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Brunos Kochbuch

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Erfolg dauerhaft halten – ein schwieriges Unterfangen. Martin Walker hat mit seinem Bruno chef de police schon ein halbes Dutzend Mal bewiesen, dass es möglich ist. Fans des Lebemanns warten schon sehnsüchtig auf Band sieben, acht, neun … Und normalerweise muss man immer ein Jahr warten bis ein neues Abenteuer in die Buchläden kommt. Dieses Jahr ist ein besonderes Jahr. Denn Martin Walker beglückt seine treue Leserschaft mit einem ganz besonderen Buch: Brunos Kochbuch.

Die Romane um den sympathischen Ermittler leben von allerlei Zutaten. Zum Ersten – natürlich – von den spannenden Fällen, die er lösen muss. Zum Anderen von der unbändigen Lebenslust, die im Perigord, dem Handlungsort der Krimis, vorherrschen muss. Will Bruno sich entspannen, stellt er sich an den heimischen Herd. Dann wird gekocht, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Selbst ein schnödes Omelette wird mit Trüffeln zu einem Hochgenuss mit Sternepotenzial.

Doch dieses Kochbuch darf nicht einfach nur als Kochbuch angesehen werden. Es ist eine amuse gueule, ein Appetitanreger auf das Perigord, auf savoir vivre, auf Leben wie Gott in Frankreich, auf urtypische Märkte, auf Geschmacksexplosionen. Auf alles, was die Krimis um den chef de police ausmacht.

Eindrucksvolle Bilder (ganzseitig) und Rezepte wie süß-saures Gurken-Carpaccio, Zucchini-Krapfen oder Rotweinpfirsiche lassen den Leser erst einmal innehalten. Kurz schlucken. Einkaufsliste schreiben und sich dann das Perigord in die heimischen vier Wände holen.

Doch Bruno kocht nicht allein. Pamela – was Sie kennen Pamela nicht? Dann erstmal einen Martin-Walker-Krimi lesen! – kocht für den Leser ihre Fischpastete. Mit Lorbeer, Garnelen, Muskatnuss. Auf Französisch klingt das alles noch viel leckerer: Parmentier du Pecheur facon Pamela.

Wem die Rezepte noch nicht reichen, der sollte ganz schnell auf die letzte Umschlagseite blättern. Als Magenschließer gibt es zwei neue – kulinarische Fälle.

In Zukunft werden die Abenteuer von Bruno chef de police anders gelesen. Neben dem Leser liegt dieses Buch. Und immer, wenn Bruno kocht, wird sofort nachgeschlagen, wie dieses Rezept entstanden ist. Auch wenn es schwer fällt, legt man dann den Krimi kurz (!) beiseite, und kocht brunoesk wieder in Leselaune.

Black Vodka

Black Vodka

Gefangen im Nirgendwo? Das sind die Protagonisten der zehn Geschichten sind nicht zu Hause. Eine Engländerin in Prag zusammen mit Serben. Doch eigentlich sind Her- und Ankunft egal. Alle sind irgendwie irgendwo gestrandet.

Nicht immer freiwillig. Alle haben ihr Scherflein zu tragen. Und sie meistern ihre Situation. Großstadtromantik und Großstadtalltag treffen hier auf die kongruente Literaturgattung der Kurzgeschichte. Zackig und präzise hält Deborah Levy die Fäden ihrer Figuren in den Händen. Sie taumeln, sie stöhnen, sie lachen, sie tanzen … sie sind am Leben.

Das ist es was zählt lebendig sein. Urbanität und Kreativität findet nicht nur in Büros statt. Draußen auf der Straße wird der Mythos creative urbanity geboren. Oder ist es doch die urban creativity?

Die Schicksale scheinen auf den ersten Zeilen banal. Essen in der Mikrowelle aufwärmen, ist nicht gerade ein Ausbund an Kreativität. Doch Deborah Levy nimmt dies zum Anlass ungewöhnliche Geschichten zu kreieren. Im Reisegepäck hat jeder sein Paket mit Erinnerungen und Erfahrungen. Diese sind Mittel zum Zweck. Aus Erfahrungen heraus werden Probleme gelöst. Oder man erlaubt es aus Problemen neue Erfahrungen zu machen.

Die zehn Geschichten sind schwer greifbar. Man muss alles um sich herum vergessen, ausblenden. Dann, und erst dann, taucht man wirklich in die Stories ein. Eine Weltreise rund um den Globus: Von Barcelona über Wien bis Prag. Eine globale Geschichtenzusammenstellung, die eines klarmacht: Globalisierung kann auch Spaß machen. Zumindest, wenn man die Geschichten von Deborah Levy liest.

In die Pilze gehen

In die Pilze gehen

Nein, es ist kein Kochbuch. Auch kein Sammlerbuch. Kein Ratgeber. Es ist eine Hommage an die ersten Kindheitserinnerungen. Pilze sammeln, oder in die Pilze gehen, ist die unblutigste Form des Jagens. Es fließt kein Blut. Kein Wimmern beim Erlegen. Doch es ist gefährlich – nicht jeder Pilz ist genießbar. Genießbar hingegen sind die literarischen Erzeugnisse, die hier so liebevoll zwischen zwei feste Pappseiten gepresst wurden.

Die Geschichten reichen von Kindheitserinnerungen bis zu Giftpilzen in der Nachbarschaft. Mit Sorgfalt wurden Auszüge aus Werken mehr oder weniger bekannter Autoren ausgewählt, die dem „in die Pilze gehen“ ihre Tinte schenkten. Eugen Roth, der Lyriker, steuert zwei Gedichte bei, die selbst Lesern, die nicht so viel mit Gedichten anfangen können, Verständnis ins Gesicht zaubern.

Günter Grass erinnert in seiner Geschichte „Wir Oberpfälzer, sagt man“ an die Tschernobyl-Katastrophe, die zu einer hysterischen Hatz auf alles, was konterminiert sein könnte, führte.

Die Faszination fürs Pilze sammeln ist wohl eine den ältesten Ritualen der Nahrungsbeschaffung. Ob allein mit Körbchen und Messer „bewaffnet“ oder im Rudel und großem Korb, ob mit Pilzerkennungsratgeber oder mit Wissen im Kopf, ob Jagdglück erhaschender Frühaufsteher oder gemütlicher Resteverwerter, in die Pilze gehen ist wohl die Tradition, die man von den ersten bis zu den letzten Stolperschritten fortführt, jeder technischen Revolution zum Trotze.

Wer dieser Faszination noch nicht erlegen ist, kommt ihr mit diesem Buch auf die Schliche. Appetitanreger oder Lesebuch? Diese Frage stellt sich nicht. Der Untertitel „Lesen und Sammeln“ ist nicht nur mit einem Schmunzeln hinzunehmen. Er ist eine Vorankündigung, dass es in der Zukunft noch mehr dieser Bücher (zu anderen Themen) geben wird. Achten Sie auf das A am rechten Buchrand.

„In die Pilze gehen“ wird das Feuer für das eventuell vergessene Pilze sammeln wiederbeleben. Wer begeisterter Pilzsammler ist, wird sich auf der einen oder anderen Seite wiederfinden.

Drei Worte hin und her

Drei Worte hin und her

Von Schweden nach Irland auswandern – für viele stellt sich die Frage ob Schweden oder Irland. Linn wohnt in Schweden. Ihr Mann wird nach Irland versetzt. Viel kann sie der kargen Landschaft nicht abgewinnen. Die Tradition des morning coffee lässt Linn ein wenig Hoffnung schöpfen. Dann treffen sich in dem kleinen Nest, in das es Linn und ihren Mann verschlagen hat, die Damen und schwatzen. Doch so richtig angekommen fühlt sie sich nie. Auch nicht als Michael Quigley in ihr Leben tritt. Doktor Michael Quigley. Nicht der Titel reizt sie, vielmehr seine Art. Er passt so gar nicht hier her. Verschlossen sind die Anderen. Michael ist offensiv, fast schon zu sehr. Beide spüren eine innere Verbindung miteinander.

Bei üblichen Liebesschnulzen würde man wohl jetzt „Bauchkribbeln pur“ lesen. Nicht bei Margret Steckel. Sie lässt Linn nachdenken, zweifeln, verlangen. Denn so schön das Gefühl begehrt zu werden, zu lieben ist, so gefährlich ist auch dieses Spiel.

Denn auch Michael ist verheiratet. Hat sogar Kinder. Linn nicht. Linns Mann ist oft unterwegs. Das ist die schlimmste Zeit für sie. Denn dann hat sie keinerlei Ablenkung. Dann denkt sie an und trifft sich mit Michael.

Zerwühlte Betten sind nicht Margret Steckels Ding. Ihre Helden denken sich durch ihre Liebe. Was wäre wenn? Die Konsequenzen spielen hier eine genauso große Rolle wie augenblickliche Gefühle. Ein starker Roman, der das Vorurteil der seichten Liebesromanlektüre ad absurdum führt. Wohl geformte Sätze verschmelzen im zarten Liebestaumel zu grandiosen Einblicken in die Seele zweier Königskinder. Und die berühmten drei Worte sind letztendlich nicht mehr als ein Ping-Pong-Spiel zwischen ihnen.

Dem Himmel nah

Dem Himmel nah

Anfang Juli 1990. Die Sonne brennt. Im Land, wo die Zitronen blühen kämpfen zweiundzwanzig Spieler gegen die Hitze und einen Goldpokal. Der eine Teil Deutschland schaut reisetechnisch gen Wesen (endlich!), ein kleine Gruppe aus dem westlichen Teil schaut sehnsuchtsvoll und teils auch bange gen Osten. Drei Bergsteiger machen sich auf den Weg den Pik Kommunism zu erklimmen. Qullai Samani heißt der wieder, nachdem die Sowjetunion und der gesamte Ostblock als abgeschlossenes Kapitel in den Geschichtsbüchern stehen.

Papiere besorgen von Ländern, die gerade im Entstehen sind bzw. gerade zerfallen, ist keine leichte Angelegenheit. Die Drei haben sich aufgeteilt. Jeder übernimmt eine andere Aufgabe. Das erste Abenteuer ist die Zugfahrt von Köln nach Moskau. Unterwegs müssen die Achsen gewechselt werden, weil es in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, dem Nachfolger der Sowjetunion, eine andere Spurbreite gibt. Endlich angekommen im Pamirgebirge werden die Drei gleich auf eine erste harte Bewährungsprobe gestellt: Eine Expedition hat den Aufstieg nicht überlebt. Im Camp mit Bergsteigern aus allerlei Nationen herrscht Betroffenheit. Im Gegensatz zu ihren Mitstreitern sind die drei Rheinländer Amateure. Ihre Ausrüstung ist ausreichend – sie alle sind wahrhaft keine Anfänger mehr – im Vergleich mit der Profiausrüstung der teils gesponserten Teams wirkt ihre Equipment aber eher simpel.

Nach Tagen der Eingewöhnung macht sich das Dreigestirn auf den Weg in die bisher unerklommenen Höhen über 7.000 Meter. Die Luft ist dünn, die Kraft lässt nach, der Wind nicht. Wer Bergsteiger ist, kennt die Strapazen, die von einem auf den anderen Moment auftreten können. Klaus Auen gibt in seinem Buch einen Einblick darin, was es heißt Bergsteiger zu sein. Die Beine werden schwer, der Kopf leer. Auch wenn es sich reimt (und das soll ja angeblich gut sein), ist es eine Tortur, die keiner jemals zuvor erlebt hat. Den Drachenfels hochsprinten (wie in der Vorbereitung) ist dagegen ein Klacks.

Wer Bergsteigergeschichten mag, wird hier vollends auf seine Kosten kommen. Wem die Bergwelt bisher ein Buch mit sieben Siegeln war, leckt Blut. Ausführlich und dennoch nicht ins Bedeutungslose abdriftend verleiht Klaus Auen seiner Faszination für die Berge Ausdruck. Der Leser fiebert mit. Schaffen die Drei den Aufstieg? Und wenn ja wie? Ein kurzweiliges Lesevergnügen.

Mit dem Fahrrad durch die USA

Mit dem Fahrrad durch die USA

Sich einfach auf den Drahtesel schwingen und ab geht’s. Ja, das kann man machen, wenn man zur Arbeit will, oder zum Einkaufen, oder einen kleinen Ausflug unternehmen will. Aber in einem fremden Land, fernab von der Heimat? Schon als Teenager war Peter Lindwedel von Karten und fernen Ländern fasziniert. Als passionierter Radfahrer kam für ihn nur ein Fortbewegungsmittel in Frage: Das Rad! Und einmal die USA durchqueren, von San Francisco an den Atlantik. Das war sein Traum. Von West nach Ost. Denn es gibt mehr West- als Ostwinde. So war der Traum, so war der Plan. Bis es in die entscheidende Planungsphase ging. Um es kurz zu machen: Aus dem West-Ost-Trip wurde ein Ost-West-Trip. Schon die Vorbereitung ist eine gewaltige logistische Aufgabe. Denn man kann nicht einfach so sein Fahrrad aufgeben. Dazu benötigt man eine Schachtel, die gewisse Maße nicht überschreiten darf. Die zu bekommen, ist allerdings unmöglich. Improvisation ist das Zauberwort. Diesem Zauber wird er auf seiner Reise noch öfter unterliegen (müssen).

Als endlich amerikanischer Boden unter den Sohlen des Pedalritters brennt, kann es losgehen. Naja, nicht gleich. Der Transport hat am Rad Spuren hinterlassen. Doch nachdem die behoben sind, kann es endlich losgehen. Losgehen mit falschen Routen, Umwegen und … einem Reifenplatzer. Die Ausschilderung im Ausgangsort Savannah (Georgia) lässt zu wünschen übrig. Genauso wie das Wetter. Es regnet Bindfäden. Der Regen füllt Schlaglöcher, und es kommt wie es kommen muss: Reifen platt!

Das fängt ja gut an, denkt man sich als Leser. Murphys Gesetz ist stets präsent. Doch wie so oft im Leben, kommt ein Unheil zwar selten allein, dafür aber nur einmal. Insofern hat Peter Lindwedel das Gröbste hinter sich. Seine Reise führt ihn nicht ihn die Metropolen New York, Chicago oder New Orleans – er will Amerika entdecken. Für sich entdecken. Einzig die Golden Gate Bridge in San Francisco steht unverrückbar als Zieldurchfahrt fest. So radelt er mit sechs Stunden Musik auf dem mp3-Player, einem Smartphone, jeder Menge Gepäck und dem unbedingten Willen das Frühjahr 2013 als Pedalritter auf dem fremden Kontinent zu durchqueren, durch menschenverlassen Regionen, vorbei an erstaunlichen Gesteinsformationen, über Berg und Tal, durch Georgia, Kentucky, Kansas, Colorado, Utah, Nevada, Kalifornien. Ein echter Abenteuertrip! Er trifft Menschen, die ihm Obdach geben, campiert in den schönsten Landschaften, die man sich vorstellen kann und erlebt das, was Pauschaltouristen nur vom Hörensagen kennen.

Fast sechseinhalbtausend Kilometer strampelt er durch die USA. Von April bis Juni macht Peter Lindwedel die Reise seines Lebens. Zum Glück hat er alles in seinem Tagebuch für den Leser niedergeschrieben. Wer Ähnliches vorhat, kann dieses Buch als Ratgeber benutzen. Wer außergewöhnliche Reiseerlebnisse bevorzugt, kommt hier voll und ganz auf seine Kosten.

Galgenheck

Galgenheck

Der Vorort war schon immer der Hort der außergewöhnlichen Geschichten. Man denke nur an Fernsehserien wie „Breaking Bad“. Ganz so rabiat geht es in „Galgenheck“ nicht zu. Doch auch hier regiert die Neugier überm Gartenzaun und der Drang nach vollendeter Perfektion. Da stört jeder noch so kleine Unruhestifter.

Madeleine Giese lässt ihre eingeschworene Gemeinschaft unter der  unerträglichsten Frühsommerhitze des Jahres leiden. Ein Fest soll organisiert werden. Da tut sich natürlich immer Einer bzw. Eine besonders hervor, der oder die alles so perfekt wie möglich haben will. Und wehe es funkt einer dazwischen. Offen ausgetragene Konflikte sind dann eher nicht an der Tagesordnung. Unterschwellig brodelt es im Galgenheck, so der Name der Idylle zwischen streng gezogenen Grundstücksgrenzen.

Die bohrende Langeweile der Vorstadtsiedlung bekommt langsam Risse. Doch statt sich über die Abwechslung zu freuen, sie als Chance zum Fortschritt zu nutzen, gefällt man sich im goldenen Fertigteil-Käfig.

Ein Trunkenbold hält die Nachbarschaft auf Trab, genauso ein Kater, der dämonische Kräfte entwickelt. Nach und nach kommen auch die Bewohner von Gelgenheck auf Trab…

Madeleine Giese wirft in ihrem Roman einen süffisanten Blick auf die Vorstadtidylle einer deutschen Stadt. Welche wird nicht erwähnt, aber es kann hier wie da genauso oder ähnlich passieren. Ist der nachbarschaftliche Frieden in Gefahr, erhebt sich selbst der Bequemste und greift zur Fahne. Wer nicht mitmacht, den bringt man schon auf die eine oder andere Weise dazu.

„Galgenheck“ ist ein amüsanter Blick auf Gemeinschaften, die durch räumliche und nicht durch menschliche Nähe entstanden sind. Jeder ist sich selbst der Nächste. Die freundliche Art der Nachbarn ist oft nur Fassade. Erst der Kampf gegen die Eindringlinge in die Monotonie der Vorgartenidylle schweißt sie näher zusammen. Ein Roman für alle, denen konformistischer Baustil und erzwungener Gemeinschaftssinn ein Lächeln übers Gesicht huschen lassen. Ein köstlicher Lesespaß, der mit Tiefgang überzeugt.

Von Elefanten und Menschen

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„Ach wie süß“, „So tapsig“ – wer einen Elefanten sieht – egal ob im Zoo oder in „freier Wildbahn“ – ist fasziniert. Dieses erhabene Wesen begleitet den Menschen seit Jahrtausenden durch sein Leben. Und immer noch sind wir kleinen Menschen vom Riesen Elefant verzückt. Da wird es Zeit sich langsam vom verklärten Bild des gemütlichen Giganten zu verabschieden. Fred Kurt kennt die asiatischen Elefanten wie kaum ein anderer. Er kann dem Leser viel über das Wesen erklären. Und das tut er mit Leidenschaft in diesem Buch.

Sein erstes Kapitel nennt er „Das Einmaleins der Elefantologie“. Wer bis dahin noch nicht gefangengenommen wurde von den grauen Riesen, der liegt jetzt endgültig in Ketten. Hier werden Grundlagen gelegt, die auch den Autor nicht mehr losließen. In Riesenschritten führt Fred Kurt den Leser durch das Dickicht unseres Unwissens und seiner Forschungen. Vom Zirkuselefanten bis hin zum dringend benötigten Arbeitsbullen, vom Wissen der Menschen, die den Elefanten schon immer zum Nachbar hatten bis hin zum Kindersegen – Fred Kurt lässt keinen Aspekt elefantastischen Lebens aus. Die fast zweihundert Abbildungen ziehen den Leser sofort in ihren Bann. Dramatische Rettungsaktionen, jahrhundertealte Reliefs oder die imposanten Abbildungen von Elefantenherden beeindrucken wegen ihrer Einzigartigkeit.

Wer sich von Elefanten angezogen fühlt, wird dieses Buch zur Bibel erklären. Fred Kurt lässt nicht unbemerkt, dass die sanften Riesen aber auch eine gefährdete Spezies sind. Sie werden drangsaliert und geprügelt. Als Arbeitstiere im wahrsten Sinne des Wortes missbraucht. Auch davor verschließt der Autor nicht die Augen und zeigt die oft unwürdigen Bedingungen unter denen die Tiere leben.

„Von Elefanten und Menschen“ ist ein faszinierendes Buch über faszinierende Tiere, die dem Menschen dienen, ihn erfreuen und oft so schlecht behandelt werden.

Die Satten

Die Satten

Wenn man sich anstrengt, kann man auch was erreichen. Sich eine Karriere aufbauen, schöne Urlaube verbringen, ein Haus oder eine Wohnung sein Eigen nennen, teure Autos fahren. Ja, manche können sich sogar ihre Träume verwirklichen. Doch was dann? Alles erreicht – was kommt nun? Für neue Träume ist man zu alt, zu fett, zu faul. Zu satt!

Sie und Er – Namen sind Schall und Rauch – haben es geschafft. Er arbeitet bei einer Versicherung, hat ein hart arbeitendes Team unter sich, regiert mit strenger Hand. Sie malt, frönt dem Müßiggang, nimmt sich dabei aber ernst. Nur leise klingen verzweifelte Sehnsüchte an. Ihrer beider Leben ist gekennzeichnet vom Alltag. Sie sind zufrieden mit dem, was sie haben: Eigentumswohnung, Urlaube, Autos. Sie schwelgen nicht im Luxus. Ja, sie könnten sogar die Nachbarn von nebenan sein. Unauffällig reich. Nicht übermäßig reich. Doch genug, um sich vermeintliche Träume zu erfüllen. Von unten nach oben gebuckelt. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ohne Feingefühl. Ohne Gewissen.

Wenn so jemand aus der Bahn geworfen wird, bzw. seine eingelaufenen Pfade verlassen muss, ist das eine mittlere Katastrophe. Wenn andere die Ärmel hochkrempeln, um aus dem Schlamassel herauszukommen, versagen die Satten. Sie sind es nicht gewöhnt zu kämpfen. Sie lassen kämpfen. Haben Ideen, die andere umsetzen müssen. Und wenn sie mal selbst Hand anlegen müssen, vergessen sie dabei das Wichtigste: Sie könnten beobachtet werden. Beurteilt.

Bei ihm läuft es zur Zeit nicht wie am Schnürchen. Ein anderer Platzhirsch drängt ins Revier. So war er auch mal. Die Degradierung – bei gleichem Gehalt – trifft ihn hart. Es ist doch nicht nur das Geld, was zählt. Macht ist das wahre Elixier. Der Neue muss weg. Eine Lösung scheint schnell gefunden. Und zwar in dem Typen mit dem rollenden R und dem ewig  hechelnden und knurrenden Vierbeiner. Ein paar Tausender kostet’s schon, aber das ist machbar. Problem gelöst? Problem gelöst! Wirklich? Ja. Aber auch dauerhaft? Ähm, naja. Es beginnt ein Spiel, das Sie und Er nicht kennen, sich aber darauf einlassen. Einlassen müssen. Denn wer A sagt, muss auch B sagen. Es beginnt eine Spirale des Todes, des Hasses und der verborgenen Gefühle. Ungeahntes Potential wird freigesetzt. Er entdeckt sein Gewissen, sie ihren Biss.

Susanne Preuskers Krimi strotzt nur so vor Andeutungen. Der Leser muss mitspielen. Eine exzellente Mischung aus Fakten und Vermutungen zieht den Leser in den Bann der Ereignisse. Macht man sich anfangs noch ein wenig lustig über die Ungelenkigkeit von Ihm und Ihr, so wandelt sich das Schmunzeln in Kopfschütteln. Bis am Ende … das muss der Leser schon selber beurteilen.

Tangram

Tangram

Ganz schön kniffelig! Tangram ist ein Spiel, das den ganzen Geist beansprucht. Verschieden große Dreiecke, ein Quadrat und ein Parallelogramm müssen nach Vorgaben eine Figur ergeben. Siebenundsiebzig Vorlagen sind auf ebenso vielen Karten vorgegeben. Natürlich ohne dabei zu zeigen wie die Spielsteine gelegt werden müssen. Erstaunlich, was alles daraus entstehen kann! Ein Schwan, ein Sitzender, ein Pfeil, eine Krone … es gibt so viele Möglichkeiten. Eben die angegebenen 77. Vorstellungskraft und Geduld sind elementare Grundvoraussetzungen, die man mitbringen sollte. Die Geduld kommt vielleicht auch erst beim Spiel. Ausprobieren!