Archiv der Kategorie: aus-erlesen kompakt

Tea Time

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Jede Revolution braucht eine Bibel, eine Art Leitfaden zum Aufstand. Tea Time ist die Kampfschrift für die Abschaffung der Tea Time. Um fünf Uhr! Scones, Shortbread und Co. at five o’clock – das war einmal. Jetzt heißt es sen- und Erdbeer-Macarons, Kastanien-Birnen-Kuchen und Mini-Gugelhupf mit Honig around the clock. Das rockt!

Klein undhandlich, ein bisschen unschuldig kommt dieses Büchlein daher. Törtchen mit Heidelbeeren und Zuckerglasur machen Appetit auf mehr. Doch dann bricht der Kampf los: Warum bis um Fünf warten? Erst anheizen und dann hinhalten! Das geht so nicht weiter! Tea time is anytime, heißt die Parole der Stunde. Jeder Kampf braucht seine Pause und die füllt man mit dem wofür man eben noch kämpfte: Schokoladen-Whoopie-Pies, Holunder-Cupcakes oder Battenberg-Kuchen. Oder hier: Schokoladen-Gewürz-Tartelettes. Oder Doch vielleicht mit traditionellem Shortbread? Mit Cranberries. Bild und Text lassen keine andere Wahl als Zutaten zurechtlegen, Ofen vorheizen, mischen, kneten, naschen (so viel Zeit muss ein) und ab in den Ofen. Wer mutig (und vor allem schmerzfrei ist) kann sich ja die Nase am Backofenfenster plattdrücken. Aber Vorsicht heiß!

Als Trostpflaster gibt’s dann was Leckeres in den wässrigen Mund.

Es sind Bücher wie diese, die die Discounter-Back-„Kreationen“ in den Schatten stellen. Kein großer Aufwand, meist schnell zubereitet und gebacken. Traditionen pflegen wird in Zeiten von Smartphones und Tablets schnell vergessen. Alles sofort und überall verfügbar. Doch mal ganz ehrlich: Selbst gemacht schmeckt immer noch am besten. Und wenn’s mal misslingt, na und, nochmal probieren. Weiterblättern und sich ans nächste Rezept wagen. Und zwar so lange bis alles passt. Knapp dreißig Rezepte stehen zur Auswahl. Das findet sich immer was. Und zwar genau neunundzwanzig Mal.

Erdbeerglück

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Erdbeeren können für so viel stehen: Den Sommer, Frische, Gesundheit. Aber vor allem für Lecker, Schlemmen und mmmhh. Sobald die ersten Erdbeeren aus der Region im Handel sind, verwandeln sich Erdbeerholiker (gibt es das Wort überhaupt? – egal, jeder weiß, was gemeint ist) in wahre Raubtiere. Erdbeertorten werden in Windeseile gebacken und genauso schnell vertilgt. Es gibt kein Halten mehr. Selbst ansonsten wohl erzogene Teenager können bei Kindergeburtstagen nicht mehr an sich halten und verleiben sich eine ganze Torte allein ein.

Doch Erdbeeren sind nicht nur für den schnellen Kick gut. Und schon gar nicht nur für Torten! Für alle Nussliebhaber – denn die Erdbeere ist eigentlich ein Nuss, wer genau hinsieht und mal kurz innehält, kann sie sehen, die kleinen Nüsschen – ist dieses Buch eine Art heiliges Buch. Smoothies, Pavolova (mit leckerer Sahne und Passionsfrucht) … kurze Pause gefällig? … denken Sie nicht an Erdbeeren, denken Sie nicht an Erdebeeren … funktioniert nicht?, okay, dann weiter – Financier, Hippen mit Erdbeersahne. Puh, da kommt man aus der Puste, und das schon beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses.

Alle Rezepte sind schnell und einfach nachzubacken, -kochen, -machen. Die Zutaten sind in jeder gut sortierten Küche immer vorhanden. Fehlen nur noch die glücksbringenden Nüsse. Dass die Erdbeere nicht allein für den Genuss herhalten muss, zeigt unter anderem Rezept Nummer Zwei. Erdbeer-Melonen-Suppe. Beides in gleicher Menge mit Honig und Zitronensaft mixen. Ein bisschen Buttermilch dazu, abkühlen lassen. Danach noch einmal vier Esslöffel Buttermilch dazugeben, mit Minze und Erdbeerstückchen garnieren und … genießen.

Kleines Buch, große Wirkung. Jeder kennt im Bekanntenkreis oder unter Verwandten, der bei Erdbeeren die gute Erziehung vermissen lässt. Ein ideales Geschenkbuch, mit dem jeder gewinnt. Der Schenkende wird von nun an immer mit einem Lächeln begrüßt. Der Beschenkte freut sich darüber, dass er / sie so viele Möglichkeiten aufgezeigt bekommt, was möglich ist. Und beim Zusammentreffen gibt es immer Erdbeerschachbrettkuchen, Erdbeer-Carpaccio mit Nougat, Erdbeersalsa, Rucola-Erdbeer-Salat und ein dankbares Lächeln.

Für immer und jetzt

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Nichts auf der Welt wird so sehr herbeigesehnt wie die Liebe. Wie man sie bekommt, ist so facettenreich wie die Menschheit. Es zu sagen, ist die einfachste Sache. Die Liebe zu zeigen schon schwieriger. Und so unterschiedlich.

Liebe geht durch den Magen. Und durch die Nase. Durch die Nase? Kaum eine kommt heute noch auf die Idee, ihrem Angebeteten mit einem muffelnden Stück Obst ihre Zuneigung zu gestehen. Wobei die olfaktorische Wirkung schon nachgewiesen wurde. In Österreich gibt es den Apfelschnitztanz. Man vergnügt sich, tanzt, lacht. Die Mädchen stecken sich einen Apfelschnitz unter die Achsel. Und am Ende des schweißtreibenden Abends überreichen sie diesen ihrem Schatzi. Schöne Tradition, hilft vielleicht. Aber mal ganz ehrlich! Sie kommen abgetanzt, leicht angeheitert aus einem Klub. Und ihre Angetraute, ihr Objekt der Begierde überreicht ein matschiges, riechendes (wonach auch immer) Stück Obst. Wer denkt da an Liebe? Das muss es doch irgendwo auf der Welt ein geschmackvolleres Ritual geben.

Bleiben wir noch bei der amourösen Nahrungsaufnahme. In Wales, aber auch in anderen keltischen geprägten Gegenden gibt es die schöne Sitte des Liebeslöffels. Unvermählte Männer schnitzen an kalten Wintertagen Löffel mit reichen Verzierungen, die sie nach vollendeter Arbeit ihrer Auserwählten zum Geschenk machen. Die Kunstfertigkeit ist dann ein Symbol für Geschicklichkeit. In jeder Hinsicht…

Überall auf der Welt gibt es Rituale, Traditionen, die es Liebenden leicht oder schwer machen sich zu einander zu bekennen. In Kirgisien ist der Brautraub immer noch bzw. wieder ein gern genommenes Mittel, um die Angebetete an sich zu binden. Das passt leider nicht immer, wird trotzdem durchgezogen. Vorteil hierbei ist, dass auch zwei Menschen, die sich nicht lieben dürfen, analog zu den Capeluts und den Montagues, sich einfach kidnappen lassen und dann – ganz wie es die Regel verlangt – Mann und Frau sein dürfen.

In Kenia gibt es mancherorts ein erniedrigendes Ritual. Mann und Frau werden tagelang beschimpft und mit stinkenden Sachen beworfen. Wer das aushält, überlebt auch die Ehe.

Michaela Vieser macht es und dem Leser bringt es Spaß die alten Traditionen aufleben zu lassen. Denn viele Zuneigungsbekundungen sind zwar noch vorhanden, wie beispielsweise der Hongi-Kuss der Maori oder der Mailehen in einigen Gegenden des Rheinlandes. Doch die Herkunft und die wahre Bedeutung – okay, in der Regel geht es sowieso immer nur um das Eine – sind eigentlich nicht mehr existent. Und damit das nicht so bleibt, fügt die Autorin an jedes Kapitel kleine Rezepte oder Bastelanleitungen, die zum Nachahmen gedacht sind und letztendlich diese hehren (oft Herren-) Traditionen nicht gänzlich im digitalen Sumpf zu versinken lassen.

Sie zeigt aber auch, dass Traditionen keine Erfindung unserer Ahnen sind. Auch der homo sapiens der Moderne trägt (oft unbewusst) zum Fortbestand der Liebeszeugnisse bei. Der Beziehungsstatus – das lehren uns vor allem amerikanische Serien und Filme – spielt immer öfter eine große Rolle. So umgeht man das stammelnde „Ich liebe Dich“ per Knopfdruck.

Das Buch nimmt es einem nicht ab, dem Schatz seine Gefühle auszudrücken. Aber das Spektrum an neuen bzw. neu entdeckten Ritualen vereinfacht vielleicht die ganze Sache. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel der Kauf dieses Buches. Welche Bedeutung außer der Liebe gibt es sonst noch, wenn man dieses Buch verschenkt? Auch als Wink mit dem Zaunpfahl…

Lesereise Vatikan

Lesereise Vatikan

Er ist das letzte Relikt einer vergangenen Zeit. Auf dem Papier ist der Vatikanstaat das rückschrittlichste Land der Erde. Bei näherem Betrachten ist das kleinste Land aber auch sehr fortschrittlich. Ein absolutistischer Herrscher, die bunteste Armee der Welt, aber auch die niedrigste Scheidungsrate. Der Regierungschef hat einen Migrationshintergrund, so wie eigentlich alle Bewohner. Und obwohl die Nähe zu Italien dagegen sprechen sollte, spielt die Fußball-Nationalmannschaft keine Rolle im Elf-Gegen-Elf-Weltgeschehen. Und noch was: Die Verwaltung des Landes ist der größte Immobilienbesitzer der Welt. Und zum Einkaufen allein fährt man auch nicht an den Petersplatz. Endlose Schlangen vor den Museen sind kein Argument hier ein paar geruhsame Tage zu verbringen. Warum also ist der Vatikan so beliebt bei Touristen, dass beispielsweise in den Heiligen Jahren – 2016 steht übrigens wieder eines ins Haus – mehr als die zwanzigtausendfache Menge der Einwohnerzahl an Touristen verkraftet werden muss.

Christine Höfferers Lesereise erklärt in ihren Reportagen warum es sich hier aushalten lässt und ein Abstecher ins Zentrum Roms mehr als nur lohnenswert ist. Noch einmal zurück zu den Warteschlangen. Wer unvorbereitet die Vatikanischen Museen besuchen will, braucht Stehfleisch. Besser anmelden. Dann klappt’s auch mit dem Reinkommen und man hat sogar Zeit und ein wie auch immer geartetes Lächeln für die Wartenden übrig. Zeitgemäß modern wie die christlich-sozialen Freunde in Bayern meint auch der Chef der Museen, dass hier Kontingente von Nöten seien, zumindest aber hilfreich sein könnten.

Die Schweizer Garde ist die wohl am wenigsten Schaden anrichtende Söldnerarmee der Welt. Wer mitmachen will, muss sich einer strengen Prüfung unterziehen. Wenn Alter, Größe, Herkunft, Konfession, Familienstand stimmen, gibt’s eine schicke Uniform. Und die schneidert Ety Ciccioni. Rund 150 Uniformen schneidert er pro Jahr. Die Farben setzen sich aus den Familienfarben früherer Päpste zusammen, das Blau von den Medicis und das Gelb-Rot aus dem Geschlecht der della Rovere. Wegen des Gehalts nimmt keiner der Gardisten diesen Job an. Tausendvorhundert Euro gibt’s jeden Monat vom Chef.

Die Lesereise Vatikan besticht durch die sorgfältige Auswahl der Themen und die lesenswerte Umsetzung selbiger. Christine Höfferer ist eine echte Kennerin der Geheimnisse des Vatikans. Als Tourist wird man dieses Buch verschlingen. Und immer wieder lesen. Und immer dabei haben. Sei es als Zeitvertreib in der Warteschlange, oder als Nachschlagewerk, wenn man vor Ort ist. Denn hier lauert nicht an jeder Ecke ein Histörchen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes in Schrittlänge.

Das Format ist außergewöhnlich: Passt in jede Tasche, beult nicht aus und der Inhalt der Serie im Allgemeinen und dieses Buches im Speziellen trägt dazu bei den Urlaubsort eingehend zu begreifen.

Im Hotel Régina

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Menschen im Hotel. Das geht es oft chaotisch zu, wenn man Hollywood glauben darf. Im Hotel Régina in Nizza ist die Stimmung auch ziemlich angespannt. Wir schreiben das Jahr 1954. Frankreich will schon länger einen seiner größten Künstler mit einer Medaille ehren. Eine Gedenkmünze für Henri Matisse. Doch alle Entwürfe weist er entschieden zurück. Als die Prägestätte einen neuen Versuch unternimmt den Künstler zu einer Zusammenarbeit zu bewegen, stimmt der nur unter einer Bedingung zu: Er selbst will den Künstler auswählen. Und ihm schwebt da auch schon ein Name vor. Alberto Giacometti. Wer in den vergangenen Monaten eifrig die Nachrichten verfolgt hat, weiß, dass seine Skulpturen mittlerweile zu den gefragtesten und vor allem zu den teuersten der Gegenwart zählen. Einhundertsechsundzwanzig Millionen Euro bot 2015 ein Sammler für die anderthalb Meter hohe Bronzeskulptur „Man Pointing“.

Und begab es sich, dass der Schweizer Künstler einige Tage im Sommer bei Matisse an der Côte d’Azur zubringen durfte. Matisse saß regungslos auf seinem Stuhl oder am Tisch. Von schwerer Krankheit gezeichnet, ließ er sich portraitieren. Er wollte die Skizzen nicht sehen. Das beeinflusse ihn und den Künstler.

Giacometti ritzte mehr als dass er malte – nach Matisse könne eh niemand malen, auch er nicht. Millionen von Museumsbesuchern sehen das wahrscheinlich anders. Wenige Striche genügten, das kann man heute noch in zahlreichen Museen betrachten, um dem großen Meister gerecht zu werden. Die Kunstfertigkeit erschließt sich nicht jedem auf Anhieb. Die einleitenden und abschließenden Texte von Gotthard Jedlicka, einem Freund Giacomettis, dem Giacometti-Spezialisten Casimiro di Crescenzo und Kunsthistoriker Michael Lüthy geben den abgebildeten Skizzen die passenden Erläuterungen und füllen die Wissenslücken mehr als kenntnisreich auf.

Wer sich noch nicht eingehender mit Matisse und Giacometti beschäftigt hat, kommt bei der Lektüre dieses Buches nicht mehr aus dem Staunen heraus. Wissenschaftliche Betrachtungen zu einem Künstler sind oft etwas sperrig zu lesen. Denn jeder Betrachter hat eine andere Sichtweise auf das Kunstwerk. Hier sprechen nun aber echte Experten, die in der Kunst mehr sehen als ein gefälliges Objekt. Sie überlegen nicht, ob es zur Wohnungseinrichtung passt. Sie rücken das Objekt gerade, ziehen Parallelen zum Leben, ordnen es ein. Spannend wie ein Glauser, detailreich wie ein Mosaik, unter der Lupe des Wissens erklärt.

Henri Matisse starb nur kurze Zeit nach der letzten Sitzung am 3. November 1954 in seinem Haus Cimiez. Alberto Giacomettis Todestag jährt sich am 11. Januar 2016 zum fünfzigsten Mal.

City Trip Breslau

CityTrip Breslau

Jedes Jahr dürfen sich zwei Städte in Europa mit dem Titel „Kulturhauptstadt Europas“ schmücken. Über Sinn und Unsinn des Titels lässt sich vortrefflich streiten. Den Städten bringt es über alle Grenzen hinweg Anerkennung und Bekanntheit. 2016 sind es das nordspanische San Sebastian und Wrocław in Polen. Der Name Wrocław ist für alle, die des Polnischen nicht mächtig sind ein wahrer Zungenbrecher, weshalb wohl auch die offizielle Homepage wro2016.pl genannt wurde. In Deutschland hat die Stadt als Breslau immer noch einen klingenden Namen.

Man kann jetzt schon davon ausgehen, dass während des umfangeichenen Programms so viele Touristen aus aller Herren Länder die Stadt besichtigen werden. Und jeder Veranstalter wird einen kleinen Stadtführer für Ortsunkundige im Gepäck haben. Am Ende einer Woche hat man zahllose kleine (praktisch – damit wird jeder werben) Stadtführer, in denen immer das Gleiche steht. Als wissbegieriger Besucher stößt man damit schnell an die Grenzen.

Der CityTrip Breslau nimmt den Kamp mit der Flut von knappen Reiseführern auf und schreitet voran durch eine der interessantesten Städte Polens. Über tausend Jahre haben ihren Spuren hinterlassen. Als eines der bekanntesten Bauwerke gilt der gotische Dom, der im 13. und 14. Jahrhundert erbaut wurde. Weit über eine halbe Million Menschen dürfen Wrocław ihre Heimatstadt nennen. Somit gilt sie wohl als eine der größten noch unentdeckten Städte Europas.

Izabella Gawin macht ab der ersten Seite Lust Wrocław aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Für jeden ist was dabei. Sie beginnt mit den Schnellbesuchern: Ein Wochenende – eine Stadt. In Wrocław kein Problem. Backsteingotik, Flußfahrt, Geschichte und Szeneviertel. Kurz und knapp ohne dabei etwas Wegweisendes zu vergessen. Wie zum Beispiel die älteste Kneipe Europas. Seit 700 Jahren lässt man im „Schweidnitzer Keller“ bei Bier und Snacks den Tag ausklingen. Das Farbenspiel der Gaslaternen auf der Dominsel ist mehr als nur ein gelungener Abschluss eines ereignisreichen Tages.

Alle, die ein bisschen mehr Zeit in Wrocław investieren, werden aus dem Staunen nicht mehr rauskommen. Schon beim losen Durchblättern des Reisebandes fühlt man sich in die schlesische Metropole versetzt. Kunstgewerbeläden wechseln mit einladenden Cafés sich ab. Die Markthalle am Oderufer ist nicht nur zum Einkaufen da, hier lässt sich auch vorzüglich flanieren. Zahlreiche Museen zu allen Epochen und Kunstrichtungen verführen ebenso wie die zahlreichen Gärten Parks. Um die Altstadt herum führt ein grünes Band, hier vergisst man, dass man in einer Großstadt ist.

Wrocław zeigt sich dem begeisterungsfähigen Besucher von seiner schönsten Seite. Viele Orte, die es wert sind besucht zu werden, muss man suchen. Mit diesem handlichen Buch jedoch wird die Suche zu einer wahren Freude.

Wer dennoch nicht auf die kleinen Stadtführer verzichten will, weil da immer so kleine, hübsche Stadtpläne drin sind, wird mit diesem CityTrip nicht enttäuscht. Denn bei ReiseKnowHow gehört es zum Standard einen kleinen Faltplan beizulegen. Da fühlt man sich auch wieder als Tourist der alten Schule. Als Zugeständnis an die moderne Art des Reisens gibt aber für alle, die auch im Urlaub nicht aufs Smartphone verzichten wollen, eine Gratis-App.

Das große Hercule Poirot Buch

Das große Miss Marple Buch

Der Plymouth-Express

Auftritt Hercule Poirot: Er soll den Tod von Mrs. Rupert Carrington untersuchen, oder am besten gleich aufklären. Die junge Dame wurde erstochen im Plymouth-Express gefunden. Ein junger Marine-Offizier, der auf dem Heimweg war, hat sie auf eine doch etwas makabre Art und Weise entdeckt: Sie versperrte ihm den Platz für seinen Koffer. Mrs. Rupert Carrington hieß einst Flossie Halliday und war die Tochter eines Industriellen. Für den hat Hercule Poirot schon einmal gearbeitet. Und schon arbeiten die kleinen grauen Zellen auf Hochtouren. Flossie hätte einst fast die falsche Wahl getroffen und einen echten Halodri geheiratet. Es kam anders, doch so recht glücklich sollte sie nicht werden. Das war auch ihrem Vater bekannt, der seine Tochter beschützen wollte. Die Frage ist wie jemand ermordet werden kann, aber kein Mörder weit und breit zu sehen ist. Denn damals waren die Zugabteile nicht miteinander verbunden. Der Mörder konnte also nicht in einem Abteil morden und dann ungesehen in ein anderes verschwinden. Hilfe bekommt die Spürnase nur von Hausmädchen des Opfers.

Gleich die erste Geschichte des „großen Hercule Poirot Buches“ lässt den Leser an den eigenen detektivischen Fähigkeiten zweifeln. Denn der Mörder kann sich nur in Luft aufgelöst haben. Und mystery stories waren nicht das Ding der Grand Dame des Kriminalromans. Wie also hat der Mörder gearbeitet? Hercule Poirot lässt ganz rational die Fakten für sich sprechen. Was nicht bewiesen ist, kann und muss angezweifelt werden. Nur echte Fakten führen zum Erfolg. Und ein wenig Phantasie…erucle Poirot:H

Die Pralinenschachtel

Paul Déroulard sieht einer grandiosen Karriere als Minister entgegen. Als entschiedener Gegner der katholischen Kirche hat er mächtige Feinde. Eines Abends, nach einem gelungenen Mahl im Kreise der Familie und zweier Gäste, die er beherbergt, eines Abends, im Salon bei knisterndem Feuer, eines Abends, beim Schlummertrunk und seiner geliebten Pralinen, bricht Monsieur Déroulard mit hochrotem Kopf zusammen. Tot. Auf der Stelle. Die Ärzte können nichts weiter als eine natürliche Todesursache feststellen. Ein junges Mädchen, ganz so wie es sein sollte – eine wunderbare, in Französisch formulierte Umschreibung, bittet Hercule Poirot um die Aufklärung der Umstände. Er, ganz Gentleman, kann ihr die Bitte nicht verweigern. Er macht sie auf die Suche. Findet den Weg zur Apotheke, findet die Mitbewohner, befragt das Personal und kommt zu dem Entschluss, dass es …

Hercule Poirot scheitert! Ja, er scheitert! Das muss er Colonel Hastings eingestehen, dem er diese Geschichte erzählt. Denn Poirot hat zwei Sachen vergessen. Die Pralinenschachtel und die Geschichte. Geschichte im wahrsten Wortsinne. Agatha Christie lässt ihren überheblichen Detektiv einen gravierenden Fehler unterlaufen. Einen, den er nie wieder machen soll. Zum Glück war Hercule Poirot zum Zeitpunkt noch Bediensteter der Polizei und nicht der unfehlbare Privatdetektiv, der die ganze Verbrecherwelt in Angst versetzen soll.

Das Geheimnis des ägyptischen Grabes

Herzversagen, Blutvergiftung, Selbstmord und Tetanusinfektion – vier Todesfälle auf einmal. Zufall oder gekonnte Morde? Hercule Poirot reist nach Ägypten. Die Überfahrt gerät für ihn zum Desaster. Vier Tage auf dem Meer – das ist zu viel für die feine Spürnase. Eines der wenigen Dinge, die Poirot nicht verträgt, ist hoher Wellengang.

In Ägypten finden gerade die Ausgrabungen des Pharaos Men-her-Re statt. Eine unerklärliche Serie von Todesfällen erschüttert die Nachrichten. Poirot ist Mensch genug, um nicht dem Aberglauben zu verfallen, dass es einen Fluch gibt. Agatha Christie hat hier die aktuellen Ereignisse um das Entdecken des Grabes von Tutanchamun und dessen Fluch in einer Kurzgeschichte verarbeitet.

Während sich die ganze Welt daran ergötzt und mit Vergnügen die Neuigkeiten vom Ausgrabungsort, in der Hoffnung auf neue Schauermärchen zu erhaschen, verfolgt, stellt Hercule Poirot dem wahren Mörder eine Falle. Die Beweggründe für Mord sind überall auf der Welt die gleichen. Das weiß der Detektiv und fügt ein Puzzleteil ins andere …

Das Geheimnis um Johnny Waverly

Auch der Landadel hat’s schwer. Die Waverlys werden erpresst. Ihr dreijähriger Sohn Johnny soll entführt werden. Am 29., exakt um 12 Uhr mittags. Die Polizei kümmert diese Drohung wenig. Auch als ein zweiter Brief eintrifft, der die Entführung noch einmal bekräftigen soll, wird zwar etwas unternommen, was die Androhung letztendlich aber nicht von der Realität trennen lässt. Als die Standuhr zwölfmal schlägt passiert erstmal gar nichts. Panik, Hektik, Johnny ist weg. Genau in dem Moment, in dem die Kirchturmuhr zwölf schlägt. Das ist zehn Minuten zu spät! Oder ging dieses Mal die Standuhr falsch?

Hercule Poirot kommt er verzweifelten Mutter des Kindes zur Hilfe. Sie fand kurz vorher noch einen letzten Erpresserbrief auf ihrem Kopfkissen. Als die Standuhr zwölf schlug, wurde auf dem Anwesen ein Landstreicher gestellt. Der hatte Chloroform und einen letzten Brief des Entführers bei sich. Alles klar! Alles klar?

Hercule Poirot hat seine Zweifel. Beim Durchstöbern der Familiengeschichte fallen ihm allerlei Besonderheiten auf… Wer mit wem, warum koaliert, das ist hier die Frage – da bedarf es eines besonderen Quizmasters: Hercule Poirot.

Das Geheimnis des Plumpuddings

Plumpudding: Süßspeise, die in England gern an Weihnachten gereicht wird. Und die soll Monsieur  Poirot nicht essen. Unter gar keinen Umständen! Hercule Poirot, der bekennende Feinschmecker wird von Mr. Jesmond regelrecht bekniet das Weihnachtsfest auf Kings Lacey zu verbringen. Es ist von nationaler Bedeutung. Ein Rubin ist verlorengegangen. Ein besonders wertvoller. Ein besonders großer, wertvoller Rubin ist verlorengegangen. Einem indischen Prinzen, der sich – bevor er seine Cousine heiratet – in England noch einmal die Hörner abstoßen soll. Offiziell soll er den Rubin in eine modernere Fassung bringen lassen. Nun hat sich der Prinz nicht ganz an die Gepflogenheiten seines Standes gehalten und sich mit einer jungen Dame vergnügt. Sie durfte sogar den Rubin tragen und … verschwand mit dem guten Stück.

Auf Kings Lacey hat Hercule Poirot so gar keine Lust. Altes Gemäuer, alles ist muffig und kalt. Erst die Zusage, dass das Anwesen mit einer modernen Heizungsanlage ausgerüstet wurde, lässt ihn nachgeben. Die Gesellschaft ist familiär. Die jungen Leute halten allerdings nicht allzu viel von Tradition und machen sich einen Spaß daraus den Detektiv bei Laune zu halten. Denn sie sind der Meinung, dass der Mann vom Kontinent sich ebenfalls zu Tode langweilen wird. Sie „veranstalten“ einen kleinen Mord…

Das Geheimnis der spanischen Truhe

Noch’n Geheimnis. Das Letzte in dieser Geschichtensammlung, zumindest laut Inhaltsverzeichnis. Unter einer Truhe, einer spanischen Truhe, hat sich ein dunkler Fleck gebildet. Dem Diener fällt das natürlich sofort auf. Als er die Truhe öffnet, liegt da Mr. Clayton. Tot. Erstochen. Daher der Fleck. Major Rich ist verdächtig, denn er war und ist verliebt in Mrs. Clayton. Dass die beiden Herren eng befreundet waren, macht den Fall zu etwas ganz Besonderem.

Eigentlich hat Hercule Poirot keine Zeit sich um solche Fälle zu kümmern. Er steckt mitten in einem hochbrisanten Industriefall. Vor allem ist der Fall aber sehr lukrativ. Doch die Schlagzeilen in den Gazetten lassen ihm einfach keine Ruhe. Die Fakten holt er sich aus den Artikeln. Seine Assistentin Mrs. Lemon ist beim Aneinanderreihen der Fakten keine große Hilfe. Als Mann von Welt, und als Mann mit einem Weltruf kann Poirot schnell Kontakte knüpfen und verschafft sich so Zugang zu den Häusern der Gäste einer Party, in deren Vorfeld die Truhe zweckentfremdet wurde.

Poirot ermittelt sich nun durch die Gästeliste. Jeder der Befragten zeichnet ein anderes Bild von vermeintlichem Täter und Opfer. Die kleinen grauen Zellen arbeiten auf Hochtouren, so dass zum Schluss nur eine Möglichkeit bleibt: Dieser Mord hatte das Zeug zum perfekten Mord. Wäre da nicht Hercule Poirot.

Was wächst in Deinem Garten?

Hercule Poirot ist derart pedantisch, dass es ihm sofort auffällt, wenn etwas nicht symmetrisch ist. Eine Gabe, die seine Gegenüber oft unterschätzen. Ihm erlaubt es offiziell im Trüben zu fischen, obwohl er schon weitaus klarer sieht.

Bei der morgendlichen Postlektüre sticht ihm der Hilferuf von Amelia Barrowby ins Auge. Alleruntertänigst bittet sie den berühmten Detektiv ihr in einer heiklen und sehr familiären Sache zur Seite zu stehen. Er solle nur die Fakten sammeln, die Konsequenzen könne sie allein ziehen. Er antwortet, bekommt aber keine Nachricht. Mrs. Lemon, seine Assistentin ist dieses Mal ihren Chef einen Schritt voraus. Sie kennt die Ursache für das anscheinend ungebührliche Verhalten – Ameila Barrowby ist tot. Trotzdem antwortet Poirot der Verschiedenen und kündigt sein Kommen an. Dieses Mal erhält er sofort Antwort mit der Bestätigung, dass das alte Mädchen verstorben sei. Doch da ist schon Hercule Poirots Ehrgeiz geweckt. Unschuldig wie ein Lamm nimmt er vor Ort die traurige Mitteilung entgegen, dass Amelia Barrowby verstorben ist. Die Nachricht wird ihm von ihrer Nichte überbracht. Listig lässt Poirot schon da seine Augen alles aufnehmen und die kleinen grauen Zellen arbeiten. Inspector Sims von der örtlichen Polizei hat auch einen Verdacht. Das Hausmädchen, das reichlich im Testament der Verstorbenen bedacht wurde, hat ihr Strychnin verabreicht. Doch Poirots Ordnungssinn hat eine andere Theorie…

Der Traum

Na da haben sich die Richtigen getroffen: Der pedantische Detektiv, der so viel Wert auf sein Erscheinungsbild legt und der exzentrische Millionär Benedict Farley. Farley bittet … nein, er lässt per Brief den Detektiv bei sich einfinden. Er habe ihm etwas mitzuteilen und hoffe auch seine Unterstützung. Poirot ist exakt zur vereinbarten Zeit am Haus des Millionärs. Benedict Farley ist als Scheusal bekannt, ein verbitterter alter Mann, der die Seinen und den Rest der Welt an seinem Hass und seiner Unbill gratis teilhaben lässt. Ein schäbiger Morgenmantel ist sein Markenzeichen.

Der sticht auch Poirot sofort ins Auge. Poirot kennt bislang auch nur die Geschichten über den Auftraggeber. Dieser schildert ihm nun einen Traum, der ihn schwer belastet. Jeden Nachmittag, pünktlich um 15.28 Uhr gehe er an den Schreibtisch, zieht die rechte Schublade auf, nimmt den Revolver, geht ans Fenster und … erschießt sich. Danach ist der Traum – verständlicherweise – zu Ende. Nun, was soll Poirot da machen? Nachdem er die Information erhält, dass Farley nicht zu einem Psychologen geht, also Hypnose ausgeschlossen werden kann, ist auch er am Ende seines Lateins.

Eine Woche später ist Farley tot. Erschossen. Um 15.28 Uhr. Das Rätsel um den Tod des Millionärs kann auch nur einer einfallen: Agatha Christie. Und es kann nur einen geben, der es lösen kann…

Mord in der Bardsley Gardens Mews

Inspector Japp von Scotland Yard macht Hercule Poirot ein Angebot, das der nicht ablehnen kann. Eine junge Frau, Mrs. Allen wurde erschossen aufgefunden. Mit einem .25er Webley Revolver in der rechten (!) Hand. An ihrer linken (!) Schläfe ist das Blut bereits getrocknet. Gerufen wurde die Polizei von Miss Plenderleith, ihrer Mitbewohnerin. Die beiden lernten sich in Ägypten kennen. Die verwitwete Mrs. Allen war da auf dem Heimweg aus Indien, wo sie mit Mann und Tochter lebte. Beide waren inzwischen verstorben. Der Verlust des Gatten war zu verkraften – er war ein ungehobelter Klotz, der Verlust des Kindes wog da schon schwerer. Auf einer Nilkreuzfahrt freundeten sich beide an. So sehr, dass sie beschlossen in London zusammenzuziehen.

Mrs. Allen hatte inzwischen wieder einen Verehrer, einen Parlamentsabgeordneten, den sie bald heiraten wollte. In letzter Zeit ging aber auch öfter ein Major bei Mrs. Allen Ein und Aus. Ein unangenehmer Zeitgenosse, den weder die beiden Damen noch der Verlobte von Mrs. Allen noch öfter sehen wollten. Miss Plenderleith war auf einem Kurztrip wie man heute sagen würde. Bei ihrer Rückkehr hat sie den Leichnam entdeckt und dann sofort die Polizei gerufen als ihre Mitbewohnerin nicht antwortete, und auch ihr Zimmer verschlossen war.

Ein verzwickter Fall. Alle Zugänge zum Zimmer des Opfers waren verschlossen. Die Pistole in der falschen Hand. Hier sollte doch ein Mord vertuscht werden! Agatha Christie lässt ihren Gentleman-Ermittler eine ganz andere Theorie verfolgen und falsche Spuren legen. Denn es gibt eine weitere Idee, die Poirot unbedingt bewiesen haben möchte.

Der nemeische Löwe

Hercule Poirot geht es gut. Sein Büro ist modern eingerichtet, die Geschäfte laufen gut, die Auftragslage ist erstklassig. Seine Auftraggeber sind mit ihm zufrieden. Er kann sich seine Aufträge aussuchen. Und er weiß, was er wert ist. Die gute Seele des Büros, das Organisationsgenie Miss Lemon kennt ihren Chef gut und legt ihm einen neuen Fall vor: Hercule Poirot, der berühmte Detektiv soll einen Pekinesen wiederfinden. Pardon? Einen Hund. Monsieur Poirot ermittelt sonst in Mordfällen, die an Genialität kaum zu übertreffen sind.

Aber Miss Lemon kennt ihren Chef besser als er sich selbst. Sir Joseph Hoggin bittet ihn um einen Termin. Poirot stimmt zu. Mittlerweile ist der Pekinese wieder eingetroffen – Poirot ist erstaunt, was soll er noch hier? Die zweihundert Pfund Lösegeld wiederbeschaffen. Ein Sir Hoggin lässt sich nicht ohne Weiteres erpressen. Da müssen schon andere Geschütze aufgefahren werden. Die Spürnase beginnt zu ermitteln. Der Hund kam der Gesellschafterin Amy Carnaby abhanden als mit dem Hündchen in Kensington Gardens spazieren ging. Ein Kindermädchen mit einem entzückenden Kind erregte ihre Neugier. Kurz unachtsam, war der Pekinese weg. Leine durchgeschnitten. Einfach so!

Auch einem Freund von Sir Hoggin erging es nicht anders. Gesellschafterin lässt sich von Kind ablenken, und weg ist der Hund. Ebenfalls ein Pekinese. Eine lukrative Masche. Doch Poirot lässt sich nicht beirren. Er grenzt die Tatorte ein, findet die Entführer und ist … erstaunt wegen des Tatmotivs. Mutig findet Hercule Poirot die Herangehensweise des Täters, der letztendlich auch sein Herzerweichen kann.

Der kretische Stier

Da steht er: Stark wie ein Stier, vor Kraft strotzend, gesund. Und doch ein Wrack. Poirot sieht ihm die Verzweiflung an, ihm, Hugh Chandler. Einst wie sein Vater ein tüchtiger Seemann, jetzt ein nervöses, von Zweifeln geplagtes Elend.

Diana Maberly hat Hercule Poirot zu ihm geführt. Die beiden waren bis vor Kurzem verlobt. Und sind immer noch verliebt. Doch Hugh verbietet sich selbst seine eigenen Gefühle. Er ist wahnsinnig. Davon ist er überzeugt. Leider auch sein Vater, der Admiral, der ihn vor Jahren in den die Marine zwang und ihn mit der gleichen Vehemenz herauszog. Auch Colonel Frobisher ist davon überzeugt, dass der Junge nicht ganz richtig im Kopf ist. Frobisher ist der beste Freund des Admirals und hat bei ihm eine Heimstatt gefunden.

Immer wieder werden in der Umgebung Tiere bestialisch abgeschlachtet. Was keiner außer den Bewohnern des „Marine-Stützpunktes“ weiß, dass Hugh öfter mit blutverschmierten Händen früh morgens aufwacht. Wie das Blut an ihn gelangte, woher die Waffen stammten, wie er sich aus den abgeschlossenen Räumlichkeiten befreien konnte, bleibt ihm ein Rätsel. Nur Diana hält fest zu ihm. Auch Poirot sieht Hoffnung für den jungen Mann, der zusehends vor die Hunde geht. Er glaubt nicht an die Wahnsinnstheorie. Auch wenn es in der Familie des Admirals schon früher derartige Fälle gegeben hat. Da steckt Methode dahinter. Und ein ganz altes Motiv.

Der Gürtel der Hippolyte

Ein Rubens wurde gestohlen. Ziemlich raffiniert während einer Protestaktion in einer Galerie. Kein besonders großes Bild, aber immerhin ein Rubens. Er soll im Auftrag eines Millionärs geraubt worden sein und ist nun auf dem Weg nach Paris. Die Polizei beiderseits des Kanals weiß Bescheid und wird den Auftraggeber früher oder später dingfest machen. Alexander Simpson, dem der Rubens gestohlen wurde, traut den Behörden nicht vollends und bittet Hercule Poirot parallel zu Fall zu übernehmen. Was dieser natürlich gern tut. Er weiß, dass er besser ist als die Polizei und stellt dies nur allzu gern unter Beweis.

Um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, nimmt der berühmte Detektiv auch gleich noch das Verschwinden von Winnie King in Angriff. Die war auf dem Weg nach Paris in ein renommiertes Pensionat. Doch kurz hinter Amiens, der letzten Haltestelle vor Paris verschwand das Mädchen. Miss Burshaw, die die Aufsicht hatte, ist außer sich. Miss Pope, die Pensionatsleiterin wird ihr dies sicherlich ankreiden.

Gerade als Poirot die Ermittlungen beginnt, taucht das vermisste Mädchen wieder auf. Völlig benebelt, sie wurde unter Drogen gesetzt. Doch mit einem Geschenk für die Miss Pope…

Die Gefangennahme des Zerberus

Wir sehen uns in der Hölle. Welch knappes Grußwort nach zwanzig Jahren. So lang hat Hercule Poirot Gräfin Vera Rossakoff nicht gesehen. Und jetzt entdeckt sie ihn im Getümmel der Tube. In der Hölle? Ms. Lemon knackt den Code sofort. Die Hölle ist der derzeit angesagteste Club der Stadt. Und Poirot mittendrin. Am Eingang empfängt ihn ein riesiges Viech von einem Hund. Ein wahrer Zerberus. Der Abend verläuft vergnügt. Die Gräfin – Russin durch und durch – ist überschwänglich, unverbindlich und in wahrer Feierlaune. Auch weil ihre Schwiegertochter in spe, Alice, anwesend ist. Alice ist nicht gerade ein Prachtexemplar einer Frau, wie Poirot findet. Sie könnte allerdings mit ein paar entsprechenden Accessoires eine ordentliche Partie abgeben. Alice brilliert hingegen mit Köpfchen. Da ist sie bei einem Chauvi wie Poirot genau richtig.

Und noch ein Gast fällt Hercule Poirot auf, ein Inspector vom Yard. Was macht der denn hier? Japp, Inspector und Freund von Poirot, weiht ihn in dieses Geheimnis ein. Die Hölle ist ein Drogenumschlagsplatz, Pulver gegen Klunkern. Und die Gräfin ist nur der Strohmann bzw. die Strohfrau. Der eigentliche Besitzer ist Paul Varesco. Die Polizei plant einen gezielten Schlag gegen das Etablissement. Und Poirot ist mittendrin.

„Die Gefangennahme deszerberus“ ist der Abschluss der Tetralogie „Die Arbeiten des Herkules“. In der Einleitung sitzen Hercule Poirot und sein Freund Burton zusammen. Letzterer amüsiert sich über dessen Vornamen. Hercule Poirot versucht abzulenken, indem er über seine bald bevorstehende Pensionierung laut nachdenkt. Er wolle dann Kürbisse züchten…

Vierundzwanzig Schwarzdrosseln

Wenn man lange genug sucht, die Erkenntnisse dem noch ungeständigen Täter vorhält, kommt letzten Endes doch die Wahrheit ans Licht. Davon ist Hercule Poirot überzeugt. Und er liefert auch gleich den Beweis. Beim Essen mit seinem Freund Bonnington im Gallant Endeavour geben sich die Freunde nicht nur den Freuden der englischen Küche hin, sie bemerken auch den Methusalem. Ein Gast, der Woche für Woche, Monat für Monat, immer dienstags und donnerstags hier isst. Molly, die Wirtin kennt den älteren Herren, der immer ein wenig schmuddelig daherkommt. Wie er heißt, weiß keiner. Bonnington und Poirot fabulieren derzeit über die Möglichkeiten einer genauen Analyse von Todesfällen – wie viele unentdeckte Morde da wohl zum Vorschien kommen würden?

Kurze Zeit später ist der Methusalem tot. Erst sein Bruder, jetzt er. Neffe George Lorrimer ist nun der alleinige Erbe. Doch ist er auch der Täter? Poirot hat so seine Vermutungen. Aber wie beweisen? Eines steht fest: Henry Gascoigne – der Name des Methusalem konnte inzwischen ermittelt werden – wurde ermordet. Dafür spricht auch die Tatsache, dass er ausnahmsweise an einem Montag im Restaurant war. Und er bestellte etwas, was er eigentlich abgrundtief verabscheute. Wie gesagt, Poirot hat einen Verdacht. Des Rätsels Lösung ist brillant, und so stark konstruiert, dass niemand außer einem darauf kommen kann.

Poirot und das Geheimnis der Regatta

Zum Abschluss doch noch mal ein Geheimnis. Hercule Poirot wird aber dieses Mal nicht engagiert, um einen Täter zu finden, sondern die Unschuld eines Verdächtigen beweisen.

Der Morgenstern ist weg. Der Morgenstern ist ein Diamant, der Mr. Pointz als Talisman dient. Er ist in Gesellschaft mehrerer Freunde. Sie amüsieren sich bei einer Regatta. Alle sind ausgelassen, scherzen, genießen die angenehme Atmosphäre. Die vorwitzige Eve will mit Pointz um ein paar Seidenstrümpfe wetten, dass sie es schafft, ihm den Diamanten dauerhaft zu entwenden. Und das junge Ding schafft es! Doch, was sie nicht wollte, ist, dass der Diamant wirklich auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist. Die Kellner können es nicht gewesen sein. Als sie rausgeschickt wurden, war der Diamant noch für alle sichtbar im Raum. Es muss einer der Anwesenden gewesen sein.

Hercule Poirot kennt die ganze Geschichte und präsentiert eine verblüffend einfache Erklärung. Denn nicht jeder ist der, der er vorgab zu sein…

Das große Agatha Christie Buch

Das große Hercule Poirot Buch

Der Dienstagabend-Klub

„Der Dienstagabend-Klub“ ist nicht nur eine kurzweilige Krimigeschichte, es ist auch der Auftakt einer dreizehnteiligen Kurzgeschichten-Reihe, in der Miss Jane Marple die Hauptrolle spielen sollte. Das war die Idee von Agatha Christie. Die namensgebende Geschichte stellt den Klub erst einmal vor: Da ist zum Einen natürlich Jane Marple, ihr Neffe Raymond, ein Schriftsteller, Joyce Lempière, Mr. Petherick, Sir Henry Clithering, ehemals Präsident bei Scotland Yard sowie Gemeindepfarrer Pender. Die Sechs treffen sich, um ein bisschen Zeit miteinander zu verbringen – das Leben in St. Mary Mead bietet sonst nicht viel Aufregendes. Sie beschließen den Rätseln der Zeit auf den Grund zu gehen. Den Auftakt macht – von Berufs wegen – Sir Henry. Er berichtet von einem Fall, der einige Zeit zurückliegt, doch erst jetzt endgültig geklärt werden konnte.

Mr. und Mrs. Jones und deren Gesellschafterin Miss Clark wurden vergiftet. Mrs. Jones überlebte den Anschlag nicht. Zunächst wird Mr. Jones verdächtigt seine Frau ermordet zu haben. Indizien gibt es zuhauf. Und auch ein Motiv. Doch eben auch jede Menge entlastende Fakten. Mr. Jones war Arzt und hatte Zugang zu Gift. Und er hatte eine Geliebte. Die Liaison wurde allerdings vor geraumer Zeit abrupt beendet…

Jeder der Sechs soll nach einigen Minuten Bedenkzeit nun seine Gedanken zum Fall beitragen. Der Reihe nach bringen sie ihre Theorien zu gehör. Doch wer hat des Rätsels Lösung? Natürlich: Miss Marple. Sie erinnert sich an einen ähnlichen Fall. Ohne aufzusehen, den Blick auf Ihr Strickzeug gerichtet, verblüfft sie Sir Henry und die wissbegierige Meute.

Der Tempel der Astarte

Dr. Pender, der Gemeindepfarrer, soll den illustren Dienstagabend-Klub mit einer Schauergeschichte, einem Rätsel unterhalten. Er schickt voraus, dass sein Leben nicht gerade vor Lebensfreude überschäumt. Zurückgezogen lebt er von Tag zu tag. Doch auch er hat eine Vergangenheit. Eine Geschichte. Und er hat eine Geschichte parat. Joyce Lempière dimmt das Licht – stimmungsvolle Ruhe.

Dr. Pender hatte zu Studienzeiten einen Freund, Richard Hayden. Nach Jahren der Funkstille lädt ihn Richard nach Silent Grove ein. Es soll eine heitere Runde werden. Sein Vetter Elliot ist da, Lady Mannering nebst Tochter Voilet, Captain Rogers und Frau sowie Dr. Symonds und die bezaubernde Diana Ashley. Ein echter Wildfang. Pender erkennt sofort den Anlass der Gesellschaft. Richard will Diana näherkommen. Doch die ist sich ihrer Wirkung auf Männer bewusst und flirtet erst mit dem Einen, dann mit dem Anderen.

Bei einem Ausflug in die Umgebung erheitert Richard Hayden die Gästeschar mit einer Schauergeschichte. Denn hier in diesem Wald bei Dartmoor lag einst ein heiliger Ort. Seltsame Rituale gingen hier vonstatten. Diana ist dermaßen angetan von diesem Fakt, dass sie vorschlägt hier eine Kostümparty zu feiern und den heidnischen Ritualen im Tempel der Astarte zu fröhnen. Sogleich erscheint sie wie Phönix aus der Asche als Priesterin, höhnisch lachend. Richard wird des Rätsels Lösung nicht erleben. Vielmehr ist er elementarer Bestandteil des selbigen. Er ist tot.

Der Goldschatz

Als Dritter des Dienstagabend-Klubs soll nun Raymond West eine Geschichte erzählen. Er schickt gleich voraus, dass er keine Lösung parat hat. Dem Klub soll’s recht sein, so bleibt mehr Raum zum Rätsel lösen.

Raymond war von John Newman nach Cornwall eingeladen worden. Ein geschichtsinteressierter und eloquenter junger Mann. Genau der Richtige für Raymond, der auf der Suche nach ein wenig Lokalkolorit für seinen nächsten Roman war. Im Zug trifft er auf Inspector Bagdworth. Auch der ist auf dem Weg in den kleinen Ort an der Küste Englands.

Als die großen Seeschlachten zwischen England und Spanien hier tobten, sank so manches reich bestückte Schiff. Und John Newman will nun einen der Schätze heben. Inspector Bagdworths Jagdinstinkt ist ebenso geweckt wie der des jungen Mannes, dem scheinbar alles in den Schoß fällt. Raymond ist beeindruckt. Der Inspector stellt die Frage, ob das Gold aus einem der gesunkenen Schiffe überhaupt an Bord war, oder ob es nachträglich aus dem Rumpf geborgen wurde. Dann ist John Newman verschwunden. Ein Verbrechen? Ganz offensichtlich, das meint auch Bagdworth.

Und Raymond ist mitten in einem spannenden Fall. Ihn zu lösen, vermag er nicht. Nicht allein. Doch da gibt es ja noch den Dienstagabend-Klub. Und Raymond muss einsehen, dass er, um ein richtiger Schriftsteller zu werden, noch viel lernen muss, sehr viel…

Blut auf dem Bürgersteig

Endlich darf auch Joyce Lempière ihre Geschichte erzählen – schon bei „Der Goldschatz“ fiel sie Raymond ins Wort und hätte ihm fast die Geschichte und den Anderen die Spannung verdorben. Denn auch ihre Geschichte spielt in Cornwall. In Rathole, dort hatte sie einst ein Bild gemalt. Ein düsteres Bild, das die Spannung der Geschichte vorwegnimmt. Es kein richtiges Bild, sondern mehr ein Skizze. Denn zur Vollendung sollte es niemals kommen.

Joyce ist so angetan von der beschaulichen Szenerie, dass sie nur nebenbei die Handelnden Personen wahrnimmt. Klar, stört sie das parkende Auto vor dem Gasthaus, das es ihr angetan hat. Klar bemerkt sie die Frau, die aus dem Auto steigt, ihre Kleidung ihre Eleganz. Klart bemerkt sie auch den zweiten Wagen und das unerwartete Wiedersehen des Mannes aus dem ersten Wagen mit der Frau aus dem zweiten Wagen. Doch sie denkt sich nichts weiter dabei. Warum auch? Alte Freunde, die sich freuen einander wiederzusehen.

Kurze Zeit später, nach einem erfrischenden Bad im Meer, will sie das Bild vervollständigen. Sie gerät in ein Gespräch, dem sie nur periphär folgt. Das Bild fesselt sie voll und ganz. Als sie kurz aus ihrer Konzentration erwacht, bemerkt sie, dass sie etwas gemalt hat, was gar nicht da war: Blut! Blutflecken auf dem Bürgersteig. Wie kommen die da hin? Was haben sie zu bedeuten? Sind sie ein Symbol? Ein Symbol für einen bevorstehenden Tod? Und dann ist auch noch eine der Damen verschwunden…

Motiv vs. Gelegenheit

Mr. Petherick kommt die undankbare Aufgabe zu nach der raffinierten Geschichte von Joyce Lempière seine Erlebnisse darzubieten. Noch schwieriger wird es, da er kein Blutvergießen anzubieten hat. Dennoch ein reizvolles Rätsel, wie er meint.

Mr. Petherick erzählt von Simon Clode. Einem rechtschaffenden, liebevollen Menschen, der sich ein Leben lang nichts zu Schulden kommen ließ. Er zog seine Enkelin Chris mit der Liebe auf, die er niemandem anders schenken konnte. Auch die Nichten Mary und Grace sowie deren Bruder George nahm er hilfsbereit wie er war bei sich auf. Alle wuchsen und gediehen prachtvoll. Nur Chris verstarb leider viel zu früh. Seit diesem Tag wandte sich Simon Clode dem Spiritismus hin. Als Medium hatte er Eurydice Spragg und ihren Mann bei sich aufgenommen. Eine Tatsache, die seinen Nichten und Neffen nicht gefiel. Denn sie hatten ein ungutes Gefühl, was Eurydice und ihren Mann betraf. Geldgier kann man halt nur schlecht verbergen.

Mr. Petherick sollte ein neues Testament aufsetzen, denn Simon Clode fühlte sich dem Ende nah. Auch Eurydice und ihr Mann wurden großzügig bedacht. Doch dann ist das Testament auf einmal verschwunden. Das heißt, es ist noch da, aber eben doch nicht. Verwirrend? Also, der Zettel, auf dem das Testament verfasst wurde, und in dem das Medium und ihr Mann so großzügig bedacht wurden, ist noch da. Doch leider ist die Schrift verschwunden. Eurydice und ihr Gatte hatten die Möglichkeit das Testament verschwinden zu lassen, doch auch welchem Grund?

Der Daumenabdruck des heiligen Petrus

Wer richtig mitgezählt hat, weiß, dass nun nur noch eine Person aus dem Dienstagabend-Klub fehlt, um die anderen mit mysteriösen Rätseln auf Trab zu halten: Miss Jane Marple.

Das alte Mädchen aus dem beschaulichen St. Mary Mead hat weder die weite Welt gesehen noch gibt sie etwas auf Klatsch und Tratsch. Ihre Nichte Mabel heiratete vor Jahren einen jähzornigen Mann. Jane Marple hoffte immer, dass die Beziehung nicht lange halten wird, doch so ein Ende gönnte sie ihrer Nichte nicht. Mabel war ein wenig anders als die Mädchen ihres Alters. Töricht nennt die gutmütige Miss Marple ihre Nicht. Und das gepaart mit Jähzorn – das kann nicht gutgehen. Ihr Gatte segnet nach zehn Jahren das Zeitliche und für Mabel bricht eine bittere Zeit an. Der Ort zerreißt sich das Maul über die Begleitumstände des Todes. Mabel weiß keinen Rat als ihre Tante Jane um Hilfe zu bitten. Die reist zu der verzweifelten Nichte, um ihr beiseite zu stehen. Im Haus lebt neben dem Personal auch noch der Schwiegervater. Das Personal tratscht wie ein Wasserfall, der Alte wartet nur noch auf Erlösung. Trotz fehlender Kenntnisse in Chemie ist die rüstige Hobbydetektivin schnell dem Geheimnis um den Tod des Mannes, der ihre Tochter tagein, tagaus tyrannisierte, schnell auf der Spur. Und sie kann sich nur einer Person anvertrauen… dem Mörder!

Die blaue Geranie

Sir Henry Clithering wird von Colonel Bantry und dessen Frau gebeten noch einen Gast für ein gemeinsames Essen vorzuschlagen. „Miss Marple“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Die Frau aus den Romanen. Ja, Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen bei Agatha Christie. Der Tag des großen Mahls naht und Miss Marple wird mit offenen Armen empfangen. Natürlich erwarten die Anwesenden eine Schauergeschichte vom de alten Mädchen, eigentlich wird sie sogar als alte Jungfer bezeichnet. Aber das klingt nicht so nett.

Und Miss Marple läuft zu Hochform auf. Ein Mann, zwei Frauen. Die Farbe Blau. Ein Brief. Und ein bisschen Hokuspokus. Miss Marple entspinnt eine faszinierende Geschichte, die die Anwesenden in Erstaunen versetzt. Und den Leser. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden…

Die Gesellschafterin

Dr. Lloyds Geschichte führt den Dienstagabend-Klub nun in den warmen Süden. Nach Gran Canaria. Als er seine Praxis aufgeben musste, ließ sich der honorige ältere Herr, dessen Weste immer mehr an seiner Hüfte spannt, eine Zeitlang auf der Sonneninsel nieder. Das Leben plätschert so vor sich hin, Gäste kommen, Gäste gehen. Zwei Damen sind ihm allerdings in Erinnerung geblieben. Amy Durrant und Mary Barton.

Letztere kam aus gutem Hause, wie man so schön sagt. Wohlhabend, keine besonders auffällige Erscheinung, doch sah man ihr ihre Herkunft an. Amy Durrant war ihre Gesellschafterin. Die Damen waren sich sehr ähnlich, zumindest äußerlich und schienen sich gut zu verstehen. Doch dann geschah etwas Schreckliches. Amy Durrant schwamm zu weit aufs Meer hinaus, Mary Barton wollte ihrer Freundin, denn das war die Gesellschafterin inzwischen, zur Hilfe kommen. Doch es war zu spät. Alle Anstrengungen, alle Wiederbelebungsversuche waren vergebens. Auch Dr. Lloyd konnte nur noch den Tod feststellen.

Die Runde ist verwundert. Was soll an dieser Geschichte denn nun so schauerlich sein? Man trifft sich schließlich hier jeden Dienstag in geselliger Runde, um Kriminalfälle auszutauschen bzw. zu lösen. Eine Zeit später trifft Dr. Lloyd wieder auf Mary Barton. In einem Zeitungsartikel. Er liest von einer Dame, die sich gramgebeugt ins Meer stürzte, an der gefährlichsten Stelle. Ihre Leiche wurde nie gefunden.

Das Rätselraten geht weiter. Hat Mary Barton etwa nicht versucht ihre Freundin zu retten, sondern zu ertränken? Nur Miss Marple kann der Geschichte des Doktors das Geheimnis der beiden Damen entlocken…

 

Die vier Verdächtigen

Der Dienstagabend-Klub diskutiert das Drama der ungesühnten Verbrechen, was natürlich sofort Sir Henry Clithering auf den Plan ruft. Fast schon fühlt er sich persönlich angegriffen. Die gesühnten Verbrechen, beschwert er sich, sind natürlich nicht der Rede wert. Doch er hat einen Fall parat, der nie komplett aufgeklärt werden konnte.

Deutschland war vor langer Zeit fest im Würgegriff der Schwarzen Hand, einer Verbrecherorganisation. Dr. Rosen schaffte es sich in die Organisation einzuschleichen, in der Hierarchie aufzusteigen und sie schlussendlich entscheidend zu schwächen. Asyl fand er – nach so einer Aktion musste er fliehen, das sehen alle Beteiligten ein – in England. Zusammen mit seiner Nichte, einem Sekretär, seinem deutschen Hausmädchen und einem handlanger und Gärtner ließ er sich in einem abgelegen Ort, auf einem abgelegenen Anwesen nieder. Fünf Monate ging alles gut. Dann stürzte Dr. Rosen so schwer, dass er seinen Verletzungen erlag. Unfall oder Mord? Dr. Rosen war sich im Klaren darüber, dass die Schwarze Hand versuchen würde nach ihm zu greifen. Deswegen schleuste Sir Henry auch den Sekretär bei ihm ein. Alle vier Bewohner des Hauses hatten eines gemeinsam: Kein Alibi. Scotland Yard rekonstruierte damals jede Stunde des Lebens auf dem Anwesen. Jede Lieferung wurde auf Ungereimtheiten untersucht, jeder Brief genauestens unter die Lupe genommen. Doch wer hat nun Hand angelegt? Wer stieß Dr. Rosen die Treppe hinunter? Oder war alles doch nur ein Unfall?

Eine Weihnachtstragödie

Miss Marple kann einem schon ganz schön auf den Senkel gehen. Besonders, wenn sie wieder mal eine ihrer Vorahnungen hat. Wie soll sie denn was von der Welt wissen? St. Mary Mead ist ihr ganzes Universum. Ein Fehler, wer so denkt. Mr. Sanders ist so ein Kandidat. Ihn hat die rüstige Detektivin im Verdacht seine Frau eines Tages um die Ecke zu bringen. Und siehe da! Mrs. Sanders scheidet auf eine unnatürlich Weise aus dem Leben. Mit dem Gesicht nach unten findet man sie in ihrem Zimmer. Ihr Hut liegt neben der Leiche. Eine Schublade ist verschlossen. Der Puls nicht vorhanden. Alles ziemlich wirr, doch real.

Miss Marple darf als Erste den Puls fühlen. Nichts! Mrs. Sanders ist wirklich tot. Und dann auch noch bestätigt durch Jane Marple. Hat es dieser Schuft doch geschafft?! Die Geschichte wird dem Leser in manchen Zügen bekannt vorkommen. „Das Böse unter der Sonne“ – wer den Film kennt, wird dem Geheimnis um das Ableben der Mrs. Sanders schnell auf die Spur kommen. Im Film ermittelt jedoch Hercule Poirot, und nicht Jane Marple.

Das Todeskraut

Alle Teilnehmer des Dienstagabend-Klubs haben eine oder mehrere Geschichten zum Besten gegeben. Man lauschte, man rätselte, man löste die kniffligsten Fälle. Nur Mrs. Bantry, die Frau des Colonels hat noch nichts zum Gelingen des Zusammentreffens beigetragen. Sie wird zwar immer wieder aufgefordert, doch fügt sie sich nicht in die Rolle der Erzählerin. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Dolly Bantry muss ran.

Immer wieder betont sie wie ungeschickt sie doch sei. Gern höre sie den Geschichten zu, rate mit. Aber selbst eine Geschichte erzählen, liege ihr einfach nicht. Schlussendlich beugt sie sich dem Gruppenzwang. Sie und der Colonel besuchten eines Tages Sir Ambrose Bercy auf seinem Anwesen Clodderham Court. Sein junges Mündel wurde vergiftet, weil beim Salbei pflücken auch einige Blätter Fingerhut zwischen die Ernte gerieten. Der Köchin fielen die giftigen Blätter nicht auf. Ein dummes Ding, wie Dolly Bantry bemerkt. Und das war‘s auch schon.

Dolly hat’s ja gleich gesagt – sie kann einfach keine Geschichten erzählen. So helfen ihr die Anderen auf die Sprünge. Wer wohnte alles auf Clodderham Court? Wer war mit wem irgendwie verbandelt? Warum traf es ausgerechnet das junge Ding? Alles Fragen, die sich auch der Leser stellt. Wie im richtigen Kriminalroman.

Die seltsame Angelegenheit mit dem Bungalow

Jane Helier ist die Hauptperson der zwölften Episode des Dienstagabend-Klubs. Beginnt Miss Marple. Sie erzählt von einer Freundin, einer Schauspielerin, die in einem Ort an einem Fluss ein Gastspiel hat. Die Runde weiß ab den ersten Worten, dass Miss Marple nicht unbedingt ein Geheimnis aus dem Namen und dem Ort machen muss. Sie spricht von sich selbst. Irgendwann wird sich die Dame schon verraten, denkt sich so mancher. Und hoppla, ich … nein sie hat … ach was soll’s. Miss Marple hat sich verraten. Um nicht noch weitere Anwesende zu kompromittieren, lässt sich der Klub Namen für die Handelnden einfallen.

Ein Raub ist geschehen. Ein junger Autor wird zu einem Bungalow beordert. Es wird ihm geöffnet. Und … nein zu viel soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur so viel: Die Geschichte endet abrupt. Nur eine kleine Bemerkung, die Jane Marple Jane Helier ins Ohr flüstert, sorgt dann doch für Erhellung.

Jeden Dienstagabend treffen sich die wissbegierigen Mitglieder des Klubs, um Kriminalfälle zu lösen. Dieses Mal ist alles anders…

 Tod durch Ertrinken

Armes, dummes Ding. Rose Emmott hat sich im Fluss ertränkt. Hat sich verführen lassen – mit Folgen – und kam überhaupt nicht mit dieser Situation zurecht. Nun treibt sie im Fluss. Selbstmord. Sir Henry Clithering glaubt nicht recht an diese Theorie. Miss Marple auch nicht.

Die letzte der dreizehn Geschichten des Dienstagsabend-Klubs. Der nicht bei allen beliebte Architekt Sandford hat sich an Rose herangemacht. Sie ließ es geschehen. Joe Ellis, der schon immer nach der Pfeife von Rose tanzte, konnte nichts dagegen tun. Entspräche auch nicht seinem Naturell. Wie gesagt: Er war Rose eher hörig als gebieterisch. Ein kleiner Junge hat kurz nach dem Mord / Unfall – okay, jetzt ist es raus, es war Mord! – Sandford als auch Ellis in der Nähe der Brücke gesehen, von der Rose ins Wasser stürzte. Pardon gestürzt wurde. Doch es war neblig, trüb. So genau konnte er zu dieser Zeit nichts erkennen. Ellis hat er erkannt, weil er immer das gleiche Lied vor sich hin pfiff. Doch pfeifen kann schließlich jeder!

Miss Marple bringt noch weitere Verdächtige ins Spiel. Wer beim Lesen auf die richtige Person tippt, hat Agatha Christie verstanden. Da muss man schon ganz genau jedes einzelne Wort analysieren. Wie Miss Jane Marple.

Miss Marple erzählt eine Geschichte

Raymond und Joan sind bei Miss Marple zu Besuch. Voller Stolz berichtet sie den beiden wie sie – die einfache Frau aus einfachen Verhältnissen – einmal einen Fall gelöst hat, den selbst die gelehrtesten Gelehrten nicht hätten lösen können.

Ihr Anwalt Mr. Petherick, leider vor zwei Jahren gestorben, besuchte sie eines Tages mit einem Mr. Rhodes. Dieser befürchtete bald vor Gericht stehen zu müssen, weil die Behörden davon ausgehen mussten, dass er seine Frau ermordet habe. Diese war eine übertriebene Persönlichkeit. Beim kleinsten Wehwehchen bauschte sie die Sache auf. Das Ehepaar verbrachte einige Tage in einem Hotel. Getrennte Zimmer, doch mit einer Tür zu beiden Seiten zugänglich. Mr. Rhodes arbeitete noch ein wenig am Abend, während seine Frau schon in Morpheus Armen schlummerte. Kurz vorm Zubettgehen schaute Mr. Rhodes noch einmal nach seiner Frau. Das Licht brannte, das Lebenslicht seiner Gattin hingegen war erloschen. Mit einem Stilett ausgeknipst. Jetzt kommt das „locked room mystery“. Beide Zimmer hatten je eine Tür, die zum Flur führte und eine Verbindungstür. Die Fenster waren verschlossen. Wer also sonst außer Mr. Rhodes hätte die Frau erstechen können? Für die Polizei ist der Fall klar.

Miss Marple hat sich die ganze Geschichte genau angehört und kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Das hypochrondrische Verhalten von Mrs. Rhodes, ein damit zusammenhängendes Ereignis und das Zimmermädchen, das noch kurz bevor Mr. Rhodes seine Frau tot auffand im Raum war, geben Aufschluss über dieses Mysterium.

Ein seltsamer Scherz

Charmain Stroud und Edward Rossiter sind am Ende. Ihr Onkel Mathew ist verstorben. Und er hat ihnen – das hat er schon vor Jahren versprochen – alles hinterlassen, was er besaß. Ansteys, das große Anwesen, ist jedoch das Einzige, was für die beiden greifbar ist. Ihre Freundin Jane Helier macht das verzweifelte Paar mit Miss Marple bekannt. Sie ist der Rettungsanker, der den beiden jungen Menschen die sorglose Zukunft zeigen soll.

Eine Schatzsuche – Jane Marple freut sich wie ein kleines Kind über die unerwartete Einladung und die verheißungsvolle Jagd. Das Anwesen sieht aus wie ein riesiger Acker. Alle Schränke wurden durchwühlt, jede Truhe geöffnet. Nichts, gar nichts. Jane Marple nimmt sich die Korrespondenz des Verblichenen vor. Ziemlich schnell wird ihr klar, dass Onkel Mathew ein gewitzter Scherzbold war. Keiner, der anderen nichts gönnte. Es machte ihm nur einen Heidenspaß, andere zu necken.

Doch wer eine Jane Marple aufs Glatteis führen will, muss schon verdammt scharfe Kufen haben. Ihr entkommt keiner.

Der Maßbandmord

Miss Politt klopft vergeblich an die Tür von Mrs. Spenlows. Komisch, es war doch ausgemacht, dass die Schneiderin das Kleid um halb vier vorbeibringen soll. Nochmal klopfen. Nichts. Es ist doch halb vier. Das bestätigt auch die Nachbarin. Komisch. Mal durchs Fenster schauen. Oh Gott. Mrs. Spenlows! Sie ist tot! Und wo ist ihr Mann? Der wurde angerufen und für kurz nach drei zu Miss Jane Marple bestellt.

Jetzt schlägt’s aber dreizehn! Miss Marple hat niemals den zwar netten, aber ansonsten für sie uninteressanten Mr. Spenlows zu sich bestellt. Beide verstehen die Welt nicht mehr. Die Tote trug einen Kimono, hatte sich wohl schon auf die Anprobe vorbereitet.

Miss Marple verdreht ausnahmsweise mal die Tatsachen. Und sie erinnert sich an einen Juwelenraub, der bis heute niemals aufgeklärt wurde. Damals wurde ein Anwesen ausgeraubt, Edelsteine verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Die Hausmädchen wurden verdächtigt, aber niemand konnte ihnen etwas nachweisen. Hätte man damals richtig recherchiert, vor allem nach der Tat die Lebenswege der Verdächtigen weiterverfolgt, wäre einigen viel Leid erspart geblieben. Allerdings hätte dann Miss Marple einen Falle weniger zu lösen gehabt.

Der Fall der Hausmeisterin

Miss Marple liegt im Bett, Grippe. Ein bisschen wehleidig das alte Mädchen. Dr. Haydock hat die richtige Medizin. Er gibt ihr ein Manuskript. Einen Krimi. Mal sehen, ob sie das Rätsel lösen kann.

Harry Laxton lebtevon Kindesbeinen an in diesem Ort. Er war bekannt wie ein bunter Hund. Und man sah ihm so manchen Streich nach. Doch man wusste auch, dass er es nie zu etwas bringen sollte. Die Affäre mit der Tochter des Tabakwarenhändlers brach ihm dann endgültig das Genick, aller Kredit war verspielt. Man schickte ihn zwar nicht in die Wüste doch weit weg.

Nun ist er zurück. Oho, aha, schallt es aus allen Löchern. Das Anwesen ist inzwischen ziemlich verkommen. Noch bewohnt, aber nicht bewohnbar. Also wird es abgerissen, und an gleicher Stelle ein neuer Herrensitz errichtet. Was mit den Verwaltern passiert, ist Harry egal. Er zahlt sie großzügig aus. Fertig. Doch Harry Laxton hat noch eine Überraschung im petto. Er hat geheiratet. Louise, ein entzückendes, doch zart besaitetes Wesen. Die Klatschbasen des Dorfes wollen den Neuzugang genauestens unter die Lupe nehmen. Und ihr von ihrem Unhold, den sie sich da geangelt hat, berichten. Alles nicht so einfach für die junge Louise. Fluchtgedanken keimen in ihr, sprießen aber erst hervor als Harry von einer Verrückten gedroht wird. Es ist die ehemalige Hausmeisterin. Sie ist wohl noch sauer auf Harry. Louise ist besorgt. Harry kann sie jedoch beruhigen. Kurze Zeit später stürzt Louise vom Pferd, tot.

Miss Marple geht es schon wieder besser, meint Dr. Haydock. Denn sie hat das Rätsel um Louises Reitunfall mit Bravour gelöst.

Der Fall des perfekten Hausmädchens

Gauner aufgepasst! Wenn eine liebenswürdige ältere Frau vor der Tür steht, sie ihre Tasche derart theatralisch fallenlässt, so dass deren gesamter Inhalt über den Boden verstreut liegt, lasst alles liegen, fasst nichts an. Das is’n Trick! Und wenn die Dame dann auch noch Jane mit Vornamen heißt, hui … dann macht Euch besser aus dem Staub.

Miss Marple wird von ihrer Haushälterin Edna um Hilfe gebeten. Ednas Cousine Gladys wurde von ihren Herrinnen Lavinia und Emily Skinner entlassen. Erst soll sie Brosche entwendet haben, die sich schnell aber wieder einfand, dann hat sie einen Teller zerbrochen. Kann ja mal passieren und die Brosche schien das dumme Ding wirklich nicht geklaut zu haben. Aber wer am längeren Hebel sitzt, erklärt sich nicht und spielt halt gern seine Macht aus. Je heftiger, desto mehr hat er auch zu verbergen. So findet man heute noch sehr oft…

Miss Marple macht Gutwetter bei den beiden Schwestern, doch es hilft nichts: Gladys bleibt entlassen. Kurze Zeit später haben die Skinner-Sisters allen Unkenrufen zum Trotz einen Engel als Haushälterin gefunden. Mary Higgins. Ein wahrer Engel. Zu gut, um wahr zu sein. Das denkt auch Miss Marple. Und stellt ihr eine Falle. Nicht zu unrecht. Denn schon bald sind Engel, Schmuckstücke, Pelze, aber auch die beiden Skinners-Schwestern verschwunden. Miss Marple weiß ganz genau warum. Und auch wie man ihnen das Handwerk legen kann.

Asyl

Dass man bei Agatha Christie ab und zu mal um die Ecke denken muss, ist jedem Leser klar. Aber gleich mehrmals? Vor den Stufen zum Altar einer kleinen Kirche betet ein Mann. Bunch, eigentlich Diana, doch der Spitzname passt zu ihr, die Frau des Pfarrers denkt das zumindest. Sie geht auf ihn zu und bemerkt, dass es dem Mann schlecht geht. Sehr schlecht. Kaum noch Puls. Mit letzter Kraft haucht er „Asyl“. Kurze Zeit später stirbt er.

Ein Schuss hat ihm den wichtigen Lebenssaft geraubt. Mr. und Mrs. Eccles treffen in dem kleinen Örtchen ein. Sie haben vom Tod des Mannes gehört. Sie ist seine Schwester und er demzufolge sein Schwager. Sie wollen nur seine Sachen abholen dann schnell wieder verschwinden. Doch es sind ein paar Ungereimtheiten, die Bunch zweifeln lassen. Sie kontaktiert Tante Jane. Jane Marple. Sie erkennt ebenso das Verwirrspiel um Walter und William. Und sie findet die Verbindung zwischen dem Paar, dem Opfer und die Antwort auf die Frage, warum der Angeschossene ausgerechnet in dieser Kirche nach dem „Asyl“ fragte…

Greenshaws Folly

Woher weiß die Frau das alles? Miss Marple kennt aber auch jeden Trick, um Betrüger zu entlarven. Ihr Neffe Raymond, ein erfolgreicher Schriftsteller, zeigt seinem Freund Horace Bindler die Gegend. Der ist ein Freund von Scheußlichkeiten jeder Art. Greenshaw Folly ist eines der Gattung hübsch-hässliche Behausung. Der Erbauer war viel gereist und hat aus jedem Land eine Besonderheit mitgebracht. Viel hilft nicht immer viel. Der wilde Stilmix lässt Horace Bindler in Verzückung geraten.

Die Dame des Hauses, Miss Greenshaw bittet die beiden herein. Sie benötige die beiden als Zeugen für ihr Testament. Begünstigte dürfen nicht bezeugen. Sagt das Gesetz. Ein Satz, der Mrs. Cresswell besonders freuen dürfte. Die Haushälterin ist zugegen als diese bedeutungsvollen Worte fallen. Sie weiß, was es bedeutet. Ebenso vernimmt sie froh die Botschaft, dass der Neffe ihrer Chefin keinen Schilling sehen wird.

Kurze Zeit später ist Miss Greenshaw tot. Von einem Pfeil durchbohrt. Und wieder gibt es mehrere Verdächtige, und keiner von Ihnen kann es nur annähernd gewesen sein. Wenn, ja wenn jeder der ist, der er vorgibt zu sein. Miss Marple hat da ihre berechtigten Zweifel.

Spaziergänge in Verona

Spaziergänge in Verona

Städtereisen haben ihren eigenen Reiz. In relativ kurzer Zeit so viel wie möglich erleben. Auf engstem Raum, relativ gesehen. In New York ist man als Fashion-Victim bestens aufgehoben. London ist ob der schieren Vielfalt fast gar nicht mehr zu fassen. Und durch Verona schlendert man beschwingt wie zu einer Mozart-Melodie. Auch dieser Stadt machte das Wunderkind einst seine Aufwartung.

Ulrike Rauh umgeht das Vorurteil, das, wer Verona besucht, nur auf den Spuren von Romeo und Julia, der Montagues und der Capulets wandern will. Wer die Stadt nur auf die beiden – fiktiven – Figuren beschränkt, wird den größten Teil der Stadt verpassen. Auch wenn sich die Stadt scheinbar nur auf ihre beiden – fiktiven – Helden zu verlassen scheint.

Ulrike Rauh genießt jeden Tag, jede Stunde, jede Minute in der Stadt an der Etsch. Mit wachem Auge, offenem Geist und gezücktem Stift streift sie durch das Verona der Vergangenheit und betrachtet es aus der Gegenwart. Nur ein wenig größer als Nürnberg, aber nur halb so viele Einwohner (was durch den Besucheransturm aber wieder ausgeglichen wird). Verona erläuft man sich, atmet die Atmosphäre der über zweieinthalbtausend Jahre alten Stadt ein.

Ulrike Rauh setzt sich nieder, wenn es ihr sinnvoll erscheint, genießt einen Cappuccino und lässt ihren Blick schweifen. Als Leser wird dabei ebenso der Wissensdurst gestillt wie der  der Autorin sich in die Stadt zu vertiefen. Immer wieder glänzt sie mit Fachwissen, das dem hastigen Reisenden verborgen bleibt.

Wer Verona bereist, sollte die „Spaziergänge in Verona“ stets zur Hand haben. Sich niederlassen, einen kleinen Snack zu sich nehmen und wenig im Buch blättern. Wer geschickt plant, hat mit diesem Buch einen idealen Reiseguide, der die Steine zum Sprechen bringt.

Und sie trifft sogar einen Nachfahren eines der berühmtesten Söhne der Stadt: Dante. Seit zwanzig Generationen gehört die Familie Alighieri zu Verona wie die Etsch und Romeo und Julia. Er staunt über das Programm, das die Autorin noch vor sich hat und gibt Ihr Ratschläge, was sie noch sehen muss. Dem Leser soll’s recht sein: Echte Tipps von einem, der’s wissen muss.

Auch Ulrike Rauh kann sich der Anziehungskraft des Romeo-Und-Julia-Kultes nicht verschließen. Trotz all des Kommerzes ist und bleibt die Stadt ewig mit den sich innig Liebenden verbunden. Sie machte einen großen Bogen um die Touristentrauben, die mehr oder weniger versierten Guides an den Lippen hängen und verführt den Leser dazu der wahren Geschichte der beiden, sofern es sie gibt, zu folgen.

In jeder Zeile, in jedem Wort, jeder Silbe spürt der Leser die Zuneigung der Autorin zu Verona. Fast meint man, dass ein Besuch nicht lohnt, weil man alles hautnah im Buch schon erlebt hat. Das ist ein Kompliment für die Ulrike Rauh, doch würde man Verona keinen Gefallen tun und sich selbst betrügen. Die im Buch abgebildeten Bilder stammen wie die Zeilen von Ulrike Rauh. Um Souvenirs muss man sich also schon mal nicht kümmern, wenn Verona auf dem Reiseplan steht…

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55

Es ist aus mit der Ruhe im saarländischen Dürrweiler. Flüchtlinge sollen hier einquartiert werden. Die Krone, Gasthof des verschwiegenen Ortes, soll dafür hergerichtet werden. Vierunddreißig Flüchtlinge sollen hier ihr neues – zeitlich begrenztes – Zuhause finden. Doch es wird für fünfundfünfzig Plätze umgebaut. Eine Bürgerversammlung soll für Aufklärung sorgen, wird aber zur tumultartigen Schreierei. Hauptangriffsziel ist der Landrat. Karlmann wie ihn alle nennen. Einer von hier. Karl-Josef Brix will die Gemüter besänftigen, doch insgeheim weiß er, dass er gegen Windmühlen kämpft.

Der Schwitzgebel David hat einen anderen Gegner ausgemacht: Das Haus des Landrats. Und er weiß wie er seinen Kampf gewinnt. Mit dem Traktor macht der die Behausung Karlmanns platt. Eine Lapalie für Bungert, den Polizisten, im Vergleich zum Tode von Kurt Bosslet. Ziemlich verrenkt liegt auf dem Kellerboden. Herzinfarkt. Seine Frau Helga steht nun allein da. Kinder haben sie keine. Der Kurt, ein Baum von einem Mann, Rennsportfan und Kommunalpolitiker.

Fred, sein alter Kumpan und seit Jahrzehnten erbitterter Widersacher erzählt seinem Enkel Joris von dem Vorfall. In so einem kleinen Ort sprechen sich solche Vorfälle schnell rum. Einst gingen Fred und Kurt gemeinsame Wege. Als Kicker in der saarländischen Nationalmannschaft, die das Wunder von Bern fast verhindert hätte. Doch die Herberger-Elf war cleverer und sicherte sich mit einem Sieg die Teilnahme an der Fußball-WM 1954 in der Schweiz. Ein Jahr später wurde das Saarland wieder Deutschland zugeordnet. Auch auf dem Papier. Daran erinnern nur noch Fotos. Fotos, die Fred nun wieder herausgekramt hat.

Der Fred und Kurt waren einst vereint im Kampf um den Anschluss des Saarlandes an Deutschland. Sie verteilten Propagandamaterial und verteidigten ihre Sachen wenn nötig auch mit Fäusten. Joris als junger Mensch, der vielleicht mal studieren möchte, ist sehr an den Geschichten von Opa Fred interessiert. Und er beginnt zu recherchieren. Zu recherchieren, warum der rote Fred und der schwarze Kurt irgendwann getrennte Wege gingen. Oder gehen mussten?!

Marcus Imbsweiler verwebt mit „55“ saarländische Geschichte und einen waschechten Krimi zu einer fesselnden Geschichte. Immer wieder unterbricht er die Gegenwart, um dem Leser ein Stück saarländische und somit deutsche Geschichte zu vermitteln. Man ist mittendrin, wenn Fußballmannschaften aufeinandertreffen, wenn Flugblätter in einer Nacht-Und-Nebel-Aktion beschafft werden, wenn der politische Kampf noch als solcher zu bezeichnen ist. Die Parallelität der Ereignisse vor sechzig Jahren und so manchem Unmut der Gegenwart ist frappierend. Der Autor beweist aber auch, dass Geschichte niemals zu Ende gehen wird.