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Only cigars!

Only cigars!

Seit einigen Jahren gibt es in Europa das Tabakwerbeverbot. Und nun das! Ein Buch, das den Tabakgenuss anpreist. Alles halb so wild! Dieses kleine Büchlein verleitet nicht zum Rauchen! Es ist ein Buch, das Zigarrenraucher und Nichtraucher gleichermaßen in den gemütlichen Sessel lockt und die Schwärmereien der Literaten wie Nebelschwaden an einem vorbeiziehen lässt. Es geht auch nicht um minderbegabte Schauspieler, die mit ihrem Tabakbalken im Mundwinkel mehr oder weniger debil in die Kameras grinsen und dabei „auf dicke Hose machen“. Hier geht es um Genuss, ein Stück Kultur.

Ein Mann wie Mark Twain vertilgte am Tag mehrere Dutzend Zigarren. Ihn störte es nicht, seine Umgebung sicherlich auch nicht. Beim Rauchen kamen ihm die besten Ideen. Ganz im Gegenteil zum Wein. Der machte nur einen schweren Kopf. Doch die Schwere brachte keine Zeilen zu Papier.

Groucho Marx, der Mann mit der wilden Frisur, der neckischen Brille und dem aufgebmalten Schnurrbart, erzählt in seiner ihm eigenen komischen Art von seiner Passion. Er lebte zu einer Zeit, in der er nicht eine bestimmte Marke rauchte. Er rauchte Zigarren nach Preisen. Erst eine Zigarren-Werbung, die ihm eine halbe Stunde Havanna verhieß, änderte er sein Verhalten … und beschwerte sich bitterlich beim Verkäufer und beim Hersteller, dass er nur achtzehn bzw. maximal zweiundzwanzig Minuten Havanna genießen konnte. Die Firma zahlte ihm prompt den Kaufbetrag zurück, dreißig Cent.

Nicht nur Literaten wurden von Reinhard Kober für dieses exquisite Büchlein ausgewählt. Auch der Papst der Zigarren, Zino Davidoff kann eine Geschichte beisteuern. Seine Eltern ließen sich nach ihrer Flucht aus der Ukraine in Genf nieder. Hier wurde das Tabakimperium Davidoff geboren. Zino Davidoff erinnert sich an die Leidenschaft, die er schon früh für Tabak hegte. Reisen unter anderem nach Kuba waren für ihn eine Offenbarung. Besonders gern erinnert er sich an einen Kunden seines Vaters. Ein Kunde, der nie bezahlte und auch nie bezahlen musste. Er kam regelmäßig. Ein eher kleiner Mann. Ein Russe. Einer mit einem Pseudonym. Lenin, der Revolutionsführer in der alten Heimat.

Wenn man so durch die Seiten blättert, die Anekdoten liest, Romanausschnitte in sich aufsaugt wie ein Zigarrenraucher den Tabakrauch man auch als Nichtraucher erahnen, welch ein Genuss die Protagonisten umwehte. Man wird nicht gleich zum Raucher. Das nicht. Aber man sieht so manches intellektuelles Gespräch, beispielsweise mit dem Dramatiker Heiner Müller (gab es den überhaupt ohne Zigarre?), mit anderen Augen. Müller sah im Zigarrenrauchen durchaus auch eine gesellschaftliche progressive Komponente.

Stern von Algier

Stern von Algier

Die Zukunft sieht nicht rosig aus, die Gegenwart ist trist. Doch Moussa lässt sich nicht beirren. Er wird der neue Michael Jackson. In einem Land wie Algerien, irgendwann in den 90er Jahren, ein schönes Ziel. Eine Notwendigkeit. Denn ohne Ziel ist man in diesem Land verlassen.

Kablyischer Chanson nennt sich die Musikrichtung, benannt nach der Gegend, aus der er kommt. An der Wand das große Idol, in der Tasche der Walkman. Sind die Batterien leer, verzichtet Moussa auf vieles. Hauptsache das teil dudelt. Auf dem Schwarzmarkt kosten Batterien oft das Zehnfache des normalen Preises. Aber es gibt dort welche. Musik ist sein Leben, sein Traum.

Und es scheint auch wirklich voranzugehen. Er hat Auftritte, bekommt Zeit in einem Aufnahmestudio, Plakate für Konzerte werden gedruckt. Aber es gibt auch die Schattenseiten. Seine Freundin verlässt ihn, seine Freunde sind ihm fremd geworden. Alles ist ihm fremd. Islamisten stehen an allen Ecken. Das Land steckt in einer Krise. Korruption und Machtverlust bestimmen die Gazetten.

Der große Traum rückt immer weiter in den Hintergrund – Moussa wird immer unzufriedener. Die Aufnahmen geraten nicht so wie er dachte. Als sein Lied im Radio gespielt wird – gebannt hockt er sich vor den Empfänger – erkennt er sein eigenes Lied nicht wieder. Völlig entstellt! Er stellt die Verantwortlichen zu Rede, sie ihn im Regen stehen. Die Wut kocht in ihm hoch. Bis… , ja bis es eskaliert!

Aziz Chouaki schreibt in „Stern von Algier“ von einem Mann, der sein Leben selbst in die Hand genommen hat. Doch auf dem nach oben, in ein besseres, hoffnungsvolles Leben, muss er steinige Treppen überwinden. Immer wieder stolpert er von einem Reinfall in den nächsten. Der trostlose Alltag ist noch zu stemmen. Genug Übung hat Moussa schließlich. Doch, wenn es um seine Träume geht, entwickelt er ungeahnte Kräfte. Leider nicht immer zu seinem Besten. Gitarren statt Knarren könnte der Untertitel sein. Ein frommer Wunsch, der dem Schicksal des jungen Musikers als Leitbild dient, und schlussendlich nicht als Enttäuschung für ihn parat hält.

Kleine Stadtgeschichte Zürichs

Kleine Stadtgeschichte Zürichs

Zürich, die elegante Stadt an der Limmat, am idyllischen See. Wer dort weilt, holt sich was weg. Und zwar eine geballte Ladung Eindrücke und Geschichte. Bei so viel Finanzgebaren vergisst man schnell, dass schon vor Jahrtauenden hier die ersten Siedler ihre Zelte aufstellten, die Kelten und die Römer Kastelle errichteten und die Stadt zu einem wichtigen Handelsort machten.

Thomas Lau gibt in seiner „Kleinen Geschichte Zürichs“ mehr als einen kleinen Einblick in die Vergangenheit der Stadt. Wer Zürich außerhalb von Reiseführern erkunden will, findet in diesem Buch den idealen Reiseguide, der kenntnis- und detailreich zu berichten weiß.

Immer wieder lockern kleine Anekdoten das Geschichtsbuch auf, um den Leser nicht mit Zahlen und Ereignissen zu überfrachten. Das Buch liest man nicht in einem Ritt durch. Auch zweihundert Seiten können eine Unmenge an Fakten aufweisen. Stück für Stück, Jahrhundert für Jahrhundert, nähert man sich dem Zürich wie man es heute kennt. Auf den Spuren von Dichtern und Gelehrten wandelt der Leser durch die heimliche Hauptstadt der Schweiz. Vorbei an historischen Gebäuden, die noch immer ihre Wirkung nach außen tragen. Hier wurde Dada „erfunden“, Revolutionen ersonnen, Nobelpreisträger geformt.

Dieses Buch ist eine echte Bereicherung für jedes Reisegepäck. Thomas Lau lässt die Persönlichkeiten, die diese Stadt prägten zu Wort kommen und gibt ihnen den Freiraum Andere (Leser) in ihren Bann zu ziehen. Einst galt sie als Hauptstadt des Exils: Lenin, die Manns, James Joyce (der hier auch begraben ist, auf dem Friedhof Fluntern) lebten und wirkten hier.

Wer Zürich schon kennt, wird es nie leid es zu besuchen. Doch so, wie in diesem Buch beschrieben, hat man Zürich noch nicht gesehen. Der Begriff Historie wird mit diesem Buch im Speziellen und der Reihe im Allgemeinen auf eine höhere Stufe gehoben. Man muss ja nicht gleich den gesamten Urlaub auf den Spuren der Vergangenheit verbringen. Aber ein Tag, ein paar Stunden, dafür allemal Zeit und die Stadt gibt es auch her. Stadtrundgänge wird man vergebens suchen. So viel Individualismus muss sein, das erhöht den Forscherdrang. Auch wenn das Ergebnis dank des Buches schon feststeht, wird man jeden Schritt, den man diesem Buch folgt genießen und keinen einzigen bereuen.

Allein, unbesiegt

Allein, unbesiegt

Charles und Kérim waren einst unzertrennlich. Echte Freunde eben. Das war vor sieben Jahren. Charles zog es hinaus in die Welt. In den Krieg. Irgendwo, wo irgendwer gegen irgendwen um irgendwas kämpfte. Kameradschaft wird hier großgeschrieben. Doch Charles passt nicht so recht rein. Er kämpft seinen eigene Krieg. Den gegen die Gedanken, die Angst, die Vergangenheit. Lethargisch lebt er in den Tag. Aber er lebt.

Dann erreicht ihn die Nachricht, dass Kérim im Sterben liegt. Vorbei die trostlosen, sinnfreien Tage. Nach langer Zeit packt ihn der Mut und er seine Sachen. Er reist zurück, nach Frankreich, nach C. (Loïc Merle lässt offen, wo die Stadt liegt, was aber keinen Anlass zur Sorge oder zu weiteren Gedanken geben sollte). Da liegt er nun, der Freund, Kérim. Ein Schatten seiner selbst. Aber immer noch scharfzüngig wie einst. Leukämie lautete die Diagnose, unheilbar das Urteil. Was tun? Der Freund, der einem so fremd geworden ist, auch und besonders menschlich – sieben Jahre sind eine lange Zeit – hat so gar nichts mehr von dem, was einmal war. Charles kommt ins Grübeln, denkt nach, erinnert sich. Die Kindheit, die Mutter, die Abenteuer. Keine Memoiren, die zum Schmunzeln anregen. Vielmehr zum Nachdenken.

Charles beschließt, sofern man das kalkulieren oder gar berechnen kann, Kérim wieder als Freund zu gewinnen. Was anfangs auch gelingt. Doch das Piepen der Geräte, die sterile Atmosphäre und die komischen Typen, die immer dann kommen, wenn er sich entfernt, lassen kaum Raum für freundschaftliche Gefühle. Wer sind die? Stehen wie eine Bruderschaft verschwörerisch beisammen. Brabbeln seltsames Zeug und sind ebenso schnell wie lautlos wieder verschwunden sobald ein Fremder in die Nähe Kérims kommt.

Charles kommt aus dem Grübeln nicht heraus. Gerade eben noch im Krieg, allein mit sich und seinen Gedanken. Und nun dort, wo er sich eigentlich geborgen fühlen sollte. Bei seinem Freund Kérim, der mehr als alle Anderen seine Hilfe zu benötigen scheint. Auch die Armee braucht Charles wieder. Wenn er nicht bald erscheint, gilt er als Deserteur. Ausbruch? Abhauen? Flucht? Ohne Geld! Kérim könnte und wolle ihm helfen.

Und dann ist da noch Lilly, oder Cat wie sie jetzt heißt. Schwanger. Von ihm, Charles. Ach, ohne Gefühle könnte alles so einfach sein. So versucht er seinem Gefühlschaos Herr zu werden. Rational dosiert er die Zutaten für den Gedankensalat. Was bleibt ist ein Menü voller Widersprüche, voller Geschmacksexplosionen, garniert mit einer gehörigen Portion Zweifeln und Selbstaufgabe. Hin und Her gerissen vom Gefühlstaumel seiner Heimat strauchelt Charles lediglich, zu Fall bringen lässt er sich nicht.

Styleguide Amsterdam

Styleguide Amsterdam

Quizfrage: Welche Stadt passt nicht in diese Aufstellung? New York – Paris – Rom – Amsterdam. Letztere, in ihr werden keine Trends kreiert, möchte man fast meinen. Doch die Antwort ist falsch! Die Trends werden nur nicht publik gemacht bzw. legt man darauf in Amsterdam keinen gesteigerten Wert. Denn dass Amsterdam hip und trendy ist, beweisen eindeutig die Besucherzahlen. Die holländische Hauptstadt ist wohl die coolste in Westeuropa. Hier werden die Trends gemacht, die weltweit unterschwellig gar nicht als solche wahrgenommen werden. Das wurde es höchste Zeit einen coolen, hippen Reiseband herauszubringen.

„Eat – shop – love it“ – Untertitel und Aufforderung zugleich. Doch zuvor: Lesen und fühlen. Ja, fühlen! Der im wahrsten Sinne einprägsame Einband, der das Grachtenwirrwarr plastisch darstellt, nimmt es vorweg: Hier hält man einen besonderen Reiseband in den Händen. National Geographic, das Magazin, das in jedem noch so bekannten Platz der Welt das Besondere zu entdecken in der Lage ist, zeichnet für die Reihe Styleguide verantwortlich.

Autorin Monique van den Heuvel ist die Stilberaterin in Sachen Coolness, nouvel cuisine á la Amsterdam. Gleich zu Beginn gibt sie dem wissbegierigen Leser – und die Neugier lässt bis zum Schluss nicht einmal nach – ihre Tipps für einen 24-Stunden-Tag in Amsterdam mit auf den Weg. Ob man nun auf ihren Pfaden wandeln will oder doch den einen oder anderen Tipp den ihren vorzieht, bleibt jedem selbst überlassen.

Handgemachte, dadurch einzigartige Mitbringsel für die, die „nur“ das Buch lesen durften, außergewöhnliche Restauranttipps, Schnäppchenmode aus so ziemlich jeder Epoche – Amsterdam ist für den modernen Reisenden eine echte Herausforderung und eine goldige Fundgrube. Viele der in diesem Buch vorgestellten Läden, Bars und Hotels stehen in keinem Prospekt des Tourismusbüros. Es sind also echte Geheimtipps, die selbst die Amsterdamer kaum kennen. Oder besser gesagt, die nur die hippen und coolen Amsterdamer kennen. Wenn man so will, ist dieses Buch der gedruckte Beweis, dass Integration, und sei es auch nur für einen Kurztrip, möglich ist. Die Integrationsbeauftragte für das lebensfrohe Reisegrüppchen moderner, neugieriger Amsterdam-Besucher ist die Autorin selbst. Sie interviewt die kreativen Köpfe und fördert so das Geheimnis der trendigen Hauptstadt der Niederlande zu Tage.

Einen Haken hat das Buch: Wer sich nur an dieses Buch hält, könnte Gefahr laufen sich eine Unterkühlung zuzuziehen. So cool, so umfassend, so anschaulich bebildert war Amsterdam noch nie!

XXL-Dino-Ei

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Na das ist mal ein traditionsreiches Ostern! Traditionen sind bekanntermaßen althergebrachtes Brauchtum wie beispielsweise das Ostereierverstecken. Zahlreiche Schokoeier, Schokoküken und Schokohasen werden überall versteckt und sorgen bei Entdeckung für laute Begeisterungsstürme. Apropos Küken und Eier – und jetzt sind wir bei den Traditionen: Dieses Ei birgt eine ganz besondere (althergebrachte) Überraschung. Das Ei legt man in ein hohes Gefäß mit Wasser, so dass das Ei komplett bedeckt ist. Jetzt braucht man Geduld! Viel Geduld. Stundenlang! Nach und nach knackt die Schale auf. Zuerst ein ganz kleiner Riss, der dann über die Schale wandert. Bis…, ja bis sich der Inhalt seinen Weg ans Tageslicht gebannt hat. Das dauert dann schon mal vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden. Stunden, in denen die Wartezeit schier unendlich erscheint. Aber das Warten lohnt sich. Denn der Dino im Inneren wächst dann noch weiter. Bis zu einer Woche!

Ein köstlicher Spaß, auch für die Großen. Denn dieses Schauspiel gibt es in der Natur seit über einhundertsechzig Millionen Jahren nicht mehr zu bestaunen.

Druck

Gespenster- und Schauergeschichten

Gespenster- und Schauergeschichten

Dank Regisseuren wie Eli Roth, Quentin Tarantino und Robert Rodriguez sind wir an Horror wieder gewöhnt. Ihre literarischen Wurzeln hingegen liegen noch gut erreichbar in den Regalen der Verlage. Ripperger & Kremers wagen nun den Anfang erstklassige Gänsehautgeschichten aus der zweiten Reihe ans Tageslicht zu gewöhnen. Man ist schon recht verwöhnt, wenn in Filmen detailliert das bestialische Abtrennen von Ohren gezeigt wird, oder ein Bein mehr oder weniger fachgerecht seiner Funktion beraubt wird. Optisch für Viele fragwürdig, für Kenner ein filmischer Genuss. Und wie haben sich im vorletzten (und davor) die Menschen in Gruselstimmung versetzt? Ganz einfach! Sie lasen. Sie lasen Friedrich Gerstäcker, E. T. A. Hoffmann und Jean Paul. Denn die hatten auch so manches Schauermärchen niedergeschrieben. Heute leider vergessen. Beziehungsweise fast vergessen.

Die „Gespenster- und Schauergeschichten“ im gleichnamigen Band verführen mit jeder einzelnen Zeile. Dringendes, liebevollstes Flehen, unüberwindlichste Abscheu, Schwärzeste Ahnung – allein die nuancenreiche Wortwahl lässt einem so manche Horror-Plattitüde vergessen. Wer Horror liebt, wer sich phantasiereich im Zeilenwirrwarr zurechtfinden kann, wer die Gänsehaut spüren will, kommt an diesen Großmeistern der Blutwallung nicht vorbei.

Wer jetzt hofft, dass an dieser Stelle die eine oder andere Geschichte vorgestellt wird, hofft vergebens. Denn diese Art von Geschichten leben von der Spannung und der Vorfreude auf das, was da noch kommen mag. Nur so viel: Gerstäcker als Wild-West-Romantiker ist passé. Jean Paul als ewiger Romantiker – das war einmal (obwohl Grusel und Romantik gar nicht so weit voneinander entfernt liegen). Nur E. T. A. Hoffmann verbindet man landläufig mit einem Hauch Mystik und Schauer. In den für dieses Buch ausgewählten Geschichten weiß auch der Letzte warum.

Sprachfetischisten werden dieses Buch kaum wieder aus der Hand legen. Wie ein unablässiger Todeshauch zieht es den Leser in den Bann der Geschichten. Verlassene Schlösser, Geister, die ihr Unwesen treiben, mannhafte Ritter, die sich in die Rüstung machen, Kleidungsstücke, die den Träger zu Taten veranlassen, die er andererseits nie begehen würde, sind die Zutaten für ein Buch der Extraklasse.

Die Gestaltung des Umschlages – kaltes Blau, das bei genauerem Hinsehen Schrecken vorwegnimmt – trägt schon beim Erstkontakt zum Gruseln bei. Hier stimmt einfach alles: Außen hui, inne huihuihui.

Skylines

Skylines

Eine Stadt, die allein nur durch ihre Silhouette auf sich aufmerksam macht, kann stolz behaupten es geschafft zu haben. Ein unverwechselbares Äußeres, das sofort Urlaubsstimmung, willkommene Erinnerungen und Sehnsucht aufkommen lässt, ist eine Visitenkarte, die den Reisenden der Welt freudig übergeben darf.

Yolanda Zappaterra und Jan Fuscoe haben fünfzig Visitenkarten gesammelt und die Einladung angenommen sich selbst davon zu überzeugen. Fünfzig Städte, die jede für sich eine kleine Hauptstadt im Dschungel der Welt darstellen. Die visuelle Erscheinung ist oftmals visionär. Man denke nur an die teils prominenten Gegner des Eiffelturms – was wäre die französische Hauptstadt ohne ihn? Eine Millionenstadt mit breiten Avenues, prachtvollen Bauten, mythischen Vierteln, aber ohne ein echtes Wahrzeichen. Und was sollten die Souvenirverkäufer anbieten? Den Champs Elysèes in Plastik?

Dieses Buch ist eine Herausforderung für jeden Globetrotter. Fünfzig Mal Prunkstücke, fünfzig Mal Ah und Oh, fünfzig Mal Augenschmaus. Jedes Stadt bekommt gleichviel Platz im Buch: Vier Seiten. So kommt kein Neid auf! Als Leser kann sich ja mal den Spar erlauben und ein wenig Rätseln. Buch irgendwo aufschlagen. Doppelseite mit Silhouette suchen und die Abbildungen auf sich wirken lassen. Na, wo ist man gerade gelandet? Rio? Havanna? Beirut? Oder Moskau? Einmal kurz zurückblättern und schon offenbart sich die Lösung. Kurze Texte geben die Begründung, was diese Stadt so einzigartig macht. Und warum genau diese Stadt ins Buch gehört.

Hier stehen sie nun, die Festungsstädte, Kulturhauptstädte, Küstenstädte, Wolkenkratzerstädte, die Heiligen und die Visionären Städte des Erdballs. Von Brasilia und Timbuktu über Buenos Aires und Shanghai bis nach Chicago und Istanbul.

Das Magazin National Geographic ist das gedruckte Sehnsuchtsblatt für alle offenen Geister. Unter der Regie des Blattes ist dieses Buch entstanden und verzaubert ab der Umschlagseite. Kolosseum, Operahouse, Sagrada familia kann jeder zuordnen, der halbwegs offenen Auges durch die Welt geht. Doch wer erkennt schon die Flame Towers? Oder Porta Soprana? Oder Ishwar Lat? Kleiner Tipp. Reisen Sie von Baku über Genua nach Jaipur.

Bücher wie dieses sind für die Ewigkeit gemacht, auch wenn die Welt sich weiterdreht und die Skylines sich stetig verändern. Sie sind der Anker unserer Wahrnehmung der sichtbaren Welt. Bizarre Formen, deren Entwürfe Kopfschütteln hervorrufen und als fertiges Produkt den Betrachter in ihren Bann ziehen.

Könnten Sie Deutsche(r) werden?

Könnten Sie Deutscher werden

Das brisanteste Spiel des Winters! Der deutsche Einbürgerungstest als Spiel. 300 Fragen, die jedem, der die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen will, begegnen können. Denn aus diesen 300 Fragen werden jeweils 33 Fragen ausgesucht, von denen 17 richtig beantwortet werden müssen. Hinzu kommen noch zehn Fragen, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. Für jemanden, für den Deutsch eine Fremdsprache ist nicht die leichteste Art sich zurecht zu finden. Doch auch so mancher Einheimischer kommt bei der einen oder anderen Frage ins Grübeln. Garantiert!

Und wie im richtigen Leben gibt es auch auf dem kreisrunden Spielfeld kleine Stolperfallen. Wer durch Würfeln auf dem „Reisefeld“ (Nachbarn sind kurzfristig verreist und Sie haben keine Visum) oder auf dem „Zu-Spät-Feld“ landet (zu spät zum Einbürgerungstest erschienen), muss eine Runde aussetzen. Wer jedoch auf dem „Bonusfeld“ oder dem „Nachbarschaftsfeld“ Quartier bezieht, darf zwei Fragen beantworten bzw. seinen Nachbarn befragen. Wer zuerst – wieder wie im richtigen Leben – 17 Spielkarten auf seinem Stapel hat, darf sich als Gewinner bezeichnen, sprich hat den Einbürgerungstest bestanden.

Schon beim ersten Durchschauen der Karten merkt man, dass es gar nicht so leicht ist sich mit deutscher Kultur, deutschen Gepflogenheiten und Regeln und Rechten auszukennen. Als „gelernter Deutscher“ sollten die Fragen eigentlich kein Problem sein. Doch die Realität sieht anders aus. Die Fragen reichen von Geschichtswissen über den strukturellen Aufbau der Bundesrepublik bis zu Fragen des Grundgesetzes.

Die Welt des Buddhismus

Die Welt des Buddhismus

Jede Art des Reisens hat ihre Vor- und Nachteile. Ob nun All inclusive oder individuell, ob Wandern oder Pool-Lounging, ob aktiv oder entspannt: Jeder kann sich aus dem schier unendlichen Angebot an Reisemöglichkeiten etwas aussuchen. Und dann gibt es Reisen, die gibt es gar nicht, zumindest gar nicht zu buchen.

Hermann-Josef Frisch hat so eine Reise gemacht bzw. hat mehrere Reisen unternommen, um dieses Buch möglichen weiteren Interessenten in die Hand legen zu können. „Die Welt des Buddhismus“ – klingt erstmal gar nicht nach Reisen im eigentlichen Sinn. Hört sich erstmal nach innerer Einkehr an. Und das Buddhismus seit ein paar Jahren so richtig in geworden ist, gibt es auch dementsprechend viel Literatur zu diesem Thema.

Doch „Die Welt des Buddhismus“ ist ein echtes Reisebuch. Denn der Buddhismus hat einen echten Ursprungsort. Der liegt in Indien und heißt Kapilavastu. Hier wuchs Siddharta Gautama, Buddha, auf. Geboren wurde er in Lumbini. Und diese Orte kann man heute noch besuchen. Wobei die Betonung auch suchen liegt. Ein bisschen Vorbildung ist da schon von Nöten. Oder man macht es sich einfach und nimmt dieses Buch als echten Reiseband zur Hand.

Wenn man den Ausführungen und Wanderungen des Autors folgt, wird einem schnell klar, dass die alte asiatische Weisheit „Der Weg ist das Ziel“ nicht von ungefähr kommt. Buddhismus ist nicht gleich Buddhismus. Auch in dieser Religion gibt es verschiedene Strömungen oder Arten der Religionsauslegung. Vajrayana, Theravada und Mahayana sind unter dem Begriff Buddhismus zusammengefasste Religionen. Ihr Einzugsgebiet reicht von China über Indien, Thailand, Myanmar, Laos und Nepal bis Korea und Japan. Als Tourist lädt man sich gern mal eine Buddhaskulptur als Mitbringsel in Handgepäck. Mal ist es ein dicker lachender Buddha, mal ein liegender, nachdenklicher Buddha. Die Bedeutung dahinter geht oft im dekorativen Chaos daheim unter. Es sieht halt nett aus.

Wer dieses Buch in die Hand nimmt und vielleicht auch den einen oder anderen Ort besucht, wird überrascht sein, wie viel Realität in dieser Religion liegt. Und wie viel es darüber zu berichten gibt. Hermann-Josef Frisch versteht es Religionswissenschaft, Reisefieber und Geschichte in Einklang zu bringen. Dem Leser soll‘s recht sein: Er wird auf eine unendliche Reise geschickt. Bis er erleuchtet ist. Nein, darum geht s nicht in diesem Buch. Religion erlebbar machen, sie anfassen, den Spuren folgen – das alles vermag der, der dieses Buch nicht nur als Anschauungsobjekt betrachtet.