weitem nicht alles.

Frauen hatten es nie leicht sich in so genannten Männerdomänen durchzusetzen. Das ist auch heute noch oft so. Wer es aber einmal schafft, der kann sich der Anerkennung aller sicher sein.

Woanders

Woanders

Eine Weltreise – das wär’s. Edith Werner schafft Fakten. Kein Konjunktiv mehr. Jetzt wird gereist. Doch einfach so. Nicht einfach mal All-inclusive drei Wochen Türkische Riviera. Dann zwei Wochen City-Trip Tokio. Und als Abschluss Safari in der Serengeti. Edith Werners Reisen sind immer mit langen Aufenthalten verbunden. Wenn schon, denn schon.

Ihr Reisefieber treibt sie nach Singapur, Südafrika, Argentinien, Uruguay, Ägypten, Guatemala, Mayotte, Peru, Abu Dhabi, Kolumbien, um nur wenige Länder zu erwähnen.

Auch die einzelnen Abenteuer und Geschichten hier aufzuzählen käme einem Frevel gleich. Denn man müsste immer das eine oder andere Detail weglassen. Das wäre unfair. Edith Werner reist für ihr Leben gern. Arbeiten, wo andere Urlaub machen – das ist ihr Elixier, das jungbleiben lässt. Sehnsuchtsvolle Orte wie etwas Sansibar lässt sie in einem riesigen Gewürzbasar anwachsen.

Alphabetisch hat sie ihre Reisen in diesem Buch geordnet. Selbst für das Q hat sie eine Reise gemacht. Fast scheint es, dass ihre Reisen nur für dieses Buch gemacht wurden. So liebevolle und detailliert schildert sie ihre Erfahrungen und macht dem Leser Appetit auf mehr. Mehr Abenteuer. Mehr Fremde. Mehr Reisefiber. Anfangs ist man noch neidisch auf die gemachten Reisen. So viel Zeit und so viel zu entdecken. So viel Zeit haben nicht viele.

Edith Werner ruht sich nicht auf dem Luxus Zeit aus. Ein paar Tage bei Freunden in Montevideo – gern. Doch dann geht es schon wieder weiter. Kaffee-Kultur in Buenos Aires. Chinesisch lernen. Den Sambesi bezwingen.

Schon vom Lesen schwirrt einem der Kopf. Doch die Autorin prahlt nicht mit dem Erlebten. Sie lässt den Leser teilhaben. Und zwar so eindringlich, dass man sich gern von ihr an die Hand nehmen lässt. Das grüne Feuer in Bogotá kommt von den Smaragden. Es leuchtet auch ohne einen der Edelsteine in der Hand zu halten. Selbst kleiner Missgeschicke wie ein gebrochener Knöchel in Burma / Myanmar verarbeitet die wissbegierige Weltenbummlerin zu einer herzhaften Geschichte. International wird es am Amazonas, wenn sie auf Fitzcarraldos Spuren wandelt. Hier drehte Anfang der 80er Jahre Werner Herzog mit Klaus Kinski sein wohl bildstärkstes Werk. Sagenumrankt schuf er Unglaubliches. Edith Werner tut es ihm nicht nach, dennoch wandelt sie eindrucksvoll auf seinen Spuren.

Wer die Welt bereisen will, sollte vorbereitet sein. Keine Scheu zeigen. Sprachen lernen. Und „Woanders“ von Edith Werner lesen.

Letzte Tage in Baku

Letzte Tage in Baku

Olivier Rolin, oder besser: Ein Autor namens Olivier Rolin reist im Jahr 2004 nach Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Oder noch besser: Olivier Rolin veröffentlicht 2004 einen Roman, in dem ein Schriftsteller nach Baku reist. Und sich das Leben nimmt. Im Hotel Abscheron. Als Todesjahr wird 2009 angegeben.

Nun ist es 2009 und Olivier Rolin will mal schauen, was so aus ihm geworden ist. Baku – das Houston des Mittleren Ostens. Hier, wo Fördertürme den Horizont malen. Wo Tristesse und Aufbruchsstimmung Hand in Hand gehen.

Offiziell ist hat er sich mit einer Makarow 9mm im Zimmer 1123 des Hotels Abscheron selbst das Leben genommen. So steht es geschrieben. Und was geschrieben steht, ist wahr. Nur steht das Hotel Abscheron an seinem vermeintlichen Todestag nicht mehr. Die ganze Geschichte für die Katz? Die ganze Geschichte für die Katz!

Olivier Rolin bereist Aserbaidschan, anfangs um eine neue, passende Todesart zu finden. Auf seiner Suche begegnet er allerlei skurrilen Personen. Zum Beispiel einem Künstler, der sich mit den Großen der Weltgeschichte gern fotografieren lässt. Oder Kellnern, denen er mehr französisch beibringt als sie ihm russisch. Immer mit im Gepäck sind Autoren der Weltgeschichte und ihre Zeilen: Von Jules Verne bis Marcel Proust. Ihre Zeilen leiten ihn, zeigen ihm den Weg, deuten das Jetzt.

Eingerahmt vom niedergeschrieben Trauma und der banalen Faszination des Lebens erfährt Olivier Rolin ein seltsames Land. Russische Legenden, Ölmagnaten, einfache Menschen zeigen ein Aserbaidschan, das er so niemals erleben wollte.

Für den Leser bleibt ein riesiger Brocken Phantasie übrig. Wie sieht Aserbaidschan wirklich aus? Irgendwo zwischen der Sprachgewalt Ernest Hemingways und der Detailverliebtheit Thomas Manns schlendert Rolin durch die Ölfelder, den Kaukasus und über das Kaspische Meer. Sinnverloren treibt er von einer Sehnsucht zur anderen. Immer auf der Suche nach dem eigenen Tod. Seine Reise hat kein Happyend. Olivier Rolin tritt die Heimreise an mit einem Rucksack voller Erfahrungen. Zufrieden ist er dennoch kaum.

„Letzte Tage in Baku“ ist ein herrlich verschrobener Blick auf die eigene Aufgabe (im Sinne von Selbstaufgabe), perfekt zurecht gelegter Biographie und einer gehörigen Portion Fernweh. Es kommt nicht immer alles so wie man es sich vorstellt oder wünscht. Dieses Buch muss man ohne Vorurteil lesen. Wie eine intuitive Reise. Einfach loslegen. Ein Ziel findet sich immer. Großartiger Roman übers Scheitern!

Baden in 101 Orten

Baden in 101 Orten

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht nicht ums Planschvergnügen! „Baden in 101 Orten“ ist das Reisebuch, das noch gefehlt hat, um Baden in Baden-Württemberg von einer – bisweilen unbekannten – Seite kennenzulernen. Eva Klingler hat sich auf die Socken gemacht, um ungewöhnliche Orte mit ungewöhnlichen Geschichten zu entdecken.

Wer weiß schon, dass in Konstanz einer Hure ein nicht gerade kleines Denkmal gewidmet wurde? Und das nicht schon vor Jahrhunderten, sondern vor gar nicht allzu langer Zeit.

Wenn man sich die Karte am Beginn des Buches anschaut so macht Baden einen Bogen um den mal mehr, mal weniger geliebten schwäbischen Nachbarn. Manchmal kommt einem die Rivalität etwas komisch vor, ähnlich wie die der Düsseldorfer und Kölner. Doch so manches Schimpfwort in Baden wird um den Zusatz „schwäbischer“ ergänzt. Sei es wie es sei, den badische Landesteil einzigartig zu erkunden, zu erfahren, zu entdecken, dafür bedarf es einiger Recherchen. Und die beginnen mit diesem Buch.

Kösterliche Ruhe und tosendes Nasse, Schwarzwaldperlen, lebensfrohe Barockstädte – Eva Klingler hat die 101 schönsten, bedeutendsten und oft auch kuriosesten Orte gefunden. Zu jedem Kleinod gibt es einen kurzen, alle Informationen enthaltenen Text und ein aussagekräftiges Bild, inkl. Homepage. Zu viel, um einen Urlaub zu füllen. Das muss man schon mehrmals in den Südwesten der Republik reisen. Aber warum auch nicht?! Langeweile kommt hier niemals auf. Und auch nicht die ewige Frage: „Was machen wir morgen?“ Die Antworten gibt es nur in diesem Buch.

Ein Galgen für meinen Vater

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Wow, was ein Titel! Liebe Väter der Welt, keine Angst! Hier will niemand jemand anderen umbringen. Tief im Inneren wohl manchmal schon, aber irgendwie auch wieder nicht.

Tom ist in einer verzwickten Lage. Es kommt der Moment, der jedes Kind einmal irgendwann ereilt. Ein Elternteil liegt im Sterben. Doch so recht will sich Gevatter Tod den Auserwählten nicht holen. Toms Vater ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Einst bestiegen die beiden die höchsten Berge. Ein eingespieltes Team. Und jeder schaute sich vom Anderen etwas ab. Erst der Kleine vom Vater, später dann auch der Alte vom Sohnemann. Beide hatten ein erfülltes Leben. Der 84jährige war (und ist) Ingenieur, der Sohn Bergführer. Er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Beim Vater war das anders. Er war im Krieg, Ostfront. Gefangenschaft und Flucht aus dem sowjetischen Lager. Ganz unten hat er angefangen, als Zeichner.

Als die Kinder klein waren, wurde ein Haus gebaut. Später kam noch der Balkon hinzu. Es ging immer aufwärts. Bis Toms Vater von Jetzt auf Gleich seine Beine nicht mehr spürte. Toms Mutter ist schon länger körperlich beeinträchtigt. Und jetzt auch noch der Vater. Toms Bruder ist immer nur sporadisch da. Er verbringt viel Zeit in Neuseeland.

Tom muss mit ansehen wie sein Vater langsam die Lebensgeister entwischen. Ist er zuerst nur körperlich nicht mehr voll einsetzbar, kommen immer öfter auch geistige Aussetzer hinzu.

Tom stellt eine Pflegekraft ein, ein Nachbar aus dem Ort hat gute Erfahrungen mit der Litauerin Nijole gemacht. Sie kümmerte sich rührend bis zum des Vaters. Doch gleich von Anfang an, gibt es Probleme. Die Stütze entpuppt sich bald als Belastung.

Martin Bettinger beschreibt die Geschichte der beiden Männer als Reise hinaus aus der Welt. Auch Toms Welt gerät ins Wanken. Auf einmal muss er den Vater pflegen, vierundzwanzig Stunden erreichbar sein. Und immer darauf achten, dass der Vater nicht wieder querschießt. Denn der verlässt öfter das Bett, schleift sich selbst über den Boden. Reißt sich die Füße auf, Blutspuren führen schlussendlich immer wieder zu ihm. Toms Eltern sind mit der Situation maßlos überfordert. Nun muss Tom der starke Mann sein, der Entscheider. Konnte er sich bisher immer auf seine Eltern verlassen, wird ihm diese Sicherheit mit einem Mal entrissen.

Ein Happyend kann und darf es nicht geben. Wie auch? Es ist eine Erlösung für alle Beteiligten, dass der Vater endlich sterben darf. Die Ärzte konnten auch nichts mehr tun. Was für die eine Diagnose gut ist, wäre für andere Diagnosen tödlich gewesen. Wenn alles zusammenkommt, hilft nur noch klarer Menschenverstand. Rationalität muss Gefühlen weichen. Und was den Galgen betrifft – der ist für das Bett des Vaters bestimmt.

Tot in München

Tot in München

Gute Freunde kann niemand trennen – Niemals geht man so ganz – I am stretched on Your grave. Mehr oder weniger schöne Lieder, alle zu einem Thema: Dem Tod. Der Gevatter begleitet uns ein Leben lang. Und wenn es dann so weit ist, liegen wir neben uns völlig Unbekannten, in Reih und Glied auf mehr oder weniger hübsch gestalteten Grünanalgen. Der Kreis des Lebens.

In München findet dieser Kreis insgesamt 29 einen Ausgang. So viele Friedhöfe gibt es in der bayrischen Landeshauptstadt. War München Anfang des 19. Jahrhunderts noch eine kleine Ansiedlung mit 40.000 Einwohnern, so verzwölffachte sich deren Zahl innerhalb eines Jahrhunderts. Und so benötigte man dementsprechend auch eine größere Anzahl an letzten Ruhestätten. Denn wer sich einmal hier eingenistet hat, geht nicht mehr fort. Wenn man den bayerischen Ministerpräsidenten der vergangenen Jahrzehnte glauben darf, gibt dafür „ja auch goar koin Anlass ned.“

Eine Stadt ohne einen Friedhof gibt es nicht. Manchen Städten würde dann zum Beispiel auch eine Touristenattraktion fehlen. Was wäre Paris ohne den Pere Lachaise? Oder Wien ohne den Zentralfriedhof? München kann zwar nicht mit prall gefüllten Liegestätten weltbekannter Prominenter punkten, wohl aber mit einer Vielzahl fein gestalteter finaler Unterkünfte. Michael Kubitza hat sich der Friedhofgeschichten Münchens angenommen. Mit in Archiven erlangtem Detailwissen und launiger Schreibweise führt er den Leser ins Reich der Toten. Hier stehen aber auch die Macher, Anstoßgeber und Gestalter im Blickfeld des Autors. Jeder noch so kleine Stein wird umgedreht und dem Licht der Erkenntnis zugefügt.

Spaziergänge über Friedhöfe sind entspannend. Die letzte Bastion bürgerlichen Anstands. Kein Geschrei. Kein Industrielärm. Kein Handygebimmel (naja meistens jedenfalls, aber vielleicht gehört Handy ausschalten nicht zum „guten Ton“). Man flaniert, man schreitet bedächtig, liest hier und da eine Inschrift, macht sich Gedanken. Der Tod schreitet mit, an jedem Tag unseres Lebens kommen wir ihm ein Stück näher. Vielen bereitet er Kopfschmerzen, das sie am liebsten gleich … Doch so unumstößlich er kommen, so endgültig er auch sein mag – schlussendlich wohnen wir alle zusammen in einer großen Kommune, six feet under. Die Zurückgebliebenen erfreuen sich auch an der liebevollen Zuwendung des Themas in diesem Buch.

The Girl’s Book – Das außergewöhnliche Handbuch für neugierige Mädchen

The Girl's book

Jede Generation hat seine Statussymbole. Wer in den 80er Jahren ohne Filofax unterwegs war, wurde nur selten als cool bezeichnet. Heute sind es Smartphones und Tablets, die vermeintlich den Status begründen. Jungens in abgefahrenen Sneakers, Mädchen in auffälligen Klamotten. Fernab jedweden Rollenverständnisses hat das Girl’s Book das Zeug zum Statussymbol für Mädchen zu werden.

Oberflächlich betrachtet ein echtes Mädchending, das nur für Mädchen ist. Süßes aus Honig, Schmuck selbst herstellen und im Anhang fünfzig Sticker, um dieses Girl’s Book individuell zu verschönern. Mädchen sind romantisch, das sollen sie auch sein. Aber auch selbstbewusst. Die Liedermacherin Anne Haigis hat es in einem ihrer Lieder auf den Punkt gebracht: „Ja die Jungens müssen wissen, dass sie vor den süßen Küssen erst mal alles büßen müssen.“ Mädchen, die das verinnerlicht haben, werden an diesem Buch ihre helle Freude haben. Und wer über Karottenpommes mit Honig zu müde lächeln kann, wird vom Ergebnis überzeugt werden. Und die Tipps für eine geschmeidige Haut sind nicht für die Jungens gedacht, sondern einzig allein für die Mädels. Dass das auch Jungens gefällt, ist nicht mehr als ein willkommenes Zubrot.

Mit diesem Buch kann man sich stundenlang beschäftigen. Einzigartige Klamotten selber gestalten (auch wenn es heute keine Foto gibt), zu wissen, wann welches Gemüse erntereif ist, sich die Natur zu Nutzen machen – alles Sachen, die Mädchen wissen müssen, um sich entwickeln zu können. Auch Jungens wissen so was nicht immer. Wissensvorsprung garantiert.

Das Girl’s Book ist mehr als nur ein außergewöhnliches Handbuch für neugierige Mädchen. Es ist das ideale Geschenk, auch wenn es keinen Anlass gibt. Einfach mal zwischendurch sich selbst was gönnen oder dem Mädchen seiner Träume eine Freude machen. Ewig Dankbarkeit inklusive.

Sei frech, wild und wunderbar

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Männer, seid so frech und stibitzt dieses Buch aus den Regalen, stöbert wild darin herum – Ihr werdet wunderbar bedient. Ja, auch Männer dürfen, eigentlich müssen, aber wer lässt sich schon gern was vorschreiben, also dürfen, dieses Buch lesen. Es geht nicht darum zu erfahren wie Frauen ticken, warum sie anders sind als Männer, und schon gar nicht, ob dieses Anderssein gut oder schlecht ist.

Petra Wüst leitet seit zehn Jahren ein Beratungszentrum in Basel und ist Expertin für Self Branding, Kommunikation und Leadership. Das klingt auf den ersten Blick etwas neumodisch und weit weg von einem selbst. Doch wer in sich ruht, kann auch andere für sich gewinnen. „Kommt für mich nicht in Frage! Das brauch ich nicht.“ Doch jeder braucht’s. Denn jeder ist darauf angewiesen, akzeptiert zu werden, sich nicht in seinen selbstgewebten Kokon zurückzuziehen.

In ihrem neuen Buch „Sei frech, wild und wunderbar“ – übrigens ein Zitat der Godmother of „Mädchen an die Macht“ und „Frech kommt weiter“, Astrid Lindgren – gibt sie ein Dutzend Schritte vor, für Frauen, die mehr wollen. Ohne dabei sich in wissenschaftlichen Theorien zu vergehen, packt Petra Wüst ihre Ratschläge in die Geschichten von vier Frauen. Die kennen sich seit Kindertagen, wohnten in derselben Straße, waren einst untrennbar. Bis das Leben begann. Die Vier sahen sich noch, hielt Kontakt, aber so richtig dicke Freundinnen waren die Vier nicht mehr. Bis eines Tages Michelle die verbleibenden Drei zur Scheidungsparty einlädt. Ja, sie feiert die neugewonnen Freiheit sich selbst noch einmal neu definieren zu können. Ihr geht es nicht darum dem Ex den Stinkefinger zu zeigen. Ihr Neuanfang ist das, was er ist: Ein Neuanfang.

Ohne wirklich von der Geschichte abzuschweifen, erklärt Petra Wüst anhand ihrer Heldinnen die Ursachen und die Folgen des Handelns der Frauen. Oft untergebuttert, in vorgegebenen Bahnen das Leben hingenommen, ohne die eigene Wünsche und Bedürfnisse ausleben zu können. Nur, um es noch einmal klarzustellen: Den Frauen ging es körperlich gut. Sie wurden nicht geschlagen oder erniedrigt. Ihnen wurde (durch wen auch immer, manchmal durch die selbst) nicht so recht klar, dass etwas fehlt bzw. alles noch schöner, noch besser oder einfach nur anders sein könnte.

Frech sein, bedeutet nicht zwangsläufig anderen Schaden zuzufügen. Das machen nur schwache Menschen, die andere mit Lügen überziehen und sich diebisch freuen, wenn die erwartete Reaktion eintritt. Wer so einen Chef zum Beispiel hat, wird mit diesem Buch seien Rachegelüste dämpfen. Sich selbst in den Fokus des eigenen Handelns stellen, ohne dabei zum gewissenlosen Egoisten zu werden, das erforscht dieses Buch. Wer mit sich selbst zufrieden ist, dem kann auch kein Anderer etwas anhaben. Egal, ob Mann oder Frau.

Frau hinter Hecken

Frau hinter Hecken

Hinter Hecken, da lässt’s sich gut verstecken. Was wie ein Kinderreim anmutet, scheint Silvie Vaughan und Isolde Schwartz ein Refugium des eigenen Lebens zu sein. Beide sind erfolgreiche Wissenschaftlerinnen – Philosophinnen. Die eine schreibt Bücher in ihrem heckengeschützten Rückzugsort, die andere hat einen renommierten Lehrstuhl und reist für ihre hochgeschätzten Vorträge um die Welt.

Doch diese Welt ist nicht die ihre. Ihre Welt ist geprägt von Erwartungen und Enttäuschungen. Die beiden Frauen haben sich bei einem kennengelernt. Nun will die Eine – Isolde Schwartz – die Andere – Silvie Vaughan – besuchen. Nichts Besonderes! Nichts Besonderes? Oh doch. Silvie verehrt Isolde. Ihre Reputation ist einwandfrei und vorauseilend. Silvie muss jedoch feststellen, dass Isolde sich in ihrem Kokon der Ideen verfangen hat und auf dem besten Weg ist ihr Leben, ihr wahres, höchst persönliches Leben, zu vergessen. Es aufzugeben.

Jana Revedins Kurzroman „Frau hinter Hecken“ ist wahrlich keine leichte Kost, im Sinne von „heut mal eine Seite lesen und morgen ein paar mehr. Dieses Buch muss man mehrmals lesen. Beim ersten Versuch stören die kompakte Handlung und die freie Szenewahl den Lesefluss, auch wenn nur oberflächlich. Doch schon beim zweiten Lesen – das Buch ist gerade mal einhundert Seiten stark – offenbaren sich die Ab- und Tiefgründe der beiden verwandten Seelen.

Beide Frauen taumeln im Sog ihrer Erinnerungen. Während Silvie das Trauma ihrer Kindheit, den Selbstmord der Mutter, überwunden zu haben scheint, triftet Isolde an der Kante zum Absturz.

Das permanente Verweben von grausamen Erinnerungen und aktueller Hilfestellung packt den Leser bei den Hörnern. Man kann dieses Buch nicht einfach mal so weglegen. Eine eigenartige, eigensinnige Faszination geht von den Zeilen dieses Büchleins aus. Nebelschwaden des menschlichen Geistes wabern besitzergreifend im Hirn des Lesers herum. Immer wieder blättert man zurück, um sich zu vergewissern, dass man nicht doch etwas überlesen haben könnte.

The Housewives Tarot

The Housewives Tarot

In der Küche stapelt sich das Geschirr. Die Kinder rennen kreischend durch das Haus. Die Familie giert nach Essbarem. Der Geschirrspüler muss noch ausgeräumt werden. Und unaufhörlich tickt die Uhr… Puh was für ein Tag. Chaos allenthalben. Da wäre ein Ratgeber sehr hilfreich. Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir niemand! Wo fängt man an, um diesem Tag Herr zu werden. Oder dem Chaos Dame zu werden?

Tarot gehört zu den Kartenlegespielen, dass bei manchen immer noch Angst hervorruft. Teufelswerk. Das war schon Mitte des 20. Jahrhunderts so als Marlene Louise Wetherbee dieses Spiel in ihrer Bridgerunde vorstellte. Doch sie benutzte nicht die „üblichen“ Tarotkarten. Auf ihren Karten sind zwar auch Kelche, Zauberstäbe, Schwerter und Pentagramme abgebildet, aber in einer hausfrauenfreundlichen Deutung. Zum Beispiel muss man ja nicht zwangsläufig mit einem Schwert jemanden den Kopf abtrennen, es sei denn es ist der Thanksgiving-Truthahn. Nicht jeder Zauberstab lässt jemanden verschwinden, es sei denn es ist die Staubschicht auf dem Schrank.

Egal wie man dieses Spiel sieht – es ist ein Riesenspaß. Und ein ideales Mitbringsel. Die Entscheidung, was heute gekocht wird, kann man auch anders fällen. Aber mit der richtigen Kartenlegetechnik ist es ein umso größerer Spaß. Und hat man bei den ersten Versuchen gleich ins Schwarz getroffen, wird man schnell süchtig. Zuerst die Küche putzen oder doch erst mal im Kinderzimmer für Klarschiff sorgen? Mal sehen, was die Karen sagen. Oh, eine Pause! Nicht schlecht.

Das beiliegende Handbuch führt den glücklichen Besitzer des „Housewives Tarot“ geschickt durch die Tücken des Spiels. Denn wer es nicht ernst nimmt, wird zum Couch-Potato. Von allein löst sich auch mit diesem Spiel das Chaos im Heim nicht auf. Doch wer sich den Spaß macht, kommt voll auf seine Kosten und der Haushalt ist dann doch kein Problem. Das wird nicht nur der Mann sagen…

Rollenklischees werden hier nur auf den ersten Blick bestärkt. Doch wer letztendlich die Hausarbeit erledigt ist egal. Dieses Spiel funktioniert auch im Zusammenspiel von Partnern. Jeder legt sich dann halt seinen eigenes Hausarbeitsschicksal. Ganz ohne Verzweiflung.